Posts Tagged ‘Wissenschaft’



Freies Wissen und Wissenschaft (Teil 08): Open Science Q&A – selbstorganisierte Handreichungen für offene Wissenschaft

Open Access, Citizen Science, Open Research Data – Die Öffnung der Wissenschaft schreitet voran. Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich im Rahmen ihrer Arbeit mit freien Lizenzen und kollaborativen Arbeitsweisen. Sie machen ihre Forschungsergebnisse und -daten frei zugänglich, damit sie von möglichst vielen Menschen verwendet und nachgenutzt werden können oder beteiligen Bürgerinnen und Bürger direkt am Forschungsprozess. An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge rund um das Thema Freies Wissen und Wissenschaft. Im achten Teil unserer Beitragsserie sprachen wir mit Christian Pietsch von der Universitätsbibliothek Bielefeld über das von ihm betreute Community-Projekt Open Science Q&A, welches versucht, Antworten auf die häufigsten Fragen zu offener Wissenschaft zu geben.


Offene Wissenschaft ist ein Ziel, auf das sich viele einigen können. Mit der praktischen Umsetzung hapert es allerdings oft noch. Oft sind es technische Kleinigkeiten, die unklar sind, manchmal aber auch Grundbegriffe. Und dann gibt es noch jede Menge Mythen und Irrtümer, die aufgeklärt werden müssen. Open Science Q&A ist eine Community aus Wissenschaftlern und anderen Interessierten (von SchülerIn bis ProfessorIn), die sich gefunden hat, um eine Wissenssammlung zu dieser Thematik in Form von Fragen und Antworten zusammenzutragen. Eine Zeit lang bemühten sie sich, beim StackExchange-Netzwerk unterzukommen, das inzwischen nicht mehr nur von ProgrammiererInnen zum Erfahrungsaustausch genutzt wird. Jetzt befindet sich die Frage-und-Antwort-Website Open Science Q&A bei der Universität Bielefeld. Wie kam es dazu, Christian Pietsch?

Bild: Libby Levi, CC BY-SA 2.0 via Flickr

Christian Pietsch: In der privaten Beta-Phase bei StackExchange war ich noch gar nicht beteiligt. Eines Tages sah ich einen Tweet, in dem Daniel Mietchen bedauerte, dass es keine öffentliche Beta-Phase geben würde und dass die private Beta-Site am kommenden Freitag gelöscht würde. Ich konnte nachfühlen, was das bedeutet, weil ich mich vor zwei Jahren eifrig an einer anderen privaten Betaphase (Digital Preservation) beteiligt hatte, die auch eingestampft wurde – einschließlich meiner Antworten. Daher wusste ich noch, dass die Fragen und Antworten in Form einer XML-Datei weiter existieren, die StackExchange nach Schließung einer Beta-Site zum Download anbietet. Diese müsste sich woanders importieren lassen, um die Frage-und-Antwort-Website wiederzubeleben. Ich bot meine Hilfe an, und kurz darauf brachte mich Daniel mit den Betreibern von PhysicsOverflow zusammen, die das schon mal gemacht hatten. Mit ihrer Hilfe und der freundlichen Erlaubnis meiner Vorgesetzten an der Universitätsbibliothek Bielefeld konnte ich nach wenigen Tagen den archivierten Inhalt als https://openscience.uni-bielefeld.de/ wieder benutzbar ins Netz bringen. Das war natürlich nur möglich, weil Gideon Greenspan in Israel eine freie und quelloffene Software namens Question2Answer (Q2A) programmiert hatte, mit der man schnell eine eigene Frage-und-Antwort-Website aufsetzen kann, und weil ein Professor im Ruhestand, der sich im Netz polarkernel nennt, ein Importskript für PhysicsOverflow geschrieben hatte, das ich unter seiner Anleitung nachnutzen durfte.

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Freies Wissen und Wissenschaft (Teil 07): Eine Enzyklopädie mit frei verfügbarem Wissen schreiben – in einer Welt der verschlossenen Inhalte

Open Access, Citizen Science, Open Research Data – Die Öffnung der Wissenschaft schreitet voran. Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich im Rahmen ihrer Arbeit mit freien Lizenzen und kollaborativen Arbeitsweisen. Sie machen ihre Forschungsergebnisse und -daten frei zugänglich, damit sie von möglichst vielen Menschen verwendet und nachgenutzt werden können oder beteiligen Bürgerinnen und Bürger direkt am Forschungsprozess. An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge rund um das Thema Freies Wissen und Wissenschaft. Im siebten Teil unserer Beitragsserie schreiben Jake Orlowitz und Alex Stinson, die bei der Wikimedia Foundation das Projekt „The Wikipedia Library“ koordinieren, über die Bedeutung von Open Access für Wikipedia und die Arbeit der Wikipedia Library, die innerhalb der Wikimedia Community zum Teil kontrovers diskutiert wird.


Mitte September 2015 gab Elsevier, einer der weltweit größten akademischen Fachverlage, seine neue Kooperation mit der Wikipedia Library bekannt, einem Programm, das Autoren Zugang zu verlässlichen wissenschaftlichen Quellen verschafft, um die Qualität der Wikipedia zu verbessern. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden 45 ScienceDirect Zugangskonten an Wikipedia-Freiwillige vergeben, die nun beim Verfassen und Editieren der Enzyklopädie in der Fachliteratur dieser Datenbank recherchieren können. Die Ankündigung löste eine wichtige und konstruktive Diskussion zu Open Access und der Wikimedia-Bewegung aus.

Auf der Grundlage von 40 Partnerschaften mit Herausgebern erhalten Wikipedia-Autoren über das Programm Wikipedia Library freien Zugang zu Inhalten der unterschiedlichsten Fachgebiete. Dank dieser Partnerschaften können die Autoren ansonsten nutzungsbeschränkte Inhalte verwenden, um Wikipedia zu verbessern und das Wissen öffentlich verfügbar zu machen. Zu diesem Zweck geht Wikipedia Library häufig Partnerschaften mit Organisationen ein, die die Ziele und das Konzept der Open Access-Bewegung nicht vollständig teilen. Die Wikipedia-Autoren verlinken in der Folge teilweise zu nutzungsbeschränkten Inhalten. Warum geht die Wikipedia Library als Teil einer Bewegung für Freies Wissen so vor?

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Freies Wissen und Wissenschaft (Teil 06): „All of Open Access on a stick“, oder: Wie überwinden wir die Open-Silos?

Open Access, Citizen Science, Open Research Data – Die Öffnung der Wissenschaft schreitet voran. Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich im Rahmen ihrer Arbeit mit freien Lizenzen und kollaborativen Arbeitsweisen. Sie machen ihre Forschungsergebnisse und -daten frei zugänglich, damit sie von möglichst vielen Menschen verwendet und nachgenutzt werden können oder beteiligen Bürgerinnen und Bürger direkt am Forschungsprozess. An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge rund um das Thema Freies Wissen und Wissenschaft. Im sechsten Teil unserer Beitragsserie schreibt Lambert Hellerder sich im Open Science Lab der TIB Hannover mit kollaborativen Arbeitsweisen in der digitalen Wissenschaft beschäftigt, über die mögliche Rolle der Wikipedia als „Brücke“ zwischen verschiedenen existierenden Open Access-Repositorien.


Forschungsergebnisse Open Access zu publizieren ist in den letzten Jahren immer selbstverständlicher geworden. Auf diese Weise ist quasi eine virtuelle Allmende entstanden – sichtbar vor allem durch einige sehr große fachliche Repositories wie PubMed Central (PMC) und arXiv. Verschiedene Player versuchen in der letzten Zeit immer wieder, die große verstreute Open Access-Almende auf einem Rechner zusammen zu bringen. Aus vielen Gründen wäre das nützlich – doch die bisherigen Ansätze haben einige Grenzen. Ich möchte in diesem Beitrag beschreiben, wie und warum sich in der Wikipedia gerade eine nachhaltige und partizipative Lösung dieser Herausforderung entwickeln könnte.

Der Begriff „Open Silo“ – ein Widerspruch in sich?

Der auf den ersten Blick widersprüchliche Begriff „Open Silo“ entstand im Frühjahr 2015 im Umfeld der Open Knowledge Open Education Working Group (vgl. auch diese ausführlichere Mailinglisten-Diskussion im Anschluß). Mir begegnete dieses Wort erstmals bei der OAI9-Konferenz in Genf, ebenfalls im Frühjahr 2015. Daniel Mietchen stellte dort die These auf, dass Wikipedia-Projekte wie Wikimedia Commons und Wikisource heute benötigt werden, um Brücken zwischen den „Open Silos“ zu bauen, die heute vielerorts entstehen. Ich nehme an, das stimmt. Und ich vermute, dass dies ein – bisher allzu leicht übersehener – Punkt ist, an dem die Öffnung des gesamten, aktuellen wissenschaftlichen Wissens als öffentliches Gut, langfristig von der Wikipedia profitieren kann und sollte.

Dabei beschäftigt mich – jedenfalls in diesem Blogposting – noch nicht einmal die Frage nach möglichen Brücken zwischen Open Access und offenen digitalen Ressourcen anderer Domänen, wie etwa Open Educational Resources oder Open Government Data. Ich will hier zunächst einmal tatsächlich nur von Brücken innerhalb von Open Access im engeren Sinne reden, also den frei zugänglichen Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung. Wer sich mit der Landschaft der Open Access-Repositories und -Aggregatoren auskennt, kann die nächsten beiden Abschnitte überspringen und weiterlesen bei „Von der virtuellen Open Access-Allmende zur vollständigen Open Access–Sammlung auf einem Rechner“.

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Freies Wissen und Wissenschaft (Teil 05): Wikipedia als Instrument der Wissenschaftskommunikation

Open Access, Citizen Science, Open Research Data – Die Öffnung der Wissenschaft schreitet voran. Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich im Rahmen ihrer Arbeit mit freien Lizenzen und kollaborativen Arbeitsweisen. Sie machen ihre Forschungsergebnisse und -daten frei zugänglich, damit sie von möglichst vielen Menschen verwendet und nachgenutzt werden können oder beteiligen Bürgerinnen und Bürger direkt am Forschungsprozess. An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge rund um das Thema Freies Wissen und Wissenschaft. Im fünften Teil unserer Reihe haben wir mit Prof. Dr. Patrick Franke, Islamwissenschaftler an der Universität Bamberg, über sein Engagement in der Wikipedia gesprochen.


Herr Prof. Dr. Franke, sie sind seit einigen Jahren in der deutschsprachigen Wikipedia aktiv. Was genau machen Sie dort schwerpunktmäßig?

Prof. Dr. Franke: Ich bin hauptsächlich im Themenbereich Islam aktiv und bemühe mich darum, durch eine stärkere wissenschaftliche Fundierung die Qualität der islambezogenen Informationen in der Wikipedia nachhaltig zu verbessern. Ziel ist der Aufbau eines neuen umfassenden und zuverlässigen Nachschlagewerks zum Islam, das in die deutschsprachige Wikipedia integriert ist, die technischen Möglichkeiten dieses Mediums nutzt und sowohl für ein allgemeines Publikum als auch für ein Fachpublikum interessant ist. Insgesamt umfasst das Projekt mehrere Teilbereiche: die Anlage von neuen Artikeln und den Ausbau von bereits bestehenden Artikeln im Islam-Bereich, die Ergänzung von islambezogenen Informationen in Artikeln zu allgemeineren Themen, die Ordnung des islambezogenen Wissens in der WP durch Pflege des Islam-Portals und des Kategoriensystems und die Beratung anderer WikipedianerInnen, die Beiträge zu islambezogenen Themen leisten. Das Projekt ist auf meiner Benutzerseite dokumentiert. Dort nenne ich in einem „Mission Statement“ auch die Gründe für mein Engagement in der WP.

Wie sind Sie dazu gekommen, Ihre wissenschaftlichen Fachkenntnisse in Wikipedia einzubringen?

Prof. Dr. Franke: Es hat bei mir angefangen, wie bei vielen anderen WikipedianerInnen auch. Ich sah einen Artikel zu einem Thema, mit dem ich mich gut auskenne, und hatte das Gefühl, dass dieser doch sehr ergänzungs- und verbesserungsbedürftig ist. Insbesondere ärgerte mich, dass die neuere Forschung zum Thema (einschließlich meiner eigenen Dissertation) gar nicht zur Kenntnis genommen wurde. Ich habe mich dann langsam an das Medium herangetastet, meine ersten Edits bei dem Artikel gemacht und erfreut registriert, dass meine Beiträge per Sichtung angenommen wurden. Ich habe den Artikel dann vollständig ausgebaut und im Umfeld noch ein paar andere Artikel angelegt. Das war mein erster Versuchsballon. Als ich dann im Frühjahr 2013 mein erstes Forschungsfreisemester antrat und zur gleichen Zeit aktive Sichterrechte erhielt, weitete ich meine Aktivität in der Wikipedia aus. Mir ging es darum, die Grenzen des Mediums auszutesten, zu schauen, wie weit ich gehen kann. Das Ganze war sehr experimentell angelegt. Ich wollte auch den „sozialen Raum“ Wikipedia erkunden. Da meine Erfahrungen während dieser Zeit durchweg positiv waren, habe ich nach dem Ende des Forschungssemesters meine Aktivität in der WP fortgesetzt.

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Gemeinsam Freies Wissen schaffen! – Barcamp zu Citizen Science am 04. & 05. Dezember 2015

Was haben WikipedianerInnen mit Menschen gemeinsam, die ehrenamtlich Stechmücken-Monitoring betreiben oder Galaxien klassifizieren? Sie alle engagieren sich in Projekten, die unter den Begriff der Citizen Science, also Bürgerwissenschaften gefasst werden können. Gemeinsam mit dem Berliner Naturkundemuseum führt Wikimedia Deutschland Anfang Dezember ein Barcamp durch, um verschiedene Citizen Science Communities zu vernetzen und die Entwicklung neuer Projektideen zu Freiem Wissen zu fördern.

Das Projekt „Bürger schaffen Wissen“ will die Citizen Science Aktivitäten in Deutschland sichtbar machen und verschiedene Communities miteinander vernetzen.

Das Barcamp “Gemeinsam Freies Wissen schaffen” soll am 04. und 05. Dezember 2015 in Berlin die Menschen zusammenbringen, die sich in verschiedenen Citizen Science-Projekten engagieren und ihnen eine Plattform bieten, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen, sich zu vernetzen und neue Projektideen zur Förderung Freien Wissens zu entwickeln (beispielsweise indem die Ergebnisse unter eine freie Lizenz gestellt und in die Wikimedia-Projekte integriert werden). Nach dem Barcamp-Grundprinzip bestimmen die Teilnehmenden selbst, was auf der Tagesordnung steht. Bei der Sessionplanung zu Beginn können Ideen für Sessions oder interessante Fragestellungen rund um die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern am wissenschaftlichen Forschungsprozess vorschlagen werden. Gemeinsam werden dann die spannendsten Vorschläge ausgewählt. Ob Experte, Insiderin oder Laie spielt dabei keine Rolle – wichtig ist allein die Lust am Diskutieren und am Mitmachen.

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Freies Wissen und Wissenschaft (Teil 04): Über die Notwendigkeit für mehr Offenheit und Transparenz in der Qualitätssicherung und Evaluierung: Open Peer Review und Open Metrics

Open Access, Citizen Science, Open Research Data – Die Öffnung der Wissenschaft schreitet voran. Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich im Rahmen ihrer Arbeit mit freien Lizenzen und kollaborativen Arbeitsweisen. Sie machen ihre Forschungsergebnisse und -daten frei zugänglich, damit sie von möglichst vielen Menschen verwendet und nachgenutzt werden können oder beteiligen Bürgerinnen und Bürger direkt am Forschungsprozess. An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge rund um das Thema Freies Wissen und Wissenschaft. Im vierten Teil unserer Reihe schreibt Dr. Peter Kraker, Forscher am Know-Center, über Open Peer Review und Open Metrics.


E-Mails mit der Betreffzeile „Your submission to…“ oder „Refereeing decision for…“ lassen den Puls von ForscherInnen ansteigen – beinhalten diese doch zumeist das Ergebnis des sogenannten Peer Reviews, welches darüber entscheidet, ob ein wissenschaftlicher Artikel zur Publikation in einer Zeitschrift oder einem Konferenzband angenommen wurde. Wikipedia definiert Peer Review folgendermaßen:

Ein Peer-Review (englisch von Peer, Gleichrangiger und Review, Gutachten), auch Kreuzgutachten, ist im Wissenschaftsbetrieb ein Verfahren zur Qualitätssicherung von wissenschaftlichen Publikationen. Dabei werden unabhängige Gutachter aus dem gleichen Fachgebiet wie die Autoren herangezogen, um die Eignung zur Veröffentlichung zu beurteilen.

In der Praxis wird eine Einreichung zumeist von zwei oder drei GutachterInnen beurteilt. Die HerausgeberInnen entscheiden dann auf Basis dieser Gutachten über Annahme oder Ablehnung des Artikels bzw. darüber, welche Änderungen vor Veröffentlichung noch durchzuführen sind. Von vielen ForscherInnen wird das sogenannte „Double-blind Verfahren“ als der höchste Standard angesehen. Dabei wird die Einreichung anonymisiert und auch die GutachterInnen geben ihre Einschätzung ohne Namensnennung ab. So soll ein Höchstmaß an Objektivität gewährleistet werden.

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How open is it? Der 10. Wikimedia-Salon „J=Journals“ drehte sich um die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens

Am 03. September fand die 10. Ausgabe der Salon-Reihe Das ABC des Freien Wissens statt, diesmal zum Thema Open Access. Lambert Heller, Leiter des Open Science Lab der Technischen Informationsbibliothek Hannover, Christina Riesenweber, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt OJS-de.net, Freie Universität Berlin und Frédéric Dubois, Chefredakteur Internet Policy Review, Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, diskutierten, welche Publikationsmodelle für Forschende und Verlage interessant sind und welches Modell den Titel „open“ wirklich verdient. Christian Rickerts betonte bei seiner Begrüßung die Bedeutung von Open Access im Hinblick auf die Sensibilisierung von Wissenschaftsinstitutionen für die digitale Öffnung im Sinne des Freien Wissens. Eine Aufgabe, der sich Wikimedia Deutschland verschrieben hat.

Zwei Herzen wohnen in der Brust der Publizierenden

Zu Beginn des Abends führte Marc Wenskat eine besondere Form des Publizierens vor: Der Gewinner des Science Slam 2015 brachte dem Publikum seine Sicht auf die Welt durch die Brille eines Teilchenphysikers nah. Ob in seiner Brust dabei auch zwei Herzen schlugen, wie Lambert Heller es bei seinem Impulsreferat bezogen auf die Forschenden von heute meinte?

„Wie viele hier im Raum haben ein Profil bei ResearchGate?“ Viele Hände gehen hoch; das Publikum ist im Thema. Warum nutzen Forschende diese Plattform und laden mitunter ihre Publikationen hoch, auch wenn sie Autorenverträgen oder Publikationsrechte an Verlage übertragen haben? Ist die Benutzerfreundlichkeit und die schiere Übersteigung einer kritischen User-Masse tatsächlich so attraktiv, dass urheberrechtliche Bedenken über Bord geworfen werden? Wenn dem so ist, müssten dann Angebote sozialer Netzwerke adaptiert und bei der Entwicklung offener Repositorien mitgedacht werden?

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Freies Wissen und Wissenschaft (Teil 03): Open Access und seine Wirkung in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft

Open Access, Citizen Science, Open Research Data – Die Öffnung der Wissenschaft schreitet voran. Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich im Rahmen ihrer Arbeit mit freien Lizenzen und kollaborativen Arbeitsweisen. Sie machen ihre Forschungsergebnisse und -daten frei zugänglich, damit sie von möglichst vielen Menschen verwendet und nachgenutzt werden können oder beteiligen Bürgerinnen und Bürger direkt am Forschungsprozess. An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge rund um das Thema Freies Wissen und Wissenschaft. Im dritten Teil unserer Reihe schreibt der Informationswissenschaftler und Soziologe Ulrich Herb über die zunehmende Bedeutung des freien Publizierens wissenschaftlicher Forschungsergebnisse. (Terminhinweis: Am 03. September 2015 findet in der Geschäftsstelle von Wikimedia Deutschland die Veranstaltung „J=Journals. Welche Form des wissenschaftlichen Publizierens setzt sich durch?“ statt, bei der verschiedene Open Access-Modelle vorgestellt und diskutiert werden).


Forderungen nach Open Access, verstanden als die Möglichkeit, wissenschaftliche Publikationen entgeltfrei nutzen zu können, wurden um die Jahrtausendwende erstmals lautstark von Wissenschaftlern formuliert. Ausschlaggebend war ein Verfügbarkeitsproblem: Obwohl wissenschaftliche Texte zusehends elektronisch vorlagen, konnten diese nicht frei unter Forschern zirkulieren: Die Autoren hatten bei der Publikation ihrer Werke die Rechte zu deren Verbreitung vollständig an Verlage abgetreten, deren Geschäftsmodell aus der Print-Ära stammte und das auf Verknappung und Verkauf von Publikationen basierte. Beide Positionen, der Wunsch nach ubiquitärer und entgeltfreier Verfügbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse auf Seiten der Wissenschaftler sowie das Geschäftsmodell, Informationen zu verkaufen, sind, das ist mehr als offensichtlich, prinzipiell unvereinbar. 

Open Access & Wissenschaft

Aus Sicht der Wissenschaftskommunikation wird zugunsten des Open Access postuliert, er beschleunige den wissenschaftlichen Fortschritt, da elektronische und entgeltfrei nutzbare Informationen rascher und weiter verbreitet werden als Informationen, denen diese Merkmale fehlen. So können sie selbst wieder schneller Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse werden. Diese Annahme rekurriert implizit auf eine Besonderheit immaterieller Güter wie eben wissenschaftlicher Texte: Immaterielle Güter können anders als materielle Güter nicht-konkurrierend benutzt werden. Während ein PKW in der Regel von nicht mehr als fünf Personen genutzt werden kann, kann der intellektuelle Inhalt eines wissenschaftlichen Textes von beliebig vielen Personen zugleich genutzt werden. Wohlgemerkt: Der intellektuelle Gehalt kann nicht-konkurrierend genutzt werden, nicht aber das physische Trägermedium, das z.B. die Gestalt eines Buches haben kann.

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Das ABC des Freien Wissens „J=Journals. Welche Form des wissenschaftlichen Publizierens setzt sich durch?“

ABC-Logo. Markus Büsges, leomaria, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

 Am Donnerstag, den 03. September, 19 Uhr, findet das zehnte “ABC des Freien Wissens” statt. Diesmal beschäftigen wir uns mit verschiedenen Open Access-Publikationsmodellen und diskutieren, welche Modelle  für Forschende, Verlage und Nachnutzende geeignet sind, und vor allem, welches Modell den Titel „open“ wirklich verdient.

„Publish or perish,“ so das Mantra des akademischen Kapitalismus. Wenn es auch nicht im wortwörtlichen Sinne um Leben und Tod geht, so stehen Forscherinnen und Forscher dennoch unter dem Druck, die eigene Forschung möglichst wirkmächtig publik zu machen. In den 1990er Jahren begann die elektronische Online-Publikation langsam, die Veröffentlichung in Printmedien abzulösen. Gleichzeitig ebneten die Open Source-Bewegungen den Weg zu Open Access – dem Prinzip des freien Zugangs zu wissenschaftlichen Informationen. Heute sind frei über das Internet zugängliche Publikationen fester Bestandteil der Wissenschaftslandschaft. So ist die an der Anzahl veröffentlichter Artikel gemessene größte wissenschaftliche Fachzeitschrift seit einigen Jahren PLOS One – eine ausschließlich online verfügbare Zeitschrift, die sich dem Open Access verpflichtet hat. Die gemeinsame Stoßrichtung scheint klar: Hin zu einer offeneren Wissenschaft. Davon profitieren nicht zuletzt auch die Wikimedia-Projekte, wie beispielsweise in dieser aktuellen Studie sehr gut dargestellt wird.

Doch bei der Frage nach der konkreten Ausgestaltung frei zugänglicher Publikationsformen gehen die Vorstellungen auseinander. Das Ziel dieser Diskussion ist es, konkurrierende Open Access Modelle zu erklären, Beispiele zu erkunden und folgende Fragen anzugehen: Wie sieht gute und nachhaltige Open Access-Praxis aus? Braucht Open Access besondere Maßnahmen, um die wissenschaftliche Qualität hochzuhalten? Wie können Open Access-Publikationen gefördert werden? Wie können für Forschende stärkere Anreize für das offene Publizieren geschaffen werden? Und wie steht es um die Open Access-Bewegung der deutschen Wissenschaftslandschaft im europäischen Vergleich?

Wir freuen uns auf eine interessante Diskussion!

Wir laden herzlich ein zum ABC des Freien Wissens:


J=Journals – Postkarte – Das ABC des Freien Wissens, Markus Büsges, leomaria, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

„J=Journals. Welche Form des wissenschaftlichen Publizierens setzt sich durch?“

Donnerstag, 03. September, 19 Uhr
Wikimedia Deutschland e.V.
Tempelhofer Ufer 23-24

Begrüßung: Christian Rickerts, Geschäftsführender Vorstand von Wikimedia Deutschland

Gäste:

Moderation: Isabella Meinecke, Hamburg University Press, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg

Rauminszenierung: Science Slam by Marc Wenskat

  • Der Eintritt ist frei. Um unsere Veranstaltungen noch besser zu machen, freuen wir uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de
  • Der Salon ist am Veranstaltungstag auf der Website als Livestream abzurufen.
  • Unter #wmdesalon kann mitdiskutiert werden.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft statt.

 

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Freies Wissen und Wissenschaft (Teil 02): Offene Bildungsressourcen (OER) an Universitäten und Hochschulen: Plädoyer für eine didaktische Sicht

Open Access, Citizen Science, Open Research Data – Die Öffnung der Wissenschaft schreitet voran. Immer mehr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich im Rahmen ihrer Arbeit mit freien Lizenzen und kollaborativen Arbeitsweisen. Sie machen ihre Forschungsergebnisse und -daten frei zugänglich, damit sie von möglichst vielen Menschen verwendet und nachgenutzt werden können oder beteiligen Bürgerinnen und Bürger direkt am Forschungsprozess. An dieser Stelle veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge rund um das Thema Freies Wissen und Wissenschaft. Im zweiten Teil unserer Reihe schreibt Dr. Sandra Hofhues, ab 1. September Juniorprofessorin für Mediendidaktik/Medienpädagogik an der Universität zu Köln, über den Einsatz von Open Educational Resources (OER) im Wissenchaftsbereich.


Whitepaper Open Educational Resources (OER) an Hochschulen in Deutschland (89 Seiten, 3,5Mb) (zum Download auf das Bild klicken)

Wie wahrscheinlich ist es, dass offene Bildungsressourcen – kurz OER – akademisches Lehren und Lernen verändern? Nach Aussage der Autoren des aktuellen Whitepapers zu „Open Educational Resources (OER) an Hochschulen“ (Deimann, Neumann und Muuß-Meerholz, 2015) unwahrscheinlich. Dennoch lohnt es sich, danach zu fragen, welche Auswirkungen die Auseinandersetzung mit und über OER im Hochschulkontext insbesondere für Studium und Lehre haben könnte. Wie lässt sich die Diskussion vor allem mit einer (hochschul-) didaktischen Sicht verbinden?

Einführung und Stand der Diskussion

Was für eine kleine Gruppe interessierter Forschender und Praktiker_innen seit über einem Jahrzehnt selbstverständlich ist, steht seit etwa drei Jahren auch auf der bildungs- und hochschulpolitischen Agenda weit oben: die Beschäftigung mit offenen Bildungsressourcen (OER). Als offen und frei zugängliches Material sollen sie den Zugang zu didaktisch aufbereiteten Inhalten erleichtern und Einblicke in Lernen und Arbeiten in Bildungseinrichtungen geben. Vorreiter für Universitäten und Hochschulen war sicherlich das Massachusetts Institute of Technology (MIT): Im MIT OpenCourseWare werden Lehr-Lerninhalte schon seit 2002 als offene Bildungsressourcen frei zur Verfügung gestellt. Mit dem Aufkommen der Massive Open Online Courses (MOOCs) wurde die Debatte um offene Bildungsressourcen in der Breite entfacht: National wie auch international stellt sich die Frage, wie man unter gegenwärtigen technischen und rechtlichen Bedingungen auf (öffentliches) Wissen zugreifen kann und welche Rolle Bildungseinrichtungen dabei spielen. Sind sie bspw. dafür verantwortlich, in ihnen entstandenes Wissen stets frei und offen zur Verfügung zu stellen? Ein Schwerpunkt in der Diskussion liegt daher im offenen Zugang zu Wissen, eine Forderung der Open Access (OA)-Bewegung, die seit ihrer Initiierung große Erfolge aufweist. So ist beispielsweise am 17. April 2015 in einem Spiegel-Artikel von einem „wegweisenden Urteil“ zu lesen: Demnach dürfen Uni-Bibliotheken alle Bücher digital anbieten. Der Weg zu einem freien und offenen Zugang zu Wissen und Informationen in Universitäten und Hochschulen ist demnach bereitet. Für offene Bildungsressourcen auch?

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