Archiv für die ‘Kultur’ Kategorie



Die fruchtbare Dialektik von Coding da Vinci

Warum man sich bei 34°C an einem Sonntag 20 Apps anschaut und das cool findet.

Die Ergebnisse

Am vergangenen Sonntag fand im Jüdischen Museum Berlin die Preisverleihung von Coding da Vinci – Der Kulturhackathon statt. Wesen eines Hackathons ist es, dass Hacker, also Softwareentwickler und Programmierer, in kurzer Zeit – 24, 48 oder 72 Stunden –  neuen Code schreiben. Manche tun es gemeinsam, manche lassen sich nur von der Anwesenheit der Kollegen stimulieren und manche übertreffen die Erwartungen. So ist auch beim Programmierwettbewerb Coding da Vinci, den Wikimedia Deutschland gemeinsam mit seinen Partnern, der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle für Digitalisierung und der Open Knowledge Foundation durchführt. Sicher, da gibt es noch ein paar Details: Der Hackathon geht über Wochen anstelle der üblichen Stunden. Der Rohstoff für die Aktivitäten der Coder sind ausschließlich digitalisierte Kulturgüter aus Deutschlands Museen, Archiven und Bibliotheken. Und schließlich stehen sowohl die Daten als auch die neu programmierten Anwendungen unter freier Lizenz. Wir haben darüber schon mehrfach berichtet.

Jeder würde jetzt erwarten, dass ich mich über messbare Erfolge – SMARTs eben – auslasse. Feiern, dass wir 600.000 Mediafiles zur Verfügung stellen konnten, und mit Wikidata, GND und den Beständen der DDB irgendetwas um die 65 Millionen Metadaten. Jubeln, dass zur Präsentation der 20 Projekte im Wettbewerb schätzungsweise 180 Personen kamen, obwohl man es niemanden verdenken konnte, der bei 34°C lieber irgendwo im Schatten chillte. Aber das kann man alles der Pressemitteilung entnehmen. Dort ist auch zu lesen, welche Projekte die fünf Jurypreise gewannen. Und dass die Botanikerapp Floradex “Everybody’s darling” – aka Publikumspreis – war. Stattdessen möchte ich lieber über ein Wettbewerbsprojekt schreiben, das aus meiner ganz persönlichen Sicht eine besondere Qualität von Coding da Vinci belegt.

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“Partizipation ist schön, macht aber viel Arbeit.” – Das ABC des Freien Wissens “I=Inhalt.”

Die neunte Veranstaltung der Reihe “Das ABC des Freien Wissens” drehte sich um die Frage, ob tatsächlich eine so breite Partizipation an Entstehung und Nutzung freier Inhalte in der Kulturlandschaft besteht, wie oft suggeriert wird. Unter dem Titel “I=Inhalt. Wer partizipiert wirklich an Open Culture?” diskutierte der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner mit Stadtforscherin Dr. Paula Hildebrandt und Prof. Dr. Johannes Vogel, Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums, darüber, was es braucht, um über digitale Zugänge Teilhabe an offener Kultur zu ermöglichen.

 

Zu Beginn der Veranstaltung veranschaulichte Dr. Paula Hildebrandt in einem einführenden Vortrag, wie offene Kultur in der Praxis aussehen kann. Die Künstlerin mit Doktortitel in Europäischer Urbanistik  stellte das gemeinschaftlich organisierte Projekt welcomecitymap vor, das über performative Ansätze klandestines Stadtwissen erlebbar macht, gerade für Menschen, die neu einer Stadt ankommen sind, wie Geflüchtete und Zugezogene.  Sie machte deutlich, dass Partizipation nicht als Worthülse zur Unterfütterung von Drittmittelprojektanträgen und auch nicht zum Wohlfühl-Begriff für Kunstprojekte mit Migrantinnen taugt. Vielmehr habe die Bemühung für mehr Beteiligungsmöglichkeiten  für alle Menschen der Gesellschaft damit zu tun, auch selbst öfter den Standpunkt zu wechseln, sich einzufühlen, immer wieder ein anderer zu werden. Das kann anstrengend sein; so lautete das Fazit: “Partizipation ist schön, macht aber viel Arbeit.”

 

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Hoffnungen statt Befürchtungen – OpenGLAM-Workshop startet

Am 18. Juni fand bei Wikimedia Deutschland ein ganztägiger Workshop für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kultur- und Gedächtnisinstitutionen statt. Dabei wurde vermittelt, wie diese ihr digitalisiertes Kulturgut für eine möglichst offene Weiternutzung zur Verfügung stellen können. Organisiert wurde der Workshop von der OpenGLAM-Gruppe, an der Wikimedia Deutschland beteiligt ist.

Die deutschsprachige Arbeitsgruppe ist Teil eines internationalen Netzwerks von Menschen und Organisationen, die sich gemeinsam für den freien Zugang und die freie Nutzung von digitalisiertem Kulturgut engagieren.

Großes Interesse, viele Anregungen

Die Resonanz war gut, knapp 30 Gäste aus verschiedenen Institutionen, teils in leitenden Funktionen, kamen in die Räume von Wikimedia Deutschland, um eine Reise in die Welt der offenen Daten anzutreten, mit erfahrenen Urheberrechtsjuristinnen und -juristen ins Gespräch zu kommen und sich mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Häusern auszutauschen.

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Das ABC des Freien Wissens „I=Inhalt. Wer partizipiert wirklich an Open Culture?“

ABC-Logo. Markus Büsges, leomaria [CC BY-SA 3.0]

Am Donnerstag, den 25. Juni, 19 Uhr, findet das nächste “ABC des Freien Wissens” statt. Diesmal fragen wir, wer jenseits aller politischen und institutionellen Lippenbekenntnisse zu Open Culture wirklich teil an Entstehung und Inhalt freier Kultur hat.

Viele Köche verderben den Brei. – Eine Weisheit aus längst vergangener Zeit, wie es scheint. Ob im schulischen, akademischen oder beruflichen Kontext – Partizipation ist das Diktum der Stunde. Gerade für das Ziel, allen Menschen das Wissen der Welt zugänglich zu machen, gehören partizipative Strategien zum Kernkonzept. Doch führen all die Bemühungen, diese Vision für den Bereich Open Culture zu realisieren, wirklich zu der breiten Teilhabe an Kultur, die so oft beschworen wird?

Was können Kulturinstitutionen konkret tun, um nach der Digitalisierung ihres Kulturguts im nächsten Schritt den wirklichen Zugang dazu zu gewährleisten? Welche politischen Weichenstellungen müssen nach der Digitalisierung im Kulturbereich erfolgen, um das Mantra der Teilhabe in die gelebte Alltagsrealität zu übersetzen? Wir freuen uns auf eine spannende Diskussion!

Wir laden herzlich ein zum ABC des Freien Wissens:


Content is king. Aber auch für alle zugänglich? Foto: Chris Dlugosz, https://flic.kr/p/5raMFX, CC-BY-SA 2.0

„I=Inhalt. Wer partizipiert wirklich an Open Culture?“

Donnerstag, 25. Juni, 19 Uhr
Wikimedia Deutschland e.V.
Tempelhofer Ufer 23-24

Gäste:
Tim Renner, Kulturstaatssekretär von Berlin
Dr. Paula Marie Hildebrandt, Künstlerin und Stadtforscherin
Prof. Johannes Vogel, Direktor Museum für Naturkunde Berlin

Moderation: Barbara Fischer, Wikimedia Deutschland

Rauminszenierung: Performing Citizenship / Welcomecity

  • Der Eintritt ist frei. Um unsere Veranstaltungen noch besser zu machen, freuen wir uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de
  • Der Salon ist am Veranstaltungstag auf der Website als Livestream abzurufen.
  • Unter #wmdesalon kann mitdiskutiert werden.
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Eine Reise zum Mond

Museen entdecken ihre Besucher

Der Raum hatte keine Fenster. Zwischen der schräg abfallenden dunklen Funktionsdecke und dem schwarz gebeizten Fußboden standen ca. 200 schwarze Jacobsen Stühle mit roten Raketeemblemkissen (siehe Konferenzlogo) darauf, alles andere weiße Wände. Im Raum waren gut 150 Frauen und circa 50 Männer aus ganz Europa und darüber hinaus. Sie interessierten sich alle scheinbar nur für Eines: Wer besucht wann, warum, für wie lange und mit wem ein Museum?

Das Raketenemblemlogo der Konferenz

Ich war eingeladen auf der internationalen Museumskonferenz „We are Museums 2015“ vom 31. Mai bis 2. Juni 2015 in Berlin zusammen mit Dr. Ellen Euler (DDB) einen Workshop zu Freien Lizenzen zu geben. So hatte ich Gelegenheit zu hören und zu sehen, was die Museumswelt aktuell beschäftigt.

 Der vermessene Museumsbesucher

Die Reise zum Mond, public domain, via Wikimedia Commons

Shooting Star war Robert Stein aus Dallas. The charming Texas boy enttäuschte jedoch unsere stereotypen Erwartungen, denn er kam ohne den unvermeidlichen Stetson Hut. Er sprach von den Anstrengungen des Dallas Art Museum Big Data über ihre Besucher zu generieren. Dank der Übertragung des alten Pfadfinderprinzips, belohne gutes Benehmen mit einem „badge“, hier Prämienpunkten, gelingt es seinem Team, Museumsbesucher zu bereitwilligen Datenlieferanten zu machen. Auf der Jagd nach Prämien kommunizieren die Besucher über SMS die Codes zu den Artefakten und offenbaren, was sie sich anschauen, wie oft sie wieder kommen und ob sie im Laufe der Zeit ihre Besuchergewohnheiten ändern. Ziel war es, durch den geschickten Einsatz von Anreizen, die Publikumszahlen des Museums zu steigern und die Besucher zu „repeater“, aka Wiederholungstätern, zu machen. Nach zwei Jahren Laufzeit des Programms DAM Friends hatten sie über 1 Millionen Rohdaten und die Besucherzahlen waren beachtlich gestiegen. Schon träumt Stein von einem weltweiten Museumsnetzwerk, in dem auf ähnliche Weise Daten über Museumsbesucher zusammentragen werden und so endlich helfen, das Geheimnis zu lüften: Warum gehen Menschen in Museen? Denn die Software, mit der die Daten ausgewertet werden, steht unter einer offenen Lizenz anderen Museen zur Nachnutzung zur Verfügung. Ein sehr aufschlussreicher Vortrag. Besonders wenn man ihn vor dem Hintergrund des Gesamtprogramms der Konferenz betrachtet. Egal, ob Conxa Rodà vom Catalanischen Kunstmuseum oder die beiden New Yorker Sree Sreenivasan vom Metropolitan Museum of Art und Micah Walter vom Cooper Hewitt Design Museum oder Elise Albenque vom Schloss Versailles, sie alle suchen den Nahblick auf den Besucher. Sie wollen mehr über ihn wissen. Sie wollen erfahren, was ihn bewegt, um ihn zum Freund gewinnen. Freundschaft wird zur Kundenbindung und das Museum zum Supermarkt? Die Konferenzteilnehmer lauschten so intensiv, dass sie darüber selbst fast das Twittern vergaßen.

We chat on WeChat

Die Marketing-Abteilung des Schloss Versailles hatte entdeckt, dass der Besucheranteil chinesischer Individualtouristen in den letzten Jahren so zugenommen hatte, dass diese den US-Amerikanern den Rang abliefen. Doch die üblichen Social Media Kanäle zum Aufbau und Pflege von Kundenbeziehungen prallen an der Mauer der chinesischen Zensur ab. Albenque begab sich daher auf Forschungsreise in die Spiegelwelt des chinesisches Internets. Wo man nicht googelt, sondern auf Baidu sucht und der chinesische Twitter-Service Weibo in seiner Popularität vom Hybridservice WeChat abgelöst wird. Knapp eine halbe Milliarde WeChat-Nutzer in China und 70 Mio außerhalb in vier Jahren. Zur Vermeidung von Transkriptionsfehlern zwischen lateinischen Buchstaben und chinesischen Zeichen werden bei Namen tatsächlich QR Codes als Identifikatoren eingesetzt. Das Schloss Versailles ist vermutlich das erste europäische Museum mit einem offiziellen WeChat-Account und musste lernen, dass in China der „Palace of Versailles“ nicht einzigartig ist. Es gab bereits etliche ähnlich klingende WeChat-Konten. Markenrecht wirkt hier nicht.

 Der Pen

Einen anderen Weg ihren Besuchern tief in die Augen zu schauen, geht das Design Museum Cooper Hewitt. Sie kreierten einen übergroßen Stift: The Pen. Hätte ich geahnt, dass es noch kein Bild des Stiftes auf Wikimedia Commons gibt, hätte ich gewagt, ihn mit meinem dürftigen Handy zu fotografieren. Aber das Internet war überlastet, die Beleuchtung schlecht und der Stift wanderte weiter durch die Reihen. Diese Aufgabe ist noch offen! Sie lohnt es. Der Pen wird Museumsgeschichte schreiben. Mit ihm kann der Besucher seine Lieblingsstücke aus dem Museum quasi mit nach Hause nehmen. Nicht ein Handy-Schnappschuss durch Vitrinenglas, sondern eine professionelle Aufnahme mit Metadaten und Beschreibung. Denn mit dem Stift sammelt der Besucher versteckt hinter den Labels der Exponate Codes und kann sie anschließend nach einer Anmeldeprozedur per E-Mail auf seinen eigenen Computer geschickt bekommen. Im Austausch erfährt das Museum, was ihren Besuchern gefällt, wie lange sie im Haus verweilen und wie oft sie wieder kommen. Hier werden also Daten gegen Daten getauscht. Doch während das Museum die Besucherdaten weiter nutzen kann, kann der Besucher die Museumsdaten nur privat betrachten. Denn leider musste Walter einräumen, dass die Lizenzlage bei den meisten Objekten des Museums eine freie Nachnutzung der Digitalisate durch die Besucher verhindere. „We work on it!“, tröstete er. Sreenivasan vom Metropolitan hingegen versprach, dass sie noch bis zum Jahresende all ihr digitales Bildmaterial unter eine Freie Lizenz stellen werden. Das behalten wir im Auge.

 Mit J.F. Kennedy gesprochen

Bild von NASA/Bill Inglais, Public Domain via Wikimedia Commons

Die Reden zusammengefasst und hinzugenommen die Kommentare der Teilnehmer in den Q&A Runden und auf den Fluren verfestigten bei mir den Eindruck: Die Museen sind so damit beschäftigt, ihre Besucher überhaupt erst kennen zu lernen, dass sie über die Frage, ob sich durch die Digitalisierung und die Verbreitung der digitalisierten Inhalte die Rolle der Museen auch in Bezug auf ihre Beziehung zu ihren Besuchern verändern wird, noch kaum Gedanken machen. Außer Robert Stein! In Kennedy-Manier forderte er die Museen auf, sich aktiv in den gesellschaftlichen Diskurs einzumischen und Empathie als zentrale soziale Fähigkeit als Museumsaufgabe zu fördern. Begeisterter Applaus für seine Moonshot-Rede war die Reaktion des Publikums. Und wer sich mal anschauen möchte, was die Übersetzung der Stein-Rede in Ausstellungskonzeption bedeutet, dem empfehle ich die ebenso verstörende wie bewegende Greenaway-Ausstellung „Gehorsam“ aktuell im Berliner Jüdischen Museum.

Die Lizenz-Workshop Präsentation gibt es auf Commons.

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Einladung zum OpenGLAM-Workshop für Kulturinstitutionen am 18. Juni 2015

Am 18. Juni wird bei Wikimedia Deutschland ein ganztägiger Workshop angeboten, der sich gezielt an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kultur- und Gedächtnisinstitutionen richtet. Ziel ist, zu vermitteln, wie diese ihr digitalisiertes Kulturgut für eine möglichst offene Weiternutzung zur Verfügung stellen können. Organisiert wird der Workshop von der OpenGLAM-Gruppe, an der Wikimedia Deutschland beteiligt ist. Die deutschsprachige Arbeitsgruppe hat sich letzten Sommer gegründet (siehe Bericht) und ist Teil eines internationalen Netzwerks von Menschen und Organisationen, die sich gemeinsam für den freien Zugang und die freie Nutzung von digitalen Kulturgütern engagieren.


 

OpenGLAM-Workshop für Kulturinstitutionen

Wie wird digitalisiertes Kulturgut nachnutzbar? Workshop bei Coding da Vinci. Foto: Heiko Marquardt, [CC-BY 3.0]

18. Juni 2014
10:00 – 16:00 Uhr
Wikimedia Deutschland e. V.
Tempelhofer Ufer 23-24, 10963 Berlin

 

In 4 Fachstationen werden konkrete Anwendungsfälle und praktische Hilfestellung geboten:
1. Lizenzmodelle
2. Technische Aspekte von Offenen Daten
3. Argumentationshilfen für das eigene Haus
4. Nachhaltigkeit offener Daten

Hier geht es zum Programm des Workshops
Lust, teilzunehmen? Anmeldung zum Workshop


Projekte wie Coding da Vinci zeigen, warum es sich für Kulturinstitutionen lohnt, ihre Kulturdaten dem Ideenreichtum der vernetzten Welt freizugeben und damit das Potenzial ihrer Schätze im digitalen Raum auszuschöpfen. Nach der technischen Digitalisierung stellt sich jedoch in vielen Häusern die Frage, wie sie die neu gewonnen Kulturdaten für eine möglichst offene Weiternutzung zu Verfügung stellen können.

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„Das Problem ist, dass wir legal arbeiten wollen.“ Das ABC des Freien Wissens „H=Harmonisierung.“

Bei der Podiumsdiskussion „H=Harmonisierung. Welche Urheberrechtsreform bekommen wir aus Brüssel?“ der Reihe Das ABC des Freien Wissens wurde über den aktuellen Verhandlungsprozess für ein neues Urheberrecht auf europäischer Ebene diskutiert.

Immer neue Paare bildeten sich als Projektionen an einer Wand des Veranstaltungsraumes bei Wikimedia Deutschland, der passenderweise „Mosaik“ heißt. Meist nachdenklich erwiderten die jungen Europäerinnen und Europäer den Blick der Betrachter. Die Fotografien des Projektes „I´m not afraid of anything“ von Edgar Zippel zeigen die Pläne, Wünsche und Ängste junger europäischer Menschen, ausgedrückt in Blicken und Antworten auf die Fragen: – Was willst Du machen? – Worauf freust Du Dich? – Wovor hast Du Angst? „Die EU-Urheberrechtsreform“ wäre vielleicht eine passende Antwort auf alle drei Fragen gewesen, denn damit beschäftigten sich die Gäste Julia Reda, Joe McNamee, Elisabeth Kotthaus und Dimitar Dimitrov auf dem Podium.

Gemeinsam an einem Reform-Strang! Oder?

Im Zentrum der Diskussion stand neben dem Ausgang des nun anlaufenden Drafting-Prozesses zur Urheberrechtsreform die Frage, wie der Aushandlungsprozess zwischen den politischen Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und Zivilgesellschaft in der „Brussels Bubble“ eigentlich funktioniert. Die Entscheidungen werden in Brüssel getroffen, diese Erkenntnis hat sich inzwischen gerade bei zivilgesellschaftlichen Organisationen für verschiedenste Themenbereiche durchgesetzt und führt nach und nach zu entsprechendem Handeln vor Ort. Einige Initiativen haben sich in den letzten Jahren in Brüssel in Stellung gebracht, um ihre Interessen gegenüber der Europäischen Kommission zu vertreten und politischen Entscheidern Wege zu einem zeitgemäßen Urheberrecht aufzuzeigen. Doch wie gut funktioniert diese Arbeit in der Praxis?

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Lotto und Revolution – Ein Gastbeitrag von Ilja Braun

Ilja Braun. Foto: Lilli Iliev (WMDE) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Die letzte Veranstaltung der Reihe Das ABC des Freien Wissens verknüpfte die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen mit der über das Urheberrecht im digitalen Zeitalter (siehe Bericht).
Zu Gast war u.a. Ilja Braun, Autor des Buches „Grundeinkommen statt Urheberrecht?“
In diesem Textbeitrag zur Veranstaltung befasst er sich kritisch mit dem im Salon thematisierten Konzept, Grundeinkommen per Crowdfunding zu generieren.

Ein Gastbeitrag von Ilja Braun

Mit seinem Crowdfunding-Projekt mein-grundeinkommen.de hat Michael Bohmeyer einen Coup gelandet. Selten hat das Thema Grundeinkommen in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Bohmeyer sammelt per Crowdfunding Geld ein, und immer wenn 12.000 Euro zusammengekommen sind, wird ein Grundeinkommen von 1.000 Euro monatlich für ein Jahr verlost.

Eine Art Grundeinkommens-Lotterie also. Bis April 2015 hat der Initiator auf diese Weise bereits elf Grundeinkommen finanziert. Mitmachen kann jeder, der in knappen Worten darlegt, was er im Falle eines Gewinns mit dem Geld machen möchte. „Vielleicht bekommen wir so ein Gefühl dafür, wie eine Grundeinkommens-Gesellschaft aussehen könnte“, sagt Bohmeyer in seinem Begrüßungsvideo. Und: „Ich glaube, dass ein Grundeinkommen […] in allen Menschen enorme Kreativität erwecken kann und dass die Gesellschaft damit auf allen Ebenen einen großen Schritt vorankommen kann. Aber wissen kann ich es natürlich nicht. Deswegen schaffen wir jetzt Tatsachen und probieren es einfach mal aus.“

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Das ABC des Freien Wissens “H=Harmonisierung. Welche Urheberrechtsreform bekommen wir aus Brüssel?”

ABC-Logo. Markus Büsges, leomaria [CC BY-SA 3.0]

Am Freitag, den 8. Mai, 19 Uhr, findet das nächste “ABC des Freien Wissens” statt. Diesmal geht es, passend zum re:publica-Thema „Finding Europe“, um den aktuellen Verhandlungsprozess für ein neues Urheberrecht auf europäischer Ebene.

Immer mehr NGOs und Initiativen wie EDRi, die Free Knowledge Advocacy Group EU oder access versuchen, den politischen Akteuren in Brüssel Wege zu einem zeitgemäßen Urheberrecht aufzuzeigen. Ziel ist eine politische Regulierung, die echte Verbesserungen u.a. für Kultur- und Bildungsprojekte bringt.

Wie stehen aktuell die politischen Chancen, beim Urheberrecht eine echte Wende einzuleiten? Und was weiß Brüssel über die Herausforderungen von Open-Content-Plattformen wie Wikipedia?

Wir laden herzlich ein zum ABC des Freien Wissens:


H=Harmonisierung, Markus Büsges, leomaria [CC-BY-SA-4.0]

 „H=Harmonisierung. Welche Urheberrechtsreform bekommen wir aus Brüssel?“

Freitag, 08. Mai, 19 Uhr
Wikimedia Deutschland e.V.
Tempelhofer Ufer 23-24

Gäste:
Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft (angefragt)
Julia Reda, Europaabgeordnete der Piratenpartei
Dimitar Parvanov Dimitrov, Wikimedian in Brussels, Free Knowledge Advocacy Group EU
Joe McNamee, Geschäftsführer European Digital Rights

Moderation: Matthias Spielkamp, Journalist, iRights.info

Kunst: I’m not afraid of anything! Porträts junger Europäer – Fotografien von Edgar Zippel, siehe auch Flyer zur Ausstellungseröffnung

  • Der Eintritt ist frei. Um unsere Veranstaltungen noch besser zu machen, freuen wir uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de
  • Der Salon ist am Veranstaltungstag auf der Website als Livestream abzurufen.
  • Unter #wmdesalon kann mitdiskutiert werden.
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“Beschränkt euch nicht, denkt nach vorne!” – Coding da Vinci 2015 startet fulminant

Großer Andrang beim Kick-off zu Coding da Vinci 2015. Foto: Heiko Marquardt [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Der Veranstaltungssaal bei Wikimedia Deutschland am Tempelhofer Ufer platzte mit knapp 200 Gästen buchstäblich aus allen Nähten. Die Begrüßung wurde in einen weiteren Raum übertragen, durch die Seitentüren reckten sich Köpfe, um das Grußwort von Kulturstaatssekretär Tim Renner zu hören und vielleicht sogar einen Blick zu erhaschen.

Die zweite Runde des Kultur-Hackathons Coding da Vinci, der 2014 von Wikimedia Deutschland, der Deutschen Digitalen Bibliothek, der Servicestelle Digitalisierung und der Open Knowledge Foundation Deutschland ins Leben gerufen wurde, lockte am vergangenen Wochenende nicht nur Programmiererinnen und Programmierer zu Wikimedia, die Ideen für offene Kulturdaten entwickeln möchten, sondern auch mehr als doppelt so viele Kulturinstitutionen, die ihre Datensätze unter freier Lizenz zur Verfügung stellen, als im letzten Jahr.

 

„Digital ist besser“ – Auch für Kulturinstitutionen

Kulturstaatssekretär Tim Renner eröffnet Coding da Vinci. Foto: Heiko Marquardt [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Tim Renner (u.a. Autor „Digital ist besser“) eröffnete den Kick-off mit Verweis auf die hitzige Debatte um die kommende Intendanz des Tate Gallery-Direktors Chris Dercon an der Berliner Volksbühne. Die Befürchtungen, dass eine Frischzellenkur (Renner kündigte eine digitale Bühne für Berlin an) die Theaterbastion zur Eventbude verflachen lassen könnte, verglich er implizit mit den Vorbehalten gegen die digitale Erschließung des Kulturguts, das in unzähligen Archiven und Depots vor sich hinschlummert.
Genauso, wie es Zeit für die Erneuerung des Theaters sei, brauche die gesamte Kulturlandschaft mehr Bewusstsein für die vernetzte Gesellschaft, in die sie zunehmend eingebettet ist. Die Potenziale des Digitalen müssten mitgedacht und mitgemacht werden, im Theater, in den Museen, Archiven und Bibliotheken. Wie gut, dass Coding da Vinci genau das befördern möchte.

 

 

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