Posts Tagged ‘Wikidata’



Enriched publications und Wikidata: Ein Werkstattbericht

Logo Fellow-Programm, leomaria designbüro, CC BY-SA 4.0

Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag berichtet die Stipendiatin Adelheid Heftberger über ihr Projekt im Rahmen des Fellow-Programms und ihre Erfahrungen mit Open Science.

Der Einstieg

Nun saß ich also da, inmitten von schlauen Menschen, die alle sehr viel Ahnung von Open Science hatten. “Da” war das Kick-Off-Meeting des neuen Fellow-Programms “Freies Wissen”, das von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband ins Leben gerufen worden war. Viel war die Rede von Wissenskommunikation wie Blogs, Twitter etc., von Forschungsdaten, von selbst geschriebenen Programmen. Man tauschte sich über Plattformen aus, von denen ich nur vage eine Ahnung hatte oder auf denen ich nur sehr vorsichtig bisher erste Schritte getan hatte. Kurz: Mir rauchte der Kopf. Am Ende verabschiedete ich mich hochmotiviert in der Gewissheit, dass es Zeit war, die Ärmel hochzukrempeln und die Idee von Open Science in meine Community zu tragen bzw. erst einmal zu recherchieren, was der Wissensstand war.

Ein Schritt zurück. Warum nahm ich an einem Kick-Off-Meeting im Wikimedia Deutschland Gebäude in Berlin teil? Meine Bewerbung für das Fellow-Programm entstammte meiner Arbeit am Open Access Journal Apparatus, das von Natascha Drubek 2015 gegründet worden war. Dabei konnte ich aus nächster Nähe erleben, wie komplex ein solcher Gründungsprozess ist und wie viele Partner es dazu braucht. Apparatus widmet sich der Film- und Medienwissenschaft, daher scheint es nicht weit hergeholt, bewegtes Bild in die Artikel einzubauen. Nicht besonders innovativ möchte man meinen, ist das Internet doch voll mit Videos auf den Webseiten. Ein Blick auf die Journal-Landschaft in diesem Bereich zeigt aber rasch, dass geisteswissenschaftliche Artikel immer noch sehr traditionell publiziert werden [1]. Ein typischer Artikel besteht aus Textteilen, zwischen die hin und wieder Bilder zur Illustration eingefügt sind. Umfangreiche Bibliographien und Filmographien sind typischerweise am Ende des Artikels angefügt und Links zu anderen Webseiten sind meist spärlich vorhanden. Sehr oft liegt der Artikel überhaupt nur als pdf zum Download bereit. Sexy ist das nicht gerade. Und auch nicht einfach zu erklären.

Die fehlende Kreativität oder technische Umsetzung derselben liegt nicht nur am fehlenden Willen der Herausgeber und Herausgeberinnen, sondern zu einem großen Teil an mangelhaften Infrastrukturen und nicht zuletzt an den fehlenden oder unklaren Rechten. Viele Open Access Journals verwenden das weit verbreitete Open Journals System (OJS) [2], in dem Videos im Grunde embedded werden können [3]. Dazu kommen Fragen der Archivierung der Inhalte: Wer würde sich um die Langzeitarchivierung kümmern, wenn kein einfaches PDF/A [4] an Bibliotheken abgeliefert werden konnte? Und: ging es in meinem Projekt denn nicht eigentlich um viel mehr als nur ein Video in meinen Test-Artikel einzubauen?

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (7 Bewertungen, Durchschnitt: 3,86 von 5)
Loading...

Gemeinsamer Workshop zu Wikidata von Code for Germany und Wikimedia Deutschland in Ulm

Dieser Beitrag erscheint auch auf dem Blog von Code for Germany.

Wikidata, das ist die frei bearbeitbare Wissens-Datenbank, von Freiwilligen gepflegt und entwickelt bei Wikimedia Deutschland. Wikidata unterstützt unter anderem die Wikipedia, kann aber auch für zahlreiche andere Projekte und Anwendungen verwendet werden. Die Daten in Wikidata sind offen, und können von jedem und jeder eingefügt, verlinkt und geprüft, und gleichzeitig von allen benutzt werden. Das sind zum Beispiel Geburtsdaten, Informationen über die Höhe von Gebäuden, über Politikerinnen oder auch aus der Wissenschaft. Perfekt, um von den Open Knowledge Labs stärker in ihre Arbeit und Projekte mit eingebunden zu werden.

Deswegen haben sich Wikimedia und die OK Labs zusammengetan, um in einem Workshop Wikidata besser kennen zu lernen. Ausgerichtet wurde der Workshop von Wikimedia und alle Labs waren eingeladen. Mit 40 Teilnehmerinnen waren wir zu Gast im Verschwörhaus, dem jüngst gegründeten Treffpunkt für digitale Initiativen in der Stadt Ulm – initiiert von Stefan Kaufmann, der auch das OK Lab in Ulm gegründet hat.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Bewertungen, Durchschnitt: 4,17 von 5)
Loading...

10 cool queries for Wikidata that will blow your mind. Number 7 will shock you.

Dieser Blogpost ist auch auf Deutsch verfügbar.

Wikidata is an open knowledge base that collects facts (statements) on pieces of knowledge (items). It is run by the Wikimedia Foundation, developed by a team led by Wikimedia Deutschland, and tended and cared for by a global community of volunteers. Unlike Wikipedia, that contains knowledge collected by volunteers written in free form, it is machine-readable and pieces of knowledge and can be queried in relation to each other.

Dozens of application already use the knowledge base. One particularly cool way to access knowledge in Wikidata is through queries in the SPARQL query language. Just a little knowledge of SPARQL goes a long way to query for facts and relationships – thus opening new horizons and rearranging knowledge in a totally new way.

With SPARQL, the possibilities are virtually endless. Follow along for 10 cool queries: Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Bewertungen, Durchschnitt: 4,33 von 5)
Loading...

10 coole Wikidata-Abfragen, die dir neue Horizonte eröffnen. Nummer 7 wird dich schockieren.

This blog post is also available in English.

Wikidata ist eine offene Datenbank für strukturiertes Wissen, die einzelne Fakten (Statements) zu bestimmten Begriffen (Items) sammelt. Sie wird von der Wikimedia Foundation betrieben, technisch federführend von Wikimedia Deutschland entwickelt und von der weltweiten, ehrenamtlichen Wikimedia-Community gehegt, gepflegt und beständig erweitert. Im Gegensatz zu Wikipedia, die händisch geschriebenes Wissen von vielen Freiwilligen speichert, ist Wikidata maschinell lesbar und einzelne Wissensbestandteile und Zusammenhänge sind gezielt abfragbar.

Dutzende Anwendung nutzen die Datenbank bereits als Grundlage. Eine der besonders coolen Wege das in Wikidata gespeicherte Wissen abzufragen und zu nutzen sind sogenannte Queries (Abfragen) in der Abfragesprache SPARQL. Mit etwas SPARQL-Kenntnissen können eben bestimmte Zusammenhänge und Wissenbestandteile aus Wikidata abgefragt werden – und sie eröffnen dir ganz neue Horizonte und stellen Wissen in ganz neuen Beziehungen dar.

Die Möglichkeiten für SPARQL-Abfragen sind praktisch unbegrenzt. 10 coole Abfragen stellen wir dir hier vor: Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 3,67 von 5)
Loading...

Eine sichere Zukunft für Wikidata

2014 erhielt Wikidata den Open Data Innovation Award. (Foto: Open Data Institute Knowledge for Everyone, CC BY-SA 2.0)

Seit vier Jahren ist Wikidata ein Teil der Wikimedia-Familie, und darin nicht nur eines der jüngsten sondern auch größten Projekte. Stand August 2016 tragen mehr als 16.000 Freiwillige in der ganzen Welt zur freien Datenbank bei. Wikidata verfügt heute über knapp 24 Millionen Datensätze, die in den anderen Wikimedia-Projekten 266 Millionen Mal eingebunden sind.

Es ist uns eine große Freude, eine Übereinkunft zwischen der Wikimedia Foundation und Wikimedia Deutschland ankündigen zu können: Künftig wird die Entwicklung von Wikidata direkt durch die Wikimedia Foundation unterstützt.

Bei Wikimedia Deutschland wird die Software hinter Wikidata seit dem Start des Projekts entwickelt, zusammen mit ehrenamtlichen Beiträgen aus der ganzen Welt. Betrieben wird Wikidata wie Wikipedia und die anderen Wikimedia-Projekte durch die Wikimedia Foundation. In den letzten Jahren haben Entwicklerinnen und Entwickler aus Berlin und San Francisco zusammen daran gearbeitet, Wikidata weiter zu verbessern. Dafür haben sie unter anderem eine gemeinsame Roadmap erstellt, die aufzeigt, wie strukturiere Daten weiter in die Wikimedia-Projekte integriert werden können.

Im Geist dieser gemeinschaftlichen Bemühungen wird die Wikimedia Foundation von nun an die Basis-Finanzierung der Wikidata-Entwicklung sicherstellen. Damit wird in Zukunft nicht mehr um Finanzierung über das Funds Dissemination Committee (FDC) gebeten – so wie es das ehrenamtliche Gremium zur Mittelverwendung selbst empfohlen hat. Und wie bei allen Projekten, die von der Wikimedia Foundation finanziell gefördert werden, wird auch der Mittelbedarf für Wikidata jährlich betrachtet. Das wird den Planungsprozess für die Wikimedia-Projekte weiter zusammenführen und außerdem Förderungen für neue Vorhaben und Tests möglich machen.

Wikimedia Deutschland wird weiterhin die gesamte Software-Entwicklung an Wikidata verantworten – und zwar weiterhin gemeinschaftlich mit der Community aus ehrenamtlichen Entwicklerinnen und Entwicklern, die die Software mitgestalten. Die Entwicklung des Projekts Wikidata ist schon immer Community-getrieben gewesen. Dank dieser Tatsache konnte Wikidata in so kurzer Zeit so stark wachsen. Um sowohl technisch als auch sozial nachhaltig sein zu können, ist das Projekt von Beginn an in öffentlichen Planungen und im Input der Benutzerinnen und Benutzer verwurzelt. Das ist nicht nur eine Grundregel agiler Entwicklung im allgemeinen, sondern spielte eine Schlüsselrolle in Wikidatas stetig wachsender Nutzergemeinde und der Kernfunktion, die Wikidata bereits heute in der Wikimedia-Familie ausfüllt.

Wikidata bleibt ein tolles Beispiel Community-getriebener Entwicklung. Wir freuen uns darauf, zusammen die Zukunft des Projekts zu unterstützen.

 

Wes Moran
Vice President of Product, Wikimedia Foundation

Abraham Taherivand
Leiter Software-Entwicklung, Wikimedia Deutschland

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (8 Bewertungen, Durchschnitt: 4,88 von 5)
Loading...

I don’t have to find tasks. Tasks are coming to me. Being a Volunteer Developer for Wikimedia projects: An Interview with Tpt

German summary:

“Ich suche mir keine Aufgaben. Normalerweise kommen die Aufgaben einfach zu mir,” sagt Thomas, freiwilliger Entwickler für MediaWiki. Wie sieht eigentlich die ehrenamtliche Tätigkeit eines freiwilligen Entwicklers aus? Wer steckt hinter dem Code und den Features, die tagtäglich von vielen Editoren benutzt werden? Julia Schuetze setzte sich mit Thomas aka tpt zusammen, um einen Einblick in die Programmiertätigkeit eines Freiwilligen zu bekommen.

An interview by Julia Schuetze with Thomas Pellissier-Tanon aka Tpt

“I work on the software behind Wikipedia!” That’s what Thomas aka (Tpt), a Volunteer Developer from France, tells his friends if they ask him about what he does in his free time. Up to ten hours per week he dedicates to free knowledge that way.

In the past two months, I got the chance to talk to some of our volunteer developers about their experience with the Wikimedia movement. I’d like to share Thomas’ story, his views, concerns, ideas and accomplishments with you.  

Thomas started in 2009 when he was still in high school. A passion for egyptian history and pharaohs inspired him to contribute to the French Wikipedia. Back then, programming was new to him. He started by writing templates and by learning how to use the functions around Wikipedia.

Starting is not easy. Wikipedia is a project created, maintained and developed by millions of people. Thousands contribute at least once a month. People commit, some stay for longer, some only for a short time. I wondered what made Thomas stick around and become a very innovative volunteer developer in our community for over seven years now.

MediaWiki: “huge, complex and often ugly”

The first few months can be rocky, he says. It was an exploration for him because MediaWiki, the free and open source wiki application, which stores the content into databases, “is huge, complex and often ugly.” “It was a lot of reading code to see how it works and how all the pieces are fitting together,” Thomas remembers. “Some of that can act as barriers. Especially for developers who are not familiar with Wikis,” he explains. It was quite difficult to write code matching MediaWiki standards and conventions and with a good enough level of quality at first.”

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

From Damascus to Berlin: A very special internship at Wikimedia Deutschland

German summary: Alaa Mustafa hat gerade 6 Wochen Praktikum in der Software-Entwicklung bei Wikimedia Deutschland hinter sich. Der syrische IT-Spezialist flüchtete letzten Sommer vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland. Während er auf die Mühlen der Bürokratie wartete, bewarb er sich um ein Praktikum bei der Entwicklung von Wikidata. Wir haben ihn zum Ende seines Praktikums zu seinen Erfahrungen befragt. Das Interview fand auf Englisch statt, der Sprache, die Alaa auch in der täglichen Arbeit bei Wikimedia Deutschland benutzte.

Alaa Mustafa just finished six weeks of an internship at the software development department at Wikimedia Deutschland. The Syrian IT specialist came to Germany last summer, fleeing from the war. While he was stuck in bureaucracy, he applied for an internship to become part of the Wikidata team. We asked him about his experience at Wikimedia Deutschland in a short interview as his internship came to an end.

Can you tell me something about your background?

My name is Alaa Mustafa. I was born in Damascus and I am 28 years old. First, I studied in an institute for computer engineering for two years. Then I moved to university and studied for four years, with a major in information technology. Actually, after graduation, I didn’t work in that field. Rather, I was working in a company which sold consumer electronics – pretty much like Media Markt or Saturn here. There I worked in sales, in marketing, and in the business development team.

And then you came to Germany?

Yes, I came to Germany last summer, one year ago.

And what made you apply for an internship at Wikimedia Deutschland?

I’m a newcomer here, so I was looking for ways to integrate – Germany is a new country for me. I searched on websites for jobs in English and there I came across Wikimedia Deutschland. I reached out, got an interview, and then Lydia (product manager of Wikidata) accepted me.

Right now, you’re still waiting for the bureaucracy to sort out everything. Are you allowed to work now?

I may work, but it took a long time to get an approval from the Ausländerbehörde. The Agentur für Arbeit supports me, but right now I’m not allowed to make money through my work.

All in all, did you like the few weeks that you spent with us?

I liked it very much. Back in Syria, I had already heard of Wikimedia, a big organization and a great source for knowledge. I only worked here a bit over a month, for 45 days, but I feel really proud that I was part of this organization.

Let’s talk a bit about what you did here as an intern. I understand that you mostly helped Lydia?

Actually, I was working as an assistent for Lydia. There are many things on Wikidata pages that take a lot of time that Lydia doesn’t always have to do herself – things like updates on events or new features, so I did that.

But I was also asked about the website from the point of view of a user – not as a developer, but as an ordinary user: how does the website look like when a user opens Wikidata for the first time. We talked about possible improvements to the interface. Our UX team at Wikimedia Deutschland is currently working on the user experience and I was able to support them.

Last week you invited your colleagues for Arabic food for dinner. How did that go?

I wanted to have an opportunity to talk to everyone personally. Here, in the office, we always talk about work, but having dinner together gave us a chance to get to know each other personally. It was a very friendly dinner and that evening made me very happy.

I cooked something called Hummus (حُمُّص‎‎) and some rice with chicken. Typical Arabic food – two kinds of Hummus and chicken rice. It’s delicious! But you need to learn how to eat it correctly: with your hands, using bread to scoop it up.

So many people from Syria are now in Germany, I think we’ll soon see high quality Syrian food over here. You can already find good Hummus around Hermannplatz, so it’s a start.

Would you say that there are huge cultural differences regarding the work you did in Damascus and the work here? Or is work in IT the same all over the world?

The management side is definitely different. In Syria, even if your manager is wrong, you should go with him.

Here I feel that everyone can discuss everything freely and is listened to. We have a daily standup meeting where everyone has a chance to say something. I was only here for a little more than a month and I could give an honest critique about aspects of the product and Lydia never told me that I shouldn’t criticize things – rather, she appreciated it and took it as input.

Yes, things are different here. Discussion is very much valued. That makes the work very motivating. Everyone can discuss everything with everyone and it’s a very friendly atmosphere.

Anything else you would like to say? What comes next for you?

I now feel that these 45 days were… how should I say… I’d call it my “golden days” in Germany.

Within the next 10 days, I will start learning German at a school. I already studied German on my own with books, so I’m in a good position, but I really should go to school and take a proper course. That will take about 6 months, 4 hours every day.

After that I will search for work. Let’s see if Wikimedia Deutschland will have openings. But in any case, I’m proud that I was part of this organization and I will always try to keep in touch with you.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (17 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Perspektivwechsel

 

Erkenntnisse aus dem internationalen Treffen der GLAM-Koordinatoren auf der Wikimania 2016

Rechts spielende Bambini, links lebhafte Fußballfans beim Achtelfinale der EM und dazwischen fast 20 hochkonzentrierte GLAM*-Koordinatoren der Wikimedia Bewegung. Wir befinden uns circa 900 Meter über dem Meeresspiegel in einer kleinen Bergstadt in der Lombardei (Italien). Für eine knappe Woche lebten mehr als 2000 Menschen in Esino Lario. Denn dort auf der Wikimania versammelten sich ca 1200 Mitglieder der weltweiten Wikimedia-Bewegung, um sich über neueste Trends auszutauschen und innovative Projekte vorzustellen. Aus Schweden, Estland, Finnland und England. Aus Spanien, Baskenland, Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande, Schweiz, und vermutlich habe ich auch noch einige Länder in der Aufzählung vergessen, kamen viele derjenigen, die sich beruflich oder ehrenamtlich damit beschäftigen, für mehr #wikiGLAM in den Wikimedia-Projekten zu sorgen. Denn natürlich sind Gemälde, Archivalien, museale Objekte und Bücher – genauer ihre digitalen Derivate – von großer Bedeutung für alle Wikimedia-Projekte. Via Wikimedia-Commons sollen Bilder aus den GLAM-Sammlungen Wikipedia-Einträge veranschaulichen und attraktiver gestalten. Daten zum kulturellen Erbe aus den Museen und Archiven sollen Wikidata-Einträge vervollständigen. Buchscanns werden für den Ausbau von Wikisource gebraucht. Freiwillige und Funktionäre fackeln nicht lange, wenn eine Museumstür sich ihnen öffnet. Wir wissen, was wir wollen.

In einer Pariser Galerie: Der Wunsch sich das Schöne anzueignen. Photo von Valfex [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Blickrichtung tauschen

Aber nach circa fünf Jahren GLAM-Arbeit ist es Zeit sich zu fragen, wie können wir besser werden? Wie kann es uns gelingen, noch besser zusammenzuarbeiten? Wie können wir besser miteinander lernen? Es ist ein guter Moment diese Fragen zu stellen. Denn erst vor Kurzem hat die Trägerin aller Wikimedia-Projekte, die Wikimedia Foundation, Alex Stinson als Wiki-GLAM-Strategen eingestellt. Er wird uns in Zukunft dabei unterstützen und antreiben, Antworten auf die obigen Fragen zu finden.

Doch schon zwischen Bambini und Fußball wurde mir eines in Esino Lario ganz deutlich. Wir brauchen einen Perspektivwechsel. Und während ich noch die letzten Krümmel der Wikimania-Kekse genieße, möchte ich diesen Wechsel kurz skizzieren. Wir müssen uns in Zukunft noch stärker an den Bedarfen der GLAM-Institutionen orientieren. Nur so werden wir erreichen, was wir wollen. Da wir ja genau wissen, was wir brauchen, suchen wir nach den Möglichkeiten es zu bekommen. Denn wer gibt nicht gern, wenn er dabei gewinnt? Seit den Pionierzeiten von Wikipedia hat sich die Welt ein Stück weit verändert. Vielen Museumsdirektorinnen und Archivleitern, führenden Bibliothekarinnen und Kuratoren ist inzwischen klarer, die digitale Welt ist keine Parallele zur Realität, sondern ein Teil von ihr geworden. Sie wissen, dass ihre Besucher und vor allem ihr Nicht-Publikum jährlich mehr Zeit mit mobilen Computern verbringt und erwartet, im Netz möglichst personalisierte Angebote zu finden, die es weiter nutzen kann. Die Welt fände in der hohlen Hand Platz.** Ein Bild von der württembergischen Krone per Snapchat verändern, kommentieren und raus in den Orbit der digitalen Freundschaften schicken, eine App herunterladen, die mir beim Spaziergang durch Berlin, die Standorte zu Hans Baluscheks Gemälden anzeigt natürlich mit einer Ansicht des jeweiligen Gemäldes. Eine One-Minute-Skulptur von Erwin Wurm auf Twitter teilen, ein Foto vom Besuch einer Pariser Galerie oder Bilder einer Modeausstellung in einen Blogpost einbinden können. Das sind heute nicht nur für digital natives selbstverständliche Handlungen, wenn auch, wie wir gesehen haben, nicht immer als legal angesehene. Aber soll man solche Nachnutzungen überhaupt ermöglichen? Und wie macht man das? Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (9 Bewertungen, Durchschnitt: 4,44 von 5)
Loading...

Wikidata auf der GPN16

Vom 26. bis zum 29. Mai fand in Karlsruhe die Gulaschprogrammiernacht (GPN),  eine Veranstaltung des Entropia e.V. (CCC Karlsruhe) statt, zu der sowohl Mitarbeitende von Wikimedia Deutschland angereist waren, als auch Stipendiaten aus der Community. Einer der von Wikimedia Deutschland geförderten Freiwilligen, Benutzer:Gorlingor, hat über die vier Tage Spaß am Gerät bei der Hackercommunity einen kleinen Bericht für uns geschrieben.

Was ist die GPN?

Die Gulaschprogrammiernacht findet einmal im Jahr für vier Tage in Karlsruhe statt. Dort treffen sich etwa 500 Teilnehmende, um sich über verschiedene Themen auszutauschen – schwerpunktmäßig Informationstechnik –, um an eigenen Projekten zu arbeiten, um Leute zu treffen und um Spaß zu haben. Die meisten Besucherinnen und Besucher kommen aus persönlichem Interesse zu der Veranstaltung, was sich natürlich positiv auf die Atmosphäre auswirkt: Es geht dort sehr entspannt zu.

Wer bin ich?

Ich bin Jakob. In der deutschsprachigen Wikipedia hinterlasse ich als Gorlingor seit einigen Jahren meine kleinen Spuren. Als Programmierer und überzeugter Freund freier Software verbringe ich meine Freizeit aber gelegentlich auch damit, Code zu Open-Source-Projekten beizusteuern.

Was haben wir dort gemacht?

Jetzt hatte ich die Gelegenheit, drei Mitarbeitende des Entwicklungsteams für Wikidata mit zur GPN16 zu begleiten, wo sie an ihrem Tisch für Interessierte ansprechbar waren und einen Vortrag über den Query Service von Wikidata gehalten haben – für Programmiererinnen und Programmierer eine ziemlich coole Schnittstelle, weil man damit komplexe und spannende Anfragen an die Wissensdatenbank stellen kann. Zum Beispiel: Zeige mir alle Haustiere, deren Besitzerinnen oder Besitzer ein Amt bekleidet haben. Wie es aussieht, sind Hunde die beliebteren Begleiter.

Während die anderen regulär gearbeitet haben, solange der Tisch nicht besucht wurde, habe ich Fotos für den Blogeintrag geschossen, die Gelegenheit genutzt, schon mal ein paar Profis neben mir sitzen zu haben, und einen Patch für MediaWiki angefangen und nebenbei die WMDE-Mitarbeitenden kennengelernt.

Was kam an Feedback?

Im Laufe der Veranstaltung haben wir unterschiedliche Leute aus der technischen Community getroffen und dabei kamen verschiedene Fragen zustande: zur Technik, zu den Daten und ihrer Herkunft und zur Zielsetzung von Wikidata. Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Wikidata beim Hackathon HackHPI in Potsdam

Am 11. und 12. Juni 2016 fand in Potsdam der HackHPI statt, ein Hackathon für Studierende zum Thema Datenanalyse und Machine Learning im Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam. Wikidata war vertreten, um sowohl die APIs von Wikidata und den Query-Service mit SPARQL vorstellen, als auch eine Einführung in den Machine-Learning-Dienst ORES zu geben.

Machine Learning oder maschinelles Lernen ist nach Wikipedia die „künstliche“ Generierung von Wissen aus Erfahrung: Ein künstliches System lernt aus Beispielen und kann diese nach Beendigung der Lernphase verallgemeinern. Das heißt, es werden nicht einfach die Beispiele auswendig gelernt, sondern es „erkennt“ Muster und Gesetzmäßigkeiten in den Lerndaten.

Bei ORES wird maschinelles Lernen zum Beispiel eingesetzt, um Vandalismus aufzuspüren. Nachdem typische Muster von Vandalismus trainiert wurden, erkennt das System neuen Vandalismus mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit und kann diesen (menschlichen) Administratoren anzeigen.

Zwei Teams bei HackHPI beschäftigten sich mit dem maschinellen Lernen oder der Datenanalyse bei Wikidata. In einem Projekt wurde eine Visualisierung zum „Bias“ bei Inhalten (Artikel zu psychischen Störungen) angefertigt, um Unterschiede zwischen Sprachversionen aufzuzeigen.

 

Richtig überzeugt hat uns aber das Projekt eines Teams, das sich daran machte, „Show case items“, also besonders gut ausgearbeitete Wissensgegenstände in Wikidata aufzuspüren und zu evaluieren. Dabei wurden zunächst gut ausgearbeitete Datenobjekte wie das zu Douglas Adams maschinell untersucht, um Kriterien zu finden, die sie zu Vorzeigeobjekten machen.

Damit werden nicht nur Datenschätze in Wikidata aufgespürt, es entsteht auch ein Score als Metrik, um die „Vorzeigbarkeit“ eines Wikidata-Items bewerten zu können.

Maschinelles Lernen ist zur Zeit ein besonders spannendes Thema, an dem intensiv geforscht wird. Die Ergebnisse dieser Forschung klingen nach Science Fiction, umgeben uns aber bereits heute – digitale Assistenten im Smartphone, die auf Zuruf Dinge im Internet recherchieren, sind bereits für viele menschen Alltag. Mit Wikidata als strukturierter Datenfundus über das Wissen der Welt steht eine Quelle für maschinelles Lernen zur Verfügung, die den Anspruch hat, Freies Wissen zu schaffen – für Maschinen und Menschen gleichermaßen.

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...