Geschrieben von Tim Bartel



Open-Access-Petition: Kostenfreier Zugang zu öffentlich geförderten wissenschaftlichen Publikationen

Bereits seit dem 20. Oktober befindet sich beim Deutschen Bundestag eine Petition in der Mitzeichnungsphase, die den Titel Wissenschaft und Forschung – Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikationen trägt. Konkret fordert sie:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass wissenschaftliche Publikationen, die aus öffentlich geförderter Forschung hervorgehen, allen Bürgern kostenfrei zugänglich sein müssen. Institutionen, die staatliche Forschungsgelder autonom verwalten, soll der Bundestag auffordern, entsprechende Vorschriften zu erlassen und die technischen Voraussetzungen zu schaffen.

Dieses Ziel stimmt mit den Ansichten von Wikimedia Deutschland überein, so dass der Verein diese Petition ausdrücklich unterstützt.

Konkret ist es nicht nachvollziehbar, warum durch öffentliche Förderung zustande gekommene Forschungsergebnisse oft ausschließlich in (sehr teuren) kostenpflichtigen Fachzeitschriften publiziert werden und der Steuerzahler für den Zugang zu von ihm bereits finanzierten Ergebnissen erneut bezahlen muss.

Die Zeichnungsfrist der Petition endet am 22. Dezember. Zum Zeitpunkt dieses Postings haben sich bereits 13.380 Unterstützer für die Petition ausgesprochen. Sollte sie bis zum 29. November von 50.000 Befürwortern unterzeichnet worden sein, so muss die Petition vom zuständigen Ausschuss des Bundestages angehört werden. Aus diesem Grund fordert der Wikimedia Deutschland e.V. nachdrücklich zur Unterzeichnung und Unterstützung der Petition auf.

Da die Zeit drängt, bietet es sich an, weitere Interessierte auf das Thema aufmerksam zu machen. Das Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ hat dazu einen Flyer gestaltet, der ausdrücklich zum Nachdruck gedacht ist.

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Der Deutschlandfunk und das kommerzielle Missverständnis

Update: Ich hatte eben ein kurzes, aber nettes Telefonat mit Herrn Müller-Ullrich, der sich entschuldigt hat. Er hat wohl auch eine ganze Reihe von Mails bekommen. In der heutigen Sendung wird es eine kurze Richtigstellung geben, die auch dem Online-Artikel hinzugefügt wird. Vielen Dank für die prompte Reaktion.

Durch einen Hinweis von Mathias und dem kurz darauf folgenden Blogposting bei netzpolitik.org von Markus Beckedahl bin ich gestern auf den Beitrag „Freie Enzyklopädie?“ von Burkhard Müller-Ullrich aufmerksam geworden.

Dieser wurde im Rahmen der Sendung „Kultur heute“ des Deutschlandfunks ausgestrahlt (MP3) und hat mich so verärgert, dass ich meinem Unmut in einer E-Mail an den Leiter der Onlineredaktion Luft gemacht habe.

Sehr geehrter Herr Dr. Meyer,

mit wachsendem Unbehagen habe ich den Online-Artikel „Freie Enzyklopädie?“ von Burkhard Müller-Ullrich (online abzurufen unter http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/965806/) gelesen, der in dieser Version ja leider auch ausgestrahlt wurde.

Der Beitrag scheint auf einer Reihe von Missverständnissen zu basieren und enthält Fehler. Es ist sehr bedauerlich, dass kein Kontakt zur Wikimedia Foundation oder zum Wikimedia Deutschland e.V. gesucht wurde.

Die wichtigsten Kritikpunkte:

  • Der Autor behauptet, dass alle Autoren der Wikipedia ihre Texte unter die GPL-Lizenz stellen. Das ist faktisch falsch. Sämtliche Texte unterliegen der GNU-Lizenz für freie Dokumentation (GFDL).
  • Die Wikipedia hat es sich seit ihrer Gründung zur Aufgabe gemacht, Freie Inhalte zu schaffen. Unser Verständnis von Freiheit umfasst die folgenden Punkte:
    • Die Wiederveröffentlichung der Inhalte und deren Verbreitung muss erlaubt sein. Eine Nachnutzung ist explizit erwünscht.
    • Die Veröffentlichung abgewandelter Inhalte muss erlaubt sein.
    • Die kommerzielle Nutzung muss erlaubt sein.
  • Auch die GFDL erlaubt selbstverständlich die kommerzielle Nutzung. Die Wahl fiel zur Gründung auf diese Lizenz, weil es 2001 keine sinnvollen und einfacheren Alternativlizenzen gab, die unseren Zwecken genügt hätten.
  • Es steht innerhalb der Wikipedia NICHT zur Diskussion, die ganze Palette der Creative-Commons-Lizenzen zu nutzen. Das wäre auch rechtlich überhaupt nicht möglich. Zur Diskussion steht einzig und allein die Doppellizenzierung der Inhalte unter der GFDL und der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0“ (CC-BY-SA), die in Zusammenarbeit mit der Free Software Foundation (FSF) möglichst „GFDL-nah“ ausgestaltet wurde. Beide Lizenzen streben genau das gleiche Ziel an, die CC-BY-SA ist für Nachnutzer aber deutlich praktikabler. Anstatt den gesamten Lizenztext beizulegen, reicht die Angabe eines Links, der auf diesen verweist.
  • Nur um das noch einmal zu betonen: Selbstverständlich war immer eine kommerzielle Nutzung der Inhalte der Wikipedia möglich und selbstverständlich wurde in der Vergangenheit die geltende, sehr unpraktikable GFDL-Lizenz – im Gegensatz zur im Artikel aufgestellten Behauptung – von den Nachnutzern in den meisten Fällen eingehalten. Als Beispiele seien nur die verschiedenen CD- und DVD-Ausgaben der Wikipedia oder das gedruckte Wikipedia-Lexikon in einem Band genannt, die alle von kommerziellen Nachnutzern erstellt und vertrieben werden.

    Die letzte Wendung des Beitrags ist schließlich für mich gar nicht mehr nachzuvollziehen. Hier werden munter unfreie Gratis-Inhalte ins Spiel gebracht und Wikipedia-Autoren unterstellt, dass sie eine Vergütung für die Schaffung Freier Inhalte wünschen oder erwarten würden, sofern die erstellten Inhalte kommerziell genutzt würden. Mir ist ja bewusst, dass die Gemeinschaft der Wikipedia-Nutzer oftmals für Außenstehende eine schwer zu durchschauende Masse darstellt – aber solche unbelegten Thesen aufzustellen, die mit der Realität augenscheinlich wenig zu tun haben, ist dann doch ein starkes Stück.

    Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich in diesem Artikel die im Gegensatz sonst beim Deutschlandfunk positiv hervorstechende Qualität der Beiträge *stark* vermisst habe.

    Enttäuscht, Tim Bartel.
    Mitglied des Vorstands Wikimedia Deutschland e.V.

Ich bin gespannt ob ich eine Antwort erhalte und ob der Artikel nachgebessert wird.

Die Veröffentlichung des Ergebnis der Abstimmung über die Änderung der Lizenzbestimmungen, an der sich über 18.000 Wikipedianer beteiligt haben, wird für heute in Kürze erwartet.

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Wenn man die Kamera im Nacken spürt…

„Behavioral Targeting“ ist der Fachbegriff für die Auswahl möglichst passender und interessanter Inhalte (meistens Werbung), basierend auf dem Verhalten und den Nutzungsgewohnheiten eines Menschen.

Per se ist das eigentlich gar keine schlechte Idee. So sollte der Nutzen bei werbefinanzierten Angeboten nicht nur für den Anbieter, sondern auch für den Besucher größer werden, da die Werbung – zumindest in der Theorie – eher seinen Interessen entspricht. Gleichzeitig muss einem jedoch bewusst sein, dass dabei eine Menge Daten anfallen, die ein relativ genaues Bild von einem aufzeigen.

Unabhängig vom Nutzen sollte aber eines gewährleistet sein: Jeder sollte für sich selbst bestimmen können, ob er an dieser Form der Datenanalyse teilnehmen möchte oder nicht. Und nicht nur das: Er sollte sein explizites Einverständnis dazu geben.

Diese Grundannahme wird von dem Unternehmen Phorm unterlaufen. Phorm setzt nicht auf der Verbraucherseite an, sondern greift entsprechende Daten direkt bei Internetprovidern ab. In Großbritannien hat Phorm mit mehreren großen Providern eine Allianz geschlossen, so dass es sich Zugriff auf die Surfgewohnheiten von mehr als 70 % aller Haushalte mit Breitbandanschluss gesichert hat.

Im Gegensatz zu einem Anbieter, der auf seinen eigenen Seiten Behavioral-Targeting-Techniken nutzt, hat Phorm keinen Zugriff auf die Inhalte anderer Anbieter und die Klickstreams der Nutzer. Um dieses „Problem“ zu umgehen setzten die mit Phorm zusammenarbeitenden Provider Deep packet inspection (DPI) ein und greifen damit tief in die Privatsphäre der Nutzer, sowie in die Funktionalität und die Freiheit des Internets ein.

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Britische Zensur der Wikipedia und ihr Kollateralschaden

Ein „Kollateralschaden“ einer Wikipedia-Sperrung im Vereinigten Königreich führt dazu, dass zehntausende von Wikipedia-Autoren sich nicht mehr schreibend an der Wikipedia beteiligen können. Grund dafür ist ein 32 Jahre altes Album-Cover der deutschen Rockband Scorpions.

Aufgrund einer Beschwerde über das Bild bei der britischen Selbstkontroll-Instanz Internet Watch Foundation (IWF) wurde der enzyklopädische Artikel über das Album Virgin Killer auf deren Schwarze Liste aufgenommen. Dies führt dazu, dass nach Angaben der IWF 95 % aller Nutzer mit privaten Internetanschlüssen keinen Zugriff mehr auf den Text haben, der sich mit der Kontroverse um das Bild beschäftigt.

Um diese Sperrung zu ermöglichen werden sämtliche Zugriffe der Provider-Kunden auf die Wikipedia „gekapert“ und über einen Kontrollpunkt umgeleitet. Dies führt neben Performance-Einbußen dazu, dass keine Unterscheidung der einzelnen Benutzer aus dem Vereinigten Königreich mehr möglich ist und sie gegenüber der Wikipedia als eine Person auftreten. Durch den Wegfall der Möglichkeit, einzelne Vandalen gezielt zu sperren, wird zehntausenden von Autoren der schreibende Zugriff auf die Wikipedia versagt.
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Kochen für die Wikipedia

Nilz Bokelberg (auf der re:publica 2007)
Nilz Bokelberg (auf der re:publica 2007)
Foto: heins-mit-z / Lizenz: BY-NC-SA

Wenn während der Europameisterschaft ein Deutschlandspiel im ZDF übertragen wird, haben es andere Sender schwer, dem etwas entgegen zu setzen. In diesem Fall zeigt man aufgrund der zu erwartenden niedrigeren Einschaltquoten lieber einmal eine Wiederholung.

Der Sender VOX zeigte so am vergangenen Sonntag eine Aufzeichnung der Sendung „Das perfekte Promi Dinner“ vom 10. Juni 2007. Am Herd standen Nicole Belstler-Boettcher, Michaela May, Thomas Fuchsberger und Ex-VIVA-Moderator Nilz Bokelberg.

Ohne die Leistung der anderen Teilnehmer zu bewerten: Nilz beim Kochen zuzuschauen ist definitiv lustig. Er gehört zur „Internet-Generation“ und so wird das Rezept auch schnell online auf dem neben der Spüle stehenden Laptop nachgeschlagen. Interessant für Wikipedianer wurde es aber besonders am Ende der Sendung – was wir letztes Jahr noch nicht bemerkt hatten: Nilz kündigte an, seinen Gewinn auf ein Obdachlosenprojekt und Wikipedia zu verteilen. Vielen Dank!

Grund genug, ihm ein paar Fragen zu stellen:

Tim: Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Teil deines Gewinns gerade für Wikipedia zu spenden?

Nilz: Ich glaube es ist wichtig für die Leute zuverlässige Wissensquellen zu haben. Nun kann in der Wikipedia ja auch immer alles geändert werden – man könnte sie also für unzuverlässiger als alles andere halten. Aber diese offene Struktur hat sich letzten Endes doch bewährt und das finde ich nicht nur großartig, sondern auch wichtig. Freies Wissen für alle, nur so kann das was mit dem mündigen Bürger werden.

Tim: Kannst du dich noch an deinen ersten Kontakt mit der Wikipedia erinnern?

Nilz: Puh… nicht wirklich. Aber ich war wohl ziemlich beeindruckt und habe wohl auch am Anfang nicht ganz verstanden, was das eigentlich sein soll. Müsste über Google da gelandet sein. Aber das ist ja auch das Schöne bei Anwendungen, die so wichtig im Alltag für einen selbst geworden sind: Es fühlt sich an, als seien sie schon immer da gewesen.

Tim: Hast du schon selbst Bearbeitungen vorgenommen oder neue Artikel verfasst?

Nilz: Ne gar nicht. Ich habe wohl mal einen Account angelegt und ich weiss auch noch das ich irgendetwas ändern wollte, was nicht stimmte, aber ich kann einfach nicht faktisch schreiben. Deswegen hab ich es lieber gelassen, anstatt das Thema einer Löschdiskussion zu werden…:)

Tim: Falls du die Möglichkeit hättest, dir drei beliebige Veränderungen an der Wikipedia zu wünschen, die direkt umgesetzt werden. Was würdest du ändern?

Nilz: So spontan fällt mir da gar nichts ein. Ich finde zu gewissen Zeitpunkten die Relevanzdiskussionen etwas übertrieben, denn ob der SV Hintertupfingen eine sportliche Relvanz in der Geschichte des Eisstockschiessens hat, sei erstmal dahin gestellt. Da er aber ein existierender Verein ist oder war, müsste das meiner Meinung nach schon reichen für einen Eintrag. Denn wenn das in 10 Jahren auch nur ein einziger sucht, dann hat sich der Eintrag schon gelohnt. Falls er hilfreich war. Privatpersonen brauchen wirklich keinen Eintrag.

Tim: Du bist ja mit deinem Blog Weltfrieden selbst seit geraumer Zeit im „Web 2.0“ aktiv. Wie siehst du die Zukunft von traditionell erstellten Medien im Verhältnis zu Angeboten, die auf UCG (=user generated content) aufbauen? Welche Vor-/Nachteile gibt es nach deiner Auffassung bei den jeweiligen Ansätzen?

Nilz: Ich denke das alles kann nur funktionieren, wenn es sich noch mehr verzahnt. Nur das eine oder das andere ist mittlerweile zu wenig. Allerdings bringt es auch nichts sich andauernd gegenseitig die Köppe einzuhauen. Von wegen Blogger-vs.-Journalismus-Debatte. Die deutsche Blogosphäre tut sich schwer mit ihrer Professionalisierung resp. Kommerzialisierung. Man kann manchen Leuten einfach nicht oft genug über den Kopf streicheln und sagen: Nein, es ist wirklich nicht schlimm, wenn jemand mit dem was er gerne macht Geld verdient. Die Diskussion zehrt an den Kräften deutscher Blogs und schwächt ihre Position im Ganzen. weil sie sich dann wieder auf dieses Thema einlassen müssen, das wirklich niemanden ausser Blogger selbst interessiert, und selbst da auch nur einen kleinen Teil. Ich habe mich zum Beispiel davon verabschiedet, übers bloggen zu bloggen, weil das „normale“ User einfach mal so gar nicht interessiert. Trotzalledem: Ich möchte auf meine mogendliche auf Papier gedruckte Zeitung nicht verzichten. Die hat schon den absoluten Vorteil, das ich sie auch mit aufs Klo nehmen kann, was mit einem Laptop immer ein ziemlicher Act ist. Beide Medien können wunderbar nebeneinander exitieren, sie müssen sich nur aufeinander einlassen. Und vom anderen lernen. Deswegen lese ich zum Beispiel so gerne Niggemeier, weil der quasi „Best of both Wolds“ verkörpert. Bloggender Journalist oder journalistischer Blogger. Desweiteren sollen alle aber auch das bleiben, was sie sind: Blogger oder Journalisten. Bitte nicht den anderen nachahmen…

Tim: Warum hat dein Wikipedia-Artikel noch kein freies Foto von dir? :-)

Nilz: Dann sollt ich wohl mal eins hochladen, aber ich habe immer Angst etwas zu dem Eintrag über mich beizusteuern, weil das dann immer so aussieht, als wenn ich den gepimpt hätte, um besser dazustehen…:) Und die Löschdiskussion um mein Foto würde ich wohl nicht ertragen…

Tim: „Nilz in 3 Sätzen“?

Nilz: Ich halte mich für stylischer, als ich bin. Ernähre mich, hauptsächlich, von Kommunikation, Musik, Nikotin, Wasser mit Fruchtgeschmack und Saté-Spiessen. Und ich kann nicht streiten.

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Gesichtete und geprüfte Versionen nun aktiv

Nicht ganz zwei Monate nach der klaren Aussage, dass die gesichteten und geprüften Versionen in der deutschsprachigen Wikipedia „bald“ implementiert werden, ist es nun soweit! Letzten Samstag gab es in den frühen Morgenstunden einen Testlauf, bei dem noch einige wenige Fehler auftraten, die nun behoben wurden. Heute, am 6. Mai, wurde nun die Erweiterung erneut in der deutschsprachigen Wikipedia angeschaltet.

Da die Funktionalität erst heute aktiviert wurde, ist die große Mehrzahl der Artikel momentan noch nicht gesichtet. Weitere Informationen zur Vorgehensweise finden sich auf der Seite Hilfe:Gesichtete und geprüfte Versionen.

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Erweiterung der Blogosphäre

Nachdem unser Blog jetzt seit über vier Monaten läuft und von den Lesern gut angenommen wird, hat jetzt auch die Wikimedia Foundation ein Blog gestartet. Ab sofort findet man unter der Adresse http://blog.wikimedia.org/ Neuigkeiten aus dem Dunstkreis der Foundation. Zum Start wünschen wir ein gutes Gelingen.

Weitere interessante Neuigkeiten aus dem Wikimedia-Universum findet man nicht nur in unserem Blog, sondern auch im deutschsprachigen Planet Wikimedia. An dieser Stelle werden eine Vielzahl von Blogpostings in deutscher Sprache, die sich mit Wikimedia-Themen auseinandersetzen, zusammen aggregiert – sehr hilfreich für einen schnellen Überblick.

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Besuch im neuen WMF-Büro

Vor wenigen Wochen hat die Wikimedia Foundation ihren Hauptsitz aus St. Petersburg in Florida nach San Francisco in Kalifornien verlegt. Der Entscheidung für diesen Standort gingen lange und intensive Überlegungen voraus: Aus einer Auswahl von sechs Städten entschied man sich schließlich für San Francisco, da dies die besten Voraussetzungen für einen weiteren Aus- und Aufbau der Foundation bietet.

Die neuen Räumlichkeiten sind inzwischen eingerichtet, die Mitarbeiter haben sich in der neuen Umgebung eingelebt und da ich mich mit einer Reihe Wikipedianer zur Zeit in der Gegend befinde, habe ich die Gelegenheit für einen kurzen Besuch wahrgenommen.

Nach einem kurzen Gespräch mit dem „Volunteer Coordinator“ Cary Bass war klar, dass wir herzlich eingeladen seien, einmal hereinzuschauen. Mit Cary habe ich in der Vergangenheit schon mehrfach besonders im Bereich des Wikimedia Communication Committees zusammengearbeitet, hatte ihn aber bisher im „realen Leben“ noch nie getroffen.

Mit einer kleinen internationalen Gruppe machten wir uns dann Ende letzter Woche auf den Weg und wurden von geschäftigem Treiben empfangen. Die Geschäftsführerin Sue Gardner, ihr frisch gebackener Stellvertreter Erik Möller, Cary, unser „Scotty“ Brion Vibber, der Rechtsberater der Foundation Mike Godwin, der frisch gebackene Kopf des Business Developments Kul Wadhwa sowie eine Office-Managerin waren vor Ort und nahmen sich – manchmal abwechselnd – etwas für uns Zeit.

Besonders hat es mich gefreut, endlich Sue Gardner kennenzulernen, da ich bei ihrem Besuch in unserer Geschäftsstelle in Deutschland nicht anwesend war. Mein Eindruck war – wie auch bei meinen Vorstandskollegen – überaus positiv. Sue ist eine angenehme, taffe Frau die mit ihrem professionellen Handeln für die Foundation viel erreichen wird. Allgemein ist Wikimedia Deutschland bei der WMF hoch angesehen. Gefreut hat mich auch, dass nicht nur das zentrale Bücherregal mit deutschsprachigen Wikipedia-Auskopplungen des Directmedia-Verlags bestückt war, sondern auch das Titel-Cover des Sterns in Postergröße die Wand ziert.

Die neuen Räumlichkeiten der Foundation sind offen, es gibt deutlich mehr Platz als zuvor und jede Menge Whiteboards an den Wänden laden dazu ein, kreativ zu werden. Viel Zeit für tiefschürfende Gespräche gab es aufgrund der kurzfristigen Planung und der anliegenden Arbeit leider nicht, aber um einen Eindruck zu gewinnen und sich persönlich kennen zu lernen, hat sich der Kurzbesuch auf jeden Fall gelohnt.

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Die WMF-WWM-Verschwörung

WMF = Wikimedia Foundation (Betreiber der Wikipedia)
WWM = Wer wird Millionär? (bekannte TV-Quiz-Show)

RTL nennt es „einen einzigartigen Abend bei Wer wird Millionär?„, in der Wikipedia ist es „business as usual“.

Am 1. Februar verfolgt ein großer Teil der deutschen Fernsehnation gespannt, wie Gabriele Weber bei Günther Jauch bis zur 500.000-Euro-Frage durchmarschiert. Sie war schon dreimal erfolglos in der Auswahlrunde, hatte dafür aber bei ihrem vierten Anlauf am Freitag die gesamte Sendezeit zur Verfügung.

Die Kandidatin beantwortete alle Fragen bis zur 125.000-Euro-Frage ohne auf einen der vier Joker der Risikovariante zurückzugreifen. Hier erst zog sie ihren 50:50-Joker, obwohl sie schon zuvor die Antwort richtig erläutert hatte. Die folgende 500.000-Euro-Frage lautete schließlich:

„In welcher Stadt befindet sich das Generalsekretariat von Interpol?“

A: Palermo
B: Utrecht
C: Lyon
D: Zürich

Ohne Hilfe konnte Frau Weber diese Frage nicht beantworten. Von ihren drei verbleibenden Jokern wählte sie zunächst den erweiterten Publikumsjoker. Nur ein Zuschauer aus dem Publikum traute sich eine Antwort zu – Utrecht. Da er sich nicht zu 100 Prozent sicher war, sollte ein Telefonjoker weitere Hilfe geben. Dieser musste jedoch bei der Frage passen. So kam auch noch der Publikumsjoker zum Einsatz, der folgendes Ergebnis brachte:

A: 1 % (Palermo)
B: 50 % (Utrecht)
C: 9 % (Lyon)
D: 40 % (Zürich)

Obwohl der sehr hohe Prozentsatz der Antwort D (Zürich) ins Auge fiel, entschied sich die Kandidaten zu passen und mit 125.000 Euro das Spiel zu beenden. Daraufhin beglückwünschte Herr Jauch Frau Weber, aber vor der spannenden Auflösung der Frage wurde gegen 21:00 Uhr ein Werbeblock geschaltet, so dass die Fernsehzuschauer die Möglichkeit hatten, die richtige Antwort per SMS-Gewinnspiel abzugeben. Auf diese Weise lassen sich zwar nicht 500.000-Euro, aber immerhin 5.000 Euro gewinnen.

Bis hierhin hatte das Ganze nichts mit der Wikipedia zu tun. Nun hat sich aber herumgesprochen, dass man den einen oder anderen Fakt doch ganz gut in der Online-Enzyklopädie recherchieren kann :-). Und dies wird auch gerne bei Gewinnspielen getan.

Während die korrekte Antwort bereits seit 2004 im Artikel Interpol zu finden war, wurde sie – um 21:00 Uhr – von einem nichtangemeldeten Besucher auf „Utrecht“ geändert. Diese Änderung wurde eine Minute später revertiert. Um 21:05 wechselte der angebliche Sitz erneut zu „Utrecht“, eine Minute später zu „Berlin“. Daraufhin folgte ein Revert, danach war „Zürich“ an der Reihe. Nach „Penisland“, Grüßen an alle Wer-wird-Millionär?-Seher und einigen weiteren Änderungen wurde der Artikel um 21:10 schließlich revertiert und halbgesperrt, so dass er für nichtangemeldete Benutzer nicht mehr bearbeitbar war.

Obwohl die falsche Antwort „Utrecht“ insgesamt nur etwa zwei Minuten im Artikel stand (eine Minute davon mit kleinem ‚u‘), wurde er in dieser Zeit von einer Vielzahl Menschen aufgerufen. Zum einen von interessierten RTL-Zuschauern, die für sich selbst gerne eine Antwort haben wollten, zum anderen aber natürlich auch von Teilnehmern des SMS-Gewinnspiels. Vielen dieser Personen ist die Funktionsweise der Wikipedia augenscheinlich nicht bekannt…

Anbei ein kleiner Auszug von Mails, die uns erreicht haben:

gestern wurde im Verlauf einer Fernsehsendung (Wer wird Millionär,RTL). kurzfristig der Standort des Generalskretariats Interpol, von Lion auf Utrecht geändert!!

Ich vermute eine Zusammenarbeit mit Ihnen und dem Sender RTL, da es um eine Menge Geld ging. Ich perönlich halte das für Betrug und werde aus diesem Grund Ihre Plattform nicht mehr aufsuchen.

Leider mußte ich feststellen, das man sich nicht auf eure Informationen verlassen kann. Es geht um eure Information in Bezug auf den Sitz von Interpol. Ich habe bei „Wer wird Millionär“ auf Grund eurer Info, 0,50 Cent,ausgegeben um dann festzustellen das es eine falsche Information von eurer Internetseite ist. Da stand Utrecht und nicht Lyon. 2 Minuten später stelle ich fest, das ihr die Seite geändert habt, weil ihr Mist gebaut habt. Zwar gut für die anderen die zukünftig auf eure Seite gehen, aber enttäuschend für mich, weil ich mich auf eure InfoŽs verlassen habe. Ich weiss zwar nicht ob euch das wirklich interessiert,aber ich fühle mich verarscht.

Auf der Diskussionsseite des Artikels wurde vermutet, dass Mitarbeiter von RTL diese Änderung absichtlich vorgenommen haben um Telefonjoker zu irritieren. Dies ist nicht möglich, da die Sendung im Vorfeld aufgezeichnet und nicht live gesendet wird. Die Argumentationsstruktur lässt sich dadurch aber nicht stören:

ich weiß zwar nicht, wie man eine „Falschmeldung“ so ohne Weiteres einfügen kann;aber dann ist es wohl auch möglich,das es ein Mitarbeiter von RTL war. Ich meine die Sendung läüft um einen Tag zeitversetzt, demzufolge sind auch Zuschauer und Telefonjoker live dabei.
Fall`s man sich zum manipolieren „einlocken“ muss, werden Sie das sicherlich ,in Ihrem eigenen Interresse, rausfinden.
Wenn Sie es überhaupt wollen??

Schlussfolgerung: Wir haben noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

Ach, bevor ich es vergesse. Die richtige Antwort ist tatsächlich Lyon. Die Weisheit der Vielen hat hier versagt.

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Tintenfische für freies Wissen

Das ging fix: Vor wenigen Stunden hat der Systemadministrator Mark Bergsma im Amsterdamer Rechenzentrum 15 neue Server in Betrieb genommen, die den Europäern Zugang zu den Wikimedia-Projekten, allen voran der Wikipedia, sichern. Finanziert wurden sie aus den Spendeneinahmen des Wikimedia Deutschland e.V.

60.000 Euro haben die neuen Rechner gekostet, die als Zwischenspeicher (Cache Proxies/Squids = „Tintenfisch„) eingesetzt werden. Sie ergänzen die bereits bestehenden 15 Squid-Rechner, die ebenfalls von Wikimedia Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Da die neuen Maschinen bessere Leistungsdaten haben (Intel Xeon Dual-Core 2.0 Ghz, 16 GB Ram, 4×73 GB Disk 15000 RPM) konnten die bestehenden Kapazitäten mehr als verdoppelt werden.

Dies war auch dringend nötig: Die Zugriffe auf Wikimedia-Projekte steigen weiterhin an. Mit sieben Milliarden angezeigten Artikeln pro Monat müssen die Wikimedia-Server mehr als 50.000 Anfragen pro Sekunde (!) verkraften. Die bisherige Kapazität war nahezu erschöpft.

Infrastruktur Rechenzentrum Amsterdam
Übersicht über die Infrastruktur des Amsterdamer Rechenzentrums (Squids: unten rechts)

Weltweit sorgen 90 Squid-Proxies dafür, dass die Inhalte der Wikimedia-Projekte möglichst zügig ausgeliefert werden können. 10 Stück – gespendet von Yahoo! (2005) – stehen im Wikimedia-Rechenzentrum in Seoul und versorgen die asiatischen Nutzer. Unsere 30 Rechner in Amsterdam beliefern Europa, der Rest der Welt wird von 50 Squids aus den USA bedient.

Der allergrößte Teil der Nutzer greift unangemeldet auf die Seiten zu, so dass keine Verbindung zu einem Datenbankserver notwendig ist. Stattdessen wird aus dem Zwischenspeicher die letzte „statische“ Version ausgeliefert. Dies entlastet die zentralen Datenbankserver ungemein. Alleine in Europa laufen 80-98 % aller Wikipedia-Zugriffe über die Amsterdamer Rechner. Ohne eine Zwischenspeicherung von Inhalten würde die Wikipedia unter den vielen Anfragen innerhalb weniger Sekunden zusammenbrechen.

PS: Momentan laufen nur 29 Server, da eines der neuen Geräte einen Defekt hat (vermutlich am Netzwerkinterface). Mark kümmert sich drum.

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