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Auf Besuch bei Wikimedia Schweden

Draußen auf einer der Stockholmer Stadtinseln eiskalter Wind bei strahlend blauem Himmel – drinnen freundliche Gesichter von gut zwei Dutzend schwedischen Wikimedianern in der birkenhellen Atmosphäre des Hörsaales im Architektur und Designzentrum. Ich bin zu Besuch auf der Jahresversammlung des schwedischen Wikimedia-Chapters. Das Chapter ist zwar eines der kleineren in Europa, aber sehr aktiv. Die schwedische Wikipedia hat mehr als eine Millionen Einträge. Wikimedia Schweden hat 500 Mitglieder. Ein Teil von ihnen hört am vergangenen Samstag mit einer gewissen Lässigkeit doch konzentriert ihrem Vorsitzenden zu.

Konzentrierte Mitglieder auf der schwedischen Jahresversammlung von Wikimedia Sverige am 15. März 2014 in Stockholm. Bild von Arild Vågen via Wikimedia Commons unter CC-BY-SA.

Fünf Programmlinien in Schweden

Knapp und konzise präsentiert Matthias Blomgren  das Jahr 2013 und die Pläne für 2014. Gut gefiel mir die klare Darstellung der Strategie, an der der Vereinsvorstand gemeinsam mit Mitgliedern im vergangenen Jahr weiter gearbeitet hatten. Auch wenn fünf Tätigkeitsfelder benannt werden, die klare Ausrichtung auf die Einbindung und Verzahnung der Wikimedia-Projekte in die und mit der Gesellschaft fällt auf. Man geht dezidiert auf die Gesellschaft zu. Ein Fünftel von den knapp 5 Millionen schwedischen Kronen Gesamtbudget geht auch im Norden in die Community-Förderung. Und dazu gehören in Schweden auch die Anstrengungen zur Diversifizierung. Ein Drittel der Mittel dienen der Gewinnung Freier Inhalte in der Zusammenarbeit mit den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Bildung und die politische Lobby-Arbeit für Freie Inhalte.

Die Leser im Fokus

Überraschend für mich war jedoch die klare Akzentuierung auf die Zielgruppe der Wikipedia-Leser, mehr noch auf die Allgemeinheit. Der Budgetansatz für dieses Programm ist der größte Einzelposten. Die Leser bzw. Anwender der Wikimedia-Projekte sollen niedrigschwellige Mitmach- und Informationsangebote bekommen, der Austausch mit ihnen gefördert werden und die Projekte insgesamt zugänglicher werden. Daher hat Wikimedia Schweden jetzt im Architektur- und Designzentrum Stockholm über vier Wochen eine Infowerkstatt für Museumsbesucher und Mitarbeiter gleichermaßen eingerichtet. Die Mitarbeiter von WMSE haben ihren Arbeitsplatz bis Ostern mal eben ins Museum verlegt. Freiwillige unterstützen sie vor Ort und nutzen die Gelegenheit zum Austausch. Träffa Wikimedia heißt die Aktion. „Natürlich bekommt man in dieser Zeit nicht so viel von dem gemacht, was man sonst im Büro schafft“, erzählt mir mein schwedischer GLAM-Kollege Axel Petterson, „aber wir sind gespannt auf die Fragen der Besucher und hoffen natürlich auf das Interesse der Mitarbeiter“. Ließe sich so ein temporärer Wiki-Stützpunkt auch sinnvoll in Deutschland umsetzen?

Konsens prägt die Versammlung

Überall folgen Vereinsversammlungen formellen Regeln um den Austausch in strukturierte Bahnen zu lenken. Entsprechend lang ist die Tagesordnung auch in Stockholm. Doch selten habe ich es auf Vereinssitzungen erlebt, dass man sich offenbar so einig ist. Es gab kaum Diskussionen und doch hatte ich nicht den Eindruck, dies sei Ausdruck einer desinteressierten Langeweile. Ein Blick auf die Bildschirme in den Zuhörerreihen belegte, alle folgten den Ausführungen am Rednerpult. Auch schien es mir als hätten sich alle Anwesenden gut auf die Tagesordnung vorbereitet. Folglich nicht verwunderlich, dass die Versammlung inklusive der obligatorischen Fika-Pause mit Kaffee und Zimtschnecken bereits nach drei Stunden vorbei war. Anschließend saß man im neuen gemütlichen Büro von Wikimedia Sverige auf Kungsholmen noch lange zusammen und ließ es sich wohl sein.

Mein Besuch in Stockholm galt vornehmlich dem kollegialen Austausch zu GLAM-Projekten in Schweden und Deutschland, aber jetzt bin ich ganz inspiriert vom konstruktiven Esprit der Wikinger. Und schaue entsprechend voller froher Erwartung auf das GLAMster-Treffen in Bremen am Ende des Monats.

Weiterführende Links zur Mitgliederversammlung und Jahresplanung von WMDE

Wer jetzt neugierig auf die entsprechende Jahresplanung von Wikimedia Deutschland (WMDE) geworden ist, der kann zusammenfassend den passenden Blog-Beitrag nachlesen. Die nächste WMDE-Mitgliederversammlung findet am 24. Mai in Frankfurt am Main statt und im Anschluss wird der Zedler-Preis, der „Oskar“ der deutschsprachigen Wikimedia-Bewegung, öffentlich verliehen.

 

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Das Affiliations Committee sucht neue Mitglieder

Das Affiliations Committee (AffCom) sucht neue Mitglieder! Hast du Lust, dich für eine Dauer von zwei Jahren in diesem internationalen Gremium zu engagieren? Dann nichts wie los: Der Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 05. Dezember 2013.

Das Affiliations Committee im Sommer 2013 (Foto: Victorgrigas, cc-by-sa 3.0)

Was ist das Affiliations Committee?

Ein Gremium, das aus ehrenamtlichen Mitgliedern besteht und Gruppen von Freiwilligen und Organisationen in Gründung hilft, sich zu organisieren und sich als offizielle Organisation durch die Wikimedia Foundation anerkennen zu lassen. Neben Chaptern begleitet das AffCom seit 2012 auch Thematische Organisationen und Nutzergruppen.

Welche Voraussetzungen sollte ich mitbringen?

Die Tätigkeit im Affiliations Committee erfordert Freude an der Kommunikation mit Freiwilligen auf der ganzen Welt, Verhandlungsgeschick, kulturelle Sensibilität und die Fähigkeit, juristische Texte zu verstehen. Bei der Auswahl der Mitglieder legt das AffCom Wert auf eine ausgeglichene Vielfalt dieser Fähigkeiten.

Als ideale Kandidatin oder idealer Kandidat

  • hast du die Fähigkeit, Freiwilligengruppen den Rücken zu stärken und sie zu weiterem Engagement zu motivieren

  • hast du Lust, Bewerbungen anhand eines festen, teils bürokratischen Prozesses abzuarbeiten

  • bist du bereit, dich aktiv an Wikimedia-politischen Diskussionen zu Rollen, Modellen und der Zukunft von zugehörigen Organisationen einzubringen

  • bist du fünf Zeitstunden pro Woche verfügbar und kannst zusätzlich an der monatlichen, etwa zweistündigen Telefonkonferenz teilnehmen

  • kennst du dich gut in internationalen Wikimedia-Belangen aus

  • kannst du gut und verständlich auf englisch kommunizieren

  • magst du es, mit anderen Kulturen und in anderen Sprachen zusammen zu arbeiten und zu kommunizieren Weiterlesen »

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Tutoría III: Neues aus Buenos Aires

Vielleicht erinnert sich mancher noch daran: im März war ich als Freiwilliger für zwei Wochen nach Buenos Aires gefahren, um einen Erfahrungsaustausch zwischen Wikimedia Deutschland und Wikimedia Argentinien zu initiieren. Gemeinsam hatten Osmar Valdebenito, Geschäftsführer von WMAR, und ich 18 Handlungsempfehlungen erarbeitet, die dem Chapter zur Professionalisierung den Weg weisen können.

Osmar Valdebenito, Geschäftsführer von Wikimedia Argentinien (von Niccolò Caranti, CC-by-sa 3.0, via Wikimedia Commons)

Inzwischen sind gut fünf Monate seit meiner Abreise aus Buenos Aires vergangen. Zeit also zurückzublicken und zu schauen, was Wikimedia Argentinien in der Zwischenzeit gemacht hat. In einem langen Skype-Gespräch Mitte Juli und beim Treffen auf der Wikimania in Hongkong konnten Osmar und ich schauen, was seit März geschehen ist.

Osmar führte mir vor Augen, dass die alltägliche Aufgabenlast des Chapters derart hoch ist, dass kaum Zeit für darüber hinausgehende Aufgaben über bleibt. Zusätzlich seien die Anforderungen durch das Funds Dissemination Committee (FDC) nicht zu unterschätzen: die zahlreichen Berichte (Monats-, Quartals- und Jahresberichte) zu erstellen und die Maßgabe, zum 1. Oktober bereits den neuen Jahresplan für 2014 fertiggestellt zu haben, stellten das Chapter auf eine harte Probe. Auch fehle es an Zeit, all die spannenden, tollen und aufregenden Projekte, mit denen auch die Freiwilligen zu gewinnen seien, umzusetzen. Eine doch sehr nüchterne Einschätzung.

Doch zu meinen Handlungsempfehlungen: wir hatten gemeinsam 18 Empfehlungen aus drei Bereichen (Allgemeine Verwaltung & Strategie, Kommunikation und Freiwilligenarbeit) erarbeitet, jeweils in kurz- und mittel-/langfristige Maßnahme unterschieden.

Am weitesten vorangeschritten: Kommunikation

Wie ich bereits in meinem zweiten Blogbeitrag schrieb, stellte Wikimedia Argentinien kurz vor meiner Abreise eine zweite Mitarbeiterin ein: María Cruz übernahm in Teilzeit die Aufgaben einer Pressesprecherin und Kommunikationsbeauftragten (encargada de comunicaciones). Mithilfe von María konnte WMAR den eigenen Anspruch erfüllen, nun auch aktiv zu kommunizieren, beispielsweise zu laufenden und abgeschlossenen Projekten beständig Blogbeiträge zu veröffentlichen und damit über die eigene Arbeit zu informieren. Auch eine komplette Überarbeitung der Webseite war dringlich – diese konnte vor Anfang August veröffentlicht werden und genügt nun auch den Anforderungen an eine moderne Homepage. Inzwischen beschäftigt sich María mit der Entwicklung eines eigenen Corporate Designs und gleichzeitig mit der Frage, welche Informationsmaterialien für die Projektarbeit des Chapters benötigt werden. Auch eine Kontaktdatenbank von Journalisten ist derzeit im Entstehen. Osmar und ich konnten hier das Resumée ziehen: schon durchaus viel geschafft, aber es gibt noch immer genug zu tun!

Ernüchternde Umsetzungen

Im Bereich der Freiwilligenarbeit erklärte mir Osmar selbst, dass noch sehr viel zu tun sei. Von den Handlungsempfehlungen sind praktisch noch keine umgesetzt. Wieso? Wahrscheinlich deswegen, weil diese am meisten Kommunikation mit Freiwilligen erfordern. Im Bereich der Kommunikation selbt sind es dagegen Aufgaben, die vorrangig innerhalb der eigenen Geschäftsstelle erfüllt werden können.

Im Bereich der Verwaltung und Strategieentwicklung gibt es noch viel Entwicklungspotenzial. Einen gemeinsamen Google-Kalender für Vorstand und Mitarbeiter gibt es inzwischen. Es war angedacht, intern Projektfortschritte über ein Projektmanagementsystem (“Redmine”) festzuhalten, das bisher allerdings auf seine Einrichtung wartet. Auch eine Richtlinie für Interessenskonflikte – eine Anforderung seitens der Wikimedia Foundation – ist bisher nur im Anfangsstadium. Die Entwicklung eines Strategieplans bis 2016, der vielleicht wichtigste Teil, wurde – zu meinem Erstaunen – komplett gestrichen und das vor allem aus einem Grund: Zeitmangel. Wie auch bei Wikimedia Deutschland (und der Foundation und anderen vergleichbaren Organisationen) nimmt die Erstellung des Strategieplans extrem viel Zeit in Anspruch. Diese stand bisher einfach nicht zur Verfügung, so Osmar.

Danach war ich doch, ob der erreichten Fortschritte, sehr ernüchtert. Und fragte mich selbst: Hat meine Arbeit überhaupt etwas gebracht?

Oha: Teil der neuen Global South-Strategie

Asaf Bartov, Mitarbeiter der Wikimedia Foundation und Beauftragter für die Entwicklung der Wikimedia-Projekte im sog. Globalen Süden (von HPNadig, CC-by-sa 3.0, via Wikimedia Commons)

Die Wikimania in Hong Kong war dann doch mein Retter und Beweis für die Sinnhaftigkeit meines Projektchens. Seit Jahren ist die Foundation versucht, die Wikimedia-Projekte, allen voran Wikipedia, in den Ländern des Globalen Südens voranzubringen. Die Projekte in Brasilien und Indien waren bisher von geringem Erfolg gekrönt. Aus diesem Grunde präsentierte Asaf Bartov, Head of Global South Relationships der Foundation, eine „New Global South Strategy“ (pdf). Wichtigstes Element der neuen Strategie: die Foundation engagiert sich nur noch in Ländern mit bereits vorhandenen Strukturen oder zumindest starken Projekt-Communitys.

Zu einem dieser ausgewählten Länder gehört auch Argentinien, in der Präsentation erschienen sogar bereits erste Maßnahmen. Osmar erklärte, wie das Gespräch zwischen Asaf und Wikimedia Argentinien lief: die Frage war „Wie können wir euch unterstützen, abgesehen von finanziellen Zuwendungen?“. Daraufhin antwortete Wikimedia Argentinien mit eben diesen Handlungsempfehlungen, die wir gemeinsam erarbeitet hatten. So wird die Foundation beispielsweise unterstützenden Berater („facilitator”) für die Erarbeitung des Strategieprozesses bereitstellen, so dass auch diese Empfehlung verwirklicht werden kann.

Dieser kleine Erfolg zeigt mir, dass meine Mühe zumindest nicht ganz umsonst gewesen ist.

Fazit: Es wurde nicht so viel erreicht, wie ich mir gewünscht hätte. Aber: das argentinische Chapter hat einen aus meiner Sicht guten Weg eingeschlagen, um auch weitere Schritte der gemeinsam entwickelten Handlungsempfehlungen erfolgreich umzusetzen. :)

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Wikimania: Globalen Austausch im Bildungsbereich fördern

Tim Moritz Hector und Cornelia Trefflich haben im Vorfeld zur Wikimania an der Education Pre-Conference am 07.08.2013 in Hong Kong teilgenommen und einen Beitrag zu den Erfahrungen mit verschiedenen Zielgruppen im Rahmen von Bildungsprojekten präsentiert. 

Rod Dunican moderierte den Workshop,
Foto:LiAnna Davis, CC-BY-SA 3.0

Nach einer langen Anreise am Vorabend stand die Education Pre-Conference auf dem Programm, zu der sich pünktlich um 9 Uhr etwa 20 Personen verschiedener Chapter und weitere Interessierte einfanden, von denen die meisten, wie wir, mehr oder weniger gejetlagged waren. Ziel dieser Zusammenkunft war es, eine Vernetzung und einen Austausch zwischen all denjenigen zu ermöglichen, die ein Bildungsprogramm unterhalten oder aufbauen wollen. Rod Dunican und LiAnna Davis von der Wikimedia Foundation organisieren und moderieren dieses nunmehr zum zweiten Mal stattfindende Treffen, um einen Austausch im Bildungsbereich zu ermöglichen.

Zuerst wurden die Befürchtungen, die diejenigen mitbringen, die ein neues Programm aufbauen wollen, thematisiert. Anschließend wurden diese vor dem Hintergrund der Erfahrungen der anderen diskutiert (z. B. die mangelnde Nachhaltigkeit von Bildungsprojekten, die Zusammenarbeit mit der Community, die Rollen, die die Beteiligten einnehmen und technologische Herausforderungen wie Moodle).

Danach wurden “best practices” vorgestellt, wie ein Hochschulprogramm aufgebaut werden kann; es folgten Sitzungen zum Aufbau von längerfristigen Kooperationen und zur Gewinnung von TutorInnen. Eine andere Präsentation widmete sich der Materialien, die im internationalen Bereich bereits erstellt worden sind und im englischsprachigen Bereich schon genutzt werden können.

Tim Moritz Hector und Cornelia Trefflich beschäftigten sich anschließend in einer interaktiven Präsentation mit anderen Zielgruppen von Bildungsprojekten, da der Fokus des Treffens im Allgemeinen sehr auf Universitäten gerichtet war. Wir stellten zunächst Aktivitäten mit Älteren und zur Gender-Diversity vor. Im Fokus stand dann, dass es wichtig ist, verschiedenste Zielgruppen anzusprechen und sich dabei auch von demographischen oder institutionellen Vorgaben zu lösen.

Teilnehmende am Workshop,
Foto: LiAnna Davis (CC-BY-SA 3.0)

Aufbauend auf das Meeting in Mailand haben wir versucht, zu definieren, was einen “prototypischen Wikipedianer” ausmacht (u. a. genügend Zeit, Motivation und Kenntnisse und Faszination für ein bestimmtes Thema), um die Aktivitäten im Bildungsbereich auf relevante Gruppen auszurichten. Eine letzte Präsentation widmete sich der Evaluation von Bildungsprogrammen, den Gründen für Evaluation und der technischen Umsetzung dieser.

Die durch das Bildungsteam der Wikimedia Foundation ermöglichten Treffen zum Austausch von Bildungsbestrebungen im internationalen Kontext eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf den Bildungsbereich und motivieren uns alle unsere Bestrebungen mit erhöhtem Enthusiasmus fortzusetzen und weiterzuentwickeln.

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Die 1000 Perspektiven der „Education Program leader“: Bericht vom Bildungsworkshop in Mailand

Dies ist ein Gastbeitrag von Tim Moritz Hector, der am Bildungsworkshop in Mailand teilgenommen hat. Vielen Dank, Tim!

Mit dem Ziel, eine globale Vernetzung unter allen Wikimedia-Gruppen herzustellen, die sich mit Wikipedia im Bildungsbereich beschäftigen, lockte uns der groß angelegte Education Program Leaders Workshop im Vorfeld der Wikimedia Conference nach Mailand. So fanden Cornelia Trefflich und ich – im Auftrag von Wikimedia Deutschland – unseren Weg nach Milano um daran teilzunehmen und uns zu vernetzen. Der Plan war, eine weltweite Community von Projektleitern und -gruppen aufzubauen, um untereinander Erfahrungen und Wissen im Aufbau und in der Durchführung von Projekten im Bildungsbereich austauschen zu können.

By Ezalvarenga, CC-BY-3.0 via Wikimedia Commons

Die Agenda war anspruchsvoll und vollgepackt und dementsprechend hoch auch die Erwartungen an den Workshop, sollte er doch über Erfahrungen, den Austausch über neue Wege und die Nutzbarmachung für andere Chapter gesprochen werden. Denkbar waren zum Beispiel die Einrichtung eines Newsletters oder sogar gezieltes Chapter-to-Chapter-Coaching. Im Anschluss daran sollte sich das Nachmittagsprogramm den Zielen, dem Erfolg und dessen Messung widmen. 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dieser Einladung gefolgt.

Unterschiedliche Phasen und Stadien…

Schon eingangs, trotz der – streng mit dem Eggtimer gestoppten – fünfminütigen Präsentationsrunden wurde schnell offensichtlich, dass jedes teilnehmende Chapter sich in einer völlig anderen (Entwicklungs-)Phase seiner Bildungsbestrebungen befindet. Das war auch das erste Zwischenfazit: Unheimlich viele Perspektiven treffen hier aufeinander, einziger gemeinsamer Nenner: Alles hat irgendwie mit Wikipedia und Bildung zu tun, die Erwartungen der Involvierten an den Workshop und an die Zielgruppen sind jedoch völlig verschieden. Besonders stark unterscheiden sich die Perspektiven der jeweils Beteiligten: Ergebnisse, die die Wikimedia Foundation oder ein Chapter von einem Projekt erwartet, decken sich längst nicht immer mit denen, die die beteiligten Projektteilnehmenden, Lehrenden oder Studierenden sich erhoffen. Prinzipiell müssen wir berücksichtigen, dass es auch Bildungsprogramme vollkommen ohne Beteiligung eines Chapters geben kann.

Klar wurde in der Vorstellungsrunde jedoch, dass wir, Wikimedia Deutschland, eines der erfahrensten Chapter im Bildungsbereich sind. Nach der Vorstellungsrunde war Thema, wie die gegenseitige Unterstützung der Chapter und die der Wikimedia Foundation aussehen kann. Durch die sehr unterschiedlichen Stadien, in denen sich die Programme aber derzeit befinden, und auch durch die unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten, ist eine Vergleichbarkeit und ein Austausch eine große Herausforderung. Die Wikimedia Foundation wird künftig ihre Rolle auch etwas anders definieren, mit den Chaptern auf Augenhöhe agieren und stärker als „Partner“ fungieren.

Als Wege der Zusammenarbeit wurden unter anderem ein Newsletter und eine recht neue Mailingliste vorgestellt. Personell haben wir eine Überschneidung von Engagierten in den GLAM-Projekten und in den Bildungsprojekten festgestellt und für sehr fruchtbar befunden.

…unterschiedliche Zielgruppen…

In der Mittagspause ergab sich zunächst ein interessantes Gespräch mit Rod Dunican, (Global Education Program Director bei der Wikimedia Foundation) von der Wikimedia Foundation, der auch den Workshop moderierte. Er bestärkte nochmal unsere Annahme, dass demografische Kriterien häufig nicht ausreichen, um eine Zielgruppe von einzelnen Aktivitäten oder Programmen zu definieren; vielmehr konfrontierte er uns mit der Frage nach dem Prototypen eines Wiki(p/m)edianers, den es anzusprechen gelte. Im Gespräch mit anderen Teilnehmenden stellte sich zunehmend heraus, dass nur wenige Chapter überhaupt in Erwägung gezogen hatten, mit Älteren zu arbeiten und neben uns, dem polnischen und dem schweizerischen Chapter alle diesen Ansatz wieder verworfen hatten.

…und unterschiedliche Ziele:

By Ezalvarenga CC-BY-3.0 via Wikimedia Commons

Nach dem Mittagessen war dann die Hauptfrage, welche Ziele die einzelnen Gruppen mit ihren Programmen verfolgten und wie sich die jeweiligen Erfolge in der Umsetzung dieser messbar machen lässt. Wir waren höchst überrascht von der Vielzahl der Ziele: Nicht nur die Autorengewinnung oder die Steigerung von Diversität, sondern auch die Aufklärung über Wikipedia und ganz unterschiedliche Herangehensweisen wurden genannt. Deutlich unterschieden werden musste dabei zwischen dem reinen Gewinnen von „Inhalten“, ggf. über den Umweg der Autorengewinnung, und unserem Ansatz, dem Gewinnen von „Mitmachern“ in jeder Hinsicht. Für erstere Zielsetzung wurde von der WMF eine neue Extension geschaffen, die für KursleiterInnen und TeilnehmerInnen eine standardisierte Umgebung bietet. Um den erzielten Erfolg abzuschätzen, lassen sich mit der Extension einfache quanitiative Maße ausgeben (wie die erzeugte Textmenge), die von den Kursen um ein qualitatives Peer-Review ergänzt werden sollen.

Es bleiben gemeinsame zentrale Fragen

Eine der zentralen Fragen war schließlich: Können wir überhaupt irgendjemandem beibringen „Wiki(p/m)edianer“ zu werden, oder können wir lediglich die Fähigkeiten, die es dazu braucht, unterrichten? Wie müssen wir auch unsere quantitativen Ansprüche an einen Workshop definieren, wenn wir von Letzterem ausgehen? Und letztlich führte uns das zu der grundlegenden Überlegung, ob überhaupt alle Aktivitäten tatsächlich im Kontext von „Education“ oder ob nicht manche viel mehr im Kontext von „Community outreach“ zu sehen sind: Hier sollte die Verzahnung nach Ansicht der Teilnehmenden noch verstärkt werden.

Zum Abschluss wurde ein neues Treffen auf der Wikimania in Hong Kong vereinbart. Der Workshop hat uns den Blick für unterschiedliche Perspektiven und Rollen geschärft, die Wikimedia Foundation noch stärker als Austauschpartner in den Fokus gerückt und uns zudem einen Blick auf die großen, langfristigen Fragen in der Entwicklung der Bildungsprorgramme werfen lassen, der zukünftig in die Planungen des Bereichs Bildung und Wissen einfließen kann.

 

Im Blog der Wikimedia Foundation ist ebenfalls ein Rückblick auf den Workshop erschienen: Education program leaders gather to share experiences. Ansprechpartnerinnen bei uns sind Cornelia Trefflich und Elly Köpf

 

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Tutoría in Buenos Aires (English Version)

CC-BY-SA, Katja Ullrich

The following blog post is written by German community volunteer Cornelius Kibelka (@jaancornelius), who writes about his project with Wikimedia Argentina. This is summary of the two german blog posts (see here and here. Espanol.)

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In 2011 I worked as an intern in the office of Wikimedia Deutschland. Among other projects I helped Nicole Ebber in organizing the Wikimedia Conference. It was a fascinating conference with Wikimedia volunteers from all over the world. Not only in terms of most different characters and personalities, but also in the ways how they work with and support the Wikimedia projects and free knowledge in general. Many of them told me their stories and their achievements, e.g. Osmar Valdebenito, at that time president of the Chilean chapter.

Invite to Buenos Aires

Still in 2012 I kept chatting sometimes with Osmar and he told me what they were busy within his chapter and later in the Argentinian one, where Osmar became Executive Director in mid 2012. Several times we were discussing and asking each other about the chapters’ work in each country. After chatting a bit, we came up with the idea that I could come to Buenos Aires to exchange more extensively about WMDE’s work and the way the German chapter manages its projects. I presented the idea to Nicole, who meanwhile became responsible for the International Affairs at WMDE, and she was excited about the unconventional idea of chapters’ exchange. So the board of the Argentinean chapter approved Osmar’s idea and invited me to come to Buenos Aires. WMAR included the project in the FDC proposal for 2013.

From three thematic areas …

By Jcornelius (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Osmar, Nicole and I defined three thematic areas, in which we wanted to work and elaborate recommendations for Wikimedia Argentina. The first and at the same time most important topic was about general strategy and administration, including questions about WMAR’s long-term strategy, goal-directed project management and in general elaborate the perception of the Argentinean chapter. Part of the discussion was also a better definition of the division of tasks between the board and the executive director. The second topic was communications in general, as Wikimedia Argentina was in the stage of hiring a communications officer in part time. The last topic was about how to motivate and support volunteers – or even how to create a kind of better community.

… to eighteen recommendations

After a week at WMDE’s office in Berlin, where I interviewed some of the staff to be up-to-date and get further input for Argentina, I took the plane to Buenos Aires on March 2. I stayed there for two and half weeks in the sweet and small office of WMAR.

It was important for me to try and get as much input as possible, and from different angles, not only from Osmar. I also interviewed the board members and some “regular” members. The discussions were quite intense. On top of that, it was important for me to understand how the chapter works, what topics people in the chapter want to focus on, what direction they want to give the chapter and which future developments they are aiming at. I was aware that many things, which work in the German context quite well, don’t work in Argentina: due to cultural reasons, but also due to political, economic and organizational reasons.

By Jcornelius (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

In the two and half weeks I discussed many ideas with Osmar and the board, elaborating recommendations how WMAR could professionalize in the next year. And the end of my stay I presented around 18 recommendations.

As the long-term strategy until now wasn’t a focus of WMAR’s work, I strongly recommend to gather all interested groups to build-up a strategy until 2015/16. Obviously, those groups shouldn’t be only the board and the employees of the chapter, but also “regular” chapter members, editors and partner organizations. As you can’t catch a normal Wikipedia with a topic like “What should Wikimedia Argentina’s strategy be until 2016” I proposed simple input meet-ups throughout the country. Doing this they could kill two birds with a stone, as at the moment there aren’t any meet-ups outside of Buenos Aires.

Another recommendation was the introduction of the Wikimedia-Woche in Spanish. The Wikimedia-Woche is a really simple weekly newsletter, consisting only in a collection of links. They’re sorted, and every link is introduced by one or two sentences. It helps to keep the track of Wikimedia Movement, especially as non-native English speaker. Osmar proposed to introduce this on an Iberocoop level, the Regional Cooperation Initiative for ibero-american chapters.

You can find my presentation in English and in Spanish on Wikimedia Commons.

Evaluation in HK

After those most interesting and intense weeks of discussion and interaction with all the Argentinean Wikimedians, I’m curious about the further developments of the chapter. The idea was that Osmar and I submit a talk to present at the Wikimania in Hong Kong about this small project. What changed in those months after the stay? What were the outcomes of this chapter exchange? Is it applicable to other chapters? What kind of conditions must be fulfilled? How does the chapter feel about it in general?

However, what I definitely learned after this project: chapters are not alone. They can support and learn from each other, independently of their size and maturity, as we share the same ideas and values. ¡Viva la colaboración! :)

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Tutoría II: Zurück aus Buenos Aires

Anfang März hatte Cornelius Kibelka (@jaancornelius) hier im Blog sein Projekt Tutoría in Buenos Aires beschrieben. Seit gestern ist er aus Buenos Aires zurück und schildert nun, wie es gelaufen ist. Wir bleiben weiter dran und berichten von dieser interessanten Chapterzusammenarbeit. Here’s the English summary. Espanol.

Wikimedia Argentinien

By Jcornelius (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Wikimedia Argentinien ist das älteste Chapter in Südamerika; es wurde bereits 2007 gegründet und organisierte 2009 die Wikimania in Buenos Aires. Nach der Wikimania schlief die Arbeit zunächst ein und erst seit 2011 tut sich wieder mehr im Chapter. Nachdem Beatrice Murch (jetzt Vorsitzende von Creative Commons Argentina) für ein Jahr Geschäftsführerin des Chapters war, übernahm Mitte 2012 Osmar Valdebenito, (ehemals Vorsitzender von Wikimedia Chile) die Geschäftsführung des kleinen Chapters. Nun geht das Chapter die nächsten Schritte in Richtung Professionalisierung.

Die zweieinhalb Wochen habe ich vor allem damit verbracht, einen Einblick in Osmars Arbeit zu bekommen. Zudem hatte ich die Gelegenheit, mich mit dem Großteil des Vorstandes auszutauschen. Dabei bekam ich einen guten Einblick in die Vereinsstrukturen und Themen, die das Chapter zur Zeit bewegen.

Drei große Herausforderungen

Die meines Erachtens drei größten Herausforderungen für das Chapter sind dabei alte Bekannte: Bisher stand die mittel- und langfristigen Planung nicht im Mittelpunkt, sondern mehr das Alltagsgeschäft. Zudem ist das Rollenverständnis und Zusammenarbeit von Vorständen und Mitarbeitern ein Punkt steter Diskussionen, seitdem das Chapter bezahlte Mitarbeiter eingestellt hat. Und gleichzeitig muss mit dem Wachstum einer Organisation auch die Kommunikationskultur – sowohl nach „innen“ wie nach „außen“ – mitwachsen.

By Jcornelius (Own work) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Anhand dieser drei Herausforderungen haben Osmar und ich basierend auf den zahlreichen Gesprächen Empfehlungen und Tipps für das Chapter ausgearbeitet, jeweils in den drei Themenfeldern, die wir vorher ausgewählt hatten: Allgemeine Strategie & Planung, Kommunikation und Freiwilligenarbeit. Wichtig waren hier die vorherigen intensiven Gespräche mit den Mitarbeitern von Wikimedia Deutschland während meiner Woche in Berlin. Ein paar Empfehlungen will ich hier aber kurz anreißen:

Da de facto eine langfristige, strategische Planung für das Chapter fehlt, empfehlen Osmar und ich eine „Zukunftswerkstatt“ mit allen Beteiligten (Mitarbeiter, Mitglieder, Vorständen, Communitys, Partnerorganisationen) sowie einem neutralen Moderator zu organisieren. So sollen die verschiedenen Bedürfnisse des Chapters und Wünsche an das Chapter herausgearbeitet werden. Da aber Argentinien bekanntlich nicht nur aus Buenos Aires besteht, Wikipedianer aber schwer mit dem Thema „Langfristige Strategie von Wikimedia Argentinien“ anzulocken sind, empfahl ich: Organisiert simple Treffen, auf denen Fragen wie „Wie soll das Chapter dir helfen?“ und „Was für Projekte sollen wir angehen?“ im Vordergrund stehen.

Als gut und wichtig wurde in der deutschsprachigen Community die Wikimedia-Woche angenommen, die auf schnelle und simple Weise über die Geschehnisse des Movements informiert. Gleiches habe ich Wikimedia Argentinien auf Spanisch vorgeschlagen, Osmar schlug hier vor, das direkt auf Iberocoop-Ebene zu machen.

In meinen Gesprächen mit den Mitarbeitern von Wikimedia Deutschland, erklärten mir alle, die mit Freiwilligenarbeit zu tun haben, dass diese immer auf zwei Säulen basiert: online und offline. Online sollte in den Wikimedia-Projekten die Message „Wir unterstützen euch jederzeit!“ stetig und deutlich kommuniziert werden. Offline gibt es Wikipedia-Treffen bisher praktisch nur in Buenos Aires – die perfekte Chance für das argentinische Chapter, gerade diese auch im Rest des Landes zu organisieren.

Mehr Empfehlungen sind in der Abschlusspräsentation zu finden, direkt als pdf sowohl auf englisch wie auf spanisch auf Wikimedia Commons verfügbar.

Wie geht’s weiter?

Der Austausch zwischen Osmar, María (Leak: ab Montag die neue Pressesprecherin) und den verschiedenen Mitgliedern war unglaublich intensiv und hat viel Spaß gemacht. Drei Wochen haben wir eng zusammen gearbeitet und ausgiebig diskutiert.

Damit die Ideen und Handlungsempfehlungen auch verwirklicht werden, haben der Vorstand und Osmar bereits die ersten Schritte für deren Umsetzung eingeleitet. Osmar und María berichten wöchentlich dem Vorstand, wie weit die Verwirklichung derweil vorangediehen ist. Und bei der Wikimania wollen Osmar und ich die Zusammenarbeit und erste Ergebnisse vorstellen.

Bis dahin wollen wir verschiedenen Fragen nachgehen und dokumentieren: Ist dieser Chapter-Wissenstransfer übertragbar? Können das auch andere Chapter machen? Was sind die Bedingungen?

„Annuntio vobis gaudium magnum: habemus Papam“

presidencia.gov.ar [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Das ganze war ja nicht nur als einseitiger Transfer gedacht, sondern als Austausch zwischen zwei Chaptern. Deswegen habe ich mich natürlich gefragt: Was kann Wikimedia Deutschland als Organisation davon mitnehmen?

Meine Zeit in Buenos Aires stand bekanntlich unter besonderem Schein: Just in der zweiten Woche wählten die Kardinäle im Konklave den Erzbischof von Buenos Aires, Jorge Bergoglio, zum neuen Papst der römisch-katholischen Kirche.

Was das mit meinem Projekt zu tun hat? In den ersten Minuten, nachdem klar war, dass Bergoglio zum Papst gewählt wurde, suchte ich auf der Seite der argentinischen Präsidentschaft und der Stadt Buenos Aires nach älteren Fotos des Kardinals. Beide verbreiten all’ ihr Pressematerial unter Creative Commons Attribution (-by) bzw. Attribution ShareAlike (-by-sa), so dass ich sie geradewegs auf Commons hochlud. Sie verbreiteten sich daraufhin in rasanter Schnelligkeit durchs Internet. Ein Beweis, wie groß die Reichweite freier Medien ist. Und mir kam die Frage: Liebes Bundespresseamt, worauf wartet ihr?

Diese Anekdote macht deutlich, dass staatliche Stellen in Deutschland bei den argentinischen in Sachen „Free Content“ noch einiges lernen können.

Was mir nach diesem Projekt klar ist: Chapter stehen nicht alleine. Unabhängig von ihrer Größe und Reife können sie voneinander lernen und sich gegenseitig bei ihrer Arbeit unterstützen. Für mehr Dialog und Zusammenarbeit! :)

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Zu Besuch bei Wikimedia UK

Am vergangenen Donnerstag und Freitag war ich zusammen mit Ralf Liebau und Delphine Ménard zu Besuch bei Wikimedia UK. Nachdem im letzten Jahr bereits einige Mitarbeiter des britischen Chapters bei uns in Berlin waren, wuchs bei uns der Wunsch, uns auch mal in London blicken zu lassen. Sowohl für die Präsidiumstätigkeit von Ralf und Delphine als auch für meine Arbeit in der Stabsstelle Internationales ist der Austausch mit anderen Chaptern extrem anregend und wichtig. Begleitet hat uns außerdem Dirk Franke, der sich gerade im Rahmen des eines CPB-Projektes mit den Grenzen der Bezahlung und professionellem Schreiben für Wikipedia beschäftigt und dabei natürlich auch die internationale Community einbezieht. Über sein Treffen mit Jimmy Wales und die Chartered Institute of Public Relations berichtet er hier auf der Projektseite.

Fundraising und Mitglieder

WMUK-Stakeholder ;) CC-BY-SA Nicole Ebber

Im Office von Wikimedia UK wurden wir sehr herzlich empfangen – sicherlich nicht nur, weil wir Schokolade und Wurst aus Deutschland importiert hatten. Nach der ersten Vorstellungs- und “Hello-again”-Runde hat uns Katherine Bavage, die Fundraiserin des Chapters, Einblicke in ihre Arbeit mit Spendern aus UK gegeben. Ihr Ansatz ist unter anderem, engeren und nachhaltigeren Kontakt zu Spendern aufzubauen, deren Vorstellungen und Wünsche zu erkunden und sie andersrum durch regelmäßige Newsletter über die Arbeit des Chapters zu informieren. Ziel ist dabei vor allem, über wiederkehrende Spenden den langfristigen Support zu sichern.

Wikimedia UK hat etwa 350 Mitglieder, zu den Mitgliederversammlungen erscheinen meist um die 50-60 Personen. Aktuell sucht Katherine Wege, die Mitgliedschaft noch attraktiver zu machen. In diesem Jahr wird die Versammlung z.B. eingebettet in eine kleine Wiki-Konferenz, bei der Mitglieder und Community eingeladen sind, sich selber am Programm zu beteiligen. Auch für die Mitglieder gibt es regelmäßige Newsletter, die in Zusammenarbeit von Geschäftsstelle, Vorstand, Mitgliedern und Community verfasst werden. Hier arbeitet man gerade an einem neuen Konzept: Zukünftig wird eine Handvoll interessierte Mitglieder alle redaktionellen Tätigkeiten übernehmen; einzig Koordination und Versand werden dann noch von der Geschäftsstelle bewerkstelligt.

Strategie und Jahresplanung

Mit Richard Symonds (Office and Development Manager) und Richard Nevell (Office support) konnten wir ein wenig über die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsstelle und Board sowie über die Strategie- und Planungsprozesse des Chapters sprechen. Interessant war dabei unter anderem, dass sie im Rahmen der Strategiefindung einen “Open Day” veranstalten. Dort werden interessierte Mitglieder des Chapters, der Community, des Boards gemeinsam mit den Mitarbeitern die Pläne für die nächsten fünf Jahre von WMUK besprechen.

Nationale und internationale Events

WMUK-Büro und Mitarbeiter, CC-BY-SA Nicole Ebber

Daria Cybulska, die Eventmanagerin, hat uns ein paar zukünftige Veranstaltungen vorgestellt. London bietet sich als Veranstaltungsort für die meisten Events an, viele Mitglieder und Community-Leute leben dort, die meisten Institutionen und NGOs haben ihren Sitz in der Hauptstadt und außerdem ist sie vom Rest des Landes gut zu erreichen. Aber auch lokale Meetups außerhalb Londons werden vom Chapter organisiert und unterstützt. Ihre thematischen Schwerpunkte sind zur Zeit GLAM und Education, und so arbeitet Daria zum Beispiel an der Organisation der internationalen GLAM-Wiki-Konferenz im April. Neben der regulären Organisation setzt sie sich – ähnlich wie wir auch – mit der Frage auseinander, wie solche Veranstaltungen besser evaluiert und noch erfolgreicher werden können. Auch hier bietet sich an, Erfahrungen auszutauschen und von den Erkenntnissen der jeweils anderen zu lernen.

Dann hatten wir noch die Gelegenheit, zwei Freiwillige kennen zu lernen, die an der Bewerbung für die Wikimania 2014 in London arbeiten. Ed Saperia und James Knight haben uns einen Einblick in ihre Pläne und Ideen gegeben und wir konnten ein paar Erfahrungen aus den vergangenen Jahren mit ihnen teilen. Besonders interessant an ihrem Konzept fanden wir, dass sie zum regulären Community-Part auch einen Teil der Konferenz für die breite Öffentlichkeit gestalten möchten. Neben einzelnen Outreach-Events und Workshops soll auch eine Ausstellung dazu beitragen, neue Freiwillige und internationale Medien auf die Arbeit der Bewegung aufmerksam machen.

Abendessen und Ausblick

Das WMUK-Büro liegt in einem Haus mit vielen anderen NGOs. CC-BY-SA Nicole Ebber

Jon Davies, Geschäftsführer von Wikimedia UK, war die Woche über auf Jury Service und lud uns und sein Team am Donnerstag zum Abendessen zu sich nach Hause ein. Das ganze Team um Jon strahlt eine professionielle, enthusiastische und dabei sehr freundliche Arbeitsatmosphäre aus – sowohl tagsüber in der Geschäftsstelle als auch in entspannter Runde beim Abendessen. Hier konnten wir uns außerdem davon überzeugen, dass das Gerücht um die immer besser werdende englische Küche tatsächlich zutrifft: Jon servierte uns vorzügliche Speisen! Wir nutzten die Gelegenheit, die Gespräche vom Tage noch weiter zu vertiefen und vereinbarten mit Jon eine Fortsetzung bei der Chapters Conference in Mailand.

Zum Abschluss des Abends machten wir noch einen kleinen Ausflug in eine längst stillgelegte, unterirdische viktorianische Herrentoilete bei Kennington Cross. Jon ist Mitglied in einem Förderverein, der sich um den Erhalt solcher historischer Gebäude kümmert; er führte uns durch das stockdunkle, unterirdische Gemäuer (Fotos, Hintergrund), wo wir uns über die “Kontaktanzeigen” auf den Toilettentüren amüsieren konnten.

Herzlichen Dank an Wikimedia UK für die Gastfreundschaft, wir freuen uns sehr auf weiteren Austausch und zukünftige Zusammenarbeit! Bei der Gelegenheit sprechen wir auch noch mal die Einladung an alle Chapter und interessierte Freiwillige aus, uns in Berlin besuchen zu kommen. Es gibt – neben Club Mate und Free Wifi – viele Themen, die wir gemeinsam bearbeiten und die uns in unserer gemeinsamen Mission weiter bringen können. Wir können von unseren jeweiligen Erfahrungen und auch von unseren Fehlern lernen: Denn als globale Bewegung sind wir mehr als nur die Summe der einzelnen Teile!

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Zu Gast bei der Wikimedia Conferentie Nederland in Utrecht

Am 9. November 2012 fand in Utrecht die Wikimedia Confernentie Nederland statt. Etwa 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zur sechsten Ausgabe der jährlichen Konferenz des niederländischen Chapters gekommen. Von Wikimedia Deutschland waren Lydia Pintscher, Daniel Kinzler, Jeroen De Dauw und ich dabei. Thematisch gliederte sich die Veranstaltung in drei Tracks: Wikipedia in der Lehre, Wiki-Gemeinschaften und Technik, ergänzt durch zwei Keynotes. Lydia Pintscher stellte am Morgen Wikidata (Video) vor, am Nachmittag sprach Jimmy Wales über “Bildung, Wikipedia und das Internet” (Video).


Wikimedia Conferentie Nederland 2012, Sebastiaan ter Burg bei Flickr, CC-BY

Interessant waren z. B. die Sessions von Ziko van Dijk über Wikimedia Nederland, von Amit Bronner über das EU- und damit schon fast Render-Schwesterprojekt CoSyne, Jan-Barts de Vreede Vorstellung der offenen Plattform für Lehrmaterial Wikiwijs (kennt jemand dazu ein deutschsprachiges Pendant?), Jeroen de Dauws Präsentation über strukturierte Daten in MediaWiki und Lotte Belice Baltussen über “open cultuur data“.

An das Hauptprogramm anschließend wurden die Preise im Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments verliehen. Der Wettbewerb war im Jahr 2010 von Wikimedia Nederland “erfunden” worden und im aktuellen dritten Jahr beteiligten sich bereits 33 Länder.


Lydia Pintscher talks about Wikidata at the Wikimedia Conference The Netherlands, November 9 2012 from Sebastiaan ter Burg, CC-BY on Vimeo.

Wikidata war sozusagen in aller Munde, sowohl bei der Konferenz als auch beim Hackathon, der tags darauf in Amsterdam statt fand. Daniels O-Ton dazu: „Der Hackathon war sehr familiär – klein und informell, ohne vorgegebenes Programm. Manchmal ist es einfach total hilfreich, mit Leuten an einem Tisch zu sitzen, so dass man Probleme auf Zuruf ganz fix ausräumen kann.“

Unser Feedback fiel insgesamt recht einvernehmlich aus: Eine gut organisierte Konferenz in einer tollen, offene Location und mit sehr angenehmer Atmosphäre – außerdem schlaraffenlandartige Zustände in Form einer Stroopwafel-Flatrate. Es gibt sehr viele sehr hübsche Fotos von der Konferenz selber sowie von den Speakern und Teilnehmern; außerdem Videos der Keynotes und einen kurzen Zusammenschnitt, der einen guten Eindruck der  angeregten Stimmung vor Ort vermittelt. Herzlichen Dank an Wikimedia Nederland, ihr wart ein ausgezeichneter Gastgeber. Tot ziens, bis zum nächsten Mal!

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Neue Beteiligungsformen für Freiwillige in der Wikimedia-Bewegung

Im Blog der Wikimedia Foundation ist heute ein Beitrag des Affiliation Committees (geschrieben von María Sefidari, der AffCom-Schatzmeisterin) erschienen, dessen deutsche Übersetzung ich zusammen mit Benutzer:Aschmid erstellt habe: The Wikimedia movement facilitates new volunteer organizing models. Wie alle Wikimedia-Texte ist natürlich auch dieser Blogbeitrag unter CC-BY-SA frei weiter nutzbar und deswegen können wir ihn hier wunderbar crossposten. Vorweg aber noch zwei Hinweise:

Benutzergruppen und Themenorgansationen in Deutschland
Es gibt auch in Deutschland bereits die ersten Interessenten für die Gründung einer offiziellen Wikimedia-Benutzergruppe. Wir begrüßen diese Initiative des Münchener Stammtisches ausdrücklich, jede Form des regionalen oder lokalen Engagements ist sehr in unserem Sinne und eine gute Ergänzung durch eine Gruppe von Leuten, die vor Ort etwas tolles machen wollen. Gerne stehen wir unterstützend zur Seite, wenn es dazu konkrete Frage oder Wünsche gibt.

Eigene Blogpost im Foundation-Blog schreiben
Das Blog der Foundation steht übrigens nicht nur deren Mitarbeitern oder offiziellen Gremien als Kommunikationskanal zur Verfügung. Jeder kann hier einen Blogpost entwerfen und um Veröffentlichung bitten. Viele Beiträge mit internationalem Fokus werden außerdem noch in weitere Sprachen übersetzt. Wenn ihr also mal ein schönes Thema vorstellen oder von einer Aktion berichten möchtet, könnt ihr euch mit den Guidelines vertraut machen und dann direkt das Blog-Team kontaktieren. Jetzt geht es los:

Neue Beteiligungsformen für Freiwillige in der Wikimedia-Bewegung

Gründung und Aufbau einer Organisation sind harte Arbeit. Dabei die Anforderungen an eine Wikimedia-Partnerorganisation zu erfüllen ist sogar noch schwieriger. Eine der Aufgaben des Affiliations Committee ist es, diesen Prozess zu vereinfachen.

Es scheint wirklich schon ewig her zu sein, dass Wikimedia Deutschland am 13. Juni 2004 in Berlin als allererstes Wikimedia-Chapter gegründet wurde. Mittlerweile gibt es 39 Chapter weltweit – und es werden immer mehr! Diese Gruppen von Freiwilligen schließen sich zusammen, um die Wikimedia-Projekte zu unterstützen und neue Autoren und Benutzer zu gewinnen. Sie erstellen, sammeln und verbreiten Freies Wissen unter Freien Lizenzen und befähigen und ermächtigen dadurch Menschen in Communitys auf der ganzen Welt. Nach einem Beschluss des Vorstands der Wikimedia Foundation wurde 2006 das Chapters Committee (Komitee für die Wikimedia-Fördervereine) gegründet, welches die Chapter seitdem unterstützte und ihnen bei der Koordinierung half.

Im Nachgang zu Diskussionen innerhalb der Community und einem weiteren Beschluss des WMF-Vorstandes wurde der Wirkungsbereich des Komitees 2012 erweitert auf Themenorganisationen und Benutzergruppen. Daraufhin entwickelte das Komitee seine Charta, der Vorstand genehmigte sie und machte damit den Weg frei für den Übergang ins neue Affiliations Committee (Komitee für alle Organisationen und Gruppen im Umfeld der Wikimedia-Bewegung).

Das Komitee gibt dem WMF-Vorstand Empfehlungen hinsichtlich der Anerkennung, Zulassung und Existenz von Wikimedia-zugehörigen Organisationen. Es hilft Wikimedianern aus der ganzen Welt dabei, sich in Chaptern, Themenorganisationen und Benutzergruppen zu organisieren und offiziell von der Wikimedia Foundation anerkannt zu werden. Das Affiliations Committee kann euch durch den Gründungsprozess geleiten und euch dabei helfen, eure Satzung aufzustellen, Fragen zu den Erwartungen der Foundation beantworten, Beratung und Unterstützung bei den üblichen technischen, markenrechtlichen, Verwaltungs- und Community-bezogenen Fragen geben und – gegebenenfalls – eine kleine Startfinanzierung (Kosten für die Eintragung oder für erste Projekte) bereit stellen.

Wikimedianer sind sehr gesellig und arbeiten gerne gemeinsam an grandiosen Dingen! (CC-BY-SA, Stephenwanjau, Wikimedia Commons)

Aber was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen? Während die Chapter Wikimedia-Projekte in einer geografischen Region oder in einem Land (z. B. Wikimedia Argentinien) fördern, konzentrieren sich die Themenorganisationen auf bestimmte Themenbereiche oder fachliche Schwerpunkte (z. B. Wikipedia-Autoren zum Thema Astrophysik). Benutzergruppen wiederum sind lose Zusammenschlüsse von ehrenamtlichen Wikimedia-Autoren, inhaltlich sehr variabel, aber immer noch innerhalb der gemeinsamem Mission zur Unterstützung der Wikimedia-Projekte (z. B. WikiProjekt Stroopwafel).

Auf diese Weise macht es die Wikimedia Bewegung für die Freiwilligen leichter, offline zusammen zu kommen und das Modell der Zugehörigkeit zu wählen, welches am besten zu ihren Bedürfnissen passt. Außerdem verschafft es ihnen eine Reihe von Vorteilen, wie zum Beispiel die Anerkennung als Vertreter der Bewegung, die Verwendung der Wikimedia-Marken um Projekte und Veranstaltung zu bewerben sowie den Zugang zu Stipendien und Fördermitteln.

Auf Meta sind nun auch Leitfäden und Hilfestellungen für diejenigen verfügbar, die sich für die Gründung von Themenorganisationen und Benutzergruppen interessieren. Und natürlich finden sich dort auch Informationen für die Gründung neuer Chapter. Die engagierten Freiwilligen im Affiliations Committee werden ihr Bestes tun, um euch durch den gesamten Prozess zu begleiten. Deren Unterstützung und Anleitung garantiert für euch den reibungslosen Weg zur eigenen Organisation. Auf geht’s, organisiert euch, schnappt euch eure Freunde und meldet euch bei uns unter affcom@lists.wikimedia.org!

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