„Examenswissen auf Wikipedia“ – Erfahrungen mit einem juristischen Wikipedia-Seminar an der Universität zu Köln

Der folgende Text ist ein Gastbeitrag des Wikipedianers mit dem Benutzernamen Toblu, in dem er über ein Seminar rund um Wikipedia und juristische Themen an der Universität zu Köln, die Ergebnisse, und seine Rolle dabei berichtet. Vielen Dank für den Einblick und Glückwunsch zu einem tollen Projekt!

 

16 teilnehmende Jurastudenten, 17 Entwürfe für umfangreiche, wissenschaftlich korrekte Wikipediaartikel zu juristischen Fachbegriffen – das ist das Ergebnis des Seminars „Examenswissen auf Wikipedia“ an der Universität zu Köln, das ich im vergangenen Semester gemeinsam mit Frau Prof. Dauner-Lieb durchgeführt habe, die dort unter anderem das vor Kurzem gegründete Kompetenz­zentrum für juristisches Lernen und Lehren leitet.

Ziel war es, Studierende dafür zu gewinnen, Artikelvorschläge zu anspruchsvollen zivilrechtlichen Grundlagenproblemen zu entwerfen, die das Thema einerseits in möglichst zugänglicher Form darstellen und andererseits (rechts)wissenschaftlichen Standards genügen. Nach einem Blockseminar, das der Einführung in das Medium Wikipedia und dessen besonderen Herausforderungen diente, hatten die Teilnehmer fast drei Monate Zeit, einen entsprechenden drei- bis fünfseitigen Vorschlag für einen Wikipediaartikel zu einem von ihnen selbst gewählten Thema aus dem Bereich des Zivilrechts anzufertigen. Zudem sollten sie in einem separaten Text dazu Stellung nehmen, wie sie bei der Arbeit vorgegangen waren und welche Stoffauswahl sie getroffen hatten. In einem zweiten Blockseminar stellten die Teilnehmer ihre Beiträge schließlich im Rahmen eines Kurzreferats vor und setzten sich mit inhaltlichen und aufbautechnischen Verbesserungs­vorschlägen auseinander.

Erst im Anschluss an das eigentliche Seminar wurden die Beiträge auf Wikipedia eingestellt; zunächst in meinen Benutzernamensraum, aus dem sie – sobald die erforderliche formale Überarbeitung, an der sich dankenswerter­weise gleich mehrere Mitglieder der im vergangenen Jahr gegründeten Redaktion Recht beteiligen, abgeschlossen ist – nach und nach in den Artikelnamensraum verschoben werden sollen.

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Welche Leistung? Welcher Schutz? Welches Recht?

Heute um 9 Uhr wird (live übertragen) der Parlamentspräsident oder eine seiner Stellvertreterinnen die 226. Sitzung des 17.  Deutschen Bundestages eröffnen und den Tagesordnungspunkt 36 aufrufen, ein Gesetz zur Änderung des Urheberrechtsgesetzes. Die vereinbarte Redezeit für die Abgeordneten ist eine Stunde, es werden dann noch einige Zwischenfragen und vielleicht ein Geschäftsordnungsscharmützel dazukommen. Nach dem Ende der Debatte werden die Abgeordneten des Deutschen Bundestages in namentlicher Abstimmung in Zweiter und Dritter Lesung darüber entscheiden, ob Deutschland ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger (LSR) einführt. Den bisherigen Äußerungen auf Twitter nach verfügt die Koalition aus CDU/CSU und FDP über eine eigene Mehrheit für die Annahme dieses Gesetzes. Eine Zustimmung des Bundesrates ist nicht erforderlich, es ist unklar, ob sich die Bundesländer für die Anrufung des Vermittlungsausschusses entscheiden werden.

Die Abstimmung heute ist das vorläufige Ende der (von uns innig verfolgten und kommentierten) hiesigen Diskussionen und parlamentarischen Beratungen über ein Leistungsschutzrecht, für das bis heute keine überzeugendere Begründung existiert, die über „Aber Google hat so viel Geld und die Verleger haben so wenig“ hinausgeht. Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger wird in der vorgeschlagenen Form von allen namhaften Urheberrechtsexperten abgelehnt, Industrieverbände haben sich dagegen ausgesprochen, zuletzt auch die bis dahin herumeiernden Journalistenverbände (Wenn man ihnen taktisches Verhalten zubilligen möchte, war ihre Aussage ein „Wir sind nicht dafür, aber wenn es kommt, dann wollen wir 50% der Einnahmen“).

Bislang unbekannte Dimensionen der Farce erreicht das Leistungsschutzrecht, als vor zwei Tagen der (federführende) Rechtsausschuss einen Halbsatz in den neu zu schaffenden § 87f Absatz 1 Satz 1 Urheberrechtsgesetz einfügte, der den Geltungsbereich verkleinern wird und – das werden die Gerichte entscheiden – das Anzeigen von Snippets durch „gewerbliche Anbieter von Suchmaschinen“ nun doch wieder erlauben wird. Wenn diese Formulierung tatsächlich so wie beschrieben funktioniert, wird es schlichtweg keinen nennenswerten Anwendungsbereich mehr für das LSR geben, der nicht bereits durch das klassische Urheberrecht abgedeckt wurde. Es wird vermutlich einige Jahre dauern, Rechtssicherheit zu dieser Frage zu erzielen, bis dahin funktioniert das LSR nicht als Schutzrecht für presseverlegerische Leistung.

Sind Wikipedia und ihre Schwesterprojekte diesem LSR direkt und unmittelbar betroffen? Nein, vermutlich nicht. Der Wortlaut des Gesetzes ist in diesem Punkt eindeutig und es kann nach heutigem Stand eigentlich verneint werden, dass Wikimediaprojekte in das Schutzrecht der Presseverleger eingreifen. Ob dennoch ein Verlag Anstoß an einer Handlung nimmt und versucht, sein Verbotsrecht durchzusetzen, weiss auch unsere Glaskugel nicht.

Und was gilt das auch für alle Nachnutzer der frei lizenzierten Inhalte, darunter gewerbliche Anbieter von Spiegeln der Enzyklopädie oder die Anbieter von Mashups von Wikipedia- und anderen Inhalten? Das wird die Zeit zeigen, wir werden über Ereignisse disbezüglich berichten.

Besteht auch nur die abstrakte Hoffnung, dass dieses Gesetz dazu beitragen wird, die wirtschaftliche Situation deutscher Presseverlage zu stabilisieren? Das glaubt niemand mehr. In wenigen Tagen wird es mit Sicherheit gemeinsame Pressemitteilungen von Aggregatoren und Verlagen über Lizenzabkommen geben, deren Reichweite über den eines Leistungsschutzrechts hinausgeht und die Handlungen umfassen wird, die auch nach geltender Gesetzeslage mehr als problematisch waren. Das „Leistungsschutzrecht“ gibt es dann für die Lizenznehmer kostenfrei obendrauf und der schöne Nebeneffekt solcher Einigungen wird sein, dass die vom Gesetz geforderte angemessene Beteiligung an der Vergütung für die Urheberinnen ins Leere greift. Es ist zu erwarten, dass beide diese Punkte (kein Geld für Journalisten und Einigung zu Fragen, die weit über ein LSR hinausgehen) in der Berichterstattung der Tagespresse ebensowenig Erwähnung finden werden wie die komplette Leistungsschutzrechtsdebatte selbst.

Folgt jetzt nicht noch auf der Zielgeraden dieser Legislaturperiode ein mittlerer gesetzgeberischer Kraftakt, wird das urheberrechts- und netzpolitische Erbe dieser Koalition fast völlig aus der Einführung eines unsinnigen, entkernten, weltweit einzigartigen und rechtssystematisch problematischen Gesetzes bestehen, dessen Diskussion über drei Jahre lähmende Wirkung bei allen anderen Baustellen entfaltete. Der andere Teil des Erbes ist die Abschaffung eines von der Vorgängerregierung eingeführen unsinnigen, entkernten, weltwelt leider nicht einzigartigen und rechtssystematisch problematischen Gesetzes zur Sperrung von Webseiten (anstelle ihrer Löschung). Wir erwarten Gleiches von der Bundesregierung der 18. Legislaturperiode.

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Wikimedia:Woche 9/2013

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Interessierte sind herzlich eingeladen, bei der Zusammenstellung von interessanten Links und Themen mitzumachen. Bis zum jeweils folgenden Donnerstag wird hier gesammelt.

Viel Spaß beim Lesen!

 

= Wikimedia:Woche (9/2013) =

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in Wikipedia entnommen werden.

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Stelle frei im Team Communitys

 

Das Team, das sich innerhalb der Berliner Geschäftstelle speziell um die Unterstützung der Community-Strukturen bemüht, sucht weitere engagierte und erfahrene Leute für 20 bis 40 Stunden pro Woche. Wer ein gutes Verständnis der Dynamiken und Funktionsweisen von Community-Strukturen mitbringt, freundlich, strukturiert, umsetzungsorientiert und flexibel ist ist herzlich eingeladen, sich zu bewerben: siehe Stellenausschreibung.

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Johanna Wiest (22): Warum ich Mitglied bei Wikimedia Deutschland bin.

Während der Spendenkampagne 2012 stiegen nicht nur die Spendeneinnahmen, auch immer mehr Menschen unterstützen Wikimedia Deutschland durch eine Mitgliedschaft. Erst vor wenigen Monaten haben wir das 2.000ste Mitglied (Wikimedium 2/2012, Seite 9) vorgestellt. Heute, 8 Monate später, begrüßen wir ganz herzlich Johanna Wiest als 5.000stes Mitglied! Johanna wurde 1990 in Ravensburg, Baden-Württemberg geboren und wohnt derzeit als Studentin der Afrikanistik und Kulturwissenschaften in Leipzig, Sachsen. In ihrer Freizeit beschäftigt sich Johanna mit Lesen, Schreiben, Tanzen und Kochen. Im folgenden Interview berichtet sie, was sie mit Wikipedia und dem Verein Wikimedia Deutschland verbindet:

Johanna Wiest
Foto: Clara Wiest, CC-BY-SA 3.0

Wann und mit welcher Absicht hast Du Wikipedia zum ersten Mal genutzt?

Wikipedia habe ich das erste Mal für ein Schulreferat verwendet, wahrscheinlich etwa 2001 oder 2002. Ich hatte schon mal gesehen, wie Freunde Wikipedia genutzt haben und wollte mir für mein Referat einen Überblick verschaffen.

Gebraucht habe ich Wikipedia seitdem schon oft, eben um einen ersten Ansatz zu einem Themengebiet zu bekommen, oder im Alltag als Enzyklopdie, in der fast zu allen Themen etwas zu finden ist.

Worin liegen für Dich die Vorteile bei Wikipedia, im Vergleich zu gedruckten Enzyklopädien?

Durch Wikipedia ist das gesammelte Wissen kostenlos für jeden über das Internet zugänglich. Daher bietet für mich Wikipedia ein riesiges Potential, was Zugang zu Bildung und Chancengleichheit anbelangt. Mir gefällt, dass Wissen aus allen Bereichen dort gesammelt wird und sehr leicht zugänglich ist und außerdem die Idee, dass so viele Leute unentgeltlich in ihrer Freizeit für Wikipedia schreiben und ihr Wissen mit anderen teilen.

Ich hoffe, dass Wikipedia in Zukunft eine Chance sein kann, für alle, die sich bilden wollen, egal wo auf der Welt und egal wie viel Geld sie haben. Dass Wikipedia-Artikel mittlerweile mit Inhalten aus klassischen Enzyklopädien in Sachen Korrektheit gleichauf liegen, finde ich toll!

Kannst Du Dir vorstellen, einen Artikel für Wikipedia zu schreiben oder zu korrigieren?

Ich könnte mir gut vorstellen, mal etwas für Wikipedia zu schreiben und werde das bei Gelegenheit bald mal ausprobieren.

Wie hast Du von Wikimedia erfahren? Und was hat Dich zu einer Mitgliedschaft im Verein bewogen?

Ich habe von Wikimedia erfahren, als ich für Wikipedia spenden wollte. Mitglied bin ich geworden, weil ich finde, dass Wikipedia ein sehr unterstützenswertes Projekt ist – vor allem weil ich es toll finde, dass die Seite auf Werbeeinnahmen verzichtet, die wahnsinnig hoch sein könnten!

Durch die Mitgliedschaft fühle ich mich dem Projekt enger verbunden, als “nur” durch eine Spende.

Wie stellst Du Dir Wissen in der Zukunft vor?

Ich wünsche mir, dass Wissen überall auf der Welt jedem Menschen frei zugänglich gemacht wird.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wer Mitglied bei Wikimedia Deutschland e.V. ist, unterstützt den Verein nicht nur durch seinen Mitgliedsbeitrag. Mitglieder stehen ideell und aktiv für die Vereinsziele.

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Die Welt begrenzen

Dies ist der erste in einer kurzen Serie von Blogeinträgen, in denen ich einige Design-Entscheidungen für Wikidata erkläre. Dies sind persönliche Meinungen, aber sie haben einen großen Einfluss auf Features oder Non-Features von Wikidata. Diese sollen hier erklärt werden.

By Tomascastelazo (Own work)
CC-BY-SA-3.0,
via Wikimedia Commons

Eines der Features – andere Menschen nennen es Bug – ist, dass man jedes Objekt als Wert einer Eigenschaft festlegen kann. Viele davon ergeben keinen Sinn: Wenn man einen Artikel zu Paris hat und dann sagt, dass das zugehörige Land Ziegenkäse ist, ergibt nicht wirklich Sinn. Wäre es nicht toll, wenn Wikidata wüsste, welche Werte für ein Land sinnvoll sind und dir erlauben würde, nur diese auszuwählen anstatt alle möglichen anderen Werte zuzulassen? Wäre es nicht toll, wenn die Community entscheidet, dass eine Eigenschaft wie das vielgenutzte P107 auf die sechs Werte eingeschränkt wird, für die die Community sich entschieden hat?

Ich stimme dem absolut nicht zu.

Ein weiteres Feature – andere nennen es Bug – von Wikidata ist, dass du jede Eigenschaft für jedes Objekt verwenden kannst. Wenn du die Hauptstadt von Julius Caesar angeben willst, kannst du das tun. Wäre es nicht toll, wenn Wikidata wüsste, welche Eigenschaften für ein bestimmtes Objekt sinnvoll sind und dich dann nicht nur auf diese beschränkt, sondern sogar auflistet, welche Eigenschaften noch keine Werte haben? Wäre es nicht toll, wenn die Community Vorlagen mit allen Eigenschaften anlegen könnte, die für eine Person, für eine Stadt oder für ein Land angegeben werden müssen – und nichts anderes erlaubt wäre?

Ich stimme dem absolut nicht zu.

Ich bin der Meinung, dass schlauere Vorschläge großartig wären. Einige davon könnten relativ trivial zu implementieren sein: Zähle die Häufigkeit der Werte für eine bestimmte Eigenschaft und mache basierend darauf Vorschläge. Und was ist mit Vorschlägen für Eigenschaften? Es wird viel in diesem Bereich geforscht, im Prinzip so etwas wie „Objekte mit diesen Eigenschaften haben auch jene Eigenschaften“. Du hast das vielleicht schon auf einigen Shoppingseiten gesehen.

Ich bin absolut für bessere Vorschläge. Ich bin jedoch gegen harte Einschränkungen. Es gibt hier viel zu viel Raum für Drama und Edit-wars. Hat jedes Land eine Hauptstadt? Was ist überhaupt ein Land? Was sollen die möglichen Werte für die Eigenschaft Geschlecht sein? Was sind die richtigen Eigenschaften für Presidenten?

Nicht alles, was das System nutzt, um die Nutzeroberfläche und Hauptfunktionalität zu bauen – Bezeichnungen und Beschreibungen zum Beispiel, oder die Links zu Wikipedia-Seiten – kann Belege haben. Es gibt Dinge, die das System einfach „glaubt“. Wenn du aber die Aussage hinzufügst, dass Kosovo ein Land ist, dann kannst du  einen Beleg hinzufügen. Andere könnten behaupten, dass Kosovo ein Teil von Serbien ist. Du kannst auch dafür einen Beleg angeben. Aber sobald du willst, dass die Nutzeroberfläsche diese Information verwendet – zum Beispiel, wenn eine Eigenschaft auf Länder beschränkt ist, – muss das System entscheiden, ob Kosovo ein unabhängiges Land ist oder nicht. Das lässt keinen Raum für die Art von Wissensvielfalt, für die Wikidata gebaut ist.

Ich sehe die Gefahr, dass ein Teil von Wikidata im Bau einer Ontologie stecken bleiben könnte. Ich glaube, dass diese Übungen fundamental nicht lösbar sein können, und daher sollte es nicht Wikidatas Aufgabe sein, diese zu lösen. Wikidata sollte meiner Meinung nach auf einer weniger abstrakten Ebene arbeiten: Lasst uns die Autoren von Aerosmiths “I Don’t Want to Miss a Thing” angeben und nicht diskutieren, ob Urheberschaft auf ein Lied angewandt werden kann oder nicht. Lasst uns den Stammbaum der britischen Monarchen erstellen und nicht diskutieren, ob offizielle Posten nur von Personen begleitet werden können. Bist du sicher, dass kein Esel je römischer Senator war? Kannst du entscheiden, ob ein Drink einen Erfinder haben sollte?

Für Menschen und Bots bietet Wikidata einen einzigartigen Ort für Kollaboration. Noch viel mehr als Wikipedia, die schon ein erstaunliches Beispiel für eine solche Umgebung ist. In Wikipedia haben wir Bots, die nach veralteten Belegen auf Webseiten suchen, nach korrekter Interpunktion und so weiter. In Wikidata können wir Bots schreiben, die schauen, ob ein Lehrer tatsächlich vor dem Tod seiner Schüler lebte. Ob alle römischen Senatoren vor dem 6. Jahrhundert gelebt haben. Ob die Summe aller Bewohner der Städte eines Landes kleiner ist als die Anzahl der Bewohner des ganzen Landes. Und die Bots, die dies prüfen, müssen einen Weg finden, ihre Ergebnisse an Menschen zu melden, die dann prüfen können, ob sie echte Inkonsistenzen entdeckt haben – entweder in der realen Welt oder in Wikidata – oder nicht.

Die Welt ist komplex. Wikidatas Ziel ist es, strukturiertes Wissen über diese komplexe Welt zu sammeln. Die Wurzeln von Wikidata, wie der Name schon sagt, sind Wikis – und Wikis bedeuten Freiheit. Basierend auf diesem Erbe ist es weder das Ziel von Wikidata Einschränkungen für bestimmte Typen von Eigenschaften zu implementieren, noch Einschränkungen für mögliche Eigenschaften von Objekten festzulegen.

(Ich habe die langweiligen technischen Details übersprungen, warum es schwierig zu implementieren wäre und welche möglichen Probleme durch die Implementierung dieser Features auftreten könnten. Es gibt ernstzunehmende Probleme dabei, aber ich wollte bei den konzeptionellen Gründen bleiben.)

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Restricting the World

(Die deutsche Version dieses Artikels ist hier.)

This is the first in a short series of blog entries in which I explain some of the design decisions for Wikidata. They are my personal opinion, but they have a strong impact on some features or non-features of Wikidata. This is to explain them.

By Tomascastelazo (Own work)
CC-BY-SA-3.0,
via Wikimedia Commons

One of the features – others call it a bug – of Wikidata is that you can choose any item as the value for a property. Many of them do not make sense: so, if you have the article on Paris, saying that its country is goat cheese does not really make sense. Wouldn’t it be great if Wikidata knew which values for a country would make sense, and only allow you to choose those, instead of allowing any possible value here? Wouldn’t it be great if the community decided that a property like the widely used P107 could actually be restricted to the six possible values they decided on?

I strongly disagree.

Another feature – others call it a bug – of Wikidata is that you can use any property on any item. If you want to add the capital city of Julius Caesar, you’re welcome to do so. Wouldn’t it be great if Wikidata knew which properties make sense for a given item, and would not only restrict you to use those but even list the ones that still have missing values? Wouldn’t it be great if the community could create templates of properties that should all be filled out for a person, or for a city, or a country – and not allowing anything else?

I strongly disagree.

I completely agree that smarter suggestions would be great. Some of these could be pretty trivial to implement: count the frequency for the values of a property and make a suggestion based on that. What about suggesting properties? There’s lots of research going on in that area, basically something like “items with these properties also have these properties” – you might have seen that on certain shopping sites.

I am all for better suggestions. What I am strongly disagreeing with are strong restrictions. It provides far too much space for drama and edit-warring. Does every country have a capital? What is a country anyway? What should the possible values for the property „gender“ be? What are the right properties for presidents?

Anything that the system uses for building its user interface and core functionality – labels and descriptions, for example, or the links to Wikipedia pages – can not have references. This is something the system simply “believes.” On the other hand, if you add a statement saying that Kosovo is a country, you can add a reference to it. Others might say that Kosovo is a part of Serbia. You can add a reference for that too. But if you want to make the user interface use this kind of information – for example when a property is restricted to countries – the system needs to make a call whether Kosovo is an independent country or not. There is no room for the kind of knowledge diversity that Wikidata is build for.

I perceive the danger that some parts of Wikidata might get stuck in an ontology engineering exercise. I think these exercises can be fundamentally unresolvable, and thus that Wikidata’s mandate should not be to solve them. Wikidata should, in my opinion, work on a less abstract level: Let us enter the authors of Aerosmith’s “I Don’t Want to Miss a Thing”, and not discuss whether authorship can apply to a song or not. Let us trace the genealogy of the British monarch, and not whether officials can only be persons. Are you sure that no donkey has ever become a Roman senator? Can you tell whether drinks should have inventors?

Wikidata allows for a unique collaborative space for humans and bots. Much more than Wikipedia, which already sports a pretty amazing example of such an environment. In Wikipedia, we have bots checking for outdated references to websites, for correct usage of punctuation, etc. In Wikidata we can create bots that check whether a teacher has indeed lived before the death of its student. Whether all Roman senators have lived before the 6th century. Whether the population of the cities of a country add up to be less than the population of the country as a whole. And the bots doing these checks will need to find a way to report their results to humans, who can then check whether the bots discovered genuine inconsistencies – either in the real world or in Wikidata – or not.

The world is complex. Wikidata aims to collect structured knowledge about this complex world. The root of Wikidata, as the name hints, are wikis – and wikis mean freedom. Based on this legacy, Wikidata as a software does not aim to implement restricted types for properties, nor restricting sets of properties for types of item anytime soon.

(I skipped the boring technical details about why it would be hard to implement and what kind of problems could arise from implementations of the suggested features. There are some serious problems with that, but I wanted to stick with the conceptual reasons.)

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Staatliche Werke, eine neue Baustelle des Urheberrechts

Hinter uns liegt eine ereignisreiche Woche zum Thema Open Data und der neuen vom Bundesinnenministerium entwickelten Standardlizenz für freigegebene Regierungsdaten. Vor uns liegt ein ganzes Jahr an Arbeit zu der Frage, wie mehr staatliche Werke als bisher durch die Gesellschaft nachnutzbar gemacht werden können. Wikimedia Deutschland wird dazu einen Regelungsvorschlag machen, unsere Mitgliederversammlung hat dazu entsprechende Ziele beschlossen, drei Projekte dazu laufen bereits. In einem dafür gestarteten Themenblog (http://urheberrecht.wikimedia.de) werden wir 2013 kontinuierlich über unsere Arbeit berichten und um Mithilfe bitten. Ein erster Aufschlag ist heute im Blog online gegangen, warum wir insbesondere den §5 Urheberrechtsgesetz für reformbedürftig halten und wie dies mit anderen wichtigen Vorhaben (bereits genannt: Open Data und dazu noch Informationsfreiheits-/Transparenzgesetze) zusammenhängt. Um freundliche Beachtung von Lasst uns über Staatliche Werke reden wird gebeten.

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Neues Mitglied im Transparency Beirat

Ein höchstmöglicher Anspruch an Transparenz verbindet Wikimedia Deutschland schon lange mit den Themen der Transparency International. Bereits seit einigen Jahres ist Wikimedia Deutschland Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft. Umso größer die Freude, dass Pavel Richter – als Vorstand des Vereins – im Januar zum Beiratsmitglied ernannt wurde.

Der im Jahr 2004 gegründete Beirat von Transparency Deutschland hat derzeit 17 Mitglieder; Die Mitglieder des Beirats sollen den Dritten Sektor, unter anderem Universitäten, Gewerkschaften und Medien repräsentieren. Vorsitzende ist seit 14. September 2011 Barbara Stolterfoht.

Pavel Richter: „Ich freue mich über die Ernennung zum Beirat und sehe viele großartige Möglichkeiten des Austauschs mit anderen Mitgliedern von Transparency International. Natürlich bin ich auch neugierig auf die Aufgaben und hoffe, ich kann den Beirat unterstützen, Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zur Schaffung von Transparenz zusammen zu bringen.“

Transparency International Deutschland e.V. (kurz: „Transparency Deutschland“) arbeitet gemeinnützig und ist politisch unabhängig. Transparency Deutschlands Grundprinzipien sind Integrität, Verantwortlichkeit, Transparenz und Partizipation der Zivilgesellschaft.

Pavel Richter: „Transparency Deutschland arbeitet nicht konfrontativ, sondern sucht Koalitionen mit Regierungen, Verwaltungen und Politikern, mit der Wirtschaft und mit Gruppen der Zivilgesellschaft, die eine transparente, werteorientierte, zivile demokratische Politikkultur vertreten. Genau hier sehe ich auch Wikimedia, denn Demokratie bedeutet gleiche Zugangsmöglichkeiten zu politischen Entscheidungen und setzt den gleichen und freien Zugang zu Informationen voraus. Hierfür setzt sich auch die internationale Wikimedia-Bewegung ein.“

Wir sind sehr gespannt auf die Zusammenarbeit!

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Wikimedia:Woche 8/2013

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Interessierte sind herzlich eingeladen, bei der Zusammenstellung von interessanten Links und Themen mitzumachen. Bis zum jeweils folgenden Donnerstag wird hier gesammelt.

Viel Spaß beim Lesen!

 

= Wikimedia:Woche (8/2013) =

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in Wikipedia entnommen werden.

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