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Bananen-Pong vs. Borderless-App – Bei “Jugend hackt” entwickelten Jugendliche Anwendungen für ihren Alltag

Jubel brandet auf, als Erique und Noah zwei Bananen so in ihren Händen bewegen, dass auf dem Screen ein Ball von zwei animierten Bananen hin und her gespielt wird. Die beiden jüngsten Teilnehmer von „Jugend hackt“ verlassen nach der Präsentation strahlend die Bühne. Beim Bananen-Pong funktioniert Obst mit Alufolie und Kabeln versehen als Joystick. Viele der Anwendungen, die von den über 60 Jugendlichen (darunter 11 Mädchen)  am Sonntagnachmittag im Jugendhaus Königstadt vorgestellt wurden, wirken schnell improvisiert, unperfekt, aus dem Alltag gegriffen. Gerade darum aber umso beeindruckender, da sie von den 12 bis 18-Jährigen aus ganz Deutschland an nur einem Wochenende entwickelt wurden. Unterstützt wurde die Veranstaltung unter anderem von Wikimedia Deutschland, auch Jens Ohlig vom Team Forschung und Entwicklung war als Mentor dabei.

Jugendliche programmieren gemeinsam bei „Jugend hackt“ Foto: Flickr-Nutzer OKF DE, Lizenz: cc-by-sa 2.0 (via)

Die Open Knowledge Foundation hatte zu den ersten deutschen Hack Days speziell für Jugendliche eingeladen, bei denen gemeinsam Anwendungen programmiert wurden, die bei kleinen oder großen Herausforderungen des Alltags helfen. So wurde die App Kleiderfrosch vorgestellt, die Wetterdaten einer Stadt so umwandelt, dass sie angezeigen, wie man sich heute am besten anzieht. Beim Projekt Jugend wählt können Meinungen und Kommentare zu bestimmten Themenbereichen von Parteien abgeben werden, auf deren Grundlage dann Statistiken und ein differenzierteres Wählerbild Jugendlicher entstehen. Die Plattform Borderless soll helfen, auf Basis von Open Street Map kollaborativ den Grad der Barrierefreiheit von Orten zu taggen.

Die Veranstaltung fand als deutsches Pendant zu Young Rewired State statt, einem seit Jahren bestehenden Netzwerk, das Hack Days mit hunderten von jungen Teilnehmern wie etwa das Festival of Code auf der ganzen Welt veranstaltet. Durch diese Treffen werden junge Programmiertalente gezielt gefördert, sie können sich austauschen und vernetzen. Das Interesse, Fähigkeiten gemeinsam anzuwenden ist auch in Deutschland groß; viel Talent, Know How und Begeisterung liegen brach, das wird an diesem Sonntag klar. „Wie viele von euch haben Code in der Schule gelernt?“ fragt Emma Mulqueeny, Initiatorin von Young Rewired State – kaum Reaktionen. „Und wie viele von euch haben sich das selbst beigebracht?“ – fast alle Arme gehen hoch. Eine bestehende Diskrepanz zwischen dem, was heute gelehrt wird und dem, was die Jugendlichen interessiert, was sie machen wollen und könnten, wurde hier offensichtlich.
Besonderen Spaß habe es gemacht, so viele Jugendliche, gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten etwas zu entwickeln, statt wie meist alleine. Die größte Arbeit, erzählen viele der Teilnehmer bei ihren Präsentationen, habe das Auslesen von Daten für die Anwendungen, etwa die Umwandlung von Geodaten in Adressen für den Trinkbrunnenfinder gemacht. Hier wurde klar, wie praktisch und schlicht notwendig es wäre, Daten von Verwaltungen maschinenlesbar verfügbar zu machen. Für die Jugendlichen bliebe dadurch deutlich mehr Zeit für die eigentliche, inhaltliche und kreative Arbeit. Die Notwendigkeit für die Zugänglichkeit und freie Nachnutzbarkeit von Verwaltungsdaten muss hier also nicht trocken vermittelt werden, sie ist für die Jugendlichen bereits mit Händen zu greifen. Wikimedia Deutschland setzt sich für Open Government Data ein, damit beim nächsten „Jugend hackt“ noch mehr Zeit für die eigentlichen Ideen und ihre Umsetzung bleibt.

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Accessibility-Studie für Wikipedia

Im Rahmen des EU-Forschungsprojekts Third Age Online (TAO) hat die Stiftung „Zugang für alle“ (ZfA) eine Zugänglichkeitsstudie für die deutschsprachige Wikipedia durchgeführt. Grundlage für die Studie waren die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte, die von der Web Accessibility Initiative (WAI) empfohlen werden. Damit liegt erstmals ein umfassender Bericht für das Projekt Wikipedia vor, der die Einschränkungen der Zugänglichkeit nach WCAG 2.0 thematisiert. Der Bericht wurde von der Stiftung ZfA ins Englische übersetzt, unter eine freie Lizenz gestellt und der Wikimedia Foundation zur Verfügung gestellt. Da gerade unter dem Codenamen „Athena“ eine neue Oberfläche für MediaWiki entwickelt wird, sollte so früh wie möglich auf die Einhaltung der Richtlinien geachtet werden.

In großen Teilen werden die Richtlinien bereits eingehalten. Im Abschlussbericht werden allerdings noch einige Punkte genannt, die einer Optimierung bedürfen. In Zusammenarbeit mit der Wikimedia Foundation und der Entwickler-Community wird Wikimedia Deutschland jetzt dafür sorgen, dass die Einschränkungen der Zugänglichkeit möglichst schnell behoben werden. Obwohl die Studie für die deutschsprachige Wikipedia durchgeführt wurde, wird die Behebung auch die Zugänglichkeit aller anderen Sprachversionen verbessern.

Die notwendigen Anpassungen beziehen sich überwiegend auf die Verwendung von Screenreadern und die Bedienung der Oberfläche mit der Tastatur. In den meisten Fällen können die Mängel durch eine Anpassung der MediaWiki-Software oder eine Überarbeitung der Skins behoben werden. Einige Punkte lassen sich jedoch lediglich durch die Erweiterung der Bearbeitungsrichtlinien verbessern.

Eine Zusammenfassung und der vollständige Bericht der Studie kann auf der Projektseite „Third Age Online“ eingesehen werden.

Die aus diesem Bericht resultierenden Änderungen sind im Folgenden zusammengefasst:

  • Hinterlegen eines Standardwertes für die von Screenreadern vorgelesene Beschreibungen in eingebetteten Grafiken/Fotos
  • Korrekte Auszeichnung und strukturelle Anpassung von Überschriften zur besseren Orientierung von ScreenReader-Benutzern
  • Korrekte Verwendung von Linklisten
  • Weitgehenden Verzicht von Tabellen als Gestaltungshilfe
  • Anpassung der Infoboxen an die korrekte Verwendung von Tabellen
  • Überarbeitung der Navigationsleiste, um Kompatibilität mit Screen-Readern zu gewährleisten
  • Konsistente Auszeichnung externer Links für Screen-Reader
  • Hinzufügen der Schreibweise von Artikeln anderer Sprachversionen in der Sprache des Benutzers, vor allem bei Sprachen mit nichtlateinischer Schrift
  • Korrekte Auszeichnung von Eingabefeld-Beschriftungen und Pflichtfeldern in Formularen
  • Anpassung des Editors und des Audio-Players an Steuerungsmöglichkeiten per Tastatur
  • Bereitstellen eines Gadgets zur stärkeren Hervorhebung des Tastaturfokus
  • Anpassung der Definition von Schnellzugriffstasten gemäß der WCAG-Richtlinien

Folgende Punkte sind als weitere Bearbeitungsrichtlinien diskussionsbedürftig:

  • Stärkere Etablierung aussagekräftiger Bildbeschreibungen für eingebundene Grafiken/Fotos
  • Überschriftenstrukturierung und -auszeichnung auf Portalseiten
  • Auszeichnung von fremdsprachigen Teilen eines Artikels
  • Aufgreifen der Diskussion über die zusätzliche Sprachversion „Einfaches Deutsch“
  • Format und Auszeichnung von Datentabellen

Die Verwendung von sogenannten „Captchas“ wurde im Bericht ebenfalls als Einschränkung in der Zugänglichkeit angemerkt. Die Diskussion darüber läuft auch schon seit einigen Jahren. Eine akzeptable Lösung, die sowohl automatisierte Zugänge verhindert als auch die Zugänglichkeit für Menschen mit Sehbehinderungen ermöglicht, wurde noch nicht gefunden.

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Hacken in Haifa – die Wikimania Developer Days

Wikimania Developers Lounge (by Sarah Stierch, CC BY 2.0)

Die Wikimania ist nun schon ein paar Wochen her. Dennoch möchte ich, frisch aus dem Urlaub, noch einen Rückblick auf die Developer Days geben, die vor der eigentlichen Konferenz am 2. und 3. August statt fanden. Gemäß der Tradition von Wikimania trafen sich vor der Wikimania MediaWiki-Entwickler, Server-Administratoren und andere technisch interessierten Wikimedian für zwei Tage, um sich über die Weiterentwicklung der Software und den Ausbau der Serverlandschaft auszutauschen, auf der Wikipedia und die anderen Wikimedia-Porjekte laufen. In diesem Jahr waren besonders zwei Schwerpunkte auszumachen:

Der erste Schwerpunkt wandte sich an Entwickler, die neu zum MediaWiki-Projekt hinzu gestoßen sind oder sich jetzt verstärkt einbringen möchten. Die Voluntär-Entwickler-Koordinatorin der Wikimedia Foundation, Sumana Harihareswara, hatte dazu zwei Veranstaltungen organisiert: „How to become a MediaWiki hacker“ und „Mediawiki code review“. In ersterer wurde Erklärt, wie man überhaupt zu MediaWiki beitragen kann. In der zweiten wurde dann erläutert, wie die Qualitätssicherung für den Entwicklungsprozess funktioniert.

Der zweite Schwerpunkt war die Benutzeroberfläche von MediaWiki. Aber anders als bei dem Hackathon, den Wikimedia Deutschland im Frühjahr in Berlin veranstaltet hatte, stand diesmal nicht der Editor im Mittelpunkt – statt dessen ging es vor allem um die Leser. Amir Aharoni hatte zu zwei Themenbereichen Referenten eingeladen: zuerst sprachen wir über die verschiedenen Probleme die entstehen, wenn man in Sprachen wie Hebräisch oder Arabisch, die von rechts nach links geschrieben werden, Textteile hat, die im europäischen Stil von links nach rechts geschrieben werden. Auch die Gestaltung der gesamten Oberfläche der Webseite hängt in weiten Teilen davon ab, in welche Richtung der Text fließt. Die Kombination von verschiedenen Schreibrichtungen führt hier häufig zu Problemen.

Spannender fand ich persönlich aber den Erfahrungsbericht von Adi Kushnir, einem blinden Wikipedia-Nutzer, der uns detaillierten Einblick in die Probleme, die blinde und sehbehinderte Menschen im Umgang mit Wikipedia haben. So sind zum Beispiel die ausklappbaren Menüs im Navigationsbereich von MediaWiki-Seiten, die seit einiger Zeit die Seite für die meisten Nutzer übersichtlicher gestalten, für Blinde unzugänglich.

Angeregt durch diese Begegnung nahm ich Kontakt mit Lisa Seeman, einer Expertin für barrierefreihe Webseiten, auf. Großartigerweise entschloss sich Lisa spontan, zur Wikimania zu kommen und mit den Entwicklern der Wikimedia Foundation zu sprechen. Ich glaube, dass diese Verbindung zu wichtigen Verbesserungen der MediaWiki-Software führen kann, die es noch mehr Menschen erlauben, an den Inhalten der Wikimedia-Projekten teilzuhaben.

 

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Wikipedia als Hörgenuss

Im Oktober hatte Wikimedia Deutschland eine Kooperation mit der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB). Für den gesamten Monat wurden die Artikel des Tages aus Wikipedia von professionellen Sprechern eingesprochen. Der Aufwand war sehr hoch – die Sprecher der DZB sahen sich mit ganz neuen Anforderungen konfrontiert: Zunächst die Nennung der Lizenz – kein Problem, sie wurde am Ende eines jeden Artikels vorgelesen. Die Nennung der Autoren – kleines Problem, gelöst durch den Hinweis auf die Versionsgeschichte. Und wie liest man Verlinkungen, Tabellen und weiterführende Links? Viele Fragen, viele zu lösende Aufgaben.

Das Ergebnis sind aber nicht nur nützliche Erfahrungen für die Zukunft, sondern vor allem großartig gelesene Wikipedia-Artikel. Ein Hörgenuss eben. Kurzfristig haben wir uns daher entschlossen, die Sammlung der 31 Artikel des Tages aus dem Oktober 2010 auf CD zu brennen und Interessierten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Bestellungen bitte unter cd@wikimedia.de. Da die Feiertage nahen, können wir leider den Versand vor Weihnachten nicht mehr garantieren, bemühen uns aber, alle Bestellungen möglichst zeitnah auszuführen. Unser Büro ist zwischen Weihnachten und Neujahr geschlossen, somit könnten Bestellungen teilweise auch erst im Januar 2011 ausgeführt werden.

Für mich persönlich ist nicht nur die CD ein Hörgenuss, es war auch ein Genuss an diesem Projekt zu arbeiten. Dank der Initiative von Maria Schiewe und der Unterstützung der Community konnte dieses Pilotprojekt erfolgreich durchgeführt werden. Es gab sehr viel positive Resonanz von Lesern wie auch in den Medien und von potentiellen Kooperationspartnern. Weitere Maßnahmen zum Ausbau der gesprochenen Wikipedia sollen im nächsten Jahr folgen. Gemeinsam mit Freiwilligen möchten wir Workshops mit professionellen und ehrenamtlichen Sprechern durchführen und weitere Möglichkeiten der Vertonung von Wikipedia-Artikeln ausprobieren. Ich freue mich darauf und bin gespannt auf 2011. Damit einen schönen Jahresausklang und viel Spaß mit Wikipedia als Hörgenuss!

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Hört, hört: Die DZB spricht unsere Artikel des Tages ein

Heute veröffentlichten wir die Pressemitteilung „Wikipedia als Hörgenuss“ zur Bereitstellung gesprochener Versionen aller Artikel des Tages im Oktober. Ergänzend dazu möchte ich euch in diesem Blogbeitrag zeigen, wie das Projekt zustande kam. Es ist ein kleiner Blick hinter die Kulissen aus meiner Sicht als Vorstandsmitglied.

Die Anzahl gesprochener Artikel zu erhöhen, ist ein explizites Ziel des Kompass 2020. 2009 schwebten Tim und mir noch Radiostationen als Partner vor. Dann aber griff unser Fundraiser Till, nur wenige Wochen nach seinem Arbeitsbeginn bei Wikimedia Deutschland, das Thema Ende April 2010 unter dem Codenamen „Wikipedia auch mal hören“ auf. Till hat Erfahrungen im Bereich Barrierefreiheit gesammelt, als er seinen Zivildienst in der Blindenanstalt in Hannover leistete. Ich arbeite seit vier Jahren, zuerst als Forscher und jetzt als Berater, für Barrierefreiheit. Es war daher kein Zufall, dass wir uns sofort darauf einigten, als Kooperationspartner nur Organisationen aus diesem Bereich zu betrachten. Schnell fiel die Wahl auf die Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB). Durch ihre Größe und langjährige Erfahrung in der Produktion von Hörbüchern schien sie uns ideal. (Übrigens versteht die DZB unter Hörbüchern nicht gekürzte Hörbuchausgaben, wie sie auf dem Massenmarkt zu finden sind, sondern originalgetreu eingesprochene Ausgaben. Die Kunden wollen genau das hören, was man sonst selbst lesen würde.)

Durch meinen Arbeitgeber bestand bereits persönlicher Kontakt zum Leiter der DZB, Thomas Kahlisch. Das ist nicht überraschend, denn die „Szene“ der Blinden und Sehbehinderten ist überschaubar, auf themenspezifischen Veranstaltungen trifft man stets die „üblichen Verdächtigen“. Diese Verbindung machte ich mir zunutze und lies mich über E-Mail kurz vorstellen. Telefonisch gab ich Herrn Kahlisch wenige Tage später einen Überblick über unseren Plan, mehr Artikel einsprechen zu lassen. Er war sofort von der Idee begeistert und schlug ein persönliches Treffen in Leipzig vor. Das war Anfang Mai. Trotz der vollen Terminkalender von DZB- und Wikimedia-Mitarbeitern schaufelten wir einen Termin für den 11. Juni frei.

Till und Daniel vertraten unseren Verein und ich fuhr als Kontaktinitiator ebenfalls nach Leipzig. Wir wurden mit reichlich belegten Brötchen und viel Enthusiasmus begrüßt – selbstverständlich in der umgekehrten Reihenfolge. In dem Gespräch mit Herrn Kahlisch und drei seiner Mitarbeiter konnten wir viele Fragen klären, aber auch viele aufwerfen. Die Finanzierung war natürlich ein Thema, aber auch schon die inhaltliche Umsetzung und der zeitliche Rahmen. Die DZB-Mitarbeiter waren sofort in ihrem Element. Sie schlugen bspw. Workshops für Sprecher vor, noch bevor wir dies tun konnten, und sie demonstrierten uns die Funktionsweise eines Daisy-Hörbuchs. (Das ist ein nach Gliederung – Kapitel, Überschriften, Absätze, Seiten etc. – navigierbares Hörbuch.) Bereits bei diesem ersten Treffen einigten wir uns darauf, ein Pilotprojekt als Auftakt für eine langfristige Zusammenarbeit zu starten. Anlässlich der Woche des Sehens und des internationalen Tag des weißen Stockes sollten einige Artikel des Tages eingesprochen werden. Mit einem derartigen Testlauf können bspw. technische Probleme schnell erkannt und gelöst werden. Aber auch die Akzeptanz des Angebots durch die Leser und anschließenden Hörer lässt sich damit auswerten.

Nach dem Treffen lag die weitere Koordination des Projekts allein in den professionellen Händen der Geschäftsstelle, allen voran in Catrins. An mich als Vorstandsmitglied gingen noch einige Fragen und Bitten um Kommentare. Schon bald wurden Engagierte des Projekts Gesprochene Wikipedia in die Planung und Vorbereitung einbezogen. Die DZB bereitete sich intern ebenso vor. Die Ergebnisse unserer aller Zusammenarbeit werdet ihr nun bald hören. Seit Anfang September nimmt die DZB die Artikel des Tages für den gesamten Oktober mit professionellen Sprechern auf. Es war daher wichtig, dass die Liste der Artikel für diesen Monat etwas im Voraus feststand.

Den Wunsch, diese Aktion auf alle exzellenten und lesenswerten Artikel auszudehnen, haben schon jetzt einige geäußert. Diesen Wunsch teile ich, und er ist nicht unrealistisch. Gespannt müssen wir die Ergebnisse des Pilotprojekts abwarten und uns anschließend Gedanken über die Finanzierung machen. Ich bin überzeugt, dass gesprochene Artikel allen Lesern von Wikipedia einen tollen Mehrwert bieten und wir das Projekt deshalb weiterführen müssen.

Genießt ab 1. Oktober aber zunächst 31 neue eingesprochene Artikel. Ich danke der DZB und den Mitarbeitern unsere Geschäftsstelle für diese wunderbare Kooperation.

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Barrierefreiheit international

Barrierefreiheit ist wie Usability eine internationale Angelegenheit. Daher nutzte ich die Chance, letzte Woche an der Entwicklerkonferenz teilzunehmen und das Thema ordentlich zu bewerben.

Erklärung von WAI-ARIA auf dem Flipchart; Foto: Raimond Spekking/cc-by-sa-3.0

Am Donnerstag Vormittag stellten Neil und Guillaume, Mitarbeiter der Usability-Initiative, den Prototypen für das Hochladen von Bildern vor. Frank warb um technische Mitarbeit. Während beide Vorträge nur je 15 Minuten dauerten, hatte ich mir eine halbe Stunde ergaunert. Die nutze ich, um WAI-ARIA vorzustellen, eine semantische Erweiterung für HTML. (Die Folien zu dem Vortrag findet ihr auf Meta.) WAI-ARIA allein macht unsere Projekte nicht barrierefrei, ganz klar, aber es ist ein wichtiger Schritt. Die Entwickler und Oberflächengestalter brauchen ein Verständnis von Barrierefreiheit, um sie vorab berücksichtigen zu können. Nichts ist dafür besser geeignet, als mit behinderten Nutzern zusammen zu arbeiten – oder wenigstens ihre Hilfsmittel in Aktion zu erleben. Daher bot ich spontan eine Demonstration für den Nachmittag an.

Screenreader und Braillezeile im Einsatz; Foto: Raimond Spekking/cc-by-sa-3.0

Prophylaktisch hatte ich eine Braillezeile mitgenommen, die reichlich fasziniert, wenn man sie das erste Mal berührt. Ich erklärte die Arbeitsweise von Blinden und die Funktionsweise der sogenannten Screenreader. Diese sammeln und bereiten Informationen auf und geben sie dann über die Sprachausgabe oder die Braillezeile aus. Erik Möller, stellvertretender Direktor der Wikimedia Foundation (WMF), war sehr interessiert und wir diskutierten eine Weile intensiv. Ich hoffe, ihn überzeugt zu haben, dass die Usability-Initiative unbedingt behinderte Nutzern einbeziehen muss. Ich konnte außerdem mit den Mitarbeitern der Usability-Initiative reden, zu denen vorher nur Kontakt per E-Mail bestand. Sie alle empfanden das Thema als wichtig und waren gewillt, Ratschlägen zu folgen.

Soweit der offizielle Teil. Die Konferenz bot mir Gelegenheit ungeplant zwei Leute zu treffen: Danny B. und Samuel Klein. Danny ist freiberuflicher Berater für Barrierefreiheit und für das Thema in der tschechischen Wikipedia aktiv. Leider schlafen auch dort lokale Initiativen nach einer Weile ein, weil es schlicht an Mitstreitern fehlt. (In unserem BIENE-Projekt ist es ebenfalls sehr ruhig.) Samuel, in Wikimedia-Projekten unter dem Kürzel SJ bekannt, gehört dem Stiftungsrat der WMF an und hat großes Interesse an Barrierefreiheit. Als Dreigespann verfassten wir einen Schlachtplan: Barrierefreiheit mit einem internationalen Team in der WMF verankern. Wir werden dazu das Usability-Wiki nutzen und diverse Seiten mit Vorschlägen erstellen. Dort soll außerdem die Arbeit von Interessierten gebündelt werden, um eine höhere Schlagkraft und Nachhaltigkeit zu erzielen.

Usability wurde erst mit dem Zuschuss der Stanton Foundation ein eigenes, wichtiges Thema. Ich hoffe nicht, dass dies für Barrierefreiheit ebenso gilt. Ich lade jeden Interessierten ein, sich zu engagieren: entweder lokal in unserem Planungsteam für Usability & Technik, innerhalb der einzelnen Projekte oder international im Usability-Wiki (dortige Anlaufstelle).

Nachtrag: Neil hat einen eineinhalb-minütigen Videoschnippsel online gestellt, auf dem die Braillezeile in Aktion zu sehen ist.

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Wikimedia: Jederzeit spielend leicht

»Es ist so dunkel, ich hör dich nicht.« Mein erstes Aufeinandertreffen mit Gehörlosen brachte mich zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken. Gegen welche Barrieren Blinde ankämpfen, damit hatte ich mich schon länger beschäftigt. Aber welche Schwierigkeiten Menschen mit Lernbehinderung oder mit motorischen Einschränkungen haben, wusste ich nicht. Das Gehörlose eine eigene Kultur haben, war mir unbekannt. Eines fasziniert mich dabei immer wieder: Wie das Internet von allen Menschen genutzt werden kann, um selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Um einzukaufen, zu plaudern, zu lernen. Selbstbestimmt tätig werden zu können, ist für Menschen mit Behinderungen wichtig.

Der unkomplizierte Zugang zu Informationen ist für uns alle essentiell und sorgt für eine schnelle Entwicklung unserer Gesellschaft. Wie schön, den exzellenten Artikel zum Kinderlied Drei Chinesen mit dem Kontrabass in Sekundenschnelle abrufen zu können, ohne erst eine Enzyklopädie in der Bibliothek ausleihen zu müssen. Noch erfreuter ist darüber meine blinde Freundin, die sich das Einscannen des Textes aus dem Buch sparen kann und keine sehende Hilfe benötigt. Enttäuscht ist dagegen mein gehörloser Bekannter, weil er kein Gebärdensprachvideo zu dem Artikel anschauen kann.

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Wer macht kollaborative Mitmach-Websites barrierefrei?

Ganz wikimäßig stiegen wir am gestrigen Dienstag in den Workshop „Der Beitrag der Nutzer zur Barrierefreiheit“ ein. Die Aktion Mensch veranstaltete die Tagung „Konzepte und Zukunftsbilder für ein barrierefreies Internet“ und hatte Experten und Webworker eingeladen, über Barrierefreiheit im so genannten Web 2.0 zu diskutieren. Als Vertreterin von Wikimedia e.V. durfte ich den o.g. Workshop mit drei Experten moderieren. Das waren Michael Jendryschik als Webentwickler, Nicole Weißkopf vom deafhood blog bei chip.de und Maria aka Benutzer:lecartia als Vertreterin des BIENE-Projekts in Wikipedia. Weiterlesen »

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