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Freie Inhalte in der Schule: Willst du noch oder teilst du schon?

Skizze OER-Motivationsfilm, Elly Köpf, CC-BY-SA 3.0

Am Wochenende trafen sich in Ilmenau beim EduCamp wieder einmal Lehrer, Bildungsaktivisten und Querdenker, um über Bildung in Zeiten des Web 2.0 zu diskutieren. Die dortigen Gespräche bieten einen guten Anlass, die dort angesprochenen Facetten rund um Open Educational Resources (OER) auf praktischer Ebene einmal zusammenzufassen.

Im Anschluss an das OER-Camp vor zwei Monaten in Bremen lag der Schwerpunkt meiner Gespräche diesmal auf der Frage, wie jeder Einzelne das Thema Open Educational Resources voranbringen kann. Gleich zu Beginn des Camps fand sich eine bunte Gruppe interessierter Pädagogen zusammen, um ein Konzept für einen OER-Motivationsfilm zu erarbeiten. Basierend auf den Ergebnissen des Wettbewerbs „Why Open Education matters?“ von Creative Commons (bisher nur auf Englisch vorhanden) haben wir uns über Chancen und Hinderungsgründe an der Beteiligung an OER ausgetauscht und einen ersten Entwurf für eine Skizze erarbeitet. Wer die Ideen weiterspinnen will, der tue das. Ganz im Sinne kollaborativen Arbeitens freuen wir uns über eine Weiterentwicklung und Umsetzung.

Willst du noch …?

Bei der Erarbeitung der Motivationsskizze wurden Hinderungsgründe gesammelt, die Lehrende davon abhalten ihre Inhalte freizugeben. Genannt wurden:

  1. Angst: Sowohl vor dem Abmahnwesen der Verlage als auch vor der Rückmeldung der Kollegen
  2. Unkenntnis über Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht und sonstige rechtlichen Fragen.
  3. Vermischung von digital verfügbar und rechtlich frei weiterverwendbar: Es besteht oftmals der Eindruck, dass es doch schon viele „frei verfügbare“ Materialien im Netz gibt.  Warum man selbst auchnoch Inhalte freigeben sollte erscheint daher (s.o.) als unlogisch.
  4. Remix: Unklarheit über die Frage wo ein neues Werk beginnt und wie weit ein bestehendes geschützt ist.
  5. Mentalität zu teilen: Der Mehrwert kollaborativen Arbeitens ist bei Lehrenden noch wenig praktiziert. „Andere nutzen meine Inhalte und sehen dann, wo meine Schwächen liegen“ anstatt einer positiven Sicht auf das gemeinsame Weiterbearbeiten.

… oder teilst du schon?

Skizze zu OER (Ausschnitt), Ralf Appelt, CC-BY-NC-SA 3.0

Auch Chancen von OER wurden in der Session gesammelt:

  1. Aktualität der Inhalte durch die Bearbeitbarkeit gegenüber Schulbüchern
  2. Niedrige Kosten bei der Beschaffung als Lehrer
  3. Mehr Zeit für Methodenplanung
  4. Virtuelles Teamwork: Die Förderung der Idee, sich beim gemeinsamen Arbeiten weiterzuentwickeln
  5. Längerfristige Zeitersparnis durch mehr Vielfalt an Inhalten (Remix)
  6. Remixen mit Schere und Klebstift ist bereits Praxis

Aufbauend auf diesem Start ins Wochenende teilte sich das weitere Wochenende in die Aspekte „erstellen und weiterverwenden“ und „Finden“ freier Inhalte.

Erstellen und weiterverwenden

In der samstäglichen Session zu dem freien Lehrbuch der Initiative „L3T“ wurde Aspekt der Erstellung die Problematik des Formats angesprochen. Ein als PDF vorliegendes Lehrbuch wird, trotz freier Lizensierung, als geschlossenes Buch wahrgenommen und der Gedanke „Bücher zu zerschnippeln“ sei doch eher unüblich. Probleme der Weiterverwendung wurden am Sonntag in der Session „Du darfst…“ aufgegriffen. Idee der Session war es, Lehrenden aufzuzueigen was sie konkret mit dem bestehenden Urheberrecht und der Creative Commons-Lizenzen tun dürfen. Weg vom Verbot hin zur Ermutigung! Hier wurde zugleich das Potential einer positiven Herangehensweise sichtbar. Zum Beispiel: Lehrer, die selbst Inhalte frei lizensieren können auf den von Creative Commons angebotenen Lizenzgenerator zurückgreifen. In wenigen Abfrageschritten wird hier die gewünschte Lizenz ermittelt.

Ein Beispiel für die kollaborative Erarbeitung von Onlineinhalten wurde in einer abendlichen Runde am Beispiel von Wikiversity und dem ZUM.Wiki diskutiert. Beide Plattformen unterstützen Lehrer dabei Freie Inhalte kollaborativ zu entwicklen und beide Plattformen suchen nach Unterstützung. Ein auf beiden Plattformen aktiver Benutzer erzählte von seinen Erfahrungen und brachte sein Problem in der Arbeit mit Wikiversity auf den Punkt: Die komplizierte und daher fehlende Einbindung von Multimediainhalten. Aus seiner Sicht sind gerade Videos eine wichtige Säule beim onlinebasierten Lernen 2.0. Das Gespräch endete damit, dass der Wunsch geäußert wurde gegenseitig stärker voneinander zu profitieren. Wie dies geschehen kann, liegt jedoch in der Hand der aktiven Autoren.

Weitere Tipps zum Erstellen freier Inhalte finden sich außerdem in dem parallel zum EduCamp veröffentlichten Dossier zu Open Educational Resources von pb21.

Finden

Auch die Frage wie ein Lehrer freies Material finden und wie er seine eigenen Inhalte auffindbar machen kann, beschäftigte einige beim EduCamp. Ein spannendes Beispiel bietet hier die Verwendung von Tags, die Inhalte im Netz kategorisieren und damit auffindbar machen. Die schlichte Idee freie Inhalte auffindbar zu machen indem sie mit maschinenlesbaren Lizenzen versehen werden, kann große Wirkung erzielen. Auf der Webseite zu EduTags wird erklärt wies geht! Ein weiterer Aspekt, der für das Auffinden Freier Inhalte für Lehrer hilfreich ist, ist die erweiterte Suchfunktion der großen Suchmaschinen, die man hier im Überblick findet. Für die Unterrichtsvorbereitung mit Freien Inhalten, empfiehlt sich ebenfalls ein Blick in die komplett frei lizensierten Wikimediaprojekte Wikimedia Commons (Bilder), Wikisource (Freie Quellensammlung).

Vielen Dank an das Orga-Team des EduCamps Ilmenau und die vielen interessanten Gespräche. Abschließend bleibt festzustellen, den meisten Diskussionen rund um OER würde das Thema einer der letzten Sessions gut tun: Ermutigung! Denn jeder kann sich aktiv beteiligen und an der Verbreitung und Erstellung Freier Inhalte mitwirken.

Wer Interesse hat, den Dialog zum Thema OER fortzusetzen, der kann mich gerne persönlich oder per Mail ansprechen. 

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OER – Ein Einblick in die pädagogische Praxis

Jonathasmello, CC-BY 3.0 *

In der pädagogischen Praxis sind Creative Commons-Lizenzen, Freies Wissen oder Urheberrecht leider immernoch Themen mit denen sich Lehrer weder während ihrer Ausbildung noch in der Praxis intensiv beschäftigen müssen. Zum Glück gibt es jedoch eine Menge Lehrer, die Wissensvermittlung in der Lehre als aktiven Prozess betrachten und daher partizipative Methoden dafür einsetzen. Doch selbst diese Lehrer scheinen derzeit durch die „Schultrojaner-Debatte“ und Diskussionen um Open Educational Ressources ( „OER“) verunsichert zu sein.

Am Wochenende wurde im Rahmen des EduCamps in Köln und im Anschluss bei den 13ten Gautinger Internet-Treffen unter Pädagogen, Lehrenden und Koordinierenden über die Fragen Freier Lizenzierung gesprochen und Best-Practice-Ansätze ausgetauscht. Dabei ist klar geworden, dass es nochgroßen Klärungsbedarf gibt.

Die Praxis

Lehrer stehen – oftmals ohne es zu wissen- vor einem Problem: Machen sie sich die Vermischung von Lern- und Lehrmaterialien in Zeiten des Web 2.0 einmal bewusst, so wird die Frage nach dem Urheber und der daraus resultierenden Zitierung immer schwerer zu beantworten. Eine beunruhigende Erkenntnis in den Gesprächen mit den Lehrenden: Unsicherheit und Angst ist bei einer großen Anzahl der Lehrenden ein Hinderungsgrund, sich mit offenen Lehrmaterialien oder den daraus resultierenden kollaborativen Prozessen zu beschäftigen.

Dies wurde für mich in einer Vielzahl an Argumenten sichtbar: Von dem Wunsch nach der „einen richtigen“ Lizenz (so wie im Schulbuch früher)  bis hin zu der Frage, ob man bei Falschverwendung nicht verklagt wird, gab es eine Vielzahl solcher Unsicherheiten, die es zu besprechen galt. Umso erfreulicher jedoch die Beobachtung, dass es oft nur wenig Erläuterung genügte, um Bedenken aus dem Weg zu räumen. Aus der Debatte um richtige Lizenzierung wurde deutlich, dass Aufklärung über Freies Wissen weiterhin eine wichtige Aufgabe ist.

Die Vision: Open Educational Ressources

Die Basis von Open Educational Ressources (im Folgenden OER) umfasst das Spektrum der verschiedenen Creative Commons-Lizenzen. Darüber hinaus ist der Begriff, wie immer wieder deutlich wird, noch sehr unklar in der Definition. Viele denken immernoch, dass „CC“ eine einzige Lizenz ist. Die Creative Commons-Lizenzen sind noch sehr unbekannt unter den Lehrenden, was auf das fehlende Bewusstsein für urheberrechtliche Fragen unter Lehrenden zurückzuführen ist. Ein zweiter Punkt, der noch häufig unklar ist, ist die Tatsache, dass „open“ nicht nur kostenlos bedeutet. Immer wieder kam der Einwand, dass Plattformen, die Ihre Inhalte „frei“ zur Verfügung stellen, doch auch schon OER sein müssten. So lange für das Problembewusstsein für die bisherige Praxis besteht, ist daher auch der Mehrwert Freier Lizenzen schwer zu vermitteln. Im Gespräch mit einem der Teilnehmer, der eine Plattform freier Geschichtsmaterialien pflegt, kamen wir unter anderem auch auf Wikipedia als Freie Ressource zu sprechen:

„Ich habe jetzt (durch die Diskussion) den Mehrwert erkannt: Meine Sicht auf Wikipedia hat sich seit dem um 100% gedreht“ (@segu_geschichte im Real-life)

Deutlich wird damit, dass die Diskussion um OER und die praktische Dimension dahinter zwar noch weit auseinander liegen, aber die Diskussion über Freie Inhalte erstmals öffentlich im Bildungsbereich stattfindet.

Die visionäre Praxis

Besonders bemerkenswert war jedoch in den Gesprächen die große Vielzahl einzelner Akteure, die bereits seit Jahren OER produzieren, Freie Lizenzen verwenden und richtige Verfechter Freien Wissens sind. Aus dieser Beobachtung resultierte dann auch eine zweite Session beim EduCamp zu „Best-Practice“, die ich gemeinsam mit @Gibro und @sondala und einer Gruppe Interessierter bestritt. Die gemeinsamen Ergebnisse haben wir in einem Etherpad gesammelt. Projekte, die bereits freie Inhalte erarbeiten, sind leider noch immer kaum sichtbar und vernetzt. Hier liegt somit eine große Aufgabe für die Zukunft der OER-Bewegung. Von @herrlarbig wie folgt zusammengefasst:

„Sei egoistisch und das hochgradig vernetzt. (Mach dein Ding, rede drüber, kooperiere.) #dialektik #effizienz #oer #ecco12“ (@herrlarbig)

Vernetzung kann, so wurde deutlich, einerseits durch Veranstaltungen wie diese geschaffen werden, eine wichtige Rolle kommt jedoch hierbei auch technischen Features für die computerlesbare Kennzeichnung freier Materialien zu. Die Einblicke in die pädagogische Praxis sind wichtig und können dabei helfen, uns in dem Engagement für Freies Wissen ab und zu zu erden und uns den nach wie vor großen Bedarf der Aufklärung für die Grundbedingungen Freien Wissens zu verdeutlichen.

* Link: CC-BY 3.0

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