Ein Mann, ein Ort: Dimitar Dimitrov ist “Wikimedian in Brussels”

1st Wikimedian in Brussels (sailing at Neusiedlersee), Foto: dimi_z, CC-BY-SA 3.0

Wikpedianer sind immer auch Botschafter. Ob sie nun Enzyklopädieartikel erstellen oder Kulturdenkmäler fotografieren – immer repräsentieren sie damit als Individuen zugleich auch die große, gemeinsame Idee: die des Freien Wissens. Manche Wikipedianer beteiligen sich sehr umfassend an den Wikimedia-Plattformen, beraten Hilfesuchende im Support-Team, diskutieren auf Spezialseiten Urheberrechtsfragen oder kommentieren Policy-Richtlinienentwürfe der WMF. Und wieder andere Wikipedianer denken darüber nach, wie man denn die politischen und gesetzgeberischen Voraussetzungen dafür verbessern könnte, dass noch viel, viel mehr kulturelle und staatliche Werke frei verfügbar werden. Ein solcher Botschafter des Freien Wissens ist Dimitar Dimitrov. Er arbeitet im Epizentrum der europäischen Politikmaschinerie, in Brüssel. Und die gute Nachricht ist – er tut dies für uns.

Dimi, so sein bevorzugter Ruf- und Autorenname, kam über verschlungenen Wegen in die belgische Hauptstadt. Seine Biografie, die viel mit Ortswechseln zwischen europäischen Hauptstädten zu tun hat, macht ihn zu einem natürlichen Kosmopoliten. Neben der bulgarischen Muttersprache spricht er auch Englisch und Deutsch fließend, Französisch eignete er sich en passant an. Dies ist auch unerlässlich, um im babylonischen Sprachgewirr der EU-Institutionen zurecht zu kommen und sich Zugänge zu erschließen.

Harte Fragen statt halbgarer Lösungen

Dimi und WMDE fanden durch Zufall zueinander. Während der deutsche Verein gerade seine “Roadmap nach Brüssel” vorlegte, bastelte Dimi bereits im Stillen an einer Seite auf Meta, die in neuer Dringlichkeit darauf hinwies, wie notwendig ein verbessertes Monitorung der Brüsseler Abläufe für den gesamten Wikimedia-Verbund doch sei. Die weitgehende Untätigkeit bei der Urheberrechtsharmonisierung in dieser europäischen Legislaturperiode, die im Ergebnis zu einer ärgerlichen Schutzfristverlängerung und einer halbgaren Lösung für die Nutzung verwaister Werke führte, bedeuteten einen zusätzlicher Antrieb, endlich von der Theorie (“Man müsste mal…”) zur Praxis überzugehen. So kamen wir schnell überein, im April zu einem internationalen Treffen einzuladen, das Dimi hervorragend organisierte und das den Startschuss für die selbsternannte “Free Knowledge Advocacy Group EU” bildete.

Hinter dem Titel verbirgt sich eine virtuelle Gemeinschaft von einigen Wikimedianern aus unterschiedlichen europäischen Ländern, die vornehmlich an politischen Themen arbeiten, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf die Rahmenbedingungen unserer Plattformen haben:

  • Wie kann der Unternutzung kultureller Werke durch eine “digitalisierungsfreundlichere” Gesetzgebung begegnet werden?

  • Welche im staatlichen Auftrag erhobenen Daten oder produzierten Dokumente sollte man vom Urheberrechtsschutz ganz ausnehmen?

  • Wie könnte eine für Fotografen leicht nachzuvollziehende Panoramafreiheit aussehen, die noch dazu in allen EU-Mitgliedsländern gleich gehandhabt wird?

  • Gibt es – auch angesichts von PRISM – den Bedarf, Datenschutz als Abwehrrecht gegenüber staatlicher Schnüffelei und kommerzieller Verwertung noch stärker auszugestalten?

  • Wie schärfen wir das allgemeine Bewusstsein für Netz-Intermediäre wie Wikipedia, die von Regulationen mitbetroffen sind, die z.B. auf eine verschärftere Haftung privatwirtschaftlicher Betreiber abstellen?

Diese Fragen – vielleicht abgesehen vom Datenschutz – sind gegenwärtig keinesfalls ganz oben auf der Agenda des Politikbetriebs. Es sind aber UNSERE Anliegen, die wir mittelfristig mit viel Geduld und klugen Aktionen bekannter machen möchten. Dabei ist es unerlässlich, Termine mit Beamten aus Generaldirektionen oder Ausschussvertretern des Europaparlaments wahrzunehmen, Stakeholder-Dialoge zu besuchen und die manchmal sehr komplexe Timeline der legislativen Abläufe im Auge zu haben. Eine der erste Maßnahmen, die Dimi eingeleitet hat, ist deshalb die monatliche Veröffentlichung eines kurzen Monitoring-Berichts auf der Mailingliste advocacy_advisors. Durch solch einen Botschafter, der nicht nur nach Außen agiert, sondern vor allem einen Informationsfluss zwischen Freiwilligen, Chapter-Angestellten etabliert, möchten wir eine bessere Grundlage schaffen, um gemeinsam Positionen zu erarbeiten, die in Brüssel Gehör finden. Dies ist sicherlich ein langer, mühevoller Weg – aber wir freuen uns darauf, ihn gemeinsam mit euch zu beschreiten.

Politische Arbeit ist Informationsverarbeitung

Denn mithelfen und sich einbringen kann wirklich jede/r. Ob man nun als Advocacy Advisor auf der entsprechenden Mailingliste seine Expertise preis gibt, für die inhaltlichen Task Forces Infoflyer erstellt oder in den jeweiligen Monitoring-Dossiers (z.B.: Netzneutralität) hilft, kurze Zusammenfassungen von Reden oder Reports zu schreiben – alles bringt uns voran. Politische Arbeit ist im wesentlichen Informationsverarbeitung und Schreibarbeit.

Daneben würde auch die Programmierung kleiner Tools helfen. Ein benutzerfreundlicher, kollaborativer Kalendar für Meta (mit Google-Funktionalitäten, aber free & open Wikicode) würde die alltägliche Arbeit enorm erleichtern. Auch ein Crawler, der die Mitglieder der jeweiligen Ausschüsse im Europaparlament samt Namen und Emails in Tabellen oder WP-Artikel rüberkopiert, wäre mehr als nur nützlich.

Bei einem jener hochprozentigen Biere, denen man bei einem anständigen Brüsselbesuch kaum ausweichen kann, sprach Dimi scherzhaft aus, was eigentlich der treffendere Name für die EU-Arbeitsgruppe wäre: “Wikimedia European Action System for Enthusiastic Lobbying” (W.E.A.S.E.L). Das Akronym passt wie die Faust aufs Auge. Denn ganz so, wie uns der entsprechende Wikipedia-Artikel den Nager präsentiert, stellen wir uns nämlich die Arbeit der nächsten Jahre vor: beharrlich, geschickt und ohne jede Beißhemmung.

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Wikipedianer gehen in Braunschweig unter die Römer

Braunschweigisches Landesmuseum (Foto: M. Kruszewski; CC-BY-SA 3.0)

Kommendes Wochenende reisen rund 20 Wikipedianer nach Braunschweig, um im Vorfeld der großen Landesausstellung “Die Römer kommen! Roms vergessener Feldzug” alles über das römische Schlachtfeld am Harzhorn zu erfahren.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts GLAM on Tour statt, das lokale Kulturkooperationen mit Wikipedia-Gruppen fördert. Drei Tage lang öffnet das Braunschweigische Landesmuseum für die Wikipedianer seine Pforten, um einen Überblick über die sensationellen Funde der Grabungsstelle bei Kalefeld zu geben, die in der Fachwelt für Aufsehen sorgen. 2008 wurden hier Fundstücke entdeckt, die auf ein Gefecht zwischen Römern und Germanen im 3. Jhd. n.C. hindeuten.

Ein willkommener Anlass, um GLAM-Aktivisten und Wikipedianer aus dem Raum Braunschweig einzuladen, die Grabungsstelle im Vorfeld zu erkunden, mit Artikelarbeit zu beginnen, zu fotografieren und mit Wissenschaftlern, Archäologen und Museumsmitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Im Zentrum der dreitägigen Veranstaltung stehen ein Vortrag zur Wikipedia und ein Musketiertreffen für Interessierte und Wikipedia-Neulinge. Besonders vergnüglich und ertragreich für die Artikel- und Fotoarbeit wird sicherlich die gemeinsame Bus-Exkursion zum Schlachtfeld (einige Plätze sind noch vorhanden, bei Interesse hier anmelden). Das Programm ist umfangreich, die Fachliteratur für die Quellenarbeit und die Fundstücke zum Fotografieren im Museum bereitgestellt, WLAN und Hashtag eingerichtet, die Sinne geschärft. Man darf gespannt sein!

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Jedem Zauber wohnt ein Anfang inne: Bericht vom Brüsseler Kick-off

Graphic Thinking. Foto: Lilli Iliev, CC-BY-SA

Wie beginnt man etwas, wofür es keinerlei Vorbild gibt? Wie findet man Zutrauen für eine Sache, die skeptische Beobachter als “zu ambitioniert” betrachten? Wie wird man Teil einer Gemeinschaft, die niemals geschlossen, sondern immer zugangsoffen und transparent sein soll?

Die Grundvoraussetzungen des Projekts “Roadmap nach Brüssel”, von dem ich hier erstmals im März berichtete, unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht so sehr von den Startbedingungen der Wikipedia 2001. Auch damals hätte es niemand für möglich gehalten, dass eine einfache Internet-Plattform zu einem international anerkannten Umschlagplatz des Wissens werden könnte.

Heute, über eine Dekade später, ist deshalb die Frage legitim: Wieso sollte es nicht auch möglich sein, dieser sozialen Bewegung auch einen politischen Arm zu verleihen, der die europäische Gesetzgebung auf ihre möglichen Restriktionen für Freies Wissen abtastet und – wann immer nötig – auf den Plan tritt?

Das Vorhaben klingt nicht nur ambitioniert, es ist es auch. Denn die Zeit hat das Wikimedia-Universum komplexer gemacht, in unterschiedliche Rollen, Territorien und Interessensgebiete auseinandergefaltet, ein unübersichtliches Gewimmel erzeugt, das für jedes (auch abseitige) Thema eine eigene Seite oder gar eine Mailing-Liste bereithält. Let’s face it: Wir sind ein riesiges Netzwerk, das gerne kommuniziert. Zuweilen etwas zu viel mit sich selbst, aber immer auch mit der Gewähr auf spannende Ideen.

Vor diesem Hintergrund erschien es uns nur konsequent, Wikimedianer zu einem direkten Gespräch am 6./7. April nach Brüssel zu laden, um intensiv über die Struktur und Arbeitsweise einer künftigen Arbeitsgruppe zu sprechen, die Freiem Wissen gegenüber der EU eine Stimme verleiht. Der Grundgedanke ist beileibe nicht neu und hat bei diversen Wikimania-Konferenzen schon eine Rolle gespielt, sich bislang allerdings nie in eine nachhaltige Struktur übersetzt.

Einen ersten Anlauf in Brüssel dazu gab es bereits im Juli 2009, der leider weitgehend folgenlos blieb. Umso mehr freut es uns, dass neben Vertretern aus Belgien, Niederlande, Italien, Estland, Bulgarien, Frankreich und Deutschland mit Lyzzy und Lodewijk eben auch zwei äußerst engagierte Wikimedianer einfanden, die seit Jahren für das Thema werben. Eine von WMDE beauftragte Studie half zudem dabei, bereits im Vorfeld die möglichen Anknüpfungspunkte für die EU-Gesetzgebung zu identifizieren und unterschiedliche Handlungsoptionen zu erörtern.

Wie das umfassende Protokoll (Danke, Lilli!) zeigt, ist es schwierig, den gesamten Diskussionsverlauf pointiert wiederzugeben. Angeleitet von der grandiosen Anna Lena Schiller hatten wir uns eben sehr viel vorgenommen. Es ist aber sehr wohl möglich, die drei wichtigsten Richtungsentscheidungen festzuhalten:

  • Die Gruppe wird in einem ersten Schritt das Monitoring laufender EU-Initiativen zu verbessern helfen und den Wikimedia-Verbund regelmäßig mit Informationen versorgen. Dabei hilft uns die professionelle NGO-Arbeit von “European Digital Rights” sowie eine eigene Kontaktperson vor Ort, die v.a. mit der Pflege der Meta-Seite, des Kalenders sowie der Wahrnehmung von lokalen Terminen betraut werden soll.

  • Neben der eher reaktiven Tätigkeit soll es in einem zweiten Schritt darum gehen, gegenüber der EU-Gesetzesgeberungsmaschine bereits 2014 (Neuwahl des EU-Parlaments sowie Einsetzung neuer Kommissare) den Handlungsbedarf bei urheberrechtspolitischen Themen zu verdeutlichen, die eng mit der Erschaffung und Verbreitung Freien Wissens verknüpft sind: Panoramafreiheit, Staatliche Werke und Verwaiste Werke. Hinsichtlich dieser drei Kernthemen gibt für jede/n Interessierte/n die Möglichkeit, sich an einer “Task Force” zu beteiligen, die Ideen sammelt und entsprechend verschriftlicht. Informationshub ist auch hier die Meta-Seite.

  • Ein solches “Liquid Lobbying” (TM) kommt natürlich nicht ohne die Unterstützung von europäischen Chaptern oder der Wikimedia Foundation aus. Deshalb werden wir in den nächsten Monaten auch noch einige Anstrengungen unternehmen, um für das Vorhaben zu werben. Dass dies nötig sein wird, hat uns die Mailänder Chapter-Konferenz gezeigt, bei der das Projekt zwar auf viel Neugier, aber auch einige Skepsis aufgrund knapper Ressourcen stieß.

Mir persönlich gibt ein Satz Hoffnung, den Stephen LaPorte (WMF) in Mailand äußerte: “We have no choice than getting engaged.” Auch Kat Walsh vom Board of Trustees signalisierte, dass es auf Seiten von Creative Commons ebenfalls großes Interesse am Aufbau einer solcher Arbeitsgruppe gibt. Die Vernetzung mit anderen “like-minded” Akteuren wird eben auch ein Weg sein, um effektiver arbeiten zu können.

Indes: Nicht jede Beteiligung an der EU-Policy-Group muss unweigerlich in “Arbeit” ausarten  - auch kurze Hinweise auf relevante Ereignisse innnerhalb und außerhalb des Movements, interessante Texte, Tweets und selbst Gerüchte helfen dabei, den Informationsaustausch über Ländergrenzen hinweg zu intensivieren. Um unkompliziert mit der Gruppe in Kontakt zu treten, haben wir auf der Meta-Seite eine Art Briefkasten eingerichtet, mit dem man entweder direkt an uns herantreten oder einfach etwas hinterlassen kann. Eine offizielle Schneckenpostfachadresse (etwa für EU-Aussendungen oder Einladungen anderer Akteure) wird es dann hoffentlich auch irgendwann geben.

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“Wikipedia ein Gesicht geben” – GLAM-Aktivisten trafen sich im Allgäu

Wikipedianer auf Exkursion im Kirchenarchiv Kaufbeuren. Foto: Benutzerin:Elya, CC-BY-SA 3.0

“Eine Gruppe, die so fachkundig ist und gleichzeitig so viel Spaß hat!” begeistert sich die Kirchenarchivarin Kaufbeurens.
Ein Lob, das den Wikipedianern galt, die sich – ausgerüstet mit Fotoapparat und Notizblock – interessiert die Exponate des Archivs zeigen ließen.

Letztes Wochenende reisten 17 kulturbegeisterte Wikipedianer ins beschauliche Kaufbeuren. Zum ersten Mal kamen damit “GLAM-Aktivisten” aus dem gesamten Bundesgebiet und Österreich für drei Tage zusammen, um sich über die vielfältigen Aktivitäten der deutschsprachigen Wikipedia-Community und Wikimedia Deutschland im kulturellen Sektor auszutauschen.
Entsprechend dicht gepackt war das Programm.

GLAM – wofür steht das gleich nochmal?

Unter dem Begriff GLAM (engl. Akronym für galleries, libraries, archives, museums) wird international der breite Bereich aller Aktivitäten von Wikipedia-Communities und Wikimedia bezüglich Kulturgütern und Kultureinrichtungen zusammengefasst. Weil sich das nicht unbedingt von selbst erschließt, drehte sich die Diskussion auch um ein besonders wichtiges Thema: Wie können die Kommunikation und der Informationsfluss über die Kulturaktivitäten von Wikimedia einerseits in den Communities, andererseits in der medialen Öffentlichkeit verbessert werden, und wie können vor allem noch mehr Mitglieder aus der Community für GLAM-Projekte gewonnen werden?

Sehen – Hören – Verstehen

Impression des GLAM-Aktivisten-Treffens im Allgäu Foto: Lilli Iliev CC-BY-SA 3.0

Diskutiert wurden auch die technologischen Potenziale für eine zeitgemäße, mobile Form der Wissensvermittlung in Kultureinrichtungen und bezüglich der Kunst im öffentlichen Raum. Denkmäler und Kulturgüter bergen meist eine Fülle an unentdeckten Informationen, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen sind. So entgeht dem Betrachter oftmals ein ganzes Spektrum an interessanten Querbezügen, die etwa durch Augmented Reality Apps erlebbar gemacht werden können.

Mithilfe von Wikipedia-ShortClips, die durch das “Einscannen” einzelner Kunstwerke oder auch ganzer Gebäude abgerufen werden, könnten bestehende Bilder aus WikiCommons mit weiterführenden Informationen und eingesprochenem Text mit entsprechender Spracherkennung verknüpft werden, sodass für den interessierten Betrachter ein mehrdimensionales Bild des Objekts entsteht.

Erfahrungsaustausch im Bereich kulturelles Erbe

Kilian Kluge und Marcus Cyron berichteten über ihre Erfahrungen als Wikipedians in Residence in der Stiftung Stadtmuseum Berlin bzw. im Deutschen Archäologischen Institut. Auch die erfolgreiche Kooperation von Wikimedia mit dem Bundesarchiv und weitere, vielfältige Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Kultur- und Gedächtnisinstitutionen wurden besprochen.

Deutlich wurde hierbei, dass Kooperationen zwischen Kultureinrichtungen und Wikimedia immer einer guten Vorarbeit bedürfen. Teilweise braucht es einen langen Vorlauf, bis beide Seiten eine klare Vorstellung der individuellen Möglichkeiten und Vorteile ihrer Zusammenarbeit gewinnen. Auf dem Weg zu nachhaltigen Kulturkooperationen sollten wir verstärkt die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit von GLAM-Aktivisten mit Kultur- und Gedächtnisinstitutionen erproben. Grundsätzlich kann sich die gemeinsame Arbeit zukünftig auch über einen längeren Zeitraum erstrecken.

“Wikipedia ein Gesicht geben”

Barbara Fischer stellt GLAM on Tour vor.
Foto: Lilli Iliev, CC-BY-SA 3.0

Barbara Fischer fokussierte bei der Präsentation des WMDE-GLAM-Programms für 2013 das Projekt GLAM on Tour, ein offenes Angebot für GLAM-Aktivitäten im gesamten Bundesgebiet. Wikipedianer und Kultureinrichtungen sollen unmittelbar vor Ort zur Zusammenarbeit eingeladen werden.
Die Anzahl der Community-Mitglieder, die sich für Freies Wissen im Kulturbereich engagieren, soll mit diesem Angebot wachsen. Gleichzeitig soll den GLAMs (also Museen, Archiven etc.) durch persönliche Beziehungen ein leichterer Zugang zum Wikimedia-Universum geboten werden. Wie Benutzerin:Elya treffend ausdrückte: “Wikipedia ein Gesicht geben”.

Die von Barbara Fischer vorgestellte Kommunikationsstrategie fand weitgehend Anklang. Eine zügige Überarbeitung der deutschen GLAM-Website, die Implementierung eines GLAM-Blogs und die Einrichtung einer interne Mailingliste zum schnellen Informationsaustausch wurden beschlossen. Insgesamt sollen die GLAM-Aktivitäten der Wikipedia-Community und die Kulturkooperationen mit Wikimedia zugänglicher und anschaulicher dargestellt werden.

In heiterer Eintracht: GLAM-Aktivisten im Allgäu
Foto: Freundlicher Passant in Kaufbeuren, CC-BY-SA 3.0

Unbestrittenes Highlight des WikiGLAM-Arbeitstreffens war ein Besuch der Außenstelle des evangelischen Landesarchivs des Pfarramtes Kaufbeuren. Hier verbergen sich in der Tat wahre Schätze, etwa ein Exemplar der Schedel´schen Weltchronik, die im Spätmittelalter entstand und bei den Wikipedianern für helle Begeisterung sorgte. Es ist jedenfalls zu erwarten, dass der eine oder andere Enzyklopädie-Eintrag aus dieser besonderen Exkursion hervorgeht.

Das Arbeitstreffen in Kaufbeuren war mehr als ein guter Start für eine enge Zusammenarbeit zwischen der Wikimedia-Community und den Kulturinstitutionen. Jetzt kommt es darauf an, die guten Vorsätze auch in die Tat umzusetzen. “Pack’ mer’s”, wie die Kaufbeurer sagen.

 

 

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“Hast du gefunden, wonach du suchtest?” – Ein Wikipedia-Tool für Leser

Ende Juli diesen Jahres wurde in Washington auf der Wikimania, der grossen jährlichen Konferenz der Wikimedia-Bewegung, das sogenannte Article Feedback Tool vorgestellt. Dahinter verbarg sich ein kleines Zusatzprogramm zur Wikipedia in Gestalt eines unscheinbaren kleinen Kastens am Ende des Artikels. Er gibt Wikipedia-Lesern die Möglichkeit, den von ihnen gerade gelesenen Artikel positiv, neutral oder auch negativ zu bewerten und die Bewertung um einen individuellen Kommentar zu ergänzen. Einfach und schnell, ohne Umwege über komplizierte Diskussionsseiten.

Zu diesem Zeitpunkt war das Tool bereits über ein halbes Jahr in der englischsprachigen Wikipedia im Einsatz und hatte spannende Ergebnisse gezeigt. Angelika Adam und Denis Barthel von Wikimedia Deutschland stellten in einem ersten Bericht den Aktiven der deutschsprachigen Wikipedia-Community das Tool vor und tatsächlich löste der Bericht erstes Interesse bei einigen Wikipedianern aus. In den folgenden Wochen fand sich eine kleine Gruppe zusammen, die den Einsatz als Pilotprojekt auch in der deutschsprachigen Wikipedia erörterte. Von nun an wurden Dokumentations- und Hilfeseiten übersetzt, Software eingedeutscht und für den Start konfiguriert, Artikellisten aufgebaut, Moderationssysteme diskutiert und nicht zuletzt nach intensiver Diskussion auch eine Umfrage zur Umsetzung einer Pilotphase durchgeführt. So gewann Ende Oktober dann die Initiative abschliessend an Fahrt, als bemerkenswert produktive und harmonische Zusammenarbeit zahlreicher Wikipedianer, begleitet von Wikimedia Deutschland und der Wikimedia Foundation.

Zum heutigen Tag wurde das Artikel-Feedback-Tool für alle Leser der deutschen Wikipedia angeschaltet. Zuvor war es für rund eineinhalb Wochen nur intern sichtbar, eine Zeit, während der vor allem kleinere Fehler behoben wurden. Rund 15.000 Artikel der deutschsprachigen Wikipedia werden ab jetzt für 4 Monate mit dem charakteristischen Kasten für Rückmeldungen versehen sein. Neben den drei vollständigen Themenbereichen “Säugetiere”, “Schach” und “Heavy Metal” wird in rund 1500 von Wikipedia-Autoren selbst ausgesuchten sowie in 1500 per Zufall ausgewählten Artikeln das Tool aktiviert. Allen Lesern wird so ermöglicht, unkompliziert Rückmeldung zu einzelnen Artikeln zu geben – die Studien aus der englischsprachigen Wikipedia zeigen inzwischen sogar, dass man sich nicht nur zu Artikeln äußert, sondern auch mehr als zuvor aktiv an der Bearbeitung beteiligt. Wer es einmal ausprobieren möchte, schaue im Wikipedia-Artikel zum Gießener Studentendoppelgrab.

Noch ist das Artikel-Feedback-Tool ein experimentelles Feature. Unverhofftes kann geschehen, Neues wird kommen. Bereits jetzt ist absehbar, dass im Januar eine neue, weiter verbesserte Version zu erwarten ist. Im Mai wird die Community dann abschließend entscheiden, ob das Artikel-Feedback-Tool dauerhaft und für alle Wikipedia-Artikel bereitgestellt werden soll. Bis dahin ist Gelegenheit für alle Wikipedia-Leser, diese neue Möglichkeit zu nutzen und quasi im Vorbeigehen einen Beitrag zur Verbesserung ihrer Wikipedia zu leisten.

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Reminder: Offener Sonntag bei Wikimedia Deutschland

Am Sonntag ist es soweit: Wir öffnen die Geschäftsstelle für einen Tag voller Diskussionen und Workshops zu Themen eurer Wahl. Am Offenen Sonntag haben alle die Möglichkeit, ein Thema vorzustellen oder einen Workshop abzuhalten. Das genaue Programm wird am Sonntagmorgen (beim Brunch!) gemacht, einige interessante Angebote sind schon angekündigt:

  • Freies Wissen ohne Grenzen – Internationale Zusammenarbeit und Vernetzung: Wie können wir die Zusammenarbeit mit den Communitys, den Wikimedia-Chaptern und der Wikimedia Foundation zukünftig gestalten und besser kommunizieren? Außerdem gewähren Vertreterinnen und Vertreter der Wikimedia Chapters Association und des Wikimedia Foundation Board of Trustees Einblick in ihre Arbeit und erörtern Möglichkeiten der Beteiligung.
  • WikiVoyage kommt zu Wikimedia: Reiseführer als freies Wissen, kollaborativ erstellt: wie sieht’s aus, was gibt’s zu tun, wie geht’s weiter?
  • Das weite Feld der Neulingsbetreuung: offener Austausch zu bestehenden Programmen und möglichen Entwicklungen.
  • WikiData: Datenbank für freies Wissen. Stand der Dinge, Implikationen, Diskussion.
  • Sprich mit dem Präsidium und Wir, wir und die anderen von uns beschäftigen sich mit der Rolle und Zusammenarbeit von Präsidium, Geschäftsstelle und Communitys.
  • RENDER bietet Unterstützungswerkzeuge für Wikipedia, die hier getestet und diskutiert werden können.

…und vieles andere mehr! Los geht es um 9:30 Uhr, für euer leibliches Wohl ist den ganzen Tag über gesorgt, der Eintritt ist frei. Bringt gerne Freundinnen, Bekannte oder Nachbarn mit, auch Wikimedia- und Wikipedia-Neulinge sind herzlich willkommen.

Bitte gebt uns Bescheid, ob ihr kommt, das erleichtert uns die Planung und Sicherung der Essensversorgung. Alles weitere findet ihr auf der Meta-Seite und im Facebook-Event. Wir freuen uns auf inspirierenden Austausch!

 

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