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Ein Werkstattbericht aus San Francisco: Die neue Markenrichtlinie

Dies ist ein Gastbeitrag von Lukas Mezger, einem Rechtsreferendar und zugleich langjährigen Community-Mitglied aus Deutschland, der zur Zeit ein Praktikum in der Rechtsabteilung der Wikimedia Foundation absolviert. Vielen Dank und schöne Grüße nach San Francisco! Wir greifen mit diesem Blogpost die bereits im Juni vorgestellte Änderung der Markenrichtlinie auf. Heute ist dazu auch ein längerer Beitrag im WP-Kurier erschienen.

Wikimedia Logo-Familie;
© Wikimedia Foundation

 

Eine der vielen Aufgaben der Wikimedia Foundation ist der Schutz der verschiedenen Marken, unter denen man die Wikimedia-Projekte kennt. Das bekannteste Beispiel ist der “Puzzleball”, der zu einem weithin bekannten Symbol für die freie, kollaborativ erstellte Enzyklopädie Wikipedia geworden ist. Damit das auch so bleibt, wacht die Wikimedia Foundation darüber, dass dieses Symbol im Einklang mit den Werten der Wikimedia-Bewegung genutzt wird. Seit 2009 stellt eine Markenrichtlinie dafür bestimmte Regeln auf.

Um diese Regeln zeitgemäßer und einfacher zu gestalten, sammelt die Foundation seit Juni dieses Jahres Stimmen aus der Wikimedia-Community. Bislang haben sich schon viele Wikimedianer gemeldet und die Mitarbeiter der Rechtsabteilung in San Francisco haben einen Entwurf erarbeitet, der in den nächsten Monaten zur allgemeinen Diskussion veröffentlicht werden soll. Als Rechtsreferendar aus Deutschland mache ich momentan für drei Monate bei der Wikimedia Foundation Station und unterstütze die zuständige Justitiarin Yana Welinder bei ihrer Arbeit.

Die wichtigsten Regeln bei der Arbeit waren schnell klar: Lesbarkeit und Praktikabilität sind oberstes Ziel des neuen Entwurfs. Zum einen sollte ich also sicherstellen, dass die neue Markenrichtlinie in einer äußerst klaren Sprache verfasst ist. Auch als Nicht-Muttersprachler ist das schwieriger, als man denkt! Und für mich als werdenden Juristen bedeutete es, umlernen zu müssen: Statt juristischer Präzision, Standardfloskeln und Fachausdrücken standen auf einmal kurze Sätze, einfache Wörter und viele Beispiele auf der Tagesordnung.

Andererseits waren meine Erfahrungen als langjähriges Mitglied der deutschsprachigen Wikipedia-Community gefragt: Was sind typische Fälle, in denen ein Wikimedianer die Marken nutzen möchte? Wie kann man Genehmigungen und Lizenzen unbürokratisch gestalten, ohne die Zügel vollkommen loszulassen und damit zu riskieren, dass der Markenschutz verloren geht? Gut, dass es bereits viele Anregungen von anderen Freiwilligen gab und uns Wikimedia Deutschland eine kleine Liste mit typischen Nutzungsweisen zur Verfügung stellte.

In den nächsten Monaten werden wir den fertigen Entwurf zur Diskussion stellen. Bis dahin freuen wir uns aber auch noch über Ideen und Anregungen aus der Community!

P. S.: Die neue Markenrichtlinie ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem jüngst bereits veröffentlichten Entwurf einer neuen Datenschutzrichtlinie.

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Gib Lesern eine Stimme – Artikel-Feedback in neuem Gewand

Ein Blogbeitrag von Angelika Adam und Denis Barthel.

Ein Nachhall von der Wikimania: Dort stellte Fabrice Florin, Entwickler der Wikimedia Foundation, am zweiten Tag in einem Vortrag mit dem Titel Giving Readers a Voice: Lessons from Article Feedback v5 die Version 5 des Article Feedback Tools vor.  Zugleich präsentierte er Untersuchungsergebnisse zur Frage, wie das AFT (die Abkürzung sei erlaubt) sich eigentlich im praktischen Einsatz bewährt.

Eine doppelt interessante Fragestellung, insbesondere für deutschsprachige Wikipedianer. Wem dies alles nichts sagt (ist ja auch schon lang her): das AFT ist ein Werkzeug in der Tradition eines Tools, das 2008 in der deutschen Wikipedia live geschaltet wurde. Anhand eines schulnotenartigen Schemas sollte damals Lesern die Möglichkeit gegeben werden, einzelne Merkmale der Artikel zu beurteilen. Die deutschsprachige Community äußerte damals in einem Meinungsbild nicht zuletzt starke Zweifel an der Zweckmäßigkeit solcher Beurteilungen und setzte die Abschaltung dieses Tools durch.

Das war auch ein klares Signal gegen das Article Feedback Tool, da es ebenfalls die schematisierte Beurteilung der Qualität eines Wikipedia-Artikel erlaubte und daher in der deutschen Wikipedia nie zum Einsatz kam. In der englischen Wikipedia wurde die Version 4 im Juli 2011 vollständig eingebunden, Leser konnten seither dort die Artikel bewerten, indem sie für vier verschiedene Parameter jeweils 1 (besonders schlecht) bis 5 (besonders gut) Sterne vergaben. Die Parameter waren

  • Trustworthy – Ist dieser Artikel und seine enthaltenen Quellen vertrauenswürdig?
  • Objective – Ist der Artikel ausgewogen und umfassend formuliert?
  • Complete – Beinhaltet dieser Artikel die wichtigsten Informationen zu diesem Thema?
  • Well-Written – Ist der Artikel gut strukturiert und geschieben?

Die von Fabrice und seinem Team vorgenommenen Untersuchungen zu den Auswirkungen dieser Methode bestätigten die damaligen Befürchtungen der deutschen Wikipedianer: die Bewertungen wurden selten wirklich objektiv vorgenommen, vielmehr beurteilten Leser, ob sie das Thema oder den Hauptautoren mögen oder eben auch nicht. Und so zogen die Entwickler für die neue Version 5 die entsprechenden Konsequenzen. Diese neue Version arbeitet nicht mehr mit der Sternevergabe, sondern gibt den Lesern die Möglichkeit zusätzlich zu einer Einschätzung als positiv, neutral oder negativ einen Kommentar zu schreiben.

Diese direkte Möglichkeit zum Feedback ist offensichtlich zugänglicher als die Diskussionsseite. Zugleich bietet sie weitere Funktionen. So ist es möglich, vorherige Feedbacks zum Artikel zu bewerten, um sie zu priorisieren. Am meisten zeigt sich der Wert des Tools aber darin, dass es die Leser deutlich mehr zum eigenständigen Editieren ermuntert, so die Studien des Teams um Fabrice Florin.

In diesem kleinen, englischsprachigen Video kann man sich die Funktionalität des AFT kurz zusammen gefasst ansehen. Derzeit ist die Version in etwa 3% der englischen WP eingebunden, wer das Ganze einmal praktisch sehen möchte, kann es z.B. am Artikel zu Barack Obama probieren. Bis Ende Juli sollen 10% der englischen Wikipedia eingebunden sein und Ende September die gesamte englische Wikipedia. Ob die deutschsprachige Wikipedia das AFT einführt, obliegt der Community. Die bisher beanstandeten Fehler jedenfalls sind erfreulicherweise durch die neue Version gegenstandslos geworden.

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The Germans – Eine Wikimania-Nachlese

Es berichtet der Stellvertretende Vorsitzende des Präsidiums von Wikimedia Deutschland, Ralf Liebau.

 

Einige Blog-Beiträge von der diesjährigen Wikimania in Washington D.C. sind bereits erschienen, vielleicht folgen auch noch einige weitere. Solche Blogbeiträge sind natürlich meist persönlich gefärbt und vielleicht liegt darin auch ihre Stärke. Obwohl es nicht mein erster Besuch in Washington war, bin ich – wie andere Teilnehmer auch – von der sehr europäischen Art der Stadt überrascht gewesen. Es gibt funktionierenden Nahverkehr, Mülltrennung und überall Leihfahrräder. Andererseits zeigten sich die Gastgeber durchaus amerikanisch: ob bei der Auswahl beim täglichen Lunch, der Abschlussparty in einer Sportsbar oder bei ihrer gelebten Gastfreundschaft. Auch im Publikum waren reichlich Amerikaner vertreten, was beim Austragungsort nahe lag. Das einige ausländische Interessent/innen wegen Visa-Problemen erst gar nicht anreisen konnten, sei hier nur nebenbei erwähnt. Aus Deutschland waren diesmal mehr als 30 Personen angereist. Neben 20 Personen, die ein Stipendium erhielten, waren eine Gruppe von Mitarbeiter/innen der Geschäftsstelle sowie allein 7 Präsidiumsmitglieder in Washington dabei. Eine große Zahl, bei der sich die Frage stellt, ob dies sinnvoll und notwendig war. Dazu unten mehr.

 

Bekanntlich ist die Wikimedia Foundation eine amerikanische Stiftung. Dennoch agiert sie als weltweite (Dach-)Institution, manchmal vielleicht auch eher wie ein – nicht existentes – amerikanisches Chapter. Die Wikimania bietet da Gelegenheit, zu zeigen, welche weltweiten Erfahrungen und  Aktivitäten es gibt und was man von einander lernen kann. Das spiegelte sich (für mich) teilweise auch im Programmangebot. Teilweise, weil 1) ich natürlich nicht alles gehört habe und 2) nicht alles wirklich gut war. Dazu vielleicht eine Anmerkung. Stipendien werden teilweise vermutlich vergeben, wenn Personen auch einen Vortrag halten. Das führt dann dazu, dass Personen Vorträge einreichen, um ein solches Stipendium zu bekommen. Soweit so gut. Letztlich sitzt man dann allerdings gelegentlich in Vorträgen, wo der Vortragende nicht wirklich in der Lage ist einen Vortrag zu halten. Sei es, weil die sprachlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind, weil es vielleicht der erste Vortrag für sie überhaupt war oder weil sie schlichtweg keine Botschaft haben. Zumindest beim ersten Punkt wäre es überlegenswert, ob Englisch als einzige Konferenzsprache wirklich sinnvoll ist, wenn selbst in Washington Hinweisschilder oftmals zweisprachig sind (englisch/spanisch).

 

Hier nun aber mal zwei positive Beispiele:

  • Wiki, Women and Museums: The makings of a successful GLAM-WIKI project *

Das klang erstmal nach gleich zwei modischen Aspekten: GLAM und Women (gender-gap) und versprach nicht so viel, war aber richtig gut. Frau Dr. Allison Kupietzky vom Israel Museum in Jerusalem zeigte auf, wie und in welch vielfältige Weise sie und ihr Team Wikipedia in die Arbeit des Museum einbezieht. Was heißt einbezieht – selbstverständlich nutzt. Israel ist bis heute ein Einwanderungsland und viele Menschen sprechen neben Hebräisch auch (und teilweise besser) eine andere Sprache (beispielsweise russisch). Hier helfen viele Freiwillige beim Übersetzen von Texten und es sind oftmals Frauen, die überdurchschnittlich viel mitarbeiten. Zudem sind es teils über 80jährige, die bei der Arbeit mithelfen, die ohne Ehrenamtler/innen nicht zu leisten wäre. Beeindruckend war vor allem, wie sehr alle Beteiligten von einander profitieren und wie gut die Zusammenarbeit von Professionellen mit Ehrenamtlern ohne ideologische Vorbehalte funktionieren kann. Ein schönes Beispiel, wie ein gemeinsames Ziel verbindt und wie wichtig einzelne Menschen sind, die eine Idee voran bringen wollen.

 

  • Blocking of Wikipedia/Knockoff Wikipedias *

Ich gebe zu, den Beitrag nur gesehen zu haben, weil ich den anschließenden Slot von Benutzer:Southpark hören wollte. Über Southparks Beitrag mögen andere ausführlicher schreiben (hat mit auch gut gefallen), hier aber etwas über den Vortrag von Benutzer:Nataev. So richtig konnte ich mir unter dem Titel nichts vorstellen, war dann aber umso mehr angetan, von einer Schilderung, die von der eigenen Wikiwelt weit entfernt ist. Das Thema war die usbekische Wikipedia – besser gesagt die in Usbekistan geblockte usbekische Sprachversion von Wikipedia. Usbekistan ist für die meisten Wikipedianer vermutlich gefühlt sehr weit weg und die Kenntnisse über das Land sind auch nicht sehr berauschend. Nataev hat kurz einen Überblick über das Land und seine politische Situation gegeben, um dann über die usbekische Wikipedia zu berichten. Obwohl es rund 27 Millionen Menschen gibt, die usbekisch sprechen, wird im Land überwiegend die russische Sprachversion genutzt. Das hängt damit zusammen, dass die russische Sprachversionen deutlich mehr Artikel hat und sehr viele Bewohner auch Russisch sprechen. Vor allem aber ist die russische Sprachversion im Land (noch) frei verfügbar und die usbekische Sprachversion geblockt. Die Gründe werden von offizieller Seite nicht bekannt gegeben und Nataev konnte daher auch nur darstellen, welche mögliche politischen Gründe ein Ursache sein könnten. Spannend war vor allem, wie die usbekische Sprachversion trotzdem bearbeitet und genutzt wird und wie schwer es ist, wenn Autoren vom Ausland aus Bearbeitungen vornehmen. Einerseits war das alles sehr beklemmend, andererseits war der Mut von Nataev und seinen Mitstreitern beeindruckend. Bei einem solchen Blick über den Tellerrand bleiben eigene Problemstellungen dann doch relativ.

 

Die beschriebenen Sessions waren durchweg gut besucht, was beim Termin Funds Dissemination Committee Presentation nicht wirklich der Fall war. Dieser Termin kam relativ kurzfristig ins Programm und war auf Freitag 8:00 Uhr terminiert. Über das FDC ist an anderer Stelle schon berichtet worden und auch hier gab es nicht wirklich viel Neues, sondern es wurde der aktuelle Stand zusammengefasst. Auf dem Podium saßen unter anderen Jan-Bart de Vreede vom Board der Foundation und Sue Gardner als Geschäftsführerin. Wie sich im Lauf der Session herausstellte, waren im Publikum größtenteils ebenfalls Mitarbeiter der Foundation und weitere Board-Mitglieder. Obwohl das FDC demnächst reichlich Geld zu verteilen hat (beispielsweise an die Chapter) waren hier kaum Chaptervertreter zu entdecken. Möglicherweise lag es am frühen Termin, möglicherweise fanden andere den Termin nicht wichtig. Ich fand es dennoch erstaunlich, dass neben einem Vertreter des UK-Chapter, vor allem Deutsche im Publikum saßen. Neben Martin Rulsch, Tim Moritz Hector und Arne Klempert konnte ich Delphine Menard im Publikum erkennen, die sich zur Erheiterung aller bei Sue als „I’m Germany“ vorstellte. Eine würdige Vertreterin Deutschlands, die auch deutlich ihre Bedenken formulierte. Aber wie gesagt, viel Neues gab es nicht.

 

The Germans waren nicht nur in großer Zahl angereist, sondern sie waren auch stets präsent. Und das nicht nur auf der eigentlichen Konferenz, sondern wie auf Gesprächen im Flur zu erfahren, auch außerhalb. So haben beispielsweise unsere umtriebigen Fotografen gleich einen spontanen Besuch im Washingtoner ZDF-Studio absolviert und konnten so wechselseitig über ihre Arbeit informieren. Auf der Konferenz selbst war der Stand von WMDE ein Highlight. Nicht nur ein Infostand (kein anderes Chapter hatte einen solchen) bot ständig Informationen in gedruckter (auch auf englisch) Form an und lud zu Gesprächen ein, sondern die Programmangebote an den Tischen davor fanden reges Interesse. Ob sich Speeddating als Format durchsetzten wird – schaun wir mal, aber auch die themenbezogenen Diskussionsrunden fanden regen Zuspruch. Ich selbst war einer der männlichen Teilnehmer an der Gender-gap-Runde und kann nur anmerken, bei dem Thema stehen wir alle erst am Anfang. Was sich aber auf jeden Fall positiv berichten lässt, war der gute Eindruck den dieser Stand hinterlassen hat. Die Besucher sind während der gesamten Konferenz an den Stand gekommen und ich kann nur ein großes Danke an alle Mitarbeiter/innen und Freiwilligen für ihren Einsatz sagen. Gerade die Mitarbeiter/innen haben ein Vollprogramm auf der Konferenz absolviert und obwohl der Tagungsort nur wenige Blocks vom Weißen Haus entfernt war, konnten einige von ihnen erst am frühen Abend des vorletzten Tages zu einem kleinen touristischen Rundgang überredet werden. Wohlgemerkt, nach einem  mehr als achtstündigen Arbeitstag. Eine Anekdote am Rande: Gebrauchte Armbanduhren werden auch in Zukunft nicht als Dankeschön an Mitarbeiter/innen verteilt.

 

Natürlich ist so eine Großveranstaltung wie die Wikimania ein immenser personeller und finanzieller Aufwand. Insgesamt und aus deutscher Sicht. Lohnt sich das? Ich persönlich fand es wichtig, dass im Mutterland der Foundation das deutsche Chapter in großer Zahl vertreten war. Ich hätte mir gewünscht, dass andere Chapter auch diese Möglichkeit gehabt hätten und Wikim(p)edianer aus Ländern in denen es kein Chapter gibt, in größerer Zahl an solchen Veranstaltungen teilnehmen können. Der persönliche Austausch vor Ort ist immer ein Gewinn und ich bin mir sicher, die Teilnehmer/innen aus Deutschland haben auf vielfältige Weise die Möglichkeiten zum Lernen und Kennenlernen genutzt. Ich hoffe sehr, dass viele Begegnungen nachhaltig Wirkung zeigen werden und vielleicht demnächst Deutschland erneut Gastgeber einer Wikimania sein wird.

 

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Sei willkommen. Wirklich. Besser reden mit Neulingen.

Es berichtet der Wikipedia-Autor Tim Moritz Hector. Er ist einer von 20 Ehrenamtlichen, die Wikimedia Deutschland mit einem Reisestipendium für die Wikimania unterstützt.

 

Wikimania! Was für eine Vielzahl von Themen!
Um mehr mitzubekommen als ein allgemeines Wikimedia-Rauschen fokussiere ich mich bei meinem diesjährigen Wikimania-Aufenthalt auf mein Lieblingsthema: Die Neulingsfrage – wie können wir motivieren, erklären und nachhaltig neue Autorinnen und Autoren für Wikimedia-Projekte gewinnen?
Der meines Erachtens wichtigste Vortrag zu diesem Thema am Donnerstag wurde von Steven Walling und und Maryana Pinchuk gehalten. Der vielversprechende Titel lautete „Welcome to Wikipedia, now please go away: improving how we communicate with new editors“ und ich war sehr gespannt, was für Lösungsansätze man mir präsentieren würde.
Tatsächlich thematisierten die beiden die Ergebnisse einer statistisch hochwertigen Studie, in der die Wirkung von Vorlagen untersucht wurde, mit denen Neulinge angesprochen wurden. Dabei fokussierten sie sich auf die Sprachversionen auf Englisch, Deutsch und Portugiesisch.
Besonders interessant waren die Ergebnisse für mich, weil ich schon 2009 auf einem Mentorentreffen und im Mai diesen Jahres auf dem Treffen des WikiProjekts Vandalismusbekämpfung jeweils Workshops zur Überarbeitung der Begrüßungs- und Warnungsvorlagen initiiert hatte. Regelmäßig standen wir dabei vor der Frage: Was wirkt besser – eine kurze und knappe Ansprache oder eine sehr ausführliche? Wo ist der schmale Grat, der dem Angesprochenen die Kernaussage unmissverständlich deutlich macht und ihn dennoch nicht als Neuautoren abschreckt, sondern im Gegenteil sogar motiviert?
Die Zusammengefassten Resultate waren nicht besonders überraschend, sondern mehr eine Bestätigung: Kürzere Vorlagen sind effektiver als lange; Vorlagen, aus denen hervorgeht, dass die schreibende Person auch nur ein Benutzer ist, motivieren stärker als solche, die stark am Regularium entlang formuliert sind; je mehr Vorlagen sich auf einer Benutzerdiskussionsseite sammeln, desto weniger Reaktion zeigen die angesprochenen Benutzer. Gut zu wissen ist aber: Etwa die Hälfte der Nachrichten, die auf einer Benutzerdiskussion hinterlassen werden, werden auch von den Benutzern gelesen – hier sind anoyme Benutzer eingeschlossen.
Die Ergebnisse liegen für die drei unterschiedlichen Sprachversionen jeweils einzeln vor (wer interessiert ist: http://meta.wikimedia.org/wiki/Template_A/B_testing/Results). Spannend, wenn auch gleichfalls nicht überraschend, finde ich, dass die einzelnen Sprachversionen deutliche Abweichungen voneinander aufweisen sollen. Das motiviert mich, weiter verschiedene Projekte zu vergleichen: Wie reagieren Neulinge auf Ansprachen in unterschiedlichen Wikimedia-Projekten? Was wünschen sie sich an Support – was nicht? Gut an Wikimanias ist ja, dass über ein Thema so viele Leute Bescheid wissen. So erzählte mir Erik Möller von einem Tool auf der englischsprachigen Wikipedia, das sich „MoodBar“ nennt und über dessen Einsatz nun erste Ergebnisse vorliegen: Eine Funktion, mit dem Neulinge seit Sommer 2011 ihre ersten Erfahrungen zum Editieren über einen Smiley und seit Oktober 2011 einen Kommentar zur ihren ersten Erfahrungen abgeben können, auf den erfahrene Benutzer reagieren können. Die Erfahrungen sind fast durchweg positiv (wer interessiert ist: http://blog.wikimedia.org/tag/moodbar/). Ein anderer spannender Vortrag beschäftigte sich am Freitag mit der Schnittstelle zwischen Leserinnen und Lesern und Autorinnen und Autoren – „Lessons from Article feedback v5“, ein weiteres Tool, das auf der englischsprachigen Wikipedia zum Einsatz kommt und Lesern die Möglichkeit gibt, einen Feedback-Kommentar zum Artikel abzugeben. Auch hier gibt es überwiegend positive Ergebnisse, die eine genauere Untersuchung wert sind.
Von dieser Vielfalt der Teilbereiche, selbst wenn man sich nur auf nur ein einzelnes Thema beschränkt, kann ich mich immer wieder begeistern lassen und werde in diesem Sinne auch die nächsten beiden Tage Wikimania 2012 genießen.

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Wiedervereinigung unter grossem Dach? Eure Stimme zählt!

Die Wikimania ist nicht nur ein Ort anregender Vortrage, Ankündigungen und Begegnungen. Manchmal bietet sie auch Ereignissen Raum, die in kein Schema passen und in dieser Weise doch nur hier geschehen können. So hatte ich gestern (gestern? ;)) um die Mittagszeit Gelegenheit, an einer aussergewöhnlichen Runde teilzunehmen, in der verschiedene Communities ihr Zusammengehen vorbereiteten.

Zum Hintergrund: Im Juli 2003 ging wikitravel.org online, Ziel war die kollaborative Erschaffung eines Reiseführers unter Freier Lizenz. Insgesamt bringt es Wikitravel heute auf 19 Sprachversionen mit jeweils bis zu 26.000 Reiseführern, seit 2004 auch einer Version auf Deutsch. 2006 entschieden sich die Gründer, die Marke „Wikitravel“ an die Firma Internetbrands zu verkaufen, um Wikitravel ein solides Fundament zu geben. Internetbrands gewährleistete den dauerhaften Betrieb von Wikitravel und die Unabhängigkeit der Communities in inhaltlichen Fragen. Erste Probleme allerdings gab es, als die Firma entschied, Werbung zu schalten. Das führte zu Grundsatzdiskussionen und letztendlich zu einem Fork: die deutschsprachige Community wollte sich nicht in einem kommerziellen Umfeld bewegen. So entstand Wikivoyage, bis heute getragen von einem Verein mit Sitz in Deutschland. Wikivoyage hat in Deutsch den deutlich größeren Artikelbestand (~12.000 zu ~5.000 bei Wikitravel) und eine sehr aktive und gut organisierte Community. Außerdem gibt es noch eine italienische Sprachversion und gemeinsam genutzte Datenbestände für Bilder ähnlich Wikimedia Commons und „Locations“, eine Art WikiData für Ortsangaben.

Aber nach diesen Entscheidungen kehrte nicht dauerhaft Ruhe ein. Auf Dauer gab es Unzufriedenheiten bei der Wikitravel-Community, Vorwürfe standen im Raum, Internetbrands kümmere sich nur unzureichend um das Projekt. Die Entfremdung wuchs und 2012 begann die Community nach neuen Wegen zu suchen. Der kanadische Wikipedianer und Wikimedianer James Heilman nahm diese Bestrebungen auf und bündelte sie, indem er Kontakt zu Wikivoyage wie zur Wikimedia Foundation aufnahm und den Vorschlag aufbrachte, Wikivoyage und Wikitravel sollten sich wiedervereinigen als Projekt unter dem Dach der Wikimedia Foundation.

Hier in Washington trafen nun alle aufeinander: Vertreter von Wikitravel, Wikivoyage und Internetbrands waren ebenso anwesend wie Vertreter des Boards of Trustees der Wikimedia Foundation; Mitarbeiter der Foundation und von Wikimedia Deutschland und natürlich auch Aktive vieler Sprachen und Projekte des Wikimedia-Universums. Der Sprecher von Wikitravel brachte das annähernd einhellige Votum der aktiven Wikitraveller mit, Stefan Fussan hatte zusätzlich den entsprechenden Beschluss der Mitgliederversammlung von Wikivoyage in der Tasche. Die Vertreter der Wikimedia Foundation allerdings machten deutlich, dass dies noch nicht reiche, denn trotz der allgemeinen, bisherigen Übereinstimmung fehle noch eine wichtige Stimme – die der Wikimedia-Communities. Es ist also eure Stimme, die nun zählt. Das entsprechende Meinungsbild läuft bereits und mit Site-Notices in allen betroffenen Sprachen und Hinweisen in internen Medien soll darauf aufmerksam gemacht werden, denn eine hohe Beteiligung der Communities ist ebenso erforderlich wie ein klares Votum. Erst danach werde das Board eine entsprechende Entscheidung treffen können.

Also heisst es nun Wählen gehen! Entscheidet euch bei der Frage nach einem „neuen“ Schwesterprojekt, Eure Stimme hier: Requests_for_comment/Travel_Guide

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Hallo Washington!

So, die Wikimania hat begonnen. Die große Eröffnungsveranstaltung ist vorbei, und gerade laufen die ersten Session des regulären Programms. Alle Anwesenden sind sehr hilfreich, und wie immer verbreiten die Teilneher die gute Laune einer Schullandheimfahrt.

Ein paar erste Eindrücke aus Washington und von der Wikimania:

* Washington ist nicht ganz so heiß und schwül wie befürchtet.

* Anscheinend haben alle Teilnehmer aus Deutschland die Einreiseprozedur gut überstanden.

*Die Organisation wirkt bisher gut und professionell, auch wenn es erste Kaffee-Engpässe gibt. Dafür funktioniert das Wlan meistens.

* Der Wikimedia-Deutschland-Stand ist im großen Pausen/Essens/Aufenthaltsraum; etwas arg in die Ecke gedrängt, aber soweit ich hier von schräg gegenüber aus sehen kann, ist der Stand durchaus besucht.

* Die gestrige Reception war eine eindrucksvolle Veranstaltung. Die Räume in der Library of Congress sind schon sehr beeindruckend, ein Haufen Wikipedianer in Hemden, Anzügen und Abendkleidern ein einmaliges Erlebnis. Viele Wikipedianer auf einmal können richtig gut aussehen.

* Die Jimmy-Wales-Rede ist halt die Jimmy-Wales-Rede. Aber Jimbo hatte einen eher guten Tag.

* Die Keynote von Mary Gardiner war inhaltlich sehr spannend, wenn auch etwas unter der Vortragstechnik leidend. Ich hoffe sehr, dass eine schriftiche Fassung existiert.

* Ja, liebe Deutsche, in Washington trifft man Radfahrer und der öffentliche Nahverkehr existiert. Nur ist mir noch unklar, warum die Washingtoner die U-Bahnhöfe im Dämmerlicht halten.

* Als Speaker hat man rot/goldene-Bordüren am Namensschild.

* Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht.

 

 

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Hacken in San Francisco

Zwischen dem 20. und 23. Januar durfte ich in San Francisco am “Wikipedia Hackathon” teilnehmen, einem Workshop für Softwareentwickler, bei dem es darum ging, gemeinsam an neuen Features zu arbeiten und interessierten Neulingen die Arbeit an und mit MediaWiki näher zu bringen. Besonders im Vordergrund stand dabei die Entwicklung von “Apps” für Smartphones: Die Wikimedia Foundation hat kürzlich die Offizielle Wikipedia-App für die Android-Plattform vorgestellt, mit der Wikipedia-Artikel bequem auf dem Telefon gelesen werden können. Nun wurden die gesammelten Erfahrungen mit der Entwicklergemeinde geteilt, neue Funktionen (wie “zufällige Seite”) hinzugefügt und Ideen für weitere Anwendungen entwickelt. Das gab auch mir die Gelegenheit, mit der Programmierung von Android-Telefonen zu experimentieren.

Den Preis für die beste Neuentwicklung während des Hackathons gewann ein Projekt, dass zwar für Handys gedacht ist, aber ganz ohne Smartphone-Funktionen auskommt: per SMS kann ein Wikipedia-Artikel angefragt werden, der dann von einem Dienst vorgelesen wird. Der Preis ist eine Reise für zwei Mitgleider des Siegerteams: sie dürfen zu einem weiteren Wikimedia-Event irgendwo auf der Welt fahren — vermutlich zum nächsten Hackathon, nämlich dem, den Wikimedia Deutschland voraussichtlich im Frühjahr veranstalten wird.

Zwischen all den spannenden Gesprächen mit erfahrenen und auch ganz neuen MediaWiki-Entwicklern fand ich noch Zeit für meinen eigenen kleinen „Hack“: MediaWiki soll in Zukunft neben Wiki-Links auch die HTML-Syntax für Links zulassen. Das ist wichtig, um Metadaten wie zum Beispiel Bildlizenzen mit Hilfe von Mechanismen wie HTML5 Microdata oder RDFa maschinenlesbar in Wikiseiten einbinden zu können.

Den Aufenthalt in San Francisco konnte ich außerdem nutzen, um die Arbeit am Wikidata-Projekt mit der Wikimedia Foundation zu koordinieren. So konnte unter anderem die Abläufe für den Test und die Integration der neuen Software in die Wikimedia-Landschaft geklärt und diverse Detailfragen zur Umsetzung besprochen werden. Diskutiert haben wir zum Beispiel, ob und wie sich Änderungen an zentral gespeicherten Datensätzen auf Beobachtungslisten in den einzelnen Wikipedias niederschlagen sollen.

Es war gut, Wikidata bei den Mitarbeitern der Wikimedia Foundation bekannter zu machen, und es war schön, die Unterstützung und Begeisterung für das Projekt zu spüren. Es gibt noch viel zu tun für Wikidata, aber es scheint, als sei alles auf dem besten Wege.

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Die Wikimedia Foundation veröffentlicht Jahresbericht 2010-2011

Die Wikimedia Foundation hat vor einigen Tagen ihren Jahresbericht  für das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2010 bis 30. Juni 2011 veröffentlicht. Bereits zum vierten Mal gibt die Foundation damit einen Bericht über ihre Aktivitäten ab. Und nicht nur das, der neue Bericht würdigt besonders die weltweiten Aktivitäten der Community und das großartige Engagement der Freiwilligen. Der Jahresbericht beginnt mit der Erklärung: ‚The way the world tells its story‘. Unter diesem Titel werden Projekte, großartige Leistungen und Erfolge der weltweiten Community vorgestellt. Dazu gehört selbstverständlich auch das diesjährige 10. Jubiläum von Wikipedia, dass weltweit gefeiert wurde. Neu und besonders erfreulich ist, dass es eine Zusammenfassung des Jahresberichts neben Englisch in weiteren 6 Sprachen gibt (arabisch, japanisch, spanisch, portugisisch, französisch und deutsch).

Und noch etwas ist neu und nachahmenswert: Den Jahresbericht gibt es nicht nur im PDF-Format sondern auch in einer Wiki-Version, in der Kommentare und weitere Anregungen erwünscht sind!

Zu den Highlights des Berichts gehören u.a.:

  • weltweite Bildungsprogramme
  • technische Entwicklungen
  • Erweiterung mobiler Plattformen
  • Wikimania 2010 in Danzig, Polen
  • der Arabische Frühling in Wikipedia
  • 10. Geburtstag von Wikipedia
  • 2010/11 Spendenaufruf und Spender

Die Vorbereitungen für den Tätigkeitsbericht von Wikimedia Deutschland laufen bereits und wir werden unseren Bericht im März 2012 veröffentlichen. Ideen und Anregungen dazu gern an catrin.schoneville@wikimedia.de

p.s. Und da die ‚Kleinen‘ oft vergessen werden, auch noch Gratulation an Wikimedia Österreich, die ihren Tätigkeitsbericht ebenfalls kürzlich veröffentlicht haben.

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Visueller Editor für Wikipedia – erster Prototyp veröffentlicht

Wer einen Wikpedia-Artikel ändern möchte, muss ein Bearbeitungsfenster öffnen und dort mit der so genannten Wiki-Syntax arbeiten. Das ist seit Wikpedias Gründung vor zehn Jahren so. In Blogs und sozialen Netzwerken sind Internetnutzer heute allerdings gewohnt, völlig ohne Programmierkenntnisse oder spezielle Auszeichnungssprachen Texte, Bilder, Videos und sonstige Inhalte veröffentlichen zu können. Bei Wikipedia geht das nicht. Bislang gibt es keine Möglichkeit, Artikel direkt im Browser zu bearbeiten, das heißt so wie sie sich dem Leser präsentieren. Mit der Entwicklung eines „Visuellen Editors“ will die Wikimedia Foundation das ändern und damit mögliche Barrieren für ehrenamtliche Mitarbeiter weiter reduzieren. Ab sofort steht ein Prototyp des geplanten Editors zur Verfügung. Ausprobieren kann man den Editor auf www.mediawiki.org.

Dieser neue Prototyp ist eine Testversion, der entscheidende Merkmale wie die Speicherung und der Zugriff auf echte Wikipedia-Artikel fehlen. Es gibt keine Datenbankverbindung. Es handelt sich um eine Spielwiese und Kommentare und hilfreiche Tipps sind hier sehr erwünscht!

Warum die ganze Entwicklung des neuen Editors aus vielen kleinen Schritten bestehen muss und warum es für diese erste Version nur einen bewusst kleinen Funktionsumfang geben kann, hat die Foundation in einem eigenen Blogpost beschrieben. Im Folgenden haben wir die Kernpunkte übersetzt:

Die Entwicklung eines Visuellen Editors ist eine der wichtigsten Aufgaben der Wikimedia Foundation für das Jahr 2012. Es gibt eine ganze Reihe von Belegen dafür, dass die Wiki-Syntax eine erhebliche Barriere ist, die viele Menschen von einer Mitarbeit abhält. Formale Benutzertests und direktes Feedback von neuen Autoren haben in den letzen Jahren verdeutlicht, dass das Bedürfnis für einen Visuellen Editor groß ist.

Die Entwicklung eines Web-basierten Editors ist eine sehr komplexe Angelegenheit. In der Geschichte der MediaWiki-Entwicklung ist es womöglich das herausfordernste Projekt. Folgende Eckpunkte charakterisieren das Projekt: Bearbeitungen müssen sowohl in der bisherigen Wiki-Syntax möglich sein, als auch auf die neue Weise. Die Art, wie in den Communitys über die letzten zehn Jahre gearbeitet worden ist, kann nicht mit einem Mal geändert werden. Gleichzeitig müssen potenzielle Autoren unterstützt werden, die mit der Wiki-Syntax nicht gut umgehen können. Das heißt also, das zu entwickelnde Editor-System muss zwischen dem Visuellen Editor und der Wiki-Syntax hin und her wechseln können, und zwar möglichst ohne ersichtliche Störungen für den Nutzer. Außerdem darf es bei diesen Wechseln keine Fehler im System verursachen. Wer Erfahrung mit Editoren hat, die sowohl einen visuellen als auch einen HTML-Modus anbieten, der kennt die Probleme, die entstehen können. Und die Wiki-Syntax ist in dieser Hinsicht ausgesprochen umfangreich und kompliziert. Noch dazu gibt es jede Menge Inhalte, die alle Möglichkeiten dieser Syntax bis zum Letzten ausreizen. Wären Wikipedia-Artikel einfach formatierte Text-Dokumente, dann wäre die rückwärtige Kompatibilität recht einfach zu erreichen. Tatsächlich verwenden die Artikel aber eine ganze Palette von Layout-Funktionen wie Bilder, Links, Tabellen, Infoboxen und andere dynamisch zu ladende Vorlagen. Ein Beispiel aus der englischen Sprachversion. Kompatibilität ist bei dieser Bandbreite an Anwendungsmöglichkeiten technisch sehr herausfordernd.

Über die letzten Monate hat das Programmiererteam der Wikimedia Foundation viele Fortschritte bei der Entwicklung des Visuellen Editors gemacht. Heute möchten wir den Prototyp einer einfachen Bearbeitungsoberfläche vorstellen, die das, was auf dem Bildschirm zu sehen ist, in Wiki-Syntax übersetzt. Diese Demoversion, die bislang weder das Bearbeiten noch das Speichern von Dokumenten erlaubt, unterstützt grundlegende Formatierungsfunktionen wie Fett-Auszeichnung, Kursiv oder Zwischenüberschriften. Außerdem unterstützt sie eine Reihe von Funktionen, die als selbstverständlich erwartet werden, wie Kopieren und Einfügen oder Rückgängig/Wiederherstellen. Im Idealfall kann es genutzt werden, um damit einen Text in funktionierender Wiki-Syntax zu erstellen, der anschließend einfach per Copy & Paste in das Bearbeitungsfenster eines Wikis eingefügt werden kann.

Diese Version des Visuellen Editors sollte die meisten modernen Browser unterstützen, wurde aber hauptsächlich für Firefox, Chrome und den Internet Explorer 9 getestet. Unterstützt wird außerdem IE8, nicht aber IE7. Es gibt keine an die Wikipedia-Sprachversionen angepasste Version, was aber mit dem nächsten Update nachgeholt werden soll.

Die Demoversion samt Übersetzung in Wiki-Syntax kann auf dieser Spielwiese angesehen werden. Sie kann mit allen dafür hochgeladenen Artikeln ausprobiert werden

Nächste Schritte und Beteiligung

Was kommt als nächstes? Zunächst sollen nacheinander neue Funktionen freigeschaltet werden, Fehler behoben und Updates veröffentlicht werden. Ziel: Der Editor soll nach und nach anwendbarer für tatsächliche Wikipedia-Bearbeitungen werden. Dafür soll ermöglicht werden, Seiten anzulegen und diese auch speichern zu können, vorhandene Seiten oder Abschnitte zu bearbeiten, Bilder einfügen oder entfernen sowie Informationen in Vorlagen oder Tabellen ändern zu können.

Geplant ist, kurzfristig „echte“ Bearbeitungen einem (sehr) kleinen Nutzerkreis zu ermöglichen. Bis allerdings selbst eine nur kleine Gruppe von Bearbeitern mit vollumfänglichen Funktionen des Editors versorgt werden kann, wird es noch eine Weile dauern. Wie oben bereits gesagt, die Foundation ist dankbar für jede Hilfe bei diesem Großprojekt. Direktes Feedback kann zum Beispiel oben rechts auf der Seite des Prototyps gegeben werden. Nachrichten sind ansonsten auch hier willkommen.

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Participation Grants – Wikimedia Foundation und WMDE stellen gemeinsames Förderprogramm vor

Was macht ein Wikimedianer aus Bangladesh, wenn er an einer Wikimedia-Konferenz in Indien teilnehmen will und die Reisekosten nicht aus eigener Tasche finanzieren kann? Bis gestern war die Antwort auf diese Frage schwierig, doch seit heute lautet sie: Er beantragt einen „Participation Grant“.

Die Participation Grants sind ein neues Förderinstrument, das die Wikimedia Foundation und Wikimedia Deutschland in den letzten Monaten gemeinsam entwickelt haben. Sie sollen genau solche Wikimedia-Aktiven ansprechen, in deren Heimatländern es bislang kein Wikimedia-Chapter mit ausreichenden Ressourcen gibt. Gefördert werden v.a. Teilnahmen an Workshops, Seminaren und Konferenzen, bei denen ein konkreter Nutzen für die Wikimedia-Projekte zu erwarten ist. Die Abwicklung soll schnell und unbürokratisch erfolgen. Förderentscheidungen und Berichte werden auf dem Meta-Wiki dokumentiert.

In seiner ersten Skype-Sitzung am 26. Oktober bewilligte das Participation Grants Committee die ersten zwei Förderanträge. Nicht zufällig ging es dabei um die Teilnahme zweier Wikipedianer und Mitgründer des jüngst gegründeten Chapters Wikimedia Bangladesh an der Wikimedia Conference India, die vom 18. bis zum 20. November und damit parallel zur Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland in der Millionenmetropole Mumbai stattfinden wird. Das Hauptanliegen der Anträge ist die Weiterentwicklung der bengalischsprachigen Wikipedia. Bengalisch, das Amtsprache in Bangladesh und einigen Bundesstaaten Indiens ist, wird von etwa 230 Millionen Menschen gesprochen. Die bengalische Wikipedia hat jedoch bisher erst 22.000 Artikel. Während auf 100 Deutsch-Sprecher statistisch 1,0636 Wikipedia-Artikel kommen, entfallen auf 100 Bengalisch-Muttersprachler gerade einmal 0,0097 Artikel.

Bereits vor dem offiziellen Start des Participation Grant-Programms wurde eine erste Förderentscheidung getroffen. Unterstützt wurde die Teilnahme von  [[User:とある白い猫]] an einem Workshop in Amsterdam zur Erkennung von Plagiarismus und Vandalismus. Selbst arbeitet er an einem Tool zur automatisierten Erkennung von Vandalismus in der Wikipedia. Über seine Konferenzteilnahme hat er einen ausführlichen Bericht in englischer Sprache erstellt.

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