Der Vorstand im Hannoveraner „Schlauchzimmer“

Dies erkannte schon Hoffmann von Fallersleben in den 1830er-Jahren und nun auch ich. Am Freitag nachmittag machte ich mich – mit gemischten Gefühlen – auf zur letzten Vorstandssitzung, genauer gesagt zu „meiner“ (vielleicht) letzten Vorstandssitzung. Immerhin fing die Dienstreise gut an: der Zug war pünktlich und als Sitznachbarin hatte ich eine sehr sympathische Dame mit einer entzückenden Cocker-Spaniel-Hündin zu Füßen. Noch vor Erreichen des Bahnhofs in Spandau hatte sich diese meinen linken Fuß als Sofakissen auserkoren und ruhte darauf bis kurz vor Hannover – meinem Reiseziel. Nachdem ich es mir einigermaßen gemütlich gemacht hatte – Sofern dies möglich war, denn der linke Fuß musste schließlich vollkommen unbeweglich ruhen, um ja den Hundeschlaf nicht zu stören. –, sollte es an die Arbeit gehen, denn meine Bewerbung als Kassenprüfer schrieb sich nicht von allein. Gleich nachdem ich bis zur Stelle „Bewerbung als Kassensprüfer“ gekommen bin, trat die Schreibblockade ein. Diese ließ sich auch durch energisches Zureden nicht auflösen, denn die Gedanken schweiften ab und vor dem geistigen Auge spielte sich eine Show mit dem Titel „Zwei Jahre im Vorstand von WMDE“ ab. Es war ein gekonntes Potpourri aus Krimi, Drama, Romanze, Western und Soap! Die Frage, ob ich nochmal kandidiere wurde damit nicht einfacher und schon gar nicht gelöst. In Hannover angekommen ging alles den schon gewohnten Gang: Zimmer beziehen und auf zum gemeinsamen Abendessen. Die erste Überraschung gab es am Samstag morgen: Sebastian hatte es tatsächlich geschafft, vor Maria und mir (den beiden klaren Trägern des Titels „Frühaufsteher“) am Frühstückstisch zu sitzen.

Pünktlich um 9 Uhr begann dann die letzte Sitzung des siebten Vorstands. Fünf Themen standen auf der Tagesordnung: Anträge zur Mitgliederversammlung, Kandidaturen, Vorbereitung der MV, Regelung zur Übergabe an den neuen Vorstand und Sonstiges. Ohne auf die Ergebnisse im Einzelnen eingehen zu wollen (dazu folgt noch ein Blogbeitrag) möchte ich eines festhalten: Wie bereits auf der letzten Hannover-Sitzung (also der letzten Sitzung des sechsten Vorstands) merkte ich, dass die Gruppe nach einem Jahr zusammengewachsen ist. Das gemeinsame Arbeiten ging ungewohnt zügig und effizient voran, die Diskussionen waren sachlich und ich persönlich hatte es endlich geschafft, mal keinem ins Wort zu fallen! Wir haben es tatsächlich hinbekommen, die Tagesordnung eine Stunde schneller als ursprünglich geplant durchzuackern und so blieb noch Zeit für einen gemeinsamen Abschiedskaffee.

Am Bahnhof Hannover trennten sich unsere Wege, zwei nach Norden, drei nach Süden und zwei nach Osten. Ich – als einer der gen Osten Reisenden – hatte das Glück, dass Sebastian ebenfalls nach Berlin musste, damit hatte ich auch auf der Rückfahrt einen sympathischen Sitznachbarn neben mir sicher. Dieser musste sich zwar mindestens 30 Minuten lang anhören, dass mein Abschied von der Vorstandsarbeit schon mit einer großen Portion Wehmut verbunden sei, aber er hat mein Klagen – wie immer in den letzten zwei Jahren – geduldig ertragen.