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Was ist die WikiCon?

Seit 2011 ist die WikiCon der wichtigste Treffpunkt für Menschen, die sich in der deutschsprachigen Wikipedia und ihren Schwesterprojekten engagieren. Mitte September kamen insgesamt 413 Ehrenamtliche in Regensburg und online zusammen, um gemeinsam über aktuelle Themen und Herausforderungen zu diskutieren.

Die Zeiten ändern sich, wir halten zusammen

Mehr als 70 Programmpunkte gab es auf der diesjährigen WikiCon. Den Auftakt machte eine Podiumsdiskussion, in der es gleich um die ganz großen Fragen ging: Welche Rolle spielen freie Wissensprojekte für eine offene und resiliente Demokratie? Und welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich für freiwilliges Engagement im digitalen Raum?

Mit auf dem Podium war Lutz Möller, der stellvertretende Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission. Er wies darauf hin, dass bereits ein Antrag, die Wikipedia als Weltkulturerbe anzuerkennen, vorliege. Mit einer solchen Anerkennung wären Staaten verpflichtet, die Wikipedia als Weltkulturerbe besonders zu schützen. Interessant war in dem Zusammenhang auch die Perspektive Greta Tauberts auf digitales Ehrenamt. Die Autorin fragt in ihren Werken, unter anderem „Im Club der Zeitmillionäre“, ob ein anderer Umgang mit Zeit die Gesellschaft verändern kann. Klar passt das mit ehrenamtlichem Engagement zusammen. Denn wer hat überhaupt Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren und wie können  Bedingungen verbessert werden, damit es mehr Menschen möglich wird, sich die Zeit zu nehmen?

Im weiteren Verlauf der WikiCon waren vor allem ganz praktische Herausforderungen des wikipedianischen Alltags Thema: Denn der Fortbestand eines ehrenamtlichen Projekts hängt davon ab, ob Menschen ihre ehrenamtlichen Aufgaben gut erledigen können. Deshalb ging es ebenso um Herausforderungen in der Adminarbeit oder um die dringendsten Probleme bei der technischen Bedienbarkeit von Wikimedia Commons.

Handlungsfähig bleiben heißt weitermachen

Neben vielen technischen und prozessualen Fragen wurden auch neue Projekte vorgestellt und Mitstreiter*innen gesucht. Zum Beispiel das Projekt „Jüdische Frauen im Widerstand“. Es macht Frauen sichtbar, deren Geschichten und Beiträge zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus in der öffentlichen Erinnerung lange weniger Aufmerksamkeit erhalten haben.

Mitinitiatorin ist die Wikipedia-Autorin Katsumo. Ihrem Eindruck nach sind die Themen „Jüdischer Widerstand“ und „Jüdische Frauen im Widerstand“ auch in der Wikipedia noch weitgehend unbekannt. Auf der WikiCon haben sich neue Ehrenamtliche gefunden, die ab sofort an Artikeln mitarbeiten wollen. Bis heute hat das Projekt bereits 73 Artikel verfasst, 230 Biografien gesammelt und mehr als 150 Rotlinks (fehlende Artikel) zusammengestellt.

Ein anderes Beispiel ist das WikiProjekt Queer. Im Input beschreiben die Wikipedianer*innen Schleppkönig und Shiksheiku, wie sie beim Aufbau des Projekts vorgingen. Ziel ist es, jeden Monat Inhalte zu queeren Themen der Wikipedia hinzuzufügen, aber auch ein Netzwerk aufzubauen und neue Mitwirkende zu gewinnen.

Auch die Arbeit mit Wikidata kann gesellschaftlich relevante Lücken sichtbar machen. So beschäftigen sich Ehrenamtliche mit der Erfassung von Stolpersteinen in Wikidata. Daten zu den Gedenksteinen werden systematisch erfasst und miteinander verknüpft. Besonders interessant: die Bedeutung der Verknüpfung von Wikidata, Wikimedia Commons und Wikipedia. Auch erhoffen sich die Referierenden neue Mitmachende zu gewinnen und auch extern Engagierte in Vereine etc. dazu zu bringen, die Daten für ihre Arbeit zu nutzen und zu pflegen.

Diese Projekte zeigen: Wikipedia kann Leerstellen sichtbar machen, marginalisierte Perspektiven stärken, Erinnerung bewahren und so mitgestalten, was wir als Gesellschaft wissen wollen.

Menschen, die die Wikipedia stark machen

Ein Höhepunkt der WikiCon war die Verleihung der Wiki-Eulen. 13 engagierte Ehrenamtliche wurden für ihren besonderen Einsatz ausgezeichnet.

Gewürdigt wird dabei oft gerade das, was von außen leicht übersehen wird: kleinteilige Arbeit, Liebe zum Detail, jahrelanges Dranbleiben oder großes organisatorisches Geschick. Die Geehrten stehen damit stellvertretend für die gesamte Wikipedia-Community, der die Wikipedia ihren Erfolg verdankt.

Das Außen und das Innen

Natürlich wurde auf der WikiCon auch über den Rückgang der Lesendenzahlen gesprochen. Die Meinungen darüber, was daraus folgen sollte, gehen auseinander. Braucht Wikipedia neue Wege, um für Menschen auf der Suche nach Wissen relevant zu bleiben? Oder ist es eben nicht im Sinne einer Enzyklopädie, jede Form der Wissenssuche zu bedienen? Dass sich alle einigen werden, scheint unwahrscheinlich. Im Vordergrund steht daher vor allem erstmal, die Grundlagen zu erhalten, die Wikipedia überhaupt möglich und widerstandsfähig machen: funktionierende Strukturen, engagierte Menschen, gute technische Werkzeuge, verlässliche Prozesse und eine Kultur des gemeinsamen Aushandelns. Resilienz bedeutet, sich verändern zu können, ohne die eigenen Grundlagen aufzugeben.

Das WikiCon-Orga-Team fasste es nach dem Wochenende so zusammen: Es waren drei Tage voller Begegnungen, Gespräche, Ideen, Lachen und ganz viel Wiki-Liebe. Bei so einem Resumee entsteht der Eindruck, die Community sei gut vorbereitet auf vieles, was noch kommen mag. In diesem Sinne: Bis nächstes Jahr in Göttingen.

Der Wikipedia-Bus in Regensburg

Natürlich durfte auch der Wikipedia-Bus in Regensburg nicht fehlen! Am Eröffnungstag der WikiCon machte der Bus auf dem Neupfarrplatz Halt. Zahlreiche Regensburger*innen nutzten die Gelegenheit, sich vor Ort über die Wikipedia, das Mitmachen und die Unterstützung durch Wikimedia Deutschland zu informieren. Es gab wieder viele interessierte Gespräche mit den Ehrenamtlichen und erste Tipps zum Mitmachen beim Live-Editieren am Bus.

 

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Zum 25. Geburtstag der Wikipedia ist ist der Wikipedia-Bus in Deutschland und Österreich unterwegs. Dieses Tourvideo nimmt Sie mit auf seine Reise.

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