Posts Tagged ‘Urheberrecht’



“Das Problem ist, dass wir legal arbeiten wollen.” Das ABC des Freien Wissens “H=Harmonisierung.”

Bei der Podiumsdiskussion “H=Harmonisierung. Welche Urheberrechtsreform bekommen wir aus Brüssel?” der Reihe Das ABC des Freien Wissens wurde über den aktuellen Verhandlungsprozess für ein neues Urheberrecht auf europäischer Ebene diskutiert.

Immer neue Paare bildeten sich als Projektionen an einer Wand des Veranstaltungsraumes bei Wikimedia Deutschland, der passenderweise “Mosaik” heißt. Meist nachdenklich erwiderten die jungen Europäerinnen und Europäer den Blick der Betrachter. Die Fotografien des Projektes “I´m not afraid of anything” von Edgar Zippel zeigen die Pläne, Wünsche und Ängste junger europäischer Menschen, ausgedrückt in Blicken und Antworten auf die Fragen: – Was willst Du machen? – Worauf freust Du Dich? – Wovor hast Du Angst? “Die EU-Urheberrechtsreform” wäre vielleicht eine passende Antwort auf alle drei Fragen gewesen, denn damit beschäftigten sich die Gäste Julia Reda, Joe McNamee, Elisabeth Kotthaus und Dimitar Dimitrov auf dem Podium.

Gemeinsam an einem Reform-Strang! Oder?

Im Zentrum der Diskussion stand neben dem Ausgang des nun anlaufenden Drafting-Prozesses zur Urheberrechtsreform die Frage, wie der Aushandlungsprozess zwischen den politischen Institutionen, Nichtregierungsorganisationen und Zivilgesellschaft in der “Brussels Bubble” eigentlich funktioniert. Die Entscheidungen werden in Brüssel getroffen, diese Erkenntnis hat sich inzwischen gerade bei zivilgesellschaftlichen Organisationen für verschiedenste Themenbereiche durchgesetzt und führt nach und nach zu entsprechendem Handeln vor Ort. Einige Initiativen haben sich in den letzten Jahren in Brüssel in Stellung gebracht, um ihre Interessen gegenüber der Europäischen Kommission zu vertreten und politischen Entscheidern Wege zu einem zeitgemäßen Urheberrecht aufzuzeigen. Doch wie gut funktioniert diese Arbeit in der Praxis?

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Lotto und Revolution – Ein Gastbeitrag von Ilja Braun

Ilja Braun. Foto: Lilli Iliev (WMDE) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Die letzte Veranstaltung der Reihe Das ABC des Freien Wissens verknüpfte die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen mit der über das Urheberrecht im digitalen Zeitalter (siehe Bericht).
Zu Gast war u.a. Ilja Braun, Autor des Buches “Grundeinkommen statt Urheberrecht?”
In diesem Textbeitrag zur Veranstaltung befasst er sich kritisch mit dem im Salon thematisierten Konzept, Grundeinkommen per Crowdfunding zu generieren.

Ein Gastbeitrag von Ilja Braun

Mit seinem Crowdfunding-Projekt mein-grundeinkommen.de hat Michael Bohmeyer einen Coup gelandet. Selten hat das Thema Grundeinkommen in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Bohmeyer sammelt per Crowdfunding Geld ein, und immer wenn 12.000 Euro zusammengekommen sind, wird ein Grundeinkommen von 1.000 Euro monatlich für ein Jahr verlost.

Eine Art Grundeinkommens-Lotterie also. Bis April 2015 hat der Initiator auf diese Weise bereits elf Grundeinkommen finanziert. Mitmachen kann jeder, der in knappen Worten darlegt, was er im Falle eines Gewinns mit dem Geld machen möchte. „Vielleicht bekommen wir so ein Gefühl dafür, wie eine Grundeinkommens-Gesellschaft aussehen könnte“, sagt Bohmeyer in seinem Begrüßungsvideo. Und: „Ich glaube, dass ein Grundeinkommen […] in allen Menschen enorme Kreativität erwecken kann und dass die Gesellschaft damit auf allen Ebenen einen großen Schritt vorankommen kann. Aber wissen kann ich es natürlich nicht. Deswegen schaffen wir jetzt Tatsachen und probieren es einfach mal aus.“

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Das ABC des Freien Wissens “H=Harmonisierung. Welche Urheberrechtsreform bekommen wir aus Brüssel?”

ABC-Logo. Markus Büsges, leomaria [CC BY-SA 3.0]

Am Freitag, den 8. Mai, 19 Uhr, findet das nächste “ABC des Freien Wissens” statt. Diesmal geht es, passend zum re:publica-Thema “Finding Europe”, um den aktuellen Verhandlungsprozess für ein neues Urheberrecht auf europäischer Ebene.

Immer mehr NGOs und Initiativen wie EDRi, die Free Knowledge Advocacy Group EU oder access versuchen, den politischen Akteuren in Brüssel Wege zu einem zeitgemäßen Urheberrecht aufzuzeigen. Ziel ist eine politische Regulierung, die echte Verbesserungen u.a. für Kultur- und Bildungsprojekte bringt.

Wie stehen aktuell die politischen Chancen, beim Urheberrecht eine echte Wende einzuleiten? Und was weiß Brüssel über die Herausforderungen von Open-Content-Plattformen wie Wikipedia?

Wir laden herzlich ein zum ABC des Freien Wissens:


H=Harmonisierung, Markus Büsges, leomaria [CC-BY-SA-4.0]

 “H=Harmonisierung. Welche Urheberrechtsreform bekommen wir aus Brüssel?”

Freitag, 08. Mai, 19 Uhr
Wikimedia Deutschland e.V.
Tempelhofer Ufer 23-24

Gäste:
Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft (angefragt)
Julia Reda, Europaabgeordnete der Piratenpartei
Dimitar Parvanov Dimitrov, Wikimedian in Brussels, Free Knowledge Advocacy Group EU
Joe McNamee, Geschäftsführer European Digital Rights

Moderation: Matthias Spielkamp, Journalist, iRights.info

Kunst: I’m not afraid of anything! Porträts junger Europäer – Fotografien von Edgar Zippel, siehe auch Flyer zur Ausstellungseröffnung

  • Der Eintritt ist frei. Um unsere Veranstaltungen noch besser zu machen, freuen wir uns über eine Anmeldung unter salon@wikimedia.de
  • Der Salon ist am Veranstaltungstag auf der Website als Livestream abzurufen.
  • Unter #wmdesalon kann mitdiskutiert werden.
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Soziale Hängematte oder kreatives Utopia? Das ABC des Freien Wissens “G=Grundeinkommen.”

Die Podiumsdiskussion verknüpfte die Diskussion über bedingungsloses Grundeinkommen mit der digitalen Krise des Urheberrechts.

Der Abend begann eindeutig ohne Abschiedstränen für das Urheberrecht, als das Publikum bei Bernadette la Hengst und ihrer Performance mitsang: “Copy me, copy me, copy me, I want to travel!” Das 2003 geschriebene Lied erzählt vom Glauben an das Heilsversprechen Digitalisierung. Vom Geist einer kommenden Ära des kollektiven geistigen Eigentums.
Dass heute Ernüchterung eingekehrt ist und über Regulierungsmaßnahmen angesichts offensichtlicher und schmerzlich ungerechter Urheber-Verwerter-Verhältnisse gesprochen werden muss, sagt die Künstlerin im Interview, ist inzwischen klar.

Was passiert mit uns, wenn die Knappheit wegfällt?

Grundfragen von Urheberrecht und -unrecht, gerade hinsichtlich der Bezahlung kreativer Arbeit, bestimmten das Gespräch zwischen Olaf Zimmermann, Adrienne Goehler, Ilja Braun und Michael Bohmeyer.
Der Künstler als Prototyp einer deregulierten Arbeitswelt wurde zum Patienten erklärt. Die Frage: Welche Medizin kann helfen? Die radikalste Variante vertritt Michael Bohmeyer, der mit seinem Crowdfunding-Projekt mein-grundeinkommen.de Jahres-Grundeinkommen generiert und verlost. Inzwischen seien inzwischen sogar mehr Menschen auf der Plattform angemeldet, die Geld geben möchten, als Leute, die an der Verlosung des Grundeinkommens teilnehmen.

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Das ABC des Freien Wissens “G=Grundeinkommen. Eine Antwort auf die digitale Krise des Urheberrechts?”

Das ABC des Freien Wissens (Logo). By Markus Büsges, leomaria [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Am Donnerstag, den 26. März, 19 Uhr, findet das nächste “ABC des Freien Wissens” statt. Diesmal wird die Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen mit der über das Urheberrecht im digitalen Zeitalter verknüpft.

Arbeit – Verwirrung. Arbeit – Hoffnung. Arbeit – Du faule Sau.

Was Musikerin Bernadette la Hengst in ihren Performances (siehe Beispiel) betreibt, kann als assoziatives Diskotieren rund ums Thema Grundeinkommen beschrieben werden. Statt nur theoretisch zu bleiben, sollen performative Ansätze die angestaubte Diskussion reanimieren, die gerade mit der Frage um das Urheberrecht im Digitalzeitalter neue Relevanz erfährt.
Am nächsten Donnerstag wird dies bei Wikimedia Deutschland in die Praxis umgesetzt – auf dem Podium und mit dem Publikum.

Wir laden herzlich ein zum ABC des Freien Wissens:


 

G=Grundeinkommen, Markus Büsges, leomaria [CC-BY-SA-4.0], via Wikimedia Commons

“G=Grundeinkommen. Eine Antwort auf die digitale Krise des Urheberrechts?”

Donnerstag, 29. Januar, 19 Uhr
Wikimedia Deutschland e.V.
Tempelhofer Ufer 23-24

Gäste:

Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
Adrienne Goehler, Senatorin a.D., Kuratorin
Ilja Braun, Autor “Grundeinkommen statt Urheberrecht”
Michael Bohmeyer, Gründer mein-grundeinkommen.de

Moderation: Valie Djordjevic, Journalistin

Live: Bedingungsloses Grundeinsingen mit Bernadette la Hengst

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Die längste These der Welt. Das Leistungsschutzrecht badet lau in Düsseldorf

Düsseldorfer Landtag, Saal für Ausschüsse. Foto: Mbdortmund, Free Art License / via Wikimedia Commons

Vater Rhein, viel gepriesen und besungen, eignet sich nicht für Turbulenzen. Auch die Bewohner rechts und links seiner Auen gelten gemeinhin als äußerst freundliche und gesellige Menschen, denen stärker an obergärigen Getränken als an obertourigen Gesetzesfolgendebatten gelegen ist. Doch hier macht das Leistungsschutzrecht für Presseverleger (LSR) einen Strich durch die Rechnung. Denn es zwingt die Rheinländer zur Auseinandersetzung mit einer Sache, die irgendwo oben, im Sibirien Deutschlands (K. Adenauer), verbockt wurde. Aber schön der Reihe nach.

Mit dem LSR, das am 1. August 2013 in Kraft trat, wurde Presseverlagen das ausschließliche Recht eingeräumt, ihre Texte zu gewerblichen Zwecken im Internet zu veröffentlichen. Suchmaschinenbetreiber und Aggregatoren wurden damit lizenzpflichtig. Durch die in letzter Minute hineinverhandelte Einschränkung, dass weder „einzelne Wörter oder kleinste Textausschnitte“ davon betroffen seien, wurde der eigentliche Schutzgegenstand dennoch sehr unbestimmt belassen. Christoph Keese, Cheflobbyist des Springer-Konzerns, gab gegenüber dem Medienjournalisten Stefan Niggemeier jüngst seine Interpretation ab, dass auch Überschriften durchaus schutzfähig “im Sinne des Gesetzes” sein könnten. Die Konfusion könnte kaum größer sein.

Entkernt und einzigartig

Wikimedia Deutschland beschäftigt sich mit dem LSR seit seeeehr langer Zeit. Bei Veröffentlichung des ersten Referentenentwurfs im Jahr 2012 äußerten wir unsere Sorge vor möglichen Kollateralschäden für die Belegpraxis in Wikipedia. So sahen wir die  Problematik “betexteter” Weblinks, die trotz höchstinstanzlich garantierter Linkfreiheit plötzlich unter den Schutzumfang des LSR fallen könnten. Auch Schutzrechtsberühmungen bei Neukompositionen von Presse- und Wikipedia-Inhalten schienen uns ein sehr realistisches Szenario zu sein.

Als es in die chaotische Endphase des Gesetzgebungsprozesses ging, stellte mein Kollege Mathias Schindler hier im Blog die Gretchenfrage: “Sind Wikipedia und ihre Schwesterprojekte von diesem LSR direkt und unmittelbar betroffen? Nein, vermutlich nicht (…) Ob dennoch ein Verlag Anstoß an einer Handlung nimmt und versucht, sein Verbotsrecht durchzusetzen, weiß auch unsere Glaskugel nicht.” Gestützt auf die Befunde renommierter Fachwissenschaftler kritisierte er die Einführung “eines unsinnigen, entkernten, weltweit einzigartigen und rechtssystematisch problematischen Gesetzes”. Danach hätte man eigentlich zur Tagesordnung übergehen können.

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Monsters of Law: “Wiki-Immunity – Bleibt die Wikipedia in Deutschland rechtlich geschützt?”

Nicht erschrecken! Rechtliche Fragen bei Monsters of Law. Foto: By Gerrard St monster mural, by Aviva West, [CC BY-SA 2.0]

Die Veranstaltungsreihe Monsters of Law wurde von Wikimedia Deutschland ins Leben gerufen, um sich juristischen Fragen rund um Freies Wissen und seinen Rahmenbedingungen anzunehmen.

Jan Mönikes, Rechtsanwalt und Experte für Urheber-, Medien- und IT-Recht, spricht am 5. März bei Wikimedia Deutschland über die heutige rechtliche Situation und mögliche Veränderungen der Haftung für die deutschsprachige Wikipedia.


Monsters of Law:
Wiki-Immunity – Bleibt die Wikipedia in Deutschland rechtlich geschützt?”

Referent: Jan Mönikes, Rechtsanwalt und Experte für Urheber-, Medien- und IT-Recht
Wann: Donnerstag, 05.03., 18 Uhr, (Einlass 17:30 Uhr)
Wo: Wikimedia Deutschland e.V., Tempelhofer Ufer 23-24, Berlin



Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, uns an diesem Tag ab 18 Uhr zu besuchen.
Dem Format der Reihe entsprechend wird der Abend aus drei Teilen bestehen, einem Vortrag unseres Referenten, einer Frage- und Diskussionsrunde und einem informelleren Teil mit Getränken.

 

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Urheberrechts-Dämmerung oder Wie man mit dem Hammer reformiert*

Dimitar Dimitrov ist seit Juli 2013 lokaler Ansprechpartner für die Wikimedia-Aktivitäten in Brüssel. Im Vereinsblog berichtet er in loser Folge von seinen Erfahrungen vor Ort.

Was ist passiert?

Nietzsche-Archiv in der Villa Silberblick in Weimar.jpg

Nietzsche-Archiv in der Villa Silberblick in Weimar“ von R. Möhler, CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Die neue Europäische Kommission arbeitet daran, noch in 2015 eine Urheberrechtsreform vorzuschlagen. Im Kontext der Europäischen Union wird es sich dabei aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Umgestaltung der Urheberrechtsrichtlinie von 2001 (auch InfoSoc genannt) handeln. Diese wurde erlassen, um das Urheberrecht für das Internet einsatzbereit zu machen. Es wurde eine Reihe Schranken und Ausnahmen gewährt (einschließlich der Panoramafreiheit), die allerdings von den Mitgliedsstaaten nicht verpflichtend umgesetzt werden müssen. Statt einen klar verständlichen rechtlichen Rahmen zu schaffen, hat dies zu einem Flickenteppich an Regeln geführt.

Währenddessen meißelt, einige Straßenzüge von der Kommission entfernt, das Europäischen Parlament an einem Eigeninitiativbericht über die Umsetzung ebendieser Richtlinie. Da das Parlament nicht selbst Gesetzesänderungen anstoßen kann, ist dies seine Art, sich mit anstehenden Themen zu beschäftigen. Der Bericht wird am Ende Reformvorschläge machen, die das Parlament gerne umgesetzt sehen würde. Der Rechtsausschuss, der für diesen Bericht zuständig ist, hat Julia Reda (Piratenpartei, Grüne/EFA, DE) zur Berichterstatterin ernannt. Sie hat ihren ersten Entwurf vor einigen Wochen vorgestellt.

Dieser ruft die Europäische Kommission dazu auf, neue Schranken und Ausnahmen einzuführen und die gegenwärtigen zu vereinheitlichen. Darüber hinaus versucht er die Stellung von Künstlern gegenüber Rechteinhabern zu stärken und fordert eine Stärkung und Schutz der Gemeinfreiheit.  Konkret wird vorgeschlagen, die Schutzfristen auf Berner Konventionsminimum zu drosseln (d.h. Lebenslang plus 50 Jahre, statt wie bisher ein Minimum von Lebenslang plus 70 Jahre), das Zitatrecht auf Bilder und Videos auszuweiten, eine offene Norm in Europa einzuführen, die das US-amerikanische Fair-Use-System nachahmt, die Rechtmäßigkeit von Hyperlinks sowie Text- und Data Mining zu verankern und Büchereien zu erlauben, ihre Bücher auch digital zu verleihen.

Reflexartige Reaktionen

Reaktionen in Brüssel lassen sich auf jeden beliebigen Punk auf einer Skala von “Geil!” über “Ach, was soll’s?” bis “Verdammter Mist” ansiedeln (die Berichterstatterin hat sogar selbst Kommentare zusammengestellt). Es gibt Interessengruppen, die meinen, dass so ein “einseitiger” Vorschlag niemals durchginge. Manche sind sogar davon überzeugt, dass sie ihren Job verlören, falls es doch passierte. Auf der anderen Seiten finden sich wiederum Gruppen, denen das Ganze bei Weitem nicht weit genug geht. Auch zwischen diesen Extremen findet sich jede beliebige Position.
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Sag, mein Werk, bist du eine persönliche geistige Schöpfung?

Höhenangst? Foto: Reuschp, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Er ist in Deutschland urheberrechtlich geschützt; egal, ob ich es möchte oder nicht. Er ist geschützt, weil es sich um ein geschütztes Sprachwerk nach §2 Urheberrechtsgesetz handelt, er eine persönliche geistige Schöpfung ist und diese Schöpfung individuelle Züge trägt. Ich hätte diesen Text auch anders anfangen lassen können mit dem gleichen Ergebnis. Egal, ob Sie dem Text zustimmen, sachliche Fehler in ihm finden oder an einzelnen Formulierungen herumkritteln können, es ändert nichts daran, dass der Gesetzgeber diesem Text und vor allem seinem Schöpfer einen Schutz zusprach. Und wenn es nicht der Gesetzgeber war, so hat die deutsche Rechtsprechung in den letzten Jahrzehnten eine Reihe von Urteilen hinterlassen, die die Untergrenze des urheberrechtlichen Schutzes abstecken.

Die Konsequenzen des Überspringens dieser Untergrenze, der Schöpfungshöhe, sind klar: Die Verwendung des Textes wird zulässig, sofern ich es als Nutzungsrechteinhaber erlaube, es das Gesetz in einzelnen Ausnahmefällen erlaubt oder mehr als 70 Jahre seit meinem Tod vergangen sind. Wer nicht nach diesen Regeln spielen will, für den hält das Gesetz eine reiche Sammlung zur Disziplinierung bereit.

War dies schon immer so? Gilt das wirklich für alle Texte bis hin zu “Bitte mitbringen: Milch” am WG-Kühlschrank? Was muss ich tun, um Gewissheit über den Status eines Werks zu erlangen? Das fragen wir beim nächsten Termin von “Monsters of Law”, unserer Reihe zu rechtlichen Fragen rund um Freies Wissen.

Mezger, Lukas. Foto: Melanie Brown / Wikimedia Foundation [CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Was:  “Von Schöpfungshöhe und Schutztiefe. Ab wann greift das Urheberrecht?”

Wann:  Donnerstag, 25.09., 18 Uhr

Mit:       Lukas Mezger (Benutzer:Gnom)

Wo:      Wikimedia Deutschland e.V., Tempelhofer Ufer 23-24, Berlin

Am 25. September wird der Rechtsanwalt und Enzyklopädist Lukas Mezger (ehemal. legal intern bei der Wikimedia Foundation und Mitglied der Wikipedia-Redaktion Recht) im Rahmen der Reihe “Monsters of Law” in den Räumen von Wikimedia Deutschland Rede und Antwort zum Thema Schöpfungshöhe stehen. Es ist meine dankbare Aufgabe, Euch alle herzlich einzuladen, uns an diesem Tag ab 18 Uhr zu besuchen. Dem Format der Reihe entsprechend wird der Abend aus drei Teilen bestehen, einem Vortrag unseres Referenten, einer Frage- und Diskussionsrunde und einem informelleren Teil mit Getränken. Die Veranstaltung wird für Menschen außerhalb Berlins gestreamt und eine Aufzeichnung später verfügbar gemacht.

 

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CROWDROCK! – Der dritte Wikimedia-Salon dreht sich um die Zukunft der Musikbranche

Die Frage, ob das Internet Freund oder Feind von Musikschaffenden ist, steht seit bald zwei Jahrzehnten im Raum und kann seither als Knackpunkt der Diskussion um urheberrechtliche Fragen im musikalischen Kontext herhalten. Die Antwort lautet bei Licht betrachtet, wie so oft: Kommt drauf an.

Crowdsurfing. By Rodrigo Bertolino (Mosh) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Wie es gelingen kann, faire Rahmenbedingungen für Urheber und Nutzerinnen zu schaffen, ist steter Gegenstand einer Debatte, in der vermeintlich naturgegebene Interessen langjährig etablierten Usancen und festen Strukturen gegenüberliegen. Die Entwicklungen der digitalen Kultur verstärken auch hier zunehmend den Ruf nach der neuen Realität angepassten Reglungen und flexiblen Lösungen.

Diesen Donnerstag sollen beim 3. Wikimedia-Salon “Das ABC des Freien Wissens” der Status Quo alternativer Verwertungsmodelle und die Interessenlage von musikalischen Urheberinnen und Verbänden ausgelotet werden.

 

Das ABC des Freien Wissens

C = Crowdrock. Die Zukunft der Musikbranche?

Wann: Donnerstag, 10. Juli, Einlass 18:30

Wo: Tempelhofer Ufer 23-24, 10963 Berlin (U-Bhf. Möckernbrücke)

 

Um die Problemlage von Künstlerinnen und Künstlern im Musikbereich zu umreißen, werden zumeist drei Prämissen ins Feld geführt: Es sei für musikalische Urheber unumgänglich, (a) mit ihrer Kunst Geld verdienen zu können, (b) viele Menschen zu erreichen und dabei (c) möglichst unabhängig zu arbeiten. Hier eine Balance gegenüber den Ansprüchen bestehender Rechteverwerter und ihren eingeübten Distributionsmechanismen zu finden, ist immer auch Wandeln auf dünnem Eis. Die Vorstellungen reichen von strikter Anwendung analoger Regelungen auf den digitalen Musikmarkt bis hin zum Grundeinkommen als Problemlösungssvehikel zu urheberrechtlichen Interessensgefällen, wie es zuletzt Ilja Braun argumentiert hat.

Doch wie kann – in Anlehnung an den Titel des Veranstaltungsabends “Crowdrock” – ein Musikmarkt aussehen, der das Kunstwerk nicht als Solitär behandelt, sondern den Künstler grundlegend als Teil eines Netzwerks, als Knotenpunkt diverser ästhetischer und technischer Zusammenhänge versteht? Und wie könnte eine annähernd faire Rechtelage gestaltet werden, die verschwimmende Grenzen zwischen Produzenten und Konsumenten nicht ausblendet, sondern adäquat auf sie reagiert?

Auf zu neuen Ufern?

Wie der Umbruch des Musikmarkts sich zugunsten der Urheberinnen und Urheber gestalten lässt, ist häufig gerade für die betreffenden Akteure schwer abzuschätzen. Angebote wie die der Plattform Music Pool Berlin bieten Orientierung für Musiker auf dem Weg zur Professionalisierung, die im Möglichkeitsdickicht von Labels, Verbänden und Selbstvermarktung den Überblick suchen. Es werden kostenlose Beratung, Workshops und Themenabende angeboten. Ein hilfreiches Angebot, endet doch das Gespräch über Promotion, Distribution und Vergütung von Musik meist bei der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte.

Für mich ist der Ausstieg irgendwann einfach Überzeugungssache gewesen, da ich mich ganz klar von ihren kapitalistischen Auswüchsen und der reaktionären Haltung gegenüber neuen Strömungen distanzieren wollte. –Danny Bruder über seinen GEMA-Ausstieg

Die C3S (Cultural Commons Collecting Society) ist vor einiger Zeit als Genossenschaft mit dem Ziel angetreten, als neue Verwertungsgesellschaft eine gerechtere Alternative zur GEMA zu bieten. Flexible, individuell kombinierbare Modelle sollen unzeitgemäße Pauschalbehandlung ablösen und damit den veränderten Arbeitsweisen im musikalischen Bereich Rechnung tragen. Auch die Möglichkeit der Rechtewahrnehmung von Creative-Commons-lizenzierten Werken soll von C3S – sobald das Deutsche Marken- und Patentamt grünes Licht gibt – künftig angeboten werden. Danny Bruder, selbst Musiker, Free-Culture-Freund und Gründungsmitglied der C3S, wird im Salon über den Stand der Dinge berichten und einen Ausblick geben, wie nah die Vision ihrer Realisierung wirklich ist.

Kafkaeske Szenarien vs. Reality-Check

Johannes Kreidler bei der Aktion Product Placements. Foto: Zippos, cc-by-sa 2.0

Die Absurdität, die bestehenden Regularien der GEMA in Zeiten des digitalen Umbruchs allein angesichts eines in Konsequenz enorm gestiegenen Verwaltungsaufkommens innewohnt, hat Johannes Kreidler bereits 2008 mit der Performance “product placements” verdeutlicht.

Mit seiner Werkanmeldung einer Komposition mit 70.000 Fremdanteilen wies er medienwirksam auf eine längst nicht mehr der Realität entsprechenden Situation hin. Wo die musikalische Zitat-Grenze etwa in DJ-Sets zu ziehen ist, kann schließlich in Konsequenz niemand beantworten. Dass allein die Fragestellung mehr als zweifelhaft ist, vertritt Christian von Borries. Der Komponist, Filmemacher, Konzeptkünstler sieht alle Bestrebungen, etwa durch verschiedene Lizenzmodelle Interessen auszugleichen, als beflissenene und gestrige Versuche, letztlich an Symptomen zu arbeiten. Kunst entstehe durch die endlose Remontage, Neuzusammensetzung, Versionierung von schon Vorhandenem. Dies irgendwie beschränken und regulieren zu wollen, ist für von Borries letztlich hemmend für die kulturelle Produktion.

Wie finanzielle Ansprüche im Musikbereich tatsächlich die Vielfalt der Angebote bedrohen können, erfuhr die Berliner Clubszene zuletzt durch die Ankündigung neuer Tarifbedingungen der GEMA. Das Szenario massiv gesteigerter Gebühren, das vielen Veranstaltern den perspektivischen Ruin vor Augen hielt, konnte durch den Protest der Clubs, auch durch die Clubcommission, abgewendet werden. Olaf Möller, der dem Verband vorsitzt, setzt sich für die Interessen der Clubs ein und kennt hier liegende Problemfelder von Rechten und Lizenzierung.

Wir freuen uns auf einen anregenden Abend.

 

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