Gastbeitrag der femgeeks: Die deutsche Wikipedia unter der Lupe

Wie im letzten Beitrag Zur Sexismus-Debatte in der Wikipedia angekündigt, haben wir das Gemeinschaftsblog femgeeks, das sich bereits frühzeitig zu …

  • Julia Kloppenburg
  • 28. August 2012

Wie im letzten Beitrag Zur Sexismus-Debatte in der Wikipedia angekündigt, haben wir das Gemeinschaftsblog femgeeks, das sich bereits frühzeitig zu Wort gemeldet hat, um eine kritische Analyse der Situation gebeten. Wir danken ihnen herzlich für den ausführlichen Beitrag und die Möglichkeit, ihn auch hier bei uns zu veröffentlichen. Zum besseren Verständnis mancher Begriffe oder Zeichen verweisen wir auf das femgeeks-Glossar.

Och Mensch Finchen, kleines Knuddelchen. 10 Stunden am Tag Artikel  korrigiert, gegen den allmächtigen Patriarchalismus angekämpft und am Ende doch verloren? Nimms positiv, jetzt hast Du viel mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens: Kochen, Abwaschen, Putzen, Schuhe kaufen und für den Partner da sein. Schreib doch mal bei Stupidedia, die brauchen Dich da ganz dolle und da kannst Du auch mit wenig Zeiteinsatz wirklich noch was bewirken. Auf dass Pi endlich kleiner als 3 wird, das ist nämlich mysogyn und faschistisch!

Das ist nur einer von vielen ähnlichen Kommentaren, mit denen in der Wikipedia-Community auf Fiona Baines Ankündigung reagiert wurde, ihre Arbeit für die deutsche Wikipedia niederzulegen.

Inhaltsübersicht

  1. Einleitung
  2. Rückblick
  3. Reaktion der deutschen Wikimedia
  4. Ist-Analyse
    1. Frauenanteil in der Wikipedia
    2. Weitere relevante Ergebnisse aus den Studien
    3. Teilhabestrukturen
    4. Allgemeiner Umgang mit neuen Autor_innen
    5. Umgang mit neuen weiblichen* Autorin_nen
    6. Umgang mit aktiven Frauen*
    7. Was ist schon legitimes Wissen?
    8. Warum trotzdem Wikipedia?
  5. Vorschläge für die Zukunft
    1. Solidarität
    2. Sanktionen
    3. Netiquette/Regelwerk
    4. Beobachten
    5. Öffentlichkeit
    6. Awareness-Team/Krisenteam/Diskriminierungsbeauftragte
    7. Schulungen/Workshops
    8. Aufhebung der Plicht zum generischen Maskulinum
    9. Überdenken von Relevanz
    10. Bewusstsein

Einleitung

Dass Wissensproduktion ein umkämpftes Terrain ist und dieser Fakt in der deutschen Wikipedia deutlich sichtbar ist, schrieb Charlott in ihrem Artikel “Wessen Wissen in der Wikipedia?“.  Fiona Baines Artikeln und Beiträgen (aber auch denen anderer feministisch verorteter Autor_innen) wurde die Validität abgesprochen, eine entbrannte Diskussion mündete in öffentlichen Schikanen, sexistischen Angriffen und Cyber-Mobbing.

Inzwischen hat das Thema weitere Kreise gezogen und nun ist bekannt, dass Fiona Baine  nicht mehr willens war, die Schikanen zu ertragen und sich endgültig sperren ließ.

Die Maskulisten-Szene feiert inzwischen sich und ihren “Erfolg”, ist aber offensichtlich nicht gewillt, die öffentlichen Diffamierungen von Fiona und anderen ihr gegenüber solidarischen Wikipedianer_innen zu unterlassen. Und: Es ist auch nicht das erste Mal, dass so etwas geschieht. In den Jahren 2005/2006 engagierte sich Barbara Mürdter bei der Wikipedia, auch sie wurde durch Maskulisten gemobbt und verließ letzten Endes im Winter 2006 Wikipedia. Sie betonte damals, die Wikipedia auch wegen der Admins zu verlassen, da diese die Angriffe gegen sie deckten.

Rückblick

Auf den geringen Frauenanteil von ca. 13% (weltweit) im Jahr 2010 reagierte Sue Gardner, Direktorin der Wikimedia Foundation, Anfang des Jahres 2011 mit dem erklärten Ziel, die Frauenbeteiligung bis zum Jahre 2015 auf 25% zu steigern. Der Gender Gap in der Wikipedia wurde insbesondere durch eine Studie der UNU-MERIT, einem Forschunsgzentrum der United Nations University, mit der die Wikimedia Foundation kollaborierte, transparent.

Natürlich würden mehr Frauen* nicht automatisch mehr feministisches Wissen und weniger Sexismus in der Wikipedia bedeuten. Doch die geringen Anteile von Frauen* sind mit Sicherheit auch nicht förderlich und machen Ausschlüsse einfacher.

Reaktion der deutschen Wikimedia

Glücklicherweise ist nun auch bei Wikimedia Deutschland, der Förderverein der deutschsprachigen Wikipedia 1, im deutschen Sektor der Wikimedia Foundation das Problem aufgegriffen worden und eine Bereitschaft erkennbar, anti-diskriminierende Strukturen und Hilfsangebote zu etablieren, die Autorinnen Anreize schaffen, in der Wikipedia zu partizipieren. Inzwischen wurde eine Mailingliste eingerichtet, die der stärkeren Vernetzung und einem intensiveren Austausch unter Frauen* dienen soll.

Erfreulich ist, dass unsere Redaktion eine Anfrage von Wikimedia mit der Bitte erhielt, die existierenden Strukturen in der deutschen Wikipedia einer kritischen Analyse zu unterziehen und Überlegungen zu treffen, wie die Problematik zu behandeln sein könnte. Zu dem Zeitpunkt hatten wir eh einen solchen Artikel geplant. Die Anfrage aber untermauerte und bekräftige die Motivation dafür und die Wichtigkeit der Thematik.

IST-Analyse

Frauenanteil in der Wikipedia

Neben der eingangs erwähnten Studie, aus der im Jahr 2010 ein Frauenanteil von knapp 13% hervorging, wurde im darauf folgenden Jahr eine weitere Untersuchung durchgeführt. Eine Steigerung des Frauenanteils wurde dieser zur Folge nicht erreicht. Ganz im Gegenteil war im Jahr 2011 ein Anteil von nur noch 8.5% Autorinnen zu verzeichnen.

Weitere relevante Ergebnisse aus den Studien

Weiterhin erwähnenswert ist, dass gemäß der Erhebung aus dem Jahr 2010 23% der Befragten (unabhängig vom Geschlecht) nicht bei Wikipedia partizipieren, weil sie “Angst davor haben, Fehler zu machen und deshalb Ärger zu bekommen” (“I am afraid of making a mistake and getting “in trouble” for it.”). In der Studie aus dem Jahr 2011 findet das Stichwort “Harassment” erstmals Erwähnung, ein Teil der partizipierenden Frauen* “fühlt sich belästigt” und empfindet die Community als eine “sexualisierte Umgebung”.

Teilhabestrukturen

Jede_r, der_die an der Entstehung von freiem Wissen mitwirken möchte, kann – prinzipiell – in der Wikipedia-Community mitmachen. Im Artikel Beteiligen heißt es u. a.

Sofern du Texte schreiben kannst, kannst auch du hier mitarbeiten. Du brauchst keine Hilfsmittel, die technischen Anforderungen sind minimal.

Es gibt ein Tutorial, in dem beispielsweise erklärt wird, wie Interessierte sich anmelden können, was sie beim Erstellen der Texte beachten sollten, wie neue Artikel angelegt und bestehende modifiziert werden können.

In dem Artikel Belege sind die Wikipedia-Grundsätze aufgeführt, die sicherstellen (sollen), dass die “Glaubwürdigkeit” der Wikipedia erhalten bleibt. Hilfe können Autor_innen oder solche, die es werden wollen, über Mentorenprogramme erhalten.

Doch wie sind die Strukturen, wenn Autor_innen angegriffen werden?
Eine offizielle Stelle für Diskriminierungen gibt es jedenfalls nichts. Eine erste Möglichkeit bei Angriffen gegen die eigene Person wäre eine Vandalismusmeldung . Falls sich die Probleme auf Diskussionen zu einem bestimmten Artikel beschränken, gibt es die Möglichkeit, eine „Dritte Meinung“ einzuholen. Auch das Ansprechen von Admins/Adminas ist eine Möglichkeit. Ganz am Ende bleibt das Schiedsgericht.

All diese Gremien und Möglichkeiten sind aber nicht besetzt durch Menschen, die besonders geschult sind im Umgang mit Diskriminierungen, viel eher sind sie auf Meinungsverschiedenheiten ausgelegt. Diskriminierungen sind aber keine verschiedenen Meinungen und erfordern oftmals eine bestimmte Sensibilisierung um sie zu erkennen.

Allgemeiner Umgang mit neuen Autor_innen

Als nächstes wenden wir uns dem Umgang mit „Neuen“ in der Wikipedia zu, denn die Frauen*, die nun angesprochen werden sollen, wären zwangsläufig erst einmal “neu“. Neue Autor_innen haben erst einmal eingeschränkte Editierrechte, ihre ersten 50 ArtikelBearbeitungen müssen von erfahreneren Wikipedianer_innen freigeschaltet werden, bevor sie auf der Plattform öffentlich zugänglich sind. Bei der aktuellen Geschlechterverteilung ist so natürlich schon einmal die Chance sehr groß, dass ein Mann* die Artikel gegenliest.

Das auf der Wikipedia existierende Regelwerk ist für Neue erst einmal wenig überschaubar und kann gerade am Anfang sehr verwirrend anmuten. Dazu kommt, dass viele “ungeschriebene Gesetze” existieren und neben offiziellen Hierarchien und Rollen sehr viele nicht transparente und schwer einzuordnende Machtgefälle existieren, die zur Zeit natürlich auch eher Männer* an höhere Machtpositionen setzen.

Weiterhin ist auffällig, dass es vielen “alten Hasen” schwer fällt, sich in die Lage neuer Autor_innen hineinzuversetzen, was häufig zu Missdeutungen bei gemachten Fehlern führt. Diese sind aber, gerade bei Neulingen, völlig normal. Leider wird Neuen oft Vorsatz oder Bösartigkeit vorgeworfen, obwohl einfach nur die fehlende Routine mit der Plattform und den Richtlinien die Ursache sind.

Umgang mit neuen weiblichen* Autorin_nen

Das Geschlecht ist bei (neuen) Accounts nicht zwangsläufig sichtbar, die Angabe im Profil ist nicht zwingend notwendig. Macht eine neue Autorin Gebrauch von der Geschlechtsangabe, führt dies insbesondere bei Kontroversen zu einer Ungleichbehandlung gegenüber männlichen* Wikipedianer_innen. In einer Studie, die sich speziell mit der Gender-Thematik in der Wikipedia befasst hat, wurde nachgewiesen, dass Autorinnen in der Community anders behandelt werden als Autoren. Gerade neuen Frauen*, die beispielsweise in einer Diskussion darüber, was in einen Artikel gehört oder nicht, auf ihrer Positionen beharren (wollen), haben es schwer(er). Außerdem werden von ihnen stereotype, weiblich* konnotierte Eigenschaften und Verhaltensweisen erwartet wie ein ruhigerer Umgangston und Unterordnung. Verhält sich eine – neu angemeldete – Frau* konträr zu diesen Erwartungen, führt gerade das bei Kontroversen zu großen Reibungspunkten. Vielen Frauen* fällt es gerade als Neuling besonders schwer, sich in solchen Situationen zu behaupten und nicht “nachzugeben”.

Umgang mit aktiven Frauen*

Viele der Punkte haben wir hier oder im vorangegangenen Artikel schon benannt. Immer wieder müssen Frauen* in der Wikipedia sich mit sexistischen Äußerungen auseinandersetzen. Die Nutzerin Anneke Wolf hat dazu eine Sammlung angelegt. Es finden sich dort Äußerungen, die auf Stereotype abzielen, sexuelle Anspielungen, Abwertungen von Gender-Themen und allerlei sexistische Beschimpfungen. Die Autorinnen* und ihr Wissen werden immer wieder per se in Frage gestellt.

Es ist nicht verwunderlich, dass es bereits auch für diese Sammlung einen Löschantrag gibt, da es sich – angeblich – bei der Seite um “üble Nachrede” handelt. Das wortwörtliche Zitieren *istischer Aussagen ist aber kein *ismus, die *istischen Aussagen sind es aber!

Dass sich die Angriffe nicht nur Wikipedia-intern abspielen, müssen vor allem Autorinnen* (und auch einige Autoren*) erfahren, die sich dezidiert mit Texten auseinandersetzen, in denen es in irgendeiner Art und Weise um *ismen, insbesondere um Sexismus handelt. Sie werden in anderen Foren und auf anderen Seiten verunglimpft und es wird versucht herauszukriegen, welche Person hinter welchen Account steht. Solche Kampagnen die parallel zu „edit wars“ in der Wikipedia stattfinden, ermutigen natürlich nicht zum aktiven Einsatz bei Wikipedia.

Was ist schon legitimes Wissen?

Dieser Punkt kann hier nur kurz angerissen werden, da eine ausführliche Diskussion den Rahmen des Textes endgültig sprengen würde. Die Frage, auf die aber immer wieder vieles zurückfällt, bleibt: Wessen Wissen steht in der Wikipedia?

Viel Wissen, auf welches heute am ehesten zugegriffen wird, ist aus einer weiß-männlich dominierten Wissensproduktion heraus entstanden. Bis heute bleibt dieses Wissen unmarkiert im Gegensatz zu anderen Wissensproduktionsformen, so gibt es „Geschichte“ dann zusätzlich als „das Andere“, aber mittlerweile beispielsweise Black History oder feministische Geschichte.
In der jetzigen Verfasstheit der Wikipedia scheint es vorprogrammiert zu sein, dass weiterhin eher weiß-männliches Wissen wiedergegeben wird und alles, was dem widerspricht noch umkämpfteres Terrain ist als ohnehin schon.

In einer der Richtlinien zum Schreiben für Artikel wird der Grundsatz festgehalten „Artikel sollen nur überprüfbare Informationen aus zuverlässiger Literatur enthalten.“ Es steht dort aber auch, dass die Artikel „gut gesichertes, etabliertes Wissen“ enthalten sollen. Wer aber entscheidet letzten Endes, was etabliertes Wissen ist? Auf der anderen Seite können diese Grundsätze aber auch hilfreich sein. Gerade feministisches Wissen wird mittlerweile seit einigen Jahrzehnten auch an Universitäten produziert und es gibt viel Sekundärliteratur, die als angemessene Quelle gilt. Allerdings bleiben Quellen so auch elitär und alternative Wissensproduktionsformen, die gerade bei herrschaftskritischen Diskursen eine wichtige Rolle spielen und spielen sollten, werden von vornherein abgewertet. Darüber hinaus gibt es schon lange eine Diskussion darüber, ob zu allen möglichen Themen Beiträge erstellt werden können oder ob auch das Thema an sich erst einmal relevant sein muss. Auch diese Relevanzprüfung spricht eher gegen das Aufnehmen von kritischem Wissen.

Warum trotzdem Wikipedia?

Es gibt sehr viele Gründe, sich nicht in der Wikipedia zu engagieren. Manchmal ist es vielleicht auch einfach besser, Energien in Alternativprojekte jenseits des Mainstreams zu stecken. Letzten Endes aber ist Wikipedia für sehr viele Menschen verschiedenster Hintergründe eine erste Anlaufstelle, um sich über ein bestimmtes Thema zu informieren. Egal, wie oft in der Schule gepredigt wird, dass Wikipedia keine adäquate Quelle ist, im Alltag spielt das keine Rolle. Umso tragischer wäre es, wenn Wikipedia nur das Wissen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe repräsentiert und dann auch noch von der, die eh strukturell besonders privilegiert ist.

Vorschläge für die Zukunft

Katrin Rönnicke fasst in ihrem Artikel “Antifeminismus und Wikipedia – jetzt erst Recht!” bereits drei essentielle Parameter zusammen, die Voraussetzungen und Anreize schaffen können, Frauen* als Wikipedianerinnen – dauerhaft – zu gewinnen:

Gebt uns Rückendeckung!  […]
Gebt uns eine Vernetzungsstruktur! […]
Schafft Strukturen! […]

Was könnte also von Seiten der Wikipedia, Wikimedia und den bereits Partizipierenden getan werden, um eine dauerhafte Veränderung der derzeitigen Strukturen herbei zu führen?

Solidarität

Es würde schon helfen, wenn alle, in welcher Form auch immer, Beteiligten sich – am besten öffentlich – solidarisch mit Betroffenen erklären, wenn sie feststellen, dass einer Autorin Ungleichbehandlung, Diskriminierung, Mobbing o. ä. widerfährt. Mit dem Wegsehen und vor allem Bagatellisieren von diskriminierenden Handlungen werden die bestehenden Strukturen perpetuiert. Unterstützt die Betroffenen!

Vielleicht kann die Community konkrete Solidaritätsaktionen unabhängig von aktuellen Vorfällen planen und einrichten. Ein Tumblr-Blog, auf dem “Zettel” gesammelt werden, aus denen klar hervor geht, warum eine höhere Frauenbeteiligung in der Wikipedia gewünscht ist, warum das gut ist und warum sich das positiv auf die Community auswirkt, ist nur eine von vielen kreativen Möglichkeiten, auf die bestehenden Strukturen aufmerksam zu machen.

Sanktionen

Bei unseren Recherchen waren wir entsetzt, wie viele beleidigende, hochgradig sexistische und anderweitig diskriminierende Kommentare in der Community unmoderiert stehen bleiben. Ungeheuerlich ist auch, dass diskriminierende Texte oft nicht gelöscht werden, während allerdings immer wieder diskutiert wird, ob „Sexismus-Vorwürfe“ generell als schwerwiegende persönliche Angriffe sanktioniert gehören.

Für uns ist nicht nachvollziehbar, dass Benutzer_innen mit administrativen Rechten nicht moderierend und sanktionierend intervenieren. Ohne eine solche Instanz wird es aber schwer möglich werden, grundlegende Veränderungen in der Community herbeizuführen.

Wir wünschen uns auch von der Wikimedia Foundation intervenierende Maßnahmen. Wir sind der Ansicht, dass dies nicht allein der Community überlassen werden kann.

Netiquette/Regelwerk

Die Etablierung einer entsprechenden Netiquette mit einem transparenten Regelwerk ist sicher hilfreich und sinnvoll. Selbstverständlich kann u. U. Fehlertoleranz eingeräumt werden. Nutzer_innen, die jedoch wiederholt und dauerhaft beleidigend, diskriminierend,  diffamierend, mobbend und/oder anderweitig geschmacklos auffallen, haben, unserer Meinung nach, nichts in der Community zu suchen.

Beobachten

Die Community und Wikimedia sollte die Entwicklung genau(er) mitverfolgen, beobachten und darüber berichten.

Öffentlichkeit

Die Problematik braucht (mehr) Öffentlichkeit. Es bringt nichts, sexistische Vorfälle unter den Teppich zu kehren. Es bringt genauso wenig zu verleugnen, dass bestimmte Interessengruppen hinter bestimmten sexistischen Kampagnen stehen. Erste Schritte sind ja bereits in den letzten Tagen getan worden, aber das reicht nicht. Das Öffentlich-Machen von Mobbing, Stalking und diskriminierenden Strukturen ist nicht zuletzt ein Zeichen der Solidarität und Schutz für die Betroffenen.

Awareness-Team/Krisenteam/Diskriminierungsbeauftragte

Es macht möglicherweise Sinn, Teams zu benennen und einzurichten, die als “Radar” fungieren, die Vorgänge auf Wikipedia beobachten und dokumentieren und in Krisensituationen intervenieren (können).  Das setzte allerdings voraus, dass ein solches Team für die Themen sensibilisiert und/oder geschult ist. Es ist wichtig zu wissen, was Sexismus oder andere *Ismen eigentlich sind und wie sie funktionieren, anders können Menschen sie als solche nicht “identifizieren”.

Schulungen/Workshops

Mit Unterstützung der Wikimedia können möglicherweise in regelmäßigen Abständen Schulungen und Workshops zu den genannten Problemfeldern, aber auch allgemeiner Art organisiert werden, um Bewusstsein für dysfunktionale Strukturen und Wissen über *Ismen verschiedenster Art zu schaffen. Dabei sollte auch darauf geachtet werden, wer diese Schulungen hält.

Aufhebung der Plicht zum generischen Maskulinum

Die Pflicht zum generischen Maskulinum in Wikipedia-Artikel schreibt in jeden dieser Texte sexistische Strukturen mit ein. Es sollte die Möglichkeit geben, andere Formen zu wählen.

Überdenken von Relevanz

Wenn es um Relevanz geht, sollte immer auch diskutiert werden, wer_welche wie davon profitiert, dass etwas als nicht relevant eingestuft wird. Und wer_welche etwas davon hat, dass bestimmte Quellen als wichtiger gelten als andere. (Wer kann denn z.B. auch mehrheitlich akademisches Wissen und somit Sekundärliteratur produzieren?) Antworten auf diese Fragen und vor allem eine passenden Umgang damit zu finden, wird nicht einfach, denn ein Aufweichen bestimmter Regeln könnte natürlich auch andere Folgen haben. Trotzdem sollte nicht aufgegeben werden, an dieser Stelle weiterzudenken.

Bewusstsein

Von gerechten und diskriminierungsfreien Strukturen profitieren alle! Sie sind gesund, sie schaffen Motivation und eine positive (Arbeits-)Atmosphäre in der Community. Die Qualität der Artikel wird steigen! Es gibt bereits unzählige Studien, die nachgewiesen haben, dass (Arbeits-)Zufriedenheit und ein gesundes (Arbeits-)Klima einen hohen – positiven – Einfluss auf die Qualität der (Arbeits-)Ergebnisse haben.

Darüber hinaus ist Wikipedia mit dem Ziel angetreten viel Wissen zugänglich zu machen. Es wäre doch sehr schade, wenn es sich dann letzten Endes doch auch ausschließlich um das Wissen handelt, welches in der Schule gelehrt und nicht hinterfragt wird.

Wir bedanken uns sehr bei allen aktiven und ehemalig aktiven Wikipedia-Autor_innen, die uns mit Material versorgt, Ideen beigetragen, Unterstützung angeboten und unsere Fragen beantwortet haben.

  1. Was ist „feministisches Wissen“?

    Kommentar von TMg am 28. August 2012 um 13:45

  2. Gerade an der Relevanz sollte keinesfalls geschraubt werden. Es ist auch kaum verständlich, warum „Kates Kleid“ so oft ins Feld geführt wurde. Und was ich leider auch vermisse, ist inwieweit der Sexismusvorwurf als ein möglicher Angriffspunkt auf Gegner ausgemacht wurde und dies zur Eskalierung der Situation beitrug. Nicht zuletzt Feministnnnen und deren Unterstützer haben mit zu einem Kreisel der Beleidigungen und Vorwürfe beigetragen. Das wird aber natürlich ausgeblendet, gehört aber zu einer umfassenden Analyse.

    Kommentar von j am 28. August 2012 um 13:55

  3. Um das hier mal von dem Böse-Feministinnen-vs-böse-Maskulinisten-Mythos wegzuführen: Wenn Du dir die oben verlinkte Liste einmal anschaust wird dir unschwerlich auffallen, dass dort Frauen beleidigt werden, die zu so krassen Themen wie Radrennsport arbeiten. Das Märchen also, nur böse Feminstinnenen seien dem ausgesetzt (und außerdem sind sie ja auch irgendwie selber Schuld), stimmt so nicht.

    Kommentar von Anneke Wolf am 28. August 2012 um 14:00

  4. Wenn du mal genau lesen würdest, dann würdest du sehen, dass ich bloß alle Seiten gesehen haben will. Mich kotzt es auch an zu lesen, dass eine Wikipedianerin Admina sein soll (wohl eine Anspielung auf die Domina). Dennoch muss noch gesagt werden dürfen, dass neben aller berechtigten Kritik gerade im Umfeld von Schwarze Feder der Sexismus zu einem Kampfbegriff und Schlachtfeld gegen auch sonst als unliebsam ausgemachte Benutzer ausgemacht worden ist. Dies hat nicht wenig zum Aufschaukeln der Situation beigetragen und erweist dem Kampf gegen Sexismus einen Bärendienst. Und das gehört genauso zu einer umfassenden Analyse wie die Dokumentation sexistischer Ausfälle.

    Kommentar von j am 28. August 2012 um 14:16

  5. j, das sehe ich genau anders rum: die Debatte immer rund um einzelne Benutzer zu konstruieren (deren Position man durchaus nicht teilen muss) führt meiner Meinung nach vom Thema weg. Und ich halte es tatsächlich auch für eine spezifische Technik innerhalb der gesamten Auseinandersetzung, d.h. a) Man ist ein/e von Schwarze-Feder-gesteurte-Kampf-Emanze oder b) ein mindestens rechtsradikaler Frauenhasser. Das heißt der gebetsmühlenartige, ewigliche Verweis auf Extrempositionen innerhalb der Debatte bringt selbige nicht voran.

    Kommentar von Anneke Wolf am 28. August 2012 um 14:28

  6. Und Ausblenden der Mechanismen die das ganze befeuert haben, das tut es? Es gab immer mal wieder dumme Kommentare, Beleidigungen, Sexismus … aber der Kulturkampf, der seit ein paar Monaten ausgebrochen ist, hat eien neue Qualität erreicht. Aber warum? Da gehört es dazu auch diese Mechanismen zu betrachten, auch wenn es bequemer ist, sie an die Seite zu drängen und als unbedeutend für den Fortschritt zu kaschieren. Um es ganz klar zu sagen: So lange nicht auch diese Mechanismen angegangen werden, wird es kaum zu zufriedenstellenden Lösungen kommen. Aber Teile beider Seiten haben sich gemütlich im Extremismus eingerichtet. Mit „Augen zu, wir sehen es nicht“ kann man dem aber kaum begegnen. Ich fände es wirklich herzerfrischend, wenn neben der Analyse des Sexismus auch stehen würde, dass ein Teil diesen Vorwurf instrumentalisert. Das wäre eine ehrliche Problembeschreibung. Und nur Ehrlichkeit und wirklicher Wille, zu Veränderungen zu kommen, helfen hier weiter. Aber lassen wir das, da kommen wir wohl nicht zusammen, auch wenn ich davon ausgehe, dass wir beide gleichermaßen gegen Sexismus sind.

    Kommentar von j am 28. August 2012 um 14:35

  7. PS: Ich finde deine Sammelseite gut, die Sexismus dokumentiert. Zum Problem gehört aber auch die andere Seite der Medaille. Wie wäre ein weiterer Unterabschnitt „Sexismusvorwurf zum Schaden des Gegners“ … ließe sich genauso gut füllen, passt aber vielleicht nicht in die politische Agenda. Ich fände gut, wenn das Problem des Sexismus und Sexismusvorwurfs ganzheitlich angegangen würde.

    Kommentar von j am 28. August 2012 um 14:38

  8. @Anneke Wolf. Bitte erläutere das genauer: “ Wenn Du dir die oben verlinkte Liste einmal anschaust wird dir unschwerlich auffallen, dass dort Frauen beleidigt werden, die zu so krassen Themen wie Radrennsport arbeiten.“ Zunächst einmal: Wieso ist das ein krasses Thema? Und um welche Art der Beleidigung handelt es sich?

    Kommentar von Eule am 28. August 2012 um 14:50

  9. “Natürlich würden mehr Frauen* nicht automatisch mehr feministisches Wissen und weniger Sexismus in der Wikipedia bedeuten.“ – Was zum Teufel ist feministisches Wissen? Der Feminismus ist ein Ideologie, aber seit wann gibt es ideologisch Wissen – liberales, evangelikales, maoistisches oder auch austrofaschistisches Wissen?

    Kommentar von Syrcro am 28. August 2012 um 15:01

  10. Neue Autor_innen haben erst einmal eingeschränkte Editierrechte, ihre ersten 50 Artikel… Dieser Satz ist falsch schreckt neue Mitarbeiter sofort ab. Es ist ausreichend, fünfzig falsche Kommata oder ähnlichen Kleinkram zu verbessern. Es geht also um einfache Bearbeitungen eines Artikels.

    Kommentar von n am 28. August 2012 um 15:04

  11. Ein schwacher Artikel. http://de.wikipedia.org/wiki/WP:KPA listet Sexismus als Beispiel für einen persönlichen Angriff. Außerdem greifen bei Wikipedia keine „Moderatoren“ ein, sondern jeder darf persönliche Angriffe entfernen (siehe KPA#Maßnahmen), den Angreifer zurechtweisen und den Benutzer melden, damit ein Admin tätig wird. Eine Begründung, dass wissenschaftliche Publikationen zu einem Thema unterdrückt werden und es deshalb relevanter ist als es scheint ist, halte ich für sehr problematisch. Mit der Begründung könnte man jede Verschwörungstheorie als Wahrheit einschleusen. Offenbar ist stellenweise das allgemeine Arbeitsklima in der Wikipedia schlecht. Wahrscheinlich werden deutlich mehr männliche Autoren vergrault, wenn sich nur wenig Autorinnen beteiligen. Wobei ich persönlich sagen muss, dass in naturwissenschaftlichen Redaktionen der Wikipedia ein außerordentlich gutes Arbeitsklima herrscht.

    Kommentar von Matthias M. am 28. August 2012 um 15:15

  12. Ich habe während meiner Zeit in der Wikipedia viele sexistische Bemerkungen gelesen (meist gegen Frauen, manchmal gegen Männer gerichtet), aber ich habe noch nie einen Fall erlebt, in dem jemand einen oder einer anderen sexistisches Verhalten vorgeworfen hat, ohne das dies auch stimmte.
    Vielmals rufen diejenigen, deren Verhalten so beim Namen genannt wird, laut und empöhrt, dass sie hier jemand einer Sache bezichtigt, die nicht wahr sei. In nicht wenigen Fällen scheinen sie tatsächlich nicht zu verstehen, was an ihrer Aussage sexistisch war.
    Aber genau hier sollten Außenstehende in der Community genauer hinschauen, die getätigte Aussage reflektieren und sich – auch wenn sie selber aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit vielleicht niemals von einer ähnlichen Aussage getroffen werden könnten – in die geschädigte Person hineinversetzen. Sexismus bedarf nicht unbedingt einer bösen Absicht. Wir sind alle in einer sexistischen Gesellschaft groß geworden und tragen unsere Prägung in die Wikipedia hinein. Nur reflektiert werden muss.

    Kommentar von k (um beim Buchstabenbrei mitzumachen) am 28. August 2012 um 15:30

  13. Sry aber was gibt es denn für alternativen zum Generischen Maskulin? Ich als Legastheniker habe schon genug Probleme mit dem Lesen von Texten mit Autoren/-innen oder wie ihr das auch immer löst und es würde einfach ein Problemfeld auf eine andere Gruppe geschoben. Zusätzlich wäre es eine neue Hürde für Einsteiger bei Artikeln mit zu wirken.

    Kommentar von sanandros am 28. August 2012 um 15:32

  14. Das Generische Maskulinum erschwert aber auch das Verständnis. Wenn alle Artikel zu Feministinnen unter der Kategorie „Frauenrechtler“ zusammengefasst werden, dann ist das nicht nur eine Verhöhnung derjenigen Feministinnen, die sich für eine geschlechtergerechte Sprache eingesetzt haben/ einsetzen, sondern auch kontrintuitiv, da die Assoziation von Frauenrecht und geschlechtersensiblen Sprache dazu führt, unter „Frauenrechtler“ tatsächlich nur Männer vorzufinden.

    Dass es in der Wikipedia beim Genererischen Maskulinum nicht nur darum geht, allgemeinverständlich zu sein, zeigte sich, als ich beantragt habe, die Kategorie „Frauenrechtler“ nach „Frauenrechtler und Frauenrechtlerinnen“ zu verschieben. Prompt wurde mit dem unverständlichen Link auf „OMA-Test“ reagiert. Dahinter verbarg sich die Intention, auf den Artikel Wikipedia:Allgemeinverständlichkeit aufmerksam zu machen. Skuril oder? Aber es wird noch besser:

    „OMA-Test“ ist eine Weiterverlinkung auf „Wikipedia:Allgemeinverständlichkeit“. Die Community hatte sich darauf geeinigt „OMA-Test“ nicht mehr zu benutzen, weil diese Wortschöpfung ihren Ursprung darin hatte, das man Artikel so schreiben soll, dass selbst Omas sie verstehen. Wikipedia-Autorinnen, die Omas sind, störten sich verständlicherweise an eine Zuschreibung, nach der Omas der Inbegriff für Begriffsstutzigkeit sein sollten. Dennoch müssen Wikipedia-Autoren unbedingt weiterhin auf die Weiterleitung „OMA-Test“ verlinken statt auf direkt auf die Seite Wikipedia:Allgemeinverständlichkeit, wenn sie der Meinung sind, dass etwas nicht allgemeinverständlich sei, z.B. die Kategorie „Frauenrechtler und Frauenrechtlerin“.

    Es geht also beim Generischen Maskulinum auch um etwas anderes als um pure Allgemeinverständlichkeit.

    Kommentar von Andreas Kemper am 28. August 2012 um 18:17

  15. „kontrintuitiv“ soll heißen „kontraintuitiv“ ;-)

    Kommentar von Andreas Kemper am 28. August 2012 um 18:18

  16. Ist „feministisches Wissen“ sowas ähnliches wie „Islamische/Christliche/[*]ische Wissenschaft“?

    [*] hier bevorzugte Religion/Ideologie einsetzen.

    Kommentar von johannes am 28. August 2012 um 19:03

  17. Mathias M.: In den Regeln steht viel. In der Tat steht so viel in den Regeln, dass „Ignoriere alle Regeln“ Grundrepertoire der Wikipedia gehört und wer allzu sehr auf Regeln herumreitet, bekommt „Bitte nicht stören“ an den Kopf geworfen.

    Kommentar von Torsten am 28. August 2012 um 19:52

  18. Johannes, worum es geht, ist die Tatsache, dass der Background eines Wikipedianers natürlich Auswirkungen auf seine Beiträge hat – oder bezweifelst Du, dass es einen Unterschied macht, ob ein Bayer oder ein Bremer etwas über Bremen schreibt? Ob ein Arzt oder ein Pastor etwas über Hirntod schreibt? Ob ein Katholik oder ein Atheist etwas über Johannes Paul II schreibt?

    Wir können doch nicht so tun, als ob die Tatsache, dass ein Großteil der Wikipedia von Männern geschrieben wird, schlicht keinerlei Wirkungen auf die Inhalte der Wikipedia hat. Und niemand sagt, dass „die Männern“ irgendwie bewusst einen Point of View durchdrücken *wollen* – aber es wäre naiv zu glauben, dass das Geschlecht in der Wissensproduktion schlicht keine Rolle spielt.

    Und damit ist auch klar, warum es ein Problem ist, wenn eine riesige Gruppe von Menschen nicht an der Wikipedia teilnimmt. Auch wenn wir alle Quellen gemäss unseren Richtlinien verwenden, so hat der Lebenshintergrund eines jeden Menschen natürlich Auswirkungen auf sein / ihr Schaffen, auch in der Wikipedia. Neutral wird die Wikipedia erst durch das Zusammenspiel unterschiedlicher Sichtweisen, Hintergründe, Erfahrungen, Betrachtungen. Das hat nichts mit „weiblichem Wissen“ und erst Recht nichts mit dem Hochzeitskleid von Kate M. zu tun, sondern schlicht damit, dass Wikipedia besser wird, wenn Frauen mitarbeiten, als wenn sie dies nicht tun.

    Kommentar von Pavel Richter am 28. August 2012 um 19:57

  19. johannes: Was für eine billige Retourkutsche. Man kann auch echte Fragen stellen, statt ein unbekanntes Konzept sofort abzuqualifizieren.

    Kommentar von Torsten am 28. August 2012 um 20:02

  20. Wie Julia drüben schon geschrieben hat:

    Die ersten Vorschläge aus dem Beitrag würden wir gerne weiter mit Euch diskutieren. Welche können wir direkt von hier aus umsetzen, für welche braucht es die Unterstützung der Community oder auch von externen Ideengebern, welche müssen noch an die Wikipedia-Gegebenheiten angepasst werden?

    Einige von uns Wikimedia-MitarbeiterInnen könnt Ihr z.B. auf der Community-Veranstaltung WikiCon in Dornbirn am kommenden Wochenende treffen (Anmeldung ist noch möglich: http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiCon_2012). In den nächsten 14 Tagen werden wir außerdem eine “OfficeHour” per IRC (http://webchat.freenode.net/, Channel #wikimedia-de) zum Thema anbieten; den Termin geben wir hier im Blog noch bekannt.

    Kommentar von Nicole Ebber am 28. August 2012 um 20:43

  21. Torsten: Du hast offensichtlich was missverstanden, es gibt da kein mir unbekanntes Konzept und ich qualifiziere auch nichts ab. Entschuldige, ich hätte das vielleicht noch klarer als rhetorische Frage kennzeichnen sollen.

    Natürlich ist es wichtig, dass Frauen an der Wikipedia mitarbeiten, genauso wie alle anderen Personengruppen mitarbeiten müssten, wenn man auch nur den Schein einer Hoffnung von Neutralität haben wollte. Aber wenn ich Begriffe wie „feministisches Wissen“ lese, dann rollen sich mir die Zehennägel auf. Das erinnert mich an Begriffe, mit denen Ideologien versuchen, sich einen wissenschaftlichen, seriösen Anstrich zu verleihen – z. B. „Islamische Wissenschaft“, „Holistische Medizin“, etc. Das hat mit Neutralität absolut gar nichts zu tun. Vielleicht war es auch nur Zufall und der Artikel ist vermutlich schnell geschrieben worden. Aber bei mir läuten bei solchen Begriffen jedenfalls die Alarmglocken, und das geht offensichtlich nicht nur mir so, schon im ersten Kommentar wird nach dem Begriff gefragt.

    Ich finde den Umgang mit dem Thema hier etwas seltsam. Schon im ersten Artikel wird einseitig sofort in eine Kerbe geschlagen, ohne den Leser zu informieren, worum es überhaupt geht; jetzt wird ein Beitrag von Feministen veröffentlicht. Warum nicht auch ein Beitrag der „Maskulisten“ (mit oder ohne „-ni“) dazu? Habt ihr denn bei z. B. Genderama mal angefragt, was die davon halten, oder ihnen Gelegenheit gegeben, dazu Stellung zu nehmen?

    Kommentar von johannes am 28. August 2012 um 20:44

  22. johannes: Der Vergleich war eine beabsichtigte Abqualifizierung.

    Und lies mal bei Gelegenheit nach, wie Wikipedia funktionieren soll. Die neutrale Standpunkt kommt nur durch die Zusammenarbeit der Autoren mit unterschiedlichen Sichtweisen und Standpunkten zu Stande.

    Noch weiter heruntergebrochen: Wenn nur Kleingärtner aus Bochum die Botanik-Sektion editieren, wird selbst bei bestem Bemühen der Beteiligten ein POV zustande kommen, kein NPOV. Wie Pavel Richter oben schrieb: Wenn ein enormes Ungleichgewicht bei der simpelsten Unterscheidung zwischen Menschen herrscht, hat das Auswirkungen.

    Kommentar von Torsten am 28. August 2012 um 20:53

  23. Torsten: Ich stimme dir vollkommen zu was POV und unterschiedliche Personengruppen betrifft, und hatte das auch vorher schon geschrieben. Deshalb verstehe ich nicht, warum du das alles nochmal ausführst. Bitte lies doch meinen Beitrag erstmal, bevor du darauf antwortest. Dankeschön.

    Kommentar von johannes am 28. August 2012 um 21:06

  24. johannes: Du hast recht, einen Satz bei Dir hatte ich überlesen. „Natürlich ist es wichtig, dass Frauen an der Wikipedia mitarbeiten, genauso wie alle anderen Personengruppen mitarbeiten müssten“. Ja. Das meinte die Autorin oben mit „feministischem Wissen“. Dass ich das nicht gesehen habe, war mein Fehler.

    Was Du hingegen beachten solltest: Auch rhetorische Fragen haben eine Aussage. Und sie ist meist viel stärker als die von normalen Aussagesätzen.

    Kommentar von Torsten am 28. August 2012 um 21:17

  25. Torsten: auf was ich mit der rhetorischen Frage abzielen will, habe ich ja versucht zu erklären. Im Rest des Beitrags. Den du anscheinend aber auch überlesen hast (?)

    Kommentar von johannes am 28. August 2012 um 21:20

  26. Leider zeigen einige der Kommentare hier, warum der oben zitierte Artikel der Femgeeks genau den Kern der Sache trifft.

    Die Rede von „umgedrehter Diskriminierung“ und den armen, unterdrückten, völlig hilflosen Männern ist schon alt, wird dadurch aber nicht hilfreicher. Antje Schrupp schreibt dazu ganz richtig:

    „Das Problem ist nicht, dass es Frauen und Männer und womöglich weitere Geschlechter gibt, sondern dass sich ein Geschlecht, nämlich das männliche, zur Norm gesetzt hat. Wenn wir die verkorksten Geschlechterverhältnisse auf dieser Welt, die wir bei unserer Geburt schon vorgefunden haben (und in die wir qua Geschlechtzuordnung persönlich unweigerlich involviert sind), sinnvoll verbessern möchten, geht es also darum, diese Sich-Zur-Normsetzung des Männlichen zu kritisieren und zu untergraben.“

    http://antjeschrupp.com/2012/08/19/warum-die-rede-von-der-umgekehrten-diskriminierung-falsch-ist/

    @sanandros: die Frage nach geschlechtsneutraler (Schrift)sprache ist nicht so einfach zu beantworten, das stimmt. Ich zum Beispiel finde das generische Maskulinum nicht immer verständlich und oft hinterhältig, vor allem bei Begriffen wie „Frauenrechtler“ o.ä.

    Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hat mal einige Studien zusammengefasst, die zeigen, dass das generische Maskulinum im Deutschen eben nicht als „generisch“ interpretiert wird.

    „[…] ist es Stand der Forschung, dass ein „generisches Maskulinum“ im Deutschen (und Französischen) aus psycholinguistischer Sicht nicht existiert. Wer das Gegenteil behaupten will, muss sehr gute Belege dafür vorbringen.“

    http://www.scilogs.de/wblogs/blog/sprachlog/sprachstruktur/2011-12-14/frauen-natuerlich-ausgenommen

    Kommentar von matthias am 28. August 2012 um 21:26

  27. johannes: Das hingegen habe ich sorgfältig gelesen. Worauf Du abzieltest, war aber sehr klar, inklusive dem Aufrollen Deiner Zehennägel.

    Kommentar von Torsten am 28. August 2012 um 21:37

  28. Ganz großen Dank für diese eingehende Analyse. Ich hoffe, dass das Problem, das wir in Wikipedia haben, zumindest für einige damit klarer wird. Andere können oder wollen leider nicht verstehen. Vielleicht solltet ihr den Satz Diskriminierungen sind aber keine verschiedenen Meinungen und erfordern oftmals eine bestimmte Sensibilisierung um sie zu erkennen. nochmal hervorheben. Ich kann allerdings Abwehrhaltungen aus männlicher Perspektive auch nachvollziehen, es ist schon eine Herausforderung, sich offen mit Diskriminierungen auseinanderzusetzen wenn man zumindest nicht selber betroffen oder auch Täter ist. Als unterhaltsame Einführung von Männern für Männer kann ich persönlich den das kleine Buch The Guy’s Guide to Feminism empfehlen!

    Kommentar von Jakob am 28. August 2012 um 22:11

  29. @Eule. Hast Du einen Beleg für diese Behauptung „Wikipedia-Autorinnen, die Omas sind, störten sich verständlicherweise an eine Zuschreibung, nach der Omas der Inbegriff für Begriffsstutzigkeit sein sollten.“ Ich habe keine Oma gesehen, die sich beschwert hätte.

    Kommentar von Eule am 28. August 2012 um 22:37

  30. […] der Community der Deutschen Wikipedia gibt es scheinbar ein Sexismus-Problem, wenig überraschend, wie ich jetzt, da es auf dem Tisch liegt eigentlich finden muss. […]

    Pingback von Wessen Wissen | anmut und demut am 28. August 2012 um 23:42

  31. Kurze Hinweis: Die Kommentarfunktion wird nun über Nacht deaktiviert.

    Kommentar von Nicole Ebber am 28. August 2012 um 23:55

  32. Guten Morgen! Die Kommentare sind wieder geöffnet.

    Kommentar von Nicole Ebber am 29. August 2012 um 09:41

  33. Wie heisst es so schön? Effektive Frauenpolitik erkennt man an die Lautstärke des Geschreis bei den Männern….

    Ich bin immer wieder amüsiert, dass Anforderungen Frauen mit Respekt zu behandeln oder auch mal einen „anormalen“ Lemma zuzulassen als Kampffeminismus angesehen wird. Selber habe ich lange an einer Lemma ‚Professorin‘ gearbeitet – der wurde subsumiert unter den generischen Maskulinum und stark verkürzt. Das war für mich ein sehr entschiedener Punkt – danach habe ich aufgehört, neue Artikel mit Herzblut zu erstellen und mich fast nur noch auf Korrekturen beschränkt.

    Es geht nicht darum, die feministischer Weltblick durchzustellen, sondern eben um andere Perspektiven als die der aktuellen Admin-Gruppe von in der Regel junge, technik-affine, kinderlose Männer, die in Städte Wohnen zu bekommen.

    Und wenn wir auch noch die persönlichen Angriffen aus den Weg schaffen könnte – ich werde selber im Moment eine ziemlich scharfe PA-Kampagne ausgesetzt (inklusiver immer wieder Nennung meiner bürgerlichen Namen) und alles, was die Admins einfällt ist, die „Sachfragen“ geklärt zu bekommen. Es soll für PA Konsequenzen geben. Es muss ein vernünftiger Umgangston vorgelebt werden, zur Norm werden, und nicht diesen raunzigen Anmache-Atmospähre herrschen.

    Danke für diesen Gastbeitrag!

    Kommentar von WiseWoman am 29. August 2012 um 10:47

  34. j schrieb: „aber der Kulturkampf, der seit ein paar Monaten ausgebrochen ist, hat eien neue Qualität erreicht. Aber warum?“

    Vielleicht, weil das erste Mal eine kritische Masse von Frauen in der Wikipedia zusammengekommen ist, die über sexistische Kommentare nicht mehr einfach hinwegsieht, sondern Konsequenzen fordert?

    Kommentar von elian am 29. August 2012 um 12:39

  35. [Teile deines Kommetars wurden entfernt, da sie nicht zur sachlichen Dikussion des Themas beitragen.]

    Mir hängt das Thema zum Hals raus, macht doch was ihr wollt. Aber Gott bewahre uns vor Formulierungen wie „Autor_Innen“ in Lexikonartikeln.

    Dieser Analysetext bietet den besten Beweis gegen diesen Wahnsinn: „Hilfe können Autor_innen […] erhalten“ ist bereits grammatikalisch vollkommen falsch. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dies der Faulheit der schreibenden Person geschuldet, korrekterweise dann konsequent auch „Autoren und Autorinnen“ zu schreiben. Das ist nachvollziehbar, bei dem langen Text und dem Überfliegen der vielen Unterstrichen hätte ich auch keine Lust gehabt, jedes Wort immer doppelt zu schreiben. Besonders wenn das Schreiben von Texten mein täglicher Job wäre. Und am Ende entsteht daraus ein Automatismus, der an bestimmten Stellen nicht mal Sinn ergibt („männlichen* Wikipedianer_innen“). Dieser nervige Stellvertreterkrieg um den generischen Maskulin und seine abstrusen Auswüchse trägt nicht zur Verbesserung der Artikelqualität oder besseren Lesbarkeit bei.

    Es gibt wesentlich wichtigere Aufgaben in der Wikipedia, als darauf zu achten und dafür zu sorgen, dass auch nur ja überall die feminine Form (oder pseudo-feminine Formen wie „Admina“) nicht vergessen wurde. Überall wird gejammert, dass insgesamt immer weniger Leute bei Wikipedia mitarbeiten, und ihr kommt hier mit Forderungen, die noch mehr repetitiven Aufwand und Regulierung des Autorenalltags bedeuten. Das können sich auch nur Menschen ausdenken, die sich mit dem Ausmalen bunter Zukunftsbildchen beschäftigten.

    Kommentar von sdfds am 29. August 2012 um 12:41

  36. Wenn der Zensor hier schon entfernt, dann soll er bitte auch dafür sorgen, dass dadurch nicht die restlichen Äußerungen in ein falsches Licht gerückt werden. Wenn man nämlich meine rauseditierten Äußerungen weglässt, welche selbstjustiziarischen Maßnahmen gegen Regelbrecher, Störenfriede und Frauendiskriminierer mir sowas von egal sind, dann kommt sicher irgendjemand beim Lesen der verbliebenen Zeile auf die Idee, das wäre nur ein weiteres frauenfeindliches Arschloch gewesen. Um genau diesem Eindruck zu entgegenzutreten wurden die wegeditierten Zeilen verfasst.

    Kommentar von sdfds am 29. August 2012 um 14:36

  37. @sdfds danke für die entschärfte Erklärung, das dient so sicherlich der besseren Gesprächskultur und wir müssen nicht weiter moderierend eingreifen.

    Kommentar von Nicole Ebber am 29. August 2012 um 14:49

  38. Elian, das ist Unsinn. Und das wüsstest du auch, wenn du noch wirklich Teil der Community wärst. Der Kulturkampf ist so scharf geworden, weil beide Seiten sich in eine Spirale der Radikalisierung begeben haben. Der Sexismusvorwurf ist doch teils die neue Nazi-Keule geworden in bereits lange schwelenden internen Konflikten …

    Kommentar von j am 29. August 2012 um 20:09

  39. Es gibt schon seit 4 Jahren das http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:WikiProjekt_Diskriminierungsfreie_Wikipedia Vielleicht hätte man das mal in dem Blogbeitrag erwähnen sollen. Eine „Diskriminierungsbeauftragte“ bei einem Online-Projekt wirkt etwas weltfremd. Ein Regelwerk in Form der http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikiquette gibt es ebenfalls seit Anbeginn des Projektes genauso wie die http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Benutzersperren zur Ahndung. Was das generische Maskulinum angeht würde ich klar dem Duden folgen. Bei Berufsbezeichnungen Doppelnennung, Schrägstrich, Klammerbenutzung oder Ersatzformulierungen: Sternchen und Unterstreichungsstriche geht gar nicht und macht diesen Blogbeitrag unlesbar. Ist die Benutzerin, die sich eine Auszeit gegönnt hat, eigentlich irgendwie prominent? Dieser Blogbeitrag hat ja enormes Gesprächspotential im Vergleich zu den übrigen erzeugt.

    Kommentar von Matthias M. am 29. August 2012 um 21:10

  40. Hallo Matthias, das Projekt Diskriminierungsfreies Wikipedia wurde bislang von der Administrator_innenschaft weitgehend ignoriert.

    Kommentar von Andreas Kemper am 30. August 2012 um 10:44

  41. @J., das ist Unsinn. Es gibt keinen Kulturkampf und keine beidseitige Spirale der Radikalisierung. Mit solchen Behauptungen werden die Verhältnisse auf den Kopf gestellt und den betroffenen Frauen (es sind zwei!) die Mitverantwortung für die strukturelle Diskrimierung und die Massierung der Angriffe zugeschrieben.

    Es gibt eine zunehmende Abwehr und Panzerung gegen das Eindringen von Frauen in die Wikipedia, dem sich auch gemäßigte Autoren und Administratoren angeschlossen haben. Bei einem nur sehr geringem Anteil von Frauen werden diese als nettes Beiwerk wahrgenommen. Ich stelle die These auf, dass sich das Klima verschlechtert hat, seit Sue Gardner die Erhöhung des Frauenanteils als Ziel der Foundation erklärt hat.

    Kommentar von Fiona Baine am 30. August 2012 um 11:22

  42. @Andreas, da hast du recht und als ich den Hinweis las, dachte auch ich „oh, da hast du ja noch gar nichts von gehört.“ Ich habe nicht nachgeschaut, ob das Projekt noch aktiv ist, habe es aber tatsächlich noch nie wahrgenommen.
    Was mich verwundert ist, dass du den Fokus so sehr auf die Administratoren legst. Natürlich sind sie es, die Instrumente wie Benutzersperren und Seitenschutz nutzen können, aber ist es nicht die Community insgesamt, die dafür verantwortlich ist, dass ein diskriminierungsfreies Umfeld geschaffen wird, und die das nötige Bewusstsein und möglicherweise Regeln entwickeln und tragen muss? Nur wenn eine geschlossene Basis die Grundlagen schafft, können administrative Handlungen überhaupt dauerhaft durchgesetzt und akzeptiert werden.
    Es wird auch niemand kommen und das Problem für die Wikipedia lösen. Dieser Impuls muss aus der Wikipedia selbst kommen oder von ihr aufgegriffen und vereinnahmt werden, sonst wird er keine Wirkung entfalten.

    Kommentar von lyzzy am 30. August 2012 um 12:00

  43. Ein großes Problem der Wikipedia sehe ich darin, dass Admins, die ursprünglich eine Moderator_innentätigkeit hatten, nun Dinge regeln müssen, die sie gar nicht entscheiden können. Moderator_innen entfernen Vandalismus. Wikipedia hat es aber als weltweit größte internetbasierte Wissensplattform nicht einfach nur mit Vandalismus zu tun, sondern mit so ziemlich allen kulturellen, sozialen, politischen Interessenskonflikten. Die Admins sind dafür nicht geschult. Die Überforderung führt dazu, sich auf einen vermeintlich neutralen Standpunkt zurückzuziehen und aus den Konflikten einen Streit von zwei extremen Seiten zu machen.

    Es kommen hier drei Dinge zusammen:
    * Die entpolitisierende Ideologie der „Ideologiefreiheit“. Es ist kein Zufall, dass der offene Brief der Maskulinisten Michael Klein und Arne Hoffmann an Jimmy Wales für eine „ideologiefreie Wikipedia“ warb. Dieser Diskurs, der anderen „Ideologie“ unterstellt, nimmt für sich eine ideologische Unschuld in Anspruch. Hiermit einher geht die Forderung nach Entpolitisierung, wie sie sich im Dikurs gegen vermeintliche „Politische Korrektheiten“ zeigt, wofür dann nicht selten George Orwells „1984“ herangezogen wird, obwohl dieser „1984“ geschrieben hatte, um vor einer politisch intendierten Entpolitisierung der Sprache zu warnen. In Wikipedia zeigt sich dieses Bedürfnis nach einer Enklave der entpolitisierten Unschuld bspw. darin, dass 800 Wikipedia-Autor_innen einen Solidaritätsaufruf für den it.Wikipedia-Streik unterstützten, gleichzeitig aber eine Metaseite in Wikipedia über Wikipolitik mit Entsetzen ablehnten: Auch wenn Wikipedia sich gegen Internetzensur engagiert, dürfe man eine Wikipolitik nicht reflektieren. Diese selbstverordnete Nichtreflexion greift mit dem entdemokratisierenden Diskurs (Parlamente=Quasselbuden) der ideologischen Ideologiefreiheit und politischen Politikfeindlichkeit ineinander.
    * Die Semantik der Mitte. Bereits vor den NSU-Morden wurde der Begriff „Extremismus“ kritisiert. Die Extremismusdebatte wird jetzt breiter geführt: http://www.migazin.de/2011/12/02/ab-durch-die-mitte/ In den Meta-Diskussionen von Wikipedia scheint dies allerdings noch nicht angekommen zu sein. Die Mitte der männlich dominierten Wikipedia-Entscheidungsträger_innen ist dadurch oftmals die Mitte des Androzentrismus.
    * Diese kollektive Selbstverortung zur ideologischen Ideologiefreiheit/ politischen Entpolitisierung und zur Semantik der Mitte haben fatale Konsequenzen, wenn es darum geht, in Diskriminierungsfragen Entscheidungen zu treffen. Jedes Benennen von Diskriminierung führt in der Gesellschaft u.a. zur Abwehrstrategie der Täter-Opfer-Umkehrung. Mit der Konstrukution der „Umgekehrten Diskriminierung“ richtete die FPÖ Wien eine Dokumentationsstelle für Inländerdiskriminierung ein und schon gibt es zwei „extreme“ Gruppen (gegen Ausländer- und gegen Inländerfeindlichkeit), wo sich die Admins raushalten. In Wikipedia hatten wir die Konflikte im sogenannten „schwuppikalen“ Bereich, wo sich Admins genervt über die beiden extremen Gruppen der „Evangelikalen“ und „Schwulen“ äußerten; erst als die evangelikale Wiki-Watch-Geschichte aufflog, wurden die evangelikalen Hauptakteure gesperrt. Es ist wichtig, dass hier kompetenter entschieden wird. Diskriminierung ist nicht das selbe wie die Wikipedia-Formel „persönlicher Angriff“. Diskriminierung ist gruppenspezifisch, strukturell und kann auf kollektive Gewalterfahrungen zurückgreifen.
    Es sollte anerkannt werden,
    * dass Wikipedia kein ideologiefreier/politikfreier Raum sein kann
    * dass Neutralität nicht Mitte heißt
    * dass Diskriminierung nicht mit einer einfachen Moderationstätigkeit begegnet werden kann, die sich auf die Richtlinien zum Umgang mit persönlichen Angriffen gründet.
    Diese drei Thesen sollten vor dem Hintergrund diskutiert werden, dass die „Wikipedia-Community müde und überfordert“ ist. Viellcht können Admins auf dieser Grundlage auch entlastet werden.

    Kommentar von Andreas Kemper am 30. August 2012 um 12:56

  44. @lizzy, ich habe einen längeren Kommentar geschrieben, der auch auf deine Frage eingeht, die ich allerdings erst gesehen habe, nachdem ich den Kommentar geschrieben hatte.

    Kommentar von Andreas Kemper am 30. August 2012 um 13:03

  45. Darf ich fragen, warum meine beiden Kommentare herausmoderiert worden sind? Ich finde sie nicht mehr. – Danke!

    Kommentar von Aschmidt am 31. August 2012 um 03:01

  46. @Aschmidt deine Kommentare wurden nicht herausmoderiert und sind auch nicht im Spamverdacht gelandet. Wann hast du sie denn abgschickt? In dem Beitrag hier ist seit dem Trackback der Wikimedia-Woche kein Kommentar mehr angekommen. Kann es sein, dass du den anderen Beitrag meinst?

    Kommentar von Nicole Ebber am 31. August 2012 um 12:46

  47. @Nicole: Danke sehr fürs Prüfen. Bin dem ebenfalls nachgegangen: Es gibt derzeit 115 Kommentare zu diesem Blogpost, meine sind hier und hier. Angezeigt werden unter dem Post aber nur 47. Das sind weder die neuesten (wie man sieht) noch die ersten (Trackback von der WM:Woche kam erst gestern). Irgendwas stimmt da nicht. Man kann in den Kommentaren nicht weiterblättern (weder mit Safari noch mit Firefox auf dem Mac). – Irgendwie ist die Kommentarfunktion überfordert. ;)

    Kommentar von Aschmidt am 31. August 2012 um 13:50

  48. @Aschmidt Das sind zwei unterschiedliche Beiträge. Dies hier ist der Gastbeitrag (48 Kommentare), drüben der ist der Zur Sexismus Debatte mit 116 Kommentaren. Und dort tauchen auch deine Kommentare von gestern auf. Oder?

    Kommentar von Nicole Ebber am 31. August 2012 um 14:01

  49. Hi Aschmidt, es gibt zwei Blogbeiträge. Du hast hierzu geschrieben: https://blog.wikimedia.de/2012/08/27/zur-sexismus-debatte-in-der-wikipedia/ ;)

    Kommentar von Andreas Kemper am 31. August 2012 um 14:05

  50. Ach, Ihr habt Recht. Und mir war das auch nicht in den URLs aufgefallen, die ich heute mittag angegeben hatte (hatte ich aus dem Browserverlauf herausgesucht). Die Verwechselung tut mir leid – meine Kommentare waren wohl durch die Verwechselung der Tabs im Browser unter den falschen Blogpost geraten, denn sie bezogen sich beide auf den Femgeeks-Artikel… bitte entschuldigt meine Unkonzentriertheit in diesen Tagen, es tut mir leid.

    Kommentar von Aschmidt am 31. August 2012 um 21:56

  51. […] über. Anlass ist diesmal die Selbstsperrung der Benutzerin Fiona Baine und die folgende Debatte sowie der Gastbeitrag der Femgeeks auf dem Wikimedia-Blog, welcher die Situation von Frauen innerhalb der Wikipedia […]

    Pingback von Wikipedia, die Frauen und eine Schlammschlacht | Schmalenstroer.net am 2. September 2012 um 16:50

  52. […] das Analysieren und Offenlegen von *Ismen ist […] die neue Nazikeule […]

    Pingback von Oh Wikipedia | Tenthousand Spoons am 2. September 2012 um 19:03

  53. Die Kommentarfunktion wird nun über Nacht deaktiviert.

    Kommentar von Julia Kloppenburg am 3. September 2012 um 20:35

  54. Bei dem ganzen gap-gab, wird stets unterschlagen, dass es die überwiegend männlichen Visionäre und alltäglichen Benutzer waren und sind, die derart grandios-gigantische Projekte wie eben auch die de.WP geschaffen, erweitert sowie erhalten haben und es weiterhin allen Widrigkeiten trotzend (erfolgreich) versuchen. Dies verdiente imho erstmal ein kleines Dankeschön vor dem obligaten Männerbashing.

    Kommentar von testversion am 4. September 2012 um 12:26

  55. Wir bieten am kommenden Mittwoch ab 18:00 Uhr eine Office Hour via IRC zum Thema Sexismus in der Wikipedia an und freuen uns auf zahlreiches Erscheinen. Alles Weitere hier: https://blog.wikimedia.de/2012/09/07/sexismus-in-der-wikipedia-einladung-zur-irc-office-hour/

    Kommentar von Nicole Ebber am 7. September 2012 um 23:23

  56. […] Einsicht, dass die Wikipedia ein krasses Sexismusproblem hat, spricht sich anscheinend dann doch langsam herum. Tenthousand Spoons hat eine handliche Typologie […]

    Pingback von Mädchenmannschaft » Blog Archive » Glückliche Feminist_inn_en im Glitzerkleid – die Blogschau am 8. September 2012 um 13:16

  57. […] »Zur Sexismus-Debatte in der Wikipedia« geäußert hat, oder besser sich äußern ließ, denn die Analysearbeit leistete ein »Gemeinschaftsblog« namens femgeeks, das sich »feministischen Geekthemen und […]

    Pingback von Eichhörnchenpedia « notes@dewiki am 10. September 2012 um 00:24

  58. Ich bin da geteilter Meinung.

    Mir wäre es auch lieber wenn mehr Frauen dort mitarbeiten. Wenn sie es nicht tun liegt es an ihnen selbst. Das Leben ist kein Ponyhof, willkommen liebe Frauen in der harten Männerwelt.

    Aber:

    Es gibt keine feministische Wissenschaft oder feministisches Wissen:

    1+1 ist nunmal 2, egal ob es ein Mann oder eine Frau ausrechnet. Sollte eigentlich klar sein. Oder verfügen Feministinnen über geheimes Wissen?

    Es kann aber auch nicht angehen das Feministinnen versuchen die Wikipedia für ihre Ideologie zu missbrauchen und gegen die Männerrechtsbewegung vorgehen in dem sie diese in die Rechte Ecke schiebt so wie es schwarze Feder tut.

    Da ich selbst in dieser Bewegung aktiv bin nehme ich das auch persönlich.

    Vor allem sind es immer! die gleichen Leute mit ihren „Expertisen“ die kein halbwegs intelligenter Mensch mehr für voll nimmt.

    Wenn ich mir den Wiki-Text Männerbewegung ansehe dann sehe ich alles.

    Kommentar von Tino am 10. September 2012 um 15:33

  59. @Tino
    Du irrst: Es gibt feministische „Wissenschaft“ und in der ist 1+1 beliebig. Als Beispiel sei da der de.WP-Artikel zu häuslicher Gewalt genannt. (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=H%C3%A4usliche_Gewalt&oldid=107920937#T.C3.A4ter). Dort kann der US-Feminist Kimmel auf Grund seiner hohen Reputation in Gender-Kreisen, einfach behaupten männliche Opfer weiblicher Gewalt „überschätzen (…) ihre Viktimisierung und sind eher dazu bereit, die Polizei zu informieren und Anzeige zu erstatten.“ Offenkundiger Humbug, der viel über den tatsächlichen Sexismus in der WP und der heutigen Gesellschaft ausdrückt…

    Kommentar von jens am 11. September 2012 um 13:28

Die Kommentare sind geschlossen.