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Steward-Treffen auf der Wikimania

Auf der diesjährigen internationalen Konferenz der Wikimedia-Bewegung, der Wikimania, nahmen hunderte Autoren der Online-Enzyklopädie Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte nicht nur am Rahmenprogramm teil, sondern versuchten auch in kleineren Gruppen speziefische Probleme zu lösen. Dabei treffen sich nicht nur die weiblichen Mitarbeiter, die Bewegung der Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen oder auch Sprach- und Kulturgruppen wie Wikimedia Asia oder die turko-, franko- oder afrophonen Mitarbeiter, sondern auch Personen, die sich im Bereich Bildung, Technik, Medizin usw. engagieren. Zudem hat Wikimedia Deutschland Speeddating-Gespräche über die Aktivitäten des Vereins am eigenen Stand angeboten, an denen ich teilgenommen habe.

Seit 2010 gibt es solche Treffen auf der Wikimania auch bei den rund 40 Wikimedia Stewards, von denen ich einer der wenigen deutschsprachigen bin. Diese ehrenamtlichen Mitarbeiter sind nicht auf einem der Inhaltsprojekte wie Wikipedia tätig, sondern unterstützen von dem globalen Verwaltungswiki Meta-Wiki alle über 800 Projekte der Wikimedia Foundation. Dazu zählen neben den großen Projekten wie der englisch- und deutschsprachigen Wikipedia oder dem chinesischen oder französischen Wörterbuch „Wiktionary“ hunderte kleinere Projekte, die oft nur ein paar tausend Artikel und eine Handvoll Mitarbeiter aufweisen, manchmal auch noch weniger. Leider waren von den Schwesterprojekten nicht allzu viele Mitarbeiter auf der Wikimania, im Programm waren diese Projekte gleich noch viel weniger vertreten. Da aber auch in diesen Projekten Administratoren ihre Rechte erhalten, Benutzer umbenannt und solche, die Unsinn treiben, rechtzeitig gestoppt werden müssen, springen in diesen Fällen Wikimedia Stewards ein und übernehmen die Aufgaben, die die Gemeinschaften selbst nicht wahrnehmen können. Ihre weitere wichtige Aufgabe ist die Verwaltung aller global angemeldeter Benutzerkonten, wozu vor allem das Sperren vandalierender Benutzer und das Verstecken beleidigender Benutzernamen gehört.

Doch werden Stewards auch dann angesprochen, wenn ein Benutzer seinen Namen in allen Projekten geändert haben will. Da es bis März 2008 keine globalen Benutzerkonten gab und die Umstellung noch nicht vollständig abgeschlossen ist, kann dies nicht nur mit einem Klick durchgeführt werden. Bisher war das Umbenennen von Benutzerkonten nähmlich nur in einem monatelangen Prozess möglich, da trotz der globalen Benutzerkonten in jedem Projekt lokale Mitarbeiter, die das Recht haben, Benutzernamen zu ändern, einzeln angesprochen werden mussten. In ihrem Treffen einigten sich die Stewards darauf, dieses Problem nun intensiver anzugehen. In Rücksprache mit den Entwicklern der Wikimedia Foundation wurde der Fahrplan für das Projekt entwickelt: Da die Entwicklern selbst nicht die Zeit aufbringen können, eine globale Umbenennfunktion einzubauen, erarbeiten die Stewards eine temporäre Lösung und schlagen auch ein passendes Regelwerk vor. Die Entwicklern evaluieren dies und erteilen den Stewards eine Freigabe. Damit soll der Prozess weiter vorangetrieben werden, dass alle und nicht nur neu angemeldete Benutzer ein eindeutig zuordbares Benutzerkonto besitzen. Wahrscheinlich ist dafür aber noch eine größere technische Umstellung vonnöten, um vorhandene Überschneidungen besser lösen zu können.

Als weiteres Ergebnis des produktiven Treffens der Stewards aus den U.S.A., aus Indien, Russland, Polen, China, Deutschland und dem Iran wird die engere Kooperation mit den Entwicklern der Wikimedia Foundation angestrebt, weil Wikimedia Stewards oftmals die ersten Mitarbeiter sind, die technische Neuheiten testen und auf vorhandene Sicherheitslücken und Verbesserungen hinweisen. Dies sollte dann auch erhört und umgesetzt werden. Auf eine erneute zweite Wahlrunde, wie sie letztes Jahr von den Stewards auf der Wikimania angeregt und von mir vorbereitet wurde, konnte sich nicht geeinigt werden. Zurzeit werden die meisten eingereichten Anträge innerhalb kürzester Zeit von den Stewards abgeschlossen, vielleicht ändert sich dies aber durch die neuen Aufgaben, die im Rahmen der Wikimania angestoßen wurden.

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Wikimania und die Medien

Fotograf: Helpameout
http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en

Nach einigen Tagen Urlaub steht noch ein Überblick der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Wikimania aus. Die ersten Ergebnisse sind bereits in unserem Pressespiegel zusammengestellt. Hier handelt es sich um eine Auswahl und keine vollständige Aufstellung. Einige Berichte sind (noch) nicht erschienen oder es wurden Themen auf der Wikimania angestoßen, die in der Nachbereitung zu Berichten führen werden. Dazu zählen vor allem unsere Themenschwerpunkte Wikidata, Diversität und Autorengewinnung sowie Bildungsprogramme. Auch zu den GLAM-Aktivitäten und den ersten Wikipedians in Residence (letzter Blogbeitrag dazu) stehen noch Beiträge in Tagesspiegel und Die Zeit an.

Im Vorfeld zur Wikimania habe ich Korrespondenten deutschsprachiger Medien (Print, Online, TV und Hörfunk) und internationale Nachrichtenagenturen kontaktiert und über das jährliche Treffen der Wikimedia-Bewegung und die Teilnahme von Wikimedia Deutschland informiert. Hieraus resultierten zahlreiche Berichte in internationalen Medien (von Gulf Times bis The Hindu) und einige deutschsprachige Meldungen. Zum Start der Wikimania fand eine Pressekonferenz statt und danach bis einschließlich Samstag war ich hauptsächlich damit beschäftigt, mit Journalisten Hintergrundgespräche zu führen und Interviews mit Wikipedianern, Board-Mitgliedern oder unserem Vorstand Pavel Richter zu koordinieren. Leider ist wenig ‚Bewegtbild‘ dabei herausgekommen. Lediglich ein TV-Beitrag lief bei der Deutschen Welle – aber der liegt uns noch nicht vor.

Recht spontan und gut fand ich daher die Initiative einiger Stipendiaten (darunter Olaf Kosinsky, Manuel Schneider, Holger Motzkau und Ralf Roletschek) , die sich sagten: Wenn das Fernsehen nicht zu uns kommt, dann gehen wir eben dahin! Der Überraschungsbesuch bei ZDF und ORF kam richtig gut an und die Wikipedianer hatten viel Spaß mit den Fernsehprofis. Impressionen dazu von Ralf Roletschek. Nach fast 4 Jahren, die ich bereits für WMDE arbeite, bin ich immer noch und immer wieder beeindruckt von so viel ehrenamtlichem Engagement, Ideen und guten Initiativen. Danke dafür. Und danke für die vielen überraschenden Momente, die ich mit Euch erlebe (oh, wie pathetisch – na ja, komme gerade aus Amerika).

Insgesamt ist die Wikimania ein guter Aufhänger für die Öffentlichkeitsarbeit auch wenn sie nicht im eigenen Land stattfindet. Die Konferenz bietet die Möglichkeit viele Projekte und Programme bekannt zu machen. Besonders hat mich gefreut, dass wir das Thema Autorengewinnung und Diversität gezielt kommuniziert und platziert haben. Die beigefügte Grafik stellt die (vorläufige) Themenverteilung in den deutschsprachigen Medien dar.

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Gib Lesern eine Stimme – Artikel-Feedback in neuem Gewand

Ein Blogbeitrag von Angelika Adam und Denis Barthel.

Ein Nachhall von der Wikimania: Dort stellte Fabrice Florin, Entwickler der Wikimedia Foundation, am zweiten Tag in einem Vortrag mit dem Titel Giving Readers a Voice: Lessons from Article Feedback v5 die Version 5 des Article Feedback Tools vor.  Zugleich präsentierte er Untersuchungsergebnisse zur Frage, wie das AFT (die Abkürzung sei erlaubt) sich eigentlich im praktischen Einsatz bewährt.

Eine doppelt interessante Fragestellung, insbesondere für deutschsprachige Wikipedianer. Wem dies alles nichts sagt (ist ja auch schon lang her): das AFT ist ein Werkzeug in der Tradition eines Tools, das 2008 in der deutschen Wikipedia live geschaltet wurde. Anhand eines schulnotenartigen Schemas sollte damals Lesern die Möglichkeit gegeben werden, einzelne Merkmale der Artikel zu beurteilen. Die deutschsprachige Community äußerte damals in einem Meinungsbild nicht zuletzt starke Zweifel an der Zweckmäßigkeit solcher Beurteilungen und setzte die Abschaltung dieses Tools durch.

Das war auch ein klares Signal gegen das Article Feedback Tool, da es ebenfalls die schematisierte Beurteilung der Qualität eines Wikipedia-Artikel erlaubte und daher in der deutschen Wikipedia nie zum Einsatz kam. In der englischen Wikipedia wurde die Version 4 im Juli 2011 vollständig eingebunden, Leser konnten seither dort die Artikel bewerten, indem sie für vier verschiedene Parameter jeweils 1 (besonders schlecht) bis 5 (besonders gut) Sterne vergaben. Die Parameter waren

  • Trustworthy – Ist dieser Artikel und seine enthaltenen Quellen vertrauenswürdig?
  • Objective – Ist der Artikel ausgewogen und umfassend formuliert?
  • Complete – Beinhaltet dieser Artikel die wichtigsten Informationen zu diesem Thema?
  • Well-Written – Ist der Artikel gut strukturiert und geschieben?

Die von Fabrice und seinem Team vorgenommenen Untersuchungen zu den Auswirkungen dieser Methode bestätigten die damaligen Befürchtungen der deutschen Wikipedianer: die Bewertungen wurden selten wirklich objektiv vorgenommen, vielmehr beurteilten Leser, ob sie das Thema oder den Hauptautoren mögen oder eben auch nicht. Und so zogen die Entwickler für die neue Version 5 die entsprechenden Konsequenzen. Diese neue Version arbeitet nicht mehr mit der Sternevergabe, sondern gibt den Lesern die Möglichkeit zusätzlich zu einer Einschätzung als positiv, neutral oder negativ einen Kommentar zu schreiben.

Diese direkte Möglichkeit zum Feedback ist offensichtlich zugänglicher als die Diskussionsseite. Zugleich bietet sie weitere Funktionen. So ist es möglich, vorherige Feedbacks zum Artikel zu bewerten, um sie zu priorisieren. Am meisten zeigt sich der Wert des Tools aber darin, dass es die Leser deutlich mehr zum eigenständigen Editieren ermuntert, so die Studien des Teams um Fabrice Florin.

In diesem kleinen, englischsprachigen Video kann man sich die Funktionalität des AFT kurz zusammen gefasst ansehen. Derzeit ist die Version in etwa 3% der englischen WP eingebunden, wer das Ganze einmal praktisch sehen möchte, kann es z.B. am Artikel zu Barack Obama probieren. Bis Ende Juli sollen 10% der englischen Wikipedia eingebunden sein und Ende September die gesamte englische Wikipedia. Ob die deutschsprachige Wikipedia das AFT einführt, obliegt der Community. Die bisher beanstandeten Fehler jedenfalls sind erfreulicherweise durch die neue Version gegenstandslos geworden.

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Rückblick auf das AdaCamp D.C.

Nach Melbourne im letzten Jahr, fand dieses Jahr das zweite AdaCamp im Vorfeld der Wikimania in Washington D.C. statt. Ziel des Camps war es die Partizipation von Frauen in „Open Technology and Open Culture“ zu unterstützen und bot damit eine erste Möglichkeit sich im Vorfeld der Wikimania zu der Situation von Frauen in Open Culture auszutauschen.

Benannt nach der britischen Mathematikerin Ada Lovelace, der ersten Programmiererin der Welt, geht das AdaCamp DC auf die Ada Initiative zurück. Zu den Mitbegründerinnen gehören Mary Gardiner (selbst auch fleißige Wikipedianerin), die die Keynote „Fostering diversity: not a boring chore, a critical opportunity” auf der diesjährigen Wikimania gehalten hat, sowie der Programmiererin Valerie Aurora. Explizites Ziel des AdaCamps ist es Diversität nicht nur in Projekten der Open Culture herzustellen, sondern auch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu schaffen, die sich zuvor für das Camp bewerben sollten. Dies ist sicherlich gelungen.  Die Veranstalterinnen achteten auf ein vielfältiges Publikum: Menschen aller Altersklassen, People of Color und die Teilnehmenden kamen aus über zehn Ländern. Auch waren unterschiedlichste Professionen auf dem Camp vertreten, die sich beruflich oder als Freiwillige mit Open Culture auseinandersetzen.

So weit wie das Thema des Camps gefasst wurde, so weit war auch das inhaltliche Spektrum der einzelnen Sessions, die im Open Space Format durchgeführt wurden, einer Methode, die vor Ort dazu aufruft, Sessions zu entwickeln und durchzuführen. Dies hatte zugleich Vor- und Nachteile: Positiv ist anzumerken, dass viele verschiedene Sessions Eingang in das Camp fanden. Ein Teil der Teilnehmer und Teilnehmerinnen griff den Gender Gap in der Wikipedia auf. Des Weiteren gab es u.a. Diskussionsrunden, die sich mit Frauen als Konsumenten von Open Source auseinandersetzen, danach fragten wie sich der Lebensalltag von „Geek Moms“ gestaltet oder der Frage nachgingen, wie nicht-technikaffine Menschen einbezogen und erreicht werden können. Das Camp ermöglichte so Erfahrungen auszutauschen, Tipps weiterzugeben und Kontakte in Vorbereitung für die Wikimania zu knüpfen.

Von Nachteil dagegen war das sehr offen gehaltene Oberthema, das einen roten Faden vermissen ließ, durch die die einzelnen Sessions meist nicht über einen allgemein gehaltenen Austausch hinausgingen und dadurch oft nur wenig konkret wurden.

 

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Das erste Treffen des Wikimedia Chapters Association Council

Was für eine Woche für die WCA! In den letzten Tagen durchlebten wir hier die ganze Bandbreite von einem Beinahe-Scheitern bis zur erfolgreichen Gründung einer neuen Organisation innerhalb der Welt der Wikimedia-Projekte. Aber der Reihe nach.

Vorbereitungen

Das eigentliche Treffen des WCA-Rates war für Mittwochnachmittag angesetzt. Aber die Aufgaben waren viele und wir waren natürlich auch ein wenig neugierig auf das, was kommen würde. Daher war auf Initiative von Ziko van Dijk für Dienstag eine erste informelle Runde angesetzt, in der über die formellen Fragen des Ratstreffens gesprochen werden sollte. Die Moderation übernahm Lodewijk Gelauff vom Chapters Committee. Herzlichen Dank dafür! Nun ja, es stellte sich schnell heraus, dass wir eine sehr heterogene Gruppe waren, die sich in Fragen der Ziele, Größenvorstellung und strategischer Ausrichtung noch zusammenraufen muss. Es zeichnete sich auch ab, dass der ursprüngliche Plan, im Ratstreffen ein Budget zu verabschieden und einen Generalsekretär zu bestimmen, wohl nicht aufgehen würde. Zwar hatte Delphine Ménard dankenswerterweise kurzfristig einen Budgetvorschlag erarbeitet und vorgelegt. Dieser war jedoch in der Kürze der Zeit nicht mehr ausreichend zu prüfen und in der vorgeschlagenen Höhe ohne weitere Diskussion nicht konsensfähig. Für den Posten des Generalsekretärs lag uns eine Initiativbewerbung von Sebastian Moleski vor, sowie der Vorschlag, ein Interimsgeneralsekretariat mit Tomer Ashur und Delphine Ménard zu besetzen. Auch hier zeichneten sich in der Diskussion schnell Unklarheiten ab. So wurde die Stelle nicht ordentlich ausgeschrieben und es gab Bedenken, eine so gestaltungsmächtige Position auf die Schnelle zu besetzen. Es ist also nicht erstaunlich, dass die Stimmung gegen Ende des Vorbereitungstreffens nicht gerade euphorisch war. Einige dachten sogar laut darüber nach, ein „0.“-Treffen zu halten oder den Interimsprozess des Steerings Committees einfach zu verlängern, um noch mehr Zeit für die Vorbereitung zu investieren. Das hätte den Prozess stark verlangsamt. Mit diesen Eindrücken wurden wir in den Abend geschickt.

Am nächsten Tag wurde für Vormittag ein weiteres Vorbereitungstreffen anberaumt, das vornehmlich dazu diente, uns Ratsmitglieder nochmal über unsere Möglichkeiten, Rechte und Pflichten auf einen gemeinsamen Stand zu bringen. Die Moderation übernahm hier Ashley van Haeften alias Fæ. Sein Verdienst ist es, durch eine Fokussierung auf die Aufgaben und die Gemeinsamkeiten in den Vorstellungen zur WCA, dass der Knoten vom Vortag platzte und sich ein Wille zum Erfolg des WCA-Treffens durchsetzte.

Die WCA ist handlungsfähig

Um 13:30 Uhr war es dann soweit, das große Treffen begann. Zunächst wurden wir von zwei Mitgliedern des mit der Vorbereitung betrauten Steering Committees, Frieda Briosci und Tomer Ashur (per Video zugeschaltet, da er aufgrund von Visaprobleme nicht einreisen durfte), begrüßt. Dann wurde die Anwesenheit festgestellt. Es waren Vertreter von 18 Chapter im Raum. Damit ist der Rat gegründet und hat seinen ordentlichen Betrieb aufgenommen. Happy birthday, WCA! Um nun die Arbeit aufnehmen zu können, brauchten wir einen Vorsitzenden samt Stellvertreter. Die waren schnell gefunden: Fæ wurde mit 16 Stimmen zum Vorsitzenden gewählt, Ziko van Dijk mit 10 Stimmen zu seinem Stellvertreter. Die beiden wurden auch gleich mit der wenig spannenden, aber notwendigen Aufgabe betreut, aus den drei bestehenden Vorschlägen zur Geschäftsordnung eine konsolidierte Fassung zu erstellen. Nun ging es ans Eingemachte. Die Fragen nach Budget und Generalsekretär standen auf der Tagesordnung. Schnell war klar, dass es keinen Beschluss zum vorgelegten Budget und den bestehenden Kandidaturen geben würde. Es fand sich aber ein Gruppe von vier Ratsmitgliedern, die einen Vorschlag erarbeiteten, wie man zu einem Generalsekretär und Budget kommen könnte, nämlich, indem zwei Kommitees eingesetzt werden. Diese Vorschläge wurden dann auch nach einiger Diskussion und Anpassungen vom Rat angenommen.

Arbeit in Kommitees

Damit sind die nächsten Schritte klarer definiert. In einem ersten Arbeitstreffen wurden die Kommitees auch gleich gegründet. Dieses sind:

  • Election. Ein Kommitee zur Findung eines Generalsekretärs. Dieses wurde gebeten, bis Ende Juli eine Stellenbeschreibung zu erarbeiten, die Stelle bis Ende August auszuschreiben und bis Ende September konkrete Vorschläge zur Besetzung der Stelle vorzulegen.
  • Budget. Ein Kommitee zur Erarbeitung eines Budgets. Dieses wurde gebeten, bis Ende Juli einen Entwurf vorzulegen und bis Ende August eine Beschlussvorlage zu haben.
  • Governance. Ein Kommitee, das die inhaltliche Arbeit der WCA grundlegen soll. Inhalte sind unter anderem die Erarbeitung von Standards für peer review, das Sammeln von best practices und die Erarbeitung eines Reifemodells (maturity model) für Chapter.

Fazit

Ich meine, dass wir mit einem guten Ergebnis aus der Tagung gehen. Die WCA hat die Arbeit aufgenommen. Wir haben zu allen drängenden Themen eine Agenda, Leute und einen Zeitplan. Jetzt freue ich mich schon auf die konkrete Arbeit!

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Zur Wikimania auf dem Gender-Ticket III

Es berichtet die Wikipedia-Autorin Poupou l’quourouce. Sie ist eine von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.Sie berichtete bereits von Tag 1 und von Tag 2.

 

Diese Wikimania ist meine erste Wikimania, ja sogar mein erstes internationales Wikipedianer-Treffen, überhaupt. Deshalb habe ich mich auch gefreut, Jimbo Wales und Sue Gardner zum ersten Mal live zu erleben. Ich kann die Kritik, die ich von anderen Teilnehmern an Jimbos komikerhaftem Auftritt und an Sue Gardners professionell superglatter Präsentation der Arbeit der Foundation gehört habe, durchaus nachvollziehen. Trotzdem fand ich es spannend, beide überhaupt einmal gesehen zu haben.

Im Anschluss an Sues Präsentation der nahezu hundertprozentigen Plansollerfüllung betrat das Board of Trustees die Bühne. Gegenüber Sues ostentativer Professionalität wirkte das Board angenehm menschlich und ein wenig verpeilt. Im Gegensatz zu Sue durften dem Board überhaupt Fragen gestellt werden, die allerdings zuvor schriftlich einzureichen waren und von einem Moderator ausgewählt und dann an die einzelnen Boardmitglieder gerichtet wurden. So etwas wie spontane Kritik oder Nachfragen aus dem Publikum, das ja gerade zuvor die Zahlen und Pläne der Foundation gehört hatte, wurden damit leider von vornherein unterbunden. Schade, dass das Board sich auf dieses Verfahren eingelassen hat. Ich musste die Session vorzeitig verlassen, um bei meinem eigenen Vortrag pünktlich zu sein, bin aber mit dem unguten Gefühl gegangen, dass dieses Board Sue nicht allzuviel entgegenzusetzen haben wird. Dazu ist es meiner Einschätzung nach zu groß, zu unterschiedlich und die Leute zu idealistisch und zu wenig auf knallhartes Nachrechnen und Nachhaken gepolt. Ich setze in dieser Hinsicht aber meine ganzen Hoffnungen auf das neue deutsche Boardmitglied Lyzzy (Alice Wiegand).

Ich hatte das Glück, dass ich meine Session mit Tom Morrison teilen durfte, der in einem mit entzückenden Beispielen garnierten Vortrag über die unzugängliche buzz-word gespickte Sprache der Foundation sprach und Vorschläge für klare treffende Formulierungen machte. Mein persönliches Highlight aus einer Meldung der Foundation „9 out of 10 wikipedians continue to be men“ – offensichtlich sind die Wikipedianer einfach nicht zur Geschlechtsumwandlung bereit.

Tom hatte netterweise seinen Fanclub mitgebracht, der dann großenteils auch noch bei meinem eigenen Vortrag im Raum blieb. Trotz des Frauenthemas war der Fauenanteil im Publikum unter 50%, wenn auch nur knapp und im Anschluss ergab sich die erhoffte Diskussion, an der sich tatsächlich auch gleich mehrere Frauen rege beteiligten. Die Folien sind hier zu finden, ein Mitschnitt wird ebenfalls noch irgendwann veröffentlicht:

Der anschließende Women’s Lunch – im Grunde eher ein gemeinsames Auspacken von belegten Broten in Pappschachteln hatte eine Rekordteilnehmerzahl von 120 Frauen – in Taipei sollen es vor einigen Jahren noch lediglich 11 gewesen sein. Jede Frau stellte sich kurz mit Namen, dem Projekt in dem sie aktiv ist und drei Wörtern vor, die ausdrücken sollten, was jeder besonders wichtig ist, oder was sie besonders kennzeichnet. Diese Vorstellungsrunde war langatmig, aber aufschlussreich: die weitaus meisten Teilnehmerinnen waren Amerikanerinnen, wobei von diesen ein großer Teil Bibliothekarinnen sind, unter den deutschen Wikipedianerinnen kenne ich keine einzige Bibliothekarin – wie das wohl kommt? Das nächstgrößere Teilnehmerland war Deutschland – allerdings war ich unter diesen zu meiner Überraschung die einzige aktive Wikipedianerin! Tatsächlich war ich die einzige weibliche Stipendiatin aus Deutschland (von 20 Stipendiaten insgesamt) überhaupt – Autorinnen, bitte bewerbt euch in großer Zahl für Stipendien für die Wikimania in 2013 in Hongkong!!! Außer mir nahm Anja Ebersbach aus dem WMDE-Präsidium am Lunch teil, deren Artikelpremiere allerdings noch aussteht, Delphine Menard (auch WMDE-Präsidium) und Alice Wiegand (Board of Trustees der Wikimedia Foundation) waren zwar ebenfalls in Washington konnten leider nicht am Women’s Lunch teilnehmen. Und dann war da noch ein großer Teil der weiblichen Mitarbeiterriege von Wikimedia Deutschland, immerhin das deutsche Chapter hat den Gender Gap schon lange überwunden – für diese Einstellungspolitik mal an dieser Stelle ein großes Lob an Pavel Richter.

Auch diese Veranstaltung musste ich dann aber leider nach der Vorstellungsrunde schon wieder verlassen, um mir die Vorträge zur usbekischen Wikipedia und zum Bildfilter anzuhören. Die usbekische Wikipedia verdient jede denkbare Unterstützung – hier sind einige wirklich mutige Menschen am Werk, die trotz nicht unerheblicher Gefahren an Artikeln in ihrer Sprache arbeiten. Der Bildfiltervortrag in der letzten Session der Wikimania wurde vor allem von Deutschen besucht, vielleicht ein Bedürfnis, sich hier nach dem erfolgreichen Protest auch noch einmal ein wenig selbst auf die Schulter zu klopfen, denn just an diesem Tag vom Board der Foundation für obsolet erklärt, jedenfalls in der geplanten Form.

Mein Wikimania-Fazit: anstrengend aber lohnend. Es geht tatsächlich viel um Probleme und Dinge, die man aus dem Wikipedianer-Alltag kennt und man muss keinen Hochschulabschluss in internationaler Wikipolitik vorweisen können, um mitreden zu können. Trotzdem bekommen man auch Einblicke in internationale Trends und Pläne, die man sonst vor Ort nicht oder nicht in einem frühen Stadium mitbekommen würde. Einiges davon werde ich nun besser von Berlin aus weiterverfolgen können. Gerne wäre ich manchmal an zwei Orten gleichzeitig gewesen.

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The Germans – Eine Wikimania-Nachlese

Es berichtet der Stellvertretende Vorsitzende des Präsidiums von Wikimedia Deutschland, Ralf Liebau.

 

Einige Blog-Beiträge von der diesjährigen Wikimania in Washington D.C. sind bereits erschienen, vielleicht folgen auch noch einige weitere. Solche Blogbeiträge sind natürlich meist persönlich gefärbt und vielleicht liegt darin auch ihre Stärke. Obwohl es nicht mein erster Besuch in Washington war, bin ich – wie andere Teilnehmer auch – von der sehr europäischen Art der Stadt überrascht gewesen. Es gibt funktionierenden Nahverkehr, Mülltrennung und überall Leihfahrräder. Andererseits zeigten sich die Gastgeber durchaus amerikanisch: ob bei der Auswahl beim täglichen Lunch, der Abschlussparty in einer Sportsbar oder bei ihrer gelebten Gastfreundschaft. Auch im Publikum waren reichlich Amerikaner vertreten, was beim Austragungsort nahe lag. Das einige ausländische Interessent/innen wegen Visa-Problemen erst gar nicht anreisen konnten, sei hier nur nebenbei erwähnt. Aus Deutschland waren diesmal mehr als 30 Personen angereist. Neben 20 Personen, die ein Stipendium erhielten, waren eine Gruppe von Mitarbeiter/innen der Geschäftsstelle sowie allein 7 Präsidiumsmitglieder in Washington dabei. Eine große Zahl, bei der sich die Frage stellt, ob dies sinnvoll und notwendig war. Dazu unten mehr.

 

Bekanntlich ist die Wikimedia Foundation eine amerikanische Stiftung. Dennoch agiert sie als weltweite (Dach-)Institution, manchmal vielleicht auch eher wie ein – nicht existentes – amerikanisches Chapter. Die Wikimania bietet da Gelegenheit, zu zeigen, welche weltweiten Erfahrungen und  Aktivitäten es gibt und was man von einander lernen kann. Das spiegelte sich (für mich) teilweise auch im Programmangebot. Teilweise, weil 1) ich natürlich nicht alles gehört habe und 2) nicht alles wirklich gut war. Dazu vielleicht eine Anmerkung. Stipendien werden teilweise vermutlich vergeben, wenn Personen auch einen Vortrag halten. Das führt dann dazu, dass Personen Vorträge einreichen, um ein solches Stipendium zu bekommen. Soweit so gut. Letztlich sitzt man dann allerdings gelegentlich in Vorträgen, wo der Vortragende nicht wirklich in der Lage ist einen Vortrag zu halten. Sei es, weil die sprachlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind, weil es vielleicht der erste Vortrag für sie überhaupt war oder weil sie schlichtweg keine Botschaft haben. Zumindest beim ersten Punkt wäre es überlegenswert, ob Englisch als einzige Konferenzsprache wirklich sinnvoll ist, wenn selbst in Washington Hinweisschilder oftmals zweisprachig sind (englisch/spanisch).

 

Hier nun aber mal zwei positive Beispiele:

  • Wiki, Women and Museums: The makings of a successful GLAM-WIKI project *

Das klang erstmal nach gleich zwei modischen Aspekten: GLAM und Women (gender-gap) und versprach nicht so viel, war aber richtig gut. Frau Dr. Allison Kupietzky vom Israel Museum in Jerusalem zeigte auf, wie und in welch vielfältige Weise sie und ihr Team Wikipedia in die Arbeit des Museum einbezieht. Was heißt einbezieht – selbstverständlich nutzt. Israel ist bis heute ein Einwanderungsland und viele Menschen sprechen neben Hebräisch auch (und teilweise besser) eine andere Sprache (beispielsweise russisch). Hier helfen viele Freiwillige beim Übersetzen von Texten und es sind oftmals Frauen, die überdurchschnittlich viel mitarbeiten. Zudem sind es teils über 80jährige, die bei der Arbeit mithelfen, die ohne Ehrenamtler/innen nicht zu leisten wäre. Beeindruckend war vor allem, wie sehr alle Beteiligten von einander profitieren und wie gut die Zusammenarbeit von Professionellen mit Ehrenamtlern ohne ideologische Vorbehalte funktionieren kann. Ein schönes Beispiel, wie ein gemeinsames Ziel verbindt und wie wichtig einzelne Menschen sind, die eine Idee voran bringen wollen.

 

  • Blocking of Wikipedia/Knockoff Wikipedias *

Ich gebe zu, den Beitrag nur gesehen zu haben, weil ich den anschließenden Slot von Benutzer:Southpark hören wollte. Über Southparks Beitrag mögen andere ausführlicher schreiben (hat mit auch gut gefallen), hier aber etwas über den Vortrag von Benutzer:Nataev. So richtig konnte ich mir unter dem Titel nichts vorstellen, war dann aber umso mehr angetan, von einer Schilderung, die von der eigenen Wikiwelt weit entfernt ist. Das Thema war die usbekische Wikipedia – besser gesagt die in Usbekistan geblockte usbekische Sprachversion von Wikipedia. Usbekistan ist für die meisten Wikipedianer vermutlich gefühlt sehr weit weg und die Kenntnisse über das Land sind auch nicht sehr berauschend. Nataev hat kurz einen Überblick über das Land und seine politische Situation gegeben, um dann über die usbekische Wikipedia zu berichten. Obwohl es rund 27 Millionen Menschen gibt, die usbekisch sprechen, wird im Land überwiegend die russische Sprachversion genutzt. Das hängt damit zusammen, dass die russische Sprachversionen deutlich mehr Artikel hat und sehr viele Bewohner auch Russisch sprechen. Vor allem aber ist die russische Sprachversion im Land (noch) frei verfügbar und die usbekische Sprachversion geblockt. Die Gründe werden von offizieller Seite nicht bekannt gegeben und Nataev konnte daher auch nur darstellen, welche mögliche politischen Gründe ein Ursache sein könnten. Spannend war vor allem, wie die usbekische Sprachversion trotzdem bearbeitet und genutzt wird und wie schwer es ist, wenn Autoren vom Ausland aus Bearbeitungen vornehmen. Einerseits war das alles sehr beklemmend, andererseits war der Mut von Nataev und seinen Mitstreitern beeindruckend. Bei einem solchen Blick über den Tellerrand bleiben eigene Problemstellungen dann doch relativ.

 

Die beschriebenen Sessions waren durchweg gut besucht, was beim Termin Funds Dissemination Committee Presentation nicht wirklich der Fall war. Dieser Termin kam relativ kurzfristig ins Programm und war auf Freitag 8:00 Uhr terminiert. Über das FDC ist an anderer Stelle schon berichtet worden und auch hier gab es nicht wirklich viel Neues, sondern es wurde der aktuelle Stand zusammengefasst. Auf dem Podium saßen unter anderen Jan-Bart de Vreede vom Board der Foundation und Sue Gardner als Geschäftsführerin. Wie sich im Lauf der Session herausstellte, waren im Publikum größtenteils ebenfalls Mitarbeiter der Foundation und weitere Board-Mitglieder. Obwohl das FDC demnächst reichlich Geld zu verteilen hat (beispielsweise an die Chapter) waren hier kaum Chaptervertreter zu entdecken. Möglicherweise lag es am frühen Termin, möglicherweise fanden andere den Termin nicht wichtig. Ich fand es dennoch erstaunlich, dass neben einem Vertreter des UK-Chapter, vor allem Deutsche im Publikum saßen. Neben Martin Rulsch, Tim Moritz Hector und Arne Klempert konnte ich Delphine Menard im Publikum erkennen, die sich zur Erheiterung aller bei Sue als „I’m Germany“ vorstellte. Eine würdige Vertreterin Deutschlands, die auch deutlich ihre Bedenken formulierte. Aber wie gesagt, viel Neues gab es nicht.

 

The Germans waren nicht nur in großer Zahl angereist, sondern sie waren auch stets präsent. Und das nicht nur auf der eigentlichen Konferenz, sondern wie auf Gesprächen im Flur zu erfahren, auch außerhalb. So haben beispielsweise unsere umtriebigen Fotografen gleich einen spontanen Besuch im Washingtoner ZDF-Studio absolviert und konnten so wechselseitig über ihre Arbeit informieren. Auf der Konferenz selbst war der Stand von WMDE ein Highlight. Nicht nur ein Infostand (kein anderes Chapter hatte einen solchen) bot ständig Informationen in gedruckter (auch auf englisch) Form an und lud zu Gesprächen ein, sondern die Programmangebote an den Tischen davor fanden reges Interesse. Ob sich Speeddating als Format durchsetzten wird – schaun wir mal, aber auch die themenbezogenen Diskussionsrunden fanden regen Zuspruch. Ich selbst war einer der männlichen Teilnehmer an der Gender-gap-Runde und kann nur anmerken, bei dem Thema stehen wir alle erst am Anfang. Was sich aber auf jeden Fall positiv berichten lässt, war der gute Eindruck den dieser Stand hinterlassen hat. Die Besucher sind während der gesamten Konferenz an den Stand gekommen und ich kann nur ein großes Danke an alle Mitarbeiter/innen und Freiwilligen für ihren Einsatz sagen. Gerade die Mitarbeiter/innen haben ein Vollprogramm auf der Konferenz absolviert und obwohl der Tagungsort nur wenige Blocks vom Weißen Haus entfernt war, konnten einige von ihnen erst am frühen Abend des vorletzten Tages zu einem kleinen touristischen Rundgang überredet werden. Wohlgemerkt, nach einem  mehr als achtstündigen Arbeitstag. Eine Anekdote am Rande: Gebrauchte Armbanduhren werden auch in Zukunft nicht als Dankeschön an Mitarbeiter/innen verteilt.

 

Natürlich ist so eine Großveranstaltung wie die Wikimania ein immenser personeller und finanzieller Aufwand. Insgesamt und aus deutscher Sicht. Lohnt sich das? Ich persönlich fand es wichtig, dass im Mutterland der Foundation das deutsche Chapter in großer Zahl vertreten war. Ich hätte mir gewünscht, dass andere Chapter auch diese Möglichkeit gehabt hätten und Wikim(p)edianer aus Ländern in denen es kein Chapter gibt, in größerer Zahl an solchen Veranstaltungen teilnehmen können. Der persönliche Austausch vor Ort ist immer ein Gewinn und ich bin mir sicher, die Teilnehmer/innen aus Deutschland haben auf vielfältige Weise die Möglichkeiten zum Lernen und Kennenlernen genutzt. Ich hoffe sehr, dass viele Begegnungen nachhaltig Wirkung zeigen werden und vielleicht demnächst Deutschland erneut Gastgeber einer Wikimania sein wird.

 

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On the GLAMside of Wikimania

Das war also meine erste Wikimania! Drei, eigentlich vier Tage Konferenz, die beständig zwischen Klassentreffen und konzentriertem „business case“ changierte. Eigentlich begann es schon auf dem Flughafen in der Schlange vor der Einwanderungskontrolle. In der Warteschlange mischten sich Reisende aus der ganzen Welt. Jeder Flug trug neue Wikipedianer nach Washington, die sich über die Sperrbänder hinweg herzlich grüßten. Später im Hotel lernte man schnell, einander an den Laneyards und T-Shirts zu erkennen. Schon hilfreich, wenn man sich vielleicht noch etwas verloren zwischen Jetlag, Hitze und Straßennamen wie K-Street NW fühlt. Mich verschlug es gleich am ersten Abend mit Tim auf ein Openstreetmap Treffen in einer Bar. Beim Türsteher musste ich schmeichelhafterweise nachweisen, dass ich über 21 bin und stieg die schmale Treppe in den ersten Stock eines nach Hardrock riechenden Pubs hoch. Oben die bizarre Szenerie einer konzentriert lauschenden dicht an dicht stehende Menge, selbst der Barman flüsterte nur. An den Wänden vier Monitore mit drei unterschiedlichen lautlos laufenden Programmen, der vierte diente der jeweiligen Präsentation. Die Vortragenden sprachen zu uns 50 bis 70 Menschen in dem kleinen Raum ohne Mikro. Doch das machte nichts, denn alle verstanden, worum es ging und beklatschten die Ergebnisse. Dann war der letzte Vortrag vorbei und sofort schwoll der Barlärm an zu einer ohrenbetäubenden Lautstärke aus Gelächter, Musik, Bierbestellungen und Gesprächen in allen Sprachen der Welt. Zu müde vom Flug flüchtete ich bald.

Aber dieses Meeting war typisch für die ganze Wikimania. Der Wechsel zwischen aufmerksamen Vorträgen und hektisch herzlichen Pausen wurde für mich zum Puls der Veranstaltung. Dank der „Feuertaufe“ mit Speeddating am ersten Tag, kam ich rasch in meine Rolle als GLAM Kuratorin für Wikimedia Deutschland. Aus den vielen Gesprächen und Sessions, die in dichter Folge die Tage zu einem Filz aus Eindrücken und Ideen verwoben, ragen drei hervor, die ich gern gemeinsam mit Wikipedianern aus Deutschland umsetzen möchte:

– Im Austausch mit dem schwedischen Chapter (Link zu der Broschüre) und den Schweizern die Entwicklung eines qualitativen Fragebogens zu den Erwartungen, Wünschen und Befürchtungen der Kultureinrichtungen in der digitalisierten Öffnung ihrer Inhalte.

– Die Ergebnisse der Auswertung des Fragebogens fließen ein in eine gemeinsam mit dem schweizerischen, österreichischen und holländischen Chapter geplante Infobroschüre für Kultureinrichtungen. Geplant ist ein vorbereitendes Arbeitstreffen auf der WikiCon Ende August in Dornbirn.

– Zwei simultan stattfindende Edit-a-Thons gemeinsam mit dem englischen Chapter in Coventry und Dresden. Beide Städte waren im zweiten Weltkrieg schwer zerstört worden, sind heute aber Partnerstädte. Eine beherzte Initiative von Rock drum.

Wendet Euch mit Ideen, Fragen und Anregungen gern an mich.

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Neues Selbstvertrauen

Es berichtet der Wikipedia-Autor Superbass. Er ist einer von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.

 

 

„If it’s good enough for the US archivist it’s probably good enough for us“ – in der zum Abschluss der Wikimania gehaltenen Schlussrede von David Ferriero, Archivar der Vereinigten Staaten, lag für mich eine wesentliche Erkenntnis aus der Wikimanania 2012 in Washington.

Ferriero, dessen Archiv durch eine Kooperation mit der Wikipedia eine Vertausendfachung der Reichweite einzelner Veröffentlichungen erzielte drückte nach meinem Empfinden so etwas wie ein Ende der Bescheidenheit aus, der auch ich in Bezug auf die Wikipedia in Teilen noch anhänge. Eher vorsichtig als selbstbewusst gehen wir zuweilen auf Institutionen und potenzielle Partner zu, wir sind ja keine professionellen Autoren, Fotografen und Publizisten sondern lediglich Freiwillige und Amateure.

Zumindest in den USA, die in diesem Jahr die Wikimania thematisch stark dominierten, ist die Außenwahrnehmung inzwischen eine andere, worauf nicht zuletzt die Kooperation der Tagung mit gewichtigen Partnern wie dem US Außenministerium oder der Kongressbibliothek hinweist.

Daheim in Deutschland gibt es entsprechende Pflänzlein und vereinzelt sogar ausgewachsene Pflanzen, vor allem aus dem in Washington vielberedeten GLAM-Bereich, wenn Institutionen die Wikipedia ernstnehmen und sich auf Kooperationen einlassen. Den Durchbruch, wo  Bildarchive, Bibliotheken und Museen in nennenswerter Zahl ihre herkömmlichen Zugangs- und Verwertungsmodelle für eine freiere Verbreitung öffnen, haben wir bei uns eher noch vor uns. Der Ausspruch des Archivars der Vereinigten Staaten sollte uns dabei Selbsbewusstsein geben.

Was sind weitere Erkenntnisse aus der Wikimania 2012?

– Meine europäisch geprägten Abstufungen des Begriffs „Schwüle“ mussten angesichts der Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit neu justiert werden

– Ich fand die Organisation hervorragend. Es war kaum möglich, irgendwo herumzustehen ohne Hilfe angeboten zu bekommen. Alles war exzellent beschildert und beschrieben. Wikiedia DC richtete in der Jugendherberge eigens WLan auf allen Etagen ein, damit die Nerdgemeinschaft noch aus dem Etagenbett heraus twittern konnte.

– Es gibt Kritik, und zwar so witzig wie von Tom Morris vorgetragen, am verklausulierten Bullshit-Sprech in der schriftlichen Foundationkommunikation. An die Wikimediafoundation richtet er die Forderung nach einfacher, klarer und verbindlicher Sprache. In diesem Sinne: „Iterate your cross-pollinatated strategic synergy, just not on my wikipedia“.

– Es gibt eine „Friendly Space Policy“. Die wurde einem breiteren Publikum beim samstaglichen Eröffnungsplenum eindringlich vorgestellt. Offenbar hatte am Vortag ein Referent bei seinem Vortrag zu Jimbos sich wandelnder Rolle zwei künstlerische, aber erotische Bilder gezeigt. Die hatte der frühere „benovelent dictator“ dereinst beim Hausputz gelöscht. Zwischenzeitlich sind sie zwar längst wieder im Gebrauch. Ihre Darstellung beim Vortrag war jedoch zuviel der Nacktheit für einige Anwesende, die sich  beim Organisationskomitee beschwerten. Das entschied, laut Organisationskomitee im Einvernehmen mit dem Referenten, die Aufzeichnung des  Vortrags nicht zu veröffentlichen. Der deutliche Hinweis auf die Policy, verbunden mit dem Angebot an alle Referenten, ihre kommenden Beiträge vom Veranstalter auf etwaige Verletzungen durchsehen zu lassen, verhalf dem einen oder anderen immerhin zu einem interkulturellen Lernerfolg im Verständnis des Begriffs „friendly space“.

– Es gibt auch in den USA Menschen, die Wikipedia gar nicht kennen! Vor dem Veranstaltungsort sprach mich ein junger Mann an, was wir denn da drinnen machten. Ich sollte ihm unbedingt diese Website mal aufschreiben, eine Online-Enzyklopädie, das klinge ja sehr interessant!

Säße ich nicht im doch etwas wackelnden Bus nach New York, was das Tippen auf dem Tablett-PC beschwerlich macht, ließe sich noch viel schreiben. Etwa über die usbekische Wikiedia, de leider weitgehend unbemerkt von der dortigen Regierung blockiert wird. Von wirklich nützlichen Tipps, vorgetragen in mutigem Englisch, zur Akkreditierung als Wikipediafotograf bei Veranstaltungen oder zum auf der Wikimania viel zu wenig beachteten Thema Bildfilter. Das muss dann auf ein anderes Mal warten.

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Wikimania auf dem Gender-Ticket II

Es berichtet die Wikipedia-Autorin Poupou l’quourouce. Sie ist eine von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.Sie berichtete bereits von Tag 1.


Tag 2 der Wikimania beginne ich mit einem kurzen Abstecher in die National Gallery of Art auf der National Mall. Eine Stunde in diesem riesigen Museum bringt mir einen oberflächlichen Eindruck von vielleicht 10% der ausgestellten Kunstwerke. Ich bin sehr beeindruckt.

Zurück im Marvin-Center der George Washington University lasse ich mich beim Mittagessen von Richard Jensen (user:Rjensen) in ein Gespräch über Rechtsgeschichte und über den großen Raum, den Militärgeschichte jeder Art in der en:WP und der de:WP einnehmen, verwickeln. Darüber engeht mir, dass die Mittagspause heute nicht um 13 Uhr sondern schon um 12 Uhr begonnen hat und ich verpasse leider die Session zu Artikeln zu aktuellen Themen und zu New-User-Coaching.

Dafür habe ich dann jede Menge Zeit, die nächste Speeddating-Session am Stand von Wikimedia Deutschland zu beobachten. Mit etwas kürzeren Slots und besserer Beschilderung sind diese Kurztreffen, bei denen man Mitarbeiter und Präsidiumsmitglieder von WMDE für ein paar Minuten 1:1 sprechen kann, heute sehr beliebt und kommen offensichtlich gut an. Das ist ein Format, das vielleicht auch bei anderen Veranstaltungen gut funktionieren würde und das ich mir merken werde.

Einem Vortrag zu französischen Minderheitensprachen kann ich dann leider nur wenig abgewinnen, irgendwie kommt nicht so recht rüber, was eigentlich das Problem ist und was die Referentin dem Publikum mitgeben möchte. Dafür ist der anschließende Vortrag von Richard Jensen (mein Mittagspausengesprächpartner) zum „War of 1812“ richtig gut. An diesem Krieg, der in Europa im allgemeinen Bewusstsein keine Rolle spielt, kann man schön zeigen, wie die unterschiedliche Erinnerungskultur und Interpretation verschiedener Nationen (hier Kanadier, US-Amerikaner und Ureinwohner Amerikas) in der englischen Wikipedia (by the way:hier spricht KEIN Mensch von der englisch-sprachigen Wikipedia) kollidieren können. In dieser Session ist der Frauenanteil bei knapp 50% – und zu meiner Überraschung ist dies tatsächlich die erste Session, an der ich teilnehme, bei der eine Frau eine Frage stellt, noch dazu richtet sich diese Frage tatsächlich nach der Women’s History im Kontext von 1812. Interessanterweise ist das Problem hier aus Sicht der Artikelautoren, dass sich die Geschichtsschreibung, die sich mit der Rolle von Frauen in Kriegen befasst, vor allem auf den Zweiten Weltkrieg konzentriert. Hier bildet Wikipedia also den Gender Gap der historischen Wissenschaften selbst unmittelbar ab und es gibt, wenn man sich nicht Original Research zuwenden möchte, wenig Möglichkeiten, daran etwas zu änderen.

Von 1812 gehe ich direkt weiter zum Topic Table von WMDE zum Gender Gap. Dieser ist angekündigt als „Discussing ground-breaking projects and topics in a cosy atmosphere with a cup of coffee“. Hm. Es wäre gelogen den Tisch auf der Terasse mit ein paar Gartenstühlen als cosy zu bezeichnen. Die gound-breaking projects mögen diskutiert worden sein, als ich noch nach dem auf die Terasse verlegten Veranstaltungsort suchte. Trotzdem ein nettes, wenn auch insgesamt leider doch etwas belangloses Treffen, an dessen nachhaltiger Wirkung ich zweifle. Positiv aber, dass von den 10 Teilnehmern dieses Tischgesprächs immerhin 4 männlich waren, und viele, wenn auch vielleicht etwas freischwebende, Vorschläge gemacht wurden. Ideen die hier aufkamen, waren z.B. ein Banner im Stile des Fundraiserbanners, auf dem Jimbo darauf aufmerksam macht, dass von den Autoren der 4mio Artikeln der enWP nur 10% Frauen sind, vebunden mit dem Appell an Frauen, sich anzumelden und mitzumachen. Dies würde bestimmt eine Menge Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken.

Eine andere Idee kreiste darum, welche positiven Aspekte jede und jeder daraus ziehen kann, Wikipedia zu bearbeiten und wie man diese positiven Aspekte stärker vermitteln kann, z.B. welche Fähigkeiten man erwerben und verbessern kann oder dass Schreiben ein kreativer und befriedigender Prozess ist. Davon abgeleitet überlegten wir, ob es Kurse oder Workshops geben sollte, in denen man ein Zertifikat o.ä. erwirbt, dass im Lebenslauf verwendet werden kann – auch das könnte ein Anreiz sein, sich erstmals zu beteiligen (für Frauen, aber natürlich genauso auch für alle neuen Autoren).

Eine Idee, die ich persönlich besonders reizvoll finde, und von der ich hoffe, dass sie sich vielleicht irgendwie realisieren lässt, war eine Art Artikelmarathon, bei denen als „Belohnung“ für jeden neuen Artikel eine Spende an eine gemeinnützige Organisation gezahlt wird, die Ziele verfolgt, die besonders Frauen betreffen oder interessieren. (In ähnlicher Form finden z.B. gesponserte Stadtläufe statt, bei denen ein Sponsor für jeden gelaufenen Kilometer eine Spende an eine gemeinnützige Organisation zur Bekämpfung von Brustkrebs bezahlt).

Noch ein Aspekt, der mir neu war: eine Teilnehmerin vertrat die These, dass Frauen von Wikipedia einen schlechten Eindruck haben, weil ihnen ständig von den Lehrern ihrer Kinder gesagt wird, dass Wikipedia schlecht und „böse“ ist und man das nicht verwenden soll.

Dann kreisten wir eine Weile um das teahouse – allerdings fehlten uns dazu ein wenig die eigene Anschauung und echte Fakten. Eine Empfehlung von Julia Kloppenburg hierzu ist dieses Video:

Wikipeda Academy – The Visual Experience: Gender and Ways of Seeing Wikimedia. Keynote by Sarah Stierch from Wikimedia Deutschland on Vimeo.

mit der Keynote von Sarah Stierch auf der Wikimedia Academy, in der es u.a. um das teahouse ging.

Fazit: eine Menge neue Ideen werden hier geboren und ich hoffe, es findet sich jemand der sie adoptiert!

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