Archiv für die ‘Wissenschaft’ Kategorie



Koalitionsvertrag Nordrhein-Westfalen: Schulfreiheitsgesetz geplant – freie Bildung und Open Source ausgespart!

Anlässlich der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat das Bündnis Freie Bildung, bei dem WMDE Partner ist, Wahlprüfsteine mit Fokus auf freie Bildung an alle im Landtag vertretenen Parteien verschickt. Nun hat das Bündnis den Koalitionsvertrag im Hinblick auf die Antworten analysiert. Dieser Text erschien zunächst am 11.7. im Blog des Bündnis Freie Bildung.

Die Köpfe der schwarz-gelben Koalition: Achim Laschet (CDU) & Christian Lindner (FDP) Foto: 2017-05-14 NRW Landtagswahl by Olaf Kosinsky-248, CC BY-SA 3.0

Bereits die Auswertung unserer Wahlprüfsteine zur Landtagswahl in NRW hat deutlich gemacht, dass weder die CDU noch die FDP die Weiterverbreitung von OER und Open Software im Bildungsbereich als besonders wichtiges Thema ansehen. Auch wenn die Antworten der CDU in NRW verhältnismäßig kurz ausgefallen sind, bleibt festzuhalten, dass sich beide Parteien zwar in einem gewissen Maß mit der Einführung freier Bildungsmaterialien beschäftigen. Die “grundlegende Befürwortung” freier Bildungsmaterialien beider Parteien ist aber wenig stichhaltig unterfüttert. Konkrete Maßnahmen, wie Lehrende bei der Erstellung und Verbreitung von OER unterstützt werden können, fehlen. Um OER und damit Freies Wissen jedoch praktisch in der Bildung zu verankern, bedarf es ressourcenunterlegter Projekte und eines konkreten Auftrags an Verwaltung und landeseigene Bildungsinstitutionen.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Wissenschaft offen gestalten: Das Fellow-Programm Freies Wissen geht in die zweite Programmrunde – Jetzt für ein Stipendium bewerben!

Die Öffnung der Wissenschaft schreitet langsam voran, aber ist noch keine gängige Praxis in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre. Um die Idee der Offenen Wissenschaft zu stärken, wurde im vergangenen Jahr das Fellow-Programm Freies Wissen ins Leben gerufen. Die Ausschreibung für die zweite Programmrunde wurde nun veröffentlicht. Für das Programmjahr 2017/2018 werden bis zu 20 Stipendien an Doktoranden (m/w), Post-Docs (m/w) und Juniorprofessoren (m/w) vergeben.

Markus Büsges, leomaria designbüro, Logo Fellowprogramm quer, CC BY-SA 4.0

Offene Wissenschaft (Open Science) ist in aller Munde und wird mittlerweile in Deutschland genauso wie auf EU-Ebene von politischen Entscheidungsträgern diskutiert. Viele Vorteile Offener Wissenschaft liegen klar auf der Hand: Offen publizierte Forschungsergebnisse und Methoden beflügeln den wissenschaftlichen Austausch und können die Grundlage für neue Forschungsprojekte bilden. Das Innovationspotential für Wissenschaft und Wirtschaft ist also enorm. Ohnehin sollte steuerlich finanzierte Forschung, die von allen Bürgerinnen und Bürgern getragen wird, auch für alle abruf- und nachnutzbar sein. So ist auch das Potenzial gegeben, Wissenschaft und Forschung weiter in der Gesellschaft zu verankern. Doch in der Umsetzung ist Offene Wissenschaft noch längst nicht umfassend angekommen.

Um das Wissen und die Praxis zu Offener Wissenschaft weiter zu fördern, werden Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen in diesem Jahr wieder die Chance erhalten, Offene Wissenschaft in ihrer Forschungspraxis auszuprobieren – das Fellow-Programm Freies Wissen startet ab Herbst 2017 in die zweite Programmrunde. Gemeinsam mit Wikimedia Deutschland e.V. und dem Stifterverband unterstützt die VolkswagenStiftung als neuer Programmpartner diese zweite Ausschreibungsrunde. Zudem sind folgende wissenschaftliche Partner mit Qualifizierungsangeboten an dem Programm beteiligt: die Technische Informationsbibliothek (TIB), das Museum für Naturkunde Berlin, das Center für Digitale Systeme (CeDiS) der Freien Universität Berlin und die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.

Bewerbungen sind ab sofort möglich, die Bewerbungsfrist endet am 04. August 2017.

Im Sinne der Transparenz des Auswahlprozesses und Offenheit sind die Bewerberinnen und Bewerber in diesem Programmjahr dazu angehalten, ihre Projektskizzen zusätzlich auf Wikiversity zu veröffentlichen und so für alle Interessierten einsehbar zu machen.

Alle Informationen zum Fellow-Programm Freies Wissen und zur Bewerbung finden Sie unter www.wikimedia.de/fellowprogramm oder auf Wikiversity.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Bewertungen, Durchschnitt: 4,17 von 5)
Loading...

Zitationen offen verfügbar machen: Wikimedia Deutschland unterstützt die „Initiative for Open Citations“

Zitationen sind als Literaturangaben und Verweise die Verknüpfungen, die wissenschaftliches und kulturelles Wissen miteinander in Beziehung setzen. Sie vernetzen das Wissen der Menschheit über Zeit und Raum hinweg. Eine offene Datenbank zur Erschließung von Zitationen wissenschaftlicher Arbeiten bietet nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für Projekte Freien Wissens wie die Wikipedia oder Wikidata viele Möglichkeiten, Wissensbestände zu verknüpfen und  darüber neue Einsichten zu gewinnen.

Als Belege ermöglichen es Zitationen, Informationen nachzuprüfen, Argumentationen nachzuvollziehen und weiterzuentwickeln sowie mit vorliegenden Daten und Studien weiter zu arbeiten. Sie machen nicht nur sichtbar, auf welchem bestehenden Wissen aufgebaut wird. Sondern sie zeigen auch, welchen Einfluss einzelne Forschungsbeiträge haben und spielen daher eine große Rolle, wenn es darum geht, Wissenschaft zu evaluieren.

Aber Zitationen sind nicht nur für die Wissenschaft relevant. Ganz grundlegend geben sie Auskunft darüber, woher wir wissen und warum wir wissen, was wir wissen. Auch für ein Projekt enzyklopädischen Wissens wie die Wikipedia ist das Prinzip der Belegpflicht daher grundlegend. Aus Sicht des Freien Wissens problematisch ist der Umstand, dass Literaturangaben und Verweise in der Wissenschaft bislang kaum frei verfügbar sind, sondern nur in kommerziellen und kostenpflichtigen Datenbanken wie Web of Science und Scopus aggregiert werden.

Ausschnitt aus dem Zitationsnetzwerk eines Fachartikels. Wikimedia Commons. CC0.

 

Eine Initiative für freie Zitations-Metadaten

Dies möchte nun die „Initiative for Open Citations (I4OC)“ ändern, die am 6. April 2017 von der Wikimedia Foundation gemeinsam mit Wissenschaftsverlagen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie vielen anderen ins Leben gerufen wurde, um die unbeschränkte Verfügbarkeit wissenschaftlicher Zitationsdaten voranzubringen. [1] Beteiligt daran sind zum einen 29 renommierte Verlagshäuser wie MIT Press, SAGE Publishing, Springer Nature, Taylor & Francis und Wiley, die ihre Zitations-Metadaten frei zugänglich machen. Zum anderen wird die Initiative unterstützt von zahlreichen Projekten und Organisationen wie dem Internet Archive, der Open Knowledge Foundation, Mozilla, Wikimedia Deutschland und anderen mehr. Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Transparenz statt Ruhm und Ehre? Nachwuchswissenschaftler:innen zu Risiken und Chancen von Open Science

Am 10. März 2017 fand in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland die Abschlussveranstaltung der ersten Programmrunde des Fellow-Programms Freies Wissen statt. In diesem Gastbeitrag fasst Sarah-Mai Dang den Abend zusammen.

Open Science – von Open Access über Open Educational Resources, Open Data und Open Peer Review bis hin zu Citizen Science – soll die Verbreitung und Nachnutzung von sowie den Zugang zu Wissen erleichtern. Ziel von Open Science ist es, Forschung transparenter und nachhaltiger zu machen und somit die Qualität von wissenschaftlicher Arbeit zu verbessern. Wie Open Science im akademischen Alltag aussehen kann, haben Stipendiat:innen des von Wikimedia Deutschland in Kooperation mit dem Stifterverband 2016 gegründeten Fellow-Programms Freies Wissen am 10. März auf der Abschlussveranstaltung „Wissen offen gestalten – Open Science in der Praxis“ in Berlin diskutiert.

Open Science ist vielfältig

Open Science wird von Fach zu Fach unterschiedlich praktiziert, die Ansätze sind vielfältig. Dies verdeutlichte der einleitende Film, in dem alle zehn Stipendiat:innen ihre Forschungsprojekte in 90-Sekündern präsentierten. So geht es dem Neurobiologen Benjamin Paffhausen etwa um das Teilen von Wissen zwecks Herstellung wissenschaftlicher Geräte zur Beobachtung von Honigbienen. Der Rechtswissenschaftler Hanjo Hamann wiederum veröffentlicht im Dienste der deutschen Justizgeschichte Dokumente, aus denen hervorgeht, welche Richter:innen welche Fälle bearbeitet haben. Die Wissenschaftssoziologin Klara-Aylin Wenten befasst sich mit MakerSpaces, partizipativen Werkstätten. Und die Filmhistorikerin Adelheid Heftberger, Mitgründerin des Open Access-Journals Apparatus, versucht beispielsweise ihre Kolleg:innen von alternativen, offenen Publikationsformaten zu überzeugen.

Die „Botschafter:innen des Freien Wissens“ setzen sich sowohl theoretisch als auch praktisch mit Open Science auseinander. Mit welchen fachspezifischen Problemen die Nachwuchswissenschaftler:innen dabei konfrontiert werden, zeigte die anschließende Podiumsdiskussion. Moderiert von Christina Riesenweber, Open Access-Beauftragte der Freien Universität Berlin, erörterten die Fellows Marion Goller, Juristin, Ruben C. Arslan, Psychologe, und Mirjam Braßler, Erziehungswissenschaftlerin, die Chancen und Schwierigkeiten von Open Science.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (9 Bewertungen, Durchschnitt: 3,44 von 5)
Loading...

NGOs und Umweltbildung in Madagaskar – ein Open Science Experiment

Veranstaltungshinweis:
„Wissenschaft offen gestalten – Open Science in der Praxis“
Am 10. März präsentieren die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Fellow-Programms Freies Wissen in Berlin ihre Projekte und diskutieren über ihre Erfahrungen mit Open Science in der Praxis. Mehr Informationen zur Veranstaltung sind hier zu finden.

Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag berichtet die Stipendiatin Lena Reibelt über ihr Forschungsprojekt, das sie im Rahmen des Fellow-Programms durchführt. 

Jetzt, gegen Ende des Fellow-Programmes ‚Freies Wissen‘ schaue ich auf ein spannendes halbes Jahr zurück und freue mich schon auf den Austausch mit den anderen Fellows und Mentoren während der nahenden Abschlussveranstaltung. Open Science war für mich zu Beginn noch ein großer Begriff mit unklarer Kontur, beladen mit den abstrakten Bereichen Open Data, Open Source, Open Peer Review, Open Access, Open Methodology, Open Educational Resources, und Citizen Science. Nach und nach gewann ich im Rahmen des Programmes einen Überblick über die konkrete Bedeutung der Bausteine von Open Science. Alle vereint das Ziel, wissenschaftliche Prozesse und Ergebnisse frei zugänglich, nachvollziehbar und nutzbar zu machen.

Aber wie funktioniert das konkret? Während der letzten 6 Monate durfte ich verschiedene Methoden ausprobieren, um Community-Feedback zu erhalten. Durch mein Promotionsthema, welches sich mit hemmenden und fördernden Faktoren der Umweltbildung auf Madagaskar auseinandersetzt, wurde ich mit der Realität vieler Nichtregierungsorganisationen auf Madagaskar konfrontiert, welche oft nicht ausreichend Material und Expertise vereinen, um Umweltbildung auf einem nachhaltigen und wirkungsvollen Niveau zu realisieren. Mein Projekt im Rahmen des Fellow-Programmes fokussierte sich daher auf Möglichkeiten eines verbesserten Austausches zwischen den aktiven NGOs in der Umweltbildung. Mein langfristiges Ziel ist es, durch mehr Openness eine Ausweitung und Professionalisierung der Umweltbildung auf Madagaskar zu unterstützen.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertungen, Durchschnitt: 4,00 von 5)
Loading...

Gerichtsurteile als Menschenwerk: Zum Editionsprojekt „Die Namen der Justiz“

Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag stellt der Stipendiat Hanjo Hamann sein Projekt vor, welches er im Rahmen des Fellow-Programms durchführt. 

Die „Objektivität“ des Rechts…

Veranstaltungshinweis: „Wissenschaft offen gestalten – Open Science in der Praxis“ 
Am 10. März 2017 präsentieren die Stipendiatinnen und Stipendiaten des Fellow-Programms Freies Wissen in Berlin ihre Projekte und diskutieren über ihre Erfahrungen mit Open Science in der Praxis. Mehr Informationen zur Veranstaltung sind hier zu finden.

Unter deutschen Juristen gilt es als unfein, Fachtexte in der ersten Person zu verfassen. Wer es versucht, bekommt schnell zu hören, er möge doch die „Egoismen“ tilgen. Denn „das Recht“ soll in größtmöglicher Objektivität ohne eigene Anteilnahme gesprochen und geschrieben werden. Das Persönliche tritt dagegen zurück, Entscheidungen treffen also „der“ Bundesgerichtshof und „das“ Bundesverfassungsgericht, nicht die darin versammelten Richter. Und was „der Bundesgerichtshof“ entscheidet, gilt im Zweifel auch noch weit über die Amtszeit der beteiligten Richter hinaus.

Zu welch dramatischen Verwerfungen das führen kann, zeigt nun der Tübinger Rechtshistoriker Jan Thiessen in einem neuen Buch mit dem unscheinbaren Titel „Der Ausschluss aus der GmbH“ [1]. Anders als das nüchterne Thema nahelegt – und diese Dissonanz ist sicher gewollt – geht es darin ausschließlich um das allzu Menschliche in der deutschen Justiz. Thiessen zeigt nämlich, wie eine scheinbar sachlich begründete Rechtsansicht, die heute allgemein anerkannt ist, alles andere als sachlich begann: Sie wurde von Richtern mit einem bestimmten sozialen Hintergrund 1942 entwickelt, um einen bestimmten (nämlich jüdischen) Unternehmer zu benachteiligen. Thiessen hat die Geschichte dieses Gerichtsprozesses und der daran beteiligten Personen gründlich recherchiert und plastisch dargestellt, wie ein ideologisch motiviertes Unrecht gerade dank seiner Ent-Menschlichung in das Rechtsdenken nachfolgender Juristengenerationen einsickern und seinen ideologischen Kontext weit überleben konnte. So wird aus dem scheinbar neutralen Urteil „des Reichsgerichts“ mit dem blassen Aktenzeichen „II 67/41“ und der nichtssagenden Fundstelle „RGZ 169, 330“ wieder eine packende und lehrreiche Geschichte über menschliche Schicksale, über die heftigen Konflikte „des Rechts“ in besonderen politischen Machtverhältnissen, und über den Einfluss und die Verantwortung einzelner Richterpersönlichkeiten.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 3,67 von 5)
Loading...

Mehr Weltraum für Wikipedia

Die Europäische Weltraumorganisation hat eine neue Open Access Policy angekündigt: künftig veröffentlicht die ESA ihre Inhalte unter Creative-Commons-Lizenzen. Das bedeutet, nicht nur Wikipedia, sondern wir alle haben bald mehr Zugang zu Freiem Wissen über das Weltall.

Schon bevor die Europäische Weltraumorganisation ESA 1975 gegründet wurde, verfolgten Millionen Menschen auf der ganzen Welt die erste bemannte Mondlandung live vor ihren Fernsehern. Das öffentliche Interesse an der Erforschung des Weltalls und der Raumfahrt ist auch heute noch ungebremst – die Informationskanäle aber nicht mehr dieselben wie noch vor 40 Jahren. Mit ihrer Open Access Strategie will die ESA die Raumforschung nun zugänglicher gestalten. Jeder Internetbenutzer und jede Internetbenutzerin, aber auch Wissenschaft und Wirtschaft, können künftig frei auf das Bild-, Video- und Datenmaterial der ESA zugreifen und es unter Einhaltung der Lizenzbestimmungen sogar für eigene Zwecke nutzen.

Die ESA ist dabei nicht die erste Weltraumorganisation, die ihre Inhalte unter freien Lizenzen zur Verfügung stellt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt  (DLR) stellte auf Initiative von Wikimedia Deutschland bereits 2012 seine Lizenzierungspolitik um. Inhalte der NASA, wie zum Beispiel Satelliten- und Teleskopaufnahmen, sind automatisch gemeinfrei. Die ESA verpflichtet sich nun, eigene Inhalte unter einer Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 IGO zu veröffentlichen. Um Inhalte unter dieser Lizenz nachzunutzen zu können, muss lediglich ein vollständiger Lizenzhinweis angegeben werden. Unter anderem können neueste Erkenntnisse aus der Raumfahrt und begleitendes Bildmaterial damit einfacher in die Wikipedia übernommen und so einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Schon seit 2004 engagieren sich Freiwillige aus Wikimedia-Projekten dafür, die ESA von einer freien Lizensierung ihrer Bildmaterialien zu überzeugen. 2014 hatte die Europäische Raumfahrtorganisation daraufhin bereits Bilder von der Rosetta-Mission unter Creative-Commons-Lizenzen zur Verfügung gestellt.

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 4,67 von 5)
Loading...

„Wissenschaft offen gestalten – Open Science in der Praxis“ – Podiumsdiskussion und Projektvorstellung am 10. März 2017

Wie funktioniert Open Science in der Praxis? Wir laden Sie ein, diese Frage mit uns im Rahmen einer Podiumsdiskussion zu diskutieren. Zu Gast sind Expertinnen und Experten sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und-wissenschaftler, die darüber sprechen, welche Erfahrungen sie mit offener wissenschaftlicher Praxis gemacht haben.

Die Idee von Open Science verspricht den gesamten wissenschaftlichen Prozess für möglichst viele Menschen zugänglich, nachvollziehbar und nutzbar zu machen – von der Datenerhebung bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse. Doch wie werden Open Science Projekte konkret umgesetzt? Mit welchen Herausforderungen und Hürden werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konfrontiert, die ihre eigene wissenschaftliche Arbeit möglichst offen gestalten möchten?

Im Rahmen des Fellow-Programms Freies Wissen, das von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband im letzten Jahr ins Leben gerufen wurde, haben sich zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen intensiv mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Über einen Zeitraum von sechs Monaten haben sie in Forschungsprojekten Open Science in der Praxis betrieben und wurden dabei durch erfahrene Open Science-Expertinnen und -experten unterstützt, die ihnen als Mentorinnen und Mentoren beratend zur Seite standen. Zum Abschluss des ersten Programmjahres präsentieren die geförderten Fellows ihre Projektergebnisse und sprechen darüber, wie Open Science für sie in der Praxis funktioniert hat.

Auf dem Podium diskutieren:

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion besteht die Möglichkeit, sich bei Getränken und Snacks über die geförderten Projekte zu informieren und mit den Fellows und Mentorinnen und Mentoren ins Gespräch zu kommen.

  • Datum: 10. März 2017
  • Uhrzeit: 18:00 – 20:00 Uhr, anschließend informeller Ausklang
  • Veranstaltungsort: Wikimedia Deutschland e. V., Tempelhofer Ufer 23-24, 10963 Berlin​
  • Hashtag: #FellowsFreiesWissen

Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung (per Mail an wissenschaft@wikimedia.de) wird gebeten.

Wir freuen uns auf einen interessanten Abend!

Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband 2016 ins Leben gerufen, um Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene wissenschaftliche Arbeit offen zu gestalten. Das zentrale Anliegen des Programms ist es, die schrittweise Öffnung der Wissenschaft zu fördern und das Prinzip kollaborativer Wissensproduktion nach dem Vorbild der Wikipedia weiter in die Breite zu tragen. Im ersten Programmjahr wurden die Fellows betreut von V.-Prof. Dr. Ina Blümel (Technische Informationsbibliothek Hannover), Dr. Gregor Hagedorn (Museum für Naturkunde), Dr. Peter Kraker (Know-Center), Dr. Daniel Mietchen (National Institutes of Health) und Prof. Dr. Claudia Müller-Birn (Freie Universität Berlin).

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 4,67 von 5)
Loading...

Enriched publications und Wikidata: Ein Werkstattbericht

Logo Fellow-Programm, leomaria designbüro, CC BY-SA 4.0

Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag berichtet die Stipendiatin Adelheid Heftberger über ihr Projekt im Rahmen des Fellow-Programms und ihre Erfahrungen mit Open Science.

Der Einstieg

Nun saß ich also da, inmitten von schlauen Menschen, die alle sehr viel Ahnung von Open Science hatten. “Da” war das Kick-Off-Meeting des neuen Fellow-Programms “Freies Wissen”, das von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband ins Leben gerufen worden war. Viel war die Rede von Wissenskommunikation wie Blogs, Twitter etc., von Forschungsdaten, von selbst geschriebenen Programmen. Man tauschte sich über Plattformen aus, von denen ich nur vage eine Ahnung hatte oder auf denen ich nur sehr vorsichtig bisher erste Schritte getan hatte. Kurz: Mir rauchte der Kopf. Am Ende verabschiedete ich mich hochmotiviert in der Gewissheit, dass es Zeit war, die Ärmel hochzukrempeln und die Idee von Open Science in meine Community zu tragen bzw. erst einmal zu recherchieren, was der Wissensstand war.

Ein Schritt zurück. Warum nahm ich an einem Kick-Off-Meeting im Wikimedia Deutschland Gebäude in Berlin teil? Meine Bewerbung für das Fellow-Programm entstammte meiner Arbeit am Open Access Journal Apparatus, das von Natascha Drubek 2015 gegründet worden war. Dabei konnte ich aus nächster Nähe erleben, wie komplex ein solcher Gründungsprozess ist und wie viele Partner es dazu braucht. Apparatus widmet sich der Film- und Medienwissenschaft, daher scheint es nicht weit hergeholt, bewegtes Bild in die Artikel einzubauen. Nicht besonders innovativ möchte man meinen, ist das Internet doch voll mit Videos auf den Webseiten. Ein Blick auf die Journal-Landschaft in diesem Bereich zeigt aber rasch, dass geisteswissenschaftliche Artikel immer noch sehr traditionell publiziert werden [1]. Ein typischer Artikel besteht aus Textteilen, zwischen die hin und wieder Bilder zur Illustration eingefügt sind. Umfangreiche Bibliographien und Filmographien sind typischerweise am Ende des Artikels angefügt und Links zu anderen Webseiten sind meist spärlich vorhanden. Sehr oft liegt der Artikel überhaupt nur als pdf zum Download bereit. Sexy ist das nicht gerade. Und auch nicht einfach zu erklären.

Die fehlende Kreativität oder technische Umsetzung derselben liegt nicht nur am fehlenden Willen der Herausgeber und Herausgeberinnen, sondern zu einem großen Teil an mangelhaften Infrastrukturen und nicht zuletzt an den fehlenden oder unklaren Rechten. Viele Open Access Journals verwenden das weit verbreitete Open Journals System (OJS) [2], in dem Videos im Grunde embedded werden können [3]. Dazu kommen Fragen der Archivierung der Inhalte: Wer würde sich um die Langzeitarchivierung kümmern, wenn kein einfaches PDF/A [4] an Bibliotheken abgeliefert werden konnte? Und: ging es in meinem Projekt denn nicht eigentlich um viel mehr als nur ein Video in meinen Test-Artikel einzubauen?

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (7 Bewertungen, Durchschnitt: 3,86 von 5)
Loading...

Der Fossilbericht und Open Science: Modellierung der Gefährdung von Amphibienarten

Logo Fellow-Programm, leomaria designbüro, CC BY-SA 4.0

Das Fellow-Programm Freies Wissen wurde 2016 von Wikimedia Deutschland und dem Stifterverband initiiert, um junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei zu unterstützen, ihre eigene Forschung und Lehre im Sinne von Open Science zu öffnen und damit für alle zugänglich und nachnutzbar zu machen. In diesem Gastbeitrag stellt die Stipendiatin Melanie Tietje ihr Projekt vor, welches sie im Rahmen des Fellow-Programms durchführt. 

Ich bin Biologin am Museum für Naturkunde und beschäftige mich mit dem Aussterberisiko von Amphibien. In meiner Doktorarbeit erforsche ich, welche Faktoren über das Überleben oder Aussterben einer Art entscheiden. Dabei konzentriere ich mich auf Amphibien, da diese aktuell die am stärksten gefährdete Gruppe von Landwirbeltieren bilden [1] und deshalb von großem Interesse für den Naturschutz sind. Ich arbeite hierfür sowohl mit dem Fossilbericht ausgestorbener Arten als auch mit Daten von lebenden Arten. Das Verständnis der zum Aussterben führenden Mechanismen und dafür, welche Faktoren sich als nachteilig für das Überleben einer Art erweisen, sind von enormer Bedeutung für das Fällen von Entscheidungen im Naturschutz, wenn es um die Aufteilung von Ressourcen wie Arbeitszeit und finanziellen Mitteln geht.

In meinem Projekt im Fellow-Programm Freies Wissen erstelle ich ein auf dem Fossilbericht von Amphibien basierendes Modell, welches wichtige artspezifische Merkmale identifiziert, die das Aussterberisiko einer Art beeinflussen. Dieses Modell wird anschließend auf lebende Amphibienarten angewendet und das prognostizierte Aussterberisiko mit der Einschätzung der IUCN Roten Liste verglichen. Um  meine Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, werde ich zwei Aspekte aus dem breiten Spektrum von Open Science in meine Arbeit integrieren: Reproduzierbarkeit und Community Feedback.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (7 Bewertungen, Durchschnitt: 4,29 von 5)
Loading...