Design: Markus Büsges, leomaria designbüro, Germany, „Open Content A Practical Guide to Using Creative Commons Licences“, CC BY-SA 4.0

Neuer Leitfaden zu Open-Content-Lizenzen auf Englisch erschienen

Wikipedia sagt, der Satz „Alle Rechte vorbehalten“ stammt aus dem Urheberrecht und wird urheberrechtlich geschützten Werken beigefügt. Im angloamerikanischen Copyright lautet die Entsprechung: „All rights reserved.“1 Dieser Grundsatz beinhaltet, dass jegliche Weiternutzung urheberrechtlich geschützten Materials nur mit Zustimmung des jeweiligen Urhebers oder der Urheberin geregelt werden kann. Erst wenn eine Genehmigung vorliegt, kann beispielsweise ein ausgewähltes Foto, Musikstück oder Video in ein Blog integriert oder für einen Flyer verwendet werden.

In den vergangen zehn Jahren wurden deswegen verschiedene freie Lizenzen entwickelt, die diesen Umstand nachnutzerfreundlicher gestalten. Sie sehen vor, dass nicht “alle” Rechte vorbehalten sind, sondern nur einige. “Some rights reserved”. Urheberrechtlich geschützte Inhalte können so genutzt, geteilt, kombiniert und verbreitet werden, ohne dass für jede einzelne Nachnutzung eine eigene Vereinbarung mit dem Urheber oder der Urheberin getroffen werden muss. Freie Lizenzen, z.B. jene, die von Creative Commons entwickelt wurden, sehen vor, dass gewisse Arten der Weiternutzung in Form standardisierter Lizenzvereinbarungen erlaubt oder ausgeschlossen sind. Innerhalb dieses rechtsverbindlichen Rahmens ist es Nachnutzerinnen und -nutzern gestattet, Inhalte zu verwenden und weiter zu verbreiten.


Freie Lizenzen ermöglichen auf diese Weise, dass Werke eine viel größere Reichweite erzielen können als es mit traditionellen Nutzungsrechten möglich wäre. Gerade in Zeiten, in denen Menschen zuerst online nach Informationen suchen, wird es so z.B. möglich, die größte Online-Enzyklopädie der Welt mit urheberrechtlich geschützten Texten und Bildern rechtssicher zu betreiben.

Freie Lizenzen sind ein wichtiges Werkzeug, um Wissen für alle Menschen zugänglich zu machen, aber wie sie genau funktionieren, ist Nutzerinnen und Nutzern nicht immer klar. Im Rahmen der Konferenz “Zugang gestalten – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe” erschien vor zwei Wochen ein Leitfaden, der sich auf anschauliche und verständliche Art diesem Thema nähert.

Design: Markus Büsges, leomaria designbüro, Germany, „Open Content A Practical Guide to Using Creative Commons Licences“, CC BY-SA 4.0

Open Content – A Practical Guide to Using Creative Commons Licences” ist eine Veröffentlichung der Deutschen UNESCO-Kommission, des Hochschulbibliothekszentrums des Landes Nordrhein-Westfalen und Wikimedia Deutschland. Der Medienrechtsanwalt Dr. Till Kreutzer widmet sich in diesem Leitfaden ausführlich den Vorteilen der Creative-Commons-Lizenzen und skizziert beispielhaft Anwendungsszenarien der verschiedenen freien Lizenzen. Damit liegt auch die erste Veröffentlichung vor, die auf die neueste Version (Version 4.0) der Creative-Commons-Lizenzen eingeht.

Bereits 2011 veröffentlichte die Deutsche UNESCO-Kommission die deutschsprachige Broschüre “Open Content Lizenzen: Ein Leitfaden für die Praxis”. Die nun erschienene Handreichung basiert auf dieser Veröffentlichung, wurde aber grundlegend aktualisiert und visuell völlig neu gestaltet. Erschienen ist der Leitfaden in englischer Sprache, um auch über den deutschen Sprachraum hinaus international genutzt werden zu können.

Inhaltlich widmet sich der Leitfaden ausführlich allen sechs Lizenzmodulen der Creative-Commons-Lizenzen und geht darauf ein, welche Möglichkeiten – aber auch welche  Fragen – sich bei der Nutzung ergeben. So erlaubt beispielsweise die Lizenz “Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen” ausdrücklich die Bearbeitungen des so lizenzierten Werkes, jedoch ist nicht immer klar, was eigentlich eine Bearbeitung ist. Und wie verhält es sich bei Bearbeitungen in Form von Remixen und Mashups? Kreutzer geht auch darauf ein, was es überhaupt bedeutet, Inhalte “öffentlich” zu teilen bzw. wo diese Zugänglichmachung im privaten Rahmen erfolgt und inwiefern Markenrechte oder Persönlichkeitsrechte auf die Weiternutzung frei lizenzierter Inhalte Einfluss haben.

Einen großen Interpretationsspielraum bietet auch das Lizenzmodul “NonCommercial”. In den Lizenzbedingungen ist nicht eindeutig dargelegt, was genau unter einer kommerziellen Nutzung zu verstehen ist.2 Ist z.B. die Nachnutzung durch eine öffentlich finanzierte Einrichtung eine kommerzielle oder nicht-kommerzielle Nutzung? Das gerade erlassene, aber noch nicht rechtskräftige, Urteil des OLG Köln zeigt, wie aktuell diese Debatte ist. Das Gericht stellte nämlich fest, dass Deutschlandradio zumindest im Hinblick auf die Non-Commercial-Klausel rechtskonform handelte, als es ein CC BY-NC-lizenziertes Bild auf seiner Webseite nutzte. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts sei Deutschlandradio nicht an Profit orientiert.

Design: Markus Büsges, leomaria designbüro, Germany, „Open Content A Practical Guide to Using Creative Commons Licences“, CC BY-SA 4.0

Praktische Hinweise, z.B. zum Auffinden von von frei lizenzierten Inhalten oder zur Anbringung des Lizenzhinweises, bietet das letzte Kapitel von “Open Content – A Practical Guide to Using Creative Commons Licences”. Der Leitfaden ist somit ein guter Einstieg ins Thema, nicht nur für Urheberinnen und Urheber, sondern auch auch für Nachnutzerinnen und -nutzer. Er soll dazu ermutigen, urheberrechtlich geschützte Werke der Wissensallmende zur Verfügung zu stellen, die Kontrolle über deren Verbreitung absichtlich ein Stück weit abzugeben und frei lizenzierte Inhalte auf kreative Weise miteinander zu kombinieren.

“Open Content – A Practical Guide to Using Creative Commons Licences” ist online als PDF auf der Webseite von Wikimedia Deutschland verfügbar, als Full-Text-Version auf Meta-Wiki und als gedruckte Broschüre. Bestellungen können gern an info@wikimedia.de gerichtet werden. Der Text des Leitfadens steht unter der Lizenz CC BY. Teilt, übersetzt und verändert ihn!

1 https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Alle_Rechte_vorbehalten&oldid=115927936
2 Diesem Thema widmet sich im Übrigen auch die lesenswerte Handreichung von iRights, Creative Commons und Wikimedia Deutschland “Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung ’nicht-kommerziell – NC‘, erschienen sowohl in deutscher als auch englischer Sprache.