Geschrieben von Lilli Iliev



Soziale Hängematte oder kreatives Utopia? Das ABC des Freien Wissens „G=Grundeinkommen.“

Die Podiumsdiskussion verknüpfte die Diskussion über bedingungsloses Grundeinkommen mit der digitalen Krise des Urheberrechts.

Der Abend begann eindeutig ohne Abschiedstränen für das Urheberrecht, als das Publikum bei Bernadette la Hengst und ihrer Performance mitsang: “Copy me, copy me, copy me, I want to travel!” Das 2003 geschriebene Lied erzählt vom Glauben an das Heilsversprechen Digitalisierung. Vom Geist einer kommenden Ära des kollektiven geistigen Eigentums.
Dass heute Ernüchterung eingekehrt ist und über Regulierungsmaßnahmen angesichts offensichtlicher und schmerzlich ungerechter Urheber-Verwerter-Verhältnisse gesprochen werden muss, sagt die Künstlerin im Interview, ist inzwischen klar.

Was passiert mit uns, wenn die Knappheit wegfällt?

Grundfragen von Urheberrecht und -unrecht, gerade hinsichtlich der Bezahlung kreativer Arbeit, bestimmten das Gespräch zwischen Olaf Zimmermann, Adrienne Goehler, Ilja Braun und Michael Bohmeyer.
Der Künstler als Prototyp einer deregulierten Arbeitswelt wurde zum Patienten erklärt. Die Frage: Welche Medizin kann helfen? Die radikalste Variante vertritt Michael Bohmeyer, der mit seinem Crowdfunding-Projekt mein-grundeinkommen.de Jahres-Grundeinkommen generiert und verlost. Inzwischen seien inzwischen sogar mehr Menschen auf der Plattform angemeldet, die Geld geben möchten, als Leute, die an der Verlosung des Grundeinkommens teilnehmen.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Bewertungen, Durchschnitt: 3,83 von 5)
Loading...

Monsters of Law Nr. 5: Wiki-Immunity – Bleibt die Wikipedia in Deutschland rechtlich geschützt?

Dies ist ein Gastbeitrag von Lukas Mezger (Benutzer:Gnom), Präsidiumsmitglied von Wikimedia Deutschland e. V.

Foto von Christopher Schwarzkopf, CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Wikipedia beschreibt nicht nur archäologische Stätten, U-Bahnhöfe und Leuchttürme – die deutschsprachige Version enthält mittlerweile weit über eine halbe Million Biografien. Aber was kann ich eigentlich tun, wenn eine unzutreffende Behauptung in “meinem” Wikipedia-Eintrag steht? Was, wenn dieser vermeintlich durch Quellen belegte Fakt mein Ehrgefühl verletzt oder negative Konsequenzen für mein Berufs- oder Privatleben bedeutet? Und wie kann geprüft werden, was im öffentlichen Interesse in der Wikipedia stehen sollte und ab wann die Grenze zur Übertretung der Privatsphäre erreicht ist?

Wer kann für Falschbehauptungen in Wikipedia belangt werden?

Am 5. März sprach Jan Mönikes, Rechtsanwalt und Experte für Urheber-, Medien- und IT-Recht, über die heutige rechtliche Situation und mögliche Veränderungen der Haftung für die deutschsprachige Wikipedia. Mönikes befasst sich bereits seit Jahren mit Durchsetzbarkeit von äußerungsrechtlichen Urteilen “gegen Wikipedia”. Er erklärte, dass sich bei der Beantwortung der Frage, wer zur Rechenschaft gezogen werden kann, wenn in einem Eintrag getroffene Aussagen zum Gegenstand einer juristischer Prüfung werden, das Phänomen der “Wiki-Immunity” ergibt (hier die Vortragsfolien).

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Monsters of Law: „Wiki-Immunity – Bleibt die Wikipedia in Deutschland rechtlich geschützt?“

Nicht erschrecken! Rechtliche Fragen bei Monsters of Law. Foto: By Gerrard St monster mural, by Aviva West, [CC BY-SA 2.0]

Die Veranstaltungsreihe Monsters of Law wurde von Wikimedia Deutschland ins Leben gerufen, um sich juristischen Fragen rund um Freies Wissen und seinen Rahmenbedingungen anzunehmen.

Jan Mönikes, Rechtsanwalt und Experte für Urheber-, Medien- und IT-Recht, spricht am 5. März bei Wikimedia Deutschland über die heutige rechtliche Situation und mögliche Veränderungen der Haftung für die deutschsprachige Wikipedia.


Monsters of Law:
Wiki-Immunity – Bleibt die Wikipedia in Deutschland rechtlich geschützt?”

Referent: Jan Mönikes, Rechtsanwalt und Experte für Urheber-, Medien- und IT-Recht
Wann: Donnerstag, 05.03., 18 Uhr, (Einlass 17:30 Uhr)
Wo: Wikimedia Deutschland e.V., Tempelhofer Ufer 23-24, Berlin



Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, uns an diesem Tag ab 18 Uhr zu besuchen.
Dem Format der Reihe entsprechend wird der Abend aus drei Teilen bestehen, einem Vortrag unseres Referenten, einer Frage- und Diskussionsrunde und einem informelleren Teil mit Getränken.

 

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 3,67 von 5)
Loading...

Beginn einer Freundschaft? Wikipedia-Aktive zu Gast im Von der Heydt-Museum

Gastgeber Von der Heydt-Museum, By Daniel Jünger [CC-BY-SA-3.0]

Ein Gastbeitrag von Schlesinger, ehrenamtlicher Wikipedia-Autor.

 

Die Annäherung an den Ort ist hart herausfordernd. Wer in diesem Winter den Zug in Wuppertal Hauptbahnhof verlässt, findet sich in einer im Abriss befindlichen stadtplanerischen Wüste der schlimmsten Art wieder.

Nur der klassizistische Sandsteinportikus des Bahnhofs mit seinem goldenen Schriftzug “Wuppertal – Elberfeld“, ist der einzige ästhetische Lichtblick. Die Stadt hat jahrzehntelang unter autofixierten Stadtplanern und Politikern gelitten, jetzt versucht man das Gröbste einer Fehlentwicklung zu mildern.

 

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (8 Bewertungen, Durchschnitt: 3,00 von 5)
Loading...

Schöner Scheitern? Schneller Scheitern! – Das ABC des Freien Wissens „F=Fail.“

Die Podiumsdiskussion zum Thema Scheitern fragt, wie produktives Lernen aus Fehlern funktioniert.

 

Die Bahn hat Verspätung. Der Flughafen wird bestreikt. Das Podium sitzt.
Trotz kleinerer Widrigkeiten fanden sich letzten Donnerstag die Autorin Silke Burmester, Gründer Rolf Mathies, Medientheoretikerin Sabria David und Journalist Philip Banse bei Wikimedia Deutschland ein, um über das Scheitern zu sprechen.

Und jetzt: Leistung! Passion! Aber auch: Niederlage. Scham. Einige Aspekte des Scheiterns wurden an diesem Abend abgetastet, gedreht und gewendet.

Andächtig fast wurde die Stimmung am Schluss, als Musiker Erfolg schamanisch beschwörend durch die Reihen schritt: “stürz dich bitte / nicht von der klippe / glaub an erfolg / glaub an erfolg”
Warum interessiert das Thema eigentlich so?

“Mir ist jeder lieber, der irgendetwas versucht, statt rumzusitzen und zu konsumieren.”
Silke Burmester

Scheitern als Quelle produktiver Kraft?

Musiker „Erfolg“: Tu´s mir nach, sag es laut: Glaub an Erfolg! Foto: Christopher Schwarzkopf (WMDE) [CC BY-SA 3.0]

Moderator Philip Banse interessiert vor allem, ob tatsächlich aus dem Scheitern gelernt werden kann, oder ob diese Aussicht eigentlich nur das Trostpflaster des Losers ist. Er fragte die Runde: Kann es wirklich als kreativer Zustand gelten, am Boden zu sein? Ist das Scheitern eine Art produktive Ursuppe, aus der Erkenntnis und Erfolg erwachsen kann?
Die gemäßigte Variante fand Anklang: Man sollte den Zustand einfach am besten als Möglichkeit des Lernens verstehen.

Wie aber kann man ebendieses Lernen lernen? Banse meint, die entscheidende Frage sei, wie man sich mit dem Scheitern fühlt. Es müsste auch Kindern nicht nur beigebracht werden, die richtige Antworte zu nennen, sondern auch mit dem miesen Gefühl umzugehen, wenn es die falsche ist.

Weiterlesen »

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Bewertungen, Durchschnitt: 4,50 von 5)
Loading...

“F=Fail. Die Schönheit des Scheiterns” – Das 6. ABC des Freien Wissens

Das ABC des Freien Wissens (Logo). By Markus Büsges, leomaria (Wikimedia Deutschland e. V.) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Ist es an der Zeit, gemeinsam die Bewertungskategorien erfolgreich und gescheitert zu hinterfragen? Viele Erfolgsprojekte entstanden schließlich aus Vorgängerversionen, denen der letzte Schliff, der geeignete Zeitpunkt fehlte. Bestes Beispiel ist die Wikipedia selbst, die aus einem weniger erfolgreichen Anlauf hervorging. Die Frage, wie mit (vermeintlichem) Misserfolg umzugehen ist, gehört nicht nur zu den Dauerbrennern innerhalb der Wikipedia-Communities. Sie nimmt in der vernetzten Welt auch in der Folge schneller, leichter Bewertungsmöglichkeiten neue Fahrt auf.

„Lieber fünfmal scheitern, als gar nicht probieren.“ – Käthe Kratz

Was sich gut anhört, ist im Alltag schwer umzusetzen. Während Erfolgs- und Innovationsdruck in der vernetzten Gesellschaft gefühlt zunehmen, fallen diejenigen am härtesten, die das größte Risiko eingehen, die gewagteste Idee umzusetzen versuchen – und scheitern. Längst sind Werte wie Verlässlichkeit und Sorgfalt den Konsens-Kompetenzen Kreativität und Originalität gewichen, die in keiner Stellenausschreibung, keiner Projektskizze fehlen.

Wo ungewöhnliche Vorhaben bei Erfolg belohnt werden, trifft die Häme der Netzcommunity bei öffentlichem Misserfolg mit voller Wucht. „Epic Fail! Ein viraler Fingerzeig, bei dem jedoch stärker noch als Mitleid eine gewisse voyeuristische Anerkennung mitschwingt – Die hat sich ja was getraut!

Wir laden herzlich ein zum 6. Wikimedia-Salon:

______________________________________________________________________________________________________________________________

“F=Fail. Die Schönheit des Scheiterns”

Karte zum 6. ABC des Freien Wissens, Markus Büsges, leomaria [CC-BY-SA-4.0], via Wikimedia Commons

Donnerstag, 29. Januar, 19 Uhr
Wikimedia Deutschland e.v.
Tempelhofer Ufer 23-24

Gäste:

Silke Burmester, Journalistin und Autorin
Rolf Mathies, Gründer der Risikokapitalfirma Earlybird Venture Capital
Sabria David, Medientheoretikerin, Mitgründerin Slow Media Institut

Moderation: Philip Banse, Journalist

Livemusik: Erfolg und Der Beste Damenchor Aller Zeiten

 

Der Eintritt ist frei. Zur besseren Organisation freuen wir uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de

Der Salon ist am Veranstaltungstag auf der Website als Livestream abzurufen. Unter #wmdesalon kann mitdiskutiert werden.

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Bewertungen, Durchschnitt: 3,40 von 5)
Loading...

Wir müssen reden. 2015 setzt Wikimedia Deutschland die Diskussion über Freies Wissen fort

In diesem Jahr startete Wikimedia Deutschland drei Veranstaltungsreihen, die sich Aspekten des Freien Wissens aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Recht widmeten. 2015 geht es weiter – erweitert und gebündelt zugleich.
Was war, was kommt?

Alles was recht ist: Monsters of Law

Veranstaltungsgäste bei Wikimedia Deutschland. By Katja Ullrich (WMDE) (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Viele juristischen Fragen rund um Freies Wissen und seine Rahmenbedingungen können selbst Experten mitunter nicht ad hoc beantworten. In der Reihe Monsters of Law führen Fachleute mit einem 30-minütigen Vortrag in ihr Thema ein, danach geht es in die offene Diskussion.

Zum Beispiel erklärte Prof. Dr. Katharina de la Durantaye die Modalitäten zur Einführung einer sogenannten Wissenschaftsschranke im Urheberrecht; Rechtsanwalt Lukas Mezger gab eine Orientierung, ab wann die Schöpfungshöhe eines Werkes greift. Vielfältige rechtliche Fragen ranken sich um die Beschäftigung gerade in den Wikimedia-Projekten. Diese sollen auch 2015 weiter von Experten und Mitgliedern der Wikimedia-Communitys diskutiert werden.
(1. Termin: 12. Februar 2015, siehe unten)

 

Sich ein Bild machen von der Welt: Digitale Kompetenzen.

Die Reihe Digitale Kompetenzen drehte sich um die Fähigkeiten, die für den Umgang mit sich verändernden Informations- und Kommunikationsverhältnissen wichtig sind. Diese bilden die  Grundlage, um in der digitalen Gesellschaft nicht nur mitzumachen, sondern sie auch selbst zu gestalten, auch in den Wikimedia-Projekten. Die Reihe fand im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2014 – Die Digitale Gesellschaft statt und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Gemeinsam mit Fachleuten und interessierten Gästen wurde über Themen wie Datenschutzbewusstsein, die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt sowie über die Rolle von Filteralgorithmen auf die Informationen, die wir im Netz angezeigt bekommen diskutiert.

So einfach wie das ABC?

Das ABC des Freien Wissens (Logo). By Markus Büsges, leomaria (Wikimedia Deutschland e. V.) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

In der Reihe Das ABC des Freien Wissens  werden Themen mit Bezug zur Wiki-Welt diskutiert, die zur Wissenserstellung und – verbreitung wichtig sind. Über viele dieser Themen wird vor dem Hintergrund der vernetzten Gesellschaft neu nachgedacht, Vieles muss neu ausgehandelt werden. Unter anderem wurde über die Buchwirtschaft im digitalen Raum (B=Buchmarkt u.a. mit Kathrin Passig) oder die zunehmende Verdatung des Menschen (D=Datenberg, u.a. mit Fukami) diskutiert. Für den Rahmen gibt es frei lizenzierte Musik und jeweils einen künstlerischen Beitrag, der das Thema aufnimmt.

Insgesamt wurde bei 15 Diskussionsabenden diskutiert (je 5x Das ABC des Freien Wissens und Digitale Kompetenzen, 4x Monsters of Law), mit insgesamt 39 Fachleuten auf dem Podium und rund 430 Gästen in unseren Räumen vor Ort am Tempelhofer Ufer. Alle Veranstaltungen konnten per Livestream angeschaut werden und sind weiterhin als Videos abrufbar.

Website Das ABC des Freien Wissens
Website Digitale Kompetenzen
Website Monsters of Law

2015: Bleibt alles anders

Die Reihe Das ABC des Freien Wissens wird im nächsten Jahr um Themen aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Freie Software erweitert. Die Vielfalt der Themen, die mit Freiem Wissen verbunden sind, zunehmend etwa der Bereich Open Educational Resources, kann hier gespiegelt werden.
Am 29. Januar beginnen wir mit „[F=Fail] Die Schönheit des Scheiterns.“ Gäste sind unter anderem Henriette Fiebig, Wikipedianerin der ersten Stunde, Rolf Mathies, Chef des Venture Capital-Unternehmens earlybird und Erfolg als musikalischer Gast. Philip Banse übernimmt die Moderation.

Im nächsten Jahr startet Monsters of Law am 12. Februar mit dem aktuellen Stand zum Thema Wiki-Immunity. Referent ist Jan Mönikes, Anwalt und Experte für Medien- und Presserecht, der sich unter anderem mit der Durchsetzbarkeit von äußerungsrechtlichen Urteilen gegen Wikipedia beschäftigt.

Wir freuen uns auf ein diskussionsreiches neues Jahr!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Bewertungen, Durchschnitt: 1,80 von 5)
Loading...

Das kontrafaktische Spiel mit der Vergangenheit – 5.WMDE-Salon [E = Erinnerung]

Wie verändern sich Mechanismen und Formen des Erinnerns in der vernetzten Gesellschaft?
Darüber sprachen beim 5. Wikimedia-Salon „Das ABC des Freien Wissens“:


Markus Beckedahl führte in den Abend über die tief juristische Thematik Recht auf Vergessenwerden ein. Ein Dilemma bestehe in der Unsicherheit, was z.B. aus rechtlicher oder technischer Sicht das entsprechende Urteil des Europäischen Gerichtshofs eigentlich genau bedeute. Je nach Sichtweise stehe das Interesse der Öffentlichkeit an Informationsfreiheit, Zugänglichkeit und Erinnerung dem Persönlichkeitsrecht unversöhnlich gegenüber. Daneben richtete Beckedahl die Aufmerksamkeit auf eine andere Frage: Warum gibt es eigentlich keine Empörung darüber, dass Google als Organ privatisierter Rechtsdurchsetzung permanent und ungefragt Millionen von Links für potenzielle Urheberrechtsverletzungen automatisiert aus den Suchergebnissen löscht?

Die Autorin und Dramaturgin Dr. Peggy Mädler erzählte aus ihrer künstlerischen Perspektive, wie Erinnerung als Stoff für Narrative funktioniert (siehe Kurzinterview). Häufig thematisiert das von ihr mitgegründete Künstlerkollektiv Labor für kontrafaktisches Denken den persönlichen und gesellschaftlichen Bedarf an Möglichkeitsräumen, die mit Erinnerung verknüpft sind. Kunstaktionen wie etwa die Schaffung fiktiver Vergangenheiten (siehe Projekt „Ich bin nicht da gewesen – Eine performative Ausstellung über den Konjunktiv“) können diesen gedanklichen Raum kreieren und dadurch auch zu neuen Perspektiven auf die Gegenwart verhelfen. Das kontrafaktische Spiel mit der Vergangenheit, so Mädler, kann viel über gegenwärtige Auseinandersetzungen aussagen, Veränderungen hervorrufen, neue Wertschätzung erzeugen oder sogar lehren, Grenzen besser zu akzeptieren.

Der Kulturwissenschaftler Dr. Mathias Berek erläuterte den Prozess des Aushandelns von „erinnerungswerter“ Information zwischen Individuen und Gemeinschaften. Subjektives Erinnern und kollektives Gedächtnis stehen immer in Wechselwirkung zueinander und üben auch selektiven Einfluss aufeinander aus. Was schließlich in die gemeinsame Erinnerung eingehe, sei eine Frage der Relevanz, die zwischen Individuen und größeren Zusammenhängen immer wieder neu ausgefochten werde. Eine deutlichere Parallele zu Aushandlungsprozessen in der Wikipedia, was in das Gedächtnisreservoir hineingehört und was nicht, kann es kaum geben. Mit neuen Medien ändere sich zwar die Art der Auswahl von Erinnerung, ob die vernetzte Welt aber auch Einfluss auf die Inhalte des Erinnerns habe, bezweifelte Berek.

Der Künstler Stephan Hann stellte am Veranstaltungsabend eine Arbeit (siehe Foto) aus, die veranschaulichte, wie aus altem Material Neues entstehen kann. Hanns Arbeiten, insbesondere aus Recyclingmaterialien, sind in zahlreichen renommierten Sammlungen zu Mode und Design vertreten. Als Künstler, so Hann, arbeite er bevorzugt mit gebrauchtem Material, das in neuen Kontexten ein ganz neues Potenzial zeige (siehe Kurzinterview). Auch eine Möglichkeit, Vergangenes in Erinnerung zu behalten und ihm doch die Möglichkeit einzuräumen, sich immer wieder zu verändern.

Preview:
Der nächste Wikimedia-Salon findet am 29. Januar zum Thema „F=Fail. Die neue Schönheit des Scheiterns“ statt.

Links:

Vollständiges Video der Veranstaltung

Fotos der Veranstaltung

Website der Veranstaltung mit Übersicht über alle Salons

Kontakt: salon@wikimedia.de

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (5 Bewertungen, Durchschnitt: 3,00 von 5)
Loading...

“E=Erinnerung. Zeit des Vergessenwerdens?” Das 5. ABC des Freien Wissens

Karte zum 5. ABC des Freien Wissens, Markus Büsges, leomaria [CC-BY-SA-4.0], via Wikimedia Commons

Dieses Jahr startete Wikimedia Deutschland die Veranstaltungreihe „Das ABC des Freien Wissens“. Diskutiert werden hier Fragen und Konzepte, die wichtig zur Wissenserstellung und- vermittlung sind und gleichzeitig die Breite der Themen illustrieren, die in Verbindung mit Freiem Wissen stehen. Wie der Titel nahelegt, folgt das Salonformat dem Prinzip des Alphabets, jede Veranstaltung trägt einen Namen mit dem entsprechend nächsten Anfangsbuchstaben.

Passend zur 5. und letzen Veranstaltung in 2014, die den Titel  E=Erinnerung trägt, schauen wir kurz zurück und erinnern uns an…

A=Allmende. Quo vadis, Gemeinschaftsprojekte im Netz?“ u.a. Silke Helfrich
B=Buchmarkt. Erfolg auch mit offenen Systemen?“ u.a. mit Kathrin Passig
C=Crowdrock. Die Zukunft der Musikbranche?“, u.a. mit Johannes Kreidler
D=Datenberg. Datenschatz oder -schutz?“ u.a. mit Fukami

Die Dokumentation aller ABC-Salons mit Videos, Fotos und Zusammenfassung ist hier zu finden.

Nun also [E] wie:

„E=Erinnerung. Zeit des Vergessenwerdens?“
Donnerstag, 27. November, Einlass 18:30
Wikimedia Deutschland e.v., Tempelhofer Ufer 23-24, 10963 Berlin
(U-Bhf. Möckernbrücke)
______________________________________________________________________________________________________________________________

Impulsvortrag:
Markus Beckedahl, Journalist und netzpolitischer Aktivist, netzpolitik.org

weitere Gäste:
Dr. Peggy Mädler, Autorin und Dramaturgin, Labor für kontrafaktisches Denken
Dr. Mathias Berek, Kulturwissenschaftler

Moderation: Sabrina Apitz, Berliner Gazette

Modekünstler: Stephan Hann
____________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Der 5. Wikimedia Salon dreht sich um das Gedächtnis im Informationszeitalter. Wie verändern sich Mechanismen des Erinnerns und des Zeitempfindens dadurch, dass persönliche Momentaufnahmen unmittelbar und „für die Ewigkeit“ gespeichert werden? Entsteht die Perspektive, dass wir unser Gedächtnis weitgehend auslagern und uns auf die vermeintliche Faktizität aufbewahrter Fragmente im Web verlassen können?

Remember… Wie entwickelt sich das Erinnern im Informationszeitalter? By Berlin, Irving (Library of Congress[1]) [Public domain], via Wikimedia Commons

Zwischen der Vorstellung eines allgegenwärtigen Netzes, das nichts vergisst, und dem subjektiven Gefühl, dass die Eindrücke immer flüchtiger werden, zieht auch die Frage um das Recht auf Vergessenwerden auf. Ist der Ruf danach, unerwünschte Dinge im Netz entfernen lassen zu können auch Ausdruck des Bedürfnisses, selbst die Form der Konservierung persönlicher und öffentlicher Erinnerung gestalten zu können?
Die Gedächtnisforschung steht bei der Frage, welche Funktion Impulse des Internets für die individuelle und kollektive Gedächtnisbildung haben, noch relativ am Anfang. In der Vergangenheit setzten die Formen des Erinnerns häufig an Repräsentationen der öffentlich-offiziellen Erinnerung an. Ergibt sich nun in der vernetzten Welt eine neue Möglichkeit der Öffnung für vielfältigere, aus der Breite der Gesellschaft stammende Zeitzeugnisse?

Vor Kurzem ging das Portal museum.rechtaufremix.org online. Fragmente, die durch die digitale Welt schnell verbreitet werden können, Textschnipsel, Samples, Meme, werden hier gesammelt, in ihrem Kontext erläutert und für die Zeit nach ihrem Aufkommen in den Timelines der Welt aufgehoben.

Ist diese digitale Musealisierung von flüchtigen Ausschnitten der Informationsgesellschaft eine neue und bisher fehlende Methode, prägende Repräsentationsobjekte des Lebens festzuhalten und in die gesellschaftliche Erinnerung aufzunehmen? Das möchten wir am 27. November im Wikimedia Salon diskutieren.

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (7 Bewertungen, Durchschnitt: 2,14 von 5)
Loading...

„Glück Auf!“ GLAM on Tour auf den Spuren des Bergbaus im Sauerland

Spektakuläre Einsichten im Kilianstollen. By Geolina163, CC-BY-SA-4.0, via Wikimedia Commons

Ein Gastbeitrag von Schlesinger, ehrenamtlicher Wikipedia-Autor.

Am Wochenende vom 17. bis 19. Oktober trafen sich in der sauerländischen Stadt Brilon 20 Wikipedianer und Wikipedianerinnen zu einem Treffen, das sich mit dem Bergbau im Sauerland beschäftigte. Solche Treffen gab es schon öfters zu verschiedenen Themen (siehe Übersichtsseite GLAM on Tour). Sie werden vom Verein Wikimedia Deutschland unterstützt und organisiert. Angeregt durch ein Rundschreiben mit Flyer und Umfrage der GLAM-Mitarbeitenden des Vereins, begannen die Wikipedia-Autoren Siegfried von Brilon und Malchen53 schon im letzten Jahr mit der Sondierung von Möglichkeiten für ein Treffen in der Stadt im Hochsauerland.

Die Bemühungen haben sich gelohnt, denn es wurde ein voller Erfolg

Ein großer, freundlicher Empfang im Rathaus der Stadt, eine hervorragende Bewirtung im Museum Haus Hövener, gesponsert durch ein Restaurant, und beste Arbeitsbedingungen im Museum für die Autoren und Fotografen zeigten, dass Wikipedia wirklich ernst genommen und geachtet wird. Eine reichhaltige Handbibliothek, eine kompetente Beratung durch Bergbau- und Museumsspezialisten ermöglichten einen guten Einstieg in das Thema, was bereits vor Ort zu einigen Entwürfen und neuen Artikeln, sowie zahllosen neuen Fotos führte. Hinzu kam ein reiches kulturelles Rahmenprogramm, das die Teilnehmer in Exkursionen zu Bergwerksstollen, durch das Museum und durch die Stadtgeschichte führte.

Großes Interesse, große Wertschätzung

Begrüßung im Rathaus, u.a. Museumsleiter, stellvertretender Bürgermeister, Vorstandsvorsitzender, Steiger. Foto: Thomas Fries / Lizenz: cc-by-sa-3.0, via Wikimedia Commons

Bemerkenswert war, dass sogar Briloner Bürger und zufällige Museumsbesucher, aber auch die lokalen Medien, sich für die Wikipedia interessierten und den Autoren und Fotografen viele Fragen zum Projekt und zu verschiedenen Themen stellten (Berichterstattung siehe Pressespiegel). Der große persönliche Einsatz der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden des Museums zeigte, dass die Arbeit der Wikipedianer geachtet wird und ein Besuch auch einen Prestigegewinn für die Einrichtung bedeutet. Darüber hinaus sorgte ein freundliches und warmes Herbstwetter, das Landschaft und Stadt in einem milden Herbstlicht zeigte, zu einer angenehmen friedlichen Atmosphäre und gab den Teilnehmern das behagliche Gefühl, etwas Schönes erlebt zu haben.

Diesmal kam aber auch das Abenteuer nicht zu kurz. An den Rechnern stand immer auch die leicht bange Frage im Raum, wie man denn angesichts des Lokomotivführerstreiks, der an jenem Wochenende für eine unfreiwillige Entschleunigung sorgte, wieder nach Hause käme? Doch bald stellte sich heraus, dass das beschauliche Brilon weiterhin fast normal mit der großen Welt per Eisenbahn verbunden blieb.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Bewertungen, Durchschnitt: 4,17 von 5)
Loading...