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Jedem Zauber wohnt ein Anfang inne: Bericht vom Brüsseler Kick-off

Graphic Thinking. Foto: Lilli Iliev, CC-BY-SA

Wie beginnt man etwas, wofür es keinerlei Vorbild gibt? Wie findet man Zutrauen für eine Sache, die skeptische Beobachter als “zu ambitioniert” betrachten? Wie wird man Teil einer Gemeinschaft, die niemals geschlossen, sondern immer zugangsoffen und transparent sein soll?

Die Grundvoraussetzungen des Projekts “Roadmap nach Brüssel”, von dem ich hier erstmals im März berichtete, unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht so sehr von den Startbedingungen der Wikipedia 2001. Auch damals hätte es niemand für möglich gehalten, dass eine einfache Internet-Plattform zu einem international anerkannten Umschlagplatz des Wissens werden könnte.

Heute, über eine Dekade später, ist deshalb die Frage legitim: Wieso sollte es nicht auch möglich sein, dieser sozialen Bewegung auch einen politischen Arm zu verleihen, der die europäische Gesetzgebung auf ihre möglichen Restriktionen für Freies Wissen abtastet und – wann immer nötig – auf den Plan tritt?

Das Vorhaben klingt nicht nur ambitioniert, es ist es auch. Denn die Zeit hat das Wikimedia-Universum komplexer gemacht, in unterschiedliche Rollen, Territorien und Interessensgebiete auseinandergefaltet, ein unübersichtliches Gewimmel erzeugt, das für jedes (auch abseitige) Thema eine eigene Seite oder gar eine Mailing-Liste bereithält. Let’s face it: Wir sind ein riesiges Netzwerk, das gerne kommuniziert. Zuweilen etwas zu viel mit sich selbst, aber immer auch mit der Gewähr auf spannende Ideen.

Vor diesem Hintergrund erschien es uns nur konsequent, Wikimedianer zu einem direkten Gespräch am 6./7. April nach Brüssel zu laden, um intensiv über die Struktur und Arbeitsweise einer künftigen Arbeitsgruppe zu sprechen, die Freiem Wissen gegenüber der EU eine Stimme verleiht. Der Grundgedanke ist beileibe nicht neu und hat bei diversen Wikimania-Konferenzen schon eine Rolle gespielt, sich bislang allerdings nie in eine nachhaltige Struktur übersetzt.

Einen ersten Anlauf in Brüssel dazu gab es bereits im Juli 2009, der leider weitgehend folgenlos blieb. Umso mehr freut es uns, dass neben Vertretern aus Belgien, Niederlande, Italien, Estland, Bulgarien, Frankreich und Deutschland mit Lyzzy und Lodewijk eben auch zwei äußerst engagierte Wikimedianer einfanden, die seit Jahren für das Thema werben. Eine von WMDE beauftragte Studie half zudem dabei, bereits im Vorfeld die möglichen Anknüpfungspunkte für die EU-Gesetzgebung zu identifizieren und unterschiedliche Handlungsoptionen zu erörtern.

Wie das umfassende Protokoll (Danke, Lilli!) zeigt, ist es schwierig, den gesamten Diskussionsverlauf pointiert wiederzugeben. Angeleitet von der grandiosen Anna Lena Schiller hatten wir uns eben sehr viel vorgenommen. Es ist aber sehr wohl möglich, die drei wichtigsten Richtungsentscheidungen festzuhalten:

  • Die Gruppe wird in einem ersten Schritt das Monitoring laufender EU-Initiativen zu verbessern helfen und den Wikimedia-Verbund regelmäßig mit Informationen versorgen. Dabei hilft uns die professionelle NGO-Arbeit von “European Digital Rights” sowie eine eigene Kontaktperson vor Ort, die v.a. mit der Pflege der Meta-Seite, des Kalenders sowie der Wahrnehmung von lokalen Terminen betraut werden soll.

  • Neben der eher reaktiven Tätigkeit soll es in einem zweiten Schritt darum gehen, gegenüber der EU-Gesetzesgeberungsmaschine bereits 2014 (Neuwahl des EU-Parlaments sowie Einsetzung neuer Kommissare) den Handlungsbedarf bei urheberrechtspolitischen Themen zu verdeutlichen, die eng mit der Erschaffung und Verbreitung Freien Wissens verknüpft sind: Panoramafreiheit, Staatliche Werke und Verwaiste Werke. Hinsichtlich dieser drei Kernthemen gibt für jede/n Interessierte/n die Möglichkeit, sich an einer “Task Force” zu beteiligen, die Ideen sammelt und entsprechend verschriftlicht. Informationshub ist auch hier die Meta-Seite.

  • Ein solches “Liquid Lobbying” (TM) kommt natürlich nicht ohne die Unterstützung von europäischen Chaptern oder der Wikimedia Foundation aus. Deshalb werden wir in den nächsten Monaten auch noch einige Anstrengungen unternehmen, um für das Vorhaben zu werben. Dass dies nötig sein wird, hat uns die Mailänder Chapter-Konferenz gezeigt, bei der das Projekt zwar auf viel Neugier, aber auch einige Skepsis aufgrund knapper Ressourcen stieß.

Mir persönlich gibt ein Satz Hoffnung, den Stephen LaPorte (WMF) in Mailand äußerte: “We have no choice than getting engaged.” Auch Kat Walsh vom Board of Trustees signalisierte, dass es auf Seiten von Creative Commons ebenfalls großes Interesse am Aufbau einer solcher Arbeitsgruppe gibt. Die Vernetzung mit anderen “like-minded” Akteuren wird eben auch ein Weg sein, um effektiver arbeiten zu können.

Indes: Nicht jede Beteiligung an der EU-Policy-Group muss unweigerlich in “Arbeit” ausarten  – auch kurze Hinweise auf relevante Ereignisse innnerhalb und außerhalb des Movements, interessante Texte, Tweets und selbst Gerüchte helfen dabei, den Informationsaustausch über Ländergrenzen hinweg zu intensivieren. Um unkompliziert mit der Gruppe in Kontakt zu treten, haben wir auf der Meta-Seite eine Art Briefkasten eingerichtet, mit dem man entweder direkt an uns herantreten oder einfach etwas hinterlassen kann. Eine offizielle Schneckenpostfachadresse (etwa für EU-Aussendungen oder Einladungen anderer Akteure) wird es dann hoffentlich auch irgendwann geben.

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Was Wikipedianer besonders gut können

„Wir werden als Bundesrepublik Deutschland keine Waffen liefern“, versicherte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Katars Ministerpräsidenten Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor al Thani in Berlin. So stand es am 16.4. im Berliner Tagesspiegel.

Wie wäre es, wenn wir Leser, mündige Bürger und Wähler, die Möglichkeit bekämen, solche Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen?

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mainzelm%C3%A4nnchen_walking_act.jpg

Mainzelmännchen
Foto: Johann H. Addicks, CC-by-sa-nd/3.0

Stimmt diese Aussage von Merkel, und wenn ja unter welchen Prämissen? Seit einigen Wochen unterstützt Wikimedia Deutschland das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) bei der Erstellung einer Plattform, auf der solche Aussagen gecheckt werden können.

Wer kennt das nicht: In einer Talkshow behauptet ein Politiker wortgewaltig, die Welt sei „rosa“ und die Aussage bleibt unwidersprochen. Im Gegenteil, sie entwickelt ein Eigenleben und scheint mit jedem Tag, der vergeht, wahrhaftiger zu werden. Im Zeitalter des medienkompetenten Netzbürgers ein Ärgernis. Das ZDF richtet daher gemeinsam mit dem Nachrichtensender Phoenix einen Online-Faktencheck zur Bundestagswahl ein und alle Wikipedianer sind eingeladen, Aussagen zum Faktencheck vorzuschlagen, sowie selbstmitzuhelfen, die Richtigkeit der Fakten zu überprüfen. Gerade weil Wikipedianer ihre Aussagen stets neutral und belegt machen, bürgt ihre Arbeitsweise für eine hohe Qualität. Das können gerade Wikipedianer besonders gut.
Deshalb möchte das ZDF in dem geplanten Online Faktencheck, der auf der re:publica am 6.5. in Berlin öffentlich unter dem Label #ZDFcheck vorgestellt wird, gern mit der Wikipedia-Community zusammenarbeiten. Die im Rahmen des Faktenchecks erarbeiteten Mediendateien, wie Infografiken, Bilder und kleine Filmbeiträge, stehen unter einer Freien Lizenz der Nachnutzung offen. Ein erster Meilenstein in der Zusammenarbeit mit einem öffentlich-rechtlichen Sender. Diese Zusammenarbeit soll durch einen so genannten „Wikipedian in Residence“ koordiniert werden. Ihre oder seine Aufgabe wird es sein, aktiv die Community anzusprechen. Die Ausschreibung ist seit heute online.
Nach einer Pilotphase im Frühsommer startet das Projekt in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes ab August richtig durch. Geplant ist, dass alle Arbeitsschritte des Faktenchecks live mitverfolgt und mitgestaltet werden können. Die Moderation und Redaktion obliegt dem ZDF Redaktionsteam. Die Ergebnisse der #ZDFcheck werden crossmedial aufbereitet und finden Eingang in die verschiedenen ZDF-Sendungen. Zum ersten Mal würde damit das Wikipedia Arbeitsprinzip in einem gänzlich anderen Rahmen unter Beweis gestellt werden. Aus meiner Sicht auch eine Wertschätzung des digitalen Ehrenamtes im Spektrum der Wikipedia.
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Messen und Massen – Wichtige Trends in der Zusammenarbeit von Kultureinrichtungen mit der internationalen Wikimedia Bewegung

 in brief: scaling up both for GLAMs and for the Wikimedia movement was the most relevant issue on the conference.

London 14. April 2013. Durch die Reihen des Auditoriums geht ein Lächeln. Mehr und mehr der Anwesenden schauen von ihren elektronischen Geräten auf und folgen staunend bis amüsiert der Wortakrobatik von Michael Edson. In gereimten wortspielerischen Versen enthüllt uns der Netzdirektor der Smithonian Institution seine digitale Zukunftsvision. So etwas erlebt man wohl nur auf einer GLAM Konferenz. Offenbar zu Recht kokettiert das englische Akronym GLAM* für (Galleries, Libraries, Archives and Museums) für Kultur- und Gedächtnisinstitutionen selbstironisch mit dem „glamourous touch“, der der Kulturarbeit auch gern anhaftet.

Entscheidende Vokabel an den zwei Tagen im Konferenzzentrum der British Library aber war „Scaling up“. Ob Lizzy Jongma vom Amsterdamer Rijksmuseum oder Wikipedianerin Shani Evenstein aus Israel, Katie Filbert für Wikidata aus Berlin oder John Byrne, ehemaliges Präsidiumsmitglied von Wikimedia UK, sie alle folgten Michael Edson, der nach seinem Gedicht „Jack the museum“ uns alle mit Zahlen und Skalen bombardiert hatte. In dem Bemühen, Wissen und Kulturerfahrung für alle Menschen zugänglich zu machen, sollten GLAM Einrichtungen und digitale Plattformen, wie sie die Wikimedia Projekte darstellen, zusammenarbeiten. Sie müssen nicht nur noch stärker kooperieren, sondern dies zudem in einem noch größeren Umfang und noch schneller tun. Denn das Interesse der Welt verändert sich durch die veränderten Möglichkeiten der digital verfügbaren Rezeptionsoptionen so rasch, dass denjenigen gesellschaftlichen Bereichen, die hier nicht mitgehen, droht, bald in das diffuse Abseits der Nichtwahrnehmung abzugleiten.

London: Jack the museums. Michael Edson rhymes and rocks the audience.

 

Mehrwert als Argument

Bei allen Elogen auf die Wikipedia auch in London – bitte keine Illusionen. Es braucht noch immer Argumente in den Gesprächen mit den Kultureinrichtungen, und hier waren die Sessions sehr ergiebig. Am Samstag trugen so ziemlich alle Konferenzteilnehmer mit Nick Poole, Direktor des englischen Dachverbandes der Gedächtnisinstitutionen Collection Trust , engagiert die Ergebnisse des Wochenendes zusammen. Wesentliche Stichworte zum Thema Mehrwert waren Förderung der Kreativität durch Nachnutzung, breitere Aufmerksamkeit in der Gesellschaft durch die Erschließung weiterer Zielgruppen über die digitalen Plattformen, verbesserte Sichtbarkeit der Sammlung eines Museums oder Archivs durch die Öffnung der Depots und Steigerung der Bedeutung der Institution durch vermehrte Nutzung der Sammlung in der Wissenschaft, die erstere einfacher rezipieren kann, wenn diese digital zugänglich ist.
Aber auch hier ging es um „Scale“. Denn wenn man 10% der Bevölkerung erreicht hat, dann heißt das doch, dass man 90% noch nicht erreicht hat. „Welches kreative Potenzial liegt ungehoben da draußen?“, provozierte Georgia Angelaki vom griechischen Nationalen Dokumentationszentrums. Diese Frage griff Lizzy Jongma auf und forderte energisch, aus dem Beispiel Van Goghs zu lernen. Der junge Van Gogh besuchte das Rijksmuseum in Amsterdam im 19. Jahrhundert – natürlich noch analog. Tief inspiriert durch die Gemälde Rembrandts und dessen fast bildhauerischen Umgang mit den Farben schuf Van Gogh seinen eigenen Stil, der Farben eine unverwechselbare Plastiziät verleiht. Den potenziellen Van Goghs jenseits der Museumshallen möchte das Rijksmuseum durch den freien Zugang zu 110.000 hochauflösenden Bildern ihrer Sammlung im Rijksstudio neue Optionen zur Inspiration eröffnen. Diesem Optimismus wird sich doch kaum jemand verschließen wollen.

Wissenstransfer als Nadelöhr

Trotz allem Enthusiasmus, mit dem uns die digitalen Welten versprechen, die globalen Massen zu erreichen – vielerorts fehlt es doch noch an Know How zu den Werkzeugen und Plattformen. Auch wenn  wohl kaum jemanden auf der Konferenz, das bestechende Potenzial der Wikipedia und anderer Wikimedia Projekte auch im Verbund mit der Europeana bestreiten würde – wie man es für sich nutzen kann, ist dann doch vielen in den Kultureinrichtungen unklar. Wir brauchen mehr Wikipedianer vor Ort, war daher das Credo der hauptamtlichen GLAM Koordinatoren auf der Konferenz. Eine interne Mailingliste als Plattform zum verbesserten Austausch von Konzepten zur Mobilisierung und Empowerment des digitalen Ehrenamtes der Wikipedianer wurden auf der Konferenz zugleich umgesetzt.

Das von Wikimedia Deutschland in diesem Jahr eingeführte Projekt „GLAM on Tour“ wurde als nachahmenswert eingestuft. Bei „GLAM on Tour“ regt der Bereich „Politik und Gesellschaft“ von Wikimedia Deutschland die Begegnung lokaler Gruppen von Wikipedianern, WMDE Vereinsmitgliedern und Akteuren der Kultureinrichtungen vor Ort durch die Organisation von interaktiven Formaten wie Schreibwerkstätten und Exkursionen an. Erste Stationen sind das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg (voraussichtlich im Spätsommer 2013), in Hamburg die Hamburger Kunsthalle (Mai 2013). Die Braunschweiger Community stürzt sich im Juni 2013 auf das römische Schlachtfeld, im Rahmen einer Ausstellung, die das 3landesmuseum in Braunschweig organisiert.

Es waren also erkenntissreiche Tage in London, auch wenn keine Zeit für einen Museumsbesuch blieb.

 

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Ein Wochenende für Freies Wissen

Zweimal im Jahr findet die Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland statt, auf der sich alle aktiven Mitglieder treffen und gemeinsam über aktuelle Vereinsangelegenheiten beraten und diskutieren. Die 12. Mitgliederversammlung findet am 25. Mai 2013 statt und wird ganz im Zeichen der Förderung Freien Wissens stehen. Und das wird sich auch im Abendprogramm und dem darauffolgenden Sonntag fortsetzen. Hierzu möchten wir alle Interessierten recht herzlich einladen.

Preisverleihung: Zedler-Preis für Freies Wissen

Der Zedler-Preis für Freies Wissen wurde 2007 von Wikimedia Deutschland, damals noch als Zedler-Medaille, ins Leben gerufen, um Personen, Gruppen und Projekte auszuzeichnen, die sich besonders für Freies Wissen engagieren. Auch in diesem Jahr sind wieder spannende Projekte und interessante Wikipedia-Artikel für den Zedler-Preis nominiert. Eine vollständige Liste kann auf der Projektseite in der Wikipedia eingesehen werden.

Zur Verleihung des Preises laden wir Euch herzlich ein. Sie wird im Anschluss an die Mitgliederversammlung stattfinden und ist für alle Interessierten und Freunde Freien Wissens offen.

Samstag, den 25. Mai 2013 ab 19:00 Uhr
Palais der Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin
http://wmde.org/Kulturbrauerei_Anfahrt

Offener Sonntag – Workshops und Gespräche

Am Sonntag bietet sich dann für alle Interessierten die Möglichkeit, mit Community-Mitgliedern, Vereinsmitgliedern und Mitgliedern der Wikimedia-Bewegung im Rahmen eines OpenSpace-Symposiums in der Geschäftsstellte von Wikimedia Deutschland zu diskutieren und sich auszutauschen.

Ihr seid herzlich eingeladen an den Workshops, Diskussionen und kleinen Arbeitstreffen teilzunehmen oder auch eigene Programmpunkte anzubieten!

Sonntag, den 26. Mai ab 10:30 Uhr
Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland e.V., Obentrautstr. 72, 10963 Berlin
Das Programm entsteht laufend auf Meta.

Anmeldung

Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung für uns sehr hilfreich. Bitte nutzt hierfür das Anmeldeformular.

Wir freuen uns auf spannende Diskussionen und einen regen Gedankenaustausch in Berlin.

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Die Digitalen Römer – Wikidata trifft Archäologie

 

Teilnehmer des Symposiums
Foto: Katja Ullrich (WMDE) CC-BY-SA 3.0

Am Samstag, den 16. März hat Wikidata die Archäologie getroffen.
Bei dem eintägigen Symposium zur Anwendung von Geodaten in den Alterswissenschaften wurde oft die Datenwelt rund um den Limes, den Grenzwall des Römischen Reiches zwischen dem 1. und dem 6. Jahrhundert n.Chr., als Beispiel für gelungene Ansätze der digitalen Wissensvermittlung herangezogen.

Für mich als in Hessen geborenes Präsidiumsmitglied, der oft das Kastell Saalburg in seiner Jugend besuchte, eine Möglichkeit in Erinnerungen zu schweben. Wir trafen uns, im Gegensatz zum ersten Treffen des Wikipedia-Limesprojekt nicht auf der Saalburg, sondern in der wunderbaren Bibliothek des Auswärtigen Amtes in Berlin.

 

Das Symposium war ein Kooperationsprojekt des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und der Wikimedia Deutschland e.V. – Dank für die Möglichkeit in diesem Rahmen zu produktiver Arbeit zusammenzukommen geht an Nicole Kehrer, Pressereferentin des DAI, Prof. Dr. Reinhard Förtsch, dem wissenschaftlichen Direktor für Informationstechnologien am Deutschen Archäologischen Institut und der Spiritus Rector des Symposiums und an Barbara Fischer, Kuratorin für Kulturpartnerschaften bei der Wikimedia Deutschland e.V.

Bevor es am Schluss des Symposiums engagiert um die Zukunft der breiten Wissensvermittlung sowie die Chancen und Umsetzungsschritte einer offeneren Wissenschaft und Gesellschaft ging, wurden einige beeindruckende Tools und Plattformen vorgestellt. Diese zeigen auf unterschiedlichste Weise, wie mit dem offenen Austausch von Daten der Alterswissenschaften breite Bevölkerungskreise und interessierte Fachöffentlichkeit neue Wissenswelten betreten können.

Gerade die karten-basierte Darstellung von historischen Fakten in Raum und Zeit zeigt besonders schön die Potentiale für Wissen und Bildung, wenn offene strukturierte Datensätze zusammenfliessen. Ein wunderschönes Beispiel, das aus einer privaten Initiative entstanden ist, wurde von René Voorburg vorgestellt. Ursprünglich entwickelt, weil er mit seinen beiden Söhne unterwegs eine altertümliche Stätte des Limes gesehen hatte, entwickelte er mit großer Leidenschaft und später einigen Mitstreitern vici.org „Veni, vidi, [wi:ki:]“ Eine Online-Karte, auf der man die historischen Stätten verorten kann.

Bibliothek des Auswärtigen Amtes Berlin
Foto: Katja Ullrich (WMDE) CC-BY-SA 3.0

Dr. Elton Barker von der Open University, Southhampton präsentierte Pelagios (Pelagios: Enable Linked Ancient Geodata In Open Systems), einen Netzwerkknoten für Linked Open Data in der weiten See der Altertumswissenschaften. Eine weitere, bereits beeindruckend umfangreiche karten-basierte offene Datenbank wurde von Prof. Tom Elliot (University of Alabama, Tuscaloosa, USA) vorgestellt: Pelaides. In seinem Vortrag zeigte er beispielhaft, wie sich die verschiedensten offenen Datenbanken weltweit vernetzten und somit neue Chancen entstehen.

Im Rahmen des erst kürzlich weltweit gestarteten Wikidata-Projektes wurde vom RENDER-Team die interaktive Limes-Karte vorgestellt, mit der der User sehen kann, wie sich der Limes mit seinen Kastellen über die Jahrhunderte entwickelte. Das seit 7 Jahren in der Wikipedia laufende Limesprojekt wurde von seinem Initiator Hartmann Linge mit einer beeindruckenden (Zwischen)-Bilanz vorgestellt.

„Quo vadimus?“ – Zum Schluss des Symposium gab es noch eine lebendige Diskussion, in die sich auch Peter Henrich von der Deutschen Limes Kommission kritisch einbrachte. Es wurde die Notwendigkeit deutlich, dass unnötiger Streit auf der operativen Ebene einem neuen Bewusstsein weichen sollte. Einem Bewusstsein dafür, dass „altehrwürdige Gatekeeper“ und die Vertreter einer offeneren Wissenswelt aufeinander zugehen müssen, damit gesellschaftliche Ziele definiert werden können, wie wir verantwortungsvoll eine neue Qualität in der Wissensvermittlung und den Erkenntnisgewinn für jedermann und jedefrau in einer digital vernetzten Welt gestalten können. Wikidata, wenn auch noch jung, stellt hierfür eines der Werkzeuge dar, mit denen Wissensfelder und Sprachen überwunden werden können. Ein spannender Aufbruch, gemeinsam frisch ans Werk.

 

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Brüsseler Spitzenkräfte

A wheelbarrow full of stroopwafels, Fotomontage: Jacques Renier & User Sannse, CC-BY-SA 3.0

“Der größte Fehler ist es, Debatten national zu halten”, mahnt Giorgos Rossides, Policy Officer der EU-Kommission. Das bunte Häuflein, das sich in einem Sitzungssaal des Europaparlaments um ihn versammelt hat, nickt zustimmend. Die Anwesenden kommen aus den Niederlanden, Großbritannien, Finnland, Polen, Dänemark, Österreich und Deutschland. Sie sind allesamt Netzaktivisten, die keiner mehr davon überzeugen muss, dass gute NGO-Arbeit immer mit dem Blick über den eigenen Tellerand verbunden sein sollte. Wenige Minuten vorher hatte EU-Justizkommissarin Viviane Reding Komplimente an die Runde verteilt. Der Lobbydruck bei der anstehenden Datenschutzreform sei so groß, dass es gerade auf zivilgesellschaftliche Stimmen wie die ihren dringend ankomme.

Wir befinden uns auf einer Geburtstagsfeier. Der Jubilar ist European Digital Rights (EDRi), eine Dachorganisation für gemeinnützige Vereine, die im Juni 2002 in den Berliner Räumen des Chaos Computer Club ausgeheckt und ein halbes Jahr später in Brüssel registriert wurde. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. Bits of Freedom, Digital Rights, Electronic Frontier Finland oder Privacy International. Heute umfasst das Netzwerk 35 Mitgliedsorganisationen. Zu den jüngsten Neuzugängen mit sogenanntem Beobachterstatus gehören u.a. Reporter ohne Grenzen, der AK Zensur sowie Wikimedia Deutschland.

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht

Unter Themenarmut hatt EDRi in den zehn Jahren seiner Existenz wahrlich nicht zu leiden. Stichworte wie War on Terror, Deep Packet Inspection oder Three Strikes standen beispielhaft für eine sich stetig verschärfende Gefechtslage und machten es erforderlich, die EU-Gesetzgebungsmaschinerie mit einer eigenen Geschäftsstelle vor Ort professionell zu beobachten und dieses Wissen für andere verfügbar zu machen. Nicht zuletzt zeigte der breit angelegte Protest gegen das internationale Handelsabkommen ACTA, dass internationale Aufklärungskampagnen und vernetzte politische Interventionen durchaus Wirkung entfalten können.

Für das laufende Jahr sind die urheberrechtspolitischen Prioritäten bei der EU absehbar: So versucht die Kommission gegenwärtig, mit ihrer Konsultation zu “Licenses for Europe” inbesondere den Wirtschaftsinteressen nach einem harmonisierten “One Single Market” nachzukommen. Zugleich bastelt sie an einer Neuauflage der “Intellectual Property Rights Enforcement Directive” (IPRED) und will “Notice and Action”-Prozeduren bei rechtswidrigen Inhalten im Sinne der E-Commerce-Richtlinie verbindlich machen. In all diesen Feldern wird es insbesondere für Wikimedia Deutschland immer wieder darauf ankommen, die besonderen Bedingungen von Open-Content-Plattformen herauszustellen. Der verstärkte Fokus auf EU-Dossiers ist schon deshalb nötig, um bereits in der Entstehungsphase bestimmte Regulationen – siehe zuletzt die unerfreulichen Vorgaben zur Nutzung verwaister Werke – auf mögliche Folgewirkungen für die Entstehung und Verbreitung Freien Wissens abzuklopfen.

Mittendrin statt nur dabei

Der Beobachterstatus bei EDRi ist nur der erste Meilenstein bei unserer “Roadmap nach Brüssel”, die ein wichtiges Schlüsselprojekt für den Bereich Politik & Gesellschaft bei Wikimedia Deutschland darstellt. Der zweite wichtige Meilenstein ist der Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe für EU-Angelegenheiten. Einem Aufruf auf der Wikimedia-Mailingliste folgend, wird sich eine gemischte Gruppe aus haupt- und ehrenamtlichen Wikimedianern aus verschiedenen europäischen Ländern am 6./7. April im Brüssel treffen, um Prioritäten zu ordnen und den künftigen modus operandi festzulegen.

Diese Arbeitsgruppe wird EU-Dossiers sichten, Handlungsempfehlungen und Stellungnahmen erarbeiten, aber auch aktiv den Kontakt zu politischen Akteuren suchen. Nachdem ein solches Vorhaben immer wieder lose bei diversen Wikimanias und Chapter-Treffen angedacht war, möchten wir jetzt zur Tat schreiten. So gibt es bereits eine Seite im Meta-Wiki, die gewissermaßen als Informationshub fungiert. Dort wurde auch der grobe Fahrplan für das Treffen veröffentlicht. In den nächsten Monaten wird es hier im Blog von meiner Seite immer wieder Informationen zum Fortgang der Dinge geben.

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Citizen Science oder der Versuch dies zu übersetzen

Die Leibniz-Gemeinschaft (vollständigWissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V.) ist ein Zusammenschluss deutscher Forschungsinstitute unterschiedlicher Fachrichtungen. Schreibt die Wikipedia. Letzten Donnerstag und Freitag fand das Kick-Off zum Forschungsverbund Science 2.0 der Leibniz Gemeinschaft in Hamburg statt. Der Forschungsverbund, zu dem Wikimedia Deutschland (WMDE) auf Initiative von Dr. Daniel Mietchen eingeladen wurde, fokussiert die Fragestellung, wie Web 2.0 Konzepte in wissenschaftlichen Forschungs- und Publikationsprozesse integriert werden. 26 Forschungsprojekte stellten sich an zwei Tagen vor. Dr. Nils Weichert, Bereichsleiter für WMDE Bildung und Wissen, Dr. Daniel Mietchen, Wikimedian, und ich als  Kuratorin für Kulturpartnerschaften loteten in vielen dieser Projektrunden mögliche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit aus. Zwei Projekte, die ich besonders spannend fand: Das Projekt des ZEW Mannheim widmet sich der Fragestellung „Ökonomie- und Sozialwissenschaften in der Wikipedia“. Es untersucht zehntausende von Artikeln über ihre Entstehung, Vernetzung und Dynamik und wie stark Ökonome und Sozialwissenschaftler der Leibnizinstitute selbst als aktive Editoren in der Wikipedia agieren. Das Projekt Scholarlib der GESIS Sozialwissenschaftler will ganz bewusst Bedingungen schaffen, um Soziale Netzwerke mit wissenschaftlichen Inhalten aus Fachportalen stärker  zu verschränken. Hier könnten Wikimediaprojekte auf beiden Seiten eine Rolle einnehmen, sowohl als soziales Netzwerk als auch als Wissensportal. Alle Projekte hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Lizensierungsfragen gehörten zu den wiederkehrende Fragen. Oft fiel der Begriff Citizen Science. Ist Wikipedia Citizen-Science per se? Warum greifen Übersetzungen wie Bürger-Forschung oder Zivil-Wissenschaft nicht, was wäre die adäquatere Übersetzung? Ist die Wikipedia ein wissenschaftliches Publikationsmedium? Und wer zitiert wann in seinen wissenschaftlichen Arbeiten die Wikipedia?

Warum sind diese Fragen wichtig für uns? In der Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund Science 2.0 können wir viele nach wie vor  bestehende Fehleinschätzungen der Wikimedia-Projekte korrigieren, wir können werben für einen freien Zugang und die offene Weiternutzung der Ergebnisse aus den Forschungsprojekten des Verbundes, aber  auch generell für eine Open Access Policy mit einer dezidierten freien Weiternutzung der Forschungseinrichtungen  werben. Und wie die obigen Fragen zeigen, können wir in der Auseinandersetzung auch lernen, uns aus anderen Perspektiven zu sehen und unsere Projekte fortzuentwickeln. Wir haben in Hamburg vereinbart, dass wir  einen Kooperationsvertrag anstreben. Kernstück soll ein Wikipedian in Residence als zentraler Vermittler zwischen den Forschungsinstituten und Kultureinrichtungen der Leibniz Gemeinschaft und den Wikipedia-Communities sein.

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Die Suche nach einer „Kultur des Teilens“

In den meisten Klassenzimmern herrscht immer noch Unklarheit darüber, was Wikipedia ist und wie man damit als Lehrer umgehen soll. Auch in Bezug auf die Auseinandersetzung mit dem Thema Freien Wissens wird das fehlende Verständnis für gemeinschaftlich erstellte Inhalte immer wieder deutlich. Am 1. Februar 2013 hat die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (Mabb) gemeinsam mit Partnern eine Veranstaltung zum Thema „Freier Wissenszugang im Internet“ durchgeführt, eine eintägige Fortbildungsveranstaltung für Lehrende und Multiplikatoren aus dem Bereich der schulischen Bildung. Etwa 80 Teilnehmende kamen zusammen und diskutierten über Fragen rund um das Themenfeld „Freie Inhalte“ und „Open Educational Resources“. Unter den Partnern waren, neben Wikimedia Deutschland, auch IRights, die Bundeszentrale für Politische Bildung und das Land Brandenburg. Die Veranstaltung gewann durch einen besonders innovativen Rahmen, der sich deutlich von üblichen Fortbildungsveranstaltungen abhob: Partner aus der Praxis und aus dem theoretischen Umfeld boten Themen-Tische an, zu denen sich die Teilnehmer gruppierten. Das Format ermöglichte eine Auseinandersetzung mit allen Themen und einen regen Austausch.

Wikimedia Deutschland hat sich in diesem Jahr das Ziel gesetzt, Akteure im Themenfeld der Open Educational Ressources (dt: Freie Inhalte im Bildungsbereich) zu vernetzen. In diesem Rahmen nutzten wir diese Chance dazu, uns zu Beginn gleich einmal den Input der Lehrenden direkt zu holen. Ein erster Schritt dazu fand hier statt! Weitere werden folgen. An unserem Tisch zu „Freiem Wissen im Unterricht“ wurde an diesem Tag, nach einem kurzen Input, im Wesentlichen über zwei Fragen diskutiert: Zum einen über das (fehlende) Problembewusstsein der Lehrenden und zum anderen über die Frage wo man denn nun diese „Freien Inhalte“ eigentlich finden kann.

Die „Kultur des Teilens“

Elly Köpf, CC-BY-SA 3.0

Bei vielen Lehrern herrscht noch immer die Vorstellung alles was im Internet stehe, sei doch „frei“ verfügbar und damit „frei“. „Wo sei denn da das Problem?“, fragte einer der Lehrenden. Alle Teilnehmenden zeigten sich jedoch sehr interessiert an den Merkmalen Freien Wissens und den Creative Commons Lizenzen. Fasst man die Beobachtungen zusammen, so wird deutlich, dass die Idee, Inhalte durch einen gemeinschaftlichen Prozess zu verbessern, immer noch nicht im schulischen Kontext angekommen ist. Im Kern bleibt somit die Feststellung, die sich in jedem Kontakt mit Lehrenden wiederholt, der Mehrwert kollaborativ erstellter Freier Inhalte bleibt der derzeitigen Lehrsituation fremd. Zu unserer Frage, wie „Freie Inhalte im Unterricht“ genutzt werden können, ergab sich eine Diskussion, die diese Beobachtung unterstrich. Unter dem Schlagwort „Wissen verändern, verändertes Wissen“ wurde deutlich, dass eine Auseinandersetzung mit Freien Lizenzen und Freiem Wissen immer auch zu der Frage führt, was Bildung eigentlich bedeutet und welchen Stellenwert der Bildung in der heutigen Zeit eingeräumt werden sollte. Ist es der „rote Faden“? Ist es Inhalt? Die Idee Freien Wissens kann für die Schule in jedem Fall bedeuten, sich für kollaborative Prozesse (ob mit oder ohne Internet) zu öffnen.

Vom Suchen und Finden

Aber auch wenn Lehrer bereit sind, Freies Wissen in den Unterricht einzubinden, so ergeben sich immer noch einige Hürden. Es ist sehr schwer für Lehrende, eine korrekte Angabe sicherzustellen und Freie Inhalte im Internet zu suchen. Gerade die Lehrenden, die sich gerne mehr mit Freien Inhalten beschäftigen möchten, bekommen hier bislang nur wenig Unterstützung. Erweiterte Sucheinstellungen, Wikimedia Commons oder CC-Search, sind kaum bekannt. Die Forderungen der Anwesenden waren eindeutig: Mehr Aufklärung zu Urheberrecht und Mediennutzung in der Lehrerausbildung und eine leichtere Handhabung freier Inhalte. Ein fehlendes Problembewusstsein der Lehrenden wird immer wieder sichtbar und damit auch die Frage danach, wie ein solches Problembewusstsein entstehen kann. So lange sich Lehrende in der rechtlichen Grauzone sicherer fühlen, als in der Nutzung Freier Inhalte, wird die Debatte nicht zu einer aktiven Umsetzung führen.

 

Was nimmt man aus einem so intensiven Tag mit? Im schulischen Bereich mangelt es an einem Verständnis für Quellennutzung, Recherche und Urheberrecht. So lange das nicht bereits in der Lehrerausbildung thematisiert wird und keine Förderung „kollaborativer Arbeitsformen“ in der Schule stattfindet, bleibt es für die Einbindung Freier Inhalte in der schulischen Bildung schwer.  Auf politischer Ebene muss sich zum einen die Fortbildung von Lehrenden auf einer breiten Ebene verändern, zum anderen ist der Themenschwerpunkt der „kritischen Medienkompetenz“ im schulischen Bereich ein wichtiger erster Schnitt für eine aktive Auseinandersetzung mit Inhalten im Netz. Die Förderung von Freiem Wissen und damit auch Open Educational Ressources darf damit nicht dem Einzelnen überlassen werden, sondern muss von staatlicher Seite unterstützt werden.

 

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Kulturaffin und weitgereist: Lilli Iliev verstärkt Bereich Politik & Gesellschaft

Lilli Iliev, Bild: Katja Ullrich, CC-BY-SA 3.0

Wir freuen uns sehr, Lilli Iliev als neue Mitarbeiterin bei Wikimedia Deutschland e.V. zu begrüßen. Um unsere Kooperationen im kulturellen Sektor und den Kontakt zum Politikbetrieb weiter auszubauen, wird Lilli zukünftig als Projektassistentin den Bereich Politik & Gesellschaft unterstützen. Zusammen mit Barbara Fischer wird sie die GLAM-Aktivitäten betreuen und sich etwa durch Recherchen und redaktionelle Tätigkeiten beim Ausbau der politischen Kontakte im Inlands- und EU-Kontext beteiligen.

Lilli ist Absolventin der Studiengänge Kulturwissenschaften und Literatur-Ästhetik-Philosophie. Sechs Jahre lang arbeitete sie als persönliche Assistentin der Vorsitzenden des Kulturausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus.

Zuletzt war sie bei irights.lab Kultur an der Organisation der Konferenz „Zugang gestalten! Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“ beteiligt, die im Oktober 2012 in Kooperation u.a. mit Wikimedia Deutschland e.V. stattfand. Durch ihre langjährige Tätigkeit im kulturpolitischen Bereich sowie durch verschiedene Praktika, etwa im Goethe-Institut Sofia und in der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Moskau, hat Lilli einen guten Überblick über die Breite der Kulturlandschaft und kennt die Arbeitsweisen unterschiedlicher Kulturinstitutionen. Über deren Perspektive auf die Free-Culture-Bewegung sagt sie:

Die Skepsis vieler etablierter Kulturinstitutionen gegenüber einer digitalen Öffnung ist häufig  größer als die Wahrnehmung der sich bietenden Chancen, die sich durch sie auch für die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des eigenen Hauses bieten.

Wer mit Lilli direkt in Kontakt treten möchte, kann dies lilli.iliev@wikimedia.de tun.

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Goethe trifft Wiki

 

Gastbeitrag von Aleksander Dera

Das Goethe-Institut Budapest hat im Jahr 2011 ein Projektwiki mit dem Titel “Bildung macht Schule” angelegt, in dem länderübergreifend an durch das Goethe-Institut Budapest ausgewählten Schulen in der Region Mittelosteuropa an Freien Inhalten gearbeitet wird. In einer ersten Phase haben Lehrende mit ihren SchülerInnen Inhalte erarbeitet, die zunächst von den Lehrenden eingestellt wurden. In einem zweiten Schritt wurden nun die SchülerInnen direkt von unserem Referenten Aleksander Dera geschult, damit diese die Inhalte selbst einstellen können. Dabei standen die Aufklärung über und die Erstellung von Freien Inhalten im Mittelpunkt. Die Schulungen fanden im Oktober und November 2012 in Vilnius, Krakau und Budapest statt.

 

„Schnell mal ein Wiki machen“

Ob der alte Goethe sich wohl in einem Wiki zurechtgefunden hätte und seine Werke vielleicht sogar dort veröffentlicht hätte? Das Institut, das seinen Namen trägt, hat Gefallen an Wikis gefunden. Das Goethe-Institut, das u.a. die deutsche Sprache im Ausland fördert, hat ein Projekt gestartet, um ein Wiki auch im Deutsch-Unterricht einzusetzen. Wie die Teilnehmenden allerdings schnell merkten, heißt Wiki zwar schnell, aber „schnell mal ein Wiki machen“, dazu braucht es dann doch etwas mehr. Was liegt näher, als sich dieses bei den Fachleuten der Wikipedia zu holen?! Und so war ich, über Wikimedia Deutschland, im Einsatz in Vilnius, in Krakau und zuletzt in Budapest. Begleitet wurde ich von Michael Hauke vom Goethe-Institut in Budapest.

 

Hürdenlauf mit Mediawiki

Die Schüler, von 14 bis 18 Jahren, hatten die Aufgabe zuvor zum Thema „Armut“ in ihrer Umgebung zu recherchieren und die Materialien mitzubringen. Dies hatten sie mit Hilfe ihrer Lehrer auch meist fleißig getan. Weiterhin war das Deutsch, mit Ausnahmen, hervorragend. Jeweils Freitag und Sonnabend fanden die Kurse statt, für die Schüler ein zusätzlicher Schultag, in Vilnius noch dazu der Anfang der Ferien! Trotz allem waren sie bis zum Schluss hochmotiviert und interessiert. Als gestandener Wikipedianer war ich nun ganz verwundert, warum das ganze nicht an einem Tag erledigt werden könnte und vermutete die Sprache als Hinderungsgrund. Aber weit gefehlt. Mediawiki birgt mehr Hürden als man glaubt, vom Urheberrecht ganz zu schweigen.

 

Bilder sind nicht gleich Bilder

Foto: doctormo, CC-BY-SA 3.0

Zu Beginn eine Frage an die Schüler: Wie sieht ein guter Text aus? Das haben die Schüler erarbeitet und mir standen die Haare zu Berge. Texte müssten etwa unbedingt bunt sein, sonst ist es langweilig. Der „Aber-Die-Wikipedia-Richtlinie“-Reflex sprach an, wurde aber erfolgreich von mir unterdrückt. So gibt es nun Klicki-bunte-Texte, bunte Hintergründe, Linkcontainer, usw.

Ins Urheberrecht der drei Staaten musste ich mich kurz einarbeiten, aber zum Glück ist es nicht so unterschiedlich; Details waren nicht gefordert. Die Schüler waren schon mit den Grundlagen ausgelastet. Trotz „Theorie-Kurs“ und nachfolgender praktischer Übungen wurden geschützte Bilder hochgeladen. Auf Nachfrage waren sie dann auch in der Lage zu erklären, warum sie gerade eine Urheberrechtsverletzung begangen haben. Auch für mich eine interessante Übung; viele „böse Urheberrechts-Vandalen“ sind vielleicht schlicht überfordert.

Am Ende hatten die Schüler dann Artikel mit unterschiedlicher Qualität erstellt, einiges gelernt und auch Spaß gehabt. Das Interessanteste für die Schüler? Nein, ich glaube nicht, dass es zu erraten ist: das Urheberrecht! Die Schüler gaben in ihrem Feedback explizit das Thema als besonders interessant und spannend an. Meine Verwirrung hat sich immer noch nicht gelegt.

Persönlich waren es eine sehr interessante Erfahrung und ich hoffe, dass das Projekt im nächsten Jahr fortgesetzt wird.

Aleksander Dera

 

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