Posts Tagged ‘Open Data’



​Im Land des lächelnden Regierungshandelns

Beth Noveck by Joi Ito, CC-BY 2.0

Wenn man eine Reise tut, verbinden sich mit dem Zielort häufig Bilder im Kopf, die dann nur allzu gerne bestätigt werden. Wer an Washington D.C. denkt, assoziiert damit vermutlich die klassizistische Architektur des Capitols und die reißbrettartigen Straßenverläufe, die dem funktionalen Zusammenhang einer Hauptstadt gehorchen. Schließlich muss hier die geölte Maschinerie des Regierungshandelns mit den zeremoniellen Anforderungen einer präsidentiellen Demokratie versöhnt werden. Und tatsächlich meint man, in jedem Schlipsträger sofort einen hohen Regierungsbeamten oder zumindest einen slicken Lobbyisten zu erkennen. Wer sich – wie einige mir bekannte Wikipedianer – im narrativen Strudel der ultimativen Polit-Serie „The West Wing“ verirrt hat, wird jetzt wohl schmunzeln.

Im Stadtteil „Foggy Bottom“, wo auch das von Hillary Clinton geführte U.S. Department of State seinen Sitz hat, geht es indes legerer zu als erwartet. Khakihosenträger und Jogger säumen die Straßen rings um die George Washington University, die die diesjährige Wikimania beherbergt.  Und bereits in der Opening Session des Tracks Tech@State, der unter der Ägide des Außenministeriums entstand, wird deutlich, warum Washington D.C. eben nicht nur ein architektonische Symbol für staatliche (Selbst-)Repräsentation, sondern eben auch ein politisches Ideenlabor allererster Güte ist.

Beth Simone Noveck, die im Weißen Haus die Stabschefin für Technologie war, spricht über die Open Government Initiative, die sie von 2009-2011 für die Obama-Administration ins Leben gerufen hat. Und Noveck spricht dabei über die Freigabe staatlicher Daten in einer Weise, wie man sie in Good Ol‘ Europe nur allzu häufig vermisst: enthusiastisch. Die Autorin des Buchs „WikiGovernment: How Technology Can Make Government Better, Democracy Stronger  and Citizens More Powerful“ (2009) glaubt nämlich fest an die Erneuerungskraft “smarter” Instiutionen – mithilfe der Leidenschaft und fachlichen Expertise von interessierten Bürgern.

In ihrem Konzept eines „hybriden Wiki“ denkt sie die Freigabe von Verwaltungsdaten und die Partizipationsmöglichkeiten von User Generated Content zusammen. Dabei macht sie nicht bei der aktiven Weiterverarbeitung z.B. von Geodaten Halt, sondern denkt diese Struktur als Grundlage für ein „crowd sourcing of the drafting of politics“. Nicht auszudenken, ein deutscher Staatssekretär würde eine solche Beta-Version von kollaborativer Gesetzesgebung an die Wand malen. Wie erst kürzlich im Open-Data-Papier von Wikimedia Deutschland beschrieben, ist man über zögerliche Mitwirkungsmöglichkeiten wie z.B. virtuellen Sachverständigen in der stärker beamtengeprägten Bundesrepublik noch nicht hinausgekommen.

Bei der sich anschließenden Townhall-Debatte regt sich leiser Widerstand. Wo blieben denn in einem System des „nicht-gewählten Flashmobs“ die notwendigen Checks & Balance, die das natürliche Machtmobile des US-amerikanischen Systems bilden? Noveck muss grinsen. Natürlich kennt sie die Vorbehalte auch ihrer Landsleute: „Government“ ist praktisch ein Schimpfwort, „Demokratie“ steht mindestens unter Generalverdacht. „Wir brauchen ein neues Vokabular“, fordert sie lächelnd. Und neue Bilder im Kopf.

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#uanm – Öffentliches Gespräch am 25. Juni zu Open Data

Am kommenden Montag, 25. Juni 2012, findet um 13 Uhr im Unterausschuss Neue Medien im Deutschen Bundestag ein öffentliches Gespräch mit Sachverständigen zur Entwicklung und zum Stand von Open Data Projekten statt.

Das für uns Besondere ist dabei der Teil mit den Sachverständigen, denn das sind (inter alia) wir. Und das ist eine Premiere für Wikimedia Deutschland, über die wir uns freuen.

Da die Sitzung vermutlich nicht per Livestreaming übertragen werden wird, sollten alle Interessierten mit entsprechender Zeit sich heute noch beim Sekretariat des Bundestagsunterausschusses anmelden (Details siehe Einladung).

Von den Abgeordneten im Ausschuss gab es für uns im Vorfeld eine Sammlung von sechs Fragen zum Thema Open Data, die wir in einer schriftlichen Stellungnahme beantworten und Euch hier im Blog zur Verfügung stellen. Über Feedback und Anmerkungen (gerne auch vor Montag 13 Uhr) sind wir sehr dankbar.

Unsere Stellungnahme haben wir sowohl als PDF online gestellt, sie findet sich auch im Volltext in diesem Blogposting Weiterlesen »

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Wikimedia auf dem 2. Berliner Open Data Day – BODDy12 am 6.6.2012

2011 war ein starkes Jahr für offene Daten in Berlin: Der 1. Open Data Day fand großen Zuspruch, im Herbst startete das erste deutsche Datenportal: daten.berlin.de.

Doch wie kann es weiter gehen?

Darum wird es am Mittwoch, 6. Juni 2012 von 10 bis 17:30 Uhr im Roten Rathaus in Berlin beim zweiter Berliner Open Data Day gehen. Wikimedia Deutschland ist wie schon im Vorjahr mit dabei.

Sebastian Sooth wird einen Workshop zum Thema „Offene Daten und was jetzt? – Welche offenen Daten werden von wem und wie genutzt? Wie schaffen wir Datenkompetenz?“ moderieren, Lydia Pintscher wird Wikidata vorstellen.

Die Teilnahme ist kostenlos, anmelden kann man sich online auf der Seite des Berliner Open Data Days.

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