Posts Tagged ‘Frauen’



Themenabend „Women Edit“ bei Wikimedia Deutschland in Berlin

Dies ist ein Gastbeirtag von Maren Heltsche. Maren Heltsche ist freiberufliche Analystin und Beraterin. Bereits im letzten Jahr fand ein Themenabend zu „Wein, Wiki und Digital Media Women“ in Hamburg statt. Im Rahmen ihrer Aktivitäten bei den Digital Media Women unterstützt sie das Projekt „Women Edit“ und berichtet nun über das gemeinsame „Women Edit“- Treffen in der Geschäfttsstelle von Wikimedia Deutschland in Berlin. Der Blogpost ist im Original hier zu finden.

Unser digitaler Alltag ist ohne Wikipedia nicht vorstellbar. Und die Grundidee der Online-Enzyklopädie, das Wissen der Welt zusammen zu tragen und frei zur Verfügung zu stellen ist grandios. Allerdings werden die in Wikipedia veröffentlichten Inhalte zu über 90 Prozent von Männern verfasst. Frauen tragen mit ihrer Perspektive nur einen kleinen Teil zum digitalen Weltwissen bei. Das möchten wir ändern und laden zusammen mit Wikimedia Deutschland am 19. November zu einem Workshop ein.

Hier könnt ihr lernen, wie die aktive Mitarbeit in Wikipedia funktioniert und eigene erste Schritte unternehmen. Der Workshop wird geleitet von Silvia Stieneker, die das Projekt Women Edit von Wikimedia Deutschland begleitet und selbst aktiv an Wikipedia-Inhalten mitarbeitet. Sie hat einen ähnlichen Workshop auch schon in unserem Hamburger DMW-Quartier durchgeführt und die Ladies begeistert. Einen Bericht darüber gibt es hier zum Nachlesen.

Foto: Sandra Schink CC BY-SA 3.0

 

Der Abend beginnt mit einer allgemeinen Einführung und dann wollen wir aber praktisch arbeiten. Dafür sind zwei Dinge wichtig:

  1. bringt Euer eigenes Laptop mit (für diejenigen, die keines haben, gibt es auch 2-3 Leihgeräte)
  2. bitte legt Euch schon vorher ein eigenes Wikipedia-Benutzerkonto an

Es wird vor Ort Getränke und kleine Snacks geben. Nach der Veranstaltung wollen wir noch zusammen auf einen Absacker ins Yorckschlößchen gehen.

Details

Was: „Women Edit“ bei Wikimedia Deutschland
Wann: Dienstag 19.11.2013, 19-22 Uhr
Wo: Wikimedia Deutschland, Obentrautstr. 72, Berlin – auf Google Maps anschauen
Anmeldung: via Mixxt (da die Anzahl der Teilnehmerinnen beschränkt ist)

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Wikimania 2013 – Rückblick und Ausblick

Prof. Dr. Ilona Buchem ist Gastprofessorin an der Beuth Hochschule für Digital Media & Diversity und kooperiert mit Wikimedia Deutschland im Rahmen des Projekts „Diversität für Wikipedia“. In diesem Gastbeitrag berichtet sie über ihre Eindrücke von der Wikimania.

 

Die Wikimania 2013 in Hong Kong war meine erste Wikimania. Mit einem Gaststipendium von Wikimedia Deutschland ausgestattet konnte ich an allen Sessions des Hauptprogramms teilnehmen und durfte am Samstag im Track “Community III – Women” zu unserem Projekt “Wikipedia Diversity” vortragen (siehe: Einreichung und Folien) sowie zwei Meet-ups zum Thema Diversity gemeinsam mit Cornelia Trefflich aus dem Bereich Bildung & Wissen veranstalten.

Im Gespräch beim Gender-Diversity Meet-Up, Foto: Ilona Buchem (cc-by-sa 3.0)

Für mich als Newcomerin in der Wikimedia/Wikipedia-Szene war die Wikimania 2013 eine wahre Offenbarung – von dem Ausmaß und der Stärke dieser aufgeschlossenen, international vernetzten und engagierten Gemeinschaft hatte ich vorher nicht die geringste Ahnung. Es ist einfach faszinierend und beispielhaft, wie sich Wikimedia als eine Graswurzelbewegung aus der eigenen Kraft heraus entwickelt und mit der eigenen Philosophie und Aktivitäten in verschiedenen Bereichen, angefangen mit dem offenen Zugang zum Wissen und zu digitalen Ressourcen über  internationale Zusammenarbeit hin zum sozial-politischen Engagement, die Gesellschaft beeinflusst.

Überrascht hat mich auch die Themenbreite und die diversen Teilprojekte, die sich um die Wikipedia herum entwickeln, bzw. entwickelt haben, u.a. die Bemühungen um verschiedene Sprachversionen (z.B. Beitrag zu indigenen Sprachen), die verschiedenen Ausrichtungen der Wikipedia-Forschung (siehe z.B. Überblick zu Forschung 2012), die zahlreichen Aktivitäten zur Förderung des freien und offenen Zugangs zur digitalen Kulturerbe (z.B. Überblick zu GLAM Aktivitäten), die Entstehung der Schwesterprojekte (z.B. Wikivoyage) und die Diversitätsförderung auf verschiedenen Ebenen, u.a. Erhöhung der Beteiligung in der Südhemisphäre (siehe z.B. WMF Strategie „Global South“) und eine ausgewogenere Geschlechterbeteiligung (siehe z.B. Beteiligung von Frauen an der Wikipedia in Indien).

 Auch das von mir vorgestellte Projekt zu (Gender-)Diversität in der deutschsprachigen Wikipedia (siehe Projektsteckbrief) hat eine positive Resonanz erhalten. Eine der Reaktionen war z.B. die Frage eines (männlichen) Teilnehmers in einem Pausengespräch: “How can I help?”. Viele Teilnehmenden haben auch Vorschläge zu den einzelnen Aspekten gemacht, z.B. Wie können wir einen freundlichen Umgang miteinander fördern? Wie können wir Frauen für verschiedene Wikipedia-Projekte begeistern?

Für alle, die eigene Meinungen und Ideen mit uns teilen wollen, gibt es eine Umfrage im  Google Formular und eine kollaborative MindMap in denen jede und jeder Vorschläge, Meinungen und Hinweise zur Gender Diversity abgeben kann. Die bereits eingereichten Ideen sind sehr aufschlussreich und helfen uns sowohl die Chancen als auch die Herausforderungen, die von der Wikipedia-Community gesehen werden, besser zu verstehen. Ich freue mich auf alle Beiträge – sowohl aus der internationalen als auch aus der deutschsprachigen Wikipedia-Community, gerne auch per E-Mail an: buchem@beuth-hochschule.de

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Wein, Wiki und Digital Media Women

Dieser Gastbeitrag ist von  Sie ist aktive Autorin für die Digital Media Women Hamburg, die sich letzte Woche trafen, um mehr über Wikipedia und das Mitmachen zu erfahren. Hier geht es zum Originalbeitrag. Elly Köpf, aus dem Bereich Bildung und Wissen, war mit vor Ort, um gemeinsam mit den anwesenden Autorinnen über Strukturen der Wikipedia zu diskutieren und sich gemeinsam der Frage zu nähern: Warum und wie können oder sollen Frauen die Wikipedia mitgestalten?

An einem schwülheißen Sommerabend letzten Mittwoch traf sich eine reine Frauenrunde der Digital Media Women, um zu erfahren, wie man Autorin bei Wikipedia wird. Kixka Nebraska hatte zu „Wein, Wiki und Digital Media Women“ eingeladen. Die Idee dafür gab ihr ein Artikel von Juliane Leopold auf kleinerdrei über Sarah Stierch. Stierchs Anliegen ist es, mehr weibliche Editoren für Wikipedia zu gewinnen, denn laut einer Umfrage sind neun von zehn „Wikipedianern“ männlich. Um mehr Frauen für Wikipedia zu begeistern, schlägt sie Editierparties mit Wein und Unterstützung von erfahrenen Editorinnen vor.

Ungefähr zwanzig Frauen hatten sich trotz der Hitze in der Akademie für Publizistik eingefunden zur ersten deutschen „Women, Wine and Wikipedia“-Editierparty. Die erfahrene Wikipedia-Autorin „Emma7stern“, Juliane Leopold, die Social Media Redakteurin bei ZEITonline ist und sich des Themas „Frauen in der Wikipedia“ angenommen hat, und Elly Köpf von Wikimedia Deutschland, waren gekommen, um den Teilnehmerinnen zu erklären, wie Wikipedia hinter den Kulissen funktioniert. Weiterlesen »

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Gastbeitrag der femgeeks: Die deutsche Wikipedia unter der Lupe

Wie im letzten Beitrag Zur Sexismus-Debatte in der Wikipedia angekündigt, haben wir das Gemeinschaftsblog femgeeks, das sich bereits frühzeitig zu Wort gemeldet hat, um eine kritische Analyse der Situation gebeten. Wir danken ihnen herzlich für den ausführlichen Beitrag und die Möglichkeit, ihn auch hier bei uns zu veröffentlichen. Zum besseren Verständnis mancher Begriffe oder Zeichen verweisen wir auf das femgeeks-Glossar.

Och Mensch Finchen, kleines Knuddelchen. 10 Stunden am Tag Artikel  korrigiert, gegen den allmächtigen Patriarchalismus angekämpft und am Ende doch verloren? Nimms positiv, jetzt hast Du viel mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens: Kochen, Abwaschen, Putzen, Schuhe kaufen und für den Partner da sein. Schreib doch mal bei Stupidedia, die brauchen Dich da ganz dolle und da kannst Du auch mit wenig Zeiteinsatz wirklich noch was bewirken. Auf dass Pi endlich kleiner als 3 wird, das ist nämlich mysogyn und faschistisch!

Das ist nur einer von vielen ähnlichen Kommentaren, mit denen in der Wikipedia-Community auf Fiona Baines Ankündigung reagiert wurde, ihre Arbeit für die deutsche Wikipedia niederzulegen.

Inhaltsübersicht

  1. Einleitung
  2. Rückblick
  3. Reaktion der deutschen Wikimedia
  4. Ist-Analyse
    1. Frauenanteil in der Wikipedia
    2. Weitere relevante Ergebnisse aus den Studien
    3. Teilhabestrukturen
    4. Allgemeiner Umgang mit neuen Autor_innen
    5. Umgang mit neuen weiblichen* Autorin_nen
    6. Umgang mit aktiven Frauen*
    7. Was ist schon legitimes Wissen?
    8. Warum trotzdem Wikipedia?
  5. Vorschläge für die Zukunft
    1. Solidarität
    2. Sanktionen
    3. Netiquette/Regelwerk
    4. Beobachten
    5. Öffentlichkeit
    6. Awareness-Team/Krisenteam/Diskriminierungsbeauftragte
    7. Schulungen/Workshops
    8. Aufhebung der Plicht zum generischen Maskulinum
    9. Überdenken von Relevanz
    10. Bewusstsein

Einleitung

Dass Wissensproduktion ein umkämpftes Terrain ist und dieser Fakt in der deutschen Wikipedia deutlich sichtbar ist, schrieb Charlott in ihrem Artikel “Wessen Wissen in der Wikipedia?“.  Fiona Baines Artikeln und Beiträgen (aber auch denen anderer feministisch verorteter Autor_innen) wurde die Validität abgesprochen, eine entbrannte Diskussion mündete in öffentlichen Schikanen, sexistischen Angriffen und Cyber-Mobbing.

Inzwischen hat das Thema weitere Kreise gezogen und nun ist bekannt, dass Fiona Baine  nicht mehr willens war, die Schikanen zu ertragen und sich endgültig sperren ließ.

Die Maskulisten-Szene feiert inzwischen sich und ihren “Erfolg”, ist aber offensichtlich nicht gewillt, die öffentlichen Diffamierungen von Fiona und anderen ihr gegenüber solidarischen Wikipedianer_innen zu unterlassen. Und: Es ist auch nicht das erste Mal, dass so etwas geschieht. In den Jahren 2005/2006 engagierte sich Barbara Mürdter bei der Wikipedia, auch sie wurde durch Maskulisten gemobbt und verließ letzten Endes im Winter 2006 Wikipedia. Sie betonte damals, die Wikipedia auch wegen der Admins zu verlassen, da diese die Angriffe gegen sie deckten.

Rückblick

Auf den geringen Frauenanteil von ca. 13% (weltweit) im Jahr 2010 reagierte Sue Gardner, Direktorin der Wikimedia Foundation, Anfang des Jahres 2011 mit dem erklärten Ziel, die Frauenbeteiligung bis zum Jahre 2015 auf 25% zu steigern. Der Gender Gap in der Wikipedia wurde insbesondere durch eine Studie der UNU-MERIT, einem Forschunsgzentrum der United Nations University, mit der die Wikimedia Foundation kollaborierte, transparent.

Natürlich würden mehr Frauen* nicht automatisch mehr feministisches Wissen und weniger Sexismus in der Wikipedia bedeuten. Doch die geringen Anteile von Frauen* sind mit Sicherheit auch nicht förderlich und machen Ausschlüsse einfacher.

Reaktion der deutschen Wikimedia

Glücklicherweise ist nun auch bei Wikimedia Deutschland, der Förderverein der deutschsprachigen Wikipedia 1, im deutschen Sektor der Wikimedia Foundation das Problem aufgegriffen worden und eine Bereitschaft erkennbar, anti-diskriminierende Strukturen und Hilfsangebote zu etablieren, die Autorinnen Anreize schaffen, in der Wikipedia zu partizipieren. Inzwischen wurde eine Mailingliste eingerichtet, die der stärkeren Vernetzung und einem intensiveren Austausch unter Frauen* dienen soll.

Erfreulich ist, dass unsere Redaktion eine Anfrage von Wikimedia mit der Bitte erhielt, die existierenden Strukturen in der deutschen Wikipedia einer kritischen Analyse zu unterziehen und Überlegungen zu treffen, wie die Problematik zu behandeln sein könnte. Zu dem Zeitpunkt hatten wir eh einen solchen Artikel geplant. Die Anfrage aber untermauerte und bekräftige die Motivation dafür und die Wichtigkeit der Thematik.

IST-Analyse

Frauenanteil in der Wikipedia

Neben der eingangs erwähnten Studie, aus der im Jahr 2010 ein Frauenanteil von knapp 13% hervorging, wurde im darauf folgenden Jahr eine weitere Untersuchung durchgeführt. Eine Steigerung des Frauenanteils wurde dieser zur Folge nicht erreicht. Ganz im Gegenteil war im Jahr 2011 ein Anteil von nur noch 8.5% Autorinnen zu verzeichnen.

Weitere relevante Ergebnisse aus den Studien

Weiterhin erwähnenswert ist, dass gemäß der Erhebung aus dem Jahr 2010 23% der Befragten (unabhängig vom Geschlecht) nicht bei Wikipedia partizipieren, weil sie “Angst davor haben, Fehler zu machen und deshalb Ärger zu bekommen” (“I am afraid of making a mistake and getting “in trouble” for it.”). In der Studie aus dem Jahr 2011 findet das Stichwort “Harassment” erstmals Erwähnung, ein Teil der partizipierenden Frauen* “fühlt sich belästigt” und empfindet die Community als eine “sexualisierte Umgebung”.

Teilhabestrukturen

Jede_r, der_die an der Entstehung von freiem Wissen mitwirken möchte, kann – prinzipiell – in der Wikipedia-Community mitmachen. Im Artikel Beteiligen heißt es u. a.

Sofern du Texte schreiben kannst, kannst auch du hier mitarbeiten. Du brauchst keine Hilfsmittel, die technischen Anforderungen sind minimal.

Es gibt ein Tutorial, in dem beispielsweise erklärt wird, wie Interessierte sich anmelden können, was sie beim Erstellen der Texte beachten sollten, wie neue Artikel angelegt und bestehende modifiziert werden können.

In dem Artikel Belege sind die Wikipedia-Grundsätze aufgeführt, die sicherstellen (sollen), dass die “Glaubwürdigkeit” der Wikipedia erhalten bleibt. Hilfe können Autor_innen oder solche, die es werden wollen, über Mentorenprogramme erhalten.

Doch wie sind die Strukturen, wenn Autor_innen angegriffen werden?
Eine offizielle Stelle für Diskriminierungen gibt es jedenfalls nichts. Eine erste Möglichkeit bei Angriffen gegen die eigene Person wäre eine Vandalismusmeldung . Falls sich die Probleme auf Diskussionen zu einem bestimmten Artikel beschränken, gibt es die Möglichkeit, eine „Dritte Meinung“ einzuholen. Auch das Ansprechen von Admins/Adminas ist eine Möglichkeit. Ganz am Ende bleibt das Schiedsgericht.

All diese Gremien und Möglichkeiten sind aber nicht besetzt durch Menschen, die besonders geschult sind im Umgang mit Diskriminierungen, viel eher sind sie auf Meinungsverschiedenheiten ausgelegt. Diskriminierungen sind aber keine verschiedenen Meinungen und erfordern oftmals eine bestimmte Sensibilisierung um sie zu erkennen.

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Was hat Wikipedia mit einer Stadt gemeinsam?

Dieser Artikel wurde verfasst von Jana Hochberg, die Wikimedia Deutschland seit kurzem im Bereich „Bildung und Wissen“ als Referentin unterstützt. Dazu hat sie am 27.07.2012 an einer Schulung teilgenommen, die sie und ihre Kolleginnen bei ihren ersten Schritte in der Wikipedia unterstützt. Die Schulung der drei neuen Interessentinnen fand in der Geschäftsstelle in Berlin statt. Vielen Dank an alle Beteiligten!

 

de:user:Zakysant, CC-BY-SA-3.0

Pulsierend, atmend und schwitzend empfängt mich Berlin in der letzten Woche. Das Referenten-Treffen von Wikimedia lenkte meine Wege an diesen ersten sommerlich heißen Tagen in die flimmernde Hauptstadt – mitten hinein, nicht etwa an den abkühlenden Wannsee. Ein Seitenkanal der Spree befindet sich jedoch in der Nähe und lies die Hoffnung auf Abkühlung bestehen.

Wieder einmal wird bei meiner Ankunft in dieser bittersüßen Stadt Flexibilität und Querdenken gefordert. Eine gesperrte U-Bahn-Station durchbricht zaghaft entstandene Routinen vergangener Berlin Aufenthalte. Berlin ist eben anders und das ständig!

Genau der richtige Standort für Wikimedia, finde ich!

 

Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung freien Wissens e.V. unterstützt verschiedene Projekte, welche gemeinsames Wissen kollaborativ aufarbeiten. Um den Umgang mit freiem Wissen zu fördern, steuern Wikimedia-Referenten immer wieder verschiedene Andockmöglichkeiten an. Wikimedia Deutschland-Referenten sind in vielen unterschiedlichen Städten zu Hause. Ab und zu ergibt es sich, dass sich die vielfältigen Wege der Referenten überschneiden oder zusammengeführt werden. So wie an diesen heißen Tagen.

Gekennzeichnet sind dann auch diese Treffen beispielsweise von Humor, Fröhlichkeit, dem Suchen nach neuen Ansatzmöglichkeiten und dem Aufbrechen von Routinen.

Das größte Projekt der Wikimedia Foundation ist die Wikipedia – die freie Online-Enzlyklopädie.

Angeregt durch die Teilnehmer stelle ich mir Wikipedia immer wieder in den nächsten Stunden als metaphorische Stadt vor, die für jeden Besucher einen ganz eigenen Spielplatz anbietet. Auf welchen Spielplatz ich mich wohl gern bewege?

Die Stadt als Projektionsfläche / Metaebene zu benutzen auf die man immer wieder zurückgehen und von dort aus neu starten kann, ist ein spannendes und aufregendes Stilmittel. Die Landingpage bildet dabei den Hauptbahnhof ab, von der aus jeder seinen eigenen individuellen Weg in die Wikipedia finden kann, egal, ob er als Tourist an der Oberfläche vorbeischaut oder in den Tiefen der Kanalisation hinabsteigt und an der Verbesserung des kollaborativen Riesenprojektes arbeitet.
In Wikipedia tummeln sich Techniker, Community-Interessierte, Enzyklopädisten, Kritiker und viele andere Varianten, die sich auch manchmal überschneiden.

Weiterhin befassen wir uns mit inhaltlichen Fragen zur Wikipedia, wie auch organisatorischen Fragen zu einem exemplarischen Aufbau eines solchen Seminars, wie bspw.:

  • Welche Regeln liegen der Wikipedia?
  • Wie weit kann man den Artikeln vertrauen?
  • Wie kann ich meine Zuhörer abholen?
  • Wie kann ich die komplexen Strukturen einfach darstellen?
  • Was für technische Probleme können sich in einem Seminar ergeben, wenn mehrere an der Wikipedia gleichzeitig editieren?
  • Wie funktionieren Wikis?

J. Hochberg, CC-BY-SA 3.0

Die Zeit ist an diesem Tag nur so an einem vorbei geflogen. Mit vielen abkühlenden Getränken, frischem Obst und Eis, lies sich sogar die sommerliche Hitze in ein wohltuendes mittägliches Sonnenbad mit anregender Diskussion in einem der typischen vielfältigen Straßenrestaurants Berlins umwandeln.

Fast jeder kann seinen Platz in dieser Stadt finden.

:D
:D

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Wissen teilen – Frauen starten gemeinsam in die Wikipedia

Eybisch-Klimpel, CC-BY-SA 3.0

Der Anteil weiblicher Autoren in der Wikipedia ist erschreckend gering. Wikimedia Deutschland organisiert in diesem Jahr daher eine Reihe von Aktionen, um auf dieses Ungleichgewicht hinzuweisen. Erste Veranstaltungen fanden bereits mit dem Frauen Computer Zentrum Berlin und den Frauenring Kiel statt. Der erste Workshop in diesem Rahmen fand nun am Dienstag in Berlin gemeinsam mit der Beratungsstelle Frau und Beruf e.V. für Frauen im beruflichen Übergang statt. Zum Pilotprojekt im IT-Trainingsraum der Beratungsstelle ber-IT kamen zehn Teilnehmerinnen, die Wikipedia zwar ausgiebig nutzen und schätzen – jedoch bisher beim Versuch, daran mitzuwirken, auf Hindernisse gestoßen sind und allein nicht weiter kamen.

Entstanden war die Idee zu diesem Workshop aus zwei Problemen heraus: Zum einen stellte Cornelia Eybisch-Klimpel in ihrer Beratungsarbeit fest, dass hervorragend ausgebildete und ambitionierte Frauen, die in der Phase des beruflichen Übergangs darunter leiden, dass ihr Wissen nicht abgefragt wird, sie es nicht teilen und aktualisieren können. Dadurch steigt die Gefahr, fachlich den Anschluss zu verlieren. Das wirkt sich zunächst negativ auf das Selbstwertgefühl aus und in der Folge dann auch auf den (zumindest gefühlten) Marktwert. Viele vermissen zudem die Vernetzung mit Experten und die Versorgung mit Informationen, die bei der Jobsuche so wichtig sind. Zum anderen kann Wikipedia davon profitieren, wenn mehr weibliche Autoren an der Enzyklopädie mitarbeiten. Nur neun Prozent der Wikipedianer sind weiblich – es fehlt also ein wesentlicher Teil der Sicht auf die Welt in unserer größten Online-Enzyklopädie.

„Vernetzung“ das war auch das Stichwort, welches sich durch den gesamten Workshop zog. Die Idee lag daher nahe, die jobsuchenden Frauen und Wikipedia zusammen zu bringen. Die Hindernisse wurden im Workshop klar beim Namen genannt: Zum einen die fehlende Zeit und zum anderen das Gefühl, mit den ersten Editierversuchen ins anonyme Leere zu tappen. Eine Teilnehmerin berichtete davon, dass ein Beitrag von ihr bereits gelöscht wurde. Aus solchen Erfahrungen resultierte die Angst, dann womöglich unfreundlich kommentiert auf einer „Löschliste“ zu landen. In der Diskussion stellte sich heraus, dass für die Arbeit in der Wikipedia der Aspekt der intensiven Diskussion über Fachthemen jedoch auch als mögliche Chance gesehen werden kann.

Köpf, CC-BY-SA 3.0

Nach anfänglicher Skepsis war es für die Teilnehmerinnen gut, jemanden zur Seite zu haben, der aufklären kann: Dass es zum Beispiel Hilfeseiten in der Wikipedia und das Mentorenprogramm gibt, dass es Plattformen und Portale für Rückfragen und Unterstützung von Frauen gibt und dass jede Aktivität auch wieder rückgängig gemacht werden kann. Während des Workshops begannen die Teilnehmerinnen sofort damit, selbst aktiv zu werden und Artikel direkt zu verbessern, Wartungsbausteine zu entfernen und sich inhaltliche Gedanken zur eigenen Arbeit zu machen. Der freundlich gemeinte Baustein, der nach der Anmeldung auf den Diskussionsseiten der Benutzer erschien, sorgte bei den Teilnehmerinnen kurz für Entrüstung, da er als zu anonym und wenig einladend empfunden wurde. Offene Fragen wurden gesammelt und im laufe des Workshops abgearbeitet: Wie binde ich Bilder ein, wie kann ich grafisch Artikel aufarbeiten und was sind zulässige Quellen, waren nur drei der Fragen, die in den Gruppendiskussionen immer wieder aufkamen.

Im Anschluss an den Wikipedia-Workshop kamen die Teilnehmerinnen zu dem Schluss, dass die Hürden durch das gemeinsame Arbeiten deutlich gesenkt werden konnten, dass die „schnellen Erfogserlebnisse“ zählten und dass die Arbeit direkt „am offenen Herzen“ durchweg positiv war. Zwei Teilnehmerinnen verabredeten sich sogleich , gemeinsam einen Artikel umzuschreiben: „Der geht ja gar nicht!“ Auch die zwei Referenten konnten deutliche Unterschiede zu bisherigen Workshops feststellen, so z.B. ein größeres Bedürfnis nach persönlicher „real-live“-Vernetzung und die äußerst produktive Diskussion und offenen Fragen der Teilnehmerinnen. In einer zweiten Veranstaltung von Frau und Beruf e.V. wird es um die Frage gehen, wie die Arbeit an Wikipedia für die Jobsuche und die eigene Vernetzung helfen kann. Wikipedianerinnen, die Interesse haben, an dem zweiten Teil der Veranstaltung nächsten Dienstag (19.6.2012 18.00-21.00 Uhr) teilzunehmen, können sich gerne bei Conni Eybisch-Klimpel dazu anmelden. Wikimedia Deutschland bedankt sich bei den Teilnehmerinnen und freut sich über direkte Rückmeldung und weitere interessiete Institutionen und Partner für gemeinsame Aktionen wie diese.

Ein gemeinsamer Text von Conni Eybisch-Klimpel und Elly Köpf

 

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re:publica-Nachlese: Frauen in die Wikipedia!

Wikimedia Deutschland war dabei: auf der re:publica 2012, der größten Konferenz Deutschlands über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft. Drei Tage lang haben wir in vielen Sessions über Wikimedia Deutschland und Wikipedia informiert und obendrein über Freies Wissen diskutiert.

„Frauen in die Wikipedia!“ lautete unser Aufruf am ersten Nachmittag der Web-Konferenz. Katrin Rönicke, aktiv bei der feministischen Initiative „Frau Lila“, moderierte die Diskussionsrunde. Warum so wenige Autorinnen in Wikipedia mitschreiben und welche Strukturen innerhalb und außerhalb der Wikipedia den geringen weiblichen Anteil der Autorinnenschaft beeinflussen, gehörten zu den Kernfragen. Hierüber debattierten Anja Ebersbach und Dirk Franke, die sich beide ehrenamtlich im Präsidium von Wikimedia Deutschland engagieren. Die Wikipedianierin Stefanie Senger berichtete von ihren bisherigen positiven und negativen Erfahrungen in der Wikipedia. Mit Andreas Kemper ergänzte der kritische Blick des Mitbegründers des Portals Diskriminierung in der Wikipedia die Diskussion. Die Journalistin Susanne Patzelt und Autorin des Artikels „Nichts wie rein in die Welt des Wissens“ komplettierte die Runde.

Die Diskussion bezog sich vor allem auf zwei Aspekte: Es sollen so viele Menschen wie möglich am Wissen der Welt mitwirken, damit vielfältige Perspektiven und Themen abgebildet werden. Der Gender Gap der Wikipedia widerspricht dieser Idee derzeit, denn nur rund 10 Prozent der AutorInnenschaft sind Frauen. Einfache Lösungen gibt es zwar nicht, doch, so die einvernehmliche Meinung in der Diskussionsrunde, ist eine Auseinandersetzung mit dem Gender Gap in der Community der Wikipedia unerlässlich. Auch die verstärkte Ansprache von Frauen, die Lust haben in Wikipedia mitzuschreiben, sollte in Angriff genommen werden, damit die größte Enzyklopädie der Welt um weiteres Wissen bereichert wird.

Hier könnt Ihr nun selbst die Diskussion verfolgen. Viel Spaß bei der 50-minütigen Videodokumentation!

Frauen in der Wikipedia from Wikimedia Deutschland on Vimeo.

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Cherchez la femme

Mehr als nur Netbook-Halterinnen, oder: Wer schreibt die Hälfte des Wikipedia-Himmels?

Eine junge Dame in einer deutschen Großstadt wollte sich aus Neugierde den Wikipedia-Stammtisch ansehen. Sie nahm ihre Schwester mit und stieß in einem Lokal auf einen Tisch mit jungen Männern an ihren Laptops.

Offensichtlich entsprach der Empfang nicht dem, was die beiden Damen normalerweise erwarten konnten, zumal sie die einzigen Frauen weit und breit waren. Vielmehr starrten die Männer gebannt auf die Letzten Änderungen, die aktuellen Bearbeitungen in der Wikipedia. Die Haltung der anwesenden Wikipedianer  gegenüber den Bearbeitungen („Hat wohl keine Ahnung! Den mach ich fertig!“) ermunterte die Damen auch nicht zu fragen, wie man sich denn wohl an der Wikipedia beteiligen könne.

Den Eindruck, den die Wikipedia-Gemeinschaft wohl auf Frauen macht, sprach Foundation-Direktorin Sue Gardner Anfang 2011 in einem Interview an. So stürmte durch den englischsprachigen und bald auch deutschsprachigen Blätterwald die empört-überraschte Erkenntnis: In der Wikipedia schreiben sehr wenige Frauen mit.

Auf der Suche nach den Gründen wurde allerlei herangezogen, wie die Tatsache, dass die Wikipedia-Benutzeroberfläche den „Benutzer“ kennt und sexistischerweise nicht die „Benutzerin“. Man gleitet dann schnell in Diskussionen grundsätzlicher Natur über Frauen in der Gesellschaft ab, über biologische oder soziale Faktoren. Die Diskussionsseite von Wikipedia:Kurier gibt einen recht guten Überblick, auch mit Bezug auf vergangene (?) Wikipedia-Streits wie die weiblichen Berufsbezeichnungen als Lemma.

Wir sehen aber, dass viele Benutzeroberflächen keine spezifisch weiblichen Formen verwenden und dass in sozialen Medien der Frauenanteil zuweilen sehr hoch ist. Entscheidend für die geringere Teilnahme von Frauen an der Wikipedia scheinen vor allem zwei Faktoren zu sein:

1. Interesse: Die Leseforschung bestätigt, was jeder Besucher einer Stadtbücherei beobachten kann. Die meisten Frauen werden eher von Romanen angezogen, Männer von Sachbüchern. Es muss sich noch nicht einmal um unterschiedliche Themen handeln, die auf unterschiedliches Interesse stoßen, sondern allein schon um die Herangehensweise.

Als einmal auf der deutschen Wikimedia-Mailinglist ein Neuling mit "fuck you" angesprochen wurde, gab es niemanden, der sich darüber beschwerte. Ein Vorstandsmitglied später dazu: "Ja, das würde ich im realen Leben tatsächlich nicht stehen lassen. Man ist schon ziemlich abgestumpft."

2. Aggressionen: Ein mehr oder weniger großer Teil der Wikipedia-internen Diskussionen wird von verbalen Aggressionen geprägt. Es ist durchaus gängig zu sagen, dass ein Artikel „scheiße“ ist, ohne zu berücksichtigen, dass der Artikel einen Autor mit Gefühlen hat. Bekanntermaßen reagieren Frauen auf Gewalt in den Medien deutlich empfindlicher als Männer. Es ist also zu vermuten, dass die Wikipedia-internen Aggressionen weibliche Neulinge mehr abschreckt als männliche, was einen gewissen Filtereffekt hat.

An Punkt 1 dürfte die Wikipedia wenig ändern können. An Punkt 2 schon eher – Anti-Aggressions-Maßnahmen wären zwar für alle Neulinge (und erfahrene Wikipedianer) positiv, aber gerade Frauen würden davon überdurchschnittlich profitieren.

Im Strategieplan der Wikimedia Foundation vom Februar 2011 heißt es: „Eine gesunde Diversität in der bearbeitenden Gemeinschaft unterstützen, indem man den Prozentsatz der weiblichen Bearbeiter auf 25 Prozent verdoppelt […].“ Es mag fraglich sein, ein Ziel zu formulieren, bei dem die vielleicht wichtigsten Faktoren außerhalb der eigenen Möglichkeiten liegen. Man wollte ein „messbares“ Ziel haben, das man nach der einen oder anderen Art des Messens dann abhaken kann.

Eine typische Wikipedianer-Sicht will jeden Benutzer gleich behandeln, ohne Ansehen der Person – was in einem Wiki auch nicht unbedingt immer möglich wäre. Das muss nicht ausschließen, in einer konkreten Mentor-Betreuung das Geschlecht eines Neulings bei Bedarf zu berücksichtigen. Letztlich führen die Überlegungen jedoch immer wieder in die Richtung, das Bearbeiten für alle Menschen einfacher und angenehmer zu machen. Vielleicht müsste die Bearbeitungsprozedur an sich einmal auf den Prüfstand.

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