Logo und Livefeeds – Eine FAQ

Nach der etwas hochkochenden Diskussion auf Fragen zur Wikipedia, wollen wir die bereits dort veröffentlichten FAQs zur Logolizensierung und den Livefeeds auch hier im Blog für eventuelle Interessenten veröffentlichen.

Kommerzielle Nutzung der Wikipedia-Inhalte
  1. Ist es eigentlich erlaubt, dass Wikipedia-Inhalte kommerziell genutzt werden?
    Ja. Mittels der Lizenz, unter der alle Autoren in der Wikipedia ihre Beiträge einstellen, räumen sie Dritten das Recht der kommerziellen Weiternutzung ihrer Arbeit unter Wahrung der Lizenzbedingungen ein. Die freie Nutzbarkeit der erstellten Inhalte ist einer der Grundpfeiler der Wikipedia, auch die kommerzielle Nutzung ist durch die GNU-Lizenz für Freie Dokumentation (GFDL) ausdrücklich erlaubt.
    Der Siegeszug der Bewegung für Freie Software, aus der die Lizenz stammt, wäre ohne diese Nutzungsmöglichkeiten nicht vorstellbar gewesen. Auch Wikipedia hat von der Verbreitung, Weiterentwicklung und Anreicherung ihrer freier Inhalte durch Unternehmen schon vielfach profitiert, etwa durch mobile Zugriffsmöglichkeiten, finanzielle Unterstützung oder die Spende von 10.000 hochauflösenden Bildern klassischer Kunstwerke durch den Hersteller der Wikipedia-DVDs, Directmedia.
  2. Was kann ich tun, wenn ich die kommerzielle Nutzung meiner Beiträge in Wikipedia oder durch bestimmte Unternehmen/Organisationen/Personen unterbinden möchte?
    Die GFDL verbietet solche Einschränkungen der Weiternutzung. Die Mitarbeit bei Wikipedia setzt das Einverständnis der mit der GFDL verbundenen Weiternutzungsrechte durch Dritte voraus.
  3. Was ist überhaupt so schlimm an nicht-kommerziellen Klauseln?
    Erik Möller, ehemaliges Mitglied im Board der Wikimedia Foundation, hat vor einigen Jahren einen längeren Aufsatz darüber geschrieben, wo die Probleme bei sogenannten nc-Klauseln liegen. Eine zentrale Aussage liegt in dem Problem der Abgrenzung. Viele nichtkommerzielle Nutzungsarten wären nur schwer möglich, wenn jede auch nur ansatzweise kommerzielle Nutzung untersagt wäre, Beispiele dazu gibt es durch Wikipedia genug.
Logonutzung
  1. Wer entscheidet über die Nutzung des Wikipedia-Logos?
    Die Rechte zur Nutzung des Wikipedia-Logos liegen bei der Wikimedia Foundation. Für Deutschland hat die Wikimedia Foundation dem Verein Wikimedia Deutschland die Möglichkeit zur Weiterlizensierung eingeräumt.
  2. Gab es bereits andere Fälle der Logonutzung durch Dritte?
    Ja, neben Spiegel Wissen haben auch einige andere Unternehmen eine Lizenz zur Nutzung des Logos, so der Verlag Directmedia für seine Wikipedia-DVD oder T-Online für seinen Wikipedia-Mirror. Mit einigen anderen Unternehmen laufen derzeit Gespräche. Wir werden gemeinsam mit der Wikimedia Foundation prüfen, ob wir künftig eine öffentliche Übersicht über solche Lizenzverträge bereitstellen können. Darüberhinaus gibt es zahllose Fälle der einmaligen Logonutzung, bei denen von den Nutzern keine Gebühren verlangt wurden, etwa Abi-Shirts oder die unter Wikipedia:Banner und Logos beschriebenen Dinge.
  3. Warum und unter welchen Bedingungen wird das Logo überhaupt lizenziert?
    Zum Wesen freier Inhalte gehört, dass die Inhalte von Jedermann weiterverbreitet werden dürfen. Wikimedia möchte dies unterstützen und berät und unterstützt Unternehmen seit jeher dabei, dies zu tun. Gelegentlich möchten diese Unternehmen explizit darauf hinweisen, dass es sich um Wikipedia-Inhalte handelt (auch um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, sich mit fremden Federn zu schmücken). Diesen Unternehmen wird dann ggf. angeboten, Marke und Logo der Wikipedia zu nutzen. Ob und wie hoch die jeweilige Lizenzzahlung ausfällt, hängt stark vom Einzelfall ab. Finanzielle Aspekte stehen nicht im Mittelpunkt. Das Logo wird nur dann lizenziert, wenn das damit im Zusammenhang stehende Angebot der Förderung Freien Wissens dient.
  4. Was passiert mit Einnahmen durch die Lizenzierung des Wikipedia-Logos?
    Die an die Wikimedia Foundation oder Wikimedia Deutschland fließenden Lizenzeinnahmen kommen direkt der Förderung freien Wissens zugute. Sie werden vor allem dazu verwendet, neue Serverkapazitäten für die weiterhin steigenden Zugriffszahlen auf die Wikipedia bereitzustellen. Im Gegensatz zu Spendeneinnahmen kann man mit solchen Lizenzeinnahmen gut in die Zukunft planen. Auch wenn die Einnahmen aus solchen Verträgen nur einen Bruchteil der Einnahmen ausmachen, so stellen sie eine wichtige Grundsicherung dar.
  5. Welche Anforderungen müssen Unternehmen erfüllen, damit sie für eine Weiterlizenzierung der Wikipedia-Marke durch Wikimedia Deutschland in Frage kommen?
    Wikimedia legt Wert auf seine Unabhängigkeit und Neutralität. Wir denken, dass wir dies durch eine größtmögliche Offenheit gegenüber möglichen Partnern erreichen – ganz so wie dies auch in der Wikipedia praktiziert wird. Insofern ist eine Partnerschaft kein politisches Statement für das jeweilige Unternehmen. Exklusivverträge gibt es ohnehin nicht. Natürlich wird dennoch jeder Einzelfall sorgfältig geprüft, insbesondere hinsichtlich der Verlässlichkeit der Partner.
Dumps und Livefeeds
  1. Wie funktioniert die Einbindung der Wikipedia-Inhalte auf fremden Websites technisch?
    Hier gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen kann sich jeder unter http://downloads.wikimedia.org die Inhalte der deutschsprachigen Wikipedia in Form eines sogenannten „Dumps“ herunterladen. Dies ist eine zu einem bestimmten Zeitpunkt gezogene Kopie der Wikipedia-Inhalte, die von jedem (auch zu kommerziellen Zwecken, s.o.) kostenfrei genutzt werden kann. Die zweite Möglichkeit der Nachnutzung ist diejenige über einen „Livefeed“. In diesem Fall werden die aktuellen Inhalte von der Wikimedia Foundation an einen Dritten übertragen und von ihm in dessen Internetangebot integriert. Für die Bereitstellung dieser Schnittstelle wird von der Wikimedia Foundation üblicherweise ein Nutzungsentgelt erhoben.
  2. Wer entscheidet darüber, wer Zugriff auf einen Livefeed erhält?
    Die Entscheidung über die Einrichtung eines Livefeeds liegt bei der Wikimedia Foundation als dem technischen Dienstleister. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit, alle Inhalte lizenzkonform ohne eine Rücksprache mit der Foundation in Form eines Dumps zu nutzen. Auf eine solche Nutzung hat weder die Wikimedia Foundation noch Wikimedia Deutschland Einfluss; sie steht jedem kostenfrei zur Verfügung.
  3. Ist es überhaupt sinnvoll, Livefeeds anzubieten?
    Ja. Bei der Nutzung von Livefeeds kommt – im Gegensatz zur Nutzung eines Dumps – eine der Stärken der Wikipedia zur Geltung: die Aktualität. Darüberhinaus kommen die aus dem Abonnement generierten Einnahmen dem Weiterbetrieb der Wikipedia zugute.
Butter bei die Hamburger Fische
  1. Wie ist das Projekt zu Stande gekommen?
    Bereits im November 2006 kamen Vertreter des Spiegel auf Wikimedia Deutschland zu und erkundigten sich, ob die Einbindung von Wikipedia-Inhalten in ein Wissensportal grundsätzlich möglich sei. Wir haben das mit den freien Lizenzen erklärt und demzufolge bejaht. Im Juli 2007 wurde es dann etwas konkreter und es gab ein erstes Treffen in Frankfurt, bei dem wir uns die Ideen des Spiegel anhörten und das Konzept freier Inhalte sowie damit mögliche Nutzungen vorstellten. Im August reisten Frank und Arne dann nach Hamburg, um über eine konkrete Zusammenarbeit zu sprechen. Dabei waren dann auch Vertreter von Wissen Media anwesend. Anfang Dezember fand dann eine Präsentation einer weitgehend vollständigen Version in Frankfurt statt, bei der das Projekt auch Sue Gardner, der Geschäftsführerin der Wikimedia Foundation, vorgestellt wurde. Einige Tage später gab der Spiegel eine Pressemitteilung zu dem Projekt heraus, die auch auf die Mailingliste wikide-l weitergeleitet wurde.
  2. Was bringt es, wenn etwa Spiegel Wissen Wikipedia-Artikel in sein Angebot integriert?
    Das in der Wikipedia gesammelte freie Wissen wird durch die Integration in das Wissensportal des Spiegel weiteren Nutzerkreisen zugänglich gemacht. Von dem Schritt des Spiegel, alle Ausgaben seit seiner Gründung 1947 kostenfrei ins Netz zu stellen, profitiert auch die Wikipedia, da hierdurch eine wichtige Quelle der deutschen Nachkriegsgeschichte kostenfrei zugänglich gemacht wird. Auch dass die Bertelsmann-Tochter Wissen Media Group sich als Partner von Spiegel Wissen dem Konzept freien Wissens nach und nach öffnet und beide Unternehmen hier keinerlei Berührungsängste zeigen, ist ein beachtlicher Schritt und ein positives Signal für die Zukunft.
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Spiegel und so

Nach der Diskussion bei Fragen zur Wikipedia zum Spiegel-Wissens-Portal in dem auch die Wikipedia integriert ist, folgende Gedanken von meiner Seite:

  • Erstens wer nicht möchte, dass die von ihm geschaffenen Inhalte auch kommerziell genutzt werden, darf bei der Wikipedia (oder einem anderen Schwesterprojekt) nicht mitarbeiten. Eine andere Alternative gibt es nicht. Denn diese Nutzungsmöglichkeiten garantiert die Lizenz unter der die Inhalte stehen und dies werden auch neuere Versionen dieser Lizenz garantieren.
  • Der Spiegel (genauer gesagt das für dieses Portal neu gegründete Unternehmen, was aber hier nichts zur Sache tut) hat das Recht genutzt, dass ihm die GFDL einräumt, nämlich die Inhalte der Wikipedia kostenfrei zu nutzen. Man kann darüber streiten, ob die Verwendung nach dem Gentleman Agreement der GFDL entspricht. Nur sei man sich darüber im Klaren, dass nach dieser Vorgehensweise bereits viele andere Nachnutzer die Inhalte der Wikipedia anbieten. Und dies wurde bisher immer toleriert. Warum dies hier nicht der Fall sein sollte, ist mir schleierhaft.
  • Und wenn dem Verein vorgeworfen wird, er würde mit der Kooperation eine nicht lizenzkonforme Nutzung der Wikipedia unterstützen, der müsste auch gegen die Bereitstellung der Snapshots der Wikipedia vorgehen, denn damit werden ja nicht lizenzkonforme Nutzungen der Wikipedia-Inhalte erst recht ermöglicht. Aber wenn jemand sich an den Verein wendet und nachfragt, wie man möglichst lizenzkonform die Inhalte einbinden kann, dass dies bei der derzeitigen Fassung der GFDL zu 100% faktisch nicht möglich ist, sollte eigentlich klar sein, der wird verbal abgestraft. Absurder geht es kaum.
  • Der Spiegel bezahlt nicht für die Inhalte (was bei einer freien Lizenz auch etwas absurd wäre), sondern für die Nutzung des Logos und die Bereitstellung eines Live-Feeds, was bereits vorher in ähnlicher Form durch andere Unternehmen genutzt wird. Das heißt der Spiegel hat sich eine eigene Datenbank aufgebaut und wird von der Foundation mit allen Änderungen beliefert und bezahlt dafür eine Pauschale an die Foundation. Wo hier der Ausverkauf der Wikipedia oder ähnliches passieren soll, erschließt sich mir nicht. Im Gegenteil: dieser und andere Partnerschaften tragen zumindest zu einem kleinen Teil zur Finanzierung der Wikipedia und der anderen Projekte bei.
  • Das Projekt mit dem Spiegel war bereits weit vor der Bekanntmachung des Brockhaus nur noch online zu agieren, geplant und in der Umsetzung. Dass die Bekanntmachungen des Brockhaus und die Liveschaltung des Spiegels zeitlich zusammentrafen ist reiner Zufall. Vielleicht hat der Spiegel den Launch der Seite ein paar Tage nach vorne gezogen, das dürfte es aber auch schon gewesen sein. Man beachte auch, wann der  Verein die Kooperation bekannt gemacht hat, da war vom Brockhaus noch keine Rede.
  • Das Ziel und der Zweck des Vereins Wikimedia Deutschland ist die Verbreitung und Förderung freien Wissens. Und genau das wurde hier getan.
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Internationale Wikimania-Konferenz lädt nach Ägypten

Wikimania 2008, die diesjährige Konferenz der Wikimedia-Foundation findet vom 17. bis 19. Juli in der Neuen Bibliothek von Alexandria (Bibliotheca Alexandrina) in Ägypten statt. Bis zum 16. März können noch Beiträge eingereicht werden! Erwartet werden wissenschaftliche Einreichungen, Beiträge aus und zu den Communities der Wikimedia-Projekte (Wikipedia, Wikimedia Commons, Wikibooks, Wikisource, Wikinews, Wiktionary, Wikiversity, Wikiquote) und ihrer Infrastruktur, sowie zum Thema Freies Wissen im Allgemeinen. Die Konferenz ist nach Frankfurt (2005), Boston (2006) und Taipeh (2007) die vierte Veranstaltung ihrer Art und findet zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent statt.

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Geschäftsstelle hat jetzt einen Brockhaus

und der wurde freundlicherweise vom Lawblog spendiert. Unser Geschäftsführer Arne Klempert zu dieser kleinen Spende:

Wenn uns schon ständig vorgeworfen wird, für das Ableben des Brockhauses verantwortlich zu sein, dann wollen wir wenigstens das Andenken bewahren und eine Brockhaus-Enzyklopädie für die Nachwelt konservieren.

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Die WMF-WWM-Verschwörung

WMF = Wikimedia Foundation (Betreiber der Wikipedia)
WWM = Wer wird Millionär? (bekannte TV-Quiz-Show)

RTL nennt es „einen einzigartigen Abend bei Wer wird Millionär?„, in der Wikipedia ist es „business as usual“.

Am 1. Februar verfolgt ein großer Teil der deutschen Fernsehnation gespannt, wie Gabriele Weber bei Günther Jauch bis zur 500.000-Euro-Frage durchmarschiert. Sie war schon dreimal erfolglos in der Auswahlrunde, hatte dafür aber bei ihrem vierten Anlauf am Freitag die gesamte Sendezeit zur Verfügung.

Die Kandidatin beantwortete alle Fragen bis zur 125.000-Euro-Frage ohne auf einen der vier Joker der Risikovariante zurückzugreifen. Hier erst zog sie ihren 50:50-Joker, obwohl sie schon zuvor die Antwort richtig erläutert hatte. Die folgende 500.000-Euro-Frage lautete schließlich:

„In welcher Stadt befindet sich das Generalsekretariat von Interpol?“

A: Palermo
B: Utrecht
C: Lyon
D: Zürich

Ohne Hilfe konnte Frau Weber diese Frage nicht beantworten. Von ihren drei verbleibenden Jokern wählte sie zunächst den erweiterten Publikumsjoker. Nur ein Zuschauer aus dem Publikum traute sich eine Antwort zu – Utrecht. Da er sich nicht zu 100 Prozent sicher war, sollte ein Telefonjoker weitere Hilfe geben. Dieser musste jedoch bei der Frage passen. So kam auch noch der Publikumsjoker zum Einsatz, der folgendes Ergebnis brachte:

A: 1 % (Palermo)
B: 50 % (Utrecht)
C: 9 % (Lyon)
D: 40 % (Zürich)

Obwohl der sehr hohe Prozentsatz der Antwort D (Zürich) ins Auge fiel, entschied sich die Kandidaten zu passen und mit 125.000 Euro das Spiel zu beenden. Daraufhin beglückwünschte Herr Jauch Frau Weber, aber vor der spannenden Auflösung der Frage wurde gegen 21:00 Uhr ein Werbeblock geschaltet, so dass die Fernsehzuschauer die Möglichkeit hatten, die richtige Antwort per SMS-Gewinnspiel abzugeben. Auf diese Weise lassen sich zwar nicht 500.000-Euro, aber immerhin 5.000 Euro gewinnen.

Bis hierhin hatte das Ganze nichts mit der Wikipedia zu tun. Nun hat sich aber herumgesprochen, dass man den einen oder anderen Fakt doch ganz gut in der Online-Enzyklopädie recherchieren kann :-). Und dies wird auch gerne bei Gewinnspielen getan.

Während die korrekte Antwort bereits seit 2004 im Artikel Interpol zu finden war, wurde sie – um 21:00 Uhr – von einem nichtangemeldeten Besucher auf „Utrecht“ geändert. Diese Änderung wurde eine Minute später revertiert. Um 21:05 wechselte der angebliche Sitz erneut zu „Utrecht“, eine Minute später zu „Berlin“. Daraufhin folgte ein Revert, danach war „Zürich“ an der Reihe. Nach „Penisland“, Grüßen an alle Wer-wird-Millionär?-Seher und einigen weiteren Änderungen wurde der Artikel um 21:10 schließlich revertiert und halbgesperrt, so dass er für nichtangemeldete Benutzer nicht mehr bearbeitbar war.

Obwohl die falsche Antwort „Utrecht“ insgesamt nur etwa zwei Minuten im Artikel stand (eine Minute davon mit kleinem ‚u‘), wurde er in dieser Zeit von einer Vielzahl Menschen aufgerufen. Zum einen von interessierten RTL-Zuschauern, die für sich selbst gerne eine Antwort haben wollten, zum anderen aber natürlich auch von Teilnehmern des SMS-Gewinnspiels. Vielen dieser Personen ist die Funktionsweise der Wikipedia augenscheinlich nicht bekannt…

Anbei ein kleiner Auszug von Mails, die uns erreicht haben:

gestern wurde im Verlauf einer Fernsehsendung (Wer wird Millionär,RTL). kurzfristig der Standort des Generalskretariats Interpol, von Lion auf Utrecht geändert!!

Ich vermute eine Zusammenarbeit mit Ihnen und dem Sender RTL, da es um eine Menge Geld ging. Ich perönlich halte das für Betrug und werde aus diesem Grund Ihre Plattform nicht mehr aufsuchen.

Leider mußte ich feststellen, das man sich nicht auf eure Informationen verlassen kann. Es geht um eure Information in Bezug auf den Sitz von Interpol. Ich habe bei „Wer wird Millionär“ auf Grund eurer Info, 0,50 Cent,ausgegeben um dann festzustellen das es eine falsche Information von eurer Internetseite ist. Da stand Utrecht und nicht Lyon. 2 Minuten später stelle ich fest, das ihr die Seite geändert habt, weil ihr Mist gebaut habt. Zwar gut für die anderen die zukünftig auf eure Seite gehen, aber enttäuschend für mich, weil ich mich auf eure InfoŽs verlassen habe. Ich weiss zwar nicht ob euch das wirklich interessiert,aber ich fühle mich verarscht.

Auf der Diskussionsseite des Artikels wurde vermutet, dass Mitarbeiter von RTL diese Änderung absichtlich vorgenommen haben um Telefonjoker zu irritieren. Dies ist nicht möglich, da die Sendung im Vorfeld aufgezeichnet und nicht live gesendet wird. Die Argumentationsstruktur lässt sich dadurch aber nicht stören:

ich weiß zwar nicht, wie man eine „Falschmeldung“ so ohne Weiteres einfügen kann;aber dann ist es wohl auch möglich,das es ein Mitarbeiter von RTL war. Ich meine die Sendung läüft um einen Tag zeitversetzt, demzufolge sind auch Zuschauer und Telefonjoker live dabei.
Fall`s man sich zum manipolieren „einlocken“ muss, werden Sie das sicherlich ,in Ihrem eigenen Interresse, rausfinden.
Wenn Sie es überhaupt wollen??

Schlussfolgerung: Wir haben noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Ach, bevor ich es vergesse. Die richtige Antwort ist tatsächlich Lyon. Die Weisheit der Vielen hat hier versagt.

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Programm der re:publica’08 veröffentlicht

Der erste Programmentwurf der Konferenz re:publica 2008 steht, auch wenn nach und nach weitere Vorträge und Workshops dazu kommen werden; sogar während der Konferenz soll man sie noch einreichen können. Der vieldeutige Veranstaltungstitel lautet in diesem Jahr „Die kritische Masse“.

Fest steht schon, dass Malte Ziewitz einen Vortrag zu Wiki-Governance halten wird, Untertitel: „Selbstorganisation und Konfliktbewältigung auf kollaborativen Plattformen am Beispiel Wikipedias“. Auch unsere Leib-und-Magen-Juristen Till Jaeger und Thorsten Feldmann sind vor Ort und klären die Frage „Was dürfen wir bloggen?„. Und ich selbst werde mit Elmar Geese vom Linux-Verband und weiteren Teilnehmern zum Thema „Free Culture / Wir wählen die Freiheit“ diskutieren.

Die Atmosphäre im letzten Jahr war klasse, und auch die Paneldiskussion zur „Zukunft der Wikipedia“ hat, nicht zuletzt dank interessanter Fragen aus dem Publikum, viel Spaß gemacht (Fotos bei flickr). Sicher wird sich ein Besuch der Konferenz auch in diesem Jahr lohnen.

Die re:publica 2008 findet vom 2. bis 4. April in der Kalkscheune in Berlin-Mitte statt. Achja, und natürlich gibt es auch ein re:publica-Wiki.

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Mathematik. Alles was zählt.

Am vergangenen Mittwoch war es soweit. In der Berliner Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom AG eröffnete Bundesministerin Annette Schavan das diesjährigeWissenschaftsjahr „Jahr der Mathematik“. Wie schon im vergangenen Jahr wird Wikimedia Deutschland auch diesmal wieder dabei sein – mit der dritten Wikipedia Academy in Deutschland. Nach der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (2006) und der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur (2007) konnte in diesem Jahr die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften als Kooperationspartner gewonnen werden. Wikimedia-Vorstandsmitglied Frank Schulenburg dazu: „Wir sind überglücklich, dass wir die Academy erneut gemeinsam mit einem solch hochrangigen Partner ausrichten dürfen. Die Erwartungen sind groß und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.“ Kurze Filmsequenzen von der Auftaktveranstaltung des Jahrs der Mathematik und erste Eindrücke vom Veranstaltungsort in der Nähe des Berliner Gendarmenmarkts bietet das folgende Video.

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Interview der c’t mit Jimmy Wales

Jimmy Wales hat der c’t ein Interview gegeben, in dem er über das Projekt Wikia Search und aktuelle Entwicklungen in der Foundation berichtet.

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Wikimedia Deutschland unterzeichnet Cape Town Open Education Declaration

Auf seiner gestrigen Sitzung hat der Vorstand von Wikimedia Deutschland beschlossen, die Cape Town Open Education Declaration zu unterzeichnen. Diese Deklaration entstand bei einem kleinen Treffen von Aktivisten im Bereich Freie Bildung und Freies Wissen im September 2007, das vom Open Society Institute und der die Stiftung des Linux-Unternehmers Mark Shuttleworth in Kapstadt ausgerichtet wurde. Ziel des Treffens war es zu untersuchen, wie die verschiedenen Initiativen zusammenarbeiten können und damit eine bessere Wirkung erzielt werden kann. Die dort beschlossene Deklaration ist das erste konkrete Ergebnis dieses Prozesses. Zu den Erstunterzeichnern und Autoren der Deklaration gehören unter anderem die Organisatoren des Treffens, der Musiker Peter Gabriel, der Initiator des Internet Archive Brewster Kahle und der Gründer der Wikipedia Jimbo Wales.

Der Kern der Deklaration besteht aus den folgenden drei Punkten:

  • Lehrende, Schüler und Studenten werden ermuntert und aufgefordert Mitglieder der „Open Education“-Bewegung zu werden und freie Bildungsmaterialien zu erstellen, zu nutzen und weiterzuentwickeln.
  • Autoren und Verleger werden aufgefordert ihre Ressourcen frei zugänglich zu machen. Lizenzen sollen dabei so gestaltet werden, dass eine Weitergabe, Weiterentwicklung, Übersetzung und Veränderung der Inhalte möglich wird.
  • Regierungen, Universitäten, Schulen und Verwaltungen werden aufgefordert freie Bildungsmaterialien zu einem Thema mit Priorität zu machen. Bildungsmaterialien, die durch öffentliche Gelder geschaffen wurden, sollen grundsätzlich frei sein.

Die Deklaration wird als Ausgangspunkt einer breiten Bewegung für freie Bildungsinhalte und Freies Wissen gesehen und alle Interessierten werden eingeladen daran teilzunehmen und die Deklaration zu unterzeichnen. Der Vorstand von Wikimedia Deutschland ist der Meinung, dass die Ziele der Deklaration mit den Zielen und der bisherigen Tätigkeit des Vereins übereinstimmen und hat die Deklaration deshalb gestern unterzeichnet.

Weiterhin hat der Vorstand beschlossen, für die Wartung und den Betrieb des Toolservers 5000 € bis Ende 2008 bereitzustellen. Über die Rolle und die Aufgaben des Toolservers hatten wir in der Dezemberausgabe des Vereins-Newsletter ausführlich berichtet.

In einem weiteren Beschluss wurde der Etat für die Digitalisierung von gemeinfreien Werken durch das deutschsprachige Wikisource-Projekt bis Ende 2008 verlängert. Für Digitalisierungen stehen damit bis Ende diesen Jahres 1500 € bereit.

[Update 31.01.2008]

Kurt hat in den Kommentaren auf ein Video aufmerksam gemacht, in dem Mark Shuttleworth die Ziele der Deklaration und der Open-Education-Bewegung erläutert:

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Lagom, Semla und viel Aufbruchstimmung: Academy-Vorbereitungstreffen in Göteborg

Nachdem am vorletzten Wochenende ein Academy-Vorbereitungstreffen in Wrocław stattgefunden hatte, ging es am vergangenen Wochenende zu einem Treffen mit schwedischen Wikipedianern nach Göteborg. Wieder stand die Vorbereitung einer Wikipedia Academy auf dem Programm – der ersten in Skandinavien. Hier einige Eindrücke von meiner Reise nach Schweden.

Von Göttingen aus ging es zunächst mit dem ICE nach Hamburg, von dort aus mit einer kleinen zweimotorigen Propellermaschine des Typs ATR 42 weiter nach Göteborg. Am Flughafen Landvetter nahm mich Lennart Guldbrandsson (Användare:Hannibal) in Empfang, mit dem ich in den letzten Wochen intensiven E-Mail-Kontakt gehabt hatte. Lennart ist der Vorsitzende von Wikimedia Sverige, dem jüngsten Mitglied in der Familie der Wikimedia-Chapter. Wikimedia Sverige startete bei seiner Gründung im Oktober letzten Jahres mit über 80 Mitgliedern und gehört damit gleich von Beginn an zu den mitgliederstärksten nationalen Wikimedia-Sektionen.

Nachdem es aufgrund einer Orkanwarnung am Freitagabend noch so aussah, als würde das Arbeitstreffen am Samstag buchstäblich ins Wasser fallen, hatten wir dann doch sehr viel Glück. Der angekündigte Sturm fiel schwächer als erwartet aus und so konnten schließlich auch die auswärtigen schwedischen Wikipedianer sicher und wohlbehalten nach Göteborg gelangen.

Zum Auftakt fand am Samstagvormittag zunächst ein Stadtbummel durch Göteborg statt, bei dem wir zwar alle beinahe vom Wind weggeblasen wurden, der aber viel Raum für ein ausgiebiges Kennenlernen bot. Gegen Mittag versammelten sich dann zehn schwedische Wikipedianer in einem netten Restaurant im Zentrum Göteborgs – gespannt darauf, was es wohl mit dieser „Academy“ auf sich habe.

Die schwedische Wikipedia gehört mit über 270.000 Artikeln zu den größeren Sprachversionen, leidet aber laut Aussage der schwedischen Wikipedianer unter einem Mangel an Mitarbeitern. Die Community ist von vielen Teilnehmern aus der in Skandinavien traditionell starken Open-Source-Szene geprägt – die Aussicht auf die gezielte Anwerbung von Autoren auch aus anderen Fachbereichen ließ deshalb schon bald Begeisterung aufkommen. Damit war schon nach kurzer Zeit klar, dass eine Academy stattfinden solle – die Entscheidung über den genauen Termin und den Ort (im Gespräch sind vor allem die Traditionsuniversitäten Lund und Uppsala) soll aber nach einer Abstimmung mit der Community erst in den nächsten Wochen fallen.

Interessiert waren die schwedischen Wikipedianer vor allem an qualifizierten Antworten auf die Fragen, welche Fehler man bei der Organisation einer Academy vermeiden sollte und welches die genauen Rezepte seien, damit die Veranstaltung ein Erfolg wird. Darüberhinaus bestand großes Interesse an der deutschsprachigen Wikipedia im allgemeinen – gilt diese doch im Ausland generell als besonders qualitätsbewusst und innovativ.

Für mich persönlich war der Aufenthalt in Göteborg – wie schon das vorangegangene Wochenende in Polen auch – von großer Herzlichkeit und einem intensiven Gedankenaustausch geprägt. In langen Gesprächen mit Lennart lernte ich nicht nur viel über die schwedischen Wikimedia-Projekte, sondern auch einiges über Lagom, Semla und Snus. Mit etwas Glück könnte darüber hinaus auch meine langfristige Planung zur Finanzierung der afrikanischen Academy-Projekte zum Erfolg führen. Joakim Larsson, der zweite Vorsitzende des schwedischen Chapters ist aktives Mitglied der schwedischen Grünen und könnte vielleicht die für die Einwerbung von Geldern dringend benötigten Kontakte herstellen. Schließlich hat Schwedens Regierung schon in der Vergangenheit umfangreiche Mittel für Projekte in Afrika bereitgestellt.

Ein besonderer Erfolg für Wikimedia Sverige war die Tatsache, dass im Laufe des Treffens gleich drei der Teilnehmer spontan zu Mitgliedern wurden: zwei Schweden und ein Deutscher ;-) Ich bin mir sicher, dass dies nicht meine letzte Reise nach Schweden war…

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