Gut 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler nutzen Wikipedia regelmäßig (KIM-Studie 2010), bei Lehrern liegt der Anteil für die Unterrichtsvorbereitung sogar noch höher („Bildungsstudie: Digitale Medien in der Schule“, (N)Onliner Atlas 2011 der Initiative D21). Die Aufklärung über einen kompetenten Umgang mit Freiem Wissen ist daher besonders wichtig.
Wer in die Schulen geht, merkt bald, dass es nicht ausreicht, freie Inhalte zu erschaffen und sie allgemein verfügbar zu machen, man muss auch zum richtigen Umgang damit anleiten und das heißt im Fall von Wikipedia: Zu einem kritischen Umgang. Dies ist das Ziel des Wikipedia-Schulprojekts, das unter dem Motto „Wikipedia macht Schule“ freiwillige Referenten an Schulen und Universitäten entsendet. In Workshops wird das Verständnis für Freies Wissen bei Schülern, Lehrern, Lehramtstudenten und Pädagogen verbessert und der kritische Umgang mit der freien Enzyklopädie erlernt. Die Teilnehmer erhalten einen Einblick in das Projekt und lernen anhand verschiedener Aufgaben die Qualitätssicherung in Wikipedia kennen. So können sie Wikipedia besser verstehen und die Qualität der Artikel besser einschätzen.

Das Referentennetzwerk ist in diesem Jahr richtig in Fahrt gekommen und Wikipedianer und Medienpädagogen sind seitdem in allen Teilen Deutschlands unterwegs, um im Bildungsbereich Medien- und Informationskompetenz im Umgang mit freien Inhalten zu vermitteln.
Die Rahmenbedingungen für die Veranstaltungen sind dabei höchst unterschiedlich: Die Referenten organisieren Workshops für die Lehrerfortbildung schwerpunktmäßig an Gymnasien und an Oberschulen ebenso wie für Lehrer in der Referendarausbildung. Das Schulprojekt wurde zu Projektwochen eingeladen sowie zu einmaligen Veranstaltungen und Übungen, in denen Schüler auf die Webrecherche für eine Jahresarbeit vorbereitet werden. Außerdem wird das Projekt auch bei Lehrertagungen und bei BarCamps vorgestellt. Über diese Veranstaltungen wurde auch häufig in der Presse berichtet, beispielsweise in der waldorfpädagogischen Zeitschrift Erziehungskunst, sowie in den Webauftritten der Schulen, besonders ausführlich auf der Website des Privaten Gymnasiums Marienstatt. Auch an einer Grundschule konnten wir im August erfogreich ein Pilotprojekt durchführen, in dem Fünftklässler spielerisch Wikipedia kennenlernen konnten. Aktuelle Bilder aus dem Projekt finden sich auf Wikimedia Commons. Regelmäßig berichten wir auch in unserem Monatsbericht über das Schulprojekt.

Im Rahmen des Projekts wird deutlich, dass die meisten Benutzer vieles, was für die alten Hasen unter den Wikipedianern schon selbstverständlich geworden ist, erst durch das Schulprojekt kennenlernen – vom elementaren Arbeiten mit dem Wiki (Diskussionsseite und Versionsgeschichte zu einem Artikel) über das richtige Zitieren einer Quellenangabe aus Wikipedia bis hin zur Verwendung von Bildern aus dem freien Medienarchiv Wikimedia Commons auf der Schul-Website mit der korrekten urheberrechtlichen Angabe gemäß der jeweiligen Lizenz, unter der das Werk dort verfügbar ist.

Zwei Mal im Jahr finden Treffen der Referenten statt, die dem Erfahrungsaustausch und der Weiterbildung dienen. Vom 26. bis 28. August 2011 trafen sich in diesem Rahmen rund zwanzig Referenten des Schulprojekts zu ihrem vierten „SchulCamp“ in Nürnberg. Dabei galt es, Konzepte weiter zu entwickeln und die nächsten organisatorischen Schritte gemeinsam zu besprechen.
Ort des Geschehens war der CoWorking-Space in Nürnberg, der mit seiner arbeitsfreundlichen Atmosphäre maßgeblich zum Erfolg des Treffens beitrug. Die meisten aktiven Referenten waren schon von Anfang an im Schulprojekt dabei, einige sind neu hinzugestoßen und wurden nun intensiv auf bevorstehende Einsätze vorbereitet. Dies geschah unter anderem in einem offenen Workshop, der zu Beginn des Treffens sowohl interessierte Coworker als auch neue Referenten über Wikipedia informierte. Am zweiten und dritten Tag arbeiteten alle beteiligten Referenten an den Inhalten der Schulungen und daran, die bisherigen Erfahrungen in die Inhalte und Konzepte einfließen zu lassen. Das Camp zeigte, wie wichtig der persönliche Austausch für die Arbeit in einem Referentennetzwerk ist und wie hilfreich es ist, sich gegenseitig unterstützen zu können. Am Ende des Wochenendes konnten wir auf eine lange Liste erarbeiteter Inhalte zurückblicken und sind nun bereit für ein neues Schuljahr mit dem Wikipedia-Schulprojekt. Nächste Schritte sind nun, neben der Durchführung weiterer Workshops, auch die Erarbeitung von Handreichungen für Lehrer.

Das Schulprojekt ist weiterhin auf der Suche nach neuen Referenten, vor allem im hohen Norden, in Niedersachsen und in Bayern. Wikipedianer oder Pädagogen, die am Schulprojekt mitarbeiten möchten, können sich bewerben mit einer Mail an schule@wikimedia.de. Diese Adresse gilt übrigens auch für Lehrer, die uns an ihre Schule einladen möchten. Wir freuen uns auf Eure Anfragen und Anregungen!

Es grüßen,
Jürgen F. und Elly K.