Alltag aus der Pressearbeit

12:30 Uhr: Mathias regt sich im Chat auf. Er ist gerade auf die Meldung „Wikipedia kontert Angriff von Google mit eigener Suchmaschine“ im Presseportal gestossen. In der per ots verteilten Vorabmeldung der Zeit steht Unsinn:

Wikipedia kontert Angriff von Google mit eigener Suchmaschine

Hamburg (ots) – Die Online-Enzyklopädie Wikipedia will mit einer eigenen Suchmaschine auf den Angriff des Mitbewerbers Google antworten. Google hatte die Einführung eines kostenlosen Internetlexikons angekündigt, das die Benutzer wie bei Wikipedia selbst zusammenstellen. […]

Es folgen umgehend (unabhängig voneinander) Anrufe von Mathias und mir bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Welt. Während zuerst gemauert wird „Die Meldung wurde schon gesendet und eine Korrektur wird von uns nicht vorgenommen.“ fordern wir umgehende Nachbesserung und weisen daraufhin, dass eine Vielzahl von Punkten schlichweg falsch sind – im besonderen die Aussagen „Wikipedia kontert Angriff von Google mit eigener Suchmaschine“ und „Die Online-Enzyklopädie Wikipedia will mit einer eigenen Suchmaschine auf den Angriff des Mitbewerbers Google antworten.“

13:30 Uhr: Während die Zeit (sehr fix) eine Korrekturmeldung herausgibt, verbreitet sich die Falschinformation schnell in den verschiedensten Publikationen und wird auch von der dpa weiterverbreitet.

Wie so häufig besteht die Lösung für das Problem also nicht alleine darin, die Quelle zu korrigieren, sondern auch dafür zu Sorgen, dass sämtliche Drittverwerter ihre Beiträge korrigieren. Dies kann allerdings nicht vorrangig die Aufgabe von uns sein, sondern sollte von dem Verbreiter der Falschmeldung ausgehen. Viele Drittverwerter weigern sich auch, auf „Zuruf von außen“ Texte zu korrigieren, die sie in dieser Form von Presseagenturen zugesendet bekommen haben. Hier kann nur der Versender direkt einwirken.

17:00 Uhr: Das Fazit: Bisher viel Arbeit und die Korrekturquote ist zum jetzigen Zeitpunkt noch „übersichtlich“.

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Dieser Eintrag wurde geschrieben von am Dienstag, Dezember 18th, 2007 um 17:00 Uhr und ist zu finden unter Allgemein. Sie können diesen Beitrag mit RSS 2.0 Feed abonnieren. Sowohl Kommentare als auch Pings sind derzeit geschlossen.
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9 Responses to “Alltag aus der Pressearbeit”

  1. Kurt Jansson sagt:

    Vielleicht sollten wir unsere Pressemitteilungen von jetzt an mit „Wikipedia bläst zum Angriff auf …“ beginnen, das geht offenbar immer *seufz*. Worte wie „Angriff“, „Mitbewerber“ oder „Konkurrenz“ ergeben in unserem Kontext nur sehr begrenzt Sinn, aber das ist offenbar nicht unmittelbar einsichtig.

    Ich hatte vor fast einem Jahr zu Wikia Search übrigens mal ein längeres Interview gegeben: http://www.search-lab.de/blog/suma-news/2006/12/31/interview-mit-kurt-jansson-zur-wiki-suche/

  2. Wikipedistik » Blog Archive » Krieg den Enten sagt:

    […] soll einen kleinen Einblick in die tägliche Arbeit der Vereinsmitglieder geben. Im Artikel Alltag aus der Pressearbeit habe ich kurz zusammengefasst, worum Mathias und ich uns heute gekümmert haben: Wir sind gegen […]

  3. Jakob sagt:

    Im Moment ist es meiner Meinung nach eher wichtig, überhaupt in die Presse zu kommen und dabei nicht gerade negativ dazustehen. Hoffentlich weist Jimbo im Interview deutlich genug darauf hin, dass Wikimedia dringend auf Spenden angewiesen ist! Bislang ist in der Öffentlichkeit im besten Fall (!) hängengeblieben, dass Wikipedia irgendwie „frei“ ist und trotzdem gut, obwohl irgendwelche Leute mitschreiben anstatt nur ausgewählte Experten. Das Einzige (!) was gerade vor Weihnachten und bis zum Jahreswechsel jetzt noch rüberkommen sollte, ist dass gespendet werden kann, und dass sogar Steuerabzugsfähig. Daneben sind belanglose Enten und etwas seltsame Vorstellungen von Wikipedia völlig irrelevant, die Details interessieren die Mehrheit sowieso nicht. Die Aufnahmefähigkeit von Journalisten ist begrenzt und sowas wie der Unterscheid zwischen Wikia und Wikipedia ist angesichts der Möglichkeit mit Spenden zu helfen, belanglose Details.

  4. Ich sagt:

    Die „scheinbare“ Nachricht besteht ja gerade darin, dass das Wikipedia macht (angeblich). Das Handeln von Wikia ist in der Öffentlichkeit ohne Bedeutung, insofern macht eine Berichtigung auch keinen Sinn, nur der Rückzug der Meldung. Als Lehre würde ich daraus ziehen, dass ich mir diese Arbeit schenken würde. Eventuell irgendwo eine Seite für die Presse anlegen, wo die Beziehungen zwischen Wikia, Wikipedia, Wikisource, …, Wikimania, etc. dargestellt wird. Ich mein, wer kennt sich da schon aus?

  5. PR Blogger sagt:

    Wikimedia Blog: Neuer Pressealltag…

    Wie sich die Pressearbeit wandelt, das zeigt nicht zuletzt ein aktueller Fall bei den deutschen Betreibern der Wikipedia: Laut einem Artikel im neuen Wikimedia Blog hat die Wochenzeitung Die Zeit per ots eine Falschmeldung lanciert: Wikipedia kontert A…

  6. Peterchen weiß Bescheid sagt:

    Jimmy Wales: Beleidigte Leberwurst? Unheimlich Cle…

    Nachdem Google eine Art Konkurrenz zur Wikipedia aufmachen möchte, reagiert einer der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales recht … ungewöhnlich mit einer Suchmaschine. Im Ernst: Der Start des Projektes mit dem Namen Wikia steht unmittelbar bevor, es ist …

  7. Malte Landwehr sagt:

    Das ist aber mehr als peinlich für die Zeit. Na wenigstens haben sie schnell reagiert.

  8. SearchLab » Blog Archive » Wikia Search startet am 7. Januar sagt:

    […] Neben zahlreichen News aus der Wiki-Welt werden auch solch sinnfreie Fehlschüsse im kürzlich gestarteten Wikimedia Blog kommentiert. […]

  9. turbobrain » Jimmy Wales: Beleidigte Leberwurst? Unheimlich Clever? sagt:

    […] Netter Seitenhieb auf die Eigenarten der klassischen Presse im Wikimedia-Blog […]

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