Geschrieben von Barbara Fischer



Messen und Massen – Wichtige Trends in der Zusammenarbeit von Kultureinrichtungen mit der internationalen Wikimedia Bewegung

 in brief: scaling up both for GLAMs and for the Wikimedia movement was the most relevant issue on the conference.

London 14. April 2013. Durch die Reihen des Auditoriums geht ein Lächeln. Mehr und mehr der Anwesenden schauen von ihren elektronischen Geräten auf und folgen staunend bis amüsiert der Wortakrobatik von Michael Edson. In gereimten wortspielerischen Versen enthüllt uns der Netzdirektor der Smithonian Institution seine digitale Zukunftsvision. So etwas erlebt man wohl nur auf einer GLAM Konferenz. Offenbar zu Recht kokettiert das englische Akronym GLAM* für (Galleries, Libraries, Archives and Museums) für Kultur- und Gedächtnisinstitutionen selbstironisch mit dem „glamourous touch“, der der Kulturarbeit auch gern anhaftet.

Entscheidende Vokabel an den zwei Tagen im Konferenzzentrum der British Library aber war „Scaling up“. Ob Lizzy Jongma vom Amsterdamer Rijksmuseum oder Wikipedianerin Shani Evenstein aus Israel, Katie Filbert für Wikidata aus Berlin oder John Byrne, ehemaliges Präsidiumsmitglied von Wikimedia UK, sie alle folgten Michael Edson, der nach seinem Gedicht „Jack the museum“ uns alle mit Zahlen und Skalen bombardiert hatte. In dem Bemühen, Wissen und Kulturerfahrung für alle Menschen zugänglich zu machen, sollten GLAM Einrichtungen und digitale Plattformen, wie sie die Wikimedia Projekte darstellen, zusammenarbeiten. Sie müssen nicht nur noch stärker kooperieren, sondern dies zudem in einem noch größeren Umfang und noch schneller tun. Denn das Interesse der Welt verändert sich durch die veränderten Möglichkeiten der digital verfügbaren Rezeptionsoptionen so rasch, dass denjenigen gesellschaftlichen Bereichen, die hier nicht mitgehen, droht, bald in das diffuse Abseits der Nichtwahrnehmung abzugleiten.

London: Jack the museums. Michael Edson rhymes and rocks the audience.

 

Mehrwert als Argument

Bei allen Elogen auf die Wikipedia auch in London – bitte keine Illusionen. Es braucht noch immer Argumente in den Gesprächen mit den Kultureinrichtungen, und hier waren die Sessions sehr ergiebig. Am Samstag trugen so ziemlich alle Konferenzteilnehmer mit Nick Poole, Direktor des englischen Dachverbandes der Gedächtnisinstitutionen Collection Trust , engagiert die Ergebnisse des Wochenendes zusammen. Wesentliche Stichworte zum Thema Mehrwert waren Förderung der Kreativität durch Nachnutzung, breitere Aufmerksamkeit in der Gesellschaft durch die Erschließung weiterer Zielgruppen über die digitalen Plattformen, verbesserte Sichtbarkeit der Sammlung eines Museums oder Archivs durch die Öffnung der Depots und Steigerung der Bedeutung der Institution durch vermehrte Nutzung der Sammlung in der Wissenschaft, die erstere einfacher rezipieren kann, wenn diese digital zugänglich ist.
Aber auch hier ging es um „Scale“. Denn wenn man 10% der Bevölkerung erreicht hat, dann heißt das doch, dass man 90% noch nicht erreicht hat. „Welches kreative Potenzial liegt ungehoben da draußen?“, provozierte Georgia Angelaki vom griechischen Nationalen Dokumentationszentrums. Diese Frage griff Lizzy Jongma auf und forderte energisch, aus dem Beispiel Van Goghs zu lernen. Der junge Van Gogh besuchte das Rijksmuseum in Amsterdam im 19. Jahrhundert – natürlich noch analog. Tief inspiriert durch die Gemälde Rembrandts und dessen fast bildhauerischen Umgang mit den Farben schuf Van Gogh seinen eigenen Stil, der Farben eine unverwechselbare Plastiziät verleiht. Den potenziellen Van Goghs jenseits der Museumshallen möchte das Rijksmuseum durch den freien Zugang zu 110.000 hochauflösenden Bildern ihrer Sammlung im Rijksstudio neue Optionen zur Inspiration eröffnen. Diesem Optimismus wird sich doch kaum jemand verschließen wollen.

Wissenstransfer als Nadelöhr

Trotz allem Enthusiasmus, mit dem uns die digitalen Welten versprechen, die globalen Massen zu erreichen – vielerorts fehlt es doch noch an Know How zu den Werkzeugen und Plattformen. Auch wenn  wohl kaum jemanden auf der Konferenz, das bestechende Potenzial der Wikipedia und anderer Wikimedia Projekte auch im Verbund mit der Europeana bestreiten würde – wie man es für sich nutzen kann, ist dann doch vielen in den Kultureinrichtungen unklar. Wir brauchen mehr Wikipedianer vor Ort, war daher das Credo der hauptamtlichen GLAM Koordinatoren auf der Konferenz. Eine interne Mailingliste als Plattform zum verbesserten Austausch von Konzepten zur Mobilisierung und Empowerment des digitalen Ehrenamtes der Wikipedianer wurden auf der Konferenz zugleich umgesetzt.

Das von Wikimedia Deutschland in diesem Jahr eingeführte Projekt „GLAM on Tour“ wurde als nachahmenswert eingestuft. Bei „GLAM on Tour“ regt der Bereich „Politik und Gesellschaft“ von Wikimedia Deutschland die Begegnung lokaler Gruppen von Wikipedianern, WMDE Vereinsmitgliedern und Akteuren der Kultureinrichtungen vor Ort durch die Organisation von interaktiven Formaten wie Schreibwerkstätten und Exkursionen an. Erste Stationen sind das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg (voraussichtlich im Spätsommer 2013), in Hamburg die Hamburger Kunsthalle (Mai 2013). Die Braunschweiger Community stürzt sich im Juni 2013 auf das römische Schlachtfeld, im Rahmen einer Ausstellung, die das 3landesmuseum in Braunschweig organisiert.

Es waren also erkenntissreiche Tage in London, auch wenn keine Zeit für einen Museumsbesuch blieb.

 

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Citizen Science oder der Versuch dies zu übersetzen

Die Leibniz-Gemeinschaft (vollständigWissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V.) ist ein Zusammenschluss deutscher Forschungsinstitute unterschiedlicher Fachrichtungen. Schreibt die Wikipedia. Letzten Donnerstag und Freitag fand das Kick-Off zum Forschungsverbund Science 2.0 der Leibniz Gemeinschaft in Hamburg statt. Der Forschungsverbund, zu dem Wikimedia Deutschland (WMDE) auf Initiative von Dr. Daniel Mietchen eingeladen wurde, fokussiert die Fragestellung, wie Web 2.0 Konzepte in wissenschaftlichen Forschungs- und Publikationsprozesse integriert werden. 26 Forschungsprojekte stellten sich an zwei Tagen vor. Dr. Nils Weichert, Bereichsleiter für WMDE Bildung und Wissen, Dr. Daniel Mietchen, Wikimedian, und ich als  Kuratorin für Kulturpartnerschaften loteten in vielen dieser Projektrunden mögliche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit aus. Zwei Projekte, die ich besonders spannend fand: Das Projekt des ZEW Mannheim widmet sich der Fragestellung „Ökonomie- und Sozialwissenschaften in der Wikipedia“. Es untersucht zehntausende von Artikeln über ihre Entstehung, Vernetzung und Dynamik und wie stark Ökonome und Sozialwissenschaftler der Leibnizinstitute selbst als aktive Editoren in der Wikipedia agieren. Das Projekt Scholarlib der GESIS Sozialwissenschaftler will ganz bewusst Bedingungen schaffen, um Soziale Netzwerke mit wissenschaftlichen Inhalten aus Fachportalen stärker  zu verschränken. Hier könnten Wikimediaprojekte auf beiden Seiten eine Rolle einnehmen, sowohl als soziales Netzwerk als auch als Wissensportal. Alle Projekte hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Lizensierungsfragen gehörten zu den wiederkehrende Fragen. Oft fiel der Begriff Citizen Science. Ist Wikipedia Citizen-Science per se? Warum greifen Übersetzungen wie Bürger-Forschung oder Zivil-Wissenschaft nicht, was wäre die adäquatere Übersetzung? Ist die Wikipedia ein wissenschaftliches Publikationsmedium? Und wer zitiert wann in seinen wissenschaftlichen Arbeiten die Wikipedia?

Warum sind diese Fragen wichtig für uns? In der Zusammenarbeit mit dem Forschungsverbund Science 2.0 können wir viele nach wie vor  bestehende Fehleinschätzungen der Wikimedia-Projekte korrigieren, wir können werben für einen freien Zugang und die offene Weiternutzung der Ergebnisse aus den Forschungsprojekten des Verbundes, aber  auch generell für eine Open Access Policy mit einer dezidierten freien Weiternutzung der Forschungseinrichtungen  werben. Und wie die obigen Fragen zeigen, können wir in der Auseinandersetzung auch lernen, uns aus anderen Perspektiven zu sehen und unsere Projekte fortzuentwickeln. Wir haben in Hamburg vereinbart, dass wir  einen Kooperationsvertrag anstreben. Kernstück soll ein Wikipedian in Residence als zentraler Vermittler zwischen den Forschungsinstituten und Kultureinrichtungen der Leibniz Gemeinschaft und den Wikipedia-Communities sein.

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Zugang gestalten heißt miteinander reden

Berlin, 24. Oktober 2012. Die Dokumentation der Restauration der Vasari Kuppel in Florenz ist verloren. Die mit öffentlichen Mitteln bezahlten tausende Fotos in hoher Auflösung und erstaunlicher Detailschärfe sind samt der sie erschließende Datenbank dem Orkus des Vergessens anheimgegeben. Die Zugänge zu den Daten sind mit der Insolvenz der mit der Dokumentation beauftragten Firma unwiederbringlich verloren gegangen. So dramatisch startete das Plädoyer des Wissenshistorikers Jürgen Renn für den freien Zugang zum Wissen auf der Berliner Konferenz “Zugang gestalten – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe.”


Pavel Richter in “Freies Wissen in der Zukunft” auf der Konferenz Zugang gestalten:

  • „Es ist unser aller kulturelles Erbe
  • Wir sind (aktive) Nutzer, nicht Betrachter
  • Es sind viele Kontexte möglich
  • Ich weiß auch etwas”

Zwei Tage lang tagten ca. 200 Vertreter verschiedenster Kultureinrichtungen aus ganz Deutschland im Glashof des Jüdischen Museums in Berlin zum Thema “Das kulturelle Erbe digitalisiert nutzbar machen”. Die eben von Wikimedia vorgelegte Broschüre selben Titels fand bei dieser Gelegenheit erste willige Abnehmer. Den meisten der anwesenden Galeristen, Bibliothekare, Archivare und Museumsdirektoren (kurz im englischen Akronym GLAM) ging es offenkundig um das Wie, statt nur um das Ob.

Das Cover der neuen Wikimedia Broschüre für GLAMs (Albrecht Dürer: Adam and Eve, 1504, Engraving. Bild von Max Lisewski, CC-BY-SA 3.0 (Als Bearbeitung der Version von Scewing, gemeinfrei)) 

 


Natürlich erleben nach wie vor viele die geltenden Bestimmungsgeflechte im Urheberrecht als verunsichernd und hemmend, aber gleichzeitig zeigten die positiven Reaktionen auf die vorgestellten Praxisbeispiele die große Bereitschaft sich auf das Abenteuer “Freies Wissen” einzulassen. Der Publikumspreis für das beste Praxisprojekt ging mit knapper Mehrheit an das Filmprojekt “First we take Berlin”, gefolgt von “The Mobile Museum”, und Europeana 1914 – 1918. Letzteres lädt Menschen in ganz Europa ein, ihre eigenen Familienerinnerungen zum Ersten Weltkrieg der Allgemeinheit digital zugänglich zu machen.

Wikimedia Deutschland war eigentlich nur Mitveranstalter, dennoch Wikipedia und andere Wikimedia Projekte waren nicht nur bei den Wikimedianern Pavel Richter, Vorstand WMDE, Marcus Cyron, Wikipedian in Residence am Deutschen Archäologischen Institut, Lennart Guldbrandsson, Wikipedian in Residence an der schwedischen Nationalamt für Kulturelles Erbe, im Fokus ihres Vorträge. Sie dienten auch vielen anderen Referenten als Beleg für gelungene Umwandlung von digitalisierten Daten zu Information und der aktiven Weiternutzung.

Kathrin Passig in “Alles Crowd alles gut?”auf der Konferenz “Zugang gestalten”:


“Fast die Hälfte der deutschen Museen arbeitet mit Ehrenamtlichen zusammen, insgesamt waren das im Jahr 2003 über 30.000 Menschen. Was ist daran jetzt neu? Neu ist, dass digitale Werkzeuge diese Zusammenarbeit vereinfachen können und vor allem dabei helfen, viel größere und auch überregionale Helfergruppen als bisher zu erschließen. Das ermöglicht eine flexiblere Zeiteinteilung für diese Freiwilligen, man kann sich also öfter mal eine halbe Stunde nach Feierabend beteiligen anstatt einmal die Woche vier Stunden. Das macht die Mitarbeit auch für Leute attraktiv, die keine Rentner sind.

Und neu ist auch, dass dadurch erstmals sichtbar wird, wie groß eigentlich die Menge an Zeit ist, die Menschen bereitwillig zu Projekten beisteuern, für die sie nicht bezahlt werden. Clay Shirky hat 2010 geschätzt, dass in der Wikipedia 100 Millionen Stunden stecken.”


Neben der Wikipedia natürlich auch Wiki Loves Monuments. In diesem Jahr mit dem Guiness World Record ausgezeichnet und das Vorjahresergebnis mit  weltweit 366.110 Fotos von denkmalgeschützten Bauten wiederum toppend. Alles kreative Frucht von Laien und Enthusiasten schwärmte Andreas Lehne vom Bundesdenkmalamt Österreich.  Joseph Pugh, Referent vom britischen Nationalarchiv, beigeisterte das GLAM-Publikum im Glashof für die Idee doch offen und neugierig zu schauen, was passiert, wenn “others play with my toys”. Es ist faszinierend wie zum Beispiel aus alten Logbucheinträgen perspektivisch Hochrechnungsmodelle für Klimaentwicklungsvoraussagen erwachsen können. “When we start talking – and I mean real talking – than people start asking [and that is when] we will find out, that them out there in the internet is just an awful lot of us.”, resümierte Pugh.

Die anschließende vom Podium ins Publikum überleitende Abschlussdiskussion und der rege Austausch in den Konferenzpausen machte es deutlich: Jetzt geht es um konkrete Umsetzung. Okay, vielleicht erst mit gemeinfreien Objekten und vielleicht nicht alle Daten auf einmal, aber es geht um das gemeinsame Machen. Die Konferenz endete mit dem dringenden Appell an die Politik, dass die Verantwortung für das kulturelle Erbe eben auch bedeutet, die Finanzierung ihrer Digitalisierung sicherzustellen, um so das kulturelle Erbe als einen lebendigen Wert zu erhalten.

In den folgenden Wochen und Monaten werden wir hier und auf der GLAM-Seite über die konkreten Projekte berichten.

 

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Open Knowledge in Action: Es gibt noch viel zu tun …

GLAMbora report aus Helsinki: Man trifft sich in einem gepflegten Konferenzraum. Das Ambiente ist deutlich angenehmer gestylt als an vergleichbaren Orten in Berlin oder Dornbirn. Helsinki feiert seinen 200. Geburtstag und sich als Welthauptstadt des Designs. Davon profitierten die Besucher des Welt ersten Open Knowledge Festivals. Etwa dreißig Teilnehmer trafen sich zum Teilevent „Building Cultural Commons“ zu Gast bei der finnischen Stiftung Sitra . Neben finnischen Open-Access-Aktivisten und Vertretern von Kultureinrichtungen (nachfolgend GLAMs nach dem englischen Akronym für Galeries, Libraries, Archives and Museums) waren US-amerikanische und europäische Open-Data-Akteure da. Präsentationen wurden gezeigt, ein Etherpad zusammengeschrieben und eifrig diskutiert. Aber was bleibt?

Paul Keller von Kennisland machte in seinem Vortrag deutlich, wie schwierig die Zusammenarbeit mit GLAMs bis heute ist. Das zentrale Problem ist die oft schwierige Rechtslage. Wir alle sprechen mit den Kultureinrichtungen über die digitale Öffnung, aber sie sind nur selten tatsächlich die Lizenzeigentümer der Kulturschätze, die sie horten. Und selbst, wenn sie die Sachwalter von gemeinfreien Erbstücken sind, dann fällt es ihnen sehr schwer, auf ihre bisherige Souveränität als Doyen zu verzichten. Viele möchten die Kontrolle über die Interpretation und Verfügung ungern mit dem „Unbekannten“ im Netz teilen. Trotz der Fortschritte, die erzielt wurden, bleibe noch viel zu tun, klagt Keller. Sein Credo von mehr Austausch über Fallbeispiele und mehr konzertierte Lobbyarbeit die Lizenzrechtsfragen betreffend zog sich wie ein roter Faden durch die kommenden Sessions.

Auch Harry Verwayen von Europeana schilderte anhand des bald schon sprichwörtlichen Beispiels des inzwischen gelben Milchmädchens von Vermeer zwar die guten Fortschritte beim freien Zugang zu den Metadaten der GLAMs. Wissenschaftler und Laien können so schneller die Orte finden, an denen die Quellen gelagert werden, nach denen sie suchen. Nur müssten jetzt die nächsten Schritte unternommen werden, um diese Veröffentlichung für alle stärker nutzbar zu machen. Wie Keller sah auch er Wikipedia und ihre Schwesterprojekte als ein Vorbild, dessen Potenziale aber noch auszuweiten seien.

Auch die nachfolgenden Beiträge zeigten: Wir, die Open-Data-Akteure, müssen stärker und kontinuierlicher zusammenarbeiten, wenn wir tatsächlich das kulturelle Erbe in das digitale Zeitalter mitnehmen wollen. Dafür brauchen wir noch mehr Vermittler, die verständnisvoll zwischen beiden Welten– der der GLAMs und der der Netzaktivisten – vermitteln. Wir brauchen mehr Ideen und Geschäftsmodelle, die das digitalisierte Kulturerbe lebendig werden lassen. Ein Beispiel ist die Verlinkung von Metadaten der Deutschen Nationalbibliothek über die Personennamensdatei zu Wikipedia-Artikeln. Ein anderes die App eines Reiseführer-Verlages, die dem User denkmalgeschützte Bauwerke in seinem Umfeld anzeigt, diese mit ggf. vorhandenem Wikipedia-Artikel verlinkt und gleichzeitig den User einlädt, sein Foto des Denkmals auf Wikimedia Commons hochzuladen. Zur Entwicklung solcher und ähnlicher kreativer Geschäftsmodelle müssen Entwickler und Kultureinrichtungen aber enger vernetzt werden. Wir könnten als gemeinnützige Organisationen mit Brücken in die Freiwilligenarbeit diesen Dialog befördern. Und Michael Edson von der US-Smithsonian Institution forderte die Kultureinrichtungen auf, die dafür nötigen Ressourcen durch Umschichtung freizumachen. Die Organisatoren des Festivals für den GLAM-Bereich, Sam Leon und Joris Pekel von der Open Knowledge Foundation, haben es dankenswerter Weise übernommen, alle engagierten Mitstreiter u.a. zu nachfolgenden Arbeitskreisen einzuladen:

* Lobbyarbeit für Urheberrechtsliberalisierung und Verwaiste Werke

* Dokumentation der Fallbeispiele

* Verbesserte Erforschung der Bedarfe der GLAM (Screening)

* Ideen für Veranstaltungsformate für mehr Vernetzung

Wer weiß, vielleicht machen wir zusammen in Brüssel eine WG auf und nennen sie Commune ouverte 3.0. Dort feiern wir mit den Kulturleuten GLAMouröse Liberationparties. So machen es doch die Wirtschaftslobbyisten! Wäre nicht das schlechteste Ergebnis einer ganztägigen Session im regnerischen Helsinki.

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Als GLAM-Frau auf der WikiCon

Vom 31.8. bis zum 2.9. empfängt die WikiConvention 2012 die ehrenamtlichen Helfer der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte in Dornbirn. Wikimedia Deutschland ist mit einem Team ebenfalls vor Ort. Hier im Blog blicken wir zurück auf die Veranstaltungstage.

 

WikiCon ist so wieder eine Gelegenheit, wo ich mir wünsche, dass ich eine Art Oktopus sein könnte. Nur hätte ich nicht acht Arme, sondern acht Köpfe, um all die Infos aufzunehmen, die Anregungen zu verarbeiten, die mir geschenkt werden, und schließlich auch wieder Inputs zu geben. Ich bin hier in der Funktion als Kuratorin für Kulturpartnerschaften im Auftrag von Wikimedia Deutschland.

„Paid Editing“ (bezahlte Wikipedia-Bearbeitungen), eine Open Space-Session am Samstag Morgen, zeigt mir wie wichtig es ist, dass Diskussionen über unsere Haltung als Verein und Community sowohl breit geführt, aber schließlich auch dokumentiert werden. Denn als GLAM-Kuratorin möchte ich im Dialog mit den Institutionen eine klare Linie zu der Thematik präsentieren können.

Mir schien es zwei wesentliche Positionen zu geben: an dem einen Ende „Grundsätzlich werden Wikipedia Autoren, die Artikel gegen Bezahlung schreiben, gesperrt.“ und am anderen „So lange es sich um keinen PR Text handelt, ist doch alles gut“. Aus meiner persönlichen Erfahrung im Dialog mit Kultureinrichtungen kommt vielleicht neu hinzu, dass wir auf Grund der gewachsenen gesellschaftlichen Relevanz der Wikipedia insgesamt eine Verantwortung haben für die Güte der Artikel, und es daher freizügiger erlauben sollten, dass Betroffenen möglich ist, schlechte oder unausgewogene Artikel selbst ausgleichen zu können. Denn diese Arbeit kann nicht dem einzelnen freiwilligen Autor auferlegt werden.

Science in GLAM, eine Session mit Dr. Mietchen, entführte höchst motivierend in das spannende Aktionsfeld der Zusammenarbeit zwischen naturwissenschaftlichen Einrichtungen und Wikimedia. Hier bekam man so viele Anregungen dafür, was man noch machen kann, – von wegen „low hanging fruits“ – Blumenartikel fehlen für das QR-Code-Projekt im Botanischen Garten in Graz. Einrichtungen öffnen sich für Wikipedianer und bezahlen sie, siehe oben, um ihre Sammlung zu digitalisieren. Wäre das nicht etwas, was man selbst mal versuchen könnte, mit dem Museum oder der Forschungseinrichtung in meiner Nähe?

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Auch im Stadtmuseum jetzt ein Wikipedian in Residence

Gastbeitrag von Kilian Kluge
Seit dem 16. Juli bin ich für knapp drei Monate als Wikipedian in Residence bei der Stiftung Stadtmuseum Berlin aktiv. Einige werden mich durch Wiki Loves Monuments oder als Referent im Bereich Bildung & Wissen kennen, den anderen möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin seit 2003 (Be)nutzer der Wikipedia, im „echten Leben“ Student und Wahlberliner. Ich freue mich, mein Engagement für Freies Wissen in den kommenden Monaten in einem professionellen Umfeld fortsetzen zu können.

Mit vier Häusern und geschätzt 4,5 Millionen Sammlungsobjekten ist die Stiftung Stadtmuseum Berlin ein wahrer Hort des Wissens. Besonders die Depots, die in der denkmalgeschützten Poelzig-Halle in Spandau-Hakenfelde untergebracht sind, bergen viele Schätze aus der Geschichte der Stadt Berlin – naturgemäß jedoch hinter verschlossenen Türen. Da liegt die Idee nahe, einen möglichst großen Teil der Sammlungen über die Wikimedia-Projekte der Öffentlichkeit zumindest virtuell zugänglich zu machen.

Meine Aufgabe in den kommenden Monaten ist es, diesen Prozess anzustoßen und zu begleiten. Gemeinsam mit der Stiftung suche ich nach Möglichkeiten. Inhalte und Material in die Wikipedia und das Medienarchiv Wikimedia Commons einzustellen. In den nächsten Wochen werde ich die Mitarbeiter schulen, so dass sie selbst als Autoren zur Wikipedia beitragen können. Gleichzeitig soll selbstverständlich auch die Community mit einbezogen werden, hier konnte ich bereits einzelne Benutzer und Redaktionen gezielt ansprechen und bin gespannt, mit welchen Wünschen und Anfragen die Wikipedianer in den nächsten Monaten auf mich zukommen.Vielleicht bietet es sich an, den Berliner Stammtisch mit einer besonderen Führung der Museumsleitung im Märkischen Museum auszurichten.

Alle Aktivitäten werden auf der Projektseite in der Wikipedia dokumentiert, Fragen und Anregungen sind dort auf der Diskussionsseite herzlich willkommen. Hier im Blog werde ich etwa einmal im Monat berichten, der nächste Beitrag ist für Mitte August geplant.

Kooperation mit dem Stadtmuseum auf Dauer

Der Einsatz eines Wikipedian in Residence soll eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen einer Kultureinrichtung und den verschiedenen Projekte der Wikimedia auf den Weg bringen. Im Berliner Stadtmuseum planen wir eine dauerhafte Anlaufstelle für Wikipedianer, die Material für ihre Artikel aus dem Stadtmuseum benötigen. Zudem verknüpft sich auch hier der so genannte GLAM Bereich mit Bildung und Wissen über zwei Schulprojekte im Stadtmuseum. Eine schöne Gelegenheit das Berliner Stadtmuseum aus der Perspektive der Wikipedia kennenzulernen, wird die Lange Nacht der Museen am 25. August sein. Im Ephraim Palais präsentiert sich die Wikipedia den nächtlichen Museumsbesuchern mit einem Stand in der BerlinMacher Ausstellung. Vielleicht ein Anreiz noch schnell den einen oder anderen Artikel in der Wikipedia auszubauen.

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On the GLAMside of Wikimania

Das war also meine erste Wikimania! Drei, eigentlich vier Tage Konferenz, die beständig zwischen Klassentreffen und konzentriertem „business case“ changierte. Eigentlich begann es schon auf dem Flughafen in der Schlange vor der Einwanderungskontrolle. In der Warteschlange mischten sich Reisende aus der ganzen Welt. Jeder Flug trug neue Wikipedianer nach Washington, die sich über die Sperrbänder hinweg herzlich grüßten. Später im Hotel lernte man schnell, einander an den Laneyards und T-Shirts zu erkennen. Schon hilfreich, wenn man sich vielleicht noch etwas verloren zwischen Jetlag, Hitze und Straßennamen wie K-Street NW fühlt. Mich verschlug es gleich am ersten Abend mit Tim auf ein Openstreetmap Treffen in einer Bar. Beim Türsteher musste ich schmeichelhafterweise nachweisen, dass ich über 21 bin und stieg die schmale Treppe in den ersten Stock eines nach Hardrock riechenden Pubs hoch. Oben die bizarre Szenerie einer konzentriert lauschenden dicht an dicht stehende Menge, selbst der Barman flüsterte nur. An den Wänden vier Monitore mit drei unterschiedlichen lautlos laufenden Programmen, der vierte diente der jeweiligen Präsentation. Die Vortragenden sprachen zu uns 50 bis 70 Menschen in dem kleinen Raum ohne Mikro. Doch das machte nichts, denn alle verstanden, worum es ging und beklatschten die Ergebnisse. Dann war der letzte Vortrag vorbei und sofort schwoll der Barlärm an zu einer ohrenbetäubenden Lautstärke aus Gelächter, Musik, Bierbestellungen und Gesprächen in allen Sprachen der Welt. Zu müde vom Flug flüchtete ich bald.

Aber dieses Meeting war typisch für die ganze Wikimania. Der Wechsel zwischen aufmerksamen Vorträgen und hektisch herzlichen Pausen wurde für mich zum Puls der Veranstaltung. Dank der „Feuertaufe“ mit Speeddating am ersten Tag, kam ich rasch in meine Rolle als GLAM Kuratorin für Wikimedia Deutschland. Aus den vielen Gesprächen und Sessions, die in dichter Folge die Tage zu einem Filz aus Eindrücken und Ideen verwoben, ragen drei hervor, die ich gern gemeinsam mit Wikipedianern aus Deutschland umsetzen möchte:

– Im Austausch mit dem schwedischen Chapter (Link zu der Broschüre) und den Schweizern die Entwicklung eines qualitativen Fragebogens zu den Erwartungen, Wünschen und Befürchtungen der Kultureinrichtungen in der digitalisierten Öffnung ihrer Inhalte.

– Die Ergebnisse der Auswertung des Fragebogens fließen ein in eine gemeinsam mit dem schweizerischen, österreichischen und holländischen Chapter geplante Infobroschüre für Kultureinrichtungen. Geplant ist ein vorbereitendes Arbeitstreffen auf der WikiCon Ende August in Dornbirn.

– Zwei simultan stattfindende Edit-a-Thons gemeinsam mit dem englischen Chapter in Coventry und Dresden. Beide Städte waren im zweiten Weltkrieg schwer zerstört worden, sind heute aber Partnerstädte. Eine beherzte Initiative von Rock drum.

Wendet Euch mit Ideen, Fragen und Anregungen gern an mich.

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Wikipedia trifft Archäologie

Berlin: Der erste offizielle Wikipedian in Residence im noblen Deutschen Archäologischen Institut


Als vor zwei Jahren in London Liam Wyatt als erster Wikipedian in Residence als humane Schnittstelle zwischen der Welt der Wissenschaften  und der nicht weniger anspruchsvollen Welt der Wikipedia vermittelte war nicht absehbar, dass es so bald schon gelingen würde am rennomierten Deutschen Archäologischen Institut  (DAI) den ersten Wikipedian in Residence in Deutschland zu installieren. Marcus Cyron wird in den nächsten sechs Monaten als Botschafter von Berlin Dahlem aus in die über die ganze Welt verteilten Grabungsstätten  und zurück in die bald 200-jährige Forschungsgeschichte des Instituts wirken und dabei möglichst viele Wikipedianer und Mitarbeiter des DAI miteinander an den virtuellen Schreibtisch bringen. Geplant sind gemeinsame Workshops und Führungen, aber auch Studienreisen zu den näher gelegenen Grabungsorten. Ich freue mich schon auf Marcus Berichte hier im Blog.

Nach der Kooperation mit der Open Knowledge Foundation, in der Daniel Mietchen als Resident wirkt, und der jetzt beginnenden am DAI startet im Juli die dreimonatige Kooperation mit der Stiftung Berliner Stadtmuseum im Rahmen der Ausstellung BERLINmacher. Hier kann man sich noch bis zum 15. Juni auf die Position des Wikipedian in Resident bewerben.

Unser Ziel ist es, durch die Residents wie auch Veranstaltungen wie „Wikipedia trifft Altertum“ gemeinsam mit aktiven Wikipedianern allgemein die Zusammenarbeit zwischen Wikimedia-Projekten und wissenschaftlichen sowie kulturellen Einrichtungen zu fördern. Wissensvermittlung ist jenen wie auch uns ein gemeinsames Anliegen. Zu Teil blicken die Einrichtungen auf eine sehr lange Tradition der Wissensvermittlung und Bewahrung zurück. Der Austausch über deren Methoden und Medien und denen, derer wir uns in der Wikipedia und den anderen Wikimedia Projekten bedienen können, kann für beide Seiten nur fruchtbar sein. Gleichzeitig wollen wir gewissermaßen vor Ort natürlich für die Befreiung des Wissens werben. Wer die öffentliche Diskussion zum Urheberrecht in den Medien verfolgt, kann sich vorstellen, dass zu unseren Aufgaben viel Aufklärungs- und Beziehungsarbeit im besten Sinne gehört. In diesem Sinne stehen wir erst am Anfang einer spannenden Entwicklung und ich freue mich, wenn wir uns gemeinsam auf die Erforschung der Möglichkeiten machen.

Detailliertere Informationen zum Wikipedian in Residence im DAI sind unserer Pressemitteilung  zu entnehmen.

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