Happy Birthday Wikidata
Wikidata wird 14 – und schafft neue Wege für Freies Wissen
Zarah Ziadi
29. Oktober 2026
2012: Ein neuer Stern am Wikimedia-Himmel
Die Idee hinter Wikidata entstand aus dem Wunsch, Informationen aus Wikipedia nicht nur für Menschen lesbar, sondern auch für Maschinen nutzbar zu machen. So könnte das Wissen aus der Online-Enzyklopädie noch stärker weiterverwendet werden. Schon bei der Wikimania 2005 in Frankfurt diskutierten Denny Vrandečić und Markus Krötzsch (beide Informatiker & Mitbegründer von Wikidata) über die Idee einer freien Wissensdatenbank. 2012 wurde sie schließlich Wirklichkeit: Wikimedia Deutschland startete das Projekt mit einem Team von zwölf Menschen. Am 29. Oktober 2012 ging Wikidata online.
Seitdem ist viel passiert. Aus dem ambitionierten Projekt ist ein internationaler multilingualer Wissensgraph geworden, der mit über 123 Millionen Einträgen Informationen aus unterschiedlichsten Bereichen miteinander verknüpft und frei zugänglich macht.
Ein Wissensgraph, der die Welt verbindet
Wikidata sammelt nicht einfach nur Fakten. Die Informationen sind strukturiert und miteinander verknüpft. So lässt sich beispielsweise für Maschinen nicht nur festhalten, wie viele Menschen in Berlin leben, sondern auch, zu welchem Land die Stadt gehört, welche geografischen Eigenschaften sie hat oder mit welchen anderen Orten sie verbunden ist.
Alle Daten stehen unter der freien Lizenz CC0 und können damit von Menschen, Organisationen und technischen Anwendungen genutzt und weiterverarbeitet werden. Mittlerweile umfasst Wikidata mehr als 123 Millionen Dateneinträge. Die Daten kommen unter anderem in Wikimedia-Projekten, in der Forschung sowie in Reise-Apps, digitalen Diensten und Spielen zum Einsatz. Auch lexikografische Daten, etwa zu Wörtern und ihren Bedeutungen, gehören zum Wikidata-Universum.
Möglich wird das durch eine weltweite Community, die Informationen ergänzt, überprüft und miteinander verknüpft. Dabei geht es auch darum, Wissen aus unterrepräsentierten Regionen, Sprachen und Gemeinschaften sichtbarer zu machen. Denn ein freier Wissensgraph kann nur dann ein möglichst vielfältiges Bild der Welt vermitteln, wenn viele unterschiedliche Perspektiven darin Platz finden.
Ein wachsendes Ökosystem für Freies Wissen
Wikidata ist Teil einer größeren Idee: Wissen soll nicht nur offen zugänglich sein, sondern auch von unterschiedlichen Communitys aufgebaut, gepflegt und für vielfältige Zwecke genutzt werden können.
Hier kommt Wikibase ins Spiel. Die freie Software, auf der auch Wikidata basiert, ermöglicht es anderen Communitys, Forschungseinrichtungen und Institutionen, eigene strukturierte Wissenssammlungen aufzubauen. Diese können auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten sein und dazu beitragen, Wissen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zugänglich zu machen. Dieses Wissen ist dann wiederum untereinander und mit Wikidata verknüpfbar – über das Prinzip von Linked Open Data (Verlinkte offene Daten). So wächst ein Ökosystem aus freien, verlässlichen Wissensbeständen – über Wikidata selbst hinaus.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie dieses Wissen auch in neuen technischen Anwendungen sinnvoll genutzt werden kann. Das Wikidata Embedding Projekt ist eine erste Antwort, die Wikimedia Deutschland darauf gibt: Es macht Wikidata-Daten für generative KI besser nutzbar, indem es sie als Vektoren übersetzt und so semantische Zusammenhänge zwischen Informationen abbildet. Dadurch können generative KI-Anwendungen relevantes Wissen gezielter finden und in ihre Antworten einbeziehen.
Das ist auch im Zusammenhang mit der Entwicklung verantwortungsvoller und inklusiver KI wichtig. Offene, strukturierte Wissensbestände können dazu beitragen, dass KI-Systeme auf verlässliche Informationen zugreifen und auch Wissen aus weniger repräsentierten Sprachen und Bereichen besser berücksichtigen können. Sie sind zwar keine Garantie für fehlerfreie KI-Antworten, bilden aber eine wertvolle Grundlage für deren Weiterentwicklung.
Wikidata ist jetzt mobil
Eine der Geburtstagsneuigkeiten macht es jetzt einfacher, selbst zu Wikidata beizutragen: Seit Mitte Oktober 2026 können Aussagen zu Einträgen auch über die mobile Weboberfläche bearbeitet werden. Nach einer Beta-Phase ist die Funktion nun breiter verfügbar.
Damit wird die Mitarbeit flexibler und zugänglicher – insbesondere für Menschen aus Regionen, die keinen regelmäßigen Zugang zu einem Computer haben. Zu den unterstützten Datentypen gehören beispielsweise Datumsangaben und musikalische Notation.
Wichtig dabei: Die neue Funktion ist Teil der mobilen Website von Wikidata. Eine offizielle Wikidata-App gibt es noch nicht. Trotzdem ist es ein wichtiger Schritt, um noch mehr Menschen die Mitarbeit am freien Wissensgraphen zu ermöglichen.
Wikidata wird als digitales öffentliches Gut für KI anerkannt
Die Digital Public Goods Alliance (DPGA) hat Wikidata bereits 2025 als digitales öffentliches Gut anerkannt. Nun ist Wikidata auch in der Sammlung Digital Public Goods for AI (DPG4AI) vertreten.
Die Sammlung stellt digitale öffentliche Güter in den Mittelpunkt, die zur Entwicklung verantwortungsvoller und gerechter KI beitragen können. Gerade in Regionen mit begrenzten Ressourcen sowie für weniger repräsentierte Sprachen und Wissensbereiche sind offene Daten und digitale Werkzeuge besonders wichtig.
Die neue Anerkennung von Wikidata unterstreicht, welches Potenzial frei zugängliche, strukturierte Wissensbestände für die KI-Entwicklung haben. Sie knüpft zugleich an die Idee an, Wissen nicht hinter geschlossenen Systemen zu verschließen, sondern es möglichst vielen Menschen und Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Die Aufnahme in den DPG4AI-Katalog erleichtert es zudem Forschenden, Entwickler*innen und öffentlichen Institutionen, Wikidata als offene Wissensressource für eine gemeinwohlorientierte KI-Entwicklung zu entdecken und zu nutzen.
14 Jahre Wikidata – und noch viele Möglichkeiten
Von der Idee, Wikipedia maschinenlesbar zu machen, zu einem weltweiten Wissensgraphen und einem wachsenden Ökosystem: Wikidata entwickelt sich stetig weiter. Mit Wikibase können neue wertvolle Wissenssammlungen entstehen, und Projekte wie das Wikidata Embedding Projekt zeigen, wie sich dieses Wissen auch für neue Technologien erschließen lässt. Die mobile Bearbeitung und die Aufnahme in die DPG4AI-Sammlung machen zugleich deutlich, wie wichtig Zugänglichkeit und offene Wissensgrundlagen für die Zukunft bleiben.
Denn egal, wohin sich die Technologie entwickelt: Gutes, verlässliches Wissen muss frei zugänglich bleiben. Damit Menschen es teilen, weiterentwickeln und für ihre eigenen Ideen nutzen können. Dafür steht Wikidata seit 14 Jahren.