Online lernen, remixen, verstehen – wie Lernende von freien Lizenzen profitieren

Um Distanzlernen zu unterstützen, werden immer mehr Inhalte über Plattformen wie WirLernenOnline oder Schulserver systematisch und einfach auffindbar gemacht. Auch Studierende können von frei lizenzierten Inhalten profitieren, wie ein aktuelles Beispiel aus der Praxis zeigt.

  • Bernd Fiedler
  • 29. März 2021

OER erleichtern die Online-Lehre erheblich

Open Educational Resources sind unverzichtbar für Lehrerinnen und Lehrer, die nicht nur Material für ihre Klassen erstellen, sondern auf den Werken von anderen aufbauen oder ihre eigenen Materialien teilen wollen. Die UNESCO-Kommission und zahlreiche andere Bildungsanbieter unterstützen die Förderung und Verbreitung von Freien Bildungsinhalten. Inzwischen wird die Erstellung von OER auch von Ländern und Bund gefördert. Hierzu eine Einordnung des Bündnis Freie Bildung, dem auch Wikimedia Deutschland angehört.

Praxis-Beispiel: Bucerius Law School

An Hochschulen hingegen ist Online-Lehre längst Usus. Meist sind die Inhalte aber entweder nur nach Immatrikulation oder Anmeldung zugänglich und können dann zwar abgerufen, aber nicht weiter verwendet oder verarbeitet werden. Um den aktuellen Herausforderungen in der Lehre zu begegnen, stellt die Bucerius Law School einige Inhalte und Vorlesungen auf ihrem Kanal zur Verfügung. Dabei wurden die Inhalte zunächst unter restriktiver Creative-Commons-Lizenz mit „ND“-Vermerk veröffentlicht. Dieser Vermerk verhindert die Bearbeitung und Weiternutzung, zum Beispiel in Wikipedia. Geht das auch anders, nämlich unter wirklich freier Lizenz?

Freie CC-Lizenz wird zum Goldstandard

Immer mehr Akteure aus Bildung und Medien veröffentlichen unter freier Lizenz (d.h. CC BY 4.0 oder CC BY-SA 4.0): Online-Lerninhalte der Harvard Law School wie beispielsweise Vorlesungen von Prof. William W. Fisher stehen längst bei Copyright X unter der Lizenz CC BY 3.0 zur Verfügung. Auch das ZDF bereitet im Rahmen seiner Markenstrategie Teile von Sendungen wie Terra X so auf, dass informative Ausschnitte auch in der deutschsprachigen Wikipedia und als Offene Bildungsressource verwendet werden können.

Diese vom ZDF bereitgestellten Medien erreichen schon jetzt alleine auf Wikipedia insgesamt über eine Million Abrufe pro Monat, Vorschau und Verweis auf die Quelle werden dabei noch häufiger angezeigt. Dies wäre mit dem Lizenzbaustein „ND“ (No derivatives – keine Bearbeitungen) nicht möglich gewesen, da solche Inhalte weder in der Wikipedia eingebunden werden dürften noch von Lehrerinnen und Lehrern entsprechend genutzt würden. Remix, also das Anpassen von Materialien je nach Bedarf und Kontext, ist der Goldstandard in Studium und Lehre.

Wikimedia Deutschland klärt CC-Mythen auf

Immer wieder gibt es Sorgen und Vorurteile, die der Nutzung von freien Lizenzen im Weg stehen. Die Erfahrung zeigt: Meistens sind die Sorgen schnell beseitigt. Wikimedia stellt dazu Handreichungen und Expertise bereit. Nach eingehender Beratung durch das Team Politik und Recht von Wikimedia Deutschland stellt die Bucerius Law School nun Lernmaterialien standardmäßig unter einer freien Lizenz zur Verfügung. Dozierende können im Einzelfall davon abweichen, ab jetzt gilt aber: Open by Default! Ein schönes Beispiel, wie Offenheit im Bildungsbereich gelingen kann – und hoffentlich Vorbild für viele weitere Einrichtungen.

Kennen Sie noch weitere Beispiele für gelungene Online-Lehre, insbesondere auch unter Creative-Commons-Lizenz? Wo gibt es konkret noch Wissen, das Sie befreien möchten? Gern unterstützen und beraten wir Sie bei Ihren Vorhaben. Hinterlassen Sie uns einen Kommentar mit Hinweisen und Lesetipps!