»Es ist so dunkel, ich hör dich nicht.« Mein erstes Aufeinandertreffen mit Gehörlosen brachte mich zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken. Gegen welche Barrieren Blinde ankämpfen, damit hatte ich mich schon länger beschäftigt. Aber welche Schwierigkeiten Menschen mit Lernbehinderung oder mit motorischen Einschränkungen haben, wusste ich nicht. Das Gehörlose eine eigene Kultur haben, war mir unbekannt. Eines fasziniert mich dabei immer wieder: Wie das Internet von allen Menschen genutzt werden kann, um selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Um einzukaufen, zu plaudern, zu lernen. Selbstbestimmt tätig werden zu können, ist für Menschen mit Behinderungen wichtig.

Der unkomplizierte Zugang zu Informationen ist für uns alle essentiell und sorgt für eine schnelle Entwicklung unserer Gesellschaft. Wie schön, den exzellenten Artikel zum Kinderlied Drei Chinesen mit dem Kontrabass in Sekundenschnelle abrufen zu können, ohne erst eine Enzyklopädie in der Bibliothek ausleihen zu müssen. Noch erfreuter ist darüber meine blinde Freundin, die sich das Einscannen des Textes aus dem Buch sparen kann und keine sehende Hilfe benötigt. Enttäuscht ist dagegen mein gehörloser Bekannter, weil er kein Gebärdensprachvideo zu dem Artikel anschauen kann.

Wir müssen das Potential der technischen Möglichkeiten nutzen und unsere Wikimedia-Projekte für alle leicht zugänglich und intuitiv nutzbar machen. Die Wikipedia Usability Initiative ist auf dem Weg zu einer besseren Benutzerschnittstelle für MediaWiki. Hervorragend, endlich steht der Nutzer im Vordergrund! Ich möchte mich als Nutzer schließlich nicht dem Diktat der Technik unterwerfen, die Technik soll mich unterstützen. Mit dieser Motivation habe ich dieses Jahr als Beisitzer für Wikimedia Deutschland kandidiert. Tim und ich verfolgen daher in unserem Ressort Usability/Technik das Ziel eines »Vorzeige«-Wissensportals aus Sicht der Barrierefreiheit und Gebrauchstauglichkeit.

Wir haben für die nächsten fünf Jahre sieben ambitionierte Ziele definiert.

  1. Wikimedia gilt als Referenz für ein barrierefreies und gebrauchstaugliches Web.
  2. Der Anteil der Leser und Autoren mit Behinderungen spiegelt ihre Verteilung in der Bevölkerung wider.
  3. Ausgewählte Artikel liegen als gesprochene Wikipedia und in Gebärdensprache vor.
  4. Wikimedia ist allgegenwärtig und integriert.
  5. Wikimedia-Projekte sind jederzeit nutzbar.
  6. Commons ist das größte freie Medienarchiv. Für jedes Ereignis der neuesten Geschichte gibt es ein freies Mediendokument.
  7. Es gibt ein etabliertes Standardformat (Metadaten) für Wissen.

Im Kompass 2020 findet ihr diese Ziele ausführlicher erklärt und habt die Gelegenheit, diese direkt zu kommentieren. Jetzt sind wir auf eure Hilfe angewiesen. Kommentiert unsere Vorschläge. Meldet euch für das Planungsteam Usability/Technik. Bringt euch ein, wie ihr es am besten könnt. Aber bleibt nicht aktionslos. Tim und ich sind gespannt auf eure Rückmeldung.