Es gibt sie eben doch, die Zirkelwand in der Wilhelma. (Foto: Brücke-Osteuropa, CC0 1.0, via Wikimedia Commons)

In der Wikipedia steht, worin der Unterschied zwischen einem Bergfest und einer Halbzeit liegt. So oder so, der größte Fotowettbewerb der Welt geht in die zweite Hälfte. Noch bis zum Monatsende machen Ehrenamtliche bei Wiki Loves Monuments 2012 Fotos von Denkmälern, mit denen die Wikipedia bebildert werden kann. Bereits heute wurde die Zahl von 150.000 hochgeladenen Dateien erreicht. Offensichtlich kann die Rekordmarke aus dem vergangenen Jahr bis zum 30. September noch einmal übertroffen werden. Das ist schon jetzt ein toller Erfolg für die Aktion der Fotografen aus über 30 Ländern. Herzlichen Glückwunsch!

Wenig offensichtlich ist, wie viel Engagement eigentlich in diesen 150.000 Fotos liegt. Die Zahl ist so groß, dass sie weder vorstellbar ist noch richtig gewürdigt werden kann. In ganz Deutschland, europaweit und quer durch die Welt machen sich Menschen in ihrer Freizeit auf, um von Denkmal zu Denkmal zu ziehen. Manchmal finden sie nicht, was sie suchen. Manchmal kommt es ganz anders als geplant. Oft treffen sie andere Menschen, mit denen sie ins Gespräch kommen. Das ist, was hinter der ständig steigenden Zahl von Fotos steckt. In diesem Blogbeitrag teilen wir deshalb eine erste Geschichte von vielen, die Fotografen für Wiki Loves Monuments erleben, bevor ihre Arbeit zu einer von 150.000 und mehr Dateien wird. Weitere folgen in den nächsten Tagen.

 

Ein Wikipedianer auf der Suche nach der „Zirkelwand“:

Besonders spannend wird es für mich, wenn ich nach ungewöhnlichen Denkmalen suche, so zum Beispiel in den letzten Wochen in der Gegend von Pirna (Sachsen) nach einem bei königlicher Jagd genutzten „Trogbrunnen“ im Walde von Graupa, nach einer „Pestplatte“ im Wald von Hinterjessen, nach einem einzigartigen „Dampfschiff“ auf der Elbe oder einer „Milchrampe“ in Pratzschwitz. Am häufigsten fotografiert man ja Wohnhäuser, was ja auf die Dauer auch langweilig werden kann. In der Denkmalliste von Stuttgart fand ich neulich ein neues Objekt meiner Begierde. Dort ist verzeichnet: „‚Zirkelwand‘ (Teil der Wilhelma)“. Also bewegte ich mich in einen der schönsten Zoos, die Deutschland hat und erkundigte mich bei der Einlasskontrolle nach jener denkmalgeschützten „Zirkelwand“. Der jüngere Mitarbeiter der Wilhelma antwortete, er habe davon noch nie etwas gehört. Der ältere Kollege, der schon 20 Jahre bei der Wilhelma arbeitet, musste auch passen. Aber er gab mir einen Tipp:

 „Schauen Sie doch mal bei Wikipedia nach.“

Da musste ich doch innerlich sehr lachen. Ich ging also – was die Zirkelwand betrifft – mit leeren Händen nach Hause und wollte mal googlen, um doch noch den Standort zu finden. Aber nur diese Stuttgarter Denkmalliste kennt dieses Objekt. Da sah ich ganz schön alt aus. Weil mir das aber keine Ruhe ließ, zog ich heute erneut in die Wilhelma und fand neben der geschützten Terrakotta-Wand eine andere bogenförmige Wand, die das Wilhelma-Theater rechts und links umgibt. Ich bin mir nun sicher, in wenigen Tagen werden Wikipedia / Commons und Google das Foto einer denkmalgeschützten „Zirkelwand“ in ihrem Repertoire haben.

– (Anmerkung: geschafft, siehe Foto!)

 

Selbst für Wiki Loves Monuments auf der Suche nach Denkmälern, die noch nicht in der Wikipedia abgebildet sind? Wir freuen uns, wenn Ihr Eure Geschichten hier im Blog teilen wollt. Eine kurze E-Mail an michael.jahn@wikimedia.de genügt!

Und natürlich: Jeder kann bei Wiki Loves Monuments mitmachen. Weitere Informationen gibt es auf der deutschsprachigen Wettbewerbsseite.