Posts Tagged ‘Freies Wissen’



Das Wikipedia-Buch zum 10. Geburtstag: Autoren gesucht!

Mein Name ist Boris und als neuer Mitarbeiter bei Wikimedia Deutschland bin ich für die Erstellung eines Wikipedia-Buchs verantwortlich. Ich habe Politik- und Kommunikationswissenschaft in Dresden studiert. Bisher war ich im PR-Bereich sowie bei einer Unternehmungsberatung tätig. Mein Interesse an Wikipedia geht bis auf das Jahr 2003 zurück, wobei ich zuerst als Nutzer und später – wenn auch im kleinen Umfang – als Autor, die Vorzüge von Freiem Wissen kennen lernen konnte.

Zum Anlass des zehnjährigen Bestehens von Wikipedia möchte Wikimedia Deutschland 2011 ein Buch veröffentlichen. Das Buch soll einer breiten Öffentlichkeit das Wikipedia-Projekt und seine Community näher bringen. Vor allem für Nicht-Wikipedianer sollen die Grundidee, die Geschichte und Entwicklung sowie das Innenleben der größten Enzyklopädie der Welt vorgestellt und erklärt werden.

Hintergrund und Ablauf

Die einzelnen Abschnitte des Buchs werden von Wikipedia-Autoren als Wiki-Kollaboration geschrieben. Der langjährige und engagierte Wikipedianer Marcus Cyron ist federführend an der Entstehung des Buchs beteiligt. Er wird die Zusammenarbeit mit den anderen Wikipedia-Autoren koordinieren.

Da wir neben den harten Fakten auch die Gesicher bzw. Macher von Wikipedia zeigen wollen, möchten wir zahlreiche Stimmen aus der Community zu Wort kommen lassen. Und dazu ist eure Hilfe gefragt: Wir rufen euch – die Wikipedia-Autoren, Mitarbeiter und Nutzer – dazu auf, aus euren persönlichen Erfahrungen mit dem Projekt zu berichten!

Habt ihr etwas zur Entwicklung und dem erstaunlichen Erfolg von Wikipedia zu erzählen? Wolltet ihr schon immer über ein bestimmtes Erlebnis berichten, das im Zusammenhang mit eurer Mitarbeit am Projekt steht? Oder habt ihr spannende, kuriose, lustige und unerwartete Anekdoten aus dem Alltag eines Autors bzw. Administrators bei Wikipedia parat? Dann stellt uns doch diese Geschichten zur Verfügung, um eure Sicht auf die vergangenen 10 Jahre publik zu machen (ca. eine A4-Seite, mehrere Beiträge pro Person sind möglich)!

Wir können nicht versprechen, dass alle Beiträge ins Buch einfließen werden. Aber wir haben vor, besonders spannende Geschichten und Anekdoten, die es nicht ins Buch geschafft haben, im Umfeld der Veröffentlichung zugänglich zu machen. Das Buch soll unter einer Freien Lizenz erscheinen und ihr werdet – natürlich mit eurem Einverständnis – namentlich als Co-Autoren angeführt. Zudem planen wir Verlosungen von Büchern und eine Book-Release-Party mit allen Beteiligten.

Das menschliche Gesicht von Wikipedia

Um Wikipedia tatsächlich ein Gesicht zu verleihen, möchten wir außerdem eine „Autoren-Wand“ im Anhang des Buches unterbringen. Entstehen soll eine Collage aus Fotos mit knappen Angaben zu den Menschen hinter dem Projekt. Wer mag, kann uns also auch ein Foto schicken – zusammen mit einer kurzen Beschreibung der eigenen Schwerpunkte bei Wikipedia, einer Darstellung der Motivation zur Mitarbeit oder einfach nur ein paar Worten zur Person (ca. eine halbe A4-Seite).

Sowohl die Anekdoten, als auch die Fotos und Kurzvorstellungen können unter dem Wikipedia-Benutzernamen verfasst werden. Wir freuen uns auf eure Einsendungen und hoffen, dass ihr diese Gelegenheit dazu nutzt, den Nicht-Wikipedianern da draußen einen Einblick in eines der spannendsten Experimente menschlicher Zusammenarbeit zu ermöglichen!

Projektseite im Wikipedia-Autorenportal: 10 Jahre Wikipedia: Wikipedia-Buch

Einsendungen bitte bis zum 31.01.2011 per E-Mail an: boris.marinov@wikimedia.de

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Niederlande: Fakten und Preise

Einen Tag nach der Zedler Medaille in Frankfurt wurden auch in Utrecht Preise vergeben. Wikimedia Nederland hatte für Samstag zu einer Wikiminiconferentie eingeladen, auf der unter anderem die Sieger des Wettbewerbs Wiki loves monument ihren Moment hatten.

Wegen eines Brands bei der niederländischen Bahn war Utrecht nur schwer erreichbar, von 50 Angemeldeten kamen nur etwa 30-35. Das betraf einen der geplanten Referenten und vermutlich auch einige Preisträger. Nachdem es 2009 gar keine Wikimedia Conferentie gegeben hatte, war man diesmal mit einer Miniausgabe sowieso bescheidener. 2008 kamen noch etwa hundert Gäste.

Die alte Frage: Atomium ablichten, ist das erlaubt?

Der Internetjurist Arnoud Engelfriet in Utrecht. Bild von Ziko van Dijk, CC-BY-SA

Zum Stammgast der Wikimedia Nederland avanciert Arnoud Engelfriet. Der Internetjurist sprach über die Fallstricke des Urheberrechts. Seit einer Gesetzesnovelle vor einigen Jahren heißt es, dass ein Kunstwerk auf einem Foto so gezeigt werden darf, wie es in der Öffentlichkeit da steht („zoals het zich daar bevindt“). Das Standardbeispiel dafür ist die Erasmusbrücke in Rotterdam.

Aber, so Engelfriet, wenn man aus dem Bildhintergrund ein störendes Gebäude wegretuschiert oder der Brücke eine andere Farbe verpasst, dann entspricht man damit dem Satz im Gesetz nicht mehr. Die Werkintegrität, und damit das Urheberrecht des Architekten, ist dann verletzt.

Das Atomium in Brüssel darf man fotografieren – zumindest aus dem Weltraum, wie GoogleMaps das macht. Schließlich steht man dann nicht auf belgischem Grund und Boden, wo das Urheberrecht Fotos vom Atomium untersagt, weil keine Panoramafreiheit herrscht. Außerdem sind die Satellitenfotos von GoogleMaps rein mechanisch gemacht. Sie sind damit keine kreative Schöpfung. Warum steht darunter dann aber „Copyright Google“? Engelfriet: „Das hat jemand bei Google einfach so hinzugefügt, weil es cool aussieht.“ Sie sind allerdings frei, genauso wie Fotos aus dem Passbildautomaten.

„Viel Wachstum ist nicht mehr zu erwarten“

„Ich hätte ihm noch zweihundert Fragen stellen können“, sagte ein junger Teilnehmer. Aber auch der zweite Hauptredner traf das Interesse der Wikimedianer ins Mark. Erik Zachte ist der chief analyst der Wikimedia Foundation, der seine Trends rond Wikipedia unter die Leitfrage stellte, ob wir einen Höhepunkt der Wikipedia-Beteiligung erreicht haben, oder ob es noch besser wird.

Erik Zachte. Bild von Sebastiaan ter Burg, CC-BY-SA

Allgemein spricht man von einem virtuous circle bei der Wikimedia, erklärt Zachte: bessere Inhalte führen zu mehr Lesern, mehr Leser führen zu mehr Mitmachern, und jene wiederum zu besseren Inhalten. Und am zweiten „führen zu“ notierte Zachte sich ein Fragezeichen. Denn auch wenn Leserzahlen steigen, bleiben die Mitmacherzahlen seit 2007 sehr stabil. „Viel Wachstum ist nicht mehr zu erwarten.“ Anders sieht es jedoch in Ländern wie Indien aus.

Der Fotograf Sebastiaan ter Burg arbeitet meist für Behörden oder Stiftungen. Seine Fotos veröffentlicht er unter einer freien Lizenz. Das erklärt er den Kunden, und die finden das meistens gut, weil es vieles so einfach macht.

André Kopal engagiert sich beim WikiProjekt über Windmühlen. Im Mai 2008 hat er damit angefangen, ein Tool für die Inventur und Struktur zu entwickeln. In Zukunft soll es eine entsprechende Datenbank geben.

Josq ist Promovendus und Wikipedianer, der an der Universität Leiden versucht, Experten für die Online-Enzyklopädie zu gewinnen. Das Unwissen von Kollegen und vor allem Studenten für grundlegende Regeln wie das Plagiatsverbot ist für ihn unbegreiflich. Einmal hat ein Student ihm eine interessante Hausarbeit vorgelegt, so Josq, der plötzlich begriff, dass er den Text selbst für die Wikipedia geschrieben hatte.

Ich selbst habe das Schulprojekt der Wikimedia Deutschland präsentiert. Das Interesse der Niederländer ist daran sehr groß, auch wenn die WMNL sich zunächst an Bibliotheken wendet.

Wettbewerb: konsequent enzyklopädisch

Von links: eine Gewinnerin, ein Sponsor, und Hay Kranen - dazu das gewonnene Smartphone. Bild von Sebastiaan ter Burg, CC-BY-SA

Hay Kranen präsentierte schließlich die Gewinner des Foto-Wettbewerbs Wiki loves monuments. Im September eingerichte Bilder von Reichsdenkmälern nahmen daran automatisch teil. Von 50.000 Reichsdenkmälern haben nun immerhin 8.000 ihre Fotos, insgesamt über 12.000 Fotos. Man konnte bei FlickR oder bei Wikimedia Commons hochladen.

Das Siegerfoto steht exemplarisch für die Auswahlpolitik der Jury. Nicht so sehr der technische oder ästhetische, sondern der enzyklopädische Wert stand im Vordergrund. Das Gebäude in Amsterdam aus dem 17. Jahrhundert dient heute als Laden. Alt und Neu stehen nebeneinander, und das Foto selbst ist mit dem Glühbirnen-Schlussverkauf und dem Herren in betont legerer Freizeitkleidung ein Dokument des Aufnahmezeitpunkts.

Die Wikiminiconferentie macht Lust auf mehr: Im Januar stehen bereits wieder einige Termine der Wikimedia Nederland an, und auch ein Thema für einen neuen Fotowettbewerb wird gesucht.

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Druckfrisch: Broschüren über Wikimedia-Projekte

Jetzt gibt es bald wirklich keine Entschuldigungen mehr, sich an den Wikimedia-Projekten nicht zu beteiligen. Die ersten beiden einer Reihe von Informationsbroschüren über Wikimedia-Projekte sind frisch gedruckt. Auf wenigen Seiten sollen sie all jene, die sich in der Wikimedia-Welt noch nicht auskennen, darüber aufklären, wie Wikipedia und deren kleinere Schwesterprojekte funktionieren und wie man selbst aktiv werden kann.

Den Anfang machen das „Wikipedia-Einmaleins“ und die Broschüre „Wikiversity – Lernen und Lehren“. Weitere Informationsbroschüren sind in Arbeit, zum Beispiel über Wikimedia Commons, Wikibooks  und Wikisource. Alle Broschüren folgen einer klaren Gliederung. In der Einleitung erfährt der Leser zunächst über die Ziele von Wikimedia und was und wer Wikimedia überhaupt ist. Im Anschluss begleitet jede Broschüre den Leser Schritt für Schritt durch die Grundlagen des jeweiligen Projektes. Wie melde ich mich als Benutzer an? Was sollte ich wie zuerst tun und warum? Wie werde ich aktiver Teil der Community? Den Abschluss bilden allgemeine Fragen und Antworten sowie Verweise auf Hilfeseiten in der Wikipedia.

Mit diesen Informationsbroschüren will Wikimedia Deutschland vor allem über die Projekte aufklären. Darüber hinaus wäre es erfreulich, wenn die Broschüren helfen, die Mitarbeit an den Projekten zu erhöhen und eine offensichtliche Hemmschwelle zu verkleinern. Gerade das Beispiel Wikipedia zeigt, wie verhältnismäßig wenig Menschen den Schritt vom Leser zum aktiven Benutzer machen.

An diesen Broschüren haben aktiv Mitglieder der Community mitgearbeitet – und allen sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Bei der Erstellung weiterer Broschüren und Informationsmaterialien wünschen wir uns ebenso viel Unterstützung und werden hierzu nochmals entsprechend in den Projekten zur Mitarbeit aufrufen. Die Broschüren sind nicht nur online verfügbar sondern können auch kostenlos unter redaktion@wikimedium.de bestellt werden.

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WissensWert – Wir investieren in eure Ideen!


Wikimedia Deutschland wagt heute ein Experiment: Wir investieren in mutige Ideen zur Förderung Freien Wissens und stellen ausgewählten Initiativen kurzfristig und unbürokratisch Mittel in Höhe von 500 € bis zu 5.000 € zur Verfügung.

Seid mutig!

Mit unserem Ideenwettbewerb WissensWert fördern wir Projekte, die mit unseren Zielen übereinstimmen. Ideen zur Erstellung, Sammlung und Verbreitung Freier Inhalte. Ideen, die den Zugang zu Wissen und Bildung fördern. Ideen zu Freien Lizenzen und Freier Software. Wir können mit einer Fördersumme helfen, aus mutigen Ideen außergewöhnliche Projekte zu machen!

Macht alle mit!

Alle können mitmachen! Alle, die eine Idee haben, die zu uns passt und nur darauf wartet, in die Tat umgesetzt zu werden. Wir sprechen damit nicht nur die Wikipedia- und Wikimedia-Community an – Vertreter der Free-Culture-Bewegung, Baustler und Creative Commons-Fans, Freunde von Open Streetmap, vom Offenen Web, Freier Software und Freien Netzen sind ebenso aufgerufen, ihre Ideen bei uns einzureichen. Dabei prämieren wir keine Ideen nur der guten Idee wegen, sondern stellen ausgewählten Einreichern Geld zur Verfügung, damit sie ihre Idee selber umsetzen können.

Eure Ideen sind uns was wert!

Ihr habt bis zum 15. Oktober 2010 Zeit, eure überzeugenden Ideen bei uns einzureichen. Neben der offiziellen Jury aus Wikipedianern, Wikimedianern und Vertretern der Bewegung bekommt auch die Öffentlichkeit eine Stimme: Wir werden die Ideen zur öffentlichen Abstimmung auf der Website bereit stellen.

So geht’s:

Teilnahmebedingungen, Bewertungskriterien und das Bewerbungsformular findet ihr auf der WissensWert-Seite. Fragen beantworten wir gerne unter ideen@wikimedia.de. Und nun los! Raus aus der Schublade mit der Idee, rein in unser Bewerbungsformular! Wir freuen uns auf zahlreiche tolle Einreichungen.

Sagt’s weiter!

Wir zählen bei der Bekanntmachung unseres Wettbewerbes übrigens auf eure Unterstützung: Erzählt euren Freunden, Kollegen, Musen, Wirten und Partnern von der großartigen Möglichkeit dieser Förderung. Damit das ganze auch hübsch wird, haben wir ein paar Banner zum Einbinden auf eure Wikis, Blogs und Social Networks gebastelt. Danke!

Update: Wir freuen uns, mit Leonhard Dobusch, Benutzer:Eschenmoser, Jürgen Lüdeke, Philipp Otto und Elke Wetzig sehr kompetente Jurymitglieder gefunden zu haben: Hier stellen wir sie euch vor.

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Wikimania 2009: Berichte aus Buenos Aires

Nachdem Alice ja bereits einiges zur Wikimania 2009 in Buenos Aires geschrieben hat (zu finden hier und hier) und ich in meinem letzten Monatsbericht auch schon einiges zum Thema gesagt habe, hier nun der große Abschlussbericht der Geschäftsstelle:

Pavel Richter

Aus meiner Sicht standen zwei Dinge im Mittelpunkt: Die Diskussion mit den Chaptern und die Diskussion mit der Foundation (Für diejenigen, die sich nicht so mit den Begrifflichkeiten der internationalen Wikimedia-Bewegung auskennen: Hier eine Erklärung, was Chapter sind und was die Wikimedia Foundation ist)

So unterschiedlich die Bedürfnisse der Chapter auch sind, und so unterschiedlich der Entwicklungsstand der Chapter auch ist, das gemeinsame Ziel: Die Förderung des Freien Wissens, ist uns allen gleich wichtig. Dieser Grundkonsens zog sich auch durch sämtliche Debatten und Diskussionen und hat der Qualität dieser Gespräche nur genutzt. Das ist etwas, was wir uns alle bei unseren Gesprächen, bei Kritik und in Diskussionen stets vor Augen halten sollten: Bei allen Unterschieden und Differenzen haben wir ein gemeinsames und gutes Ziel!

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Eine Vision für Wikimedia Deutschland

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der jeder Mensch an der Menge allen Wissens frei teilhaben kann.

Im Mai hatten wir in einem Blogbeitrag von der Vorstandsklausur berichtet. Heute möchte ich mit euch einige der Inhalte teilen, die dabei herausgekommen sind.

Wichtigstes Ziel der Sitzung war es, eine gemeinsame Idee, eine Vision davon zu entwickeln, wo der Verein langfristig hin will. Was soll erreicht werden? Wie stellen wir uns die Wikimedia-Welt in zwei, fünf, zehn Jahren vor? Das ist für Internetverhältnisse eine lange Zeit. Aber mit klaren Zielen vor Augen werden wir in die Lage versetzt, nachhaltiger zu agieren und Projekte zu unternehmen, die über mehrere Monate oder Jahre laufen. Das passt zum Beispiel auch zu zwei unserer größeren Projekte: Medienkompetenz in Schulen und Generation 50plus. Beides sind Initiativen, die nicht nach ein oder zwei Monaten erledigt sind und damit über längere Zeit Geld und Personal binden.

Wie sind wir vorgegangen?

Unter der Moderation von Anna Royon-Weigelt haben wir unsere Diskussion in drei Schritte geteilt. Zuerst haben wir die Personen, Gruppen, Organisationen und Institutionen identifiziert, die entweder großes Interesse am Verein haben oder durch ihr Handeln großen Einfluss auf uns ausüben. Im Fachchinesisch der Strategieplanung werden diese Personen und Gruppen als Stakeholder bezeichnet. Für Wikimedia Deutschland sind dies auf der externen Seite unter anderem die Leser/Nutzer der Inhalte, Medien, Spender, Autoren, die Community, Artikelsubjekte (Personen und Unternehmen, die Thema von Artikeln, Fotos und anderen Beiträgen sind) und die Politik, auf der internen Seite unter anderem die Mitglieder, der Vorstand, die Mitarbeiter und die Freiwilligen.

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Der neue Vorstand konstituiert sich und setzt sich Ziele

Nachdem dieses Jahr bereits jede Menge über Projekte und Veranstaltungen berichtet wurde, möchten wir an dieser Stelle den Fokus auf die bisherigen Entwicklungen im Vorstand richten.

Mit der Wahl des neuen Vorstands, im Rahmen der am 21. März 2009 in Berlin stattgefundenen Mitgliederversammlung, ging eine wesentliche Änderung der Führungsspitze einher. In der Wahl zum Ersten Vorsitzenden unterlag der seit 2004 amtierende Mitbegründer des Vereins, Kurt Jansson, dem bisherigen Zweiten Vorsitzenden, Sebastian Moleski.

Erneut in den Vorstand gewählt wurden: Alice Wiegand (Zweite Vorsitzende), André Darmochwal (Schatzmeister), Tim Bartel und Philipp Birken; neu hinzugekommen sind: Jürgen Lüdeke (Schriftführer), Maria Schiewe, Jenny Grabe, Harald Krichel sowie Michail Jungierek, der bereits zum zweiten Mal Vorstandsmitglied ist. Wie in den Jahren 2004 – 2007 umfasst das Gremium nun wieder zehn Mitglieder.

Mit dem Ausscheiden Kurt Janssons geht eine Ära zu Ende, denn er war maßgeblich am Aufbau und der bisherigen Entwicklung des Vereins beteiligt. Und so mischen sich unter die Dankbarkeit für Kurts geleistete Arbeit auch Wehmut bei seinen langjährigen Vorstandskollegen. Nun ist es an Sebastian Moleski, den Verein erfolgreich weiterzuführen. Die personellen Veränderungen bringen frischen Wind in den Vorstand, allerdings auch die Aufgabe, sich als neues Team zusammenzufinden. Dieser stellen wir uns jedoch gern. Bedingt durch die Größe des Vorstandes bestand die erste Herausforderung darin, einen Termin für die traditionelle Vorstandsklausur zu finden.

Um möglichst schnell handlungsfähig zu sein, fand am 26. April ein erstes Treffen zur Konstituierung statt. Am 16. und 17. Mai war es dann soweit, der neu gewählte Vorstand traf sich zu seiner ersten Klausurtagung in Fürstenwalde (Spree). Ein Wochenende lang beschäftigten wir uns einerseits mit organisatorischen und strukturellen Fragen und andererseits mit der Ziel- und Schwerpunktsetzung für die Vereinsaktivitäten der nächsten Jahre. Ziel war es, eine gemeinsame Vision zu erarbeiten, wo wir Wikimedia Deutschland langfristig sehen. Das heißt, wir entwickelten eine Vorstellung davon, wie der Verein mit seinen Programmen und Initiativen, die Wikimedia-Inhalte sowie die Idee des Freien Wissens allgemein, zukünftig wahrgenommen werden sollen.

Im Rahmen umfangreicher Diskussionen erarbeiteten wir zunächst Vision Statements für die verschiedenen Interessensgruppen von Wikimedia (Leser, Autoren, Medien, Bildungswesen etc.). Um in einem nächsten Schritt konkrete Ziele festlegen und Maßnahmen ableiten zu können, definierten wir verschiedene Tätigkeitsbereiche. Im Einklang mit den Satzungszielen setzten wir Verantwortungsbereiche (Ressorts) fest und ordneten diese nach Fähigkeiten und Interesse den Vorstandsmitglieder zu. Mit der Festlegung von Ressorts wollen wir mehr Klarheit und Transparenz in den Verantwortlichkeiten schaffen. Nach außen soll sichtbar sein, welches Vorstandsmitglied für welches Themenfeld verantwortlich ist. Damit greifen wir auch einen oft geäußerten Wunsch der Mitglieder auf. Die Ressorts sowie deren Zuordnung zu den Vorstandsmitgliedern werden wir demnächst auf der Vereinswebsite veröffentlichen.

Die Entwicklung einer Vision, auf die wir gemeinsam hinarbeiten wollen, ist ein wichtiger Meilenstein für den Verein und Grundlage für seine weitere Entwicklung. Im Nachgang zur Klausur werden sich die Vorstandsmitglieder in kleineren Gruppen zusammenfinden, um für die Ressorts konkrete Ziele zu formulieren. Da es uns sehr wichtig ist, die Mitglieder und Freunde des Vereins aktiv in die Diskussionen einzubinden, freuen wir uns darauf, euch die Vision sowie die Zielsetzungen vorzustellen und diese gemeinsam zu diskutieren. Wir haben viel vor und möchten dies gern weiterhin zusammen mit euch realisieren. Details dazu werden wir im Juni bekannt geben.

Jenny & Harald

Fotos: Elke Wetzig und Jürgen Lüdeke

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Der Deutschlandfunk und das kommerzielle Missverständnis

Update: Ich hatte eben ein kurzes, aber nettes Telefonat mit Herrn Müller-Ullrich, der sich entschuldigt hat. Er hat wohl auch eine ganze Reihe von Mails bekommen. In der heutigen Sendung wird es eine kurze Richtigstellung geben, die auch dem Online-Artikel hinzugefügt wird. Vielen Dank für die prompte Reaktion.

Durch einen Hinweis von Mathias und dem kurz darauf folgenden Blogposting bei netzpolitik.org von Markus Beckedahl bin ich gestern auf den Beitrag „Freie Enzyklopädie?“ von Burkhard Müller-Ullrich aufmerksam geworden.

Dieser wurde im Rahmen der Sendung „Kultur heute“ des Deutschlandfunks ausgestrahlt (MP3) und hat mich so verärgert, dass ich meinem Unmut in einer E-Mail an den Leiter der Onlineredaktion Luft gemacht habe.

Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

mit wachsendem Unbehagen habe ich den Online-Artikel „Freie Enzyklopädie?“ von Burkhard Müller-Ullrich (online abzurufen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/965806/) gelesen, der in dieser Version ja leider auch ausgestrahlt wurde.

Der Beitrag scheint auf einer Reihe von Missverständnissen zu basieren und enthält Fehler. Es ist sehr bedauerlich, dass kein Kontakt zur Wikimedia Foundation oder zum Wikimedia Deutschland e.V. gesucht wurde.

Die wichtigsten Kritikpunkte:

  • Der Autor behauptet, dass alle Autoren der Wikipedia ihre Texte unter die GPL-Lizenz stellen. Das ist faktisch falsch. Sämtliche Texte unterliegen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation (GFDL).
  • Die Wikipedia hat es sich seit ihrer Gründung zur Aufgabe gemacht, Freie Inhalte zu schaffen. Unser Verständnis von Freiheit umfasst die folgenden Punkte:
    • Die Wiederveröffentlichung der Inhalte und deren Verbreitung muss erlaubt sein. Eine Nachnutzung ist explizit erwünscht.
    • Die Veröffentlichung abgewandelter Inhalte muss erlaubt sein.
    • Die kommerzielle Nutzung muss erlaubt sein.
  • Auch die GFDL erlaubt selbstverständlich die kommerzielle Nutzung. Die Wahl fiel zur Gründung auf diese Lizenz, weil es 2001 keine sinnvollen und einfacheren Alternativlizenzen gab, die unseren Zwecken genügt hätten.
  • Es steht innerhalb der Wikipedia NICHT zur Diskussion, die ganze Palette der Creative-Commons-Lizenzen zu nutzen. Das wäre auch rechtlich überhaupt nicht möglich. Zur Diskussion steht einzig und allein die Doppellizenzierung der Inhalte unter der GFDL und der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0“ (CC-BY-SA), die in Zusammenarbeit mit der Free Software Foundation (FSF) möglichst „GFDL-nah“ ausgestaltet wurde. Beide Lizenzen streben genau das gleiche Ziel an, die CC-BY-SA ist für Nachnutzer aber deutlich praktikabler. Anstatt den gesamten Lizenztext beizulegen, reicht die Angabe eines Links, der auf diesen verweist.
  • Nur um das noch einmal zu betonen: Selbstverständlich war immer eine kommerzielle Nutzung der Inhalte der Wikipedia möglich und selbstverständlich wurde in der Vergangenheit die geltende, sehr unpraktikable GFDL-Lizenz – im Gegensatz zur im Artikel aufgestellten Behauptung – von den Nachnutzern in den meisten Fällen eingehalten. Als Beispiele seien nur die verschiedenen CD- und DVD-Ausgaben der Wikipedia oder das gedruckte Wikipedia-Lexikon in einem Band genannt, die alle von kommerziellen Nachnutzern erstellt und vertrieben werden.

    Die letzte Wendung des Beitrags ist schließlich für mich gar nicht mehr nachzuvollziehen. Hier werden munter unfreie Gratis-Inhalte ins Spiel gebracht und Wikipedia-Autoren unterstellt, dass sie eine Vergütung für die Schaffung Freier Inhalte wünschen oder erwarten würden, sofern die erstellten Inhalte kommerziell genutzt würden. Mir ist ja bewusst, dass die Gemeinschaft der Wikipedia-Nutzer oftmals für Außenstehende eine schwer zu durchschauende Masse darstellt – aber solche unbelegten Thesen aufzustellen, die mit der Realität augenscheinlich wenig zu tun haben, ist dann doch ein starkes Stück.

    Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich in diesem Artikel die im Gegensatz sonst beim Deutschlandfunk positiv hervorstechende Qualität der Beiträge *stark* vermisst habe.

    Enttäuscht, Tim Bartel.
    Mitglied des Vorstands Wikimedia Deutschland e.V.

Ich bin gespannt ob ich eine Antwort erhalte und ob der Artikel nachgebessert wird.

Die Veröffentlichung des Ergebnis der Abstimmung über die Änderung der Lizenzbestimmungen, an der sich über 18.000 Wikipedianer beteiligt haben, wird für heute in Kürze erwartet.

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Befreiung von Inhalten – wie geht es weiter?

Nachdem die Kooperation mit dem Bundesarchiv so erfolgreich funktioniert hat, gab es seit Ende letzten Jahres Gespräche, wie wir  solche Projekte weiter vorantreiben können. Wie finden wir geeignete Kooperationspartner, die über Inhalte verfügen? Wie können wir sie für die Unterstützung Freien Wissens gewinnen? Wie stemmen wir die damit verbundenen Arbeiten?

Ein erster Schritt in dieser Richtung war die Einstellung von Mathias Schindler als Projektmanager, zuerst für drei Monate. Sein Auftrag: Partner finden und Kooperationen auf den Weg bringen. Am 31. März konnten wir dann auch schon einen ersten großen Erfolg vorstellen: die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) gibt 250.000 Bilder aus der Deutschen Fotothek frei. Der Upload hat bereits begonnen, viele Bilder wurden schon thematisch kategorisiert, inhaltlich geprüft und in Wikipedia-Artikel eingebunden. Daneben liefen noch weitere vielversprechende Gespräche mit anderen Institutionen.

Wie geht es nun weiter? Es ist klar, dass freien Zugang zu Bildern und anderen Materialien schaffen zu unseren Kernaufgaben gehört. Die Erfolge bisher lassen kaum Zweifel, dass hier noch sehr viel mehr möglich ist. Die begeisterte Einbindung und Verwendung der Bundesarchiv- und SLUB-Inhalte durch engagierte Freiwillige zeigt ebenfalls, wie wichtig solche Projekte für die weitere Entwicklung unserer Inhalte sind. Um dem allen gerecht zu werden, haben wir beschlossen:

  1. Die Befreiung von bisher nur eingeschränkt nutzbaren Inhalten wird aktiv durch den Verein gefördert.
  2. Wir bieten Mathias Schindler eine Verlängerung des Vertrags als Projektmanager auf 12 Monate an. Seine exzellente Arbeit bisher und sein unermüdlicher Einsatz in diesem Bereich sind bester Beweis dafür, dass er diese Rolle ideal ausfüllt. Mathias hat das Angebot bereits angenommen und den Vertrag unterschrieben.
  3. Der Verein wird kurzfristig ein Spendenprojekt starten, um Mittel zur Befreiung von Inhalten anzuwerben. Damit sollen auch eventuell entstehende Kosten abgedeckt werden, wie sie zum Beispiel bei der Entwicklung neuer Software zum Bildupload und -verwaltung oder der Digitalisierung von Inhalten entstehen können. Details dazu werden wir in den nächsten zehn Tagen vorstellen.

Ich freue mich persönlich sehr, dass wir in diesem Bereich bereits so viel machen konnten, und sehe mit viel Spannung zukünftigen Kooperationen entgegen. Wir sind angetreten, das Wissen der ganzen Menschheit zu sammeln und jedem für jeden Zweck frei zugänglich zu machen. Bisher nicht zugängliche Inhalte zu diesem Zweck zu erschließen ist eine wichtiger weiterer Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel.

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Die Wikimedia Bewegung wächst und entwickelt sich – Bericht zum Chapters Meeting

Eine geballte Ladung engagierter Unterstützer Freien Wissens kam aus aller Welt vom 3.-5. April anlässlich der ersten Wikimedia Conference in den Berliner T-Labs und der c-base zusammen. Die Konferenz umfasste drei parallel laufende Veranstaltungen:

Gemeinsam mit Alice Wiegand hatte ich das Vergnügen als Vertreterin des Vorstands von Wikimedia Deutschland hautnah beim Chapters Meeting dabei zu sein. An dieser Stelle nun ein kleiner Bericht und ein paar persönliche Eindrücke meinerseits.

Wikimedia Brasil stellt sich vor
Wikimedia Brasil stellt sich vor
Was sind eigentlich Wikimedia Chapter? Und was hat es mit dem Chapters Meeting auf sich? Die Chapter sind unabhängige Organisationen, die dazu dienen, die Idee des Freien Wissens durch die Wikimedia Projekte (wie z.B. die Wikipedia) in einem bestimmten Land zu fördern und zu unterstützen. Derzeit existieren weltweit 22 Chapter. Der Verein Wikimedia Deutschland ist das deutsche Chapter. Seit 2008 findet einmal im Jahr das Chapters Meeting statt. Ziel des Treffens ist es, die Chapter der verschiedenen Länder zusammenzubringen, um ihnen so Gelegenheit zu geben, ihre Erfahrungen bezüglich der Arbeit für die Wikimedia Bewegung auszutauschen, Idee zu diskutieren und gemeinsam Pläne zu schmieden, wie die Förderung Freien Wissens weiter vorangetrieben werden kann.

Nachdem die Repräsentanten der Chapter bei ihrem ersten Treffen (2008) in Nijmegen (Niederlande) zusammenkamen, übernahm dieses Jahr Wikimedia Deutschland die Gastgeberschaft. Dank der Unterstützung verschiedener Chapter ist es gelungen, Vertreter aller existierenden Chapter nach Berlin zu holen. Den weitesten Anreiseweg hatten dabei Patricio und Carlos als Repräsentanten des Argentinischen Chapters (11.900 km), Arief und Revo Arka Giri (Wikimedia Indonesia: 10.800 km) sowie Thomas & Alexandre von Wikimedia Brasil (10.000 km).

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