Posts Tagged ‘Fellow-Programm Freies Wissen’



Enriched publications und Wikidata: Ein Werkstattbericht

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Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag berichtet die Stipendiatin Adelheid Heftberger über ihr Projekt im Rahmen des Fellow-Programms und ihre Erfahrungen mit Open Science.

Der Einstieg

Nun saß ich also da, inmitten von schlauen Menschen, die alle sehr viel Ahnung von Open Science hatten. “Da” war das Kick-Off-Meeting des neuen Fellow-Programms “Freies Wissen”, das von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband ins Leben gerufen worden war. Viel war die Rede von Wissenskommunikation wie Blogs, Twitter etc., von Forschungsdaten, von selbst geschriebenen Programmen. Man tauschte sich über Plattformen aus, von denen ich nur vage eine Ahnung hatte oder auf denen ich nur sehr vorsichtig bisher erste Schritte getan hatte. Kurz: Mir rauchte der Kopf. Am Ende verabschiedete ich mich hochmotiviert in der Gewissheit, dass es Zeit war, die Ärmel hochzukrempeln und die Idee von Open Science in meine Community zu tragen bzw. erst einmal zu recherchieren, was der Wissensstand war.

Ein Schritt zurück. Warum nahm ich an einem Kick-Off-Meeting im Wikimedia Deutschland Gebäude in Berlin teil? Meine Bewerbung für das Fellow-Programm entstammte meiner Arbeit am Open Access Journal Apparatus, das von Natascha Drubek 2015 gegründet worden war. Dabei konnte ich aus nächster Nähe erleben, wie komplex ein solcher Gründungsprozess ist und wie viele Partner es dazu braucht. Apparatus widmet sich der Film- und Medienwissenschaft, daher scheint es nicht weit hergeholt, bewegtes Bild in die Artikel einzubauen. Nicht besonders innovativ möchte man meinen, ist das Internet doch voll mit Videos auf den Webseiten. Ein Blick auf die Journal-Landschaft in diesem Bereich zeigt aber rasch, dass geisteswissenschaftliche Artikel immer noch sehr traditionell publiziert werden [1]. Ein typischer Artikel besteht aus Textteilen, zwischen die hin und wieder Bilder zur Illustration eingefügt sind. Umfangreiche Bibliographien und Filmographien sind typischerweise am Ende des Artikels angefügt und Links zu anderen Webseiten sind meist spärlich vorhanden. Sehr oft liegt der Artikel überhaupt nur als pdf zum Download bereit. Sexy ist das nicht gerade. Und auch nicht einfach zu erklären.

Die fehlende Kreativität oder technische Umsetzung derselben liegt nicht nur am fehlenden Willen der Herausgeber und Herausgeberinnen, sondern zu einem großen Teil an mangelhaften Infrastrukturen und nicht zuletzt an den fehlenden oder unklaren Rechten. Viele Open Access Journals verwenden das weit verbreitete Open Journals System (OJS) [2], in dem Videos im Grunde embedded werden können [3]. Dazu kommen Fragen der Archivierung der Inhalte: Wer würde sich um die Langzeitarchivierung kümmern, wenn kein einfaches PDF/A [4] an Bibliotheken abgeliefert werden konnte? Und: ging es in meinem Projekt denn nicht eigentlich um viel mehr als nur ein Video in meinen Test-Artikel einzubauen?

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Der Fossilbericht und Open Science: Modellierung der Gefährdung von Amphibienarten

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Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag stellt die Stipendiatin Melanie Tietje ihr Projekt vor, welches sie im Rahmen des Fellow-Programms durchführt. 

Ich bin Biologin am Museum für Naturkunde und beschäftige mich mit dem Aussterberisiko von Amphibien. In meiner Doktorarbeit erforsche ich, welche Faktoren über das Überleben oder Aussterben einer Art entscheiden. Dabei konzentriere ich mich auf Amphibien, da diese aktuell die am stärksten gefährdete Gruppe von Landwirbeltieren bilden [1] und deshalb von großem Interesse für den Naturschutz sind. Ich arbeite hierfür sowohl mit dem Fossilbericht ausgestorbener Arten als auch mit Daten von lebenden Arten. Das Verständnis der zum Aussterben führenden Mechanismen und dafür, welche Faktoren sich als nachteilig für das Überleben einer Art erweisen, sind von enormer Bedeutung für das Fällen von Entscheidungen im Naturschutz, wenn es um die Aufteilung von Ressourcen wie Arbeitszeit und finanziellen Mitteln geht.

In meinem Projekt im Fellow-Programm Freies Wissen erstelle ich ein auf dem Fossilbericht von Amphibien basierendes Modell, welches wichtige artspezifische Merkmale identifiziert, die das Aussterberisiko einer Art beeinflussen. Dieses Modell wird anschließend auf lebende Amphibienarten angewendet und das prognostizierte Aussterberisiko mit der Einschätzung der IUCN Roten Liste verglichen. Um  meine Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, werde ich zwei Aspekte aus dem breiten Spektrum von Open Science in meine Arbeit integrieren: Reproduzierbarkeit und Community Feedback.

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Selbstlernende Computerprogramme und Evolution – Ein Projektbericht aus dem Fellow-Programm Freies Wissen

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Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag stellt der Stipendiat Nicolas Schmelling sein Projekt vor, welches er im Rahmen des Fellow-Programms durchführt. 

Computer spielen in unserer heutigen Gesellschaft eine immer größere Rolle. Zum einen verwenden wir Computer täglich bewusst für die unterschiedlichsten Sachen – vom Wecker bis hin zum Wissenserwerb. Zum anderen steuern Computer auch immer mehr Prozesse ohne unser Mitwirken, wie zum Beispiel der Spamfilter, der ungewollte E-Mails aussortiert. Mit Blick auf die Zukunft wird uns bewusst, dass Computer viele unserer Tätigkeiten übernehmen werden. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Thema hat beispielsweise in der diesjährigen ARD-Themenwoche zum Thema „Zukunft der Arbeit“ stattgefunden.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei das Vermögen von Computern, durch Informationen und Daten zu „lernen”. Anwendungen mit dieser Fähigkeit finden wir in unterschiedlichsten Bereichen, sei es eine Kaufempfehlung im Onlineshop oder der Einsatz von selbstfahrenden Autos auf den Straßen. In einer Zeit, in der Computer datengestützte Vorhersagen machen können, sollte es also auch möglich sein, auf diese Weise neues Wissen zu schaffen und wissenschaftliche Probleme zu lösen.

In meinem Projekt möchte ich daher mithilfe von kleinen autonomen Computerprogrammen Fragestellungen der Evolution beantworten. Im Detail werde ich mich mit der Evolution von Zeitmessern beschäftigen. Unter welchen Umweltbedingungen kann überhaupt eine „innere“ Uhr entstehen? Was für einen Sinn/Vorteil hat ein Zeitmesser für einen Organismus? Dies sind Beispiele für Fragen, denen mein Projekt auf den Grund geht.

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Leistungsschutzrechte, Remix-Kultur und Freies Wissen – Zur kreativen Nachnutzung seit dem Sampling-Urteil des Bundesverfassungsgerichts

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Dies ist ein Gastbeitrag von Marion Goller, Stipendiatin im Fellow-Programm Freies Wissen. Das Fellow-Programm wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen.

Kunstfreiheit schlägt Eigentum“ titelte Ende Mai dieses Jahres die Online-Ausgabe der Legal Tribune, als das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) seine Entscheidung in Sachen „Metall auf Metall“ bekanntgab. In der Musik- und vor allem in der HipHop-Szene war das Urteil im Streit zwischen Moses Pelham und der Band Kraftwerk mit Spannung erwartet worden, sollte es doch ein für allemal regeln, ob Sampling – das Verwenden von Tonausschnitten aus fremden Werken in der eigenen Produktion – erlaubt ist oder nicht.

Aber nicht nur für professionelle Musiker:innen ist das Urteil interessant, sondern auch für Musikfans, die aus den Werken ihrer Idole neue Tracks zusammenschneiden und so neue Kunst schaffen wollen. Technische Fortschritte, insbesondere Digitalisierung und Internet, haben Herstellungs- und Grenzkosten in Ton und Film stark gesenkt, wie ich in meinem letzten Beitrag ausführte. Das hat eine neue Form der Remix-Kultur entstehen lassen, die wohl niemand so eloquent, passioniert und enthusiastisch beschrieben hat wie der Rechtswissenschaftler und Creative Commons-Mitgründer Lawrence Lessig.[1] Die Remix-Kultur lässt die Grenzen zwischen Produzent:innen und Konsument:innen verschwimmen oder hebt sie sogar ganz auf und schafft den neuen Typus der Prosument:innen: Personen, die sich der Werke anderer bedienen, um sich selbst kreativ auszudrücken.

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Fellow-Programm Freies Wissen – an die Arbeit!

Nachdem das Fellow-Programm Freies Wissen im Mai offiziell mit der Ausschreibung der Fellowships startete, endete im August die Bewerbungs- und Auswahlphase. Aus knapp 80 Einreichungen wählte das Programmteam zehn Fellows aus, die am diesjährigen Pilotprogramm teilnehmen und bis Ende Februar 2017 Forschungsprojekte im Sinne offener Wissenschaft durchführen. Im September trafen sich die Teilnehmenden des Programms in Berlin, um sich über die Idee und Praxis Offener Wissenschaft auszutauschen und  gemeinsam die Arbeit in den kommenden Monaten zu planen. Ziel des Programms ist es, die Idee von Open Science sichtbarer zu machen und in die wissenschaftlichen Institutionen zu tragen, um damit die schrittweise Öffnung von Wissenschaft und Forschung voranzutreiben.

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Die Resonanz auf die Ausschreibung des Fellow-Programms Freies Wissen, welches Wikimedia Deutschland in diesem Jahr erstmalig in Kooperation mit dem Stifterverband durchführt, war überaus erfreulich: Insgesamt bewarben sich fast 80 Wissenschaftlerinnen und


Unter dem Begriff “Open Science” werden sämtliche Bestrebungen zusammengefasst, die darauf abzielen, den wissenschaftlichen Forschungsprozess offen zu gestalten und seine Bestandteile wie beispielsweise Methoden, Forschungsdaten und Publikationen frei zugänglich und nachnutzbar zu machen. Auf diese Weise können der Öffentlichkeit aber auch anderen Forschenden diese Daten und Informationen als Wissensallmende zur Verfügung gestellt werden, sodass möglichst vielen Menschen die Teilhabe an der Erstellung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse ermöglicht wird.

Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen und Fachbereichen mit zahlreichen spannenden und interessanten Projektideen. In einem mehrstufigen Reviewprozess wurden schließlich zehn Fellows ausgewählt, die im Rahmen des diesjährigen Pilotprogramms mit einem Stipendium gefördert und bei der Umsetzung ihrer sechsmonatigen Forschungsvorhaben unterstützt werden.

Die Forschungsprojekte der ausgewählten Fellows könnten unterschiedlicher kaum sein. Sie reichen von der Publikation einer Zusammenstellung der Umweltbildungsaktivitäten verschiedener NGOs auf Madagaskar über die Entwicklung eines Workflows für die Einbettung von Videos in Open Access Publikationen bis hin zu Untersuchungen der Gehirnaktivität von Honigbienen. Gemein ist allen Projekten  jedoch der Aspekt der Offenheit: Im Rahmen des Programms werden die Fellows ihre Forschungsprozesse und -ergebnisse nach den Prinzipien von Open Science öffnen und letztlich für die Allgemeinheit zugänglich und nachnutzbar machen.

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