„Was macht man eigentlich als ‚Wikipedian in Residence‚? Nicht nur die Presse wollte das zuletzt recht häufig von mir wissen. Vielleicht ist es ganz sinnvoll damit zu beginnen, was ich denn nun alles schon getan habe. Nach einem Monat kann man sicher einen ersten Blick zurück wagen.

Es begann schon am 2. Juni, also am zweiten Arbeitstag, mit einem Paukenschlag: der „Langen Nacht der Wissenschaften„, an der sich das Deutsche Archäologische Institut traditionell beteiligt. Unterstützt durch je zwei ehrenamtliche Autoren und zwei Mitarbeiter der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland konnten wir Wikipedia und dessen Schwesterprojekte bei der Langen Nacht vertreten und gleichzeitig in der Öffentlichkeit auch das Residence-Programm bekannter machen. Zum zweiten Höhepunkt wurde meine erste Dienstreise, die mich nach Frankfurt am Main, Köln und Düsseldorf führte. In Frankfurt nahm ich an der wissenschaftlichen Tagung „Integrating Archaeology“ teil. Es beschränkte sich dieses Mal nicht auf eine passive Teilnahme, ich war auch als Referent eingeladen und hielt einen Vortrag zum „Wikipedian in Residence beim DAI“. Die Tagung war erstklassig organisiert, einzig die Tatsache, daß Vorträge und Diskussionen einzig auf Englisch statt finden würden, war nicht nur mir sondern auch anderen Teilnehmern nicht ganz klar. Somit mußte ich binnen kurzer Zeit meine Präsentation und den ganzen Vortrag ins Englische umarbeiten. Darunter litt die Qualität ein wenig, wohl aber nicht übermäßig. Auch darüber hinaus war die Tagung, in der es um vielerlei Formen der archäologischen Öffentlichkeitsarbeit ging, ein lohnender Bick über den Tellerrand. Auch der „Socialising-Abend“ war ein Erfolg – Deutschland schlug die Niederlande immerhin mit 2-1! Einen Tag nach der Tagung folgte in Köln der nächste Termin bei Reinhard Förtsch und den Mitarbeitern der Bilddatenbank Arachne. Hier ging es vor allem darum, wie man die gegenseitige Verknüpfung in der Zukunft besser voranbringen könnte. Abschluß der Tour, die auch einen Besuch beim Kölner Stammtisch beinhaltete, war die Teilnahme am Sommerfest der Gerda Henkel Stiftung. Hier waren äußerst hochkarätige Geisteswissenschaftler anwesend, mit meiner Begleitung Alice Wiegand kam ich aber eher mit Nachwuchswissenschaftlern ins Gespräch.

Die restliche Arbeit lässt sich eher unspektakulär an. Sie besteht darin viele E-Mails zu schreiben und zu lesen, der Presse Rede und Antwort zu stehen (im Juni immerhin dreimal), Konzepte auszuarbeiten, ja überhaupt zu überlegen, welche Schritte als nächstes gesetzt werden sollten, welche Ideen umgesetzt werden können und sollen. Häufig treffe ich mich mit den beiden Frauen, die bei den Partnerorganisationen des Projektes für das Programm zuständig sind, Nicole Kehrer vom DAI und Barbara Fischer von WMDE. Ideen, die im Juni gewachsen sind und nun ihrer Umsetzung harren sind etwa eine Karte der Grenze des Römischen Reiches, des Limes, die erarbeitet werden soll, ein Schreibwettbewerb zu den Olympischen Spielen oder anderes mehr, über das an dieser Stelle berichtet werden soll, wenn die Ideen praktisch umgesetzt werden. Und bei der Ideenfindung helfen nicht selten der Zufall, und Gespräche mit vielen Menschen. Eines kann ich nach einem Monat schon sagen: kein Tag ist wie der Andere, die Arbeit ist äußerst abwechslungsreich. Langeweile kommt nicht auf.

Der Juli steht nun ganz im Zeichen der Wikimania in Washington D.C.