Geschrieben von Marcus Cyron



Nach der Residence durch die Republik

Nach der stressigen Zeit als Resident hatte ich auf ein wenig Ruhe gehofft, doch so funktioniert Wikipedia bekanntlich ja nicht. Nach der Rückkehr aus Istanbul ging es relativ schnell mit den nächsten Terminen weiter. Vielfach ergeben sie sich mittlerweile aus der Tätigkeit als „WiR“, resultieren aber auch noch von der Tagung „Wikipedia trifft Altertum“ oder von anderen Kontakten.

Academia Baltica

Als erstes war ich Mitte Dezember zu einer Tagung der Academia Baltica eingeladen. Vertreter der Akademie wurden gerade durch die Berichterstattung zum „Wikipedian in Residence“ auf mich aufmerksam und so fuhr ich nach Plön in Schleswig-Holstein. Dort wurde diskutiert, wie man das anstehende „Ostseeprojekt“ präsentieren sollte. Eine der Möglichkeiten, über die nachgedacht wird, ist dies im Rahmen der Wikipedia zu tun. Somit stellte ich Wikipedia  vor und gab ihnen einen Blick hinter die Kulissen, vor allem mit einem Schwerpunkt auf der internen Qualitätssicherung. Die, wie hinterher zurecht angemerkt wurde, weniger eine Qualitätssicherung denn eine Abfolge von Rettungsaktionen ist. Für Wikipedia wäre die Einbindung der Ergebnisse des Ostseeprojektes sicher äußerst positiv, der qualitative Gewinn wäre ohne Zweifel immens. Und auch das Ostseeprojekt würde durch die vielen zuarbeitenden Hände und beispielsweise auch die internen Verlinkungen dabei gewinnen.

Auch andere Formen der Darstellung wurden gezeigt, etwa das „Virtual Shtetl„, das „Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“  und nicht zuletzt optisch sehr beeindruckend das „Institut für Raumdarstellung„. Der international besetzte Workshop fand in einem vergleichsweise kleinen Rahmen statt, der zu einer aktiven Diskussion einlud, an der auch ein Fachfremder wie ich folgen und teilnehmen konnte. Interessant ist sicher auch für die Wikimedia-Projekte, dass die Zeit nicht stehen bleibt und die veraltete Infrastruktur im Projekt leider langsam zu einem großen Hemmschuh der Entwicklung wird. Andere Projekte sind schon sehr viel weiter, fairerweise muß man aber auch sagen, dass diese meist einen weitaus kleineren inhaltlichen Fokus haben. Mit Entwicklungen wie Wikidata und dem für die Jahresmitte angekündigten „What-you-see-is-what-you-get-Editor“ schafft Wikipedia aber hoffentlich wieder einen großen Sprung nach vorn.

Mainz und Wiesbaden

Marcus Cyron, CC-BY-SA 3.0

Danach folgte erst wieder im Januar der nächste Termin. Bei meinen ersten Veranstaltungen als Resident habe ich mehrfach Patrick Schollmeyer, den Kurator der Kunstsammlung der Universität Mainz getroffen, der mich zu einer Lehrveranstaltung einlud, in der ich einmal mehr die Wikipedia, dieses Mal mit einem Schwerpunkt auf der Archäologie und Kunstgeschichte, vorstellte. In der Veranstaltung sollte auf die Möglichkeiten der „Neuen Medien“ in den angesprochenen Disziplinen eingegangen werden. Dabei mussten zwei Aspekte besonders deutlich heraus gestellt werden: Wikipedia ist weder ein Ort um reich und berühmt zu werden, andererseits ist es ein Ort, an dem man einer sehr großen Leserschaft wichtige Themen näher bringen kann. Ein glücklicher Zufall war, dass am Abend dieses Tages die Antikensammlung der Universität wieder eröffnet wurde und ich an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Besonders freute mich, dass ich auf diesem Wege einmal Elke Böhr kennenlernen durfte, die mit ihren Forschungen zur attischen Vasenmalerei und insbesondere zum Schaukel-Maler bekannt wurde.

Kleines Schmankerl am Rand: Im ganzen Gebäude der Universität hingen Aushänge mit einem Hinweis auf ein Rededuell zwischen Studenten und Professoren, bei dem es darum ging, ob Wikipedia Weltkulturerbe werden solle. Wie das ausging kann man im Wikipedia-Kurier nachlesen.

Kurzfristig ergab sich Tags darauf noch ein weiterer Termin mit Reinhard Dietrich, Referatsleiter Denkmalschutz, Kulturgutschutz, UNESCO-Welterbe und Rechtsangelegenheiten im Kulturbereich im Hessischen Ministerium für Wissenschaft. Reinhard Dietrich, selbst aktiver Wikipedianer, wollte ursprünglich zu „Wikipedia trifft Archäologie“ nach Berlin kommen, doch wurde die Veranstaltung bekanntlicherweise inhaltlich etwas verändert und um mehrere Wochen verschoben. Somit sprachen wir etwa über die für Herbst angedachte, bis dann neu konzipierte Veranstaltung „Wikipedia trifft Archäologie“, aber auch über die Strukturen in der Wikipedia und Aktionen wie „Wiki Loves Monuments“ und die Grenzen, die selbst er als Referatsleiter hier hat. Eigentlicher Entscheidungsträger ist nämlich das Landesdenkmalamt, das jedoch – und das zum Teil aus nachvollziehbaren Gründen – etwa mit ihren Daten nicht immer so offen umgeht, wie sich die Wikimedia-Comunity das wünschen würde. Dennoch ist es sicher für Wikipedia alles andere als schädlich einen Mitarbeiter und Freund in einer solchen Position zu wissen.

HTW Berlin

Letzte Woche folgte auf Einladung von Dorothee Haffner an der HTW Berlin die nächste Einführungsveranstaltung in die Wikipedia. Die Verbindung zu Frau Haffner entstand schon im Mai 2012 bei der MAI-Tagung (MAI = Museums and the Internet) in Leipzig. Zwischen 20 und 30 Studenten der Museumskunde und ich hatten drei Stunden Zeit für einen Blick „hinter die Kulissen“ der Wikipedia und zudem auch eine praktische Einführung. Spätestens bei solchen Veranstaltungen merkt man, dass das Leben als Neuwikipedianer heute doch nicht mehr so leicht ist wie 2005 als ich begann. Dennoch kamen wir vergleichsweise rasch vorwärts und ich denke und hoffe, dass bei vielen der Studenten die Grundlage gelegt wurde, zumindest theoretisch in der Wikipedia aktiv sein zu können. Fast obligatorisch war in der Diskussion die Auseinandersetzung mit den internen Relevanzkriterien. Manchmal ist es wirklich schwer zu erklären, warum nicht jede Garagenband einen Wikipedia-Artikel bekommen kann. Alles in allem war es aus meiner Sicht eine äußerst erfreuliche und ergiebige Veranstaltung.

Überlegungen

Was bleibt nach diesen Terminen, die in ihrer Ähnlichkeit doch alle unterschiedlich waren? Wikipedia „sickert“ immer mehr und immer direkter in die verschiedenen Institutionen. Selbst wenn man Wikipedia nicht mag, kommt man mittlerweile schwerlich an ihr vorbei, ja selbst ein Engagement erscheint immer öfter als sinnvoll und wünschenswert. Vielfach weiß man aber noch nicht, wie das am besten geht. Hier müssen wir ansetzen. Ein für mich immer wieder interessanter Fakt: Die Kritik aus „der Wissenschaft“ erfolgt häufig nicht zuletzt deshalb, weil man an Wikipedia den Anspruch stellt, den man auch an Fachlexika stellt, quasi das unterstellt, was Wikipedia ja immer verneint zu sein: zitierfähige Sekundärliteratur. Manchmal sind wir dem näher als wir es selbst glauben. Der Respekt für Wikipedia und die bisherige Leistung ist mittlerweile so groß, dass daraus auch Ansprüche an das Projekt erwachsen, die für die Autoren eigentlich bislang fremd waren. Wir sind schlicht so gut, dass die Ansprüche und Maßstäbe, die an uns angelegt werden, mittlerweile auch sehr hoch sind.

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Die beiden letzten Monate als Resident

Seit meinem letzten Beitrag sind nun doch zwei statt des geplanten nur einen Monat vergangen. Schuld war ganz simpel die Zeit. Aber ich denke, der folgende Bericht zeigt das letztlich auch recht gut:

Zuletzt berichtete ich vom Limes-Workshop. Von diesem kehrte ich nicht gleich aus dem Odenwald ins heimische Berlin zurück, sondern hatte ein paar Tage später eine Einladung zur EXAR-Tagung, dem Jahrestreffen der Experimantal-Archäologen. Die beiden dazwischen liegenden Tage überbrückte ich in Würzburg, wo ich mir einmal mit etwas mehr Ruhe als beim ersten Mal. Bei der EXAR-Tagung schließlich, die in Windisch bei Brugg im Kanton Aargau in der Schweiz durchgeführt wurde, sollte ich etwas über die Möglichkeiten der Experimentalarchäologie in der Wikipedia sagen. Um hier kurz zusammen zu fassen, was ich dort konstatieren musste: die Möglichkeiten sind immens, da es in dem Bereich bislang kaum Vorzeigbares in angemessenem Umfang gibt.

Fidiou 1 - Sitz der Abteilung Athen des DAI - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0
Fidiou 1 - Sitz der Abteilung Athen des DAI - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0

Der Oktober fand seinen Höhepunkt in einer Dienstreise an die Außenstelle Athen des DAI. Ich wurde ungemein freundlich aufgenommen und war auch mehrere Tage im Haus in der Fidiou 1 untergebracht. Ein Haus, das kein geringerer als Heinrich Schliemann nach Plänen Ernst Zillers und Wilhelm Dörpfelds erbauen ließ. Und noch vieles in diesem Haus atmete die Ideen, die diese drei Männer verfolgten. Dank Nils Hellner, dem Referenten für Bauforschung der Abteilung, erhielt ich auch einige Einblicke in dieses Thema. Zudem bekam ich eine kompetente Führung über den Kerameikos und besuchte das Archäologische Nationalmuseum, das Neue Akropolis-Museum, das Kerameikos-Museum und das Kykladenmuseum. Dabei entstand eine vierstellige Zahl an Bildern für Wikimedia. Meine Präsentation der Wikipedia war wie auch alle weiteren recht gut besucht und es entspann sich eine Diskussion im Anschluss.

In Deutschland zurück nahm ich aufgrund einer Einladung am Berliner Herbsttreffen zur Museumsdokumentation teil, wo ich das Residence-Projekt vorstellte. In der Woche darauf stellte ich es erneut vor, nun auf der Tagung Zugang gestaltenim Jüdischen Museum Berlin. Dieser Beitrag in einem vorgegebenen Format, bei dem man für 20 Bilder jeweils 20 Sekunden Zeit zum Erklären hatte, war der Fokus auf der Zusammenarbeit mit dem DAI.

Hapy, Gott des Nils, Vatikanische Museen, römisch - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0
Hapy, Gott des Nils, Vatikanische Museen, römisch - Marcus Cyron cc-by-sa-3.0

Der letzte Monat brachte Reisen nach Rom und Madrid. Leider war hier in bedien Fällen eine Unterbringung im Gästebereich der DAI-Aussenstellen nicht möglich. Die wohl lebhafteste Diskussion überhaupt löste meine Vorstellung der Wikipedia in Rom aus. Besonders erfreulich war es, dass hier weniger mit mir diskutiert wurde, als sogar unter den Wissenschaftlern über das Für und Wieder eines Engagements in der Wikipedia. Wobei es von keiner Seite grundsätzliche Ablehnung gab, wie mir erschien, nur die Art und die Zielsetzung wurden diskutiert. Um einen Diskussionspunkt einmal zu nennen: soll man Studenten einen sehr guten, einfach zugänglichen Artikel präsentieren, und diesen damit die weitere Recherche abnehmen? Daneben war ich in den Vatikanischen Museen und auf dem Protestantischen Friedhof von Rom. Ein geplantes Treffen mit der italienischen Community scheiterte leider an der unterschiedlichen Auslegung des Kalenders. Auch in Rom entstanden wieder weit über 1000 Bilder.

In Madrid wurde ich von meinem Freund Michael Kunst erstklassig betreut. Im Ergebnis war Madrid vielleicht die ergiebigste meiner Reisen. Auch wenn Thomas Schattner, der zweite Direktor der Abteilung, etwas irritiert war, dass einfach so ein Artikel zu seiner Person in der Wikipedia verfasst werden konnte (und mit mir noch dazu auf den Urheber des Artikels traf), waren die Mitarbeiter doch sehr aufgeschlossen auch in der Wikipedia als Abteilung aktiv zu werden. Das betrifft nicht nur den Artikel zur Abteilung selbst, der bislang noch fehlt, sondern auch zu verschiedenen Ausgrabungen der Abteilung. Hierzu wird überlegt, die ohnehin zu schreibenden Artikel für die Jahresberichte in abgewandelter Form ein zweites Mal zu verwenden. In meinen Augen eine sehr gute Idee! Leider war das Fotografieren bei meinem doch recht kurzen Aufenthalt in der recht kalten spanischen Hauptstadt beim Besuch des Prado nicht erlaubt. Abschließender Höhepunkt war das Treffen mit einem Vertreter der spanischen Comunity. Eigentlich war es noch geplant, die Direktoren des DAI auf ihrer jährlichen Direktorenkonferenz analog zu Projekten wie dem Landtagsprojekt zu fotografieren, was allerdings kurzfristig an der Zeitknappheit der Archäologen scheiterte.

Blick aus meinem Fenster in Istanbul - Marcus Cyron, cc-by-sa-3.0
Blick aus meinem Fenster in Istanbul - Marcus Cyron, cc-by-sa-3.0

Obwohl eigentlich Ende November meine Tätigkeit offiziell beendet war, kam Anfang Dezember noch eine Fahrt nach Istanbul, die sich zuvor nicht realisieren ließ. Am Bosporus hatte ich wieder das Glück beim DAI, in diesem Falle dem Wolfgang Müller-Wiener-Kolleg untergebracht zu werden. Beim Gebäude handelte es sich um die ehemalige deutsche Botschaft, heute teilen sich das DAI und das Generalkonsulat das Gebäude mit einem fantastischen Blick auf den Bosporus. Dementsprechend kam man auch nur mit einem Besucherausweis problemlos am Pförtner vorbei. Die Aufnahme war einmal mehr äußerst freundlich, mit Jürgen Seeher und seiner Frau Ayşe Baykal-Seeher hatte ich einmal mehr äußerst nette und kompetente Ansprechpartner. Nach meinem „Blick hinter die Kulissen der Wikipedia“ kam es wegen der schon recht fortgeschrittenen Zeit zu einer relativ kurzen Diskussion. Der Direktor der Abteilung, Felix Pierson, drückte neben seinem Lob für Wikipedia auch die Sorge aus, dass es durch diese mittlerweile übermächtig erscheinende Plattform Meinungspluralität immer schwerer hätte. Zudem war er besorgt, dass in der Zukunft Fachenzyklopädien einen schweren Stand haben könnten. Zumindest beim letzten Punkt wagte ich Widerspruch. Insgesamt muss ich gestehen, sind mir kritische Stimmen durchaus sehr lieb, da das bedeutet, dass sich Jemand mit der Thematik auseinander gesetzt hat. Kritik kam natürlich während meines halben Jahres als Resident immer wieder auf – ebenso wie auch Zuspruch. Für mich ein Zeichen, dass es auch in Zukunft mehr als nur eine Meinung geben wird. Und auch wer weiß, wie sehr manchmal hinter den Kulissen der Wikipedia um diese Dinge gerungen wird, wird mir hoffentlich zustimmen. Höhepunkt meines Nebenprogrammes war der Besuch des Archäologischen Museums – und hier entstanden wieder hunderte von Bildern – und einer Ausstellung zur Geschichte der Ausgrabungen in Hattuša. Aber auch sonst war diese wuselige Stadt sehr angenehm zu erleben, nur die Kälte und der Regen waren der Stimmung leicht abträglich. Ein weiterer Höhepunkt wurde am 6. Dezember das Winckelmannsfest. Dabei handelte es sich um den Höhepunkt im Institutsjahr, bei dem dem Mitbegründer der Archäologie als Wissenschaft, Johann Joachim Winckelmann, gedacht wird. Neben einem Festvortrag von Joseph Maran zu den Ausgrabungen in Tiryns, der sehr informativ und interessant, aber auch recht lang war, wurden drei türkische Archäologen zu korrespondierenden Mitgliedern des DAI ernannt. Sehr schön war auch die Bekanntschaft mit zwei Byzantinisten, die ich in Istanbul gemacht habe.

Vom Oktober bis in den November hinein gab es den Schreibcontest zum Antiken Olympia, bei dem die Teilnehmer motiviert werden sollten, zu einem der wichtigsten Projekte das DAI zu schreiben. Nach etwas schleppendem Beginn haben sich dann doch eine Hand voll Autoren beteiligt und sich zwei einen harten Kampf um die Spitze geliefert. Vor allem dank diesen Beiden kann man den Wettbewerb als für ein solchen Nischenthema durchaus achtbaren Erfolg bezeichnen.

Was bleibt nach sechs Monaten? Viel hat gut funktioniert, anderes weniger gut. Nicht alle Ziele konnten erreicht werden, dafür haben sich zum Teil andere Dinge ergeben, die zunächst gar nicht eingeplant waren. In der Öffentlichkeit wurde das Projekt mit Interesse aufgenommen. Vor allem in Berlin konnten leider nicht so viele DAI-Mitarbeiter erreicht werden, wie eigentlich erhofft, was verschiedene Gründe hatte. Aber hier kann man ja auch in Zukunft eng zusammen arbeiten. Überhaupt ist die Zusammenarbeit ja auch für eine längere Zukunft angelegt. Und ganz vorbei ist es sowieso noch nicht, denn im Februar wird es noch einen hoffentlich krönenden Abschluss mit „Wikipedia trifft Archäologie“ geben. Viel Zeit habe ich zuletzt natürlich auch in die Vorbereitung dieser Veranstaltung gesteckt. Die „Befreiung von Inhalten“ (diese Formulierung stößt nicht immer auf Gegenliebe bei Wissenschaftlern!) war problematisch, da etwa viele Fotos des DAI unter nicht bekannten Lizenzen stehen. Im Einzelfall war das DAI bislang immer sehr kooperativ und wird das sicher auch in Zukunft sein, doch wird man mittelfristig wohl so etwas wie eine größere Bilderspenden nicht erwarten können. Auch ein signifikant vermehrtes Auftreten von DAI-Mitarbeitern unter den „Wikipedia-Archäologen“ ist eher nicht zu erwarten, denn wie ich bei jeder Diskussion zu meinen Vorträgen hören musste, ist Zeit eine äußerst knappe Ressource. Dennoch denke ich, dass allein das Wissen um die Sorgen und Nöte, um die Vorgänge in und hinter der Wikipedia, um Struktur und Autorenschaft wird etwas bringen. Unterstützung kann ja auf viele Arten erfolgen.

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Wie im Mittelalter

Wer meinte, so ein „Wikipedian in Residence“ würde seine Zeit an einem Ort verbringen und „residieren“ muss sich spätestens nach dem September getäuscht sehen. Selten war ich so viel unterwegs wie in dem Monat und fühlte mich wie ein mittelalterlicher König ohne Land, der von einer Burg zur nächsten unterwegs war. Kaum vom der WikiCon in Dornbirn zurück (siehe Bericht des Vormonats), begannen die Vorbereitungen für weitere Dienstreisen und natürlich auch andere Projekte.

Zunächst hielt ich einen Tag nach der Rückkehr beim DAI meinen ersten praktischen Einführungsworkshop. Mit drei Mitarbeitern widmete ich mich den ersten Schritten. Eine Woche später waren es dann schon vier. Nachdem ich beim ersten Mal noch einen eher unsinnigen Text während des Workshops mit den Teilnehmern verfasst hatte, dachte ich mir, dass ich das gestandenen Wissenschaftlern eigentlich nicht zumuten kann und schrieb einen eigenen kleinen Text. Diesen sollten sich die Teilnehmer kopieren und schnell gerieten wir in die Fallstricke der Wikipedia-Bürokratie. Denn schnell waren sie wieder als Urheberrechtsverletzungen gelöscht. Es dauerte einige Zeit, bis endlich auch der Letzte Wikipedianer von der Richtigkeit der Vorgänge überzeugt war. Als Außenwirkung war es natürlich weniger optimal.

Jonathan Groß / CC-BY-SA-3.0
Jonathan Groß / CC-BY-SA-3.0

Sicher ein Höhepunkt wurde der Limeskarten-Workshop in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland, über den Hartmann Linge schon im Wikipedia-Kurier berichtet hatte (rechte Spalte). Um einmal Bedeutung und Dimension des Projektes noch einmal klar zu machen: Das DAI war mit fünf Personen vertreten, WMDE mit drei ebenso die Community mit drei. Im weiteren Verlauf des Monats ging es auf „große Reise“. Zunächst nach München, wo ich bei der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des DAI und eine Woche später in Bonn bei der Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (hier fehlt sogar noch der Wikipedia-Artikel!) einführende Vorträge hielt. An den Bonner Vortrag schloss sich wenige Tage später der Limes-Workshop an (auch dazu Detaillierter der Link zum Kurier-Bericht von Hartmann Linge und meinen hier im Blog). Damit war die Reise noch nicht beendet – aber das ist schon ein neuer Monat und das Weitere kommt im nächsten Bericht. Auch der Oktober ist voller Termine und Aktionen, ich werde mich über Langeweile wahrlich nicht beschweren können!

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Am Limes mit Hund

Auch wenn es schon wieder fast eine Woche her ist, ein Nachbericht zum 4. Limes-Workshop, der 2012 im Odenwald statt fand.

Die ersten Teilnehmer trafen am 27. Oktober in Hesselbach ei, wo der „harte Kern“ der Teilnehmer für die nächsten Tage in einer Pension untergebracht war. Am Morgen des folgenden Tages ging es schließlich los. Nur wenige Meter entfernt fanden sich die letzten Spuren des Kastells Hesselbach, es folgten das Kleinkastell Seitzenbuche, das Kleinkastell Zwing und das Kastell Würzberg sowie mehrere Wachtürme. Mittags hielt einer der Mitstreiter einen Vortrag zum Limes in den römischen Quellen.

Der zweite Tag begann mit einem Gang durch Hesselbach – es ist immer praktisch wenn man Jemanden kennt, der Jemanden kennt, der den Schlüssel zur barocken Dorfkirche hat. Es ist überraschend, wie viele Denkmale ein Dorf von 180 Einwohnern hat. Interessant auch für die Nichthessen war, die Apfelernte für den Äppelwoi zu beobachten. Mittags gab es wieder einen Vortrag, dieses Mal in Vielbrunn von zwei Veteranen des Heimat- und Geschichtsvereins Lützelbach. Nach dem Mittag folgte vor allem für die „Provinzialrömer“ unter den Teilnehmern mit dem nach neuesten Erkenntnissen restaurierten Limeswachturm Wp 10/15 einer der Höhepunkte. Den Rest des Tages einschließlich des Abends verbrachte die Gesellschaft, mittlerweile sogar zum Teil mit familiärem Anhang, in der Römischen Villa Haselburg. Nach der kompetenten Führung durch den Vorsitzenden des Trägervereines wurde gegrillt, gespeist und geredet.

Der dritte Tag war Osterburken vorbehalten. Am Vormittag schauten sich die Teilnehmer das Teilrekonstruierte Kastell Osterburkenan, Nachmittags das Römermuseum Osterburken.

Soweit die kalten Fakten. Sie können allerdings nicht den Spaß aufzeigen, den die Teilnehmer wohl durchweg hatten. Neben dem schon erwähnten harten Kern von Teilnehmern vor allem aber nicht nur aus der Wikipedia stießen immer wieder andere Teilnehmer für kürzere oder auch längere Zeit hinzu. Das waren zum Teil Wikipedianer, zum Teil Archäologen aber auch Mitarbeiter der örtlichen Touristikinformation, Heimatforscher und Journalisten. Und wie der grandiose Organisator Hartmann Linge richtig anmerkte: alle trugen auf ihre Weise zum Gelingen der Veranstaltung bei, die in einem überaus konstruktiven Umfeld statt fand. Nicht umsonst haben die Mitarbeiter in der Wikipedia mit ihren mittlerweile mehr als 300 Artikeln zu römischen Limeskastellen eine Artikel-Perlenkette geschaffen. Dafür auch noch einmal an dieser Stelle einen großen Dank an den harten Kern der „Limes-Autoren“. Ihr seid Klasse! Und auch außerhalb der Wikipedia wurden die Leistungen schon wahr genommen. Derzeit wird in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut an einer virtuellen Karte des gesamten Römischen Limes gearbeitet. Auch das war natürlich Thema der Tagung.

In diesem Sinne noch einmal einen großen Dank an alle Teilnehmer, an den Organisator und Reiseführer Hartmann Linge, Haselburg-Müller für die Führung und die Organisation auf der Haselburg (und natürlich auch die eingesprungenen Führungen zwischendurch), an die Referenten und die örtlichen Helfer. Dank auch an Wikimedia Deutschland für die unkomplizierte und schnelle Unterstützung. Ohne diese Hilfe wären Veranstaltungen dieser Art mittlerweile nicht mehr vorstellbar und in diesem Sinne auch dank an die Spender, die es möglich machen, daß wir am Ende noch bessere Artikel schaffen können und bessere Bilder machen können. Auf Commons liegen mittlerweile auch schon knapp 750 Bilder vom Treffen.

Achja – und der Hund? Hartmanns Neufundländer-Teenager Angelo (ANGELINO!!!) war so etwas wie ein Maskottchen, der uns immer begleitete, ob zum Jagen von Mäusen in Gastwirtschaften oder zum Anpinkeln von Obstsäcken. Beides tat im übrigen er allein ;).

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Halbzeit in Residence

Nun ist Halbzeit bei meinem Engagement beim Deutschen Archäologischen Institut. Und wie zu erwarten war es vor allem aufgrund externer Faktoren mein ruhigster Monat. Schulungen waren zu planen, es gab wieder einige Pressearbeit, Vorträge und Veranstaltungen (siehe unten) mußten vorbereitet werden. Daneben arbeitete ich am Konzept für einen Schreibkontest, der im Oktober statt finden soll und sich um das antike Olympia und die antiken olympischen Spiele in all ihren Facetten drehen soll. Zudem ist es immer wieder faszinierend, wie viele Mails hin und her schwirren müssen.

Der einzige große Höhepunkt des Monats war die WikiCon in Dornbirn, die es aber in sich hatte. Bei zwei Veranstaltungen stellte ich zum einen das Residency-Konzept gemeinsam mit meinen anderen Mitresidenten im deutschsprachigen Raum vor, zum anderen widmeten wir uns der Frage, ob und wenn in wie weit Wikimedia bei Aktionen wie Langen Nächten der Wissenschaften/Museen/Theater sinnvoll aktiv werden kann und soll.

Der September bringt einiges an Höhepunkten, den Limeskartenworkshop, zwei Workshops beim DAI, Vorträge bei Kommissionen des DAI in München und Bonn sowie ein weiterer Vortrag auf der Jahrestagung der Experimentalarchäologen in der Schweiz und gegen Ende des Monats der Limeskongreß der Wikipedia-Autoren und interessierter Fachleute. Dazu dann im nächsten Monat mehr.

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In Residence – der zweite Monat

Der erste Höhepunkt des Monats kam schnell. Am 4. Juli hielt ich erstmals einen einführenden Wikipedia-Vortrag. Im altehrwürdigen Gartensaal des Wiegand-Hauses fand sich eine Schar von Archäologen und weiteren Mitarbeitern des DAI. Die Schicksalsgötter meinten es allerdings nicht all zu gut. Es war von vornherein klar, dass es noch eine zweite Einführung geben würde, da eine solche Veranstaltung in der Urlaubszeit immer mit Problemen behaftet ist und sich mehrere Mitarbeiter enttäuscht zeigten, nicht dabei sein zu können. Bei einer dreistelligen Zahl von Mitarbeitern allein in Berlin ist das ohnehin angedacht gewesen. Doch wurde die Teilnehmerzahl noch weiter reduziert, da etwa die Mitarbeiter der Bibliothek und auch der Generalsekretär des DAI, Ortwin Dally, der sich zum Vortrag angesagt hatte, aufgrund eines Wasserschadens in der Institutsbibliothek verhindert waren. Somit hielt ich die Einführung vor verringertem Publikum, das aber dennoch aus wohl 25 Personen bestand. Lessons learned: was einem Zuhörer zu lang und ausschweifend erscheint, ist für den anderen gerade richtig. Abgesehen von einem kleinen Blackout und einem kleinen aber peinlichen Stromproblem am Laptop verlief alles letztlich recht positiv, war mein Eindruck. Im Publikum zudem: Dörte Fiedler vom Deutschlandradio Wissen, die auch im Anschluss an den Vortrag noch ein Interview mit der Ägyptologin und Referentin für Öffentlichkeitsarbeit des DAI Nicole Kehrer, der Kuratorin für Kulturpartnerschaften bei WMDE, Barbara Fischer, und mir führte, das am 10. Juli verpackt in einen Beitrag gesendet wurde.

Nur einen Tag später ging es zum Höhepunkt des Monats, der Wikimania in Washington D.C. Mit drei anderen Wikipedianern habe ich schon ein paar Tage vorher den Weg in die USA gefunden und noch ein paar Tage länger dort verbracht. Auch diese Reise stand im Zeichen des GLAM, wenngleich nur in Teilen mit direktem Bezug zu meiner Residency. Die war vor allem während der Wikimania selbst von Bedeutung. In vielen interessanten Gesprächen habe ich meine Arbeit vorgestellt und auch einigen Input mitgenommen. Besonders im Gedächtnis blieb mir ein langes Gespräch mit einem Esten, der immerhin schon seit 20 Jahren Student ist. Interessant auch das „Speeddating“, das Wikimedia Deutschland auf der Wikimania veranstaltete. Dabei präsentierten sich jeden der drei Tage jeweils vier Mitarbeiter, Vorstandsmitglieder oder wie in meinem Fall „Fachleute“ aus Deutschland interessierten Gesprächspartnern, die wie beim Speeddating nach einigen Minuten ihren Gesprächspartner wechselten. Nach anfänglichem Zweifel kann ich im Nachhinein nur sagen, dass das am Ende recht gelungen war.

Während ich nur einen Tag nach dem einführenden Vortrag in die USA aufbrach, hatte ich schon einen Tag nach der Rückkehr einen nächsten wichtigen Termin. Mit Frau Kehrer, dem Leiter der Hauptverwaltung des DAI, der Personalchefin und Mathias Schindler, der Barbara Fischer von Seiten WMDE vertrat, gab es ein Treffen in dem noch einmal einige Details geklärt wurden. Es ging um das „wesen“ meiner Arbeit, um Urheberrechte und letztlich darum, wie es möglich ist längerfristige Effekte aus meiner Arbeit zu ziehen. Wohl wichtigstes Resultat: es ist angedacht, Archäologen des DAI das Verfassen von Wikipedia-Artikeln oder andere Arbeiten wie das Fotografieren für Wikipedia, in angemessenem Umfang zu gestatten. Vorausgesetzt einer Zustimmung durch die Präsidentin Friederike Fless, die wovon alle Anwesenden ausgingen recht wahrscheinlich ist.

Und wieder gab es viele Kleinigkeiten neben den Höhepunkten. Die Festlegung aller Termine gestaltet sich komplizierter, als zunächst angenommen. Aber so langsam füllt sich der Kalender. Zudem wurde ein praktischer Workshop für die Berliner Zentrale terminiert. Auch das ist für mich ein etwas Neues. Ich werkele an den Details zum Olympia-Contest, an ersten Details zu „Wikipedia trifft Archäologie“, an einführenden Videos zur Archäologie und habe Details zu einer Fotoaktion abgeklärt, die ähnlich zu den Landtagsprojekten oder der Olympiaeinkleidung auch mit den Führungskräften und Mitarbeitern des DAI durchgeführt werden soll. Jeden Tag gibt es etwas Neues. Es ist Klasse!

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Jimmy’s talkin‘

Same procedure as every Year. Jimmy hat seinen Haifa-Vortrag recyclet. Unterschied zu Israel: aufgrund seines „Ada-Projektes“ (das auch das recyclen etwas entschuldigt, für die Uneingeweihten – Ada ist seine noch recht kleine Tochter) hielt er seine Rede zum „State of the Wiki“ dieses Mal zum Auftakt der Veranstaltung, nicht Am Ende. Und alles hörte sich schön an. Ein bischen Afrika, ein bischen persönliche Preisverleihung – der „Jimbo-Award“ geht dieses Jahr nicht nur an einen Bot-Betreiber, der fast im Alleingang eine Wikipedia mit 30.000 Einträgen zu einer weit verbreiteten afrikanischen Sprache anlegte -, sondern auch an zwei Angestellte der Foundation in einer eigens neu kreierten Kategorie. Sie bekommen abgelegte Luxusuhren das Meisters…. Aber diese Socializing-Sachen sind ja meist ganz nett, wenn auch manchmal etwas seltsam. Auch daß wir mal wieder von seinem kenianischen 8-Dollar-Handy hören mussten, dessen Akku 2 Tage hält….

Jimmy Wales - "State at the Wiki" Rede 2012
Jimmy Wales - "State at the Wiki" Rede 2012

Problematisch wird es, wenn man sich den wenigen harten Inhalten der Rede nähert. Jimmy Wales sprach über die Freiheit des Wortes, über Zensur etc. Und stilisierte sich und die Wikimedia-Bewegung als als Träger einer Gemeinschaft, die sich diesen Werten verpflichtet sieht. Das teile ich. Und ich denke auch, dass ein Großteil der Wikimedia-Bewegung das so sieht. Aber Jimbo Wales? Ich muß gestehen, dass diese Rede mir im Laufe der Zeit nicht nur immer mehr Unbehagen bei mir erzeugte, sondern auch Ärger. Da sprach der Großmeister der Wikimedia-Projekte von der Freiheit des Wortes und des Internets, die verteidigt werden müssen. Und ich begann mich zu erinnern… – war es nicht dieser Jimbo Wales, der nach schlechter Presse bei Fox News damit begann missliebige Bilder ohne jede Grundlage auf Wikimedia-Commons zu löschen? War nicht dieser Jimmy Wales einer der Protagonisten, die den Bildfilter für die Wikimedia-Projekte wollte? Ist es nicht dieser Jimmy Wales, der uns hier erzählen wollte, dass die Lage der Wikimedia-Projekte in China mittlerweile „stabil“ sind, weil man uns nicht mehr sperrt? Und am Rande oder in Nebensätzen die Kompromisse dafür andeutet? Ist es nicht der Jimmy Wales, der seinen angekündigten und zur Verleihung seines Privatpreises gehörenden Besuch bei seinem letztjährigen „Wikipedian of the Year“ noch nicht antrat, sich aber dazu heute äußerte? Zur Erinnerung: letztes Jahr gewann ein kasachischer Autor (soweit, so gut und überhaupt nicht zu kritisieren!). Der Preis des letzten Jahres soll aber möglichst im Beisein des „Präsidenten“ Kasachstans vergeben werden und man werkelt noch am passenden Termin…. Wir erinnern – „Präsident“ von Kasachstan ist der Altkommunist und mittlerweile autoritär regierende Nursultan Nasarbajew. Meinungsfreiheit ist eingeschränkt, das Internet wird zensiert. Und Jimmy Wales scheint sich gerne in der Sonne der Großen zu zeigen. Egal wofür sie stehen. Jimmy – du willst mir wirklich von der Freiheit des Wortes und des Internets erzählen? Wie soll ich das denn ernst nehmen?

Und das Volk jubelt seinem Herrn zu. Ohne zu denken. Ein Trauerspiel, bei den eigentlich so vielen klugen Leuten hier. Nicht dass es falsch ankommt – bis zu einem gewissen Punkt schätze ich Jimmy durchaus. Aber die Apotheose, die gottgleiche Verehrung geht wirklich zu weit. Er ist ein Mensch mit diversen Schwächen. Und er selbst würde das wohl als Letzter bestreiten.

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Der erste Monat als Resident beim DAI

„Was macht man eigentlich als ‚Wikipedian in Residence‚? Nicht nur die Presse wollte das zuletzt recht häufig von mir wissen. Vielleicht ist es ganz sinnvoll damit zu beginnen, was ich denn nun alles schon getan habe. Nach einem Monat kann man sicher einen ersten Blick zurück wagen.

Es begann schon am 2. Juni, also am zweiten Arbeitstag, mit einem Paukenschlag: der „Langen Nacht der Wissenschaften„, an der sich das Deutsche Archäologische Institut traditionell beteiligt. Unterstützt durch je zwei ehrenamtliche Autoren und zwei Mitarbeiter der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland konnten wir Wikipedia und dessen Schwesterprojekte bei der Langen Nacht vertreten und gleichzeitig in der Öffentlichkeit auch das Residence-Programm bekannter machen. Zum zweiten Höhepunkt wurde meine erste Dienstreise, die mich nach Frankfurt am Main, Köln und Düsseldorf führte. In Frankfurt nahm ich an der wissenschaftlichen Tagung „Integrating Archaeology“ teil. Es beschränkte sich dieses Mal nicht auf eine passive Teilnahme, ich war auch als Referent eingeladen und hielt einen Vortrag zum „Wikipedian in Residence beim DAI“. Die Tagung war erstklassig organisiert, einzig die Tatsache, daß Vorträge und Diskussionen einzig auf Englisch statt finden würden, war nicht nur mir sondern auch anderen Teilnehmern nicht ganz klar. Somit mußte ich binnen kurzer Zeit meine Präsentation und den ganzen Vortrag ins Englische umarbeiten. Darunter litt die Qualität ein wenig, wohl aber nicht übermäßig. Auch darüber hinaus war die Tagung, in der es um vielerlei Formen der archäologischen Öffentlichkeitsarbeit ging, ein lohnender Bick über den Tellerrand. Auch der „Socialising-Abend“ war ein Erfolg – Deutschland schlug die Niederlande immerhin mit 2-1! Einen Tag nach der Tagung folgte in Köln der nächste Termin bei Reinhard Förtsch und den Mitarbeitern der Bilddatenbank Arachne. Hier ging es vor allem darum, wie man die gegenseitige Verknüpfung in der Zukunft besser voranbringen könnte. Abschluß der Tour, die auch einen Besuch beim Kölner Stammtisch beinhaltete, war die Teilnahme am Sommerfest der Gerda Henkel Stiftung. Hier waren äußerst hochkarätige Geisteswissenschaftler anwesend, mit meiner Begleitung Alice Wiegand kam ich aber eher mit Nachwuchswissenschaftlern ins Gespräch.

Die restliche Arbeit lässt sich eher unspektakulär an. Sie besteht darin viele E-Mails zu schreiben und zu lesen, der Presse Rede und Antwort zu stehen (im Juni immerhin dreimal), Konzepte auszuarbeiten, ja überhaupt zu überlegen, welche Schritte als nächstes gesetzt werden sollten, welche Ideen umgesetzt werden können und sollen. Häufig treffe ich mich mit den beiden Frauen, die bei den Partnerorganisationen des Projektes für das Programm zuständig sind, Nicole Kehrer vom DAI und Barbara Fischer von WMDE. Ideen, die im Juni gewachsen sind und nun ihrer Umsetzung harren sind etwa eine Karte der Grenze des Römischen Reiches, des Limes, die erarbeitet werden soll, ein Schreibwettbewerb zu den Olympischen Spielen oder anderes mehr, über das an dieser Stelle berichtet werden soll, wenn die Ideen praktisch umgesetzt werden. Und bei der Ideenfindung helfen nicht selten der Zufall, und Gespräche mit vielen Menschen. Eines kann ich nach einem Monat schon sagen: kein Tag ist wie der Andere, die Arbeit ist äußerst abwechslungsreich. Langeweile kommt nicht auf.

Der Juli steht nun ganz im Zeichen der Wikimania in Washington D.C.

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MAI-Tagung: Museums and the Internet

Seit 2001 treffen sich netzafine Museumsmenschen zur MAI-Tagung, Akronym für „Museums And the Internet“. Nachdem in den Jahren zuvor schon Helge Rieder das Wikipedia-Fähnlein hoch gehalten hatte, sollten die Wikimedia-Projekte, sollte vor allem Wikipedia im Jahr 2012 eine deutliche Präsenz zeigen. 2012 gehört der GLAM-Bereich zu den Schwerpunkten der Wikimedia-Arbeit, sei es durch die ersten offiziellen Zusammenarbeiten beim „Wikipedian in Residence“ oder bei „Wiki Loves Monuments„. So nahm ich einmal mehr an einer Fachtagung teil, dieses mal jedoch auch in einer aktiven Rolle.

Nachdem die Tagung am Montag dem 21. Mai in der Alten Handelsbörse eröffnet wurde, stellte Ivana Scharf ihren Versuch des Crowdfundings für kulturelle Bildung vor, es folgten Geo- und Culturecachingvorschläge für den musealen Bereich. Viele der folgenden Beiträge beschäftigten sich mit der Nutzung mobiler Endgeräte, der Barrierefreiheit und dem Einsatz des Internets für die schulische Bildung. Ebenfalls vorgestellt wurde das Projekt „Linked Heitage„. Am zweiten Tag drehte sich vieles um Social-Media-Themen: Facebook, Google+, Youtube und Blogs.

Letzter Vortrag im Social-Media-Block war mein Beitrag „Wikipedia trifft Museen – der „Wikipedian in Residence“ und andere Formen der Kooperationen zwischen Museen und Wikipedia“. Es war mein erster Vortrag und auch meine erste selbst erstellte Präsentation. Wie mir hinterher freundlicherweise versichert wurde, habe ich mich dabei nicht blamiert. Es war schwer, alle meine Themen in nur 15 Minuten unterzubringen. Doch trotz der Kurzform in allen Bereichen konnte ich nur meine beiden ersten, letztlich auch die Wichtigsten, vorstellen. Nach einer sehr kurzen Einleitung angereichert mit einigen Statistiken stellte ich wie im Titel schon angezeigt das „Wikipedian-in-Residence“-Konzept vor. Danach das Tagungsmodell „Wikipedia trifft…“, für das in näherer Zukunft „Wikipedia trifft Museen“ geplant ist. Zu „Wiki Loves“ – „Art“ und „Monuments“ – kam ich leider nicht mehr, ebenso wenig zum Hochschulprogramm. Aber auch das was ich präsentierte wurde sehr positiv aufgenommen. Sowohl „Wikipedia trifft Museen“, als auch „Wikipedia trifft Archäologie“, wurde erfreut zur Kenntnis genommen und vielfach direktes Interesse angemeldet. Auch das Residence-Programm fand Interesse, obwohl auch einfache Schulungen der Museumsmitarbeiter angefragt wurden.

Nach meinem Vortrag folgten zwei Stunden mit Kurzvorträgen, vor allem zu praktischen Beispielen der Nutzung der neuen Medien im musealen Raum. Sicher war nicht jedes Thema aus wikipedianischer Sicht von Interesse, dennoch sind diese Blicke über den Tellerrand immer wieder sehr erfrischend. Und einmal mehr konnte ich eine Sache lernen: das Interesse an Wikipedia und auch das praktische Interesse an Zusammenarbeiten ist weit verbreitet.

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2500 Kilometer

Blick in die Buchvorstellung
Blick in die Buchvorstellung

Nach einem sehr vollen Terminkalender in der zweiten Jahreshälfte 2011 begann 2012 etwas ruhiger, zunächst nur mit einem Treffen in Kassel zu Sondierungsgesprächen für „Wikipedia trifft Museen„. In den letzten zwei Wochen war es dann aber mal wieder so weit. Begonnen hatte es am 19. März mit einer Fahrt nach Leipzig. Als ich schon halb um Berlin herum war klingelte es – der Hexer mußte auch noch nach Leipzig. Irgendwie. Naja. Noch war ich nah genug um ihn einzusammeln. Und damit begann meine Reisewoche mit einer netten Begleitung. In Leipzig besuchten wir zunächst die Buchmesse. Ja, es war schon interessant. Ich war zuletzt Ende der 1990er Jahre dort. Aber so interessant wie bei meinem ersten Besuch war es dann doch nicht mehr. Sehr voll und echte neue Informationen gab es nicht. Einzig der Besuch beim Stand der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft war etwas

ergiebiger – auch in Sachen Bücher. Abends wurde dann noch einmal das Wikipedia-Jubiläumsbuch vorgestellt, bei einem lieben Partner von Wikimedia Deutschland, der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig. Ich versuchte mich einmal als Fotograf, da ich als Vorleser eher wenig geeignet bin, konnte mich aber immerhin in der anschließenden Diskussion etwas intensiver einbringen. Alles in allem war es ein guter Tag.

Die trunkene Alte
Die trunkene Alte

Nach der Übernachtung in Weimar und der vormittaglichen Suche nach original Thüringer Rostbratwürsten ging es weiter nach München, genauer nach Oberschleißheim. Dort verbrachte ich mein Wochenende bei der Verwandtschaft. Abstecher führten mich zu einer Freundin nach München und natürlich in die Staatlichen Antikensammlungen und erstmals auch in die Glyptothek. Erstmals – war es doch erst mein zweiter Besuch in München. Fast 600 Bilder machte ich in beiden Sammlungen binnen weniger Stunden. Und sicher werden Wikimedia Commons davon in absehbarer Zeit Diverse zugute kommen.

Montag ging es weiter. Weiter zum eigentlichen Grund der weiten Reise. Zürich. Erstmals in die Schweiz. Eingeladen von Professor Beat Näf, den ich bei „Wikipedia trifft Altertum“ kennen und sehr schätzen gelernt hatte, hatte mich eingeladen. Zum einen um als Wikipedia-Vertreter in einem von ihm betreuten Kolloquium über Wikipedia zu berichten und Frage und Antwort zu stehen, zum anderen um mit ihm ein weiteres seiner Projekte zu frühmittelalterlichen Kirchen und den Möglichkeiten dieses in die Wikipedia einzubeziehen zu sprechen. Auch wenn die Tage davor und danach allesamt äußerst angenehm und positiv waren, kann ich den Tag in der schönen Stadt Zürich nur als den Höhepunkt der Reise bezeichnen. Die interessanten Gespräche mit den Teilnehmern des Kolloquiums sowie davor und danach mit Professor Näf ließen es wirklich zu einem äußerst angenehmen Tag werden. Und wie die Rückmeldungen aussehen, habe ich Wikipedia offenbar nicht ganz unwürdig vertreten. Schade nur, dass ausgerechnet an diesem Montag die Antikensammlung der Universität geschlossen war. Der Blick den man von aussen werfen konnte war schon sehr erfreulich. Ich muss eben mal wieder nach Zürich. Für alle, die mal in Zürich sind: das Restaurant im Turm des Hauptgebäudes der Universität ist einen Besuch wert!

Wenn ich schon in der Schweiz bin und an der Organisation von „Wikipedia trifft Museen“ arbeite, wäre es Unsinnig gewesen den nächsten Tag nicht dafür zu nutzen, einen Abstecher nach Basel zu machen. Dort gibt es mit dem „Antikenmuseum Basel und Sammlung Ludwig“ das einzige Museum der Schweiz, dass sich einzig den archäologischen Hinterlassenschaften der Mittelmeerkulturen widmet. Und ja – ich konnte auch hier fotografieren. Allerdings nur für mich privat und musste dokumentieren, welche Objekte ich fotografierte. Das war dann doch etwas „strange“. Mal sehen, vielleicht kann ich ja doch ein paar Bilder frei bekommen. Abends gab es dann so etwas wie einen Basler Stammtisch. Zwei Deutsche und ein Österreicher auf der Suche nach einer Lokalität, da das Stammlokal geschlossen war. Somit konnte ich immerhin die seltsame Bahnstruktur kennen lernen.

Allamannische Kreuzfiebel mit antiker Karneolgemme
Allamannische Kreuzfiebel mit antiker Karneolgemme

Der Dienstag stand im Zeichen eines weiteren „dienstlichen“ Besuchs im Alamannenmuseum Ellwangen. Dort war ich wirklich begeistert. Ein didaktisch erstklassig aufbereitetes Museum. Danach hatte ich noch einige Zeit mich mit dem Leiter des Museum, Andreas Gut, zu unterhalten. Er schilderte mir seine Probleme mit dem Museum. Leider wird es trotz seiner überragenden Funde wohl in absehbarer Zeit geschlossen werden. Die politischen Gründe möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausbreiten, unschön und gar kulturfeindlich ist in unserem Lande leider immernoch vieles. Auch hier entstanden für Wikipedia diverse Bilder. Und ich habe wohl einen Redner für „Wikipedia trifft Museen“ getroffen.

Fazit: eine anstrengende aber sehr ergiebige Woche. Gut 2500 Kilometer habe ich zurück gelegt und fast 1400 Bilder gemacht. Einzige Dummheit: ich habe vergessen sowohl Beat Näf wie auch Andreas Gut zu fotografieren. Es bleibt eben immer etwas zu tun.

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