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Wikitainment – Wiki-Tools für die Freizeit

Netflix kann einpacken, hier kommt WikiFlix!

Für alle Filmliebhaber*innen, die kommerzielle Streamingdienste umgehen wollen oder die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen durchgeschaut haben, gibt es gute Nachrichten. Wie bei großen Streamingdiensten kann man auf WikiFlix Filme anschauen, aber kostenfrei und ohne Login. Und es handelt sich um frei lizenzierte Filme. Von Action- oder Western-Filmen über Komödien bis zu Dokumentationen ist alles dabei. Und wer hat’s erfunden? Wikipedianer natürlich!
Das Bild zeigt die Startseite von WikiFlix. Filme sind nach Kategorien sortiert, hier zum beispiel „Kürzlich hinzugefügt“ und „Beliebteste Filme“ und „Frauen als Regisseurinnen“ und zeigt zudem Still-Aufnahmen aus oder Poster von Filmen wie Scharade, Metropolis, The Kid oder Gold Rush.

Franziska Kelch

1. Februar 2024

Magnus Manske ist ein Wikipedianer der ersten Stunde. Er hat den fünften Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia geschrieben. Und er hat die Grundlagen für MediaWiki geschaffen – die Software, auf der die Wikipedia basiert. Mit WikiFlix hat der Softwareentwickler nicht sein erstes und vermutlich auch nicht sein letztes Werkzeug für Wikidata entwickelt. Aber im Gegensatz zu einigen anderen Wiki-Tools, braucht man kein Wiki-Wissen um WikiFlix zu benutzen. Jede*r kann nach Filmen suchen und sie sich anschauen. Eine Anmeldung oder ein Login sind nicht notwendig.

Das Foto zeigt den Entwickler von WikiFlix, Magnus Manske, in schwarz weiß. Aufgennommen wurde es beim Wikidata Lab VIII im Jahr 2018 in Brasilien. Foto: Rodrigo.Argenton, Wikidata Lab VIII (15), CC BY-SA 4.0

 

„Die Idee für WikiFlix und der Name stammen ursprünglich von der Wikipedianerin Spinster. Jemand hat mich wegen eines technischen Problems auf das Projekt aufmerksam gemacht. Ich fand die Idee sehr schön, aber das Interface und die halb-manuelle Pflege der Listen schien mir etwas zu klobig. Ich dachte mir, das könnte ich etwas ansprechender gestalten, vieles automatisieren, und auch Videos anbieten, die nicht aus Wikimedia Commons kommen.“ — Magnus Manske, Softwareentwickler und Wikimedianer

Für die Entwicklung der ersten Version hat Magnus Manske etwa eine Woche gebraucht.

Obskure Schätzchen und Welterfolge: Das gibt’s bei WikiFlix

Wie bei kommerziellen Streamingdiensten auch, kann man in WikiFlix gezielt nach Filmen suchen. Oder man schaut sich an, was in den verschiedenen Kategorien wie Fantasyfilm, Melodrama oder Abenteuerfilm im Angebot ist. Sehr viele der Filme in WikiFlix sind englischsprachig. Aber auch für Liebhaber*innen französischer, dänischer, russischer oder japanischer Filme ist einiges geboten.

Wer sich ziellos durch die Filme auf der Startseite treiben lässt, wird dabei sowohl Bewegtbilder aus der Frühzeit des Films finden – wie den Einminüter „The Four Troublesome Heads“ (Ein Mann der Köpfe) des Filmpioniers Georges Méliès aus dem Jahr 1889. Aber auch berühmte Filme wie die amerikanische Romantikkomödie Charade mit Cary Grant, The Kid von und mit Charlie Chaplin oder der Science Fiction Film Metropolis von Fritz Lang sind in WikiFlix.

Da Filmschaffende Werke manchmal selbst und frühzeitig unter Public Domain freigeben, sind auch aktuelle Werke in WikiFlix zu sehen. Wie Big Buck Bunny, ein animierter Comedy-Kurzfilm aus dem Jahr 2008. Der Film wurde mit Blender gedreht. Das ist eine freie und quelloffene Softwareanwendung für 3D-Computermodellierung und -animation, die von der Blender Stiftung entwickelt wurde. Der Film wurde als Open-Source-Film unter der Creative Commons Attribution 2.5-Lizenz veröffentlicht. Die Handlung folgt einem Tag im Leben des gut gelaunten und etwas naiven Big Buck Bunny, an dem er drei tyrannische Nagetiere kennenlernt: Frank, das Flughörnchen, und seine Freunde Rinky, das rote Eichhörnchen, und Gimera, das Chinchilla. Die Nager amüsieren sich, indem sie hilflose Waldbewohner mit Früchten, Nüssen und Steinen bewerfen. Nachdem die Nagetiere zwei Schmetterlinge getötet und Bunny angegriffen haben, legt er seine sanfte Natur ab und schmiedet einen Plan, um die beiden Schmetterlinge zu rächen. Informationen wie diese liefert WikiFlix oft mit zu den Filmen.

So funktioniert WikiFlix

Die Filme kommen über Wikidata in den Streamingdienst. Über 31.000 Einträge für Filme gibt es in der offenen Wissensdatenbank. Ein Beispiel dafür ist der Eintrag zu dem legendären Film Metropolis aus dem Jahr 1927.

2.519 dieser Film-Einträge (Stand 1.2.2024) haben eine Filmdatei. Diese Dateien liegen nicht in Wikidata selbst. Die Einträge in Wikidata sind mit den Filmdateien, die in Archiven wie Wikimedia Commons, dem Internet Archive oder YouTube liegen, sozusagen verbunden. Das funktioniert über einen sogenannten Identifier. Ein Identifier ist eine Bezeichnung, etwa eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben, mit der innerhalb einer Datenbank ein Ort, eine Person, ein Kunstwerk oder Ähnliches eindeutig benannt wird. Den Identifier für den Eintrag Metropolis in Wikidata sieht man neben dem Namen, in dem Fall Q151599. Die Identifier für die zwei Filmdatein im Internet Archive sind:

Die Wikiflix Datenbank aktualisiert sich stündlich über Wikidata. Jedes Mal, wenn also jemand einem Film-Eintrag in Wikidata einen Identifier aus einem Film-Archiv hinzufügt, ist dieser kurze Zeit später in WikiFlix auffindbar.

Wikiflix wächst – und alle können dazu beitragen

Wikiflix hat ein ungeheures Wachstumspotenzial. Das liegt einerseits daran, dass in der Zukunft immer mehr Filmwerke in die Public Domain übergehen und damit frei genutzt werden können. Aber es sind noch längst nicht alle der rund 31.000 Filme, die schon einen Eintrag in Wikidata haben, über einen Identifier in diesem Eintrag mit einer Filmdatei in einem Archiv verbunden. Hier können filmbegeisterte, datenaffine Menschen ins Spiel kommen.

Wikidata ist eine offene Datenbank, alle können Datensätze bearbeiten oder beitragen. Wer also in Wikidata sieht, dass ein bestimmter Film, zum Beispiel Cleopatra aus dem Jahr 1917:

  • einen Eintrag in Wikidata hat,
  • der unter Copyright Status als Film unter Public Domain ausgewiesen ist,
  • im Wikidata-Eintrag aber keinen Identifier vom Internet Archive, Wikimedia Commons oder YouTube findet,
  • kann in diesen Archiven nachschauen, ob dort eine Filmdatei zu finden ist und den Wikidata Eintrag um den Identifier aus dem Filmarchiv ergänzen.

Oder man nutzt diesen Link zu einer Abfrage, die alle Filme in Wikidata unter Public Domain anzeigt, die nicht über einen Identifier mit einer Filmdatei verbunden sind. Und geht dann in einem der drei Filmarchive auf die Suche nach den Filmdateien.

Mit seiner enormen Vielfalt an Filmen ist WikiFlix eine fabelhafte und nicht-kommerzielle Alternative zu Netflix und Co. – und bietet sogar die Möglichkeit, das Programm selbst mitzugestalten. Dass es stetig wächst, zeigt ein einfacher Vergleich. Am 31. Januar waren noch 2.379 Filme in WikiFlix anzuschauen. Nur einen Tag später sind es schon 2.519. Tragen Sie dazu bei, das es mehr werden!

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