Posts Tagged ‘Andere Konferenzen’



Rückblick “Diversity Conference 2013”: Vielfalt, ick hör Dir trapsen

Am 9. und 10. November lud Wikimedia Deutschland gemeinsam mit der Wikimedia Foundation, Wikimedia Nederland und WMUK zur Wikimedia Diversity Conference ein, der ersten Konferenz, die sich explizit mit dem Schwerpunkt “Vielfalt in den Wikimedia-Projekten” beschäftigte. In allen Chaptern der weltweiten Bewegung spielt das Thema in ganz unterschiedlichen Projekten eine große Rolle. Mehr als 80 Teilnehmende aus aller Welt (u.a. aus Südafrika, Usbekistan, Indien, China, Argentinien, den USA und dem näheren europäischen Umland) kamen auf dem GLS-Campus in Berlin zusammen, um gemeinsam zwei Tage lang über das Thema Diversität zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam konkrete Schritte zu überlegen, um die Vielfalt in den Wikimedia-Projekten weiter zu fördern.

Insgesamt fanden 26 Vorträge und Workshops statt, das Spektrum reichte dabei von Best-Practice-Beispielen über technische Entwicklungen zur Förderung von Diversität in anderen Open-Source-Projekten, Ideen für zukünftige Projekte und der gemeinsamen Entwicklung eines Entwurfes für eine klare Positionierung zum Thema Diversität. Ergänzt wurde diese Arbeit durch viele informelle Gespräche der Teilnehmenden, die die Zeit nutzten, um sich zu vernetzen, bereits bestehende Initiativen weiterzuentwickeln oder neue Initiativen zu planen.

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Vielfalt Gestalten!

Wikimedia Diversity Conference – am 09. und 10. November in Berlin

Aufmerksame Menschen mögen es beim Betrachten des Vereinskalenders von Wikimedia Deutschland oder auf Meta schon bemerkt haben: Am 09. und 10. November 2013 wird Wikimedia Deutschland mit der Unterstützung von Wikimedia Nederland, UK und der Foundation eine Konferenz zu Diversität in den Wikimedia-Projekten durchführen.

Foto: Andrés Nieto Porras
CC by SA 2.0 via Wikimedia Commons

 

Ziel ist es den Dialog über Diversität – die unterschiedlichen Dimensionen und möglichen Auswirkungen – zusammen mit den Wikimedia Ländervertretungen, den Communitys, der Wikimedia Foundation und weiteren Interessierten, zu etablieren und ein gemeinsames Verständnis darüber zu entwickeln, was Diversität in den Wikimedia-Projekten bedeutet.

Die bereits bestehenden Projekte können diskutiert und neue Initiativen vorgestellt werden.

 

Ein Schwerpunkt der Konferenz wird das Thema Geschlechtervielfalt sein. In der Vergangenheit gab es Stimmen, die die Konzentration von WMDE auf lediglich einen Aspekt von Diversität kritisch gesehen haben. Denn auch viele andere Diversitätsaspekte können dazu führen, dass Menschen sich nicht an Wikimedia-Projekten beteiligen. Die Konferenz wird viel Raum bieten, den Blick auch für weitere Dimensionen von Diversität zu weiten.

 

Jede und jeder kann sich an der Programmerstellung beteiligen

 

Wikipedianerinnen und Wikipedianer, Wikimedianerinnen und Wikimedianer, Interessierte und Expertinnen und Experten laden wir herzlich dazu ein, sich an der Programmerstellung zu beteiligen. Eure Wünsche und Vorschläge könnt Ihr auf der Konferenzseite eintragen.

 

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei und es wird Stipendien geben, die sowohl Reise- als auch Unterkunftskosten beinhalten, die im Rahmen der offiziellen Registrierung ab Mitte August beantragt werden können.

 

Und hier nochmal alle Infos im Überblick:

 

Das Organisationsteam könnt Ihr per Mail oder über Meta-Wiki kontaktieren. Auch könnt Ihr Euch gerne direkt an Julia per Mail wenden.

 

Wir freuen uns auf Euch in Berlin!

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Vortrag mit Jimmy Wales in Mönchengladbach

In der Veranstaltungsreihe “Pioniere der Welt in Mönchengladbach” des Initiativkreises Mönchengladbach wird am 6. März 2013 Jimmy Wales zu Gast sein. Der Wikipedia-Gründer wird einen Vortrag zum Thema “Democracy and the Internet” (mit Simultanübersetzung ins Deutsche) halten, moderiert wird die Veranstaltung vom Fernsehjournalisten Stefan Schulze-Hausmann.

Jimmy Wales, by Lane Hartwell CC-BY-SA-3.0

Die Veranstaltung beginnt mit einem Empfang im Foyer um 19 Uhr, der Vortrag selbst findet um 20 Uhr in der Kaiser-Friedrich-Halle, Hohenzollernstraße 15, 41061 Mönchengladbach statt. Weitere Infos zu der Veranstaltung sowie die Anmeldemöglichkeit findet Ihr hier.

Für Community-Mitglieder haben die Organisatoren 5×2 Freikarten zur Verfügung gestellt. Habt Ihr Lust an der Veranstaltung mit Jimmy teilzunehmen? Dann schreibt uns eine E-Mail an community@wikimedia.de und wir schicken Euch die Einladung per Post zu. Dabei gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Die Anmeldefrist für die Veranstaltung ist der 4. Februar 2013.

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Die beiden letzten Monate als Resident

Seit meinem letzten Beitrag sind nun doch zwei statt des geplanten nur einen Monat vergangen. Schuld war ganz simpel die Zeit. Aber ich denke, der folgende Bericht zeigt das letztlich auch recht gut:

Zuletzt berichtete ich vom Limes-Workshop. Von diesem kehrte ich nicht gleich aus dem Odenwald ins heimische Berlin zurück, sondern hatte ein paar Tage später eine Einladung zur EXAR-Tagung, dem Jahrestreffen der Experimantal-Archäologen. Die beiden dazwischen liegenden Tage überbrückte ich in Würzburg, wo ich mir einmal mit etwas mehr Ruhe als beim ersten Mal. Bei der EXAR-Tagung schließlich, die in Windisch bei Brugg im Kanton Aargau in der Schweiz durchgeführt wurde, sollte ich etwas über die Möglichkeiten der Experimentalarchäologie in der Wikipedia sagen. Um hier kurz zusammen zu fassen, was ich dort konstatieren musste: die Möglichkeiten sind immens, da es in dem Bereich bislang kaum Vorzeigbares in angemessenem Umfang gibt.

Fidiou 1 - Sitz der Abteilung Athen des DAI - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0
Fidiou 1 - Sitz der Abteilung Athen des DAI - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0

Der Oktober fand seinen Höhepunkt in einer Dienstreise an die Außenstelle Athen des DAI. Ich wurde ungemein freundlich aufgenommen und war auch mehrere Tage im Haus in der Fidiou 1 untergebracht. Ein Haus, das kein geringerer als Heinrich Schliemann nach Plänen Ernst Zillers und Wilhelm Dörpfelds erbauen ließ. Und noch vieles in diesem Haus atmete die Ideen, die diese drei Männer verfolgten. Dank Nils Hellner, dem Referenten für Bauforschung der Abteilung, erhielt ich auch einige Einblicke in dieses Thema. Zudem bekam ich eine kompetente Führung über den Kerameikos und besuchte das Archäologische Nationalmuseum, das Neue Akropolis-Museum, das Kerameikos-Museum und das Kykladenmuseum. Dabei entstand eine vierstellige Zahl an Bildern für Wikimedia. Meine Präsentation der Wikipedia war wie auch alle weiteren recht gut besucht und es entspann sich eine Diskussion im Anschluss.

In Deutschland zurück nahm ich aufgrund einer Einladung am Berliner Herbsttreffen zur Museumsdokumentation teil, wo ich das Residence-Projekt vorstellte. In der Woche darauf stellte ich es erneut vor, nun auf der Tagung Zugang gestaltenim Jüdischen Museum Berlin. Dieser Beitrag in einem vorgegebenen Format, bei dem man für 20 Bilder jeweils 20 Sekunden Zeit zum Erklären hatte, war der Fokus auf der Zusammenarbeit mit dem DAI.

Hapy, Gott des Nils, Vatikanische Museen, römisch - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0
Hapy, Gott des Nils, Vatikanische Museen, römisch - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0

Der letzte Monat brachte Reisen nach Rom und Madrid. Leider war hier in bedien Fällen eine Unterbringung im Gästebereich der DAI-Aussenstellen nicht möglich. Die wohl lebhafteste Diskussion überhaupt löste meine Vorstellung der Wikipedia in Rom aus. Besonders erfreulich war es, dass hier weniger mit mir diskutiert wurde, als sogar unter den Wissenschaftlern über das Für und Wieder eines Engagements in der Wikipedia. Wobei es von keiner Seite grundsätzliche Ablehnung gab, wie mir erschien, nur die Art und die Zielsetzung wurden diskutiert. Um einen Diskussionspunkt einmal zu nennen: soll man Studenten einen sehr guten, einfach zugänglichen Artikel präsentieren, und diesen damit die weitere Recherche abnehmen? Daneben war ich in den Vatikanischen Museen und auf dem Protestantischen Friedhof von Rom. Ein geplantes Treffen mit der italienischen Community scheiterte leider an der unterschiedlichen Auslegung des Kalenders. Auch in Rom entstanden wieder weit über 1000 Bilder.

In Madrid wurde ich von meinem Freund Michael Kunst erstklassig betreut. Im Ergebnis war Madrid vielleicht die ergiebigste meiner Reisen. Auch wenn Thomas Schattner, der zweite Direktor der Abteilung, etwas irritiert war, dass einfach so ein Artikel zu seiner Person in der Wikipedia verfasst werden konnte (und mit mir noch dazu auf den Urheber des Artikels traf), waren die Mitarbeiter doch sehr aufgeschlossen auch in der Wikipedia als Abteilung aktiv zu werden. Das betrifft nicht nur den Artikel zur Abteilung selbst, der bislang noch fehlt, sondern auch zu verschiedenen Ausgrabungen der Abteilung. Hierzu wird überlegt, die ohnehin zu schreibenden Artikel für die Jahresberichte in abgewandelter Form ein zweites Mal zu verwenden. In meinen Augen eine sehr gute Idee! Leider war das Fotografieren bei meinem doch recht kurzen Aufenthalt in der recht kalten spanischen Hauptstadt beim Besuch des Prado nicht erlaubt. Abschließender Höhepunkt war das Treffen mit einem Vertreter der spanischen Comunity. Eigentlich war es noch geplant, die Direktoren des DAI auf ihrer jährlichen Direktorenkonferenz analog zu Projekten wie dem Landtagsprojekt zu fotografieren, was allerdings kurzfristig an der Zeitknappheit der Archäologen scheiterte.

Blick aus meinem Fenster in Istanbul - Marcus Cyron, cc-by-sa-3.0
Blick aus meinem Fenster in Istanbul - Marcus Cyron, cc-by-sa-3.0

Obwohl eigentlich Ende November meine Tätigkeit offiziell beendet war, kam Anfang Dezember noch eine Fahrt nach Istanbul, die sich zuvor nicht realisieren ließ. Am Bosporus hatte ich wieder das Glück beim DAI, in diesem Falle dem Wolfgang Müller-Wiener-Kolleg untergebracht zu werden. Beim Gebäude handelte es sich um die ehemalige deutsche Botschaft, heute teilen sich das DAI und das Generalkonsulat das Gebäude mit einem fantastischen Blick auf den Bosporus. Dementsprechend kam man auch nur mit einem Besucherausweis problemlos am Pförtner vorbei. Die Aufnahme war einmal mehr äußerst freundlich, mit Jürgen Seeher und seiner Frau Ayşe Baykal-Seeher hatte ich einmal mehr äußerst nette und kompetente Ansprechpartner. Nach meinem „Blick hinter die Kulissen der Wikipedia“ kam es wegen der schon recht fortgeschrittenen Zeit zu einer relativ kurzen Diskussion. Der Direktor der Abteilung, Felix Pierson, drückte neben seinem Lob für Wikipedia auch die Sorge aus, dass es durch diese mittlerweile übermächtig erscheinende Plattform Meinungspluralität immer schwerer hätte. Zudem war er besorgt, dass in der Zukunft Fachenzyklopädien einen schweren Stand haben könnten. Zumindest beim letzten Punkt wagte ich Widerspruch. Insgesamt muss ich gestehen, sind mir kritische Stimmen durchaus sehr lieb, da das bedeutet, dass sich Jemand mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Kritik kam natürlich während meines halben Jahres als Resident immer wieder auf – ebenso wie auch Zuspruch. Für mich ein Zeichen, dass es auch in Zukunft mehr als nur eine Meinung geben wird. Und auch wer weiß, wie sehr manchmal hinter den Kulissen der Wikipedia um diese Dinge gerungen wird, wird mir hoffentlich zustimmen. Höhepunkt meines Nebenprogrammes war der Besuch des Archäologischen Museums – und hier entstanden wieder hunderte von Bildern – und einer Ausstellung zur Geschichte der Ausgrabungen in Hattuša. Aber auch sonst war diese wuselige Stadt sehr angenehm zu erleben, nur die Kälte und der Regen waren der Stimmung leicht abträglich. Ein weiterer Höhepunkt wurde am 6. Dezember das Winckelmannsfest. Dabei handelte es sich um den Höhepunkt im Institutsjahr, bei dem dem Mitbegründer der Archäologie als Wissenschaft, Johann Joachim Winckelmann, gedacht wird. Neben einem Festvortrag von Joseph Maran zu den Ausgrabungen in Tiryns, der sehr informativ und interessant, aber auch recht lang war, wurden drei türkische Archäologen zu korrespondierenden Mitgliedern des DAI ernannt. Sehr schön war auch die Bekanntschaft mit zwei Byzantinisten, die ich in Istanbul gemacht habe.

Vom Oktober bis in den November hinein gab es den Schreibcontest zum Antiken Olympia, bei dem die Teilnehmer motiviert werden sollten, zu einem der wichtigsten Projekte das DAI zu schreiben. Nach etwas schleppendem Beginn haben sich dann doch eine Hand voll Autoren beteiligt und sich zwei einen harten Kampf um die Spitze geliefert. Vor allem dank diesen Beiden kann man den Wettbewerb als für ein solchen Nischenthema durchaus achtbaren Erfolg bezeichnen.

Was bleibt nach sechs Monaten? Viel hat gut funktioniert, anderes weniger gut. Nicht alle Ziele konnten erreicht werden, dafür haben sich zum Teil andere Dinge ergeben, die zunächst gar nicht eingeplant waren. In der Öffentlichkeit wurde das Projekt mit Interesse aufgenommen. Vor allem in Berlin konnten leider nicht so viele DAI-Mitarbeiter erreicht werden, wie eigentlich erhofft, was verschiedene Gründe hatte. Aber hier kann man ja auch in Zukunft eng zusammen arbeiten. Überhaupt ist die Zusammenarbeit ja auch für eine längere Zukunft angelegt. Und ganz vorbei ist es sowieso noch nicht, denn im Februar wird es noch einen hoffentlich krönenden Abschluss mit „Wikipedia trifft Archäologie“ geben. Viel Zeit habe ich zuletzt natürlich auch in die Vorbereitung dieser Veranstaltung gesteckt. Die „Befreiung von Inhalten“ (diese Formulierung stößt nicht immer auf Gegenliebe bei Wissenschaftlern!) war problematisch, da etwa viele Fotos des DAI unter nicht bekannten Lizenzen stehen. Im Einzelfall war das DAI bislang immer sehr kooperativ und wird das sicher auch in Zukunft sein, doch wird man mittelfristig wohl so etwas wie eine größere Bilderspenden nicht erwarten können. Auch ein signifikant vermehrtes Auftreten von DAI-Mitarbeitern unter den „Wikipedia-Archäologen“ ist eher nicht zu erwarten, denn wie ich bei jeder Diskussion zu meinen Vorträgen hören musste, ist Zeit eine äußerst knappe Ressource. Dennoch denke ich, dass allein das Wissen um die Sorgen und Nöte, um die Vorgänge in und hinter der Wikipedia, um Struktur und Autorenschaft wird etwas bringen. Unterstützung kann ja auf viele Arten erfolgen.

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Am Limes mit Hund

Auch wenn es schon wieder fast eine Woche her ist, ein Nachbericht zum 4. Limes-Workshop, der 2012 im Odenwald statt fand.

Die ersten Teilnehmer trafen am 27. Oktober in Hesselbach ei, wo der „harte Kern“ der Teilnehmer für die nächsten Tage in einer Pension untergebracht war. Am Morgen des folgenden Tages ging es schließlich los. Nur wenige Meter entfernt fanden sich die letzten Spuren des Kastells Hesselbach, es folgten das Kleinkastell Seitzenbuche, das Kleinkastell Zwing und das Kastell Würzberg sowie mehrere Wachtürme. Mittags hielt einer der Mitstreiter einen Vortrag zum Limes in den römischen Quellen.

Der zweite Tag begann mit einem Gang durch Hesselbach – es ist immer praktisch wenn man Jemanden kennt, der Jemanden kennt, der den Schlüssel zur barocken Dorfkirche hat. Es ist überraschend, wie viele Denkmale ein Dorf von 180 Einwohnern hat. Interessant auch für die Nichthessen war, die Apfelernte für den Äppelwoi zu beobachten. Mittags gab es wieder einen Vortrag, dieses Mal in Vielbrunn von zwei Veteranen des Heimat- und Geschichtsvereins Lützelbach. Nach dem Mittag folgte vor allem für die „Provinzialrömer“ unter den Teilnehmern mit dem nach neuesten Erkenntnissen restaurierten Limeswachturm Wp 10/15 einer der Höhepunkte. Den Rest des Tages einschließlich des Abends verbrachte die Gesellschaft, mittlerweile sogar zum Teil mit familiärem Anhang, in der Römischen Villa Haselburg. Nach der kompetenten Führung durch den Vorsitzenden des Trägervereines wurde gegrillt, gespeist und geredet.

Der dritte Tag war Osterburken vorbehalten. Am Vormittag schauten sich die Teilnehmer das Teilrekonstruierte Kastell Osterburkenan, Nachmittags das Römermuseum Osterburken.

Soweit die kalten Fakten. Sie können allerdings nicht den Spaß aufzeigen, den die Teilnehmer wohl durchweg hatten. Neben dem schon erwähnten harten Kern von Teilnehmern vor allem aber nicht nur aus der Wikipedia stießen immer wieder andere Teilnehmer für kürzere oder auch längere Zeit hinzu. Das waren zum Teil Wikipedianer, zum Teil Archäologen aber auch Mitarbeiter der örtlichen Touristikinformation, Heimatforscher und Journalisten. Und wie der grandiose Organisator Hartmann Linge richtig anmerkte: alle trugen auf ihre Weise zum Gelingen der Veranstaltung bei, die in einem überaus konstruktiven Umfeld statt fand. Nicht umsonst haben die Mitarbeiter in der Wikipedia mit ihren mittlerweile mehr als 300 Artikeln zu römischen Limeskastellen eine Artikel-Perlenkette geschaffen. Dafür auch noch einmal an dieser Stelle einen großen Dank an den harten Kern der „Limes-Autoren“. Ihr seid Klasse! Und auch außerhalb der Wikipedia wurden die Leistungen schon wahr genommen. Derzeit wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut an einer virtuellen Karte des gesamten Römischen Limes gearbeitet. Auch das war natürlich Thema der Tagung.

In diesem Sinne noch einmal einen großen Dank an alle Teilnehmer, an den Organisator und Reiseführer Hartmann Linge, Haselburg-Müller für die Führung und die Organisation auf der Haselburg (und natürlich auch die eingesprungenen Führungen zwischendurch), an die Referenten und die örtlichen Helfer. Dank auch an Wikimedia Deutschland für die unkomplizierte und schnelle Unterstützung. Ohne diese Hilfe wären Veranstaltungen dieser Art mittlerweile nicht mehr vorstellbar und in diesem Sinne auch dank an die Spender, die es möglich machen, daß wir am Ende noch bessere Artikel schaffen können und bessere Bilder machen können. Auf Commons liegen mittlerweile auch schon knapp 750 Bilder vom Treffen.

Achja – und der Hund? Hartmanns Neufundländer-Teenager Angelo (ANGELINO!!!) war so etwas wie ein Maskottchen, der uns immer begleitete, ob zum Jagen von Mäusen in Gastwirtschaften oder zum Anpinkeln von Obstsäcken. Beides tat im übrigen er allein ;).

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GLAMcamp London: Zwei Tage in der größten Bibliothek der Welt

Am 15. und 16. September fand in der British Library in London das GLAMcamp 2012 statt. Aus Deutschland reisten Peter Weis, Daniel Mietchen (Wikimedian in Residence on Open Science, Open Knowledge Foundation Deutschland) und Kilian Kluge (Wikipedian in Residence bei der Stiftung Stadtmuseum Berlin, Wikimedia Deutschland) in die britische Hauptstadt.


Die British Library ist mit mehr als 15 Millionen Sammlungsobjekten die größte Bibliothek der Welt

Photograph by Mike Peel (mikepeel.net), CC-BY-SA 2.5

Das GLAMcamp fand als Ersatz für eine GLAM-Konferenz statt, die ursprünglich zu diesem Termin geplant war, im Sommer allerdings auf April 2013 verschoben wurde. Das Camp diente zwar auch der Vorbereitung dieser Konferenz, im Mittelpunkt stand aber der interne Austausch der Community.

So kamen etwa 35 GLAM-Aktivisten aus den USA und Europa in London zusammen, darunter insbesondere auch viele „Wikipedians in Residence“, die zurzeit in einer kulturellen Einrichtung aktiv sind. Die Summe an Erfahrungen und Expertise, die in London zusammenkam, war außergewöhnlich, so dass um das Tagungsprogramm herum immer wieder spannende und vor allem für die Beteiligten lehrreiche Gespräche entstanden.

Das Conference Center der British Library (die mit Andrew Gray selbst einen „Wikipedian in Residence“ beschäftigt) erwies sich als hervorragender Veranstaltungsort, nicht nur durch die ideale Lage im Herzen der britischen Hauptstadt. Die Gruppe konnte sich flexibel auf drei Tagungsräume und ein großes Foyer verteilen, die technische Ausstattung und besonders die zahlreichen im Boden eingelassenen Steckdosen ließen keine Wünsche offen.

Wo steht die GLAM-Community?

Nach der Begrüßung durch Ashley Van Haeften, Mitglied des Boards von Wikimedia UK, und der Ankündigung, dass es im Rahmen des Tagungsprogramms keine Präsentationen und Projektberichte geben werde, ging es direkt mit einer Runde „Lightning Talks“ los. Thema war beispielsweise der Mangel an Audiomaterial in der Wikipedia, fast gänzlich fehlen etwa Höreindrücke von Orten („Wie hört es sich Mittwochmorgen am Piccadilly Circus an?“), Verkehrsmitteln oder Tieren. Insbesondere für Sehbehinderte und Blinde wären solche Ergänzungen zum Text äußerst wertvoll.

Nach diesem Einstieg teilte sich die Gruppe, um in kleinerer Runde inhaltlich zu arbeiten. Ein Diskussionsthema war hierbei die Frage, was eine internationale GLAM-Organisation, also ein imaginärer Dachverband der GLAM-aktiven Wikipedianer, leisten sollte. Dieses Brainstorming brachte schnell die Stärken und Schwächen der jetzigen „GLAM-Bewegung“ zutage. So ist zwar der interne Austausch gut organisiert, aber es fehlt an zentralen Anlauf- und Beratungsstellen sowohl für Wikipedianer als auch für kulturelle Einrichtungen. Gewünscht wurde beispielsweise ein „GLAM-Callcenter“, das bei kleineren Problemen selbst Unterstützung bieten und andernfalls an die richtigen Ansprechpartner verweisen kann.

Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigte sich mit den unzähligen Aktionsformen, die im GLAM-Bereich genutzt werden und versuchte, diese auf möglichst greifbare, grundlegende Konzepte zu reduzieren. Zahlreiche Veranstaltungen haben beispielsweise zum Ziel, in einer konzertierten Aktion vor Ort eine Stadt oder Region zu dokumentieren, ein ähnliches Konzept wurde sowohl im Zusammenhang mit Wiki Loves Monuments als auch mit Museen schon erfolgreich umgesetzt. In London wurde nun versucht, aus den zahlreichen Erfahrungen die wesentlichen Schritte zu extrahieren und zu möglichst übersichtlichen Anleitungen zusammenzustellen. Diese Arbeit soll fortgesetzt werden, als Musterbeispiel sei hier auf das Edit-a-thon How-to verwiesen.

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Tickets für die Campus Party Europe zu gewinnen!

„Begeisterst du dich für fliegende Roboter? Möchtest du einen Cyborg kennenlernen? Oder einen Wetterballon in die Stratosphäre schießen und von einigen der bekanntesten internationalen Speakers die aktuellsten Neuigkeiten über Technologie, Wissenschaft, Innovation und Digital Entertainment erfahren? Bist du dabei? Dann mach mit und werde Campuser@!“

Wir sind hoch erfreut, dass uns die Organisatoren der Campus Party Europe, die vom 21. bis 26. August auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof stattfindet, 20 28 Tickets zur Verlosung unter allen interessierten Freundinnen und Freunden Freien Wissens zur Verfügung stellt. Die Eintrittskarten für die ganze Woche haben einen Wert von 128€ und ermöglichen den unbegrenzten Zugang zu den Events auf der Campus Party Europe in Berlin: 400 Stunden Vorträge, Debatten und Workshops auf neun Bühnen so wie Wettbewerbe und Hackathons mit Preisgeldern in Gesamthöhe von 80.000 €.

Und nicht nur das, die Organisatoren verdoppeln unser Verlosungskontingent: Jeder Gewinner erhält eine zusätzliche Freikarte für einen Freund oder eine Begleitperson. Für Gewinner, die nicht aus Berlin kommen, wird darüber hinaus eine Campingmöglichkeit für 2 Personen zur Verfügung gestellt. Die Verlosung endet am 8. August, ihr werdet dann direkt von den Organisatoren über einen möglichen Gewinn informiert.

Über den Klick auf das Banner könnt ihr euch als Teilnehmer registrieren und nehmt damit automatisch an der Verlosung teil. Das Banner funktioniert allerdings nur, wenn der Adblocker ausgeschaltet ist. Alternativ könnt ihr auch diesen Link zur Verlosung benutzen.

Die Ankündigung in der Pressemitteilung klingt viel versprechend, lasst euch die Chance auf kostenlosen Eintritt nicht entgehen!

Campus Party ist das weltweit größte Technologiefestival auf dem Innovation, Kreativität, Wissenschaft und digitales Entertainment zusammentreffen. Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho, der Erfinder des HTML und Mitbegründer des www, Sir Tim Berners-Lee, der Wirtschaftsstratege Don Tapscott aus Kanada sowie der israelische Entrepreneur Yossi Vardi sprechen als Hauptredner auf der ersten Veranstaltung in Deutschland.

Eine Woche lang, 24 Stunden am Tag, werden tausende Campuseros (Hacker, Entwickler, Gamer und Geeks) vor Ort campen, ausgerüstet mit Laptops; umgeben von einem einzigartigen Umgebung, in der Vorträge, Workshops, Wettbewerbe und Hackathons gleichzeitig stattfinden. Seit 1997 hat sich Campus Party zu einer globalen Gemeinschaft von mehr als 200.000 jungen, passionierten Technologen aus ganz Europa, den USA und Lateinamerika entwickelt, die zusammen arbeiten, lernen und Innovationen fördern. Derzeit finden jährlich Veranstaltungen in Sao Paulo (Brasilien), Bogota (Kolumbien), Valencia (Spanien), Quito (Ecuador) und Mexiko Stadt (Mexiko) statt. Das Festival in Berlin ist die erste Campus Party in Deutschland.

Wir wünschen viel Erfolg bei der Verlosung und eine gelungene Veranstaltung! Rückfragen zur Veranstaltung gerne direkt in den Kommentaren oder per Mail an mich.

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WikiGénero in Buenos Aires (Argentinien)

„Einen Sohn zeugen, einen Baum pflanzen und in der Wikipedia schreiben.“

So fasste eine Teilnehmerin des WikiWomenCamps die erstrebenswerten Ziele im Leben einer Frau zusammen. Während sich über die ersten Punkt durchaus streiten lässt, waren sich alle Anwesenden einig, dass das bekannte argentinische Sprichwort mit der kleinen Änderung (der dritte Punkt lautet eigentlich „ein Buch schreiben“) viel besser passt.

Dieses inoffizielle Motto wurde auch von der Konferenz WikiGénero übernommen, die unmittelbar an das WikiWomenCamp anschloss und nur ein paar Straßen weiter in einem Kulturzentrum in Buenos Aires stattfand.

Wikimedia Argentinien hatte dazu eingeladen, sich einen Tag lang Zeit zu nehmen, um sich anhand diverser Vorträge und Diskussionen mit dem Gender Gap in der Wikipedia auseinanderzusetzen. Dazu wurden Forscher, Akademiker und Aktivisten von

Anuradha Uduwage stellt Studie vor

Gender Organisationen eingeladen, um Einblicke in ihre Arbeit zu geben. Das Programm gestaltete sich folgendermaßen:

  •  Anuradha Uduwage(Group Lens Team, Universität von Minnessota): Die Studie des Lens Teams war durchaus interessant und brachte neben bekannten Fakten auch einige neue Aspekte auf. Jedoch ist die Datenbasis durchaus umstritten und die Gruppe bringt nur wenige Informationen über die Gründe ans Tageslicht, warum es bei der Wikipedia so wenige Frauen gibt. Außerdem wurde von außen die Kritik geäußert, dass sich nur Männer in der Forschungsgruppe befinden.

Diana Maffia bei ihrem Vortrag

  • Diana Maffía (eine vor allem im spanisch-sprachigen Raum bekannte Feminismusphilosophin) gab in ihrer Lesung einen Einblick in die Diskussion, warum Frauen in der Vergangenheit und immer noch an der Produktion von Wissen nicht beteiligt sind. Dabei war das Thema der Sprache eine ihrer Hauptkategorien. Sie zog einen Argumentationszirkel, der sich von der Festsetzung der Weltsprache Englisch (anstatt von Spanisch) über mangelnde Bildungsprogramme bis hin zur Wikipedia zog.
  •  Lila Pagola und Beatrice Busaniche (Wikimedia Argentinien) berichteten von der Situation der argentinischen Wikipedia-Autorinnen und merkten an, dass das argentinische Chapter den höchsten Frauenanteil im Präsidium hat.
  •  Anne Goldenberg und Christina Ludost (Moderatorinnen des WikiWomenCamp) präsentierten stellvertretend die Ergebnisse des WikiWomenCamp, das vor dem WikiGenero in Buenos Aires stattfand.

Sue Gardner während ihrer Präsentation

  •  Sue Gardener (Executive Director der Wikimedia Foundation) stellte zunächst noch einmal die aktuellen Daten aus den Wikipedia-Studien dar und erläuterte die Problematik des Frauenmangels aus der Sicht der Foundation.  Ihrer Meinung nach könnten neue Autorinnen hauptsächlich über unmittelbare, informelle Netzwerke gewonnen werden.
  • Paola Raffetta (Wikipedia-Autorin) sprach über die Bewusstmachung von sozialisierten Geschlechterrollen und die Perspektiven von Transgender in der Wikipedia. Denn in der Wikipedia werden Gay und Transgender Themen kontroverser diskutiert, weil sie auch in der Gesellschaft weniger akzeptiert sind.
  •  Irene Ocampo stellte das Projekt RIMA vor (http://www.rimaweb.com.ar/). Es handelt sich dabei um eine Mailingliste, die den Austausch von Informationen zwischen argentinischen und lateinamerikanischen Journalistinnen, Feministinnen, Frauenbewegungen, Forscherinnen, Studentinnen und Aktivistinnen fördern soll.
  •  Anabella Bendetti (UNESCO) sprach unter anderem diese zwei Punkte an: zum einen sollen auch vermehrt Ältere in die Wikipedia miteinbezogen werden, und zum anderen, dass Menschenrechtsorganisationen in der Wikipedia prüfen und editieren sollten.

Veranstaltungssaal des Wikigénero

Etwa 40 Besucher folgten der eintägigen Konferenz. Es gab eine Übersetzerin, die je nach Vortrag von Englisch auf Spanisch bzw. umgekehrt übersetzte.  Leider waren viele  Vorträge für nicht spanisch Sprechende trotzdem nur schwer zu verstehen. Die Themen waren zwar durchaus interessant, jedoch litt das Verständnis der Zuhörenden stark unter mangelnder visueller Unterstützung und teils verzögerten Übersetzungen bzw. Rauschen in den Übersetzungskopfhörern.
Es blieb der Eindruck, dass das Thema Feminismus in der Wikipedia sich auf den unterschiedlichsten Ebenen abspielt, die alle das Überdenken bislang üblicher Prozedere sowie neue Lösungsansätze erfordern. Angefangen von fehlenden Editorinnen, über Chaptermitglieder bis hin zu Inhalten, sind auf den unterschiedlichen Ebenen Verbesserungen erwünscht. Dies zeigt umso mehr, dass es einer kontinuierlichen Anlaufstelle für derlei Diskussionen bedarf. Das WikiWomenCamp scheint dafür in Zukunft gut geeignet, da sich Betroffene selbst engagieren und um Veränderungen bemühen. Ein Tag Konferenz, der mit Vorträgen gefüllt ist, mag zwar als Zusatz und für die Öffentlichkeitsarbeit wichtig sein, sollte jedoch keinesfalls in dieser Form für sich alleine stehen.

Bericht von Nathalie Köpff

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WikiWomenCamp 2012, Buenos Aires (Argentinien)

Es ist der Morgen des 23. Mai 2012. Anja Ebersbach und ich (Nathalie Köpff) betreten wie die Tage zuvor den Frühstücksraum des Hotel BAUEN in Buenos Aires, in dem wir untergebracht sind. Doch etwas ist an diesem Morgen anders: uns schallt ein lautes Lachen entgegen. Und schon entdecken wir dieVerursacher der Lachsalven: es ist der muntereDamentisch in der Ecke. Wir wissen, dort sind wir richtig, steuern in die Richtung und machen die ersten Bekanntschaften mit den Frauen des WikiWomenCamps.

Willkommensposter

WikiWomenCamp? Richtig, ein dreitägiges Camp nur für Frauen der Wikipedia/Wikimedia, in dem sie sich unter ihresgleichen über Themen und Probleme rund um den GenderGap der Wikipedia austauschen können. Initiiert wurde die Frauenkonferenz, die 2012 das erste Mal stattfand, von Laura Hale aus Australien. Als Gastgeberin hat sich dann allerdings Argentinien zur Verfügung gestellt, u.a. wegen der leichter zu bekommenden Visa. Schon aus diesem Aspekt lässt sich herauslesen, dass es sich um eine kunterbunte Truppe vom gesamten Globus handelt, die hier zusammen gekommen ist.

19 (zeitweise 23) Frauen aus elf Ländernund verschiedenen Generationen, sie alle verbindet eine Leidenschaft:  Wikipedia. Nicht alle sind aktive Editorinnen, doch alle sind in irgendeiner Form in die Projekte der Wikimedia involviert. Das machte das Camp zu einem Ort des Austauschs über die unterschiedlichsten Themen, Kulturen und Projekte.
Um die Konferenz nicht unnötig steif zu machen wurde von Anne Goldenberg, die das Camp begleitete, die Form des „Open Space“ gewählt. Das heißt, Themen werden von den Teilnehmerinnen am ersten Tag in Form von Sessions vorgeschlagen. Diese werden dann in eine Art Terminkalender eingetragen.

Agenda des WikiWomenCamps 2012

Die vorschlagende Person „hält“ die Session und die restlichen Teilnehmenden können sich aussuchen, an welchen, teilweise parallel stattfindenden,  Sessions sie sich beteiligen wollen. Wobei auch die Beteiligung beim Open Space durchaus sehr offen ist. Die Session kann jederzeit gewechselt werden, und jede Teilnehmerin entscheidet für sich wann sie was zu welchem Thema beitragen kann.
Protokoll und Ergebnisse der einzelnen Sessions des WikiWomenCamps wurden sowohl auf Papier als auch im Wiki festgehalten.Diese Konferenzform lässt sehr viel Flexibilität zu, läuft aber bei zu lockerer Leitung immer wieder Gefahr die Zielorientierung zu verlieren.

Sessions, die die Frauen durchgeführt hatten, befassten sich u.a. mit Erfahrungen von „Dem Umgang mit Beschimpfungen und Schikane in der Wikipedia“, der Aufgabe auch ältere (Frauen) an die Wikipedia heranzuführen, dem Einfluss der Wikipedia auf die Gesellschaft und allem voran natürlich mit der Frage warum so wenige Frauen in der Wikipedia schreiben bzw. wie man sie motivieren könnte. Insgesamt wurden während der drei Tage 16 Sessions abgehalten.

Es stellte sich heraus, dass Gründe zu suchen, weshalb Frauen sich weniger in der Wikipedia beteiligen als Männer, in unterschiedlichen Ecken zu suchen sind: angefangen von der Sozialisation, über die Software bis hin zu Kommunikation und Atmosphäre in der Wikipedia speziell.

Projektansätze zur Verbesserung wurden ebenfalls diskutiert, so zum Beispiel ein Kursangebot das speziell Frauen ansprechen soll und auf deren Bedürfnisse ausgerichtet ist. Aber auch die Idee eine ältere Generation von Frauen anzusprechen. Die Hürde besteht hier oft in mangelnder technischer Kenntnis oder auch geringem Selbstvertrauen. Eine Idee hier ist „Generationspaare“ zu bilden. Das heißt Studentinnen und Studenten  mit Zugang zu wissenschaftlichen Quellen erarbeiten zusammen mit dem Wissen und der Erfahrung von Älteren neue Artikel. Susana aus Argentinien hat sich bereits solchen Projekten gewidmet.

Eine der 16 abgehaltenen Sessions

Angesprochen wurden auch Probleme der Alphabetisierung bzw. Schwierigkeiten einen Wikipediaartikel zu schreiben, wenn man zwar das nötige Wissen jedoch nicht die dazugehörigen „Writing-Skills“ hat. Auch der Unterschied zwischen oralen und literalen Kulturen ist ein Thema, vor allem auch in Südafrika und Indien. Hier war eine erste Idee, dass die Integration von Multimedia-Elementen wie Video und Audio eine Überwindung dieser Barrieredarstellen könnten.

Eine relativ schnell umsetzbare Hilfe bezüglich des Umgangs mit Beleidigungen und dergleichen, erschien die Idee einer Beschwerdeanlaufstelle. Das heißt, Wikipedianer und Wikipedianerinnen könnten sich an einer zentralen Anlaufstelle beschweren bzw. über ihre Erfahrung berichten, und über eine Art Ticketsystem würden sich dann die dafür verantwortlichen Ansprechpartnerinnen oder Ansprechpartner mit den zugetragenen Fällen auseinandersetzen.

Siska von Wikimedia Indonesien sprach des Weiteren  von ihrem in Indonesien initiierten erfolgreichen Projekt, in dem sie Schreib-Wettkämpfe an Universitäten veranstaltet. Die Wirkung ist zwar zunächst nur temporär jedoch steigen die Artikelzahlen und von jeder Gruppe bleiben im Schnitt ein bis zwei treue Wikipedianer und Wikipedianerinnen übrig.

Bei der Suche nach Lösungen wurde aber auch deutlich, dass sich viele Bereiche überschneiden und potentielle Maßnahmeneiner kulturellen Abwägung bedürfen.  Laura Hale fasste die Diskussion mit der sinnvollen Forderung zusammen: „If women have a real, life-worthy, time-lasting motivation to edit, then finding time, confidence and technical skills become secondary (and solvable) issues.”

Interessant war auch zu beobachten, dass sich die besprochenen Themen z.B.  der Punkt, dass Frauen auf Grund der Verantwortung für Familie und Kindern weniger Zeit haben um in der Wikipedia zu arbeiten, sich  auch im „realen“ Camp widerspiegelten. So konnten nicht alle Teilnehmerinnen über die komplette Zeit anwesend sein, weil sie sich daheim um Familie und Kinder kümmern mussten.

Was die generelle Arbeitsatmosphäre des Camps angeht, so führten lediglich laute, aufgeregte Diskussionen bei brisanten Themen, manchmal zu der mütterlichen Ermahnung, man möge sich doch bitte erst ausreden lassen. Auch die schlechte Akustik in den sehr hellhörigen Räumen, erschwerte zeitweise das konzentrierte Arbeiten. Eine teilweise fehlende Visualisierung der Ergebnisse ist mangelndem Material und in einigen Fällen zu wenig Moderation der Gruppe geschuldet. Allerdings wurde im Wiki versucht die Sessions (unter der entsprechenden Session-Seite verlinkt in der Agenda) zu protokollieren.

Teilnehmerinnen beim Twittern

Dass alle Redebeiträge für nicht englischsprechende stets auf Spanisch übersetzt wurden, verlangsamte zwar die Diskussionen, ermöglichte es aber gerade den zwei argentinischen Seniorinnen ihre wertvollen Erfahrungen mit der Gruppe zu teilen.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Ansammlung an Frauen mit sehr unterschiedlichen Charakteren, Alter und Kulturen sehr bereichernd war. Es herrschte eine gute und vor allem offene Atmosphäre, in der es sich sehr gut zusammenarbeiten ließ und man viel über die Kulturen anderer Länder und von persönlichen Erfahrungen lernen konnte.

Am Schluss war man sich einig, dass das WikiWomenCamp unbedingt fortgesetzt werden müsse. Als nächstes Gastgeberland hat sich Australienbeworben. Für die Planung des kommenden Camps wurden bereits erste Anforderungen formuliert und festgesetzt, dass dafür die Plattform „Wikichix“ für die Kommunikation wiederbelebt werden soll.  Was die Zielsetzung angeht so steht die Schaffung eines Ortes im Vordergrund, an dem die Möglichkeit für Frauen besteht sich völlig frei und ungezwungen über jegliche Themen äußern zu können, Kontakte zu knüpfen, Projekte zu starten. Zudem wurde betont, dass die Unterstützung von gleichgesinnten Frauen zu lernenvon unschätzbarem Wert ist.

Teilnehmerinnen des WikiWomenCamps 2012

 

Deshalb an dieser Stelle vielen Dank an die Organisatorinnen, die finanzielle Unterstützung vor allem durch Wikimedia Deutschland, Wikimedia Australien und Wikimedia Österreich und natürlich an alle Teilnehmenden. Wir freuen uns beim nächsten Camp wieder mit einem lauten Lachen im Frühstücksraum begrüßt zu werden!

Bericht von: Nathalie Köpff

 

Weitere Informationen, wie z.B. die Zusammenfassungen der Sessions, befinden sich im Metawiki.

Weitere Berichte:

Fotos und einige Videos finden sich auf WikimediaCommons unter „WikiWomenCamp“. Ein Video mit Eindrücken und Interviews wird zeitnah zur Verfügung gestellt.

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MAI-Tagung: Museums and the Internet

Seit 2001 treffen sich netzafine Museumsmenschen zur MAI-Tagung, Akronym für „Museums And the Internet“. Nachdem in den Jahren zuvor schon Helge Rieder das Wikipedia-Fähnlein hoch gehalten hatte, sollten die Wikimedia-Projekte, sollte vor allem Wikipedia im Jahr 2012 eine deutliche Präsenz zeigen. 2012 gehört der GLAM-Bereich zu den Schwerpunkten der Wikimedia-Arbeit, sei es durch die ersten offiziellen Zusammenarbeiten beim „Wikipedian in Residence“ oder bei „Wiki Loves Monuments„. So nahm ich einmal mehr an einer Fachtagung teil, dieses mal jedoch auch in einer aktiven Rolle.

Nachdem die Tagung am Montag dem 21. Mai in der Alten Handelsbörse eröffnet wurde, stellte Ivana Scharf ihren Versuch des Crowdfundings für kulturelle Bildung vor, es folgten Geo- und Culturecachingvorschläge für den musealen Bereich. Viele der folgenden Beiträge beschäftigten sich mit der Nutzung mobiler Endgeräte, der Barrierefreiheit und dem Einsatz des Internets für die schulische Bildung. Ebenfalls vorgestellt wurde das Projekt „Linked Heitage„. Am zweiten Tag drehte sich vieles um Social-Media-Themen: Facebook, Google+, Youtube und Blogs.

Letzter Vortrag im Social-Media-Block war mein Beitrag „Wikipedia trifft Museen – der „Wikipedian in Residence“ und andere Formen der Kooperationen zwischen Museen und Wikipedia“. Es war mein erster Vortrag und auch meine erste selbst erstellte Präsentation. Wie mir hinterher freundlicherweise versichert wurde, habe ich mich dabei nicht blamiert. Es war schwer, alle meine Themen in nur 15 Minuten unterzubringen. Doch trotz der Kurzform in allen Bereichen konnte ich nur meine beiden ersten, letztlich auch die Wichtigsten, vorstellen. Nach einer sehr kurzen Einleitung angereichert mit einigen Statistiken stellte ich wie im Titel schon angezeigt das „Wikipedian-in-Residence“-Konzept vor. Danach das Tagungsmodell „Wikipedia trifft…“, für das in näherer Zukunft „Wikipedia trifft Museen“ geplant ist. Zu „Wiki Loves“ – „Art“ und „Monuments“ – kam ich leider nicht mehr, ebenso wenig zum Hochschulprogramm. Aber auch das was ich präsentierte wurde sehr positiv aufgenommen. Sowohl „Wikipedia trifft Museen“, als auch „Wikipedia trifft Archäologie“, wurde erfreut zur Kenntnis genommen und vielfach direktes Interesse angemeldet. Auch das Residence-Programm fand Interesse, obwohl auch einfache Schulungen der Museumsmitarbeiter angefragt wurden.

Nach meinem Vortrag folgten zwei Stunden mit Kurzvorträgen, vor allem zu praktischen Beispielen der Nutzung der neuen Medien im musealen Raum. Sicher war nicht jedes Thema aus wikipedianischer Sicht von Interesse, dennoch sind diese Blicke über den Tellerrand immer wieder sehr erfrischend. Und einmal mehr konnte ich eine Sache lernen: das Interesse an Wikipedia und auch das praktische Interesse an Zusammenarbeiten ist weit verbreitet.

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