Geschrieben von Tim Moritz Hector



Christian Rickerts wird Vorstand von Wikimedia Deutschland

Rickerts, Christian 2014   140324_A01B0484.jpg

Christian Rickerts (Foto: Jan Voth, CC-BY-SA 4.0 International)

Liebe Vereinsinteressierte, es freut mich sehr, euch heute mitteilen zu können, dass die Suche nach einer neuen Geschäftsführung für Wikimedia Deutschland erfolgreich beendet ist. Das Präsidium beruft Christian Rickerts zum Vorstand. Diese Entscheidung hat das Präsidium einstimmig beschlossen und folgt damit der ebenfalls einstimmigen Empfehlung der Übergangskommission. Christian wird seine Vorstandsaufgaben ab dem 1. Mai 2015 übernehmen.

Wikimedia Deutschland ist durch ehren- wie hauptamtliche Arbeit geprägt, und Christian Rickerts kennt Freiwilligen-Engagement aus beiden Perspektiven bestens, unter anderem aus seiner Zeit als Mitgründer des Schüler Helfen Leben e. V., als dessen späterer Geschäftsführer und dann als geschäftsführender Vorstand der gleichnamigen Stiftung. Anschließend war er sowohl im wirtschaftlichen als auch gemeinnützigen Umfeld tätig, zuerst als Strategieberater bei Capgemini, dann als Geschäftsführer bei Reporter ohne Grenzen in Deutschland. Seit 2012 ist er Vice President für Corporate Communications bei der Bertelsmann Stiftung.

Christian hat uns insbesondere mit seinem Wissen um die Schnittstellen von Haupt- und Ehrenamt sowie seiner Motivation, mit wertegetriebenem Denken und methodischer Vielfalt davon überzeugt, dass wir Wikimedia Deutschlands Weg in die Zukunft gemeinsam gestalten wollen. Bis er sein Amt als Vorstand antritt, wird weiterhin Jan Engelmann übergangsweise die Geschäfte führen, wie er das im vergangenen halben Jahr erfolgreich getan hat. Dafür möchte ich Jan an dieser Stelle sehr herzlich danken.

Großer Dank geht auch an die Übergangskommission, die den Prozess der letzten Monate ebenso zielstrebig wie engagiert geplant, begleitet und zum Abschluss gebracht hat. Die Gruppe, die aus Mitgliedern des Präsidiums, des Vereins, Angestellten der Geschäftsstelle sowie Community-Vertretern bestand, konstituierte sich Ende Juni 2014. Ich denke, die Arbeit der Übergangskommission ist beispielhaft und eine wertvolle Erfahrung, die wir innerhalb der Wikimedia-Bewegung teilen sollten und werden.

Wenn Christian Rickerts im Mai seine Aufgaben als Vorstand übernimmt, wird die Frühjahrsmitgliederversammlung bereits stattgefunden haben. Es freut mich, dass er voraussichtlich trotzdem schon als Gast am 18. April nach Köln kommen kann.

Stellvertretend für das gesamte Präsidium möchte ich Christian Rickerts bei Wikimedia Deutschland und im internationalen Wikiversum herzlich willkommen heißen!

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Wir suchen: 10 Präsidiumsmitglieder (m/w)

Wikimedia Deutschland e.V. sucht ab dem 29.11.2014

 

10 Mitglieder für das ehrenamtliche Kontroll- und Leitungsgremium des Vereins
(Präsidium)

 

Wikimedia Deutschland ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Förderung Freien Wissens einsetzt. Wir unterstützen Projekte zur Erstellung, Förderung und Verbreitung freier Inhalte. Eines der bedeutendsten Projekte ist Wikipedia, die freie Online-Enzyklopädie. 2004 gegründet, hat der Verein einen rasanten Wachstumsprozess durchlaufen und umfasst heute über 12 000 Mitglieder und eine hauptamtliche Geschäftsstelle mit mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Im Jahre seines 10-jährigen Bestehens steht unser Verein vor wichtigen Weichenstellungen: Im Februar 2014 wurde eine neue Strategie verabschiedet, die es nun mit Leben zu füllen gilt. Zeitgleich werden die Strukturen des Vereins in einem Governance Review einer Prüfung unterzogen und ein neuer geschäftsführender Vorstand gesucht. In all diesen Prozessen wird dem Präsidium eine tragende Rolle zukommen. Das Präsidium ist das ehrenamtliche Leitungs- und Kontrollgremium des Vereins. Jedes aktive Mitglied kann kandidieren. Für die Neuwahlen des Präsidiums auf der 15. Mitgliederversammlung am 29. November 2014 in Berlin werden engagierte Vereinsmitglieder gesucht, die Verantwortung für die weitere Entwicklung des Vereins übernehmen möchten und sich hierfür zur Wahl stellen.

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Neuer Vorsitz des Präsidiums – Rücklick auf die 14. Mitgliederversammlung

Gestern fand in Frankfurt am Main die 14. Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland statt. Auf der Tagesordnung standen neben der Vorstellung der strategischen Planung und einer Reihe von Satzungsänderungen unter anderem auch Berichte von Vorstand, Präsidium und Kassenprüfern. Natürlich wurde auch intensiv über den in dieser Woche angekündigten  Übergangsprozess und die Nachfolge von Pavel Richter gesprochen.

Wir sind ein junger Verein und die Veränderung auf der Vorstandsposition, die Pavel lange Jahre gestaltet hat, ist eine neue Erfahrung für uns alle. Der Prozess der Nachfolge wird in den kommenden Monaten viel Arbeit mit sich bringen und Pavel wird Teil davon sein. Klar ist, dass wir zuerst gemeinsam über den Ablauf und den genauen Zeitplan beratschlagen müssen und wir werden dabei möglichst viele Menschen einbeziehen und ihre Meinungen sehr ernst nehmen. Über konkrete Schritte werden wir kurzfristig und so schnell wie möglich berichten.

Nikolas Becker, der im letzten halben Jahr den Vorsitz unseres Gremiums innehatte, wird den Übergang leider nicht aktiv begleiten. Er trat gestern zurück. Als Präsidium sind wir daraufhin am heutigen Sonntag zusammengekommen, auch um einen neuen Vorsitzenden zu wählen.

Ich freue mich, dass mir von meinen ehrenamtlichen Kollegen das Vertrauen ausgesprochen wurde, dem Präsidium ab sofort vorzusitzen. Ich bin mir der großen Verantwortung sehr bewusst und habe sie heute mit festem Blick auf die Zukunft angenommen. Nikolas danke ich herzlich für alles, was er nicht nur als Vorsitzender sondern auch in den vergangenen Jahren im Präsidium und für den Verein geleistet hat. Gleiches haben wir im Namen des Präsidiums auch gestern in Frankfurt getan.

Sebastian Wallroth danke ich, dass er bereit war, meine bisherige Position als stellvertretender Vorsitzender dieses Gremiums zu übernehmen und freue mich, dass das Präsidium auch ihm das Vertrauen für diese verantwortungsvolle Position ausgesprochen hat.

Wie üblich, wird es auch zu dieser Mitgliederversammlung ein Protokoll geben. Ich möchte dem nicht vorgreifen, solange es noch fertiggestellt werden muss. An dieser Stelle gebe ich aber gerne schon einen kurzen persönlichen Überblick:

Es gab sechs Anträge für Änderungen an der Vereinssatzung (ein siebenter wurde zurückgezogen). Alle sechs wurden mit deutlichen Mehrheiten angenommen. Die Amtszeit des Präsidiums wurde von einem auf zwei Jahre verlängert. Eine Beurlaubung aus dem Präsidium ist nun möglich, ebenso eine Ehrenamtspauschale. Formal geklärt wurde daneben, dass Mitglieder des Präsidiums auch Vereinsmitglieder sein müssen. Fördermitgliedschaften können künftig einfacher beendet werden. Und zum Schluss: Die Formulierung zum Quorum für die Einberufung einer außergewöhnlichen Mitgliederversammlung wurde von “Mitglieder” auf “aktive Mitglieder” abgeändert.

Neben den Satzungsänderungen bestätigte die Mitgliederversammlung die Strukturierung des Präsidiums nach Ressorts.

Für Details zu allen diesen und weiteren Punkten verweise ich auf das schon erwähnte Protokoll, das noch kommen wird.

Ich bin überzeugt, dass Wikimedia Deutschland in einer gefestigten Position ist. Es ist an uns, diesen Verein in den kommenden Jahren gemeinsam zu formen. Dazu gehört auch Selbstkritik, oder zumindest die Erkenntnis, dass ein neutraler Blick in so ziemlich jeder Lebenslage hilfreich ist. Deshalb freue ich mich, dass die Mitgliederversammlung dem Antrag des Präsidiums gefolgt ist, und wir nun einen externen Governance Review starten und andere Meinungen, andere Expertise und neue Erkenntnisse einholen werden. In der Wikipedia ist das Gang und Gäbe. Dadurch wird sie besser Für Wikimedia Deutschland gilt das meiner Meinung nach ganz genauso: Besser werden wollen ist eine Stärke.

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Internationale Zusammenarbeit im Wikiversum – Eindrücke vom „Boards training workshop“

(Fast) alle Teilnehmenden des Boards Trainings Workshops versammelt.

Vom 28. Februar bis 2. März trafen sich ca. 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Wikimedia-Chapters – den nationalen Wikimedia-Vertretungen – zu einem internationalen Workshop in London. Die Angereisten waren Mitglieder der jeweiligen „Boards“, also der Präsidien, Vorstände und anderen Leitungs- und Aufsichtsgremien ihrer Organisationen. Sie erhielten hier die Gelegenheit eines Trainings zu den Herausforderungen ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Steffen Prößdorf, Tim Moritz Hector und – als Mitorganisator der Veranstaltung – Markus Glaser nahmen als Mitglieder des Präsidiums von Wikimedia Deutschland teil.

Wie leitet man einen gemeinnützigen Verein? Welche Aufgaben haben wir als Aufsichts- und Kontrollgremien und welche haben wir nicht? Wie definieren wir das Verhältnis zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen? Wie führt man eigentlich eine gute Strategieplanung durch?

Diese und viele andere Fragen konnten auf dem zweitägigen Workshop zwar wohl kaum geklärt, aber aufgeworfen und ausführlich diskutiert werden. Ein offenes Gespräch und Vertraulichkeit der Diskussionsbeiträge waren sehr wichtig für alle Teilnehmenden und es entstand so schnell eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Mit externer Hilfe von Mike Hudson, der als im Non-profit-Bereich erfahrener Unternehmensberater Wikimedia UK durch schwierige Situationen begleitet hat, näherten wir uns der Frage nach „Good Governance“ – also der Frage nach gutem Führungs- und Regierungshandeln – in Non-Profit-Organisationen (NPOs). Sehr konkret konnten wir hier Tipps bekommen, die sich in anderen gemeinnützigen Organisationen bewährt haben.

Ebenfalls Expertise lieferten Dariusz Jemilniak, der Vorsitzende des Spendenvergabekomitees (FDC) der Wikimedia Foundation, und Jessie Wild, Mitarbeiterin der Wikimedia Foundation im Evaluationsteam, die Modelle für Evaluation und strategische Planung vorstellten. Diese wurden anschließend ebenfalls im Gruppengespräch auf die Situationen in den jeweiligen Ländern bezogen.

Wir bekamen von Kira Krämer und Nicole Ebber einen ersten Einblick in die Erkenntnisse aus dem von Wikimedia Deutschland durchgeführten Chapters Dialogue – einem weltweiten Projekt zur Erforschung der Ziele, Beziehungen und Verantwortlichkeiten in den verschiedenen Organisationen der Wikimedia-Welt– und eine weitere sehr spannende Sitzung drehte sich um Erfahrungen mit „Burn-out“ und Arbeits- und Zeitmanagement von Boardmitgliedern, in der sehr ehrlich Möglichkeiten aber auch Grenzen professionellen Ehrenamts aufgezeigt werden konnten.

Mit nach Hause nehmen konnten alle ein aufgefrischtes Bewusstsein für Probleme in ihren jeweiligen Boards, neue Perspektiven, Strategien und Lösungsansätze zur Bewältigung dieser und darüber hinaus beispielhafte Modelle für Strategieplanung und Evaluation der Tätigkeiten des Vereins.

Besonders bedeutsam war dieser Workshop als eine der ersten Veranstaltungen, bei denen international „best practices“ und „lessons learned“ geteilt worden sind. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern war es wichtig, diesen Dialog auch zu anderen Themenfeldern, mit anderen Akteuren und im Rahmen anderer Formate aufrecht zu erhalten, sich regelmäßig über die Herausforderungen, denen sie in ihrer lokalen Arbeit begegnen, auszutauschen und diesen Workshop als Modell für internationale Zusammenarbeit zu betrachten.

Das Protokoll und weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich auf Meta, dem Koordinationswiki der Wikimedia-Bewegung.

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Ein Community-Stützpunkt / -Space / -whatever. Warum, wo, wie, wann und wer?

Im Wikipedia:Kurier gab es eine Diskussion über den auf dem Workshop:Köln am 6. Oktober 2013 diskutierten Community-Stützpunkt (der auch einen ganz anderen Namen haben könnte). Die Diskussion ist auch aufgrund der Darstellung im Kurier-Artikel so heftig geworden, so dass ich – ganz ohne den Artikel selbst bewerten zu wollen – meine eigene Sicht der Dinge darstellen möchte. Auf Anregung von Sebastian Sooth reblogge ich diesen Beitrag aus meinem privaten Blog nun auch hier.

Warum

Eines der wichtigsten Worte auf dem Workshop war „Bespielen“: Also die Frage, wofür wir so etwas überhaupt brauchen. Natürlich haben wir nicht stundenlang über irgendwelche Strukturen diskutiert, ohne die Inhalte zu kennen, die dort ablaufen könnten; ganz im Gegenteil, die Klärung dieser Frage war sehr wesentlich. Hier eine Auflistung der Dinge, die in einem Community-Dingsda passieren könnten.

  • Gemeinsames Editieren (Edit-a-thon)
  • Redaktionstreffen (damit auch Räumlichkeiten außerhalb Berlins zur Verfügung stehen)
  • Schulungen für Wikipedia-Anfänger verschiedener Zielgruppen
  • Regionale Workshops
  • Lokale GLAM-Aktivitäten (jemanden in den Space einladen)
  • WLM: Jury-Sitzungen, Fotoworkshops, Anwerben von NeuautorInnen, eine kleine Fotoausstellung, die zum Mitmachen anregt und die SiegerInnen und auch diejenigen, die vielleicht keinen Preis gewonnen haben, ehrt
  • Spontane Einzelbetreuung
  • Brückenfunktion Stammtisch und Wikipedia-Arbeit: Jemand, der das erste Mal auf dem Stammtisch aufgeschlagen ist, kann beim nächsten Edit-a-thon einfach mal zugucken
  • Kleine Vortragsreihen, für AutorInnen, damit sie auch auf andere Ideen kommen
  • „Lagerraum“ für all die Dinge, die sonst ständig aus Berlin angeschleppt werden müssen
  • Kleine Bibliothek zur Ausleihe
  • „Wikipedia-Sprechstunde“ für NeuautorInnen, angekündigt in der Wikipedia
  • „Wikimedia-Sprechstunde“ für neue Wikimedia-Aktive, angekündigt auf der Vereinshomepage oder so
  • „Wikimedia Commons-Sprechstunde“ für neue FotografInnen, keine Ahnung, wie man das ankündigt
  • Alle Schwesterprojekte können auch solche Workshops anbieten
  • Vor- und Nachbereitung von Exkursionen
  • Einen Raum für die Presse zur Verfügung haben
  • Community-Buildings-Gedöns (gemeinsames Kochen, Spielen, Spaß haben, Plaudern, einen Lesekreis organisieren, Kaffee und Kuchen, gemeinsam kreativ sein und neue Ideen in die Welt setzen …..)

Das ist unheimlich viel und die Liste kann noch um das Dreifache ergänzt werden. Und wenn wir nach der Testphase feststellen: Nichts davon hat dort stattgefunden, der Raum ist verstaubt und das Papier  vergilbt, der/die Zuständige sitzt die ganze Zeit schlafend in der Ecke und die lokale Gruppe von Freiwilligen hat sich verkrümelt, dann schließen wir das Ding. Aber der Gründe, das einmal zu probieren, gibt es wohl genug. Und das war Konsens auf dem Workshop (der-/diejenige, der/die widersprechen will, möge mich hauen).

Ein Wort zu „wie konkret verbessert das die Wikipedia?“: Wie Edit-a-thons und Fotoworkshops die Wikipedia verbessern, will ich hier gar nicht ausführen. Die übrigen Punkte zielen in erster Linie auf die Gewinnung neuer Beitragender und neuer Inhalte bzw. Quellen für Inhalte. Aber auch alle Aktivitäten, die im letzten Punkt „Community-Buildings-Gedöns“ zusammengefasst sind, sind elementar wichtig für die Wikimedia-Projekte: Auch wenn viele sich das nicht vorstellen können (und ja auch nicht jede/r daran Gefallen finden muss), so ist die persönliche Bindung an AutorInnen, die mit einem das selbe Ziel verfolgen, für einige die größte Motivation und die kann durch solche Aktionen immens gesteigert werden.

Wo

Aus meiner Sicht – und ich denke, wir waren uns da auf dem Workshop einig – kann ein Community-Stützpunkt überall dort entstehen, wo er gebraucht wird und genügend Träger findet.

Wichtig scheint mir noch die Frage zu sein: „Warum in Köln?“: Nämlich nicht etwa, weil die Kölner mit ihrem übersteigerten Selbstbewusstsein selbst eine große Nummer spielen wollen oder weil sie so gut im Klüngeln sind (dieses Argument kam tatsächlich irgendwo), sondern weil sie die Idee hatten, sie weitergetrieben haben, weil sie eine gut organisierte Community sind, weil es einen offensichtlichen Bedarf gibt und weil eine Entscheidung für Köln langfristig keine Entscheidung gegen [beliebige deutsche Stadt hier einsetzen] ist.

Wie

Das Konzept treibt bereits aus.
(Foto: CC-by-SA 3.0, Hedwig Storch)

Wir haben dann auf dem Workshop drei Gruppen gegründet. Und ja, es gab einein Dissens (inhaltliche Erläuterung folgt gleich). Diesen Dissens herauszustellen, war Zielsetzung dieser Gruppenarbeit. Kein Wunder also, dass das auch passiert ist. Der Dissens war aber viel kleiner, als wir alle angenommen hatten und entsprechend konstruktiv war auch die Präsentation der Ergebnisse der drei Arbeitsgruppen.
Wir hatten uns vor der Gruppenbildung darauf geeinigt, dass wir unser Bild eines Community-Spaces als Zwiebel verstehen. Tränenfrei, versteht sich. Im Kern, sozusagen als Must-have, war der Basis-Teil, der sich ausschließlich an die Community richten sollte und alle Aktivitäten aus der obigen Liste abdeckte, die sich nur „nach innen“ richten sollten. Wir nannten das „Zwiebel 1“ und beauftragten eine Gruppe damit, dieses Szenario konkreter auszugestalten. Die äußere Schicht war optional und sollte auch die Aktivitäten abdecken, die sich mit der Repräsentanz, dem Gewinnen von NeuautorInnen, mit GLAM und Gedankenspielereien zu Ausstellungen beschäftigen – zusammengefasst, sich also auch an „externe Zielgruppen“ richten. Wir tauften diese Arbeitsgruppe „Zwiebel 2“ und schickten sie in einen anderen Arbeitsraum. Eine weitere Arbeitsgruppe sollte schon einmal ein grobes zeitliches Raster entwickeln und grundsätzliche Überlegungen anstellen, um die beiden Arbeitsgruppen ggf. wieder zu erden  (wir sprachen hier von einer „Meta-Zwiebel“ oder auch vom „Zwiebel-Pflanzen“) und später sollten das erste und das zweite Szenario hier eingefügt werden.

Gesagt getan. Die erste Gruppe entwarf folgendes Szenario:

  • Es gibt ein Space-Team, das für die Bespielung des Community-Space zuständig ist.
  • Es gibt eine/n Facility-Manager/in, der/die überwiegend Hausmeister-Funktionen ausübt.
  • Es soll nur das dort stattfinden, was das lokale Team auch realisieren kann.
  • Es gibt mehrmals wöchentlich Präsenzzeiten im Space, um erreichbar zu sein.
  • Der Raum ist in erster Linie gemütlich ausgerichtet.
  • Das Space-Team ist der/dem Facility-Manager/in weisungsbefugt, aber er/sie ist Angestellter von WMDE.

Das zweite Szenario sah wie folgt aus:

  • Es gibt ein Planungsgremium, das für die Bespielung des Community-Space zuständig ist.
  • Es gibt eine/n Community-Assistant, der/die als „primus inter pares“ im Planungsgremium sitzt und in Zusammenarbeit mit dem Planungsgremium die Nutzung des Space plant, Termine koordiniert, ein Lager koordiniert etc.
  • Es soll nur das dort stattfinden, was das lokale Team auch realisieren kann.
  • Es gibt mehrmals wöchentlich Präsenzzeiten im Space, um erreichbar zu sein.
  • Der Raum hat einen gemütlichen und einen offizielleren Teil (Sitzungsräume, kleiner Schulungsraum).
  • Das Space-Team und der/die Community-Assistant arbeiten eng zusammen, letztendlich weisungsbefugt ist, als Arbeitgeber, die GS in Berlin.

Keine von beiden Gruppen klebte an ihren Vorstellungen. Noch im Nachgespräch zu den Gruppenpräsentationen im Plenum spürte ich förmlich die Annäherung, so ähnlich waren ja auch die entworfenen Konzepte. Das war kein spaltender Dissens, sondern der, der zwei unterschiedlichen Grundannahmen des „Warums“ entsprang und leicht gelöst werden kann.

Wann

Es folgte noch die Präsentation der Meta-Zwiebel, die sich mit verschiedenen strukturellen Themen befasst hatte und zu folgenden Schlüssen gekommen war:

  • Es muss eine Testphase geben, damit alles wieder eingestellt werden kann, wenn alles sich anders entwickelt, als gedacht.
  • Die Stellenbeschreibung und Weisungsgebundenheit der/des Mitarbeiters/in muss klar sein; die Gruppe empfiehlt die Zusammenarbeit mit WMDE, auch um die Mietverträge für den Raum abzuschließen.
  • Es sollte für den Raum eine Art „Mission statement“, eine Nutzungsideologie geben.
  • Es sollte eine Art Vereinbarung zwischen WMDE und dem Space-Team geben.
  • Die Frage nach der finanziellen Abwicklung (Budget/Einzelanträge etc.) muss noch geklärt werden, ist aber ein Detail, das den Inhalten unterzuordnen ist.

Wer?

Dann gründete sich ein Space-Team, das aus den drei Zwiebeln ein Gesamtkonzept entwickeln und es WMDE vortragen sollte (Sebaso stand dafür zur Verfügung) und ein Meta-Space-Team, das die Entwicklung in Köln und auch an anderen Orten strategisch begleiten und überwachen sollte, um „Lessons learned“ und „best practices“ für die anderen Teams zu sammeln und aufzubereiten, denn, nochmal: Eine Entscheidung für Köln ist keine Entscheidung gegen Hamburg, München oder sonstwo.

Eine Gruppe von Leuten fand sich für beides. Es sind sozusagen die Gründungs-Space-Teams. Los geht’s!

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#ZDFcheck – ZDF meets Wikimedia

Die #ZDFcheck-Redaktion bei der Arbeit (Foto: Kristina Hofmann, CC-BY)

Seit Mai 2013 läuft das Projekt #ZDFcheck, in dem das ZDF auf http://zdfcheck.de mit Unterstützung von Wikimedia Deutschland im Vorfeld der Bundestagswahl Statements von Politikern prüft. Als Wikipedian in Residence betreue ich diese Zusammenarbeit und Freiwillige aus Wikimedia-Projekten, die gerne mitchecken möchten. Letzten Freitag fand eine Veranstaltung statt, die den übrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin Wikipedia und die Hintergründe etwas näher bringen sollte.

Einen GLAMourösen Touch hatte die „interaktive Präsentation“ schon, zu der die #ZDFcheck-Redaktionschefin Sonja Schünemann im Namen der Redaktion und im Namen von Wikimedia Deutschland alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZDF-Hauptstadtstudios eingeladen hatte. Daran hatte wohl nicht allein der Prosecco Schuld.

Circa 15 Gäste fanden in der Redaktion des #ZDFcheck in der 7. Etage ein, die nach anfänglichem Kennenlernen unseren Erläuterungen zum Projekt und zu den Hintergründen der Wikipedia gebannt lauschten und kritische, interessierte Rückfragen stellten. Häufig ergab sich so aus einer einzelnen Rückfrage eine ganze Diskussion, etwa über die Eingangskontrolle, die Möglichkeit zur politischen Manipulation von Artikeln und – gerade für die Journalistinnen und Journalisten des ZDF natürlich interessant – die Nutzbarkeit von Wikipedia als Rechercheinstrument. Das Thema „freie Lizenzen“ war den meisten Teilnehmenden kein absolutes Neuland mehr, obwohl sich auch einiges Staunen über die Möglichkeiten des Creative-Commons-Lizenzbaukastens in seiner ganzen Pracht auftat.

Erfreut waren wir darüber, dass auch die Wikipedia-Schwesterprojekte, insbesondere Wikimedia Commons, auf Interesse stießen und teilweise bereits bekannt waren. Nach dem Präsentationsteil bildeten sich noch mehrere Grüppchen, die, teils in der Abendsonne auf der Dachterrasse, teils an Laptops verteilt in der Redaktion selbst, verschiedene Themen noch einmal nachrecherchierten und Detailfragen klärten.

Besonders spannend fand ich ein Projekt zur Erstellung eines abteilungsinternen Wikis, in dem die internen Arbeitsabläufe so zugänglich gemacht werden sollen, dass sie von überall aufgerufen und bei Fehlern direkt von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angepasst werden können – ganz im Wiki-Stil also.

Im Nachgang haben wir viel positive Rückmeldung erhalten und man darf gespannt sein, welche weiteren Aktivitäten sich aus diesem Anstoß ergeben haben.

Bisher sind im Rahmen des Projekts gut 30 Grafiken unter der Freien Lizenz CC-BY entstanden, die von Netzneutralität bis Photovoltaik unterschiedlichste Themen behandeln. Sie können nun in die Wikipedia eingebunden oder anderweitig nachgenutzt werden. Wer Lust hat, sich als Helferin oder Helfer am Check zu beteiligen, kann sich gern über tim-moritz.hector@wikimedia.de an mich wenden – den Ablauf des #ZDFchecks zeigt auch das folgende Video:

 

Der Ablauf des #ZDFcheck – ein Zwischenbericht. Video: ZDF, CC-BY.

 

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14 Tage #ZDFcheck – ein Zwischenbericht

Wie zuletzt an dieser Stelle berichtet, ist vor zwei Wochen der ZDF-Faktencheck (#ZDFcheck) angelaufen. Im Rahmen dieses Projektes arbeiten eine Redaktion im ZDF-Hauptstadtstudio, Phoenix und Wikimedia gemeinsam an einem Faktencheck im Vorfeld der Bundestagswahl, in dem Politikeraussagen geprüft werden. Seit 13. Mai sitze ich nun als Wikipedian in Residence im Hauptstadtstudio des ZDF in Berlin in der ZDFcheck-Redaktion und betreue die Zusammenarbeit mit Wikimedia Deutschland e. V.. Alle sind herzlich dazu eingeladen mit zu recherchieren und die Arbeit zu kommentieren und sich so zu beteiligen. Insbesondere freuen wir uns auf Hinweise von Wikipedianern, anderen Wikimedianern und der übrigen Netz-Community.

Im Laufe der letzten beiden Wochen haben wir rund 135 Hinweise von zahlreichen Freiwilligen erhalten, davon waren bereits vier Wikipedianer. Die Testphase des Formats, in der wir unsere Arbeitsweise geklärt haben, ist jetzt abgeschlossen. Fünf Thesen konnten wir bereits durch den Check schicken. Dabei gehen wir in mehreren Schritten vor: Zunächst definieren wir, was wir genau checken, um die Aussage dann nach und nach in ihre Einzelteile zu zerlegen. Diese prüfen wir dann auf ihren Wahrheitsgehalt.

Dr. Eckart Gaddum, ZDF-Hauptredaktionsleiter Neue Medien, fasst die Woche auf heute.de zusammen. Auch der NDR und die RheinZeitung berichten über das Format. Das politische Umfeld hat bereits sensibel auf das neue Format reagiert. Ein vollständiges Medienecho und weitere Informationen findet sich im FAQ in der Wikipedia und im Pressespiegel von Wikimedia.

Beispiel für eine Infografik, hier: Kinder in Kindertagesbetreuung

Eine Besonderheit des Checks ist, dass nicht nur die Möglichkeit zum Mitmachen besteht, sondern, dass alle erstellten Infomaterialien (Texte, Bilder und Videos) unter einer Freien Lizenz stehen. Dazu verwenden wir die Lizenz CC-BY. Gemeinsam mit der Grafikerin des ZDF und der Beratung von Wikipedianern erarbeiten wir so auch gezielt Material, das in der Wikipedia noch fehlt.

Die Kommentare von Wikipedianern und anderen Ehrenamtlichen aus den Wikimedia-Projekten, die die Software dezent hervorhebt, beobachtet die Redaktion mit besonderem Interesse, da wir von dieser Gruppe sehr hochwertige Beiträge erwarten. Bei Rückfragen oder Recherecheanfragen stehe ich besonders dieser Gruppe auf meiner Benutzerseite jederzeit zur Verfügung.

Die erste Runde von Materialien, fünf Infografiken, die im Bereich deutscher Innenpolitik verwendet werden können, wurde am Freitag auf Commons transferiert. Sie stehen unter einer Freien Lizenz und können jetzt weiter kategorisiert und eingebunden werden. Mithilfe dabei ist gern gesehen, auch hier stehe ich für Fragen gern zur Verfügung!

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