Bundestag beschließt Internetzensur

Der deutsche Bundestag hat in seiner gestrigen Sitzung mit den Stimmen der großen Koalition das Gesetz zur Erschwerung des Zugangs zu kinderpornografischen Inhalten in Kommunikationsnetzen beschlossen. Die Initiatorin, Bundesfamilienministerin von der Leyen von der CDU, begrüßte dies als „wichtiges gesellschaftliches Signal“, als ob Kinderpornographie noch stärkerer Ächtung bedürfe. Kritiker wie der Arbeitskreis Zensur nennen das Gesetz einfach nur Internet-Zensur-Gesetz. Die damit beschlossenen technischen Maßnahmen einigen sich tatsächlich eher wenig dazu, eine echte Zensur auszuüben, von der Verhinderung von Kindesmissbrauch mal ganz abgesehen, sondern eher dazu, die Verbreiter von Kinderpornographie davor zu warnen, dass sie im Blickfeld der Ermittler stehen.

Der dazugehörige Dammbruch bleibt bedrohlich. So meldete der CDU-Politiker Thomas Strobl bereits am Tag nach der Verabschiedung, er prüfe bereits eine Ausweitung der Sperren auf „Killerspiele“. Schon im Vorfeld hatten Interessengruppen dies für andere Themenbereiche gefordert. Ebenso ist zu befürchten, dass eine wirkungslose Aktion wie diese, sobald mal eine Interessengruppe mit Internetkompetenz dahintersteht, in eine wirksame Internetzensur verwandelt wird. Schließlich wird die Abgrenzung von Exekutive und Judikative aufgelöst, die nachträgliche stichprobenartige Prüfung von täglich wechselnden Listen alle drei Monate ist kein Ersatz.

Wikimedia hatte dieses Jahr Erfahrung mit solchen Sperrungen, als der Zugang zum Artikel zu einem Scorpions-Album auf der englischen Ausgabe für Benutzer aus Großbritannien wegen der Darstellung auf dem Cover durch eine englische Internetzensurorganisation gesperrt wurde. Es ist nicht abwegig, dass dies nun wieder passiert, allerdings in Deutschland.

Ebenso ärgerlich ist der Umgang der beiden Volksparteien mit dem massiven Wiederstand aus dem Netz, ausgedrückt in einer Rekordzahl von über 134.000 Unterzeichnern einer Epetition an den Bundestag: Auf die Kritikpunkte am Gesetz wurde ungenügend eingegangen, das Gesetz im Schweinsgalopp durch den Gesetzgebungsprozess getrieben. Frau von der Leyen trifft sich heute, also einen Tag nach Verabschiedung mit der Verfasserin der Petition, Franziska Heine.

Einen hoffnungsfrohen Kommentar zu dem Thema habe ich allerdings irgendwo in der Blogosphäre lesen können: Nachdem die FDP in einer kleinen Anfrage entlarvt hatte, dass die Argumentation der Bundesregierung für die Sperren auf beschönigten bis erlogenen Fakten beruhte, ging dies durchs Netz. Es wird dort auch nicht vergessen. Das Internet ist heute so sehr wie noch nie ein Ort, an dem Interessierte (auch Internet-Ausdrucker) den Wahrheitsgehalt von Behauptungen nachprüfen können. Und wir helfen dabei.

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Orden en masse und Gutes vom Grill

5 Jahre Wikimedia Deutschland feierten wir gemeinsam mit Mitgliedern, Wikipedianern und Freunden am vergangenen Samstag in der Berliner c-base. Bereits am Nachmittag trafen sich ab 14:00 Uhr Interessierte zu Workshops, während die freiwillige Küchen-Crew bereits die Messer wetzte und dem Gemüse an den Kragen ging.

Das Wetter spielte mit, die aus dem Vorstand berufenen Grillatoren konnten (natürlich erst nach fachmännischer Einweisung) mit feinen Sachen vom beeindruckenden Grill Fleisch-, Fisch- und Gemüseliebhaber zufriedenstellen. Reger Austausch am Spreeufer bestimmte die Szene. Nicht nur das leckere Essen, auch vereinsnahe Themen wie der Toolserver, OpenStreetMap, mögliche Foto-Workshops, aber auch das Support-Team oder die Ausheilungsdauer von Bänderdehnungen am Sprunggelenk waren Teil der Tischgespäche. Unterhaltungen so vielfältig wie die Gesprächspartner und doch immer wieder zurückkehrend zur gemeinsamen Idee: Freies Wissen schaffen, fördern und verbreiten.

Am späteren Abend schöpften Henriette und Nolispanmo stilsicher aus dem Vollen und beglückten die Menge mit massig Orden. Jeder Anwesende konnte seinen heimlichen Helden der Wikipedia nominieren, Vereinsorden gab es für Mitarbeiter und Vorstandsmitglieder. Aus den heimlichen Helden wurden so öffentlich ausgezeichnete Ordensträger, die ihren Orden nach kurzer persönlicher Laudatio stolz empfingen. Das machte allen sichtlich Spaß. Es war eine tolle Feier, die auch Dank der tatkräftigen Unterstützung vieler Freiwilliger möglich wurde. Ich freu mich jetzt schon auf’s 10-jährige und hoffe, ihr seid alle dabei.

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Gezwitscher aus der Wikimedia-Welt

Wikimedia Deutschland twittert jetzt auch. Unter http://twitter.com/WikimediaDE schreiben wir über Kleinigkeiten aus dem Alltag des Vereins.

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Neue Wikimedium ab sofort erhältlich

Die zweite Ausgabe der neuen Vereinszeitung ist pünktlich zum 5-jährigen Jubiläum von Wikimedia Deutschland fertig geworden. Die Gäste der Party, am 13. Juni in der c-base in Berlin, konnten die druckfrische Ausgabe bereits in den Händen halten. Nachdem die Resonanz auf die erste Wikimedium (pdf) sehr positiv war hoffe ich, dass auch die aktuelle Ausgabe die Erwartungen erfüllt.

Wichtige Ereignisse in Berlin wie die Wikimedia Konferenz, die Mitgliederversammlung, die Vorstandswahlen und das 5-jährige Jubiläum des Vereins bilden einen Schwerpunkt der Ausgabe auf den Seiten 4 und 5. Mit dem neuen Thema ‚Aus aller Welt‘ wollen wir auch einen Beitrag dazu leisten, die Beziehung zu anderen Chaptern weiter auszubauen. Leider fehlen uns immer noch Beiträge aus anderen Wikimedia-Projekten, aber ich hoffe sehr, dass unsere Redaktion auch in diese Richtung weiter wächst.

Ich wünsche allen eine informative und unterhaltsame Lektüre und freue mich über Anfragen oder Anregungen unter redaktion@wikimedium.de.

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Wikimedia bei der YOU&ME in Kaiserslautern

Blick vom Kaiserberg über das Gartenschaugelände
Blick vom Kaiserberg über das Gartenschaugelände

Wikimedia Deutschland verstärkt sein Engagement im Jugendbereich und ist am 7. und 8. Juli auf dem größten Schülerfestival in Rheinland-Pfalz, der YOU&ME 2009 in Kaiserslautern, vertreten.

Das Festival, unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters von Kaiserslautern, Klaus Weichel, und der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing, soll sowohl informativ und aufklärend als auch spannend sein.
Dabei werden die Wikimedianer wieder direkten Kontakt zu ihren wahrscheinlich treuesten Lesern haben, den Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren, sowie – erklärtes Ziel des Vorstandes und Schwerpunkt dieses Vereins – auf Lehrer zugehen, das Schulprojekt propagieren und für freies Wissen werben (das vollständige Programm befindet sich hier). In einer Reihe von verschiedenen kleinen Vorträgen wollen wir auf dem Festival zudem zeigen, wie wir die Qualität der Wikimedia-Projekte, hier natürlich vorrangig Wikipedia, sichern und Vandalismus bekämpfen. Zahlreiche Aktionen wie zum Beispiel das Fotoshooting „Wikipedia sucht das Gesicht 2009“ ergänzen das Programm.

Eines der Saurier-Modelle auf dem Gelände
Eines der Saurier-Modelle auf dem Gelände

Ein kleiner Fotowettbewerb soll dafür sorgen, dass auch die Wikipedia ganz direkt von diesem Festival profitiert: Jeder Teilnehmer, der eine Kamera zur Hand hat, kann die Dinosaurier-Figuren auf dem Gartenschaugelände fotografieren und bei uns, mit Hilfe der anwesenden Wikimedianer, auf Commons hochladen. Als Gewinn schreiben wir eines von zwanzig PediaPress-Büchern aus, gefüllt mit Artikeln über alle auf dem Gelände zu bestaunenden Dinosaurier.

Ingesamt werden von den Veranstaltern mehr als 10.000 Besucher erwarten. Die perfekte Gelegenheit für Wikimedia neue Leser, Autoren und vielleicht gar Förderer seitens der Lehrer zu gewinnen. Organisiert wird der Festivalstand von Community-Assistant Henriette sowie ihrem neueingestellten Praktikanten Cornelius. Wer die Veranstaltungs-Vorbereitungen in (Fast-)Echtzeit verfolgen möchte, der sei auf das Veranstaltungsblog hingewiesen.

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Monatsbericht März/April 2009

Folgend der kombinierte Monatsbericht für März und April 2009. Fragen und Kommentare sind wie immer willkommen.

Projekte und Veranstaltungen

Zedler-Medaille

Nach dem Treffen mit den Kooperationspartnern in Frankfurt stehen Termin, Veranstaltungsort und Programmschwerpunkte fest. Das Senckenberg-Museum in Frankfurt ist fest zugesagt. Als Termin für die Verleihung ist der 8. Dezember vorgesehen. In den Magazinen „Spektrum der Wissenschaft“, „Gehirn&Geist“ und „epoc“ werden im Mai/Juni redaktionelle Anzeigen zur Bekanntmachung des Projektes und als Aufruf zur Teilnahme erscheinen. Auf unserer Website wird jetzt auch über die Zedler-Medaille informiert. Die Jury steht fest und aus der Community hat sich Southpark bereit erklärt, als Jurymitglied das Projekt zu unterstützen. Derzeit in Arbeit: Pressemitteilung zum Start des Projektes u.a. auch an Fachmagazine, Verbandszeitschriften etc. Universitäten und Hochschulen sollen gezielt angeschrieben werden, um das Projekt einem möglichst großen Kreis bekannt zu machen. Nächste Schritte sind weitere Maßnahmen zur Bewerbungs und Gestaltung des Veranstaltungsprogramms.
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Monatsbericht Februar 2009

Mit einiger Verspätung veröffentliche ich heute den Monatsbericht der Geschäftsführung für Februar 2009. März und April folgen auch gleich. Fragen und Kommentare sind wie immer willkommen.

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„Generation 50plus“ – es geht weiter

Aus unserer Ausschreibung einer befristeten Projektplanerstelle für das Projekt Generation 50plus konnten wir mit Dr. Elvira Schmidt im Mai erfolgreich eine Kandidatin auswählen, die uns in den nächsten drei Monaten unterstützen wird.

Elvira Schmidt wird sich in ihrer Arbeit insbesondere auf die Schwerpunkte Projektkonzept, Umsetzungsplanung und Finanzierung konzentrieren. Sie erfüllt die hierfür formulierten Anforderungen durch ihre didaktische Ausbildung als Mathematik- und Geografielehrerin sowie ihre Erfahrung im Bildungsbetrieb und in der Projektarbeit auf ausgezeichnete Art und Weise. Aus ihren Tätigkeiten für den ARGUS e.V. hat sie umfangreiche Kenntnisse der öffentlichen Förderverfahren erlangen können. Gleichzeitig besticht sie mit ihrer Internetaffinität, wodurch sie in der Lage ist, die besonderen Herausforderungen des Projekts zu erkennen und angemessen zu adressieren.

Es ist mir eine große Freude, Elvira Schmidt im Team begrüßen zu dürfen. Wenn ihr Interesse am Projekt Generation 50plus habt, könnt ihr per E-Mail an elvira.schmidt@wikimedia.de Kontakt mit ihr aufnehmen.

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Ausschreibung die zweite – Geschäftsführer m/w gesucht

Nachdem im ersten Anlauf die Stelle eines Geschäftsführers nicht besetzt werden konnte, startet – nach einigen Verzögerungen – nun die zweite Runde der Stellenausschreibung.

Die Zusammensetzung der Personalfindungskommission wurde durch den neuen Vorstand geändert. Geleitet wird sie durch Jenny Grabe, dazu kommen André Darmochwal, Harald Krichel, Jürgen Lüdeke und Philipp Birken. Außerdem konnte Kurt Jansson, der bis zur letzten Mitgliederversammlung Erster Vorsitzender des Vereins war, wieder als Kommissionsmitglied gewonnen werden.

Da der Vertrag über die Interims-Geschäftsführung mit Sebastian Moleski zum 31. Juli 2009 ausläuft, werden wir den Bewerbungsprozess zügig vorantreiben. Die Bewerbungsfrist endet am 13. Juni 2009. Alle Bewerbungen, die uns seit der letzten Runde erreicht haben, sind bereits in den Bewerberpool aufgenommen, werden also selbstverständlich berücksichtigt.

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Kirchentag und Web 2.0 – ein Widerspruch der Kulturen?

Am Rande des evangelischen Kirchentages in Bremen gab es dieses Jahr ein Barcamp zum Thema „Kirchentag und Web 2.0“, bei dem ich einen Vortrag über die Wikipedia gehalten habe.
Auf diesem Barcamp hatten sich eine Reihe von christlichen und zugleich netzaffinen Benutzern versammelt, um einem Publikum von bis zu 30 Leuten einen Tag lang Vorträge und Diskussionen (Programm) zu diesem Thema anzubieten. Zuvor war auf der Vereinsmailingliste angefragt worden, ob Wikimedia testweise vertreten sein wolle, wozu ich mich in diesem Jahr bereiterklärt hatte.
Das Publikum bestand vorwiegend aus jungen Kirchentagsbesuchern, die über Mundpropaganda von dem Barcamp erfahren hatten. Außerdem waren einige evangelische Theologen anwesend, die sich anscheinend schon mit dem Thema Web 2.0. beschäftigt hatten. Zudem waren Vertreter von anderen Einrichtungen, die den Dialog zwischen Kirche und Web 2.0 suchen, unter den Zuhörern.
Die anschließenden, sogar die Vortragszeit sprengenden Diskussionen offenbarten das geweckte Interesse des Publikums an Wikimedia und waren insofern erfolgreich, als dass ich einige neue Anregungen bekommen habe, wobei insbesondere der Umgang mit Neulingen aus eigener Erfahrung kritisiert worden ist.
In diesem Zusammenhang erhielt die Idee des Mentorenprogramms positive Resonanz.  Außerdem haben einige Besucher angekündigt, Vereinsfördermitglieder zu werden und sich Benutzeraccounts anzulegen, um selbst Artikel zu verbessern. Das stellt gerade für das theologische Themenfeld eine Bereicherung dar, weil so auch gebildete Theologen für fundiertes Wissen in den häufig umstrittenen Themenbereichen sorgen können. Ein Erkenntnisgewinn ist auch, dass das Wikimedium als Informationsquelle sehr ansprechend ist und gut angenommen wurde.
Der Austausch zwischen Kirche und Web 2.0 wirkt insgesamt aber noch recht holprig, da es sich nach wie vor um zwei sehr verschiedene Kulturkreise handelt. Das zeigt sich daran, dass das offizielle Kirchentagsprogramm dieses Themenfeld noch nicht aufgegriffen hat. Mir scheint dieser Dialog jedoch sehr wichtig zu sein, weshalb ich mich an Überlegungen und Planungen zu einem möglichen, auch im offiziellen Kirchentagsprogramm verzeichneten Auftritt auf dem ökumenischen Kirchentag 2010 in München, wieder beteiligen werde. Für Meinungen und Anregungen bin ich sehr dankbar.
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