Aktuell erreichen uns eine Menge Kleinspenden, zumeist über 1,00 € und verbunden mit Kommentaren zur aktuellen Relevanzdebatte, die dann in unserem Spendenticker veröffentlicht werden. Einige dieser Spenden wurden jedoch von uns aus dem Spendenticker entfernt und auch nicht abgebucht – Warum tun wir das, obwohl unsere Einnahmen zum Großteil aus Klein- und Kleinstspenden bestehen?

Zunächst freuen uns Spenden jeder Größenordnung, unterstützen sie doch unsere Arbeit. Und natürlich sind wir auch dankbar für kritische Kommentare, die uns bei der Weiterentwicklung der Projekte helfen.

Wir haben die Online-Spenden und den Spendenticker nun schon seit mehreren Jahren im Einsatz und daher entsprechende Erfahrungen. Leider hat sich gezeigt, dass immer wieder mit Fake-Einträgen (z.B. durch falsche Bankdaten) „gespendet“ wird. Zweitens kommt es auch immer wieder vor, dass solche Lastschriften zurückgegeben werden; dies ist nicht nur ärgerlich, sondern kostet auch viel (Spenden-)Geld.

Daher nehmen wir all die Spenden raus, bei denen wir den Eindruck haben, dass sie uns solche Kosten verursachen könnten. Manchmal ist das sehr eindeutig (Kontonummer „12345“), manchmal ist es nicht ganz so eindeutig. Aber wir haben nicht die Ressourcen, jedes Mal vorab die Bankverbindungen zu überprüfen. Eine Relevanzprüfung für Kommentare entspricht jedoch keineswegs unserem Verständnis von Freiem Wissen.

Abschließend noch ein Punkt, der in der aktuellen Diskussion zu kurz kommt: Wikimedia Deutschland ist nicht Betreiber der Wikipedia, wir haben keinen inhaltlichen, technischen oder redaktionellen Einfluß auf das Projekt. Wir beziehen deshalb auch keine Position in der aktuellen Relevanzdebatte, sondern sehen unsere Aufgabe darin, eine Plattform für die Diskussion zu bieten. Unser Spendenticker ist jedoch die falsche Plattform.

Update (13.11.2009, 8:03 Uhr) aus den Kommentaren, damit es nicht untergeht:

Nur noch mal ein paar Punkte zur Versachlichung:

Auf der einen Seite haben wir als Verein keinen redaktionellen, technischen, inhaltlichen Einfluss auf die Wikipedia. Und das wollen wir auch gar nicht. Die Wikipedia ist ein Projekt von selbstorganisierenden Freiwilligen, die jetzt seit 8 Jahren eine Enzyklopädie aufbauen. Wollte wirklich jemand, das es da einen Verein gibt, der bei diesem Projekt die Richtung vorgibt, der Admins benennt und entlässt, der Relevanzkritierien vorgibt oder der entscheidet, was in die Wikipedia kommt und was nicht? Sollte das wirklich das bessere Modell sein als diese Community, die in öffentlichen, nachvollziehbaren und offenen Diskussionen Lösungen findet und Entscheidungen trifft? Ich bin etwas verwundert wie schnell hier nach einer Autorität namens „Verein“ gerufen wird und wie wenig Vertrauen manche hier in selbstorganisierende Prozesse zu haben scheinen.

Aber wir sind dem Projekt natürlich eng verbunden, keine Frage. Wir sind gegründet worden von einer Reihe aktiver Wikipedianer. Wir verfolgen als Vereinszweck die Förderung Freien Wissens und damit natürlich auch der Wikipedia. Und dafür tun wir eine Menge:

  • Wir betreiben und finanzieren ein Rechenzentrum in Amsterdam, in dem wir u.a. den Toolserver haben. Dieser dient der Entwicklung von Anwendungen und Verbesserungen rund um die Wikipedia und andere Wikimedia-Projekte. In dieses Rechenzentrum (Hardware, Support, Betrieb) sind in diesem Jahr mehr als 100.000 € geflossen.
  • Unsere Personalkosten gehen ebenfalls in Wikipedia-Projekte: Wir haben einen Mitarbeiter, der sich um die Befreiung von Inhalten kümmert, und der schon ein paar Hundertausend Bilder für die Wikipedia Commons „befreit“ hat und an weiteren Dingen dieser Art arbeitet. Wir haben eine Community Assistentin, die Mentorenworkshops und Support-Team-Treffen organisiert, einen Entwickler, der Softwareerweiterungen macht und eine Pressesprecherin, die jede Menge Presseanfragen beantwortet und auch sonst viel für die Information über die Projekte tut.
  • Und wir unterstützen jede Menge Communityprojekte, vom Mentorentreffen, dem Support-Team-Treffen, über den Schreibwettbewerb bis zum Literaturstipendium. Wir zahlen Leuten Reisekosten, damit sie an solchen Treffen teilnehmen können, wir organisieren Referenten und unterstützen die Organisation.

All das haben wir in 2009 gemacht, den entsprechenden Tätigkeitsbericht gibt es im nächsten Jahr. Was wir aber nicht haben sind dicke Bankkonten, auf denen das Geld rumliegt und nicht eingesetzt wird. Wir sind schon aus rechtlichen Gründen zur zügigen Verwendung der Spendengelder angehalten (nennt sich „zeitnahe Mittelverwendung“) und genug zu tun gibt es auch.