Am vergangenen Wochenende fand die Wikipedia Academy in der Frankfurter Goethe-Universität statt. Wikimedia Deutschland hatte Wikipedianer, Wissenschaftler und interessierte Praktiker eingeladen, zum Thema „Energie des Wissens – was Wissen schafft, bewegt“ miteinander ins Gespräch zu kommen.

In der eindrucksvollen Atmosphäre der historischen Aula wurden wir durch die Vizepräsidentin der Universität, Prof. Dr. Maria-Roser Valenti, begrüßt:

Wir werden erfahren, was Wissenschaft bewegt und wie Wissen bewegt und wir werden erleben, dass Wissen Energie ist. Ich wünsche Ihnen recht viel davon in den nächsten zwei Tagen und inspirierende und informative Vorträge, Workshops und Gespräche. „Wer vorausschaut ist der Herr des Tages“ sagte Goethe. Wikipedianer haben vorausgeschaut, lassen Sie es uns gleich tun und gemeinsam an der Vision Freien Wissens arbeiten.

Pavel Richter hieß darauf hin die Teilnehmer im Namen von Wikimedia Deutschland Willkommen, gab einen Überblick über vergangene Academies und einen Ausblick auf die folgenden Vorträge und Workshops.

Schwerpunkte und Spannungsfelder

Inhaltlich bildeten sich während dieser beiden Tage verschiedene Schwerpunkte heraus. Im kurzen „Blick auf sich selbst“ eröffneten Vorstellungen der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte durch Jonathan Groß und Martin Rulsch externen Besuchern erste Einblicke in die Wikimedia-Welt. Im weiteren Blick präsentierte Manuel Merz von der TU Ilmenau erste Ergebnisse seiner Umfrage aus dem Jahr 2009 über die Autoren der Wikipedia, darunter auch einige durchaus überraschende Ergebnisse, insbesondere zur Altersstruktur und dem Bildungsgrad.

Im deutlich weiteren und auch abstrakteren Spannungsfeld aus Freien Lizenzen, Open Access und Wissenschaft hingegen bewegten sich die Vorträge von Cornelius Puschmann (Mehr Offenheit, bitte!), Lars Fischer (Von Open Access zu Freiem Wissen) und Daniel Mietchen (Wissenschaft als Wiki). Sie verdeutlichten die Konsequenzen des von David Ludwig in seiner Keynote (Wikipedia als Wissenschaftskommunikation) als „fehlendes Reputationssystem“ monierten Mangels. Themen wie Open Access scheinen für aktive Wissenschaftler vordergründig nützlicher als freie Lizenzen, die Mitarbeit in Wikis oder gar in der Wikipedia. Deutlich wurde in diesem Strang, dass in der Wissenschaft selber viele „Wikipedia-affine“ Strukturen herrschen, der Transfer zur motivierten Mitarbeit jedoch bisher kaum erbracht werden konnte.

Philipp Birken und Günter Bartsch sowie Dirk Ingo Franke, Achim Raschka und Denis Barthel boten praxisorientierte Einblicke in verschiedenste Konstellationen der Begegnung von Wissenschaft und Wikipedia. Hier wurde über Last und Freude des eigenen Wikipedia Artikels („Leider bin ich relevant!“) referiert, über öffentlich geförderte Projekte zur Mitarbeit oder über den aktiven wie passiven Einsatz in der Lehre. Hier konnten vor allem Fallbeispiele und -situationen den hohen Anspruch deutlich machen, den das Projekt an seine Teilnehmer erhebt und außerdem die Möglichkeiten der Wikipedia herausstreichen.

In Anlehnung an das „Wissenschaftsjahr 2010 – Die Zukunft der Energie“ stellte Achim Raschka den Quantitäts- und Qualitätsstatus energiebezogener Artikel und Bereiche in der Wikipedia sowie die Erfahrungen aus dem Wiki-Projekt Nachwachsende Rohstoffe vor. Leider konnten darüber hinaus weder Wikipedia-Mitarbeiter noch viele externe Akteure gewonnen werden, sich zu diesem Thema an der Academy zu beteiligen.

Dokumentation

Die Veranstaltung konnte nicht nur live vor Ort, sondern auch per Livestream verfolgt werden. Die Aufzeichnungen werden wir in den nächsten Tagen zur Verfügung stellen. Anna Lena Schiller hat die Vorträge von David Ludwig und Cornelius Puschmann außerdem „visuell dokumentiert“, diese Bilder werden ebenfalls zeitnah veröffentlicht. Dirk Ingo Franke hat die Veranstaltung am Freitag und Samstag außerdem sehr fleißig und unterhaltsam per Liveblogging begleitet. Herzlichen Dank!

Eine Link- und Foliensammlung zu den einzelnen Programmpunkten wird ebenfalls nachgereicht, wenn alle Unterlagen komplett sind.

Resonanz

Das vielfältige Programm stieß bei den Teilnehmern auf reges Interesse, die von Wikipedianern und Wissenschaftler vorgetragenen Thesen und Ergebnisse lösten spannende Diskussionen aus, die sicherlich nach Abschluss der Veranstaltung weiter geführt werden.

Leider ist nur etwa die Hälfte der zur Veranstaltung angemeldeten Personen erschienen und die Quote der externen Wissenschaftler, die zum ersten Mal in Berührung mit der Wikipedia und ihren Schwesterprojekten kamen, war recht niedrig. Das mag zum einen daran liegen, dass das Programm erst kurz vor der Veranstaltung in finaler Version veröffentlicht wurde und zuvor „nur“ die Workshop- und Vortragsthemen in einem offenen Rahmen zusammengetragen wurden.

Zum anderen zeigt uns die Resonanz erneut, dass noch viel Aufklärungs- und Informationsarbeit zu leisten ist. Wichtig ist dabei vor allem, dass wir weitere Multiplikatoren mit Kontakten in die Wissenschaftsszene identifizieren und Netzwerkaufbau und -pflege verstärken müssen.

What’s next?

Wir sind guten Mutes, im Laufe des nächsten Jahres ein Netzwerk an Vertrauensdozenten als Botschafter für Freies Wissen und Wikipedia aufbauen zu können, haben bereits weitere Pläne zur besseren Vernetzung mit der Wissenschaftsszene geschmiedet und werden das Konzept „Wikipedia Academy“ überarbeiten und optimieren.

Für Tipps, Kontakte und Feedback sind wir dankbar und hoffen, dass die Diskussionen und Ideen, die Teilnehmer und Referenten am vergangenen Wochenende begonnen haben, im Netz und auf weiteren Treffen ähnlich inspirierend fortgeführt werden.

Danke

Ein ganz herzliches Dankeschön an die engagierten Referenten, mit deren Hilfe wir ein interessantes und nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Programm auf die Beine gestellt haben. Dank gebührt selbstverständlich auch allen Teilnehmern für die anregenden Diskussionen, das positive Feedback und kleinen Beiträge zum Gelingen des großen Ganzen. Auch ohne die fleißigen Helferinnen und Helfer wäre die Konferenz in dieser Form nicht möglich gewesen. Ihr wart Spitze!

Ebenfalls danken wir der Goethe-Universität und dem CampusService für die freundliche und unkomplizierte Zusammenarbeit – und die Tickets für das Basketballspiel am Samstag ;).