Posts Tagged ‘Freiwillige’



Perspektivwechsel

 

Erkenntnisse aus dem internationalen Treffen der GLAM-Koordinatoren auf der Wikimania 2016

Rechts spielende Bambini, links lebhafte Fußballfans beim Achtelfinale der EM und dazwischen fast 20 hochkonzentrierte GLAM*-Koordinatoren der Wikimedia Bewegung. Wir befinden uns circa 900 Meter über dem Meeresspiegel in einer kleinen Bergstadt in der Lombardei (Italien). Für eine knappe Woche lebten mehr als 2000 Menschen in Esino Lario. Denn dort auf der Wikimania versammelten sich ca 1200 Mitglieder der weltweiten Wikimedia-Bewegung, um sich über neueste Trends auszutauschen und innovative Projekte vorzustellen. Aus Schweden, Estland, Finnland und England. Aus Spanien, Baskenland, Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande, Schweiz, und vermutlich habe ich auch noch einige Länder in der Aufzählung vergessen, kamen viele derjenigen, die sich beruflich oder ehrenamtlich damit beschäftigen, für mehr #wikiGLAM in den Wikimedia-Projekten zu sorgen. Denn natürlich sind Gemälde, Archivalien, museale Objekte und Bücher – genauer ihre digitalen Derivate – von großer Bedeutung für alle Wikimedia-Projekte. Via Wikimedia-Commons sollen Bilder aus den GLAM-Sammlungen Wikipedia-Einträge veranschaulichen und attraktiver gestalten. Daten zum kulturellen Erbe aus den Museen und Archiven sollen Wikidata-Einträge vervollständigen. Buchscanns werden für den Ausbau von Wikisource gebraucht. Freiwillige und Funktionäre fackeln nicht lange, wenn eine Museumstür sich ihnen öffnet. Wir wissen, was wir wollen.

In einer Pariser Galerie: Der Wunsch sich das Schöne anzueignen. Photo von Valfex [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Blickrichtung tauschen

Aber nach circa fünf Jahren GLAM-Arbeit ist es Zeit sich zu fragen, wie können wir besser werden? Wie kann es uns gelingen, noch besser zusammenzuarbeiten? Wie können wir besser miteinander lernen? Es ist ein guter Moment diese Fragen zu stellen. Denn erst vor Kurzem hat die Trägerin aller Wikimedia-Projekte, die Wikimedia Foundation, Alex Stinson als Wiki-GLAM-Strategen eingestellt. Er wird uns in Zukunft dabei unterstützen und antreiben, Antworten auf die obigen Fragen zu finden.

Doch schon zwischen Bambini und Fußball wurde mir eines in Esino Lario ganz deutlich. Wir brauchen einen Perspektivwechsel. Und während ich noch die letzten Krümmel der Wikimania-Kekse genieße, möchte ich diesen Wechsel kurz skizzieren. Wir müssen uns in Zukunft noch stärker an den Bedarfen der GLAM-Institutionen orientieren. Nur so werden wir erreichen, was wir wollen. Da wir ja genau wissen, was wir brauchen, suchen wir nach den Möglichkeiten es zu bekommen. Denn wer gibt nicht gern, wenn er dabei gewinnt? Seit den Pionierzeiten von Wikipedia hat sich die Welt ein Stück weit verändert. Vielen Museumsdirektorinnen und Archivleitern, führenden Bibliothekarinnen und Kuratoren ist inzwischen klarer, die digitale Welt ist keine Parallele zur Realität, sondern ein Teil von ihr geworden. Sie wissen, dass ihre Besucher und vor allem ihr Nicht-Publikum jährlich mehr Zeit mit mobilen Computern verbringt und erwartet, im Netz möglichst personalisierte Angebote zu finden, die es weiter nutzen kann. Die Welt fände in der hohlen Hand Platz.** Ein Bild von der württembergischen Krone per Snapchat verändern, kommentieren und raus in den Orbit der digitalen Freundschaften schicken, eine App herunterladen, die mir beim Spaziergang durch Berlin, die Standorte zu Hans Baluscheks Gemälden anzeigt natürlich mit einer Ansicht des jeweiligen Gemäldes. Eine One-Minute-Skulptur von Erwin Wurm auf Twitter teilen, ein Foto vom Besuch einer Pariser Galerie oder Bilder einer Modeausstellung in einen Blogpost einbinden können. Das sind heute nicht nur für digital natives selbstverständliche Handlungen, wenn auch, wie wir gesehen haben, nicht immer als legal angesehene. Aber soll man solche Nachnutzungen überhaupt ermöglichen? Und wie macht man das? Weiterlesen »

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Nelsons drei Streifen

Zwei Tage im Textilmuseum auf GLAM on Tour[1]

Historischer Schaufensterkopf mit Hut in der Ausstellung „Die Macht der Mode“ . Foto von Ziko van Dijk  CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

 gemeinschaftlich verfasst mit Geolina163

An einem Junitag unter dem Dach der alten Spinnerei ist es noch heute stickig. Doch vor 230 Jahren war die Luft für die hier arbeitenden Kinder richtig ungesund. Damals wurde die Textilfabrik als erste Baumwollmaschinenspinnerei auf dem europäischen Kontinent von dem Kaufmann und Industriespion Brügelmann gegründet. Da haben wir es heute besser. Zwanzig digital volunteers, Studentinnen für Modejournalismus, gestandene Wikipedianer nicht nur aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet so wie eine kleine Delegation Weitangereister tauchen ein in die Ausstellung Die Macht der Mode”. Wir sind zur Gast im Industriemuseum Textilfabrik Cromford im Landschaftsverband Rheinland. Ein umständlicher Titel für ein Kleinod an experimenteller Archäologie und Forschungssammlung von 300 Jahren Textilmode unweit von Düsseldorf. Umso pragmatischer ist Claudia Gottfried, die Leiterin des Museums. Sie hatte schon letztes Jahr Freiwilligen der Wikimedia-Bewegung das Museum im Rahmen der Auftaktveranstaltung der Wikipedianischen KulTouren für eine Fototour zur Ausstellung Chapeau! geöffnet.

Jetzt wollen wir an zwei Tagen möglichst viele der ausgestellten Kleider und Modeaccessoires von 1890 bis 1930 in Text und Bild erfassen. „Sans-Ventre“-Kleider der Kaiserzeit, Pluderhosen für städtische Radlerinnen und schwarzgelbe Schnürkragentrikots für Fußballer der 20er Jahre. Der Triumph der Warenhäuser und Arbeitsplätze für Frauen. Mode zwischen gesellschaftlichen Bedarfen und nur allzu menschlichen Bedürfnissen. Die ungewöhnliche Ausstellung läuft noch bis Ende Oktober 2016. Unterm Dach stoßen wir auf eine interessante Hypothese. Ist es denkbar, dass die im deutschen Kaiserreich so populären Matrosenanzüge der Kinder mit ihren drei weißen Streifen auf den dunkelblauen Kragen letztlich eine britische Marinetradition fortführten, die mit den drei Streifen Admiral Nelsons drei Siege ehrten? Die Antwort der britischen Admiralität steht noch aus. Weiterlesen »

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Interaktion im Netz – Ein oft harter Hürdenlauf für Museen und Archive

110 Meter Hürdenlauffinale der Olympiade 1912 in Stockholm Bild von IOC (Official Olympic Report) [Public domain], via Wikimedia Commons

Gefragt von Studenten des Masterstudiengangs “Museum und Ausstellung” der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg, warum Museen scheitern, möchte ich zurückfragen: Ist das nicht eine Frage der Perspektive? Ausstellungen in Museen sind oft enorm wirksame Publikumsmagnete, Museen verzeichnen steigende Besucherzahlen, neue anspruchsvolle Museumbauten werden eröffnet und der Job einer Museumsdirektorin ist so angesehen wie je. Wenn man dennoch vom Scheitern redet, dann muss etwas anderes gemeint sein. Der bekannte Kurator Daniel Tyradellis provozierte 2014 die Fachwelt mit dem Buchessay “Müde Museen”. Er fordert ein Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit und Verschränkung mit dem Alltag von den Museen. Denn ja, hier können Museen noch besser werden. Denn dieser Alltag findet zunehmend im Netz statt.

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WikiCon 2015

Schreiben, Reden, Streiten, Zuhören, Diskutieren, Lachen

Vom 18.9. bis zum 20.9. trafen sich Ehrenamtliche der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte zur WikiCon 2015 im Deutschen Hygienemuseum Dresden. Wikimedia Deutschland war mit einem Team ebenfalls vor Ort und unterstützte die Veranstaltung organisatorisch und finanziell.

Es war bereits die fünfte WikiCon unter diesem Namen. Damit lässt sich inzwischen von einer schönen Tradition sprechen. Die WikiConvention ist eine Veranstaltung von den Communitys für die Communitys. Für die Hauptamtlichen von WMDE ist es besonders spannend zu sehen, was die Ehrenamtlichen bewegt und wo die Hauptamtlichen unterstützen können. Mit über 60 Vorträgen, Gesprächsrunden und Workshops war das Wochenende so gut gefüllt, dass die Tagesplanung sicherlich nicht leicht gefallen sein muss. Die Vielfalt der Angebote bot aber zu jeder Zeit spannende Einblicke in die diversen Bereiche des Wikiversums. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Organisatoren, Helfenden, Referierenden und Teilnehmenden, die dieses  inspirierende Wochenende möglich gemacht haben.

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#schlossopen – kein Twittermärchen

Teilnehmer des Wettbewerbes Wiki loves Monuments sind in das Schloss Caputh bei Potsdam eingeladen

Ein Schloss öffnet sich. Bild von tOrange unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz via tOrange.com

Wenn man über ein Schloss schreiben möchte, dann möchte man den Artikel gern mit einem schönen Foto schmücken. Dieser Artikel handelt von einem schönen Schloss, von dem es kaum schöne Fotos bei Wikimedia Commons gibt. Und der Artikel handelt davon, wie sich das ändern könnte.

Vor einigen Tagen startete ich einen Versuch. Ich wollte via Twitter auf ein Schloss-Foto-Shooting aufmerksam machen. Und da es sich um ein Schloss handelt, und da Twitter nur jeweils 140 Zeichen erlaubt, fing ich an unter dem Hashtag “#schlossopen” , ein Twittermärchen in Fortsetzungen zu schreiben. Ich weiß bis heute nicht, woran es lag, aber plötzlich erlaubte der Twitteralgorithmus es 48 Stunden lang nicht, dass irgendeiner meiner Tweets unter ihrem jeweiligen Hashtag gefunden werden konnten. Und alle 10 #schlossopen-Tweets waren in den Untiefen des Twittergeplappers verschollen. Ein ungelöstes Mysterium, wie es sich für wahre Märchen gehört. Also besann ich mich auf eine konventionellere Methode.

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Von Rodinia nach Berlin

Ein uraltes Sommermärchen mit digitalen Mitteln erzählt

An einem Sonntag in Berlin drohte das Publikum von Coding da Vinci in der stickigen Sommerhitze wegzudösen. 16 Projekte hatten sich schon präsentiert, jedes auf seine Weise interessant. Doch dann die Rolling Stones! Der Versprecher beim Start der Präsentation rüttelte das Publikum lachend wach. Ok, es kam nicht Mick Jagger auf die Bühne, sondern das Team rund um Knut Perseke, doch was dann folgte war rocking Poesie. Es war einmal vor langer Zeit da wuchs ein Fels vielleicht an einem Ort des Urkontinents  Rodinia. Unten ein Foto von ihm. Von einem Teil.  Auf jeden Fall ein wahrscheinliches.

Das ist übrig geblieben nach 1,3 Mrd Jahren Wanderung. Foto aus der Sammlung Stadtmuseum Berlin (Stadtmuseum Berlin) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons

Wenn Steine mit Dir flüstern

Als die Erde sich vermutlich langsamer drehte, erkalteten die Gasmassen und Steine entstanden. Die Erde drehte sich weiter, Kontinentalplatten verschoben sich, zerbrachen und wanderten über die Planetenoberfläche. So kam unser Stein schließlich in Skandinavien zu liegen. Es wurde kälter. Es wurde wärmer. Und wieder kälter. Unser Fels zerbrach in Steine. Die Steine fingen an zu wandern. Heute – genauer nach 1,3 Milliarden Jahren – liegt einer der Steine im Museum. Genauer gesagt im geologischen Sammlungsdepot der Stiftung Stadtmuseum in Berlin-Spandau. Wie ist er dort hingekommen? Das ist ein Teil der Poesie, wenn Steine zu flüstern beginnen.

Der andere Teil ist die Leistung der Entwickler*innen, neben Knut Perseke, Anika Schultz, Thomas Fett und Ulrika Müller, der Webanwendung “Rolling Stone”. Sehr prosaisch ihre Kurzbeschreibung im Programmheft von Coding da Vinci: “User können explorativ das Steinarchiv des Stadtmuseums erkunden, und so deren Millionen Jahre alte Spuren aufdecken.” Hinter diesen dürren Worten verbirgt sich eine Reise auf dem Zeitschlitten durch Millionen Jahre Erdgeschichte. Man folgt auf der Karte direkt den Steinen auf ihrer Grand Tour. Klicke ich auf einen der Felsen im Norden, poppen in Brandenburg und Berlin die Fundstellen der Steine auf, die mit dem Eis nach Süden gewandert sind. Gleichzeitig sehe ich links das Farbfoto des Steins und seine Verwandten. In einer Animation kann ich mir die Verwandtschaftsbeziehungen der Steine  anzeigen lassen. Noch funktioniert das nicht bei allen Steinen und auch die Beschreibung der Einträge bei Commons können noch ergänzt werden. Aber “jeder kann mitmachen”, denn sowohl die Bilder als auch der Code der Anwendung stehen unter Freier Lizenz, und kann so die Spur der Steine weiterzeichnen. Circa 300 Fotos umfasst die Sammlung des Berliner Stadtmuseums in der Webanwendung “Rolling Stone”. Ein sehr gelungenes Beispiel, wie digitale Technologien dazu beitragen, unser Wissen zu erweitern und die Sammlungen in den Museen zugänglicher zu machen.

Rolling Stone on Stage. Bildrechte: CC-BY https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/ Coding da Vinci, Foto: Thomas Nitz

 

An das Licht der Öffentlichkeit

Das fanden auch die Juroren und prämierten diese App mit einem Preis in der Kategorie “Out of Competition”. Damit gewann das Entwickler*innen Team den von SAP gestifteten Design Thinking Workshop am Hasso Plattner Institut in Potsdam. Eine hoffentlich gute Gelegenheit, die Webanwendung weiter zu entwickeln. Schön wäre es, wenn sie schon bald allgemein zugänglich würde, wohlmöglich als Release des Berliner Stadtmuseums. Wir warten also gespannt auf die Fortsetzung des Sommermärchens.

Dieser Blogpost ist der zweite in einer losen Sommerreihe, der die Ergebnisse des Hackathons Coding da Vinci beschreibt.

 

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Warum Kaffeetrinken eine sinnvolle Arbeit sein kan

Eindrücke von der GLAM Konferenz in Den Haag vom 10. bis 12. April 2015

In a nutshell at the end.

Letztes Wochenende war ich für Wikimedia auf Reisen. Am Freitag und Samstag war ich eingeladen, im Rahmen der GLAM Wiki Con  an zwei Sessions teilzunehmen. Im internationalen Kontext fasst man die Zusammenarbeit im Netz mit Kultur- und Gedächtniseinrichtungen unter dem Akronym GLAM, für Galleries, Libraries, Archives & Museums, zusammen. Die GLAM Wiki Con war demnach eine internationale Konferenz in Den Haag zur Zusammenarbeit der Wikimedia-Bewegung mit Kultur- und Gedächtnisinstitutionen, ausgerichtet von Wikimedia Nederlands.

Aus der ganzen Welt kamen Menschen zusammen, die sich über ihre Erfahrungen in der GLAM-Arbeit austauschen wollten. Venus Lui aus Hong Kong, Liang Shang Kuan aus Taiwan, Whiteghost.ink aus Australia oder Jaime Amstee aus San Francisco hatten vermutlich den weitesten Anreiseweg. Aber auch aus Afrika, Indien und natürlich aus Europa waren sie gekommen, um sich in Workshops und Podiumsdiskussionen gegenseitig zu informieren und um zu lernen. Das Programm der drei Tage war entsprechend dicht und reichhaltig.

Alle sind sie da! Foto von Ziko van Dijk (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

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Zwischen Insektenkästen und Zille-Zitaten

“Coding da Vinci” startet fulminant

Auch analoge Techniken fanden am Hacker-Wochenende in Berlin Anwendung. Diese Wandzeitung hat alle Ideen festgehalten.
Mural von Julian Klücklich fotografiert von Nina Schuiki (WMDE) CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Michael von der Deutschen Digitalen Bibliothek stand die ersten drei Stunden des Kultur-Hackathons „Coding da Vinci“ im Eingang der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland und klickte. Einmal Plus-Klick für rein – einmal Minus-Klick für raus. Und weil so viele Entwicklerinnen und Coder beim Start von “Coding da Vinci” dabei waren, musste Michael ziemlich viel klicken. 148 Gäste gaben dem dichten Programm des ersten Kultur-Hackathons in Berlin vor dem schönen Wetter den Vorzug. Für Liebhaber von Metriken: Elf Kulturinstitutionen präsentierten 17 Datensets in 5 Räumen. Jede Viertelstunde ein neues Datenset. Die Coderinnen und Entwickler schweiften von Raum zu Raum, um ihre Datenlieblinge auszumachen.

 

Es gab viel zu entdecken. Die ersten 300 Tierstimmen und aufgespießten Krabbeltiere aus dem Archiv des Museums für Naturkunde. Hebräische Poesie übersetzt, maschinenlesbar und geogetagt auf jüdischen Grabsteinen. 185.000 hochauflösende Scans aus dem Herbarium des Botanischen Museums, Schulatlanten der Kaiserzeit, das Landesarchiv in Stuttgart brachte Quellenmaterial zur Militärgeschichte, zum Teil aus privaten Spenden des frühen 19. Jahrhunderts, also eine analoge Vorform von Wikimedia Commons. Alle Datensets findet man über Coding da Vinci. Und alle stehen, größtenteils erst durch den Hackathon motiviert, unter einer Freien Lizenz.

 

Riesenkäfer from Outer Space

Krabbeln tut dieser Käfer, ein Chalcosoma atlas, nicht mehr. 1837 fand er seine letzte Ruhestätte in einem Insektenkasten des Museums für Naturkunde. Beim Kultur-Hackathon „Coding da Vinci“ erwachte er zu neuem Leben.
Bild: von Museum für Naturkunde CC-BY-3.0, via Wikimedia Commons

An der langen Seitenwand des Raumes “Mosaik” am Tempelhofer Ufer 23 füllte sich die Wandzeitung mit Projektideen. Ungewöhnliche Kombinationen, ungewohnte Perspektiven und ein frischer Erfindergeist bestimmten die Atmosphäre. Mein Schlüsselerlebnis war ein Krabbeltier der IT-Bastlerin Kathi Hyyppä. Auf sechs Kupferbeinen und mit einer Platine verbunden, wackelte ein Riesenkäfer auf mich zu. Faszinierend, denn eben noch war er nur ein aufgespießter Käfer auf einem Bild. Aber Dank der hohen Auflösung des Scans konnte Kathi einen Atlas-Beetle isolieren, vergrößern, ausdrucken und schließlich aus dicker Plastikfolie ausschneiden. Du siehst jede einzelne Wimper.

Das so genannte Hack-Dash ist das “schwarze Brett” der Designer und Coderinnen zum Austausch ihrer Ideen. Mitstreiter werden gesucht und können sich vernetzen. Eine bunnte Mischung ist schon da. Ich bin gespannt, welche Konzerterlebnisse mir das „Tier – Welt – Orchester“ künftig verschaffen wird. Wird die Arbeit rund um Kai Teuber die von den Nazis verbrannten Bücher zu einer Wiederbegegnung mit den verfemten Texten führen? Und wird der Goethe-Tourismus mit Goethe2Go neue Höhen erfahren? Welches Projekt wird die meisten „Likes“ bekommen? Und schlussendlich: Welches Team steht den zehnwöchigen Sprint am besten durch?

Antworten auf diese Fragen wird es am 6. Juli geben. An diesem Tag berät sich in Berlin die Coding-da-Vinci-Jury und kürt die Gewinnerinnen und Gewinner des Wettbewerbs.

„Coding da Vinci – Der Kultur-Hackathon“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung Berlin, der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland. Ein Wettbewerb für Programmierer um neue Anwendungen für Kulturdaten.

Pressestimmen:
Tweets: https://twitter.com/hashtag/codingdavinci

 

 

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GLAM Arbeit – Was bedeutet das eigentlich?

Ein Versuch einer Erklärung

Es gibt unendlich viel Wissen, aber frei zugänglich ist bisher nur ein Bruchteil. Dieses in den Kultur- und Gedächtnisinstitutionen zu entdecken, für die Zugänglichkeit zu werben und es u.a. für die Wikimedia-Projekte zu erschließen, darum geht es in der GLAM-Arbeit. Die englische Abkürzung “GLAM” meint Kunstsammlungen, Bibliotheken, Archiven und Museen, d.h. Gedächtnis-Institutionen im Kulturbereich. Das Akronym wird überall dort eingesetzt, wo der Kulturbereich in die digitale Welt eintritt.

Seit zwei Jahren gibt es bei Wikimedia Deutschland (WMDE) den GLAM-Bereich. Zeit für eine etwas längere Zwischenbilanz. Im Zentrum der GLAM-Arbeit steht der Vermittlungsgedanke. Die Institutionen stehen auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stehen alle Wikimedia-Projekte, alias Wikiversum, und die Freiwilligen, die sie tragen. Meine Arbeit betrachte ich als Angebot, Brücken von der einen in die andere Welt zu schlagen. Aus der Sicht der GLAM-Einrichtungen sind die Wikimedia-Projekte eine spannende Plattform, um ihre Inhalte, ihre Arbeit und ihr Wissen in der Welt bekannter zu machen. Das Ziel der Wikimedia-Projekte ist es, Freies Wissen zu schaffen, das möglichst vielen Menschen einfach zugänglich und nachnutzbar ist. Wie diese Zielvorstellungen harmonieren?

Das Wikiversum auf der einen Seite

Auf dem GLAM-Treffen in Bremen. Bild von Jürgen Howaldt (Own work) [CC-BY-SA-3.0-de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons

Das Wikiversum ist eine Welt des ehrenamtlichen Engagement von vielen Individuen. Wikipedianer machen Wissen über die Artikel in der Wikipedia frei zugänglich. Sie erschließen in ihrer Freizeit publiziertes Material und formen es in kooperativer Arbeit in enzyklopädische Wikipedia-Einträge um. Bereichert wird ihre Arbeit durch das Medien-Archiv Wikimedia Commons. Vor allem Bilddateien werden gern genutzt, um Wikipedia-Artikel zu illustrieren. Oft sind es Werke von Fotografen, die ihre eigenen Aufnahmen hochladen, aber auch Abbildungen von gemeinfreien Kunstwerken oder autorisierte Abbildungen von urheberrechtlich geschützten Werken formen das inzwischen über 20 Millionen Dateien umfassende Wikimedia Commons-Archiv. Alle Wikimedia-Projekte leben aus dem gemeinschaftlichen Engagement von Menschen, die sich für die Vision des Freien Wissens einsetzen. Dieses konstante und überwiegend ehrenamtliche Engagement hat die Wikipedia als Ganzes auf weltweit Platz 6 der am häufigsten aufgesuchten Websites gebracht. Eine enorme Leistung, die Begehrlichkeiten weckt und Verantwortung mit sich bringt. Das allein ist aber noch nicht Freies Wissen. Wirklich frei wird es erst, indem Leser und Betrachter zu aktiven Nutzern werden. Sie können aufgrund der im Wikiversum verwendeten Freien Lizenzen, selber mitmachen. Sie können das Wissen weiterverwenden, indem sie es für ihre Bedarfe umformen. Ja, sogar Geld damit verdienen, wenn sie können oder wollen.

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Das FDC braucht eure Unterstützung!

Anfang April wurde auf der Wikimedia Chapters Conference die Gründung eines Komitees beschlossen, welches in Zukunft die Verteilung der Geldmittel regeln soll, die über  Spenden in den Wikimedia-Projekte eingenommen werden. Zusammen mit einem beratenden Gremium (Advisory Group), das bereits im Vorfeld gegründet wurde, wird das Funds Dissemination Committee (FDC) voraussichtlich ab September seine Arbeit aufnehmen. Im Rahmen seiner Arbeit wird es über Anträge beraten und Empfehlungen für die Zuteilung von Geldmitteln aussprechen. Sowohl die Jahresbudgets der Länderorganisationen und der Foundation als auch Zuschüsse für individuelle Projekte sollen vom FDC zugeteilt werden.

Bewerbt euch und werdet Teil des FDC!

Das FDC wird ausschließlich aus Mitgliedern der Community bestehen und wird nach der Spendenkampagne 2012/2013 voraussichtlich mehr als 10 Millionen US-Dollar verteilen können. Vertrauenswürdige und erfahrene Freiwillige sind deshalb jetzt dazu aufgerufen, Teil des FDC zu werden. Auf Meta-Wiki könnt ihr nachlesen, wie ihr euch bewerben könnt. Nachdem ihr euch  selbst nominiert habt, werdet ihr aufgefordert, ein kurzes Statement dazu abzugeben, wie ihr euch die Arbeit für das FDC vorstellt.

Was kommt da auf euch zu?

Das FDC wird als beratendes Gremium dem Vorstand der Wikimedia-Foundation Empfehlungen zur Verteilung von Spendengeldern aussprechen, um Freies Wissen zu fördern und die Wikimedia-Projekte zu unterstützen. Weitere Informationen zum FDC findet ihr auch auf Meta. Fragen rund um den Bewerbungsprozess und das Komitee könnt ihr gern auf der zugehörigen Diskussionsseite stellen.

Bewerbungen werden noch bis 15. August 2012 entgegen genommen. Hier findet sich die Liste der Kandidatinnen und Kandidaten.

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