OER – Ein Einblick in die pädagogische Praxis

In der pädagogischen Praxis sind Creative Commons-Lizenzen , Freies Wissen oder Urheberrecht leider immernoch Themen mit denen sich Lehrer weder während ihrer …

  • Elly Koepf
  • 22. März 2012

Jonathasmello, CC-BY 3.0 *

In der pädagogischen Praxis sind Creative Commons-Lizenzen, Freies Wissen oder Urheberrecht leider immernoch Themen mit denen sich Lehrer weder während ihrer Ausbildung noch in der Praxis intensiv beschäftigen müssen. Zum Glück gibt es jedoch eine Menge Lehrer, die Wissensvermittlung in der Lehre als aktiven Prozess betrachten und daher partizipative Methoden dafür einsetzen. Doch selbst diese Lehrer scheinen derzeit durch die „Schultrojaner-Debatte“ und Diskussionen um Open Educational Ressources ( „OER“) verunsichert zu sein.

Am Wochenende wurde im Rahmen des EduCamps in Köln und im Anschluss bei den 13ten Gautinger Internet-Treffen unter Pädagogen, Lehrenden und Koordinierenden über die Fragen Freier Lizenzierung gesprochen und Best-Practice-Ansätze ausgetauscht. Dabei ist klar geworden, dass es nochgroßen Klärungsbedarf gibt.

Die Praxis

Lehrer stehen – oftmals ohne es zu wissen- vor einem Problem: Machen sie sich die Vermischung von Lern- und Lehrmaterialien in Zeiten des Web 2.0 einmal bewusst, so wird die Frage nach dem Urheber und der daraus resultierenden Zitierung immer schwerer zu beantworten. Eine beunruhigende Erkenntnis in den Gesprächen mit den Lehrenden: Unsicherheit und Angst ist bei einer großen Anzahl der Lehrenden ein Hinderungsgrund, sich mit offenen Lehrmaterialien oder den daraus resultierenden kollaborativen Prozessen zu beschäftigen.

Dies wurde für mich in einer Vielzahl an Argumenten sichtbar: Von dem Wunsch nach der „einen richtigen“ Lizenz (so wie im Schulbuch früher)  bis hin zu der Frage, ob man bei Falschverwendung nicht verklagt wird, gab es eine Vielzahl solcher Unsicherheiten, die es zu besprechen galt. Umso erfreulicher jedoch die Beobachtung, dass es oft nur wenig Erläuterung genügte, um Bedenken aus dem Weg zu räumen. Aus der Debatte um richtige Lizenzierung wurde deutlich, dass Aufklärung über Freies Wissen weiterhin eine wichtige Aufgabe ist.

Die Vision: Open Educational Ressources

Die Basis von Open Educational Ressources (im Folgenden OER) umfasst das Spektrum der verschiedenen Creative Commons-Lizenzen. Darüber hinaus ist der Begriff, wie immer wieder deutlich wird, noch sehr unklar in der Definition. Viele denken immernoch, dass „CC“ eine einzige Lizenz ist. Die Creative Commons-Lizenzen sind noch sehr unbekannt unter den Lehrenden, was auf das fehlende Bewusstsein für urheberrechtliche Fragen unter Lehrenden zurückzuführen ist. Ein zweiter Punkt, der noch häufig unklar ist, ist die Tatsache, dass „open“ nicht nur kostenlos bedeutet. Immer wieder kam der Einwand, dass Plattformen, die Ihre Inhalte „frei“ zur Verfügung stellen, doch auch schon OER sein müssten. So lange für das Problembewusstsein für die bisherige Praxis besteht, ist daher auch der Mehrwert Freier Lizenzen schwer zu vermitteln. Im Gespräch mit einem der Teilnehmer, der eine Plattform freier Geschichtsmaterialien pflegt, kamen wir unter anderem auch auf Wikipedia als Freie Ressource zu sprechen:

„Ich habe jetzt (durch die Diskussion) den Mehrwert erkannt: Meine Sicht auf Wikipedia hat sich seit dem um 100% gedreht“ (@segu_geschichte im Real-life)

Deutlich wird damit, dass die Diskussion um OER und die praktische Dimension dahinter zwar noch weit auseinander liegen, aber die Diskussion über Freie Inhalte erstmals öffentlich im Bildungsbereich stattfindet.

Die visionäre Praxis

Besonders bemerkenswert war jedoch in den Gesprächen die große Vielzahl einzelner Akteure, die bereits seit Jahren OER produzieren, Freie Lizenzen verwenden und richtige Verfechter Freien Wissens sind. Aus dieser Beobachtung resultierte dann auch eine zweite Session beim EduCamp zu „Best-Practice“, die ich gemeinsam mit @Gibro und @sondala und einer Gruppe Interessierter bestritt. Die gemeinsamen Ergebnisse haben wir in einem Etherpad gesammelt. Projekte, die bereits freie Inhalte erarbeiten, sind leider noch immer kaum sichtbar und vernetzt. Hier liegt somit eine große Aufgabe für die Zukunft der OER-Bewegung. Von @herrlarbig wie folgt zusammengefasst:

„Sei egoistisch und das hochgradig vernetzt. (Mach dein Ding, rede drüber, kooperiere.) #dialektik #effizienz #oer #ecco12“ (@herrlarbig)

Vernetzung kann, so wurde deutlich, einerseits durch Veranstaltungen wie diese geschaffen werden, eine wichtige Rolle kommt jedoch hierbei auch technischen Features für die computerlesbare Kennzeichnung freier Materialien zu. Die Einblicke in die pädagogische Praxis sind wichtig und können dabei helfen, uns in dem Engagement für Freies Wissen ab und zu zu erden und uns den nach wie vor großen Bedarf der Aufklärung für die Grundbedingungen Freien Wissens zu verdeutlichen.

* Link: CC-BY 3.0

  1. Weil auch im verlinkten Etherpad darüber gesprochen wird, dass man CC-Content im Netz schlecht/nicht erkennt:
    – Es gibt ein Plugin für die diversen Browser das es einem anzeigt, wenn etwas CC-lizensiert ist: http://openattribute.com
    – Mediawiki fügt in der gefault Installation auf Wunsch zwar CC als Lizenz in ein, fügt jedoch keine Meta-Informationen hinzu! Es gibt also hunderte Wikis die nicht maschinenlesbar als CC-lizensiert erkennbar sind, obwohl sie es sind! Ändert das! Ihr als lokales Chapter der Wikimedia Foundation sie dazu am besten in der Lage!

    Kommentar von Michi am 25. März 2012 um 19:06

  2. – und auch dieses Blog besitzt keine Meta-Daten die zeigen, dass die Inhalte unter CC stehen!

    Kommentar von Michi am 25. März 2012 um 19:08

  3. Auf Bitten von Elly habe ich mich etwas in das Thema eingelesen. Es scheint keinen anerkannten Standard für solche Lizenzinformationen zu geben. DublinCore habe ich gefunden [1], dafür gibt es auch eine Seite auf mediawiki.org: [2].

    Die von Michi genannte Browser-Extension basiert vor allem auf RDFa: „The Add On is defined as a browser extension, which, when installed, allows the user to pull available RDFa data and format it into the proper attribution. When no RDFa data is available, metadata should be generated from other sources NEEDS TO BE INVESTIGATED“ [3]

    Daniel Kinzler, auch bekannt als Benutzer:Duesentrieb, hat bereits 2009 einen ersten Versuch unternommen, RDFa in MediaWiki unterzubringen [4]. Aus diversen Gründen ist dies jedoch revertiert und vertagt worden, nachzulesen im Bugzilla [5].

    Heute wurde der Code dann in das neue Versionssystem Git/Gerrit eingespielt: [6], so dass RDFa hoffentlich mit MediaWiki 1.20 in einigen Monaten zur Verfügung steht.

    Wie das hier im Blog umzusetzen ist, müsste ein WordPress-Entwickler sagen können.

    Ich hoffe, ich konnte zur allgemeinen Verwirrung beitragen. Raimond.

    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Dublin_Core
    [2] https://meta.wikimedia.org/wiki/RDF_metadata
    [3] https://wiki.mozilla.org/Drumbeat/Attribution_generator_Functional_Specification#2.1_Add_On
    [4] https://www.mediawiki.org/wiki/Special:Code/MediaWiki/58694
    [5] https://bugzilla.wikimedia.org/show_bug.cgi?id=33886
    [6] https://gerrit.wikimedia.org/r/#change,3912

    Kommentar von Raimond Spekking am 29. März 2012 um 18:34

  4. […] aus den Gesprächen beim EduCamp und den Gautinger Internettagen sind in einem gemeinsamen Blogpost zusammengefasst. Generelle Anmerkungen und Ideen rund um diese Stichwort werden gerne unter […]

    Pingback von Wikimedia Blog » Blog Archive » Monatsbericht März 2012 am 3. April 2012 um 17:40

  5. […] und urheberrechtlichen Fragen gegenüber dem Vorjahr deutlich zu. Aufgrund der Diskussion um Open Educational Ressources (OER) durch den sogenannten “Schultrojaner” und den engen Vorgaben für das Kopieren […]

    Pingback von Wikimedia Blog » Blog Archive » Bildung und Wissen unterwegs – iMedia und co am 28. Mai 2012 um 16:15

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