Endlich da: Kompass der Vielfalt

Im Jahr 2012 begann eine Diskussion über das Verhältnis von männlichen und weiblichen Beitragenden in der Wikipedia.Verschiedene Studien bescheinigen der …

  • Julia Kloppenburg
  • 28. August 2014
Endlich da: Der Kompass der Vielfalt.

Endlich da: Der Kompass der Vielfalt (zum herunterladen als PDF-Datei auf das Bild klicken)

Im Jahr 2012 begann eine Diskussion über das Verhältnis von männlichen und weiblichen Beitragenden in der Wikipedia.Verschiedene Studien bescheinigen der EditorInnenschaft einen signifikanten Gender Gap. Inzwischen haben sich in verschiedenen Ländern viele erfolgreiche Initiativen gebildet, die sich auf die direkte Autorinnenförderung spezialisiert haben. Zum Beispiel die zahlreichen Veranstaltungen in Indien der Wikipedianerin Netha Hussain oder von Emily Temple Wood in den USA. Diese Projekte haben es insbesondere zum Ziel, durch Partizipation die Teilhabe an Wikimedia Projekten zu steigern.

In dem jetzt erschienenen Kompass der Vielfalt haben wir noch weitere ergänzende Handlungsfelder und Instrumente identifiziert, die sich positiv auf eine vielfältigere EditorInnenschaft auswirken können. Zum einen geht es darum, Verständnis und Bewusstsein in der Community für das Thema “Vielfalt” zu schaffen, die Stärkung von Offenheit und einer Wilkommenskultur ist ein zweiter wichtiger Ansatz. Wie auch auf der diesjährigen Wikimania unter anderem von Lila Tretikov, Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, betont wurde: Die Förderung eines wertschätzenden Umgangs und eines positiven Kommunikationsklimas sind unerlässlich für Wikipedia. Ein fünftes Handlungsfeld stellt die Forschung zum Zusammenhang von Vielfalt und Qualität in der Wissensproduktion dar – hier gibt es noch viele ungeklärte Fragen, in welchem Zusammenhang sozio-demographische Diversität und der Inhalt in Wikipedia-Artikeln stehen.

Der Kompass der Vielfalt setzt sich mit Diversität und seiner Bedeutung für Wikipedia auseinander, bereitet unser derzeitiges Wissen hierüber auf, erklärt Handlungsfelder und schließt mit einem Maßnahmenkatalog als Anregung für unsere zukünftige Arbeit. Natürlich flossen auch die Meinungen und Ideen der Wikip(m)edianerinnen und der Wikip(m)edianer in diesen Kompass ein, die wir auf zahlreichen Treffen und Workshops sowie auf der Wikimedia Diversity Conference, die 2013 in Berlin stattfand, erhalten haben.

Dieses Jahr hat Wikimedia Deutschland gemeinsam mit Wikipedianerinnen und Wikipedianern zwei Instrumente aus dem “Kompass der Vielfalt” initiiert. Ein Instrument aus dem Kompass sind die so genannten cMOOCs (connectivist Massive Open Online Course) – dies sind offene Online-Treffen mit Workshop-Charakter. Unter dem Titel Wiki-Dialog finden hier alle Wikipedianerinnen und Wikipedianer sowie Interessierte einen Ort um problematische Themen, die die Zusammenarbeit in der Community betreffen, gemeinsam anzugehen und zusammen in strukturierter Form, lösungsorientiert und zeitlich begrenzt zu diskutieren. Daneben widmen wir uns dem Aufbau themenspezifischer Multiplikatorinnen-Netzwerke. Unter dem Titel Women edit können sich Wikipedianerinnen aktiv an Projekten beteiligen, die zum gezielten Mitmachen motivieren und die Kommunikationskultur in den Blick nehmen. Hieraus sind unter anderem der Edit-a-thon “Frauen in der Wissenschaft” und Treffen der WikiWomen entstanden.

Der Kompass der Vielfalt wurde im Rahmen des Projektes “Wikipedia Diversity” erstellt. Das Projekt wurde zusammen mit Prof. Dr. Ilona Buchem, Gastprofessorin für Digital Media & Diversity am Gender- und Technikzentrum der Beuth Hochschule für Technik Berlin realisiert. Wer gedruckte Exemplare in englischer oder deutscher Sprache bestellen möchte, schreibt uns einfach eine E-Mail an bildung@wikimedia.de. Der Link zur deutschen Version befindet sich hier, der Link zur englischen hier. Gerne kann auch auf Meta dazu diskutiert werden.

Viel Spaß bei der Lektüre!

 

  1. Es ist einfach nur noch ärgerlich. Zum Teil derselbe Unsinn, der seit mittlerweile Jahren als dicke Sau durch das Projektdorf getrieben wird, was aber mit der Realität wohl eher nicht viel zu tun hat. Aber Hauptsache man bestätigt seine eigenen Annahmen die man schon lange hat selbst. Mich würde ja mal interessieren, wer diese ominösen acht WikipedianerInnen sind, die da befragt wurden (mal abgesehen von der empirischen Gigantomanie…) – offenbar war das ein ausgesuchtes Volk das genau das sagte, was gehört werden wollte. Was mich aber am meisten ärgert ist zum einen die Verklärung von Frauen zu Pazifisten, die unter den bösen Männern leiden und andererseits zu armen Opfern. Dieses Pamphlet ist ein Armmutszeugnis und weit weg von einer offenen, objektiven Analyse. Eine Hilfe um mehr Autoren zu gewinnen – egal aus welcher Gruppe von Autoren und Autorinnen – wird das sicher nicht sein.

    Kommentar by Marcus Cyron on 28. August 2014 at 18:39

  2. Lieber Marcus,

    der Bericht kommt aus unserem Bereich, allerdings arbeite ich selbst nicht zu Diversität (sondern zu OER, wie du weißt). Ich habe mir eine Stunde genommen und ihn komplett durchgelesen. Und ich fand ihn sehr differenziert und extrem informativ. Ich hatte das Gefühl, in dieser Stunde sehr viel gelernt zu haben. Und das sage ich von ganzem Herzen. Ich kann deine Gesamtkritik insofern nicht nachvollziehen.

    Zu deiner konkreten Kritik an der Untersuchungsbasis: Die Befragung von acht Frauen war nur ein kleiner Teil der Erhebung hinter der Veröffentlichung. Weitere waren (unter anderem): Eine Reihe wissenschaftlicher Paper zum Thema, Input von einer Reihe von Chaptern sowie viele (Community-)Workshops und Expertenveranstaltungen.

    Mein Tipp: Nimm dir auch diese Stunde. Das ist nicht das männerfressende Pamphlet, als das du es siehst. Es ist schlicht eine ausgewogene Betrachtung dessen, was wir zum Thema Diversität in Wikipedia aktuell wissen (plus ein paar Ideen, wie man die Situation verbessern könnte).

    Herzliche Grüße

    Sebastian

    Kommentar by Sebastian Horndasch on 29. August 2014 at 16:03

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