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Im Seminar „(Umkämpftes) Wissen – am Beispiel von Wikipedia als kollaborativem Raum für Wissen im Netz“ befassten sich Studierende des Studiengangs Europäische Medienwissenschaft an der Universität Potsdam mit der Frage, wie Wissen entsteht, wer es formt – und warum Wikipedia heute wichtiger ist denn je.

Begleitet wurde das Seminar von einer Wikipedianerin sowie von Vertreterinnen von Wikimedia Deutschland, die Einblicke in die Arbeit des Vereins, aktuelle Herausforderungen der Wikipedia und die Bedeutung von Freiem Wissen gaben.

Vom Lesen zum Schreiben – eine neue Perspektive auf Wikipedia

Für viele Studierende war Wikipedia bislang vor allem ein Ort, an dem sie Wissen konsumieren. Im Seminar änderte sich dieser Blick.

Ich hätte nie gedacht, dass ich selbst bei Wikipedia schreiben kann – und dass das so viel Verantwortung bedeutet.

Diese Perspektivänderung haben die Studierenden auch durch das Kollektiv Wiki Riot Squad zu verdanken, das ihnen in einer Praxissitzung die Grundlagen des Editierens zeigte: Wie man ein Benutzerkonto anlegt, Quellen richtig belegt, Artikelstrukturen aufbaut und mit der Community kommuniziert. Schritt für Schritt lernten die Teilnehmenden, wie aus einer Idee ein Artikel wird – und wie sorgfältig jede Änderung von anderen Wikipedianer*innen geprüft wird.

Von Graffiti bis Gaming: Wie Studierende ihre Themen fanden

Viele Studierende fanden ihre Themen für die ersten Schritte in Wikipedia im eigenen Alltag.
Ein Student erzählte:

Ich ging durch den Berliner Mauerpark und dort gibt es eine Graffiti-Wand. Ich war dann sehr überrascht, dass es dazu noch keinen Wikipedia-Artikel gibt – also habe ich ihn geschrieben.
Ein Gameplayausschnitt des Spiels Teamfight Tactics.
Ein Gameplayausschnitt des Spiels Teamfight Tactics.

Eine andere Studentin ergänzte einen Abschnitt über Kosmetik im Computerspiel Teamfight Tactics, weil sie sich schon lange mit Gaming-Kulturen beschäftigt. Ein weiterer Student schrieb über ein DJ-Duo, das er regelmäßig hört – und lernte dabei, wie wichtig es ist, Relevanzkriterien und Quellen sorgfältig zu prüfen, damit der Artikel auch wirklich online geht.

Im Seminar entstanden auch weitere Artikel und Artikelergänzungen: von medienwissenschaftlichen Gruppen und Personen wie Teresa de Lauretis und Teamfight Tactics, die Bockwindmühle Werder (Havel) über die Künstlerin Deize Tigrona bis hin zur ALEX Talkbox oder dem Mühlenfest in Kremmen. Einige Einträge wurden aus anderen Sprachversionen übersetzt, andere ganz neu erstellt.

Die Lernkurve war steil. Plötzlich war klar, wie wichtig Belege, Neutralität und klare Sprache sind – und wie schnell die Community reagiert.

Lernen durch Mitmachen – und durch Kritik

Die Studierenden erfuhren unmittelbar, wie die Wikipedia-Community arbeitet: Einige ihrer Beiträge wurden innerhalb weniger Stunden überarbeitet, formatiert oder auch gelöscht.

Das war teilweise frustrierend, aber auch lehrreich. Man merkt, dass Qualitätssicherung hier wirklich gelebt wird.

Dass Wissen in einem Aushandlungsprozess entsteht und wie Machtstrukturen auch in offenen Projekten wie Wikipedia wirken, erlebten einige Studierende anhand von Diskussionen über die Relevanz ihrer Beiträge und deren Neutralität.

Wikipedia demokratisiert Wissen, aber sie legt auch fest, was als Wissen gilt. Das Projekt ist zugleich emanzipatorisch und disziplinierend – es öffnet den Zugang zu Information, schließt aber auch bestimmte Wissensformen aus.
Prof. Birgit Schneider

Am Ende des Semesters stand fest: Das Schreiben in der Wikipedia hat Spuren hinterlassen. Viele Studierende wollen weitermachen, Artikel verbessern oder neue Themen einbringen.„Ich sehe Wikipedia jetzt nicht mehr nur als Nachschlagewerk, sondern als soziales System, das ständig verhandelt, was Wissen ist“, lautete ein Fazit.

Das Seminar zeigt, wie Hochschullehre und digitale Praxis zusammenwirken können. Es macht deutlich, dass Wikipedia nicht nur ein Ort des Nachschlagens, sondern auch des Lernens, Diskutierens und Mitgestaltens ist – gerade in Zeiten, in denen die Frage nach der Verlässlichkeit von Wissen neu gestellt wird.

Jetzt selbst Teil der freien Wissenscommunity werden

Wikimedia Deutschland unterstützt verschiedene Projekte, die Engagierten den Einstieg in die Wikipedia lehren. Wer selbst Lust hat, Wissen zu teilen oder zu verbessern, kann jederzeit mitmachen.

Einen Online-Kurs zur Einführung gibt es am 10. März und 11. April, online und kostenfrei.

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