Posts Tagged ‘Bildung+Wissen’



Reflexionen zu Wikipedia und Hochschule

Gastbeitrag von Teilnehmenden des Hochschulprogramms an der Universität Bremen im Wintersemester 2012/2013

 

Liebe Wikimedia Foundation,

im Rahmen des Hochschulprogramms haben wir, Studentinnen und Studenten der Universität Bremen, an einem sozialwissenschaftlich-didaktikschen Seminar zur Anwendung und zur Mitarbeit in der Wikipedia teilgenommen.

Gelernt haben wir dabei:

  • Wie die Wikipedia strukturiert ist und wie sich die Wikimedia zusammensetzt und agiert (vielen Dank dabei nochmals an den Wikipedia-Referenten)
  • Wie man einen Wikipedia Artikel verfasst und editiert, ebenso woran man gute Artikel erkennt und wie man verbesserungswürdige Artikel ergänzen kann.
  • Wer in der Wikipedia aus welchen Gründen Artikel verfasst.
  • Welche Vor- und Nachteile die Wikipedia für den persönlichen Einsatz und den Einsatz in der Schule bieten.

Besonders bemerkenswert war dabei:

  • Der Einblick in die Wikipediastruktur durch den Wikipedia-Referenten
  • Die Motivation der Autoren Artikel aus freien Stücken zur Wissensvermittlung zu verfassen, ohne jede Gegenleistung.
  • Vielschichtiger Aufbau der Wikipedia und transparente Kontrollinstanzen hat die vormals kritische Sicht auf die wissenschaftliche Qualität der Wikipedia geringfügig verbessert.
  • Wie einfach es eigentlich ist, einen Artikel zu verfassen.

Foto: Itzuvit, cc-by-sa 3.0 unported

Zur Frage, ob sich unser Nutzungsverhalten geändert hat, gibt es jedoch differenzierte Meinungen. Manche sagen, dass sie mehr Mut zur Verbesserung kleinerer Fehler haben, Artikel aufmerksamer in Bezug auf die Qualität lesen. Andere sagen, dass sich ihr Nutzungsverhalten in Wikipedia selbst nicht geändert hat. Dennoch ist der Entstehungsprozess eines Artikels (Wissens) interessant nachzuverfolgen. Der Background, den wir über Wikipedia erfahren haben, hat somit keinen bis geringen Einfluss auf das bestehende und aktuelle Nutzungsverhalten.

 

Wikipedia zur Erkundung des digitalen Raums im Unterricht nutzen

Es lohnt sich, über Formen digitalen Lernens nachzudenken. Wikipedia könnte einen Startpunkt zur Erkundung des digitalen Raums im Unterricht darstellen, da Schüler_innen bereits durch Rechercheaufträge vertraut damit sind. Ein bewusster und kritischer Umgang mit lebensweltlich und im Schulalltag relevanten Recherche-/Informationstools ist ein wichtiges Ziel (Wikipedia als Medium, Tool, vergleichbar mit Quellenkritischer Analyse aus dem Geschichtsunterricht). Aus einer Perspektive der Didaktik der Sozialwissenschaften kann Wikipedia dabei als Beispiel für die Untersuchung eines digitalen sozialen Raums dienen (Governance im Netz, Veränderung von Öffentlichkeit) und somit selbst zum Gegenstand des Unterrichts werden.

Hierbei zeigen sich mitunter noch Spannungsverhältnisse zwischen einem neuem digital orientierten Lernverständnis und den bisherigen schulischen Lernstrukturen. Dies gilt unter anderem für die Zitierfähigkeit der Wikipedia Artikel aber auch im Allgemeinen für ein  modernes Lernverständnis, welches forschendes Lernen und ein offenes Lernergebnis in den Fokus stellt. Weiterlesen »

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Goethe trifft Wiki

 

Gastbeitrag von Aleksander Dera

Das Goethe-Institut Budapest hat im Jahr 2011 ein Projektwiki mit dem Titel “Bildung macht Schule” angelegt, in dem länderübergreifend an durch das Goethe-Institut Budapest ausgewählten Schulen in der Region Mittelosteuropa an Freien Inhalten gearbeitet wird. In einer ersten Phase haben Lehrende mit ihren SchülerInnen Inhalte erarbeitet, die zunächst von den Lehrenden eingestellt wurden. In einem zweiten Schritt wurden nun die SchülerInnen direkt von unserem Referenten Aleksander Dera geschult, damit diese die Inhalte selbst einstellen können. Dabei standen die Aufklärung über und die Erstellung von Freien Inhalten im Mittelpunkt. Die Schulungen fanden im Oktober und November 2012 in Vilnius, Krakau und Budapest statt.

 

„Schnell mal ein Wiki machen“

Ob der alte Goethe sich wohl in einem Wiki zurechtgefunden hätte und seine Werke vielleicht sogar dort veröffentlicht hätte? Das Institut, das seinen Namen trägt, hat Gefallen an Wikis gefunden. Das Goethe-Institut, das u.a. die deutsche Sprache im Ausland fördert, hat ein Projekt gestartet, um ein Wiki auch im Deutsch-Unterricht einzusetzen. Wie die Teilnehmenden allerdings schnell merkten, heißt Wiki zwar schnell, aber „schnell mal ein Wiki machen“, dazu braucht es dann doch etwas mehr. Was liegt näher, als sich dieses bei den Fachleuten der Wikipedia zu holen?! Und so war ich, über Wikimedia Deutschland, im Einsatz in Vilnius, in Krakau und zuletzt in Budapest. Begleitet wurde ich von Michael Hauke vom Goethe-Institut in Budapest.

 

Hürdenlauf mit Mediawiki

Die Schüler, von 14 bis 18 Jahren, hatten die Aufgabe zuvor zum Thema „Armut“ in ihrer Umgebung zu recherchieren und die Materialien mitzubringen. Dies hatten sie mit Hilfe ihrer Lehrer auch meist fleißig getan. Weiterhin war das Deutsch, mit Ausnahmen, hervorragend. Jeweils Freitag und Sonnabend fanden die Kurse statt, für die Schüler ein zusätzlicher Schultag, in Vilnius noch dazu der Anfang der Ferien! Trotz allem waren sie bis zum Schluss hochmotiviert und interessiert. Als gestandener Wikipedianer war ich nun ganz verwundert, warum das ganze nicht an einem Tag erledigt werden könnte und vermutete die Sprache als Hinderungsgrund. Aber weit gefehlt. Mediawiki birgt mehr Hürden als man glaubt, vom Urheberrecht ganz zu schweigen.

 

Bilder sind nicht gleich Bilder

Foto: doctormo, CC-BY-SA 3.0

Zu Beginn eine Frage an die Schüler: Wie sieht ein guter Text aus? Das haben die Schüler erarbeitet und mir standen die Haare zu Berge. Texte müssten etwa unbedingt bunt sein, sonst ist es langweilig. Der „Aber-Die-Wikipedia-Richtlinie“-Reflex sprach an, wurde aber erfolgreich von mir unterdrückt. So gibt es nun Klicki-bunte-Texte, bunte Hintergründe, Linkcontainer, usw.

Ins Urheberrecht der drei Staaten musste ich mich kurz einarbeiten, aber zum Glück ist es nicht so unterschiedlich; Details waren nicht gefordert. Die Schüler waren schon mit den Grundlagen ausgelastet. Trotz „Theorie-Kurs“ und nachfolgender praktischer Übungen wurden geschützte Bilder hochgeladen. Auf Nachfrage waren sie dann auch in der Lage zu erklären, warum sie gerade eine Urheberrechtsverletzung begangen haben. Auch für mich eine interessante Übung; viele „böse Urheberrechts-Vandalen“ sind vielleicht schlicht überfordert.

Am Ende hatten die Schüler dann Artikel mit unterschiedlicher Qualität erstellt, einiges gelernt und auch Spaß gehabt. Das Interessanteste für die Schüler? Nein, ich glaube nicht, dass es zu erraten ist: das Urheberrecht! Die Schüler gaben in ihrem Feedback explizit das Thema als besonders interessant und spannend an. Meine Verwirrung hat sich immer noch nicht gelegt.

Persönlich waren es eine sehr interessante Erfahrung und ich hoffe, dass das Projekt im nächsten Jahr fortgesetzt wird.

Aleksander Dera

 

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Bringing Education Staff and Wikimedia together- Welcome to the EduWiki 2012!

Daria (WMUK) und Cornelia (WMDE) vor der Stamford Hall, by Daria CYbulska, cc-by-sa 3.0

Nach einem spannenden Wochenende auf der WikiCon in Dornbirn folgte ich der Einladung von Wikimedia UK, auf der “first ever” EduWiki im mittelenglischen Leicester als Vortragende teilzunehmen. Schon am Vorabend der Konferenz, bei – für englische Verhältnisse untypischem – strahlendem Sonnenschein, traf ich auf erste Teilnehmende. Schon in diesem Moment freute ich mich auf die beiden kommenden Tage und die neuen Menschen, die ich im Rahmen der Konferenz kennenlernen würde.

Am folgenden Morgen entspann sich während des Frühstücks ein lockeres Gespräch zwischen Leigh Thelmadatter, einer der geladenen Speakerinnen, Martin Poulter, einer der Hauptorganisatoren der Konferenz und weiteren Konferenzteilnehmer/-innen. Ein erster Austausch signalisierte mir ein großes Interesse an unserem Bereich Bildung & Wissen.

 

Der Bereich Bildung & Wissen: Diversität erhöhen

Nach der feierlichen Begrüßung und Eröffnung der 65 Anwesenden ging es gleich zur Sache mit einem inhaltlich gut ineinander verzahnten und spannenden Programm. Mein Beitrag folgte der Keynote von Annie Lin, die das Global Education Program der Wikimedia Foundation vorstellte und die Vorzüge des auf Universitätsstudent/-innen zugeschnittenen Programms interaktiv mit den Teilnehmenden erarbeitete.

Publikum auf der 1. EduWiki Konferenz, by Daria Cybulska, cc-by-sa 3.0

Zahlreiche Nachfragen zu den drei Bildungsprogrammen von Wikimedia Deutschland und unserem Bestreben, mehr als nur eine Zielgruppen zu erreichen, um so die Diversität zu erhöhen, zeigten, auf welch großes Interesse die Bildungsprogramme bei den anderen Chaptern stoßen. Viel Anerkennung erhielt das Konzept unseres Referentennetzwerks, das diese Arbeit erst ermöglicht und durch dessen Einsatz wir in der Lage sind, auf breiter Ebene zu agieren.

Die unterschiedlichen Ansätze unseres Hochschulprogramms im Vergleich zum Global Education Program wurden als spannend und denkbar für den eigenen, britischen Kontext diskutiert. Auf größtes Interesse stieß unser Programm Silberwissen, wobei man die Zielgruppe der “Älteren” gern auf 60+ erhöhen wollte. Erneut schien das Programm “Wikipedia macht Schule” das einzige zu sein, das gezielt Schüler und Lehrer anspricht, um diese wichtigen Zielgruppen über den Umgang mit der Wikipedia aufzuklären und auf die Grenzen der Nutzung hinzuweisen.

Im Anschluß folgten in der Reihe der ausländischen Bildungsbestrebungen rund um das Thema Wikipedia die Präsentation von Leigh Thelmadatter aus Mexiko Stadt, die innerhalb des Kurses “Academic Writing” Wikipedia Artikel mit kulturellem Bezug zu Mexiko ins Englische übersetzt und schreiben lässt (siehe dazu den Blogbeitrag von der Wikimania).

 

Vernetzung als Schlüssel für die Zukunft

Am Nachmittag stellten verschiedene Gäste ihre Ansätze, Wikipedia im Hochschulkontext in die Lehre einzubinden, vor. Berichtet wurde u.a. auch über den Einsatz von Wikibooks und Wikiversity in diesem Kontext. Alannah Fitzgerald berichtete von der linguistischen Analyse der Wikipedia-Texte und wies noch einmal auf die variierende Qualität und Schreibstile der Artikel hin. Der Abend klang kulturell mit einer gemeinsamen Besichtigung und Führung durch Leicesters Guildhall aus.

Am zweiten Tag der Konferenz ging es vor allem um die Vernetzung von Wikipedia im nationalen Bildungskontext, bzw. die Feststellung gemeinsamer Schnittstellen und Ansatzpunkte für den Einsatz der Wikipedia und anderen Wikis im Bildungs-und Forschungsbereich, wie zum Beispiel das Projekt WikiVet, das Veterinärmedizinern verschiedener Länder als Lernplattform dient. Zu erwähnen ist auch die Keynote von Amber Thomas (Projektmanagerin im Bereich OER von JISC), die Ideen des Austauschs zwischen Bildung, Forschung und Wikipedia vorstellte. Neue Ansätze für die Bewertung  informellen Lernens, wie das Mozilla Foundation Open Badges Projekt, wurden kontrovers diskutiert.

Zusammenfassendes Fazit ist: Großbritannien ist nicht das einzige Land, das Wikipedia in verschiedene Bildungskontexte einbindet. Besonders die Bedeutung, die der Wikipedia als “accessible reference point”, d.h. als Ausgangspunkt für viele Forschungsvorhaben und wissenschaftliche Arbeiten zukommt, wurde betont. Und damit gilt: Bessere Vernetzung hilft allen, um freien Zugang zu Wissen für möglichst viele Menschen sicherzustellen.

 

 

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Silberwissen – Erfahrung teilen

Bildung & Wissen setzt sich mit seinen verschiedenen Programmen für die Förderung und Gewinnung von neuen Wikipedia-Autoren und die Aufklärung über Freies Wissen ein, so auch im Programm Silberwissen.

Teilnehmer am DGPT-Workshop (April 2012) im Museum für Kommunikation, Berlin (Foto: Elvira Schmidt, CC-BY-SA 3.0)

„Ich bin Rentner und habe aus eigenen Erfahrungen zahlreiche Kenntnisse über Geographie und Geschichte Norwegens und möchte dazu Beiträge zur Wikipedia leisten.“
– liest man auf der Seite eines Benutzers aus dem Programm Silberwissen.

 

Wussten Sie schon?

Über das 2010 ins Leben gerufene Silberwissen gibt es im Zwischenfazit durchaus viel Positives zu berichten: Ein „Silberwisser“- Benutzer ist seit 2011 dabei und hat mittlerweile über 140 Beiträge in mehr als 60 Artikeln. Doch nicht nur das: Zwei andere Neuautoren schafften es auf die Startseite der Wikipedia unter der Rubrik „Schon gewusst?“ und ein dritter konnte seinen Beitrag als Artikel des Monats im Brandenburg-Portal platzieren.

Die ersten Schritte

Die ersten Schritte sind oft die schwierigsten, so auch in Silberwissen. Was in den Einführungs-Workshops immer wieder auftaucht, sind zweifelnde Fragen – dass da wirklich jede/r mitschreiben kann? – und Nachfragen zur Qualitätskontrolle der Artikel – was passiert denn eigentlich, wenn jemand etwas Falsches dort hinein schreibt? Auch erwies sich, dass jene Teilnehmer/-innen, die ein spezielles Thema mitbrachten eher ihren ersten, eigenen Artikel (!) fertig stellten. Dazu gehören z.B. Artikel wie Otto Antoine, die Indoeuropäische Telegraphenlinie, der Vertrag von Karlstad, (…). Besonders wichtig für die älteren Teilnehmenden ist auch das Wiederholen von technischen Abläufen. Dies ist eine kleine Herausforderung für unsere Referenten und alteingesessenen Wikipedianer, denen viele technische Fähigkeiten schon längst in Fleisch und Blut übergegangen sind. Dennoch: Die Nachfrage am Programm ist sowohl bei Bildungsträgern als auch bei Älteren hoch – was sich u.a. an der insgesamt gestiegenen Anfragenzahl zeigt.

 

Hürden meistern

Zugleich haben wir Erfahrungen gewonnen, die verdeutlichten, wo Silberwissen noch ausbaufähig ist. So scheint die Vorstellung für manche Senioren „da selbst mitzuschreiben“, beängstigend. Sie kommen zwar gern zum „Einführungsvortrag“, wenn es ans „Mitmachen“ geht, nimmt das Interesse jedoch deutlich ab. Es zeigte sich, dass es in kleineren Orten tendenziell schwierig war, genügend Interessenten für einen (oder gar mehrere) Workshops zu begeistern. Als problematisch hat sich auch die Heterogenität der Zielgruppe selbst erwiesen. Schon in der Altersgruppe zwischen 55 und 75 können unter Umständen Teilnehmer/-innen mit sehr unterschiedlichen Ausgangskenntnissen im Umgang mit Computern und Internet liegen. Nicht zuletzt hing das Gelingen eines Kurses auch stark vom Engagement und Interesse der kooperierenden Bildungsträger ab.

 

Selbst aktiv werden

Nach anderthalb Jahren hat die Bekanntheit von Silberwissen durch die zunehmende Vernetzung erheblich zugenommen. Gerade bei älteren Menschen ist der persönliche Kontakt Dreh- und Angelpunkt. Der mehrfach geäußerte Wunsch nach weiteren von erfahrenen Wikipedianern begleiteten Workshops, über die ursprünglich geplanten hinaus, belegt diesen Bedarf. So kam es, dass nach mehreren Workshops weitere Treffen geplant und durchgeführt werden konnten. Doch allein mit dem Artikelschreiben geben sich die engagierten Teilnehmer/-innen längst nicht zufrieden. Was wäre ein guter Artikel ohne Bilder? Zunächst geht es darum, eigene Bilder hochzuladen und mit einem Artikel zu verknüpfen. Unsere „Silberwisser“ bringen viel Zeit und Geduld auf, um interessante Bilder quasi nebenbei zu „befreien“- Zeit und Geduld, die Berufstätige nicht immer aufbringen könnten.

Möchten Sie uns bei unserer Arbeit unterstützen, haben Sie Fragen oder wollen Sie am Programm Silberwissen teilnehmen, dann schreiben Sie uns eine Mail.

 

Elvira Schmidt und Cornelia Trefflich

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