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Zwischen Korrespondenz und Selbstverständnis

Der Tagungsort für den diesjährigen Herbstworkshop des Support-Teams  vom 21. bis zum 23. Oktober 2011 war das Internationale Friedensdorf in Oberhausen. 20 Teilnehmer des deutschsprachigen Support-Teams fanden sich dort am Freitag Abend ein.

Thema im Rahmen dieses Treffens war am Samstag Vormittag ein Korrespondenztraining, das zum Ziel hatte, das Kommunikationsverhalten der OTRS-Mitarbeiter zu verbessern. Anhand von Beispielen analysierte die Expertin für schriftliche Kommunikation in Unternehmen, Gisa Schuh aus Köln, das Korrespondenzverhalten der Support-Team-Mitarbeiter. Es galt, die Korrespondenz mit den sogenannten Kunden (so werden diejenigen genannt, die sich per Mail an das Support-Team wenden) von Floskeln zu befreien, Eskalationen in kritischen Fällen rechtzeitig zu verhindern und die Antwortmails besser zu strukturieren.

Am Nachmittag stand eine Führung durch das Friedensdorf auf dem Programm. Eine Mitarbeiterin der Einrichtung erklärte ausführlich, wie das Friedensdorf arbeitet. Im Laufe der Führung bekamen die Workshopteilnehmer auch spielende Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten der Welt zu Gesicht, die durch schwerste Verletzungen gezeichnet waren. Das Friedensdorf ermöglicht durch Kriegseinwirkung und andere Gewalt verletzten Kinder aus vorwiegend armen Verhältnissen eine medizinische Behandlung in Deutschland, die in den jeweiligen Heimatländern nicht möglich oder bezahlbar ist. Nach diesen durchaus schockierenden Eindrücken wandten sich die Teilnehmer den nächsten Programmpunkten zu.

Für die Neulinge im Team gab es einen Abriss der Geschichte des Support-Teams, eine Einführung in die technische Seite der verwendeten OTRS-Software, sowie Anleitungen zur Bearbeitung von Freigaben. Am Abend fand dann ein gemeinsames Abendessen mit Vertretern des Duisburger Wikipedia-Stammtisches in einem nahegelegenen Restaurant statt. Der Sonntag wurde durch einen Vortrag über das Recht am eigenen Bild eröffnet. Anhand mehrerer Fotos von Politikern, Teilnehmern von Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day, Prominenten und berufsgerecht bekleideten Models erörterten die Teilnehmer die Aspekte der Fälle, die ein ausdrückliches Einverständnis der dargestellten Personen erfordert und welche Fälle beispielsweise unter die Panoramafreiheit oder Beiwerk fallen und eine Einverständnis nicht brauchen.

Ein leicht kontrovers diskutiertes Thema war danach das Selbstverständnis des Support-Teams und seiner sogenannten Agents, in dem die Teilnehmer unterschiedliche Auffassungen über das Zugehörigkeitsgefühl, entweder mehr zur Wikipediacommunity oder mehr zur Foundation, äußerten. Das Treffen endete mit einem Ausblick auf die nächsten geplanten Aktivitäten, darunter zwei Workshops im nächsten Jahr und Verbesserungen bei der Einarbeitung neuer Teammitglieder und das alles, wie auch vor einem Jahr in Berlin, in einer ausgesprochen freundlichen Atmosphäre.

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Workshop des Support-Teams

Draußen klirrende Kälte, drinnen rauchende Köpfe (Foto © Nolispanmo / Wikimedia Commons / CC-BY-3.0)

Der Verein Wikimedia Deutschland veranstaltete am Wochenende vom 3. bis zum 5. Dezember 2010 am südöstlichen Rand von Berlin einen Workshop für das Wikipedia-Support-Team zu den Themenbereichen Persönlichkeitsrecht und Recht am eigenen Bild.

Da Biografie-Artikel über lebende Personen in der Wikipedia oft zu intensivem und unangenehmen E-Mail-Austausch der Betroffenen mit dem Support-Team führen, war es notwendig, die Richtlinien (siehe auch hier) so zu überarbeiten, dass die Autoren wissen, woran sie bei Anlage und Bearbeitung von Personenartikeln denken müssen. Die Rechtsanwälte Julian Höppner und Thorsten Feldmann von der Kanzlei JBB hielten zu diesen Themen ein umfangreiches Referat, das den über 20 Teilnehmern des Workshop-Wochenendes Grundlagen und Feinheiten der rechtlichen Situation an Hand von konkreten Fällen nahebrachte. Diese Fälle aus dem Schriftverkehr des Support-Teams betrafen Wikipedia-Biografieartikel über lebende Personen, in denen Tatsachenbehauptungen von den Dargestellten selbst als falsch, ehrenrührig oder irrelevant aufgefasst werden, verbunden mit der Forderung, dass die entsprechenden Passagen oder auch komplette Artikel grundlegend verändert oder gelöscht werden. Diskutiert wurde außerdem über das Persönlichkeitsrecht Verstorbener und über Bilder, die zwar eine korrekte Freigabe mit Urheberangabe und Lizenz aufweisen, bei denen aber die Einwilligung der abgebildeten Personen nicht vorhanden oder nicht glaubhaft ist. Ein besonderes Augenmerk richteten die Workshop-Teilnehmer dabei auf Fotos, auf denen Kinder zu sehen sind. Weitere Themen des Workshops war die Gewichtung von Kritikabschnitten in Biografieartikeln, Verfahrensweisen im Umgang mit Autoren und den Betroffenen, sowie technische Aspekte des OTRS-Systems.

Abschließende persönliche Meinung zum Workshop aus der Sicht des Verfassers: Es war eine äußerst konstruktive Veranstaltung, die sehr konzentriert und effektiv komplizierte Zusammenhänge und Inhalte für die Mitarbeiter des Support-Teams verständlich machte. Eine perfekte Organisation seitens des Vereins und eine gute Arbeitsatmosphäre trugen mit zu dem Erfolg bei.

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Die WMF-WWM-Verschwörung

WMF = Wikimedia Foundation (Betreiber der Wikipedia)
WWM = Wer wird Millionär? (bekannte TV-Quiz-Show)

RTL nennt es „einen einzigartigen Abend bei Wer wird Millionär?„, in der Wikipedia ist es „business as usual“.

Am 1. Februar verfolgt ein großer Teil der deutschen Fernsehnation gespannt, wie Gabriele Weber bei Günther Jauch bis zur 500.000-Euro-Frage durchmarschiert. Sie war schon dreimal erfolglos in der Auswahlrunde, hatte dafür aber bei ihrem vierten Anlauf am Freitag die gesamte Sendezeit zur Verfügung.

Die Kandidatin beantwortete alle Fragen bis zur 125.000-Euro-Frage ohne auf einen der vier Joker der Risikovariante zurückzugreifen. Hier erst zog sie ihren 50:50-Joker, obwohl sie schon zuvor die Antwort richtig erläutert hatte. Die folgende 500.000-Euro-Frage lautete schließlich:

„In welcher Stadt befindet sich das Generalsekretariat von Interpol?“

A: Palermo
B: Utrecht
C: Lyon
D: Zürich

Ohne Hilfe konnte Frau Weber diese Frage nicht beantworten. Von ihren drei verbleibenden Jokern wählte sie zunächst den erweiterten Publikumsjoker. Nur ein Zuschauer aus dem Publikum traute sich eine Antwort zu – Utrecht. Da er sich nicht zu 100 Prozent sicher war, sollte ein Telefonjoker weitere Hilfe geben. Dieser musste jedoch bei der Frage passen. So kam auch noch der Publikumsjoker zum Einsatz, der folgendes Ergebnis brachte:

A: 1 % (Palermo)
B: 50 % (Utrecht)
C: 9 % (Lyon)
D: 40 % (Zürich)

Obwohl der sehr hohe Prozentsatz der Antwort D (Zürich) ins Auge fiel, entschied sich die Kandidaten zu passen und mit 125.000 Euro das Spiel zu beenden. Daraufhin beglückwünschte Herr Jauch Frau Weber, aber vor der spannenden Auflösung der Frage wurde gegen 21:00 Uhr ein Werbeblock geschaltet, so dass die Fernsehzuschauer die Möglichkeit hatten, die richtige Antwort per SMS-Gewinnspiel abzugeben. Auf diese Weise lassen sich zwar nicht 500.000-Euro, aber immerhin 5.000 Euro gewinnen.

Bis hierhin hatte das Ganze nichts mit der Wikipedia zu tun. Nun hat sich aber herumgesprochen, dass man den einen oder anderen Fakt doch ganz gut in der Online-Enzyklopädie recherchieren kann :-). Und dies wird auch gerne bei Gewinnspielen getan.

Während die korrekte Antwort bereits seit 2004 im Artikel Interpol zu finden war, wurde sie – um 21:00 Uhr – von einem nichtangemeldeten Besucher auf „Utrecht“ geändert. Diese Änderung wurde eine Minute später revertiert. Um 21:05 wechselte der angebliche Sitz erneut zu „Utrecht“, eine Minute später zu „Berlin“. Daraufhin folgte ein Revert, danach war „Zürich“ an der Reihe. Nach „Penisland“, Grüßen an alle Wer-wird-Millionär?-Seher und einigen weiteren Änderungen wurde der Artikel um 21:10 schließlich revertiert und halbgesperrt, so dass er für nichtangemeldete Benutzer nicht mehr bearbeitbar war.

Obwohl die falsche Antwort „Utrecht“ insgesamt nur etwa zwei Minuten im Artikel stand (eine Minute davon mit kleinem ‚u‘), wurde er in dieser Zeit von einer Vielzahl Menschen aufgerufen. Zum einen von interessierten RTL-Zuschauern, die für sich selbst gerne eine Antwort haben wollten, zum anderen aber natürlich auch von Teilnehmern des SMS-Gewinnspiels. Vielen dieser Personen ist die Funktionsweise der Wikipedia augenscheinlich nicht bekannt…

Anbei ein kleiner Auszug von Mails, die uns erreicht haben:

gestern wurde im Verlauf einer Fernsehsendung (Wer wird Millionär,RTL). kurzfristig der Standort des Generalskretariats Interpol, von Lion auf Utrecht geändert!!

Ich vermute eine Zusammenarbeit mit Ihnen und dem Sender RTL, da es um eine Menge Geld ging. Ich perönlich halte das für Betrug und werde aus diesem Grund Ihre Plattform nicht mehr aufsuchen.

Leider mußte ich feststellen, das man sich nicht auf eure Informationen verlassen kann. Es geht um eure Information in Bezug auf den Sitz von Interpol. Ich habe bei „Wer wird Millionär“ auf Grund eurer Info, 0,50 Cent,ausgegeben um dann festzustellen das es eine falsche Information von eurer Internetseite ist. Da stand Utrecht und nicht Lyon. 2 Minuten später stelle ich fest, das ihr die Seite geändert habt, weil ihr Mist gebaut habt. Zwar gut für die anderen die zukünftig auf eure Seite gehen, aber enttäuschend für mich, weil ich mich auf eure InfoŽs verlassen habe. Ich weiss zwar nicht ob euch das wirklich interessiert,aber ich fühle mich verarscht.

Auf der Diskussionsseite des Artikels wurde vermutet, dass Mitarbeiter von RTL diese Änderung absichtlich vorgenommen haben um Telefonjoker zu irritieren. Dies ist nicht möglich, da die Sendung im Vorfeld aufgezeichnet und nicht live gesendet wird. Die Argumentationsstruktur lässt sich dadurch aber nicht stören:

ich weiß zwar nicht, wie man eine „Falschmeldung“ so ohne Weiteres einfügen kann;aber dann ist es wohl auch möglich,das es ein Mitarbeiter von RTL war. Ich meine die Sendung läüft um einen Tag zeitversetzt, demzufolge sind auch Zuschauer und Telefonjoker live dabei.
Fall`s man sich zum manipolieren „einlocken“ muss, werden Sie das sicherlich ,in Ihrem eigenen Interresse, rausfinden.
Wenn Sie es überhaupt wollen??

Schlussfolgerung: Wir haben noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Ach, bevor ich es vergesse. Die richtige Antwort ist tatsächlich Lyon. Die Weisheit der Vielen hat hier versagt.

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