Archiv für die ‘Kultur’ Kategorie



Divide et Impera neu interpretieren

Die Podiumsdiskussion zum Thema Nachhaltigkeit in der Partizipation auf Berliner Konferenz “Zugang gestalten” interpretiert Machiavellis Spruch neu in „Teile und Herrsche“ gemeinsam.

Unter dem Aufschlag “Teile und Herrsche” lädt Wikimedia Deutschland seine Gäste und das Publikum ein, das Spannungsverhältnis zwischen Teilhabe und Kontrolle für Freiwillige in der digitalen Kulturarbeit und den Institutionen zu debattieren. zugang-gestalten-logo-600x400

Nach fünf Jahren kann man schon von einer Traditionskultur sprechen, mit der Paul Klimpel als spritus rector alljährlich Akteure aus Kultur- und Gedächtnisinstitutionen* im November nach Berlin ruft. Sie tauschen sich über Fragen zum Umgang mit den Herausforderungen der digitalen Welt aus. Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe, 17. und 18. November 2016, ist die GLAM-Konferenz in Deutschland und Forum für aktuelle Debatten.

Nachhaltigkeit ist das Motto für 2016

Zugang gestalten – aber Wie lange? Angesichts der rasanten technologischen Entwicklung der elektronischen Medien, der Projektorientierung von Kulturförderung und der Flüchtigkeit digitaler Kommunikation gewinnen Fragen nach der Nachhaltigkeit an Bedeutung. Welche Strategien zur Stärkung der Beständigkeit gibt es? Unter der Überschrift Divide et Impera stehen die Freiwilligen im Zentrum der Debatte. Viele Projekte gerade im Netz leben vom Engagement der Digital Volunteers. Während traditionelle Vereine und politische Parteien sich um die sinkende Bereitschaft ihrer Mitglieder, in den Gremien und vor Ort verbindlich mitzuarbeiten, sorgen, bauen digitale Communities auf ein sich beschleunigendes Wachstum. Auf der Konferenz „Zugang gestalten“ debattieren wir unter dem Hashtag #ke16 gemeinsam über den Umgang mit Community und das Verhältnis von Institution und Community im digitalen Raum.

Divide et Impera riet Machiavelli seinem Fürsten 1532. Skulptur von Lorenzo Bartolini heute in den Uffizien in Florenz , Bild von Frieda at it.wikipedia CC-BY-SA-3.0 , via Wikimedia Commons

Teile und Herrsche

Divide et impera – riet einst Machiavelli seinem Fürsten. Damals wie heute ging es um den verbesserten Zugang zu Ressourcen, um die angestrebten Ziele erreichen zu können. Sollte damals der Fürst durch das vermeintliche Teilen seiner Macht mit anderen sich nur um so besser deren Ressourcen für seine Zwecke vereinnahmen können mit dem alleinigen Ziel, seine eigene Macht zu stärken, geht es heute beim Teilen eben um das tatsächliche Teilen von Herrschaft. Das ist zumindest das Versprechen der „Sharing“-Bewegung auf die viele Netzprojekte setzen. Keiner kann allein eine Enzyklopädie verfassen, ohne die Mitwirkung von Freiwilligen ist die Vielfalt des jüdischen Lebens in Deutschland nicht greifbar und ohne die Teilhabe von „Aficionados“ müssen Archivalien fürchten vergessen zu werden. Die digitalen Medien und Technologien ermöglichen einfacher Teilhabe und Teilnahme. Über Grenzen, Öffnungszeiten und Diplome hinweg finden sich in unzähligen Projekten Menschen freiwillig zusammen und setzen ihre Zeit, ihr Wissen und ihre Fertigkeiten für ein gemeinsames Vorhaben ein. Ist es das Teilen von Herrschaft, das die Nachhaltigkeit des Teilens bedingt?

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Wo geht die Reise hin beim Zugang zum kulturellen Erbe?

zugang-gestalten-logo-600x400… bzw. wo soll sie hingehen? Dieser umstrittenen Frage wird sich eines der von Wikimedia Deutschland ausgerichteten Panel bei der diesjährigen Konferenz „Zugang gestalten!“ in Berlin stellen. Letztlich geht es dabei um die Verantwortung für das kulturelle Erbe. Dass sie eine gesellschaftliche ist, darüber sind sich alle wohl einig. Das sagt aber noch nichts genaues darüber, wer sie dann genau wann tragen soll und wie.

Das Panel “Nachhaltigkeit und Zugang” am 18.11. ab 10:40 Uhr ist ideal besetzt, um zu diskutieren, welche Rollen Institutionen und Bürger heute haben und in Zukunft haben sollten, wenn es um einen nachhaltig gesicherten Zugang zum kulturellen Erbe geht.

Der rechtliche Hintergrund interessiert uns dabei weniger als die politische Dimension. Denn es geht im Kern um Politik, wenn entschieden wird, wer genau wie die Aufgabe hat, auch den virtuellen den Zugang zu den Objekten des kulturellen Erbes sicherzustellen und zu regeln. Gedächtnisinstitutionen wie Museen, Archive und Bibliotheken bewegen sich inzwischen in einem Spannungsfeld zwischen spürbarem Veränderungsdruck auf ihr Selbstverständnis auf der einen und ihrem öffentlichen Auftrag auf der anderen Seite. Dadurch entsteht eine Notwendigkeit zu strategischen Weichenstellungen, wie sie noch vor wenigen Jahren kaum denkbar zu sein schien.

Es diskutieren:

Dr. Helge David – Kunsthistoriker und Initiator und Gründer von Openmuseum.de

Prof. Dr. Alfried Wieczorek – Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim

Prof. Dr. Hubertus Kohle – Kunsthistoriker, Ludwig-Maximilians-Universität München

Tim Moritz Hector – Vorsitzender des Präsidiums von Wikimedia Deutschland

Als Moderator konnte Reinhard Altenhöner gewonnen werden, seineszeichens ständiger Vertreter der Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin, und damit auch an zentraler Stelle innerhalb der Stiftung Preußischer Kulturbesitz tätig.

Der Eintritt zur Konferenz ist frei, aber es ergibt Sinn, sich vorab zu registrieren.

 

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GLAM on Tour im Antikenmuseum der Universität Heidelberg

Dr. Hermann Pflug öffnet die Glasvitrine für die Wikimedia Commons, Foto: Scherben.Bringen.Glück, Fotographische Dokumentation 7, CC BY-SA 4.0

Was sagen zwei Pferde und ein Dreifuß auf einer Tonvase über die Person aus, in dessen Grab sie gefunden wurde? Warum sind am äußerten Rand eines Weinkelchs andere Bildgeschichten erzählt als im Innern? Und was verraten uns die kleinen Löcher in der Vase über die Maltechnik?* Die Antworten darauf bekamen am 4. und 5. Oktober 2016 zehn Wikipedianer und fünfzehn Uniangehörige bei der GLAM on Tour Station im Antikenmuseum der Universität Heidelberg.

Entdeckung der Antike

Das Herzstück der GLAM on Tour Station bildete die Führung des Archäologen Prof. Nikolaus Dietrich und des Sammlungskurators Dr. Hermann Pflug, die anhand von antiken Vasen und Tonscherben Forschungsergebnisse zur Lebenswelt in der Antike teilten. Schnell merkten die Wissenschaftler, dass sie es mit Profis zu tun hatten, die Fachwissen und großes Interesse haben. So durften die Wikipedianer in der letzten Stunde die ehrwürdige Glasvitrine zusammen mit dem Kurator öffnen. Dieser Moment, als die böotische Pyxis von Nahmen inspiziert und für die Wikimedia Commons fotografiert wurde, war sicherlich für die meisten Teilnehmende das Highlight der Station.

Dr. Nikolaus Dietrich führt die Wikipedianer durch das Antikenmuseum der Uni Heidelberg, Foto: Scherben.Bringen.Glück, GLAM Antikenmusem 2, CC BY-SA 4.0

Neben der Museumserkundung standen Vorträge auf dem Programm, die den Teilnehmenden und etwa 40 Interessierten weitere spannende Hintergrundinformationen zur Archäologie in Heidelberg lieferten. So führte Nicolas Zenzen in seinem Vortrag durch die 150-jährige Geschichte des Instituts für Klassische Archäologie der Uni Heidelberg und inspirierte die Wikipedianer zu Artikelerweiterungen. Von den frühen Anfängen der Archäologie als beschreibende Bildwissenschaft des Altertums, zeigte Dr. Hubert Mara vom Interdisziplinären Zentrum für wissenschaftliches Rechnen in Heidelberg in einem zweiten Vortrag, wie die Computertechnik heute Steinskulpturen, Vasen oder andere Oberflächen „liest“. Mit 3D-Technik werden antike Fundstücke an der Uni Heidelberg gescannt und analysiert. Dies erleichtert zum Beispiel die Rekonstruktion der antiken Objekte für Restauratoren. Da die 3D-Scans unter freien Lizenzen stehen, können sie auch von jedem für viele andere Zwecke weitergenutzt werden.

Auf ins Wikiversum

Mit diesem Gedanken des freien Wissens führten Marcus Cyron und ich abschließend Uniangehörige und interessierte Heidelbergerinnen und Heidelberger in das Wikiversum ein. Dank des umfangreichen Programms ist dieses nun um hunderte Bilder und einige Artikel bereichert, für die Uni Heidelberg etwas weiter geöffnet und sogar um einige Neuautorinnen und -autoren gewachsen! Damit lieferte die Station nicht nur neue und freie Inhalte für das Wikiversum, sondern schaffte auch Verbindungen und Kontakte zwischen Wikipedianern, Neuinteressierten und den Forschenden – sowie vor allem viel Material und Motivation, das eigene Wissen zu teilen und frei in den Wikimedia-Projekten zugänglich zu machen.

Der Handapparat dient als Quelle für neue Wikipedia-Artikel, Foto: Scherben.Bringen.Glück, Schreibwerkstatt4, CC BY-SA 4.0

Entstanden ist die Idee zur GLAM on Tour Station auf der WikiCon 2015, wo sich Marcus Cyron, ehemaliger Wikipedian in Residence im Deutschen Archäologischen Institut, und Christian Vater vom Sonderforschungsforschungsbereich 933 (SFB) „Materiale Textkulturen“ der Uni Heidelberg trafen. Eines der Ziele von Christians Teilprojekt ist es, die Mitglieder des SFB 933 darin zu unterstützen, Forschungsergebnisse und Forschungsmaterialien in die Wikipedia einzubringen, in die Wikimedia Commons einzustellen und die Möglichkeiten von Wikidata zu nutzen. Unterstützt wird der SFB dabei von Heiko Fischer, Geschichtsstudent in Heidelberg, und erfahrener Wikipedianer.

Weitere Informationen:
Projektseite
Bisherige Projektergebnisse

* Der auf der Grabbeilage abgebildete Dreifuß in Zusammenhang mit Pferden lässt auf eine Trophäe schließen. Dieses Bild spielt auf ein Ideal der reichen Oberschicht an, die reich genug waren Pferde zu halten und Sport zu betreiben.
* Die Bilder am äußeren Rand eines Trinkgefäßes richten sich an die Teilnehmenden eines Symposiums, die Bilder am Grund des Gefäßes an die trinkende Person.
* Die Löcher auf der Vase deuten darauf hin, dass zum Malen der Kreise Zirkel verwendet wurden.

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Und plötzlich wird Arbeit zu einem Erntedankfest

Ein GLAMouröses Wochenende zwischen Berlin, Stuttgart und Hamburg

Das Wochenende fing am Freitagmorgen an. Es galt möglichst rasch von Berlin nach Stuttgart – nein, präziser – nach Kornwestheim zu kommen, denn dort lud die Freiwilligengemeinschaft der in den Wikimedia-Projekten Aktiven zur WikiCon ein. Die WikiCon ist das große alljährliche Treffen zum Austausch und Netzwerken von Freiwilligen für Freiwillige aus den deutschsprachigen Wikimedia-Gebieten in der Schweiz, Österreich und Deutschland. In diesem Jahr gab es neben dem immer gut gefüllten Programm mit Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden im Forum so viele Informationsstände wie nie zuvor.

Eine Ausstellung mit digitalen Inhalten im Süden

Auf Anregung der Gemeinschaft der Freiwilligen entstand die Idee eine GLAM-Ausstellung zu machen. GLAM steht international für Zusammenarbeit zwischen Kunstsammlungen (Galleries), Bibliotheken (Libraries), Archiven sowie Museen und digitalen Anwendern, wie Wikipedia und ihre Schwestern. Wie aber stellt man in einer analogen Ausstellung Aktivitäten dar, die im digitalen Raum stattfinden? Vor dieser Frage standen Sina Wohlgemuth und ich im Sommer, als es galt, mit möglichst einfachen Mitteln die Ausstellung zu konzipieren. Wir legten eine Projektseite an, um Tipps und Ideen von den Freiwilligen zu bekommen und erfuhren nach und nach wie die Möglichkeiten vor Ort sein würden. Unser Ergebnis konnte sich sehen lassen.

Die GLAM Ausstellung auf der WikiCon, eigenes Foto CC0

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Und über den Tag hinaus

GLAM on Tour – Die Beteiligten ziehen Bilanz

Ein Beitrag von Sina Wohlgemuth, Mitarbeiterin im Kulturbereich von Wikimedia Deutschland

Mit einem archäologischen Forschungsteam die Wege am Harzhorn abschreiten, auf denen sich einst Römer und Germanen erbitterte Kämpfe lieferten, sich das Synchrotron im Deutschen Museum in Bonn von seinem Miterfinder persönlich erklären lassen oder bei einer Fotoexkursion im historischen Fliesensaal des Schloss Caputh 7500 einzelne Motivfliesen erfassen – bei GLAM on Tour bekommen Wikipedianerinnen und Wikipedianer exklusive Einblicke und Hintergründe von Fachleuten der Kultureinrichtungen. Dabei steht das englische Akronym für Galleries, Libraries, Archives Museums und bezeichnet Aktivitäten an der Schnittfläche der Kultureinrichtungen zur digitalen Welt.  Seit 2013 machte GLAM on Tour schon in zehn Städten Station. In manchen sogar zweimal. Insgesamt stehen zwölf Museen oder auch Bibliotheken und Kunstsammlungen mit der Wikimedia-Bewegung in Zusammenarbeit. Geschätzt dürften weit über 200 Freiwillige an den verschiedenen Stationen mitgearbeitet haben. Es entstehen neue Artikel für die Wikipedia, spannende Fotos bei Commons, und natürlich neue Kontakte – so soll ein Grundstein gelegt werden für stabile Beziehungen zwischen einer GLAM-Einrichtung und den Freiwilligen vor Ort.

Um diesen letzten Punkt der Kooperation zwischen der Wikimedia-Bewegung und den Kulturinstitutionen auszuleuchten, haben wir im Rahmen der Partizipationsphase zur Jahresplanung 2017 eine Umfrage gestartet. Ziel war es, zu erfahren, wie der Kontakt zwischen Wikipedianerinnen und Wikipedianern, den ehrenamtlichen Koordinierenden und den einladenden Kulturinstitutionen auch nach einer GLAM on Tour Veranstaltung ist und was sich die Beteiligten für eine Intensivierung der Zusammenarbeit wünschen. Die Umfrage ist dabei nicht als Evaluation des Formats zu verstehen, sondern als ein erstes Meinungsbild zur gemeinsamen Weiterentwicklung des Formats GLAM on Tour.

Freiwillige des Wikiversums besuchen die Depots des Landesmuseum Braunschweig 2013 im Rahmen einer GLAM on Tour Station. Foto von Medvedev (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Ergiebiger Kontakt zwischen Kulturinstitution und Wikimedia-Aktiven

Die Umfrage konnte je pro Veranstaltung ausgefüllt werden, um differenziert anzugeben, wie der Kontakt bzw. die Zusammenarbeit nach der jeweiligen Station war. Insgesamt wurde die Umfrage 44 Mal ausgefüllt, davon sind 72,7% der Antworten aus der Perspektive von Teilnehmenden (32 Fragebögen), 15,9% aus der von ehrenamtlichen Koordinierenden (7 Fragebögen) und 11,4% von einladenden Kulturinstitutionen (5 Fragebögen). In über der Hälfte aller Antworten (52,3% ) geben die Beteiligten an, dass ein Austausch über die Veranstaltung hinaus fortgeführt wurde. So hatten alle Vertreter der Kulturinstitutionen noch Kontakt zu den Ehrenamtlichen und 85,7% der Koordinierenden haben sich noch mit den Kulturinstitutionen ausgetauscht. Zwischen Teilnehmenden und Kulturinstitutionen kam es in 37,5% der Fälle zu einem Austausch. Dies verdeutlicht, welch verbindende Rolle die ehrenamtlich Koordinierenden über die eigentliche Veranstaltung hinaus ausfüllen können. Knapp die Hälfte der Fälle wird die Möglichkeit, bei Bedarf die Zusammenarbeit zu intensivieren, als sehr gut eingeschätzt (45,5%), in gut einem Drittel (36,4%) als “gut”.

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Perspektivwechsel

 

Erkenntnisse aus dem internationalen Treffen der GLAM-Koordinatoren auf der Wikimania 2016

Rechts spielende Bambini, links lebhafte Fußballfans beim Achtelfinale der EM und dazwischen fast 20 hochkonzentrierte GLAM*-Koordinatoren der Wikimedia Bewegung. Wir befinden uns circa 900 Meter über dem Meeresspiegel in einer kleinen Bergstadt in der Lombardei (Italien). Für eine knappe Woche lebten mehr als 2000 Menschen in Esino Lario. Denn dort auf der Wikimania versammelten sich ca 1200 Mitglieder der weltweiten Wikimedia-Bewegung, um sich über neueste Trends auszutauschen und innovative Projekte vorzustellen. Aus Schweden, Estland, Finnland und England. Aus Spanien, Baskenland, Frankreich, Deutschland, Belgien, Niederlande, Schweiz, und vermutlich habe ich auch noch einige Länder in der Aufzählung vergessen, kamen viele derjenigen, die sich beruflich oder ehrenamtlich damit beschäftigen, für mehr #wikiGLAM in den Wikimedia-Projekten zu sorgen. Denn natürlich sind Gemälde, Archivalien, museale Objekte und Bücher – genauer ihre digitalen Derivate – von großer Bedeutung für alle Wikimedia-Projekte. Via Wikimedia-Commons sollen Bilder aus den GLAM-Sammlungen Wikipedia-Einträge veranschaulichen und attraktiver gestalten. Daten zum kulturellen Erbe aus den Museen und Archiven sollen Wikidata-Einträge vervollständigen. Buchscanns werden für den Ausbau von Wikisource gebraucht. Freiwillige und Funktionäre fackeln nicht lange, wenn eine Museumstür sich ihnen öffnet. Wir wissen, was wir wollen.

In einer Pariser Galerie: Der Wunsch sich das Schöne anzueignen. Photo von Valfex [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Blickrichtung tauschen

Aber nach circa fünf Jahren GLAM-Arbeit ist es Zeit sich zu fragen, wie können wir besser werden? Wie kann es uns gelingen, noch besser zusammenzuarbeiten? Wie können wir besser miteinander lernen? Es ist ein guter Moment diese Fragen zu stellen. Denn erst vor Kurzem hat die Trägerin aller Wikimedia-Projekte, die Wikimedia Foundation, Alex Stinson als Wiki-GLAM-Strategen eingestellt. Er wird uns in Zukunft dabei unterstützen und antreiben, Antworten auf die obigen Fragen zu finden.

Doch schon zwischen Bambini und Fußball wurde mir eines in Esino Lario ganz deutlich. Wir brauchen einen Perspektivwechsel. Und während ich noch die letzten Krümmel der Wikimania-Kekse genieße, möchte ich diesen Wechsel kurz skizzieren. Wir müssen uns in Zukunft noch stärker an den Bedarfen der GLAM-Institutionen orientieren. Nur so werden wir erreichen, was wir wollen. Da wir ja genau wissen, was wir brauchen, suchen wir nach den Möglichkeiten es zu bekommen. Denn wer gibt nicht gern, wenn er dabei gewinnt? Seit den Pionierzeiten von Wikipedia hat sich die Welt ein Stück weit verändert. Vielen Museumsdirektorinnen und Archivleitern, führenden Bibliothekarinnen und Kuratoren ist inzwischen klarer, die digitale Welt ist keine Parallele zur Realität, sondern ein Teil von ihr geworden. Sie wissen, dass ihre Besucher und vor allem ihr Nicht-Publikum jährlich mehr Zeit mit mobilen Computern verbringt und erwartet, im Netz möglichst personalisierte Angebote zu finden, die es weiter nutzen kann. Die Welt fände in der hohlen Hand Platz.** Ein Bild von der württembergischen Krone per Snapchat verändern, kommentieren und raus in den Orbit der digitalen Freundschaften schicken, eine App herunterladen, die mir beim Spaziergang durch Berlin, die Standorte zu Hans Baluscheks Gemälden anzeigt natürlich mit einer Ansicht des jeweiligen Gemäldes. Eine One-Minute-Skulptur von Erwin Wurm auf Twitter teilen, ein Foto vom Besuch einer Pariser Galerie oder Bilder einer Modeausstellung in einen Blogpost einbinden können. Das sind heute nicht nur für digital natives selbstverständliche Handlungen, wenn auch, wie wir gesehen haben, nicht immer als legal angesehene. Aber soll man solche Nachnutzungen überhaupt ermöglichen? Und wie macht man das? Weiterlesen »

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Nelsons drei Streifen

Zwei Tage im Textilmuseum auf GLAM on Tour[1]

Historischer Schaufensterkopf mit Hut in der Ausstellung „Die Macht der Mode“ . Foto von Ziko van Dijk  CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

 gemeinschaftlich verfasst mit Geolina163

An einem Junitag unter dem Dach der alten Spinnerei ist es noch heute stickig. Doch vor 230 Jahren war die Luft für die hier arbeitenden Kinder richtig ungesund. Damals wurde die Textilfabrik als erste Baumwollmaschinenspinnerei auf dem europäischen Kontinent von dem Kaufmann und Industriespion Brügelmann gegründet. Da haben wir es heute besser. Zwanzig digital volunteers, Studentinnen für Modejournalismus, gestandene Wikipedianer nicht nur aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet so wie eine kleine Delegation Weitangereister tauchen ein in die Ausstellung Die Macht der Mode”. Wir sind zur Gast im Industriemuseum Textilfabrik Cromford im Landschaftsverband Rheinland. Ein umständlicher Titel für ein Kleinod an experimenteller Archäologie und Forschungssammlung von 300 Jahren Textilmode unweit von Düsseldorf. Umso pragmatischer ist Claudia Gottfried, die Leiterin des Museums. Sie hatte schon letztes Jahr Freiwilligen der Wikimedia-Bewegung das Museum im Rahmen der Auftaktveranstaltung der Wikipedianischen KulTouren für eine Fototour zur Ausstellung Chapeau! geöffnet.

Jetzt wollen wir an zwei Tagen möglichst viele der ausgestellten Kleider und Modeaccessoires von 1890 bis 1930 in Text und Bild erfassen. „Sans-Ventre“-Kleider der Kaiserzeit, Pluderhosen für städtische Radlerinnen und schwarzgelbe Schnürkragentrikots für Fußballer der 20er Jahre. Der Triumph der Warenhäuser und Arbeitsplätze für Frauen. Mode zwischen gesellschaftlichen Bedarfen und nur allzu menschlichen Bedürfnissen. Die ungewöhnliche Ausstellung läuft noch bis Ende Oktober 2016. Unterm Dach stoßen wir auf eine interessante Hypothese. Ist es denkbar, dass die im deutschen Kaiserreich so populären Matrosenanzüge der Kinder mit ihren drei weißen Streifen auf den dunkelblauen Kragen letztlich eine britische Marinetradition fortführten, die mit den drei Streifen Admiral Nelsons drei Siege ehrten? Die Antwort der britischen Admiralität steht noch aus. Weiterlesen »

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„Wahre Schätze“ in Stuttgart heben – mit Kamera und Laptop.

Kunstkammer im Landesmuseum Württemberg, Foto: Wuselig [CC BY-SA 4.0]

Ein Gastbeitrag von Wikipedia-Autor Schlesinger

Einer der Bereiche im Verein Wikimedia Deutschland, der stark mit der real existierenden Community der Wikipedia zusammenarbeiten kann, ist der sogenannte Fachbereich Bildung, Wissenschaft & Kultur. Der Teilbereich Kultur organisiert regelmäßig Veranstaltungen für Fotofans und Schreiberlinge in Kulturinstitutionen zusammen mit engagierten WikipedianerInnen an den jeweiligen Orten. Bei vielen bekannten Kultureinrichtungen waren sie schon zu Gast.

Jetzt doppelt so viele Fotos aus dem Landesmuseum

Am ersten Juniwochenende fand nun im Landesmuseum Württemberg anlässlich der neuen Ausstellung „Wahre Schätze – Antike, Kelten, Kunstkammer“ ein solches GLAM On Tour genanntes Treffen statt. Weiterlesen »

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Mode und Macht: GLAM on Tour zu Gast in Europas erster Fabrik

Vor 220 Jahren im Stil des Spätbarock gebaut: Das Herrenhaus Cromford, Foto: H005, CC0

Das LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford in Ratingen lädt Ehrenamtliche der Wikimedia-Projekte herzlich vom 10.-12. Juni 2016 zu einer GLAM on Tour-Veranstaltung ein.

Bei der Textilfabrik handelt es sich um die erste Fabrik auf dem europäischen Festland und eine der ältesten erhaltenen Industrieanlagen in Deutschland. Anlässlich der neuen Sonderausstellung „Die Macht der Mode. Zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik“ kann ein Wochenende lang an Wikipedia-Artikeln gearbeitet und für Commons fotografiert werden.

Thematisch sind sowohl die Geschichte des bedeutenden Standorts als auch die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Entwicklung und Entwicklung der Mode und Bekleidung zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders interessant. Es sind noch Plätze frei, Interessierte sind herzlich eingeladen. Alle Infos sind auf der Projektseite zu finden. Weiterlesen »

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Wahre Schätze: Landesmuseum Württemberg lädt ein zu GLAM on Tour

Das Landesmuseum im Alten Schloss Stuttgart. Foto: Veit Mueller, [CC-BY-SA 3.0]

Aktive der Wikipedia und des freien Medienarchivs Wikimedia Commons sind vom 3.-5. Juni 2016 herzlich im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart eingeladen. Anlässlich der neuen Schausammlung „Wahre Schätze. Antike – Kelten – Kunstkammer“ kann ein Wochenende lang an Artikeln gearbeitet werden. Dafür wird aus der Präsenzbibliothek des Museums Literatur zur Verfügung gestellt. Drei Sonderführungen geben Gelegenheit für Fotoarbeit; die KuratorInnen freuen sich danach auf Fragen und Gespräche.

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts GLAM on Tour statt, bei dem Ehrenamtliche auf lokaler Ebene gemeinsam mit Kulturinstitutionen und mit Unterstützung von Wikimedia Deutschland Schreibwerkstätten („edit-a-thons„), Fotoexkursionen, Sonderführungen und Vorträge zu Ausstellungen organisieren.

Editier-Workshop in der Stuttgarter Stadtbibliothek am Mailänder Platz. Foto: Rudolf Simon, [CC-BY-SA 3.0]

Premiere: Wikipedia-Workshop für Vereinsmitglieder

Erstmals werden anlässlich der GLAM on Tour-Station auch Vereinsmitglieder von Wikimedia Deutschland aus dem Raum Stuttgart eingeladen. Ein langjähriger Wikipedianer führt zunächst bei einem Vortrag in die Wikipedia-Basics ein, danach können die Teilnehmenden selbst mit Unterstützung von „alten Wikipedia-Hasen“ einen Account anlegen und erste eigene Editier-Schritte machen. Die regelmäßig stattfindenden Wikipedia-Einführungskurse in Stuttgart bieten Gelegenheit, diese Kenntnisse weiter zu vertiefen und gemeinsam mit anderen an Artikeln zu arbeiten. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

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