Wer an internationalen Themen interessiert ist, dem wird nicht entgangen sein, dass die WCA in letzter Zeit eine ziemliche Berg- und Talfahrt hinter sich hat.

Kurz nachdem wir die Suche nach einem Generalsekretär gestartet hatten, meldete sich das Board of Trustees mit einem, gelinde gesagt, sehr deutlichen Statement. Die Kritik an der WCA ist sehr fundamental: in erster Linie würden Strukturen geschaffen, das ist zu groß gedacht und nicht organisch gewachsen. Eine finanzielle Unterstützung seitens der Wikimedia Foundation sowie die Erlaubnis, die Marke nach außen zu nutzen, sei nicht wahrscheinlich.

Wir hatten für die WCA ohnehin ein Arbeitstreffen in London geplant. Dem kam nun eine fast schicksalhafte Bedeutung zu. Entgegen meiner Erwartungen war das Treffen sehr konstruktiv, alle Beteiligten haben sich auf die Suche nach Lösungen begeben, anstatt die Situation zu beklagen. Neben sieben Mitgliedern des WCA Rats waren zwei Trustees und zwei Beobachter (unter anderem Nicole Ebber von WMDE) anwesend. Das Treffen wurde ergänzt durch virtuelle Beteiligungsmöglichkeiten über Hangout und Etherpad. Wir hatten hier drei weitere Ratsmitglieder, jemand vom Affiliations Committee und ein Präsidiumsmitglied von WMDE mit in der Leitung. Was ich damit sagen will: Es gab eine breite Beteiligung der unterschiedlichsten Gremien an der Diskussion.

Die Quintessenz des Treffens ist, dass wir uns stark reformieren. Wir fangen unten an, arbeiten inhaltlich und vergessen erst mal die Arbeit an den Strukturen. Daraus folgt zunächst eine Not-To-Do-Liste: wir werden bis auf weiteres keinen Generalsekretär und auch sonst niemanden einstellen. Des weiteren ist die Inkorporation als Organ auf Eis gelegt. Fair enough. An dieser Stelle sei auch ehrlich gesagt, dass ich zusammen mit einigen Vertretern von Wikimedia Deutschland einsehen musste, dass wir möglicherweise eine Nummer zu groß geplant hatten. Wir haben daraus gelernt. Eine weitere direkte Reaktion auf die Kritik an der WCA betrifft unseren Chair: Fae, der in der Debatte auch persönlich angegriffen wurde, wird sein Amt im Laufe der Woche zur Verfügung stellen und Neuwahlen ausrufen. Ich möchte ihm an dieser Stelle ausdrücklich für die bisher geleistete Arbeit danken und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm.

Nun zu den erfreulicheren Dingen. Wir haben es auch geschafft, uns in London auf eine Liste sehr konkreter Aktionen zu einigen, die wir bis zur Wikimedia Conference im April in Mailand geschafft haben wollen. Dazu gehören:

  • Mindestens ein Peer Review eines Chapters. Wikimedia Estland hat sich schon bereit erklärt, sich von der WCA beraten zu lassen. Wir suchen nach weiteren Kandidaten. Die ersten Reviews werden noch nicht perfekt sein, aber wir erarbeiten uns ein Instrumentarium, um solche Reviews in steigender Qualität anbieten zu können
  • Ein Ort auf Meta, um Angebote zwischen Chapters austauschen zu können. Es fehlt vielfach an Wissen, welche Chapters welche Kompetenzen haben oder suchen.
  • Eine Umfrage bei den Chapters und eine Sammlung von Informationen über die gesamte Bewegung, die immer wieder benötigt werden.
  • Eine „Notfallnummer“, bei der man sich melden kann, wenn es Vorkommnisse in einem Chapter gibt, bei denen man sich lieber Hilfe holen möchte
  • Einen regelmäßigen Report über unsere Aktivitäten.
  • Wir werden den Kontakt zu Chapters wie anderen Organen in der Wikimedia Welt suchen und halten.

Wer sich genauer über das Treffen in Londen informieren möchte, der kann das vorläufige Protokoll bereits jetzt einsehen. Dieses wird später auf Meta veröffentlicht.

Ich habe die WCA nicht aufgegeben und das Wochenende in London hat gezeigt, dass wir in der Lage sind, gute Pläne zu schmieden. Zur Konferenz in Mailand denke ich, wird sich zeigen, ob der neue Plan Früchte trägt. Wie immer freue ich mich sehr über Anmerkungen und Hinweise von euch.