Digital Independece Day
Zeit, den Stecker zu ziehen: Wie der DI.DAY unser digitales Leben zurückerobern will
Zarah Ziadi
15. Januar 2026
Es war einmal … ein freies Internet
Das Netz fühlte sich einst an wie ein offener Spielplatz für alle Menschen: für Ideen, Austausch und Neugier. Heute gleicht es eher einem Shoppingcenter mit Überwachungskameras, Hausrecht und Dauerbeschallung. Während die Anzahl der Websites explodiert ist, schrumpft unsere tatsächliche Freiheit online. Der Grund: Eine Handvoll Big-Tech-Konzerne kontrolliert einen Großteil des digitalen Raums und damit die Entwicklung unserer Gesellschaft.
Wer sichtbar sein will, muss zahlen. Wer teilnehmen will, gibt Daten ab. Und wer glaubt, selbst zu entscheiden, was sie/er sieht, unterschätzt die Macht unsichtbarer Algorithmen. Genau hier setzt die Initiative Save Social an – und ruft mit dem Digital Independence Day (DI.DAY) zur digitalen Selbstbefreiung auf!
Die Aktion wir von insgesamt 41 Organisationen unterstützt, darunter Wikimedia Deutschland.
Digitale Unabhängigkeit mit Schritt für Schritt-Anleitung
Der DI.DAY ist kein einmaliger Aktionstag, sondern ein monatliches Ritual. An jedem ersten Sonntag im Monat sollen Menschen und Organisationen bewusst von profitorientierten Plattformen zu freien Alternativen wechseln. Heute die Plattform X verlassen und zu Mastodon gehen, morgen WhatsApp gegen Signal tauschen, übermorgen Gmail durch einen datenschutzfreundlichen Mailanbieter ersetzen.
Auf der Webseite stellt die Initiative sogenannte Wechselrezepte bereit: einfache, alltagstaugliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Wechseln von Messenger, Browser, E-Mail und mehr. Laut Save Social gibt es nämlich mehr als genug Alternativen, die nur deshalb nicht sichtbar sind, weil die Big-Tech-Angebote so überpräsent sind. Ergänzt wird das Angebot durch Workshops und Veranstaltungen, online wie offline.
So sollen jeden Monat immer mehr Menschen und Organisationen von profitorientierten zu gemeinwohlorientierten Alternativen wechseln. Wer den Umzug vollzogen hat, sagt mit dem Hashtag #DIDit in den eigenen sozialen Netzwerken Bescheid – und zieht andere nach und nach mit. So retten wir unsere digitale Freiheit und unsere Demokratie.
Breite Unterstützung – und politischer Druck
Der DI.DAY wurde Ende 2025 auf dem Chaos Communication Congress von Autor Marc-Uwe Kling vorgestellt, der die Initiative auch konzeptionell mitentwickelt hat. Kling kritisiert seit Längerem, dass Plattformen wie X oder Facebook zunehmend steuern, wie Menschen Wirklichkeit wahrnehmen. In einem Beitrag der Tagesschau macht er deutlich, wie massiv Demokratie und Freiheit dadurch unter Druck geraten – und warum es höchste Zeit ist, sich aus dieser „Umarmung“ zu lösen.
Getragen wird die Initiative von einem beeindruckend breiten Bündnis. Dazu gehören unter anderem Wikimedia Deutschland, der Chaos Computer Club, Ecosia, die Digitale Gesellschaft, Robin Wood, Nextcloud, ver.di Hamburg sowie viele weitere Organisationen aus der Zivilgesellschaft. Diese Vielfalt zeigt: Digitale Unabhängigkeit ist kein Nischenthema.
Passend dazu haben bereits über 155.000 Menschen eine Petition von Save Social unterzeichnet, die den Abschied der Bundesregierung von der Plattform X fordert. Franziska Heine, Vorständin von Wikimedia Deutschland, bringt es zum Start des DI.DAY mit einem Augenzwinkern auf den Punkt:
„Weil digitale Unabhängigkeit für jede und jeden wichtiger denn je ist, haben wir dem Bundeskanzler zu Weihnachten einen Mastodon-Account geschenkt. Das könnt ihr auch – schenkt euch selbst, den Nachbarn oder der Oma ein Stück Freiheit und digitale Selbstbestimmung!“
Digitale Selbstbestimmung: Endlich unabhängig von Big Tech
Viele von uns greifen im Alltag auf Software großer Tech-Konzerne zurück. Sie ist bequem, gut gestaltet und funktioniert meist problemlos – doch häufig zahlen wir dafür mit unseren Daten, intransparenten Algorithmen und fehlender Kontrolle durch Zwangsupdates. Wer digital selbstbestimmt bleiben möchte, kann auf Freie Software setzen. In einer Blogreihe zeigen wir, welche Alternativen es gibt – von Betriebssystemen über Browser und Messenger bis hin zu Social Media.
es wird immer dringlicher, vor allem unsere Kinder und Enkel in der kritischen und bewußten Nutzung des Internet zu unterstützen und unterweisen. Und ja: die großen Giganten im Netz formen eine Wahrnehmung (ich sage bewußt nicht wirklichkeit) im Sinne derer, die zahlen. Die Orwellschen Albträume werden immer reeller und greifbarer. Daher ist diese Initiative so immens wichtig und zu unterstützen - ebenso, wie Wikipedia unterstützenswert und für "neutrales wissen" unschätzbar wichtig ist!
Die digitale Abhängigkeit ist viel schlimmer, als sich die meisten vorstellen können. Schon das Gerät mit dem wir schreiben, ob PC, Mobiltelefon oder Tablet, hat ein Betriebssystem, und die Eigentümer sitzen in den USA. Die können von jetzt auf gleich alle Geräte abschalten, tot machen. Trotzdem speichern Unternehmen oder Privatpersonen ihre Daten in der Cloud, irgendwo im Nirgendwo, auf Servern, die sich unserer Kontrolle komplett entziehen. Alle reden von Digitalisierung, Ämter und Behörden, obwohl am Tag X alles tot und vorbei sein kann. Schaut nach Amerika: Der Blonde da ist mir zumindest nicht ganz geheuer. Deshalb hofft das Beste, bereitet Euch aber auf das Schlimmste vor( angepasstes Zitat von Simon Bolivar). Sichert eure Daten (auch) lokal, lasst die alten, nicht digitalen Kontakte nicht erkalten, und hofft auf das Beste. Keiner wäre glücklicher als ich, wenn sich meine Befürchtungen nicht erfüllen sollte. Aber bleibt wachsam, und macht nicht jeden digitalen Mist mit. Big Tech und Big Brother.... Umsonst ist nur der Tod. Alle, die Euch was schenken, tun dies nicht in Eurem , sondern in ihrem Interesse.
Klasse, ich werde mich selbst bewegen mit meinen Aktivitäten, auch noch im Alter von 81 Jahren. Bitte weiter so, Wiki!!
Eine sehr gute Idee, Unabhängigkeit- auch oder besonders in der digitalen Welt scheint immer essentieller zu werden. Schützen wir uns durch die Verwendung unabhängiger Medien
Hallo, ich bin sehr für einen Wechsel. Für meine Bedürfnisse komme ich fast immer ohne BigTech aus. Allerdings stört mich bei Euch das Gendern ganz erheblich. Unsere schöne Sprache hat solche Verhunzung nicht verdient. Dietmar Putzar