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Krumm war gestern – Ein Dankeschön vor Artikel 1.500.000

Foto: Dezidor, CC-BY 3.0 (via Wikimedia Commons)

Wie viel sind 1.500.000 Millionen? Was schon schwer vorstellbar bei Äpfeln oder Birnen ist, wird bei enzyklopädischen Artikeln eine hoffnungslose Denkaufgabe. Vielleicht hilft dies: Die deutschsprachige Wikipedia erreicht an diesem Wochenende den Meilenstein von 1.500.000 Artikeln. Wenn man für jeden einzelnen davon nur ein einziges Mal laut „Danke!“ rufen würde, dann, nun ja… würde das lange dauern. Keine Stimme könnte das. So viel sind 1,5 Millionen.

Dann wenigstens aufschreiben: Danke!

Es hat viele tausend ehrenamtliche Helfer über 11 Jahre Zeit und Energie gekostet, diese Marke zu erreichen. Wobei es ihnen natürlich nicht um diesen oder alle anderen Meilensteine gegangen sein dürfte. Für die meisten Wikipedia-Helfer zählt der nächste Artikel mehr als der letzte. Das gilt für jede Ergänzung, jede Verbesserung oder Korrektur, für jedes neue Foto oder jeden neuen Literaturbeleg. Das ist sozusagen die Quadratur dieser 1.500.000: Es ist eine Sache, so viele Artikel zu schreiben. Eine ganz andere ist es, diese riesige Wissenssammlung auszubauen und zu pflegen.

Deshalb gehört dieser Meilenstein lauthals gewürdigt. Er ist nicht einfach eine weitere Etappe vom prestigeträchtigen millionsten Artikel hin zur Zwei-Millionen-Marke. Krummes Jubiläum? Keineswegs. Eine halbe Million neuer Artikel ist keine Randnotiz. Es hat über fünf Jahre gedauert, bis 2006 die ersten 500.000 Wikipedia-Artikel in deutscher Sprache gefeiert werden konnten.

Und wo es schon um Statistik geht: Alle drei Meilensteine im Halbmillionentakt wurden während der jährlichen Spendenkampagne erreicht. Ein Zufall, aber auch unter Zufällen gibt es Gemeinsamkeiten. Millionen Leser nutzen heute Wikipedia, weil Ehrenamtliche ihr Wissen für das Projekt gespendet und viel dafür getan haben, die Qualität der Enzyklopädie über Jahre zu verbessern. Nur deshalb gibt es Millionen Leser. Wer nutzt schlechte Angebote schon freiwillig ein zweites Mal? Leser, die nicht aktiv zu Artikeln beitragen, spenden finanzielle Unterstützung statt Wissen. Damit sind sie auch Teil all Jener, die die Idee des Freien Wissens fördern und verbreiten.

Doppelt hält besser:

Danke!

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Die Spendenkampagne startet.

Foto: Lane Hartwell, CC-BY-SA 3.0

Für viele ist der November einfach nur kalt und grau: Nicht für uns! Jetzt beginnt die heißeste Phase im Jahr. Bereits seit Wochen haben wir im Fundraising auf Hochtouren gearbeitet und nun ist es endlich soweit: Heute beginnt die Spendenkampagne 2012, zu der wir auch eine Pressemitteilung veröffentlicht haben.

Für mehrere Wochen werden wir auf den Wikimedia-Projekten mit persönlichen Aufrufen auf die Notwendigkeit von Spenden hinweisen.

In Vorbereitung der diesjährigen Kampagne haben wir wieder umfangreiche Tests zum Erfolg verschiedener Banner durchgeführt. Die Kombination aus Fakten-Banner und dem Aufruf von Wikipedia-Gründer Jimmy-Wales schnitt am besten ab und bildet den Auftakt der Kampagne. Grundlegend neu ist: Wenn man das Banner anklickt, öffnet es sich elegant, so dass man direkt auf Wikipedia den persönlichen Aufruf lesen kann. Man kann sagen, dass wir näher dran am Leser sind. Keine Überraschung dagegen ist die Farbe des Banners: Grün.

Was wir bereits im letzten Jahr mit Aufrufen verschiedener Menschen begannen, wird dieses Jahr noch präsenter sein: Im Verlauf der Kampagne werden wir ganz unterschiedliche Gesichter und Geschichten der Wikimedia-Communitys schalten. Damit zeigen wir die Vielfalt der Freiwilligen, Leser und Spender mit ihren individuellen Perspektiven auf die größte Enzyklopädie der Welt und unterschiedlichen Motivationen, Freies Wissen zu unterstützen. Freut euch auf spannende Geschichten.

Dass Millionen von Menschen täglich Wikimedia-Projekte nutzen, wissen wir. Warum sie aber spenden und was ihnen Wikipedia bedeutet, erfahren wir durch die Kommentare auf unserem Spendenticker.

Weitere Informationen und aktuelle Berichte veröffentlichen wir wie gewohnt auf unserer Portalseite. Auch in der kommenden Ausgabe unserer Vereinszeitung Wikimedium (erscheint am 24.11.2012) berichten wir über den Fundraiser 2012, unter anderem am Beispiel des Spendenaufrufs von Wikipedia-Fotograf Gerd Seidel.

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Sexismus in der Wikipedia: Einladung zur IRC Office-Hour

Eine heftige und trotz aller Emotionen doch in vielen Punkten konstruktive Diskussion hat sich aus den Blogbeiträgen (Zur Sexismus-Debatte in der Wikipedia und Gastbeitrag der femgeeks: Die deutsche Wikipedia unter der Lupe) ergeben, die wir in den letzten Wochen zum Themenkreis “Frauen in der Wikipedia” publiziert haben. Über 200 Kommentare trafen dazu ein, eine Rekordbeteiligung in unserem Blog.

Besonders interessant wurde es dabei immer dann, wenn in der Diskussion grundsätzliche Fragen angesprochen wurden – wie die Strukturhindernisse für bisher unterrepräsentierte Gruppen in der Wikipedia. Um uns diesem Punkt konzentrierter und intensiver widmen zu können, laden wir alle Interessierten herzlich zu einer sogenannten „Office Hour“ via IRC ein.

90 Minuten lang möchten wir mit Euch live und direkt per Chat über diese Fragen sprechen. Wir haben Wikipedianerinnen eingeladen, die von ihren Erfahrungen erzählen und wünschen uns eine interessante und ergiebige Diskussion.

Die IRC Office Hour findet am kommenden Mittwoch, den 12.09.2012 ab 18 Uhr statt.

IRC? Zur Teilnahme habt Ihr zwei Möglichkeiten:

Am einfachsten ist der Zugang über http://webchat.freenode.net/?channels=wikimedia-de. Dort gebt Ihr einfach einen selbst gewählten Benutzernamen und das Captcha ein.

Wer einen eigenen IRC-Client besitzt, kann sich damit über Freenode (irc.freenode.org) am Chat #wikimedia-de beteiligen. Wir freuen uns auf zahlreiches Erscheinen und eine respektvolle, konstruktive Diskussion.

Ihr könnt gerne Themenwünsche oder andere Anregungen in den Kommentaren äußern.

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Gastbeitrag der femgeeks: Die deutsche Wikipedia unter der Lupe

Wie im letzten Beitrag Zur Sexismus-Debatte in der Wikipedia angekündigt, haben wir das Gemeinschaftsblog femgeeks, das sich bereits frühzeitig zu Wort gemeldet hat, um eine kritische Analyse der Situation gebeten. Wir danken ihnen herzlich für den ausführlichen Beitrag und die Möglichkeit, ihn auch hier bei uns zu veröffentlichen. Zum besseren Verständnis mancher Begriffe oder Zeichen verweisen wir auf das femgeeks-Glossar.

Och Mensch Finchen, kleines Knuddelchen. 10 Stunden am Tag Artikel  korrigiert, gegen den allmächtigen Patriarchalismus angekämpft und am Ende doch verloren? Nimms positiv, jetzt hast Du viel mehr Zeit für die schönen Dinge des Lebens: Kochen, Abwaschen, Putzen, Schuhe kaufen und für den Partner da sein. Schreib doch mal bei Stupidedia, die brauchen Dich da ganz dolle und da kannst Du auch mit wenig Zeiteinsatz wirklich noch was bewirken. Auf dass Pi endlich kleiner als 3 wird, das ist nämlich mysogyn und faschistisch!

Das ist nur einer von vielen ähnlichen Kommentaren, mit denen in der Wikipedia-Community auf Fiona Baines Ankündigung reagiert wurde, ihre Arbeit für die deutsche Wikipedia niederzulegen.

Inhaltsübersicht

  1. Einleitung
  2. Rückblick
  3. Reaktion der deutschen Wikimedia
  4. Ist-Analyse
    1. Frauenanteil in der Wikipedia
    2. Weitere relevante Ergebnisse aus den Studien
    3. Teilhabestrukturen
    4. Allgemeiner Umgang mit neuen Autor_innen
    5. Umgang mit neuen weiblichen* Autorin_nen
    6. Umgang mit aktiven Frauen*
    7. Was ist schon legitimes Wissen?
    8. Warum trotzdem Wikipedia?
  5. Vorschläge für die Zukunft
    1. Solidarität
    2. Sanktionen
    3. Netiquette/Regelwerk
    4. Beobachten
    5. Öffentlichkeit
    6. Awareness-Team/Krisenteam/Diskriminierungsbeauftragte
    7. Schulungen/Workshops
    8. Aufhebung der Plicht zum generischen Maskulinum
    9. Überdenken von Relevanz
    10. Bewusstsein

Einleitung

Dass Wissensproduktion ein umkämpftes Terrain ist und dieser Fakt in der deutschen Wikipedia deutlich sichtbar ist, schrieb Charlott in ihrem Artikel “Wessen Wissen in der Wikipedia?“.  Fiona Baines Artikeln und Beiträgen (aber auch denen anderer feministisch verorteter Autor_innen) wurde die Validität abgesprochen, eine entbrannte Diskussion mündete in öffentlichen Schikanen, sexistischen Angriffen und Cyber-Mobbing.

Inzwischen hat das Thema weitere Kreise gezogen und nun ist bekannt, dass Fiona Baine  nicht mehr willens war, die Schikanen zu ertragen und sich endgültig sperren ließ.

Die Maskulisten-Szene feiert inzwischen sich und ihren “Erfolg”, ist aber offensichtlich nicht gewillt, die öffentlichen Diffamierungen von Fiona und anderen ihr gegenüber solidarischen Wikipedianer_innen zu unterlassen. Und: Es ist auch nicht das erste Mal, dass so etwas geschieht. In den Jahren 2005/2006 engagierte sich Barbara Mürdter bei der Wikipedia, auch sie wurde durch Maskulisten gemobbt und verließ letzten Endes im Winter 2006 Wikipedia. Sie betonte damals, die Wikipedia auch wegen der Admins zu verlassen, da diese die Angriffe gegen sie deckten.

Rückblick

Auf den geringen Frauenanteil von ca. 13% (weltweit) im Jahr 2010 reagierte Sue Gardner, Direktorin der Wikimedia Foundation, Anfang des Jahres 2011 mit dem erklärten Ziel, die Frauenbeteiligung bis zum Jahre 2015 auf 25% zu steigern. Der Gender Gap in der Wikipedia wurde insbesondere durch eine Studie der UNU-MERIT, einem Forschunsgzentrum der United Nations University, mit der die Wikimedia Foundation kollaborierte, transparent.

Natürlich würden mehr Frauen* nicht automatisch mehr feministisches Wissen und weniger Sexismus in der Wikipedia bedeuten. Doch die geringen Anteile von Frauen* sind mit Sicherheit auch nicht förderlich und machen Ausschlüsse einfacher.

Reaktion der deutschen Wikimedia

Glücklicherweise ist nun auch bei Wikimedia Deutschland, der Förderverein der deutschsprachigen Wikipedia 1, im deutschen Sektor der Wikimedia Foundation das Problem aufgegriffen worden und eine Bereitschaft erkennbar, anti-diskriminierende Strukturen und Hilfsangebote zu etablieren, die Autorinnen Anreize schaffen, in der Wikipedia zu partizipieren. Inzwischen wurde eine Mailingliste eingerichtet, die der stärkeren Vernetzung und einem intensiveren Austausch unter Frauen* dienen soll.

Erfreulich ist, dass unsere Redaktion eine Anfrage von Wikimedia mit der Bitte erhielt, die existierenden Strukturen in der deutschen Wikipedia einer kritischen Analyse zu unterziehen und Überlegungen zu treffen, wie die Problematik zu behandeln sein könnte. Zu dem Zeitpunkt hatten wir eh einen solchen Artikel geplant. Die Anfrage aber untermauerte und bekräftige die Motivation dafür und die Wichtigkeit der Thematik.

IST-Analyse

Frauenanteil in der Wikipedia

Neben der eingangs erwähnten Studie, aus der im Jahr 2010 ein Frauenanteil von knapp 13% hervorging, wurde im darauf folgenden Jahr eine weitere Untersuchung durchgeführt. Eine Steigerung des Frauenanteils wurde dieser zur Folge nicht erreicht. Ganz im Gegenteil war im Jahr 2011 ein Anteil von nur noch 8.5% Autorinnen zu verzeichnen.

Weitere relevante Ergebnisse aus den Studien

Weiterhin erwähnenswert ist, dass gemäß der Erhebung aus dem Jahr 2010 23% der Befragten (unabhängig vom Geschlecht) nicht bei Wikipedia partizipieren, weil sie “Angst davor haben, Fehler zu machen und deshalb Ärger zu bekommen” (“I am afraid of making a mistake and getting “in trouble” for it.”). In der Studie aus dem Jahr 2011 findet das Stichwort “Harassment” erstmals Erwähnung, ein Teil der partizipierenden Frauen* “fühlt sich belästigt” und empfindet die Community als eine “sexualisierte Umgebung”.

Teilhabestrukturen

Jede_r, der_die an der Entstehung von freiem Wissen mitwirken möchte, kann – prinzipiell – in der Wikipedia-Community mitmachen. Im Artikel Beteiligen heißt es u. a.

Sofern du Texte schreiben kannst, kannst auch du hier mitarbeiten. Du brauchst keine Hilfsmittel, die technischen Anforderungen sind minimal.

Es gibt ein Tutorial, in dem beispielsweise erklärt wird, wie Interessierte sich anmelden können, was sie beim Erstellen der Texte beachten sollten, wie neue Artikel angelegt und bestehende modifiziert werden können.

In dem Artikel Belege sind die Wikipedia-Grundsätze aufgeführt, die sicherstellen (sollen), dass die “Glaubwürdigkeit” der Wikipedia erhalten bleibt. Hilfe können Autor_innen oder solche, die es werden wollen, über Mentorenprogramme erhalten.

Doch wie sind die Strukturen, wenn Autor_innen angegriffen werden?
Eine offizielle Stelle für Diskriminierungen gibt es jedenfalls nichts. Eine erste Möglichkeit bei Angriffen gegen die eigene Person wäre eine Vandalismusmeldung . Falls sich die Probleme auf Diskussionen zu einem bestimmten Artikel beschränken, gibt es die Möglichkeit, eine „Dritte Meinung“ einzuholen. Auch das Ansprechen von Admins/Adminas ist eine Möglichkeit. Ganz am Ende bleibt das Schiedsgericht.

All diese Gremien und Möglichkeiten sind aber nicht besetzt durch Menschen, die besonders geschult sind im Umgang mit Diskriminierungen, viel eher sind sie auf Meinungsverschiedenheiten ausgelegt. Diskriminierungen sind aber keine verschiedenen Meinungen und erfordern oftmals eine bestimmte Sensibilisierung um sie zu erkennen.

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Zur Sexismus-Debatte in der Wikipedia

Wikimedia Deutschland hat sich explizit zum Ziel gesetzt, dass sich vielerlei Interessierte an Projekten des Freien Wissens einbringen und zu ihrer Weiterentwicklung beitragen können. Die Erhöhung des Anteils von Autorinnen ist uns hierbei besonders wichtig.

Mit großem Erschrecken haben wir in den vergangenen Wochen den Verlauf einer koordinierten aggressiven Kampagne inner- und außerhalb der Wikipedia verfolgt, die in sexistischen Beschimpfungen und Demütigungen gipfelte. Gefördert durch Teilnahmslosigkeit und fehlende Solidarität führte diese Kampagne zur Vergrämung von Benutzerinnen in der Wikipedia. Das ist beschämend.

Wir wissen, dass für die Wikipedia-Community trotz aller Härten in Sachfragen eine angstfreie und respektvolle Zusammenarbeit in der Erstellung Freien Wissens und das Selbstverständnis als Gemeinschaftsprojekt essentiell sind. Kampagnen wie diese aber schaden dem Klima der ganzen Wikipedia. Daher bitten wir alle Wikipedianer und Wikipedianerinnen, die Betroffenen aktiv zu unterstützen, Ihnen ihre Solidarität auszusprechen und sich gegen den Versuch zu stellen, Wikipedia durch Kampagnen zu manipulieren.

Um nachvollziehbarer zu machen, auf welche grundsätzlichen Probleme Frauen bei ihrer Mitarbeit in der Wikipedia stoßen, werden wir in der kommenden Zeit mehrere Gastbeiträge zu dem Thema veröffentlichen. Wir haben eine Mailingliste zur konstruktiven Diskussion des Themas eingerichtet und laden alle Interessierten herzlich zu Austausch und Vernetzung ein: https://listen.jpberlin.de/mailman/listinfo/gendergap

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Warum in Wikipedia mitmachen? Videointerviews vom WikiWomenCamp

Gastbeitrag von Nathalie Köpff

Nathalie Köpff war Stipendiatin des WikiWomenCamps und wird bald im Referentennetzwerk tätig sein.

 

Frauen in der Wikipedia… davon gibt es vergleichsweise wenige. Um sich darüber auszutauschen und erste Gründe herauszufinden, warum Frauen Zeit und Mühe in Wikipedia stecken, und warum eben nicht, trafen sich bereits Mitte Mai Frauen aus aller Welt in Buenos Aires zum WikiWomenCamp. Auf dem ersten WikiWomenCamp wurden die Ursachen der geringen weiblichen Beteiligung besprochen und erste Ansätze für Aktionen diskutiert. Wer mehr darüber erfahren möchte, – es gibt einen Bericht über das Camp der WikiWomen.

17 Frauen aus elf Ländern nahmen hieran teil, so gab es auch die Gelegenheit, sie nach ihrer persönlichen Wikipedia-Geschichte zu fragen. Wie kamen diese Frauen zur Wikipedia, wie sehen diese engagierten Frauen das Projekt und was motiviert sie, sich in der Wikipedia zu beteiligen. Die Videos könnt Ihr über die folgenden Links ansehen.

Vielen Dank an alle Interviewten. Es hat sehr viel Spaß gemacht, das Gespräch mit Euch zu führen.

Nathalie Köpff

 

Beatriz Busaniche Beatriz Busaniche unterstützt Wikimedia Argentinia und half das WikiWomenCamp zu organisieren. Sie ist Professorin an der Universität in Buenos Aires und ist in der Freien-Software Community sehr aktiv. Sie hat noch nie darüber nachgedacht, was sie an der Stange hält, aber auf jeden Fall ist ein wichtiger Punkt, dass normale Leute großartige Dinge tun. Du und ich, „You are part of something big.“

Siska Doviana Siska Doviana aus Indonesien ist Mitbegründerin von Wikimedia Indonesien und  sieht unter anderem einen persönlichen Vorteil:  „I don’t want my writing to be wasted.“

Charlene Foster Charlene Foster kommt  aus Südafrika und ist eine der Direktoren der Wikimedia Südafrika. Dazu engagiert sie sich in vielen Sozialprojekten. Wikipedia bedeutet für sie: „Bringing people together in terms of dicussing environment, students and education.“

Sue Gardner: Die gebürtige Kanadierin ist Exekutive Director der Wikimedia Foundation. Sie sieht die große Bedeutung der Wikipedia auch in einer Art Bildungsauftrag. Sie selbst bleibt dabei, denn „it feeds my curiosity“.

Laura Hale Die nach Australien ausgewanderte US-Amerikanerin ist VizePräsidentin der Wikimedia Australien und hat das WikiWomenCamp mit iniitiert: Wikipedia gives the chance to „develop professional type experiences“ and it is a „great way to show how people do certain things.“

Netha Hussain Die Medizinstudentin ist vor allem in der indischen Wikipedia aktiv und schätzt den Zusammenhalt und die Möglichkeiten durch die Community sehr: „I got to know a lot of people just because of being a Wikipedian.“

Kounila Keo Kounila Keo ist eine junge Journalistin aus Kambodscha. Aus einem Land kommend, in dem freie Meinung und Wissen nicht selbstverständlich sind, sagt sie: „Access to information is the most rewarding element of our lives.“

Anastasia Lvova Anastasia Lvova aus Russland sieht die persönliche Entwicklung durch das Schreiben in der Wikipedia als eine Bereicherung: „Wikipedia gives people not only information but skills.“

María Sefidari María Sefidari ist Mitbegründerin der Wikimedia Espana. Sie schreibt sehr viel in der Wikipedia und selbst wenn es nur Kleinigkeiten sind, aber spätestens, wenn sich jemand bei ihr für einen ihrer Beiträge bedankt, merkt sie: „Maybe it’s important to someone somewhere in the world.“

 

 

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Gib Lesern eine Stimme – Artikel-Feedback in neuem Gewand

Ein Blogbeitrag von Angelika Adam und Denis Barthel.

Ein Nachhall von der Wikimania: Dort stellte Fabrice Florin, Entwickler der Wikimedia Foundation, am zweiten Tag in einem Vortrag mit dem Titel Giving Readers a Voice: Lessons from Article Feedback v5 die Version 5 des Article Feedback Tools vor.  Zugleich präsentierte er Untersuchungsergebnisse zur Frage, wie das AFT (die Abkürzung sei erlaubt) sich eigentlich im praktischen Einsatz bewährt.

Eine doppelt interessante Fragestellung, insbesondere für deutschsprachige Wikipedianer. Wem dies alles nichts sagt (ist ja auch schon lang her): das AFT ist ein Werkzeug in der Tradition eines Tools, das 2008 in der deutschen Wikipedia live geschaltet wurde. Anhand eines schulnotenartigen Schemas sollte damals Lesern die Möglichkeit gegeben werden, einzelne Merkmale der Artikel zu beurteilen. Die deutschsprachige Community äußerte damals in einem Meinungsbild nicht zuletzt starke Zweifel an der Zweckmäßigkeit solcher Beurteilungen und setzte die Abschaltung dieses Tools durch.

Das war auch ein klares Signal gegen das Article Feedback Tool, da es ebenfalls die schematisierte Beurteilung der Qualität eines Wikipedia-Artikel erlaubte und daher in der deutschen Wikipedia nie zum Einsatz kam. In der englischen Wikipedia wurde die Version 4 im Juli 2011 vollständig eingebunden, Leser konnten seither dort die Artikel bewerten, indem sie für vier verschiedene Parameter jeweils 1 (besonders schlecht) bis 5 (besonders gut) Sterne vergaben. Die Parameter waren

  • Trustworthy – Ist dieser Artikel und seine enthaltenen Quellen vertrauenswürdig?
  • Objective – Ist der Artikel ausgewogen und umfassend formuliert?
  • Complete – Beinhaltet dieser Artikel die wichtigsten Informationen zu diesem Thema?
  • Well-Written – Ist der Artikel gut strukturiert und geschieben?

Die von Fabrice und seinem Team vorgenommenen Untersuchungen zu den Auswirkungen dieser Methode bestätigten die damaligen Befürchtungen der deutschen Wikipedianer: die Bewertungen wurden selten wirklich objektiv vorgenommen, vielmehr beurteilten Leser, ob sie das Thema oder den Hauptautoren mögen oder eben auch nicht. Und so zogen die Entwickler für die neue Version 5 die entsprechenden Konsequenzen. Diese neue Version arbeitet nicht mehr mit der Sternevergabe, sondern gibt den Lesern die Möglichkeit zusätzlich zu einer Einschätzung als positiv, neutral oder negativ einen Kommentar zu schreiben.

Diese direkte Möglichkeit zum Feedback ist offensichtlich zugänglicher als die Diskussionsseite. Zugleich bietet sie weitere Funktionen. So ist es möglich, vorherige Feedbacks zum Artikel zu bewerten, um sie zu priorisieren. Am meisten zeigt sich der Wert des Tools aber darin, dass es die Leser deutlich mehr zum eigenständigen Editieren ermuntert, so die Studien des Teams um Fabrice Florin.

In diesem kleinen, englischsprachigen Video kann man sich die Funktionalität des AFT kurz zusammen gefasst ansehen. Derzeit ist die Version in etwa 3% der englischen WP eingebunden, wer das Ganze einmal praktisch sehen möchte, kann es z.B. am Artikel zu Barack Obama probieren. Bis Ende Juli sollen 10% der englischen Wikipedia eingebunden sein und Ende September die gesamte englische Wikipedia. Ob die deutschsprachige Wikipedia das AFT einführt, obliegt der Community. Die bisher beanstandeten Fehler jedenfalls sind erfreulicherweise durch die neue Version gegenstandslos geworden.

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Nachlese: Workshop mit Sarah Stierch in Berlin

Letzten Mittwoch fand in der Geschäftsstelle der Wikimedia Deutschland ein Workshop zum Thema „Gender Gap“ statt. Für mich persönlich war der Termin schwierig:  ein abendliches vierstündiges Seminar auf Englisch, mitten in der Woche, im 500 km entfernten Berlin zum äußerst komplexen und umstrittenen Thema des Gender Gaps in der Wikipedia. Meine Erwartungen hatte ich daher nicht besonders hoch gehängt. Doch ich sollte eines Besseren belehrt werden.

Die TeilnehmerInnen des Workshops setzten sich aus interessierten Community-Mitgliedern, MitarbeiterInnen der Geschäftsstelle, Präsidiumsmitgliederinnen und Sarah Stierch,Community Fellow der Wikimedia Foundation , zusammen. Alles in allem ca. fünfzehn Leute, die zugegebenermaßen mit fortschreitendem Abend weniger wurden, was aber der produktiven Stimmung des Workshops keinen Abbruch tat. Darüber hinaus unterstützte uns eine überaus kompetente Moderatorin, Anna Weber, die uns immer wieder „einfing“ und zum Thema zurückbrachte, nämlich der Frage, wie man mehr Wikipedia-Autorinnen gewinnen und halten kann.

Workshop in Berlin / Christoph Jackel cc-by-sa 3.0

Dazu wurden in einem Brainstorming zunächst mögliche Gründe für das Fernbleiben von Autorinnen gesammelt. Wie so häufig sind die an dieser Stelle genannten Probleme eine Mischung aus sozialen, kulturellen und technischen Hindernissen, die unterschiedliche Lösungsansätze erfordern. Manche Punkte ließen uns aufgrund ihrer Komplexität auch ein wenig hilflos zurück. Oder weiß jemand, wie man das Selbstwertgefühl von Frauen, das aufgrund ihrer Erziehung und Umgebung in bestimmten Bereichen über Jahre gering gehalten wurde, über Nacht steigern kann???

Sarah zeigte uns dann ihr eigenes, konkret „machbares“ Projekt: das Teahouse – eine Art Mentorenprogramm innerhalb der englischen Wikipedia, wo neue AutorInnen willkommen geheißen und mit ihren typischen Anfängerproblemen nicht alleine gelassen werden.

Danach ging es ans „Eingemachte“: wir sammelten alle möglichen Ideen zur Lösung des Gender Gaps und das waren eine ganze Menge! Anna dampfte diese kontinuierlich auf die Punkte zusammen, die uns am wichtigsten erschienen und eine Art Konsens darstellten. Am Ende blieben folgende Ideen auf der Stellwand stehen:

  • Direkte Ansprache:  Da sich viele Frauen scheuen, von sich aus die Initiative zu ergreifen und in der Wikipedia zu schreiben, sollte versucht werden Frauen direkt einzuladen. Und zwar speziell zu Themen, auf die sich diese spezialisiert haben und die in der Wikipedia fehlen. Das würde sowohl ein profundes Wissen bezüglich der Defizite in der Wikipedia als auch bezüglich der Arbeitsbereiche der jeweiligen Frauen erfordern, könnte aber extrem effektiv sein. Zudem sollten den Frauen verschiedene Wege von Engagement innerhalb der Wikipedia aufgezeigt werden.
  • Attraktivität und Nutzerfreundlichkeit der Software: Warum sind Frauen in Facebook aktiv, jedoch nicht im selben Maße in der Wikipedia? Das etwas altmodische Design und fehlende kommunikative Funktionen, die mittlerweile zu jeder modernen Webanwendung  gehören, lassen den Schluss zu, dass für viele die Wikipedia einfach nicht „sexy“  genug ist. Dies zu ändern wurde jedoch von fast allen als Mammutaufgabe identifiziert, die nicht auf die Schnelle gelöst werden kann.
  • Mehr Wertschätzung: Nicht nur weiblichen Autoren fehlt manchmal die positive Rückmeldung zu ihrem Engagement in der Wikipedia. Diese könnte z. B. durch die Vergabe von Preisen (weibliches Äquivalent zum Zedler-Preis), durch  Gamification-Elemente, individuelle „Editkonten“ oder ein simples „Danke sagen“ verkörpert werden.
  • Soziale Treffpunkte organisieren: Wer steckt hinter der Wikipedia? Es gibt keine bessere Möglichkeit, MitstreiterInnen zu finden und das Gefühl von Gemeinschaft zu erleben als auf „Real Life“-Treffen, Partys und anderen Orten des persönlicher Austauschs.
  • Steigerung der Sichtbarkeit/Verbreitung des Themas: Man kann nicht wirklich behaupten, dass das Thema des Gender Gaps momentan totgeschwiegen wird. Doch hat man ständig das Gefühl, dass sich die laufenden Diskussionen im Kreis drehen. Es fehlen hilfreiche Fakten zum Thema und auch qualitative Studien, warum Frauen schreiben, was ihre männlichen Co-Autoren dazu sagen, sind rar. Ziel ist es daher, einen nachhaltigen Erkenntnisprozess mit „Fortschittsbalken“ anzustoßen.
  • Interne Argumentation stärken:  Häufig gibt es die berechtigte interne Diskussion, warum es eigentlich angebracht ist, Ressourcen in die Steigerung des Frauenanteils zu stecken. Die verschiedenen Standpunkte sollten daher auf einer rationalen Basis einander nähergebracht und Verständnis für dieses Projekt generiert werden.
  • Entwicklung von Transwiki-Beziehungen: Da Frauen gerne im Team arbeiten, sollten interkulturelle Wikipedia-Freundschaften gefördert werden, in denen Erfahrungen, Tipps und Tricks ausgetauscht werden und an den jeweiligen Übersetzungen gearbeitet werden können.

Als wir am Ende vor den Ergebnissen unserer Arbeit standen, war das geplante Ende des Workshops schon weit überschritten, so dass wir leider keine Zeit mehr hatten, konkrete Projektpläne zu machen. Doch das werden wir als nächstes in Angriff nehmen. :-)

Fazit: Es waren die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Die Atmosphäre war unglaublich konstruktiv und trotz der relativ kurzen Zeit, die uns gegeben war, sind wir ein ganzes Stück weitergekommen. Ich hoffe, dass wir dieses Niveau auch in Zukunft halten können.

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Say Hello, Wave Goodbye ….

Seit Ende 2008 habe ich für Wikimedia Deutschland Bildungsaufgaben wahrgenommen. Dabei habe ich mich in den letzten eineinhalb Jahren mit meinen Kollegen im Team intensiv der Aufgabe gewidmet, aus isolierten Programmen und Strukturen wie “Wikipedia macht Schule” und “Silberwissen” einen eigenständigen, übergreifenden Bereich “Bildung & Wissen” zu formen. Das von uns gemeinsam entwickelte Bereichsmotto “Mitmachen!”, dass den Fokus der AutorInnengewinnung bei Wikimedia Deutschland zielgruppenoffener gestaltete, war eine wichtige Richtlinie dazu und führte zu einem intensiven und kontinuierlich produktiven Austausch insbesondere mit dem rund dreissigköpfigen Referentennetzwerk des Bereichs. Diese sehr erfüllende und schöne Aufgabe ist nun abgeschlossen, Zeit für etwas Neues.

In diesem Monat werde ich daher in den Bereich Freiwilligenförderung wechseln. Durch diesen Wechsel kann ich meine in den letzten Jahren im Bereich „Bildung & Wissen“ gesammelten Erfahrungen in einen Bereich mitbringen, der mir inhaltlich bereits wohlvertraut ist und sehr am Herzen liegt. Von Anfang meiner Tätigkeit bei Wikimedia Deutschland an haben mich Aufgaben zur Unterstützung der Communities und der Qualitätsförderung beschäftigt und in Programmen wie z.B. dem Literaturstipendium, dem Redaktionstreffen und dem Bilderschatz ihren Niederschlag gefunden. Bei meinen kommenden Aufgaben im alten/neuen Bereich möchte ich mich nun insbesondere auf die Optimierung von Strukturen und Prozessen in der Arbeit für und mit den Communities konzentrieren.

Eine besondere Erfahrung aus dem Bereich „Bildung & Wissen“, die ich mit einbringen möchte in meine neue Arbeit, sind dabei die vielen Stimmen von Lesern bzw. Menschen, die keine Wikipedianer sind. Indem diese Menschen bei zahlreichen Begegnungen mit mir ihre Sicht auf Wikipedia und Freies Wissen teilten und von der alltäglichen Bereicherung und Herausforderung berichteten, die Wikipedia für sie darstellte, veränderten Sie allmählich meine Perspektive auf die Wikipedia. Auch und gerade als Wikipedianer wurde es zum Privileg für mich, besser verstehen zu lernen, wo und warum unser aller Lieblingsprojekt gelegentlich nicht nur Begeisterung, sondern auch Stirnrunzeln, Ärger oder Hilflosigkeit auslöst bei jenen, für die es am Ende gedacht ist. So eröffnete sich mir etwas ganz Neues und ich möchte davon etwas weitergeben.

Für die unglaublich spannende und fantastisch produktive Zeit bei „B&W“ danke ich insbesondere Elly Köpf, sowie Elvira Schmidt, Cornelia Trefflich und Merle Wittich und natürlich insbesondere den Teilnehmern des Referentennetzwerks. Und ich freue mich sehr darauf, Teil eines neuen Teams aus Johannes Rohr, Julia Kloppenburg und Christoph Jackel zu werden.

Auf bald, wir lesen uns!

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Google stellt historische Infobox-Daten zur Verfügung

Guillermo Garrido (NLP Group, UNED, Spanien) und Enrique Alfonseca von Google Research Zürich, einem unserer Projektpartner im RENDER-Projekt, haben ein Datenset extrahiert, das alle Attribut-Wert-Paare von Infoboxen in der englischsprachigen Wikipedia-Artikeln seit 2003 enthält.

Das WHAD-Set (Wikipedia Historical Attribute Data) ist auf der Downloadseite im RENDER-Toolkit abrufbar. Das 5,5 GB große Datenset steht unter der Lizenz CC-BY-SA und ist als Trainingsdatenmenge für Forscher im Bereich überwachtes maschinelles Lernen besonders interessant.

Ausführlichere Informationen zum WHAD-Datenset finden sich auf Enrique Alfonsecas Webseite.

Wir freuen uns besonders auf Enriques Teilnahme an der Wikipedia Academy. Seine Arbeiten zum WHAD-Datenset stellt er am Samstag während der Paper Session III: Analyzing Wikipedia Article Data vor.

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