Posts Tagged ‘Inhaltsbefreiung’



Alle reden vom Wetter. Wir nicht. Open Data für die Bahn. [update: Antwort der Bahn]

Manche Gespräche beginnen in einem Cafe, in einer Sbahn, einem Konferenzraum, manche Gespräche beginnen auf Twitter:

Und weil 140 Zeichen nicht für alle Belange des Lebens ausreicht, kommen wir der Bitte der Bahn zum Medienwechsel gerne nach:

 

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Kai (/ki),

gerne möchten wir unser auf twitter begonnenes Gespräch hier fortsetzen und Ihnen kurz das Anliegen schilden, damit Sie es an die zuständige Stelle bei Ihnen im Haus weiterleiten können.

Im Interesse ihrer Kunden und zur Verbesserung der Qualität ihrer Dienstleistung schlagen wir der Bahn (wieschonvielevoruns) vor, umfangreiche Datensätze über den Fahrplan und die aktuellen Fahrinformationen zum Download und zur freien Nachnutzung bereitzustellen. Freie Nachnutzung bedeutet hier die Einräumung von Nutzungsrechten, die die nichtkommerzielle wie kommerzielle Speicherung, Verarbeitung, Bearbeitung und Weitergabe der Daten ermöglicht.

Wir gehen davon aus, dass diese Daten auf viele Arten genutzt werden, die weit über das Leistungsspektrum der bisherigen, u.a. auch durch die Verkehrsbetriebe angebotenen Webservices hinausgehen; von Visualisierungen über hochpersonalisierte Fahrempfehlungen über die Integration in andere Dienstleistungen, und sei es die Immobiliensuche, auf der Wohnungen nach Kriterien wie “maximal 30 Fahrminuten von X (z.B. dem Arbeitsplatz) nach Potsdam Charlottenhof, erreichbar bis mindestens 22:30 Uhr auch an Samstagen” gefiltert werden können.

Wir gehen insbesondere davon aus, dass eine Reihe von Anwendungen so entwickelt werden, an die keiner von uns bislang gedacht hat, von denen aber jeder nach einer Woche sagen wird, es sei unmöglich, ohne sie zu leben. Nichts sollte die Bahn davon abhalten, auf diesen Pool an Ideen, Mockups und Implementierungen zuzugreifen und ihr eigenes Angebot auf ihren eigenen Seiten damit anzureichern, wenn sie darin einen Mehrwert sieht.

Die Daten liegen der Bahn bereits vor, sie müssen nicht erst extra erhoben werden. Sie sind aus datenschutzrechtlicher Sicht unbedenklich, erkennbar schon daran, weil sie – konfektioniert als Einzeldatensätze über die entsprechenden Masken auf bahn.de – abrufbar sind.

Folgende Datensätze bieten sich insbesondere an, um vielfältige Nachnutzungen zu ermöglichen:

* Basisdaten über Bahnhöfe und Stationen (Geokoordinate, Bezeichnung)
* Fahrplandaten
* Live-Daten über die aktuelle Situation, Verspätungsmeldungen, zusätzliche Halte, etc, analog der von bahn.de/ris angebotenen Daten

Diese Liste ist nicht abschließend.

Wie die zuständigen Fachabteilungen schon wissen sollten, ist das Interesse an der Freigabe dieser Daten hoch und es arbeiten bereits jetzt schon engagierte Menschen an Alternativen, solange es hier von DB-Seite noch keine eigene Bereitstellung gibt. Eines dieser Projekte ist openPlanB, sie sollten dieses Team unterstützen.

2007 wurden in einem sehr gut lesbaren Dokument definiert, was die Voraussetzung für Open Data sein sollte, es gibt neben dieser Sebastopol Open Government Data-Definition noch ein weiteres Dokument, das die insbesondere lizenzrechtlichen Mindestvoraussetzungen für das Label Open erklärt: Die Open Definition.

Als Betreiber einer systemrelevanten Infrastruktur unserer Republik sähen wir gerne die Bahn als Vorreiterin einer innovationsfreundlichen Kultur des Austausches zwischen ihr und ihren Kunden. Wir stehen für Rückfragen jederzeit zur Verfügung,

Jens Best (@jensbest)
Mathias Schindler (@presroi)

 

[update 12. September 2012, 15 Uhr:]

Die Bahn hat auf das twitter-vermittelte-email-blogposting mit einer Email geantwortet, ich gebe diese Antwort aus dokumentarischen Gründen ungekürzt wieder:

Hallo Herr Schindler,

ich habe heute die Rückmeldung unserer Kollegen erhalten, die ich Ihnen –wie angekündigt- weiterleite. Hier nun die Rückmeldung des Fachbereichs:

Wir haben das Projekt „openPlanB“ noch nicht abschließend bewertet. Dazu ein paar grundsätzliche Bemerkungen. Reine Rohdaten (Open Data) helfen eigentlich nicht wirklich weiter, da ja ohne den entsprechenden Algorithmus damit wenig angefangen werden kann. Dass wir Crowd-Sourcing (also die vielen freien Ideen) zwar nicht offiziell unterstützen, aber üblicherweise tolerieren, zeigen ja die zahlreichen Apps und Anwendungen, die es zu bahn.de gibt. Diese parsen die entsprechenden Daten auf bahn.de aus. Für uns stellt sich die Frage, welchen Mehrwert „openPlanB“ bietet. 

Die Deutsche Bahn (DB) investiert einen hohen Aufwand in die Pflege und die Aufbereitung der Fahrplandaten, um daraus für die Kunden optimale Fahrplanauskünfte für den jeweilig konkreten Reiseanlass anbieten zu können. Entsprechende Anwendungen wie die Fahrplanauskunft auf bahn.de oder den DB Navigator entwickeln wir ständig weiter und sind dabei für Anregungen von Kunden und Dritten offen. Bahn.de arbeitet seit einigen Jahren auch mit einer großen Anzahl an Partnern in verschiedenen Kooperationsformen (Schnittstellen, Widgets, etc.) zusammen, auch hier evaluieren wir regelmäßig weitere neue Modelle. Hierbei ist für die DB die Qualitätssicherung der Auskünfte für ihre Kunden immer von besonderer Bedeutung. 

Lieber Herr Schindler, da dieses Thema auch für uns und unsere Kunden interessant ist, werde ich die Information auch als Service-Notiz auf www.bahn.de/dbbahn einstellen.

Viele Grüße vom Twitter-Team und mir, /to

Ihr Twitter-Team (http://twitter.com/DB_Bahn)

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Föderalismus ist, wenn es sechzehnmal mehr Gelegenheiten gibt, etwas richtig zu machen

Die Larmoyanz unter deutschen Netzaktivisten ist derzeit unüberhörbar. Nichts gehe so richtig voran, weil im Bund eine Koalition regiert, die sich aufgrund geteilter Verantwortlichkeiten und ordnungspolitischer Differenzen gegenseitig blockiere. Und wenn etwas passiere, dann seien dies grundsätzlich Schritte in die falsche Richtung. Die Aufreger des Sommers waren das ungeliebte Leistungsschutzrecht für Presseverleger, der anhaltende Streit um die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung sowie das handstreichartig beschlossene Meldegesetz, das die kommerzielle Verwendung personenbezogener Daten erleichtert. Wer jammern will, der wird es nicht schwer haben, dieses Jammern zu begründen.

Wer „mit der Gesamtsituation unzufrieden“ ist, neigt aber mitunter dazu, die vielen kleinen und etwas größeren Fortschritte zu übersehen, die quer durch die Republik stattfinden und durch ihre Wirkung und Vorbildfunktion über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus mithelfen, Zugang und Verbreitung von Daten, Informationen und Wissen zu befördern. Wir stellen drei unterschiedlich fortgeschrittene Projekte aus drei Bundesländern vor:

  • Die schwarz-rot, bzw. rot geführten Bundesländer Berlin und Hamburg bemühen sich gemeinsam über eine Bundesratsinitiative zur Änderung des Telemediengesetzes mit dem Ziel, den rechtssicheren Betrieb von WLAN-Hotspots, z.B. für Cafébetreiber zu ermöglichen. Es finden bereits Diskussionen darüber statt, ob der gewählte Weg ausreichend ist, dieses – einhellig begrüßte – Ziel zu erreichen.
  • Die neu-, bzw. wiedergewählte Landesregierung in Nordrhein-Westfalen arbeitet auf der Grundlage eines Koalitionsvertrages, der sich mehrfach positiv zu Open Data und Open Government ausspricht. Die Fraktionen von SPD und Grünen in NRW haben nun in einem Entschließungsantrag (Drucksache 16/811 vom 4. September 2012) erste etwas konkretere Vorschläge gemacht, wie der Weg zu einer offenen Form des Regierungshandels beschritten werden soll.
  • Wie mächtig die landespolitische Initiative sein kann, zeigt der Erfolg von Hamburger Bürgern und Vereinen, sich auf dem Wege der Volksgesetzgebung für ein Transparenzgesetz stark zu machen. Diese Initiative wurde vom Parlament übernommen und mit den Stimmen aller Fraktionen entstand nun das HmbTG, des Hamburgischen Transparenzgesetzes (Inkraftreten ist am 6. Oktober 2012 mit einer zweijährigen Übergangsphase). Das Transparenzgesetz ist der bisher weitreichendste Hebel, Vorgänge in der öffentlichen Verwaltung und Daseinsvorsorge öffentlich zu machen und kann als Blaupause für andere Bundesländer oder die Bundesebene gelten. Wikimedia Deutschland ist darum auch stolzer Gastgeber für das erste Vernetzungstreffen der Berliner Zivilgesellschaft für die Arbeit an einem Transparenzgesetz für die Hauptstadt.

Diese Liste ist selbstverständlich unvollständig. Wir, der Bereich Politik und Gesellschaft, freuen uns über alle sachdienlichen Hinweise auf laufende Gesetzgebungsverfahren und andere Initiativen in den Bundesländern, die Möglichkeiten zur Partizipation, Erstellung und Verbreitung von Inhalten zu mehren. Schreibt uns bitte oder kommentiert.

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Open Data, Schritt für Schritt

Der Bundestag hat letzte Woche mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen einer Änderung des Geodatenzugangsgesetzes zugestimmt. Die zentrale Änderung (Anlage I auf Seite 5 der Bundestagsdrucksache 17/9686) ist schnell erklärt und beantwortet sich aus dem Gesetzestext:

2) Geodaten und Metadaten sind über Geodaten- dienste für die kommerzielle und nicht kommerzielle Nutzung geldleistungsfrei zur Verfügung zu stellen, soweit durch besondere Rechtsvorschrift nichts anderes bestimmt ist oder vertragliche oder gesetzliche Rechte Dritter dem nicht entgegenstehen. Geodatenhaltende Stellen des Bundes stellen einander ihre Geodaten und Geodatendienste, einschließlich zugehöriger Metadaten, geldleistungsfrei zur Verfügung, soweit deren Nutzung zur Wahrnehmung öffentlicher Aufgaben erfolgt.

Wie eine solche geldleistungsfreie Verfügbarmachung  für die kommerzielle und nicht kommerzielle Nutzung aussehen kann, zeigt die Bayerische Vermessungsverwaltung in ihrem OpenData-Portal: Dort sind erste Datensätze unter der Lizenz Creative Commons CC-by freigegeben, die die Nachnutzbarkeit durch Dritte auch für kommerzielle Zwecke erlauben.

Die Änderung eines Bundesgesetzes zur Herausgabe von Geodaten des Bundes hat keine direkten Auswirkungen auf die Lizenzierungspolitik der Bundesländer, aber sie stellt ein sehr positives Beispiel dar. Der Teufel liegt jetzt im Detail, tatsächlich auch brauchbare Lizenzen zu verwenden (CC-by gehört dazu) und auch jene Daten herauszugeben, die für Dritte einen hohen Nutzwert haben (z.B. Orthofotos mit einer Bodenauflösung von 20cm statt 2m), sowie die direkte Bereitstellung dieser Daten in sinnvollen Formaten.

Als wir vor einer Woche gegenüber dem Bundestagsunterausschuss Neue Medien zum Thema Open (Government) Data unter den eingeladenen Sachverständigen waren, haben wir eine Reihe von Datensätzen benannt, die von Parlament und Bundesregierung freigegeben werden können und sollten. Dazu gehört auch die Bereitstellung von Gesetzestexten in maschinenlesbaren Formaten ohne Nutzungseinschränkungen (die Gesetze sind gemeinfrei, bestimmte Darreichungsformen können als Datenbank geschützt sein). Auch hier gibt es einen schönen neuen Service auf gesetze-im-internet.de: Die Bereitstellung der Texte als XML (z.B. das Geodatenzugangsgesetz in seiner bisherigen Fassung), laut openjur.de-Rückfrage beim Justizministerium auch ohne Nutzungsbeschränkungen.  Wir danken.

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#uanm – Öffentliches Gespräch am 25. Juni zu Open Data

Am kommenden Montag, 25. Juni 2012, findet um 13 Uhr im Unterausschuss Neue Medien im Deutschen Bundestag ein öffentliches Gespräch mit Sachverständigen zur Entwicklung und zum Stand von Open Data Projekten statt.

Das für uns Besondere ist dabei der Teil mit den Sachverständigen, denn das sind (inter alia) wir. Und das ist eine Premiere für Wikimedia Deutschland, über die wir uns freuen.

Da die Sitzung vermutlich nicht per Livestreaming übertragen werden wird, sollten alle Interessierten mit entsprechender Zeit sich heute noch beim Sekretariat des Bundestagsunterausschusses anmelden (Details siehe Einladung).

Von den Abgeordneten im Ausschuss gab es für uns im Vorfeld eine Sammlung von sechs Fragen zum Thema Open Data, die wir in einer schriftlichen Stellungnahme beantworten und Euch hier im Blog zur Verfügung stellen. Über Feedback und Anmerkungen (gerne auch vor Montag 13 Uhr) sind wir sehr dankbar.

Unsere Stellungnahme haben wir sowohl als PDF online gestellt, sie findet sich auch im Volltext in diesem Blogposting Weiterlesen »

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Wikimedia auf dem 2. Berliner Open Data Day – BODDy12 am 6.6.2012

2011 war ein starkes Jahr für offene Daten in Berlin: Der 1. Open Data Day fand großen Zuspruch, im Herbst startete das erste deutsche Datenportal: daten.berlin.de.

Doch wie kann es weiter gehen?

Darum wird es am Mittwoch, 6. Juni 2012 von 10 bis 17:30 Uhr im Roten Rathaus in Berlin beim zweiter Berliner Open Data Day gehen. Wikimedia Deutschland ist wie schon im Vorjahr mit dabei.

Sebastian Sooth wird einen Workshop zum Thema „Offene Daten und was jetzt? – Welche offenen Daten werden von wem und wie genutzt? Wie schaffen wir Datenkompetenz?“ moderieren, Lydia Pintscher wird Wikidata vorstellen.

Die Teilnahme ist kostenlos, anmelden kann man sich online auf der Seite des Berliner Open Data Days.

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Deutsche Digitale Bibliothek – vom Stand der Debatte [update]

Gestern Abend fand in Berlin ein „Parlamentarischer Abend“ zum Thema Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) statt, veranstaltet in den Räumen der DDB-Geschäftsstelle. Wir hatten davon sehr kurzfristig erfahren und waren daher der DDB dankbar für die Gelegenheit, noch an dieser Veranstaltung teilnehmen zu können. Hier ein Überblick über den Stand der Debatte aus Wikimedia-Sicht:

Weiterlesen »

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Mit Freien Lizenzen auf Wolke Sieben

Im Mai 2009 habe ich eine Anfrage an die Betreiber der Bilddatenbank des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gestellt, in der ich um ein Gespräch zur Verwendung von Creative Commons-Lizenzen für das DLR-Bildmaterial bat. Ein Tag später kam eine positive Antwortemail und einige Tage später nahm ich an einer Telefonkonferenz mit Vertretern des DLR teil. Wir sprachen über Lizenzen, Bilder, Sichtbarkeit von Inhalten und auch darüber, wie prominent Bildmaterial der NASA dank der sehr freizügigen Lizenzpolitik der US-Regierung auf Wikipedia vertreten ist.

Seitdem gab es hin und wieder Austausch über den Stand bei der Lizenzfrage und es ist mir heute eine sehr große Freude, auf ein Blogposting des DLR verlinken zu können, in dem die neue und bereits implementierte Lizenzpolitik für Bildmaterial erklärt wird. Das DLR erklärt dort sehr ausführlich einzelne Schritte bei der juristischen Prüfung der Freigabepraxis und die eingeleiteten Schritte bei der Umetikettierung bereits publizierter Bilder.

Moskau aus 500 Kilometern Höhe, Quelle: DLR, TerraSAR-X/TanDEM-X, Lizenz Creative Commons CC-by 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Besonders schön ist die in der Regel sehr hohe Auflösung der Bilder auf dlr.de. Für alle, die jetzt davon träumen, die unter Creative Commons cc-by 3.0 freigegebenen Bilder z.B. auf Wikimedia Commons hochzuladen, daher die Bitte, die jeweils hohe Auflösung zu nehmen und mitgelieferte Beschreibungen nach Möglichkeit zu erhalten. Wir werden in der kommenden Zeit prüfen, wie ein eleganter Massenupload von DLR-Bildmaterial unter Freier Lizenz auf Wikimedia Commons aussehen kann. Bei so viel Licht gibt es auch ein wenig Schatten, viele Bilder sind Gemeinschaftsproduktionen mit anderen Einrichtungen, z.B. der ESA. Hier kann das DLR nicht eigenständig über eine Freigabe unter CC-by entscheiden, die Bilder sind darum für uns vorerst nicht einsetzbar. Auch hier hat das DLR richtig gute Arbeit geleistet und weist klar aus, wann Bilder freigegeben werden konnten und wann dies erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen kann

Apropos ESA, hier laufen seit 2004 hin und wieder Gespräche zwischen Vertretern der Raumfahrtagentur und Wikimedianern.

Freie Lizenzen für Bilder, Videos und Texte kultureller oder wissenschaftlicher Einrichtungen, insbesondere solchen mit Förderung durch die Öffentlichkeit, sind in der Regel ein Gewinn für alle Beteiligten. Die Allgemeinheit erhält besseren Zugang für und Zugriff auf Inhalte, deren Erstellung sie bereits bezahlt hat. Die jeweilige Einrichtung profitiert von der besseren Sichtbarkeit ihrer Arbeit und Projekte wie Wikipedia erhalten die Möglichkeit, komplexe Sachverhalte anschaulich und ansehnlich zu präsentieren. Freie Luftbilder und Satellitenaufnahmen ermöglichen unseren Kollegen bei OpenStreetMap, das beste Kartenwerk und Geoinformationssystem der Menschheitsgeschichte zu erstellen.

Wir bei Wikimedia Deutschland rufen daher regelmäßig Kultur- und Forschungseinrichtungen dazu auf, die Ergebnisse ihrer Arbeit der Allgemeinheit unter Lizenzbedingungen verfügbar zu machen, die die freie Nachnutzung erlauben. Das sind bevorzugt Creative Commons CC-by-sa, CC-by und CC Zero. Das Beispiel DLR empfehlen wir zur Nachahmung und danken allen, die es möglich gemacht haben.

Über das gesamte Jahr 2012 durch wird „Inhaltebefreiung“ einer der Schwerpunkte von Wikimedia Deutschland e.V. sein, wir setzen damit den von der Mitgliederversammlung des Vereins beschlossenen Wirtschaftsplan um.

 

Nachtrag

Wikimedia Deutschlands Pressemitteilung zur veränderten Lizenzierungspraxis des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ist auf unserer Webseite zu finden. (Nachtrag MJ)

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Berliner Open Data Portal gestartet – Berlin gibt Daten frei

Mit daten.berlin.de hat Berlin heute als erstes Bundesland ein eigenständiges OpenData-Portal gestartet. Wirtschaftssenator Wolf, der Staatssekretär für Inneres Ulrich Freise, die Präsidentin des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg Ulrike Rockmann und Ina Schieferdecker von Fraunhofer Fokus stellten das Portal auf einer Pressekonferenz vor. Einfach und zugänglich werden auf dem Berliner Open Data Portal ab sofort Metadaten-Informationen zu Freien Daten mit Berlinbezug an einer Stelle zentral gesammelt und zur Weiternutzung zur Verfügung gestellt.

Das Statistische Landesamt geht mit gutem Beispiel voran und veröffentlicht zum Start u.a.  Mikrozensus-, Wahl- und Beschäftigungsdaten. Auch nicht-staatliche Stellen können auf dem Portal Daten veröffentlichen. Die Datensätze für OpenStreetMap und (in Kürze auch) Wikipedia sind dort bereits zu finden.

Senator Wolf und Professorin Rockmann verwiesen darauf, dass das Portal eine gute Möglichkeit sei, die mit Steuergeldern produzierten Daten aus der Verwaltung dem Bürger auch öffentlich zu machen. Staatssekretär Freise betonte, dass der Wandel hin zur offenen Verwaltung auch für die Behörden selbst ein neues Zeitalter darstellt. Weitere Daten werden nach und nach folgen.

Auch wenn das Portal wenige Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl gestartet ist, ist nicht zu befürchten, dass es nach der Wahl wieder verschwindet. In ihren Antworten auf die Wikimedia Wahlprüfsteine befürworten alle antwortenden Parteien eine offene Informationspolitik im Sinne der Berliner Open Data Agenda.

Auch in den Wahlprüfsteinen zu Open Data vom Digitale Gesellschaft e.V., auf die Netzpoltik.org noch mal hinweist, sichern die antwortenden Parteien explizit eine Unterstützung des Berliner Open Data Portals zu (Seite 3 im PDF).

Im Bereich „Interaktion“ des Portals wird um Feedback und aktive Mitwirkung gebeten. Im Moment sind zum Beispiel die Datensätze der Umweltverwaltung zwar frei zugänglich, aber noch nicht frei weiternutzbar. Es gibt also auch in Zukunft noch genug zu tun, mit dem Hinweis auf das offizielle Open Data Portal sollte in Berlin die Veröffentlichung und Nutzung von Daten aus der Verwaltung ab sofort etwas einfacher möglich sein. Konkrete Wünsche nach Daten für das Portal sind willkommen, freundliche Hinweise auf das Portal an Stellen, die interessante Daten zur Verfügung stellen könnten sicher hilfreich sein.

Als Mitunterstützer des Berlin Open Data Days im Mai und der Berliner Open Data Agenda freuen wir uns über den Start des Portals und viele Freie Daten, die dort zukünftig zu finden sein werden.

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Gedämpfte Musik

Abbey Road von Merith, CC-BY 2.0

Wer jetzt schon mit der Stoppuhr darauf wartet, Remixe der ersten Beatles-Single zu erstellen und auf Wikimedia Commons hochzuladen, wird wohl erneut enttäuscht werden. „Love me do“, am 4. September 1962 aufgenommen, dürfte auch weit über das nächste Jahr hinaus nicht frei nachgenutzt werden können. Obwohl die Songs der Fab Four längst zum gefühlten Weltkulturerbe zählen, werden sie frühestens in zwanzig Jahren ins Gemeingut übergehen. Wie die Urheberrechts-Plattform iRights.info berichtet, könnte bereits morgen in Brüssel ein entsprechender Antrag auf Verlängerung der Schutzfrist für Tonaufnahmen zur Beschlussfassung im Europäischen Rat am 12. September vorbereitet werden. Damit hätte sich einmal mehr das Lobbying der Musikindustrie gegenüber den Einwänden renommierter Forschungsinstitute durchgesetzt.

Wie ein von Wikimedia Deutschland e.V. gefördertes Themendossier von Philipp Otto und John Hendrik Weitzmann darlegt, sind die vorgebrachten Argumente für eine Verlängerung der Schutzfristen von gegenwärtig 50 auf 70 Jahre fadenscheinig: Hauptprofiteure wären allein die vier großen Major-Labels Universal, Sony BMG, Warner Music und EMI, die über umfangreiche Backkataloge verfügen. Demgegenüber würden die ausübenden Künstler durch ihre Rechte-Buy-Outs nur in sehr geringem Maße an den Einnahmen partizipieren. Wenn es vor allem um die Vergütung der Urheber ginge, so die Autoren, „wäre eine Reform des Urhebervertragsrechts wesentlich effektiver“. Vor allem aber, so weisen Otto/Weitzmann unter Rückgriff auf einschlägige Studien nach, schaffe eine nachträgliche Schutzfristverlängerung in der Regel keine Anreize zur Schaffung neuer Werke. Im Gegenteil entstünden „Dämpfungseffekte auf neue Musikwerke und ganze Genres wie den Remix“. Wer also auf einen legalen Nachfolger des legendären Grey Albums gehofft hat, muss sich weiterhin in Geduld üben.

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Museumskonferenz „Communicating the Museum“

Auf Einladung des Veranstalters der Museumskonferenz „Communicating the Museum“ (CTM11) in Düsseldorf waren vom 6. bis 8. Juli 2011 eine internationale Gruppe Wikipedianer, die im GLAM-Bereich aktiv sind, vor Ort und haben in einer Wikipedia-Lounge im Foyer des Robert-Schumann-Saales (der im Museum Kunstpalast integriert ist) mit dem interessierten Fachpublikum gesprochen.

Anwesend waren bis zu 200 Teilnehmer aus aller Welt. Genannt seien hier stellvertretend: Museum of Modern Art, Tate, Louvre, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik, Museum Of Islamic Art (Qatar).

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Communicating_the_museum_conference_-_Wikipedia_booth_%288024%29.jpg
Die Wikipedia-Lounge

Sieben Wikipedianer/Wikimedianer haben die Lounge besetzt: Liam Wyatt (Australien), John Byrne (UK), Gerard Meijssen (Niederlande), Remi Mathis (Frankreich), Alex Hinojo (Spanien), DannyB (Tschechien) und Raimond Spekking (Deutschland). Verstärkung haben wir noch zeitweise erhalten von Alice Wiegand und Achim Raschka (beide im Vorstand von Wikimedia Deutschland) sowie von Jan Engelmann (Leiter Politik und Gesellschaft in der Geschäftsstelle).

Die Wikipedia-Lounge bestand aus mehreren Tischen, Bean bags, Wikipedia/Wikimedia-Aufstellern sowie einem Beamer mit Notebook. Die Haustechniker des Museums hatten uns freundlicherweise einen Switch für Internet zur Verfügung gestellt. Da es kein offenes WLAN für die Kongressteilnehmer gab, wurden die bei uns in der Lounge herumliegenden Ethernet-Kabel gerne in Anspruch genommen, was uns wiederum viele zusätzliche Kontaktmöglichkeiten bescherte. Gerard hat wirklich jeden Besucher unserer Lounge angesprochen, der sich nicht schnell genug wieder abkabeln konnte ;-)

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Communicating_the_museum_conference_-_Liam_Wyatt_presents_Wikimedia_GLAM_%287972%29.jpg
Liam Waytt berichtet über seine
Zeit im BM

Die Konferenz an sich war sehr stark geprägt durch Teilnehmer, die die Öffentlichkeits- und Pressearbeit für ihre Museen machen (siehe Titel: Communicating …). Am ersten Tag hat Matthew Cock vom British Museum (BM) zum Thema „Wikipedia and the British Museum: A love affair?“ von den Erfahrungen berichtet, die das Museum mit dem australischen Wikipedianer Liam Wyatt als „Wikipedian in Residence“ gemacht hat. Danach erzählte Liam Wyatt von seiner Zeit im BM und von seinen GLAM-Aktivitäten.

Liam war im Laufe der drei Tage noch mehrfach auf dem Podium hzw. im Saal, um Fragen zu beantworten.

Vor allem in den Pausen war unsere Lounge gut besucht. Für das internationale Publikum standen GLAM-erfahrene Wikipedianer in 6 Sprachen zur Verfügung: Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Niederländisch und Tschechisch. Die Kongressteilnehmer kamen in erster Linie zu uns, um über ihre Artikel in der Wikipedia zu sprechen. Meine deutschen Gesprächspartner hatten u.a. Fragen zu Korrekturen an „ihren“ Wikipedia-Artikeln oder zu den Relevanzkriterien für lebende Künstler. Fast immer konnte ich helfen, nur in einem Fall nicht: Es wurden Fehler im Artikel aufgezeigt: a) ein Kunstwerk sei von einer Leihgabe zu einer Schenkung gewandelt worden und b) eine Jahresangabe dazu stimme nicht. Problem: Weder gab das Museum eine Pressemitteilung zur Schenkung heraus, noch berichteten die lokalen Medien darüber. Zudem verbreitet die Museumswebseite die falsche Jahreszahl auf ihrer Webseite selber. Meine Gesprächspartnerin ging also mit Hausaufgaben nach Hause …

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Communicating_the_museum_conference_-_Wikipedia_booth_%288014%29.jpg
Wikipedianer im Gespräch
mit Kongressteilnehmern

Diese Gespräch nahmen wir natürlich alle zum Anlass, die Museen für eine Zusammenarbeit mit Wikipedia zu begeistern. Konkrete Ergebnisse konnte zumindest ich nicht mit nach Hause nehmen, aber ich weiß schon länger, dass GLAM-Arbeit vor allem im Bohren dicker Bretter besteht.

Wer den englischsprachigen Planeten liest, hat mit Sicherheit schon Beiträge vom Blog-Weltmeister Gerard gesehen. Er hat täglich mehrfach von der Konferenz gebloggt.

Weitere Bilder von der Veranstaltung sind auf Wikimedia Commons zu finden.

Raimond.

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