Wikimania, WCA und Wahnsinn

Ein weiteres Kapitel in der WCA geht zu Ende. Zunächst standen die Zeichen für die Vereinigung und ihre Projekte gar nicht schlecht, wir hatten ein Seminar für Organisationen angeboten und dies war gut und hochkarätig besucht. Die Themen Vereinsstrukturen, Verhältnis zur Wikimedia-Welt und Finanzierung wurden in jeweils einer Session ausführlich diskutiert. Als Panel-Teilnehmer hatten wir unter anderem Mitglieder der Foundation, Geschäftsführer von Chaptern, das Affiliations Committee, und das FDC an Bord.

Dann allerdings überschlugen sich die Ereignisse. Am Mittwoch nach dem Seminar machte das Gerücht die Runde, dass Wikimedia Frankreich aus der WCA aussteigen wird. Es war einigermaßen klar, dass dies der WCA nicht gerade nützen, sondern vielmehr zumindest  die inhaltlichen Workshops, die für den nächsten Tag geplant waren, sprengen würde. Wie also reagieren? In einer eilig einberufenen Präsidiumssitzung, vielen Gesprächen mit WCA Ratsmitgliedern in der Hausbar und einem gemeinsamen Frühstück mit Ziko van Dijk, meinem Stellvertreter, wurde sehr deutlich, dass die WCA allgemein nicht als Erfolgsprojekt gesehen wird und noch geschwächter aus dieser Situation herausgehen würde:

  • Die WCA findet in den Präsidien der Chapter keine mehrheitliche Unterstützung.
  • Viele Chapter haben sich mit ihrer passiven Haltung faktisch aus der WCA zurückgezogen.
  • Es stehen Erwartungen im Raum, die mit den vorhandenen Ressourcen nicht erfüllt werden können.
  • Wir schaffen es nicht, die Strukturdebatten hinter uns zu lassen.

Manchmal muss man Entscheidungen schnell treffen, wenn die Zeit reif ist. Für Ziko und mich war klar, dass wir nicht weiter als Frontfiguren für eine Organisation stehen können und wollen, die keine Unterstützung in der Wikimedia Welt findet. Die Entscheidung, den Vorsitz des Rates abzugeben, war daher für uns beide nur eine logische Konsequenz.

In der auf die Aus- und Rücktritte folgenden Debatte wurde vieles gesagt. Sehr bezeichnend fand ich die Szene, als wir in einem Blitzlicht über den Fortbestand der WCA abstimmten. Das Ergebnis, eine schwache Mehrheit für die Beibehaltung, wurde kommentiert mit dem Vorschlag, jetzt müsse also nur noch eine neue Verfassung der WCA ausgearbeitet werden, dann wären wir ja wieder auf einem guten Weg. Mei, da kann man nicht mehr helfen.

Dabei ist der Austausch und die gemeinsame Arbeit der Chapter und Thematischen Organisationen ungemein wichtig, wenn wir uns als internationale Wikimedia zusammenfinden und weiterentwickeln wollen. Ich werde daher zukünftig meine Energie in den Aufbau von Projekten stecken, die diesem Ziel dienen. Ein paar Ansätze gibt es schon:

Jede Hilfe ist dabei willkommen!

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„My beautiful life thanks to PLV“ bei 91 Dezibel

Auf der diesjährigen Wikimania in Hongkong war die Zukunft der Wikipedia eines der großen Themen. Unter dem Titel “Imagine the Wikipedia in 2022” luden Dirk Franke und die Autorin die anwesenden Zukunftsforscher unter den Wikipedianern ein zu visionieren.

Rote Plüschsitze, goldene Tressen, Marmor und auf Hochglanz lackiertes Holz. Wir befinden uns im kühlen Jockey Auditorium der Politechnischen Universität in Hongkong. So scheint es. In Wirklichkeit ist dies die geheime Starbahn der Wikimania Zeitmaschine. Denn 10 Sekunden nach Beginn des Countdown landen geschätzt 200 Menschen im Jahr 2022.

Drei dominante Trends prägen die Online Welt: Personalisierung, Vernetzung und Visualisierung. Dabei steht Personalisierung für die tatsächliche oder scheinbare am User orientierte Ausrichtung aller IT gestützten Dienstleistungen und Produkte. Vernetzung umfasst nicht nur Personen und Institutionen, sondern auch in exponentieller Weise die Vernetzung mit dem Internet der Dinge. Ob Auto oder Fernseher, alle Dinge um uns interagieren mit uns. Sie senden Informationen, die wiederum unmittelbar auf unsere Umgebung zurückwirken. Schließlich wird das unbedingte Visualisierungsdiktat dazuführen, dass die Wikipedia in 10 Jahren 70% Bildanteil zu 30% Textanteil aufweisen und die Fähigkeit sich auf Texte einzulassen, die zwei Tweetlängen überschreiten, gegen Null tendieren wird.

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P für Personalisierung. Als einer der großen Online-trends.

Die Vision des Organisationssoziologen Benjamin Mako Hill

Das große Online Projekt in 2022 ist die NEWPEDIA. Nachdem in der Wikipedia ein siebenstufigen Wizard eingeführt wurde, dem jeder folgen muss, bevor er/sie  einen Artikel editieren darf, starteten ein paar Open Knowledge Fans ein neues Projekt: die NEWpedia. Hier kann jeder beitragen in der Art, wie er will. Die Wikipedia ist in die Bedeutungslosigkeit abgesunken und alle nutzen nur noch NEWpedia. Etwaige Parallelen zur Nupedia sind ganz zufällig.

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The Wikipedia Ltd. nach Christophe Henner

Als Reaktion auf sinkenden Spendeneinnahmen in Folge der steigenden Lebensmittelpreise nach den Turbulenzen auf den Finanzmärkten und Mißernten im Zuge der globalen Klimaveränderung beschloss die Wikimedia Foundation sich in ein kommerzielles Unternehmen umzuwandeln und verkaufte Werbeflächen in der Wikipedia. Dies war erst der Anfang des erfolgreichsten Medienunternehmens des vergangen Jahrzehnts. Im Jahr 2022 zahlt man nicht nur dafür, die Wikipedia werbefrei zu lesen, man zahlt auch dafür in der Wikipedia editieren zu dürfen, man zahlt für die Nutzung der Wikipedia und natürlich sind die Möglichkeiten der Werbung viel ausgefeilter als einfache Clips am Rande der Artikel. Der Börsengang steht unmittelbar bevor.

“Back to the Roots and have fun” meint Melissa Parisi

Die Wikipedia ist zu ihren Anfängen zurückgekehrt. Jeder kann einfach sich auf das Editieren konzentrieren, die Edit-Wars haben aufgehört und man hat einfach wieder Spaß daran in der Wikipedia mitzuarbeiten.

L für Linking up, der 2. große Online Trend. Hier dargestellt durch eine Kunstinstallation im Stromnetz von San Franzisko.

Alle Museen sind wikifiziert orakelt Glambora

GLAM Institutionen im Jahr 2022 begrüßen längst keine Besucher mehr, sondern interagieren mit Usern über die präsentierten Inhalte. Die gesellschaftliche Relevanz des kulturellen Erbes definiert sich nahezu ausschließlich über die Publikumsinteressen. Sinneserfahrungen, emotionale Narrative und Authenzitität sind zentrale Motive für einen Ausstellungsbesuch. Raumerfahrung und Kontextualisierung sind die entscheidenden Kriterien zum Erleben der Sammlungen vor Ort. Unterstützen lässt sich der emanzipierte User hierin durch einerseits seine sozialen Netzwerke, die ihm / ihr Orientierung im enormen Kultur- und Informationsangebot versprechen, andererseits durch Wissensaggregatoren wie die Wikipedia, die ihn / sie über geeignete Schnittstellen auf seine /ihre Bedarfe zugeschnittene Hintergrundinformation zum Objekt bieten. Im Netz stellt er / sie ganz individuell digitale Inhalte zusammen und generiert daraus neue Interpretationsansätze. Die Mitarbeiter der GLAM-Einrichtungen diskutieren in den jeweiligen Foren diese Interpretationen mit den Usern. Forschung im akademischen Sinne stellt nur einen Bruchteil der Arbeit dar, das Befüllen der Wikipedia Plattformen ist in das Zentrum gerückt. Entscheidend für die Wikipedia war es, dass interaktive Anwendungen sich einfach in die Wikipedia integrieren ließen.

Die Wikipedia wandert in den Untergrund glaubt Dirk Franke

In zehn Jahren editiert nur noch eine Elite tatsächlich in der Wikipedia. An der quirligen Oberfläche buhlen unzählige Apps ( ) und APIs um die Gunst des Lesers. Sie alle speisen sich aus der Wikipedia. Zum Beispiel: Bots lesen Artikelinhalte aus und lesen sie vor, wenn man etwa vor einem Denkmal steht. Den meisten Anwendern ist gar nicht bewusst, dass sie die Wikipedia-Inhalte nutzen und die meisten Wikipedia-Autoren sind darüber auch nicht unglücklich. So können sie ungestört von den immer wilderen und schrilleren Inhalten ihren Mikrokosmos der komplexen Regularien der Wikipedia pflegen. Es ist nur eine kleine Schar von Savants, die so zusagen im Keller des Wissens die Wikipedia in Reinkultur fortführen.

Stimmen aus dem Auditorium

Aus Indien: Es gibt nur noch eine Wikipedia und ein Übersetzungsprogramm für alle Sprachen dieser Welt.

Aus Hongkong: Wiki wird zum allumfassenden Lebensstil. Selbst das reale Leben ist wikifiziert.

Aus Südafrika: Der Regionalität des Wissens wird mehr Rechnung getragen und aus der Gegenwart fallendes Wissen wird multimedial in der Wikipedia konserviert.

Aus Deutschland: Wikipedia wird es zwar noch geben, aber der Bildungsaspekt wird sehr viel wichtiger sein als heute.

Aus Niederlanden: Wikipedia findet Eingang in die Grundschulen. Das Problem der nur kurzzeitig relevanten Artikel, die nicht aktualisiert werden, wird gelöst sein.

Aus Hongkong: Durch exzessives Crowd Sourcing werden alle verfügbaren Daten in die Wikipedia integriert und über entsprechende Schnittstellen so aufgearbeitet, dass ich mich über jedes Ding oder Thema meiner Wahl auf dem Niveau informieren kann, wie ich es in diesem Augenblick wünsche.

Aus den USA: Das Vorbild der Wikipedia als riesiges globales Projekt der Zusammenarbeit strahlt auf andere gesellschaftliche Bereiche aus.

Aus Deutschland: In der Zukunft werden nicht aktualisierte Artikel automatisch gelöscht.

Aus Argentinien: In zehn Jahren gibt es entweder eine chinesische Wikipedia oder gar keine mehr.

Aus Südafrika: Die Wikimedia Foundation muss gegebenenfalls in eine Region umziehen, wo Pressefreiheit wirklich garantiert wird.

Aus unbekannt: In der Zukunft können wir auch das verborgene Wissen auf den Diskussionsseiten für die Wikipedia nutzen.

V für Visualisierung. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, sprach Napoleon. Der 3. der Online Trends.

Jetzt kam der Applausometer zum Einsatz. Zwei Tendenzen standen zur Wahl.

Option A: Die Wikipedia bewahrt ihre Qualität und ihre Grundsätze.

Option B: Die Wikipedia öffnet sich. Sie wird bunt, multimedial und schließt interaktive Anwendung ein.

Ein Brausen, Trampeln, Klatschen und Johlen ließ den Staub der Ehrwürdigkeit des Jokey Auditoriums im Saal tanzen und dann stand das Ergebnis fest. 91 Dezibel wurden für die Option B gemessen. Das war doppelt so laut wie für Option A. Eine Mehrheit der Zukunftsforscher im Saal sieht die Zukunft der Wikipedia demnach in der Öffnung.

Und wie sehen Sie die Zukunft der Wikipedia? Schreiben Sie uns Ihren Kommentar oder nehmen Sie teil an der Umfrage “Predict Wikipedia’s future”.

Bildnachweise:

Bild 1: Katja Ullrich via Wikimedia Commons CC BY SA
Bild 2 Katja Ullrich vie Wikimedia Commons CC BY SA
Bild 3 Napoleon traversing the Alpes. Painting by J.L. David, Schloss 
Charlottenburg Berlin via Wikimedia Commons CC BY SA

 

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Gruselige Wikimania

Hongkong beherbergt die diesjährige Wikimania. Im folgenden Beitrag wird von der Konferenz berichtet. Es geht um Geister und um die Zukunft.

Ebenezer Scrooge (gemeinfrei, via Wikimedia Commons)

Der für mich ungewöhnlichste Vortrag der diesjährigen Wikimania begann damit, dass die Lichter gedimmt wurden. Alle Zuhörer mussten sich ganz nah an die Bühne heran setzen und zu Beginn der Präsentation kollektiv die Augen schließen. Erik Möller von der Wikimedia Foundation hatte zur Geisterstunde geladen. Er lehnte sich dabei an Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte an, in der die Hauptfigur Ebenezer Scrooge von drei Geistern heimgesucht wird. Bei Dickens zeigen die Geister jeweils Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf. Bei Möller sollte es gleich drei Mal ausschließlich um die Zukunft gehen, genauer gesagt um Wikipedia im Jahr 2040.

Der Geist der Relevanz

Die erste Zukunftsvision begann mit der Einstellung einer neuen Geschäftsführung für die Wikimedia Foundation. Und zwar im Jahr 2014. Diese neue Kraft hatte eine besondere Vorliebe für Augmented Reality, also für die erweiterte Wahrnehmung der persönlichen Umwelt durch technische Hilfsmittel. Kurz, sie oder er ließ eine Brille entwickeln, die Wikipedia-Artikel zu Orten einblendete, die man gerade sah. In einem ersten großen Schwung wurden 10.000 dieser Brillen an die aktivsten Wikipedianer weltweit verteilt.

Nun trug es sich zu, dass die Idee solcher Brillen nicht, nun ja, neu war. Parallel hatte ein gewisses Software-Unternehmen ebenfalls viel Aufwand in die Entwicklung ähnlicher Technik gesteckt. Man tat sich schließlich zusammen und konnte so weltweit erfolgreich sein. Menschen sahen überall die passenden Wikipedia-Artikel. Wenn sie etwas verbessern wollten, konnten sie das direkt per Sprachsteuerung auf der Straße tun. Tatsächlich war das alles so praktisch und einfach, dass über alles und jeden neue Artikel angelegt wurden. Nur ein Bruchteil davon entsprach den Relevanzkriterien der Enzyklopädie. Die Stammautoren wehrten sich lange gegen die aufkommende Flut, gaben aber irgendwann einfach auf. Sie verließen samt und sonders das Projekt. Zunächst tat das dem Erfolg keinen Abbruch. Ohne Relevanzkriterien wuchs Wikipedia weiter. Allerdings konnte der Bestand nicht gepflegt werden, und nach und nach sanken die Nutzerzahlen. Das gewisse Software-Unternehmen hatte zwischenzeitlich so viel Einfluss gewonnen, dass es seinen Nutzern im Jahr 2040 den simplen Hinweis schicken konnte: „Die Anwendung Wikipedia wird zum 1. Juli abgeschaltet.“ Aus.

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Wikimania 2013: Wiki loves… a lot

Hongkong beherbergt die diesjährige Wikimania. In diesem Beitrag geht es um einen Workshop vor Ort zum Thema Wiki Loves Monuments (WLM). Und um eigentlich alles. 

Lusitana, CC-BY-SA 3.0 (via Wikimedia Commons)

Während der Wikimania versammeln sich drei Tage lang Ehrenamtliche aus den verschiedenen Wikimedia-Projekten, Vertreter der Wikimedia Foundation, der einzelnen Länderorganisationen, Benutzergruppen etc. Sie tauschen sich über große Fragen und kleinste Details zu jedem denkbaren Thema aus, das mit den verschiedenen Projekten zu tun hat.

Etwa 40 Menschen trafen sich an Tag 1 in einem kleinen Seminarraum, um über die Zukunft von Wiki Loves Monuments[1] – so der Titel – zu sprechen. Durch die 90 Minuten führten Beat Estermann aus der Schweiz und Monica Mora aus Panama. Sie hielten es mit diesem Titel ein wenig wie das Chapters Village, das draußen vor der Tür im Freien aufgebaut ist: Dieses Village ist gar kein Dorf, sondern besteht aus vier zusammengeschobenen Metalltischen. Teilnehmer treffen sich dort während der Pausen und reden miteinander. Es gibt Infomaterial aus verschiedenen Ländern, Ansprechpartner erzählen über ihre Arbeit und die britischen Teilnehmer bieten Tee zum Gespräch an. Nichts Kompliziertes, einfach machen.

Und so haben auch Beat und Monica weder die Zukunft von Wiki Loves Monuments vorgestellt noch hinterfragt. Sie wollten einfach wissen, was Menschen aus allen Ecken der Welt darüber denken. Den Anfang machten geteilte Erfahrungen: Bei WLM werden Fotos von Denkmälern gemacht, die anschließend unter freier Lizenz in Wikipedia-Artikel eingebunden werden können. Jemand aus Israel beschrieb, dass er quer durchs Land fuhr, etwas fotografierte, und hinterher den Behörden unbekannte Denkmäler bescherte. Ein Fotograf aus Chile erzählte, es gäbe in seinem Land überhaupt nur 200 registrierte Denkmäler, aber natürlich viel mehr bewahrenswerte Objekte. Ganz ähnlich in Panama. Aus den Niederlanden gab es einen Rückblick auf die letzten WLM-Jahre, aus der Ukraine kam ein kurzes Video über den Wettbewerb Wiki Loves Earth, bei dem Naturschauplätze fotografiert werden. Beim schwedischen Wiki Loves Public Art wiederum geht es um öffentliche Kunstwerke – die oftmals gestohlen oder beschädigt werden.

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Wikimania: Globalen Austausch im Bildungsbereich fördern

Tim Moritz Hector und Cornelia Trefflich haben im Vorfeld zur Wikimania an der Education Pre-Conference am 07.08.2013 in Hong Kong teilgenommen und einen Beitrag zu den Erfahrungen mit verschiedenen Zielgruppen im Rahmen von Bildungsprojekten präsentiert. 

Rod Dunican moderierte den Workshop,
Foto:LiAnna Davis, CC-BY-SA 3.0

Nach einer langen Anreise am Vorabend stand die Education Pre-Conference auf dem Programm, zu der sich pünktlich um 9 Uhr etwa 20 Personen verschiedener Chapter und weitere Interessierte einfanden, von denen die meisten, wie wir, mehr oder weniger gejetlagged waren. Ziel dieser Zusammenkunft war es, eine Vernetzung und einen Austausch zwischen all denjenigen zu ermöglichen, die ein Bildungsprogramm unterhalten oder aufbauen wollen. Rod Dunican und LiAnna Davis von der Wikimedia Foundation organisieren und moderieren dieses nunmehr zum zweiten Mal stattfindende Treffen, um einen Austausch im Bildungsbereich zu ermöglichen.

Zuerst wurden die Befürchtungen, die diejenigen mitbringen, die ein neues Programm aufbauen wollen, thematisiert. Anschließend wurden diese vor dem Hintergrund der Erfahrungen der anderen diskutiert (z. B. die mangelnde Nachhaltigkeit von Bildungsprojekten, die Zusammenarbeit mit der Community, die Rollen, die die Beteiligten einnehmen und technologische Herausforderungen wie Moodle).

Danach wurden „best practices“ vorgestellt, wie ein Hochschulprogramm aufgebaut werden kann; es folgten Sitzungen zum Aufbau von längerfristigen Kooperationen und zur Gewinnung von TutorInnen. Eine andere Präsentation widmete sich der Materialien, die im internationalen Bereich bereits erstellt worden sind und im englischsprachigen Bereich schon genutzt werden können.

Tim Moritz Hector und Cornelia Trefflich beschäftigten sich anschließend in einer interaktiven Präsentation mit anderen Zielgruppen von Bildungsprojekten, da der Fokus des Treffens im Allgemeinen sehr auf Universitäten gerichtet war. Wir stellten zunächst Aktivitäten mit Älteren und zur Gender-Diversity vor. Im Fokus stand dann, dass es wichtig ist, verschiedenste Zielgruppen anzusprechen und sich dabei auch von demographischen oder institutionellen Vorgaben zu lösen.

Teilnehmende am Workshop,
Foto: LiAnna Davis (CC-BY-SA 3.0)

Aufbauend auf das Meeting in Mailand haben wir versucht, zu definieren, was einen „prototypischen Wikipedianer“ ausmacht (u. a. genügend Zeit, Motivation und Kenntnisse und Faszination für ein bestimmtes Thema), um die Aktivitäten im Bildungsbereich auf relevante Gruppen auszurichten. Eine letzte Präsentation widmete sich der Evaluation von Bildungsprogrammen, den Gründen für Evaluation und der technischen Umsetzung dieser.

Die durch das Bildungsteam der Wikimedia Foundation ermöglichten Treffen zum Austausch von Bildungsbestrebungen im internationalen Kontext eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf den Bildungsbereich und motivieren uns alle unsere Bestrebungen mit erhöhtem Enthusiasmus fortzusetzen und weiterzuentwickeln.

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GLAM in Hongkong

Hongkong beherbergt die diesjährige Wikimania. In diesem Beitrag geht es um GLAM bzw. Kultureinrichtungen vor Ort.

Hongkong ist die schnellste Stadt der Welt, so sagt man. Hongkong hat eine hohe Luftfeuchtigkeit und Hongkong hat trotz seiner kleinen Fläche eine recht bewegte Geschichte. Vier Faktoren, die selten förderlich für die Entwicklung einer lebendigen GLAM Landschaft sind. GLAM steht auch in Hongkong für Galleries, Liberaries, Archives und Museums. Aber ich war selten in Museen, die von einem derart lebhaften Publikum besucht wurden.

 

Besucher aller Altersstufen interessieren sich für die Mitmach-Experimente im Museum der Wissenschaften in Hongkong.

 

Aber spannender fand ich als GLAM-Kuratorin die GLAM Session auf der diesjährigen Wikisym in Hongkong. Tatsächlich waren sowohl private als auch staatliche GLAM Institutionen da. Allgemein zeigte man sich interessiert, hielt sich jedoch mit konkreten Zusagen eher zurück. Ein wichtiger Aspekt sind natürlich auch hier Freie Lizenzen. Entscheidender waren die Fragen nach dem Aufbau von sinnvollen Metadatenstandards. Hier scheint man in der glücklichen Situation zu sein, dass man nicht verschiedene existierende Systeme harmonisieren muss, sondern die Chance hat, gleich von Anfang an einen gemeinsamen Standard zu entwickeln. Eine Herausforderung wird es sein, Wikipedianer aus Hongkong mit den GLAM Institutionen zusammenzubringen.

Auf der Wikisym traf ich Magdalene Lee. Sie arbeitet für die Terese Coleman Fine Arts Ltd. Diese kommerzielle Galerie hat angefangen, ihre wertvollen textilen Sammlungsstücke überwiegend aus der Qing Dynastie (1616 – 1911) zu dokumentieren. Interessanter Weise kommen die meisten Stücke nicht aus dem chinesischen Mutterland, wie man in Hongkong sagt, sondern aus USA und Europa. Herrlich farbig bestickte Mäntel von konfuzianischen Beamten des kaiserlichen Hofes, Satteldecken aus Tibet oder kaiserlich gelbe Thronpolster gelangten quasi als Souvenirs aus dem alten China in den Westen.

„Drachengewand“ eines kaiserlichen Beamten, blaues Atlasgewebe, bestickt mit Atlasstich, Knötchenstich und Anlegetechnik in Seide, „Pferdehuf-Manschetten“ und Verschluss mit Brokatborte; China, Qing-Zeit; spätes 19. Jh.; Museum für Angewandte Kunst Frankfurt am Main, Inv. Nr. 14629 (Schenkung Hermann Reich). Ein sehr ähnliches Drachengewand befindet sich auch in der Coleman Sammlung in Hongkong.

Heute, Generationen später, stehen diese „Mitbringsel“ auf Auktionen zum Verkauf und gelangen durch die Terese Coleman Ltd zurück nach China. Jedoch nicht für immer, denn die Galerie lebt vom Handel. Daher ist es besonders wichtig die gefährdeten Stücke zu dokumentieren, bevor sie wieder in privaten Besitz übergehen. Die sehr hochauflösenden und auch künstlerischen Aspekten genügenden Fotos werden bisher sehr aufwändig gedruckt oder für die Herstellung der Verkaufskataloge verwandt. Aber Magdalene würde gern eine frei zugängliche Datenbank aufbauen um damit das kulturelle Erbe tatsächlich zugänglich zu machen. Magdalene kam gleich auf die Wikimania, um sich weitere Informationen zu holen und um lokale Wikipedianer kennenzulernen, mit denen sie zusammenarbeiten kann. Die ersten Begegnungen haben bereits stattgefunden.

Die letzte chinesische Kaiserin Empress Dowager Cixi ( – ), 1890. Ein Gruß aus der Vergangenheit.

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Wikimedia:Woche 32/2013

Die Wikimedia:Woche ist die wöchentliche Zusammenfassung von aktuellen Nachrichten aus der internationalen Wikimedia-Bewegung. Der gemeinschaftliche Mailing-Newsletter von Freiwilligen und Wikimedia Deutschland wird immer donnerstags – aufgrund des Feiertags ausnahmsweise diese Woche am Freitag – in Wikipedia, auf der Mailingliste des Vereins und auch hier im Blog veröffentlicht.

Interessierte sind herzlich eingeladen, bei der Zusammenstellung von interessanten Links und Themen mitzumachen. Bis zum jeweils folgenden Donnerstag wird hier gesammelt.

Viel Spaß beim Lesen!

= Wikimedia:Woche 32/2013 =

Frühere Ausgaben sind archiviert unter:

Die Liste der Beitragenden kann der Versionsgeschichte der jeweiligen Ausgabe im Archiv in der Wikipedia entnommen werden.

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Gestaltet die strategischen Ziele von Wikimedia Deutschland mit!

Jedes Jahr im Herbst verabschiedet die Mitgliederversammlung von Wikimedia Deutschland den Jahres- und Haushaltsplan des Vereins. Der beschlossene Plan gilt dann für das folgende Jahr. Auf der Webseite des Vereins ist der aktuelle für 2013 nachzulesen. In diesen Plänen stehen nicht nur Angaben zu Einnahmen und Ausgaben, sondern vor allem auch die Ziele, die bis zum nächsten Jahr erreicht werden sollen. Konkret heißt das: Es werden Ziele formuliert, die von der Geschäftsstelle des Vereins mit ihren hauptamtlichen Mitarbeitern erreicht werden sollen.

Wikimedia Deutschland kann aber nicht nur von Jahr zu Jahr planen. Diese Schritte sind zwar wichtig, jedoch nicht ausreichend. Als gemeinnützige Gesellschaft hat sich der Verein zur Aufgabe gemacht, langfristig auf etwas hinzuarbeiten, das der Allgemeinheit dient. Unsere Satzung erklärt, was genau das ist: Wir wollen Bildung stärken und Chancengleichheit beim freien Zugang zu Wissen. In der Satzung steht auch, was Wikimedia Deutschland dafür tun soll, nämlich die Erstellung, Sammlung und Verbreitung freier Inhalte fördern.

Wie machen wir das?

Genauer gesagt, wie machen wir das auf dem besten Weg? Denn wir wollen gute, angebrachte und dauerhafte Lösungen, für die wir die Mittel des Vereins verantwortungsvoll und effektiv einsetzen können.

Wie also machen wir das? Durch eine langfristige Strategie. Eine Strategie ist die Brücke zwischen dem, was man erreichen möchte und dem, was man tun kann. Sie ist das “wie” zwischen beiden Punkten. Sie ist eine Wegbeschreibung, die Orientierung und Richtung gibt. Und so etwas braucht Wikimedia Deutschland, denn wir müssen sicherstellen, dass es klare Vorgaben gibt, nach denen die einzelnen Jahrespläne der Geschäftsstelle jeweils ausgerichtet werden können.

Das ist eine der Kernaufgaben des Präsidiums. Als Aufsichtsgremium haben wir uns für dieses Jahr zwei Aufgaben hinsichtlich der Strategie des Vereins gestellt: die Leitmotive des Vereins zu überarbeiten sowie strategische Ziele für die nächsten vier bis fünf Jahre zu beschließen. Ersteres haben wir in den letzten Wochen abgeschlossen, Letzteres startet heute als offener und öffentlicher Prozess. Bis zur Mitgliederversammlung am letzten Novemberwochenende sollen auch die strategischen Ziele ausgearbeitet sein.

Leitmotive und strategische Ziele

Beides gehört zusammen. Die Leitmotive verstehen wir als Werte, denen sich Wikimedia Deutschland verpflichtet. Sie legen fest, was uns als Organisation wichtig ist. Damit sind Leitmotive Grundsatzdokumente, auf die sich Vereinsmitglieder, Mitarbeiter, Präsidium, Spender und jede interessierte Person verbindlich beziehen können, wenn es um das Selbstverständnis des Vereins geht. Anders als Jahresziele haben die fünf jetzt erarbeiteten Leitmotive keine zeitliche Einschränkung. Sie dienen als Prüfmuster dafür, ob die Arbeit des Vereins unseren Grundsätzen entspricht.

Rückblick – Was ist bisher passiert?

Im aktuellen Jahresplan sind drei Leitmotive festgehalten, die das Präsidium auf den Prüfstand gestellt und weiterentwickelt hat. Dazu haben wir eine Redaktionsgruppe gebildet, die im Juni Interviews über die Aufgaben von Wikimedia Deutschland mit Externen durchführte. Wir haben außerdem gemeinsam mit Mitarbeitern der Geschäftsstelle die Tacheles-Tour an drei Orten durchgeführt, um Feedback aus der Community zur Arbeit des Vereins zu sammeln. Steffen Prößdorf startete außerdem eine Umfrage in der Wikipedia.

Auf der Präsidiumsklausur in Regensburg berichteten Mitarbeiter der Geschäftsstelle über die Arbeit der Bereiche und es wurde gemeinsam über Grundsatzfragen zu Freiem Wissen diskutiert. Mit all diesen Informationen erarbeiteten wir thematische Eckpunkte, die in den letzten Wochen durch das Präsidium ausformuliert und zu Leitmotiven zu den Stichworten Partnerschaft, Freies Wissen, Offenheit, Austausch und Lösungen verschriftlicht wurden. Die Geschäftsstelle unterstützte diesen redaktionellen Prozess. Jetzt machen wir den nächsten Schritt.

Ausblick – Workshop und Beteiligung

Nach dem Selbstverständnis kommt die Beschreibung des Wegs, den wir mit der Förderung Freien Wissens einschlagen wollen. Seit heute können öffentlich im Meta-Wiki Ideen und Vorschläge für Ziele der nächsten vier bis fünf Jahre eingetragen und gesammelt werden. Die neuen Leitmotive sind dort als Orientierungshilfe direkt eingebunden.

Wir rufen herzlich dazu auf, eigene Vorstellungen beizutragen! Das Präsidium wird sicherstellen, dass die Ideen und das Feedback bis zu einem Workshop am 24. August gesammelt und dort einfließen werden. Dieser Workshop wird in Berlin stattfinden und wie das Format des Offenen Sonntags ein BarCamp sein. An diesem Wochenende soll auch das weitere Vorgehen bis zur finalen Ausarbeitung der strategischen Ziele zur MV geklärt werden.

Eckdaten offener Workshop zu strategischen Zielen:

  • 24. August 2013, in Berlin

  • Format: BarCamp

  • Dauer: 10-18 Uhr, ab 9 Uhr Empfang

  • Anmeldungen: bitte auf der neuen Meta-Wiki-Seite bis zum 21. August eintragen, damit die Größe der Veranstaltung abgeschätzt werden kann.

Das Präsidium wünscht sich eine rege Beteiligung und möglichst viel Interesse am Verlauf dieser Entwicklung. An ihrem Ende werden wir strategische Ziele haben, die als Überarbeitung des Kompass 2020 zu verstehen sind. In den nur wenigen Jahren, die seit der Konzeption des Kompass’ vergangen sind, ist der Verein auf jeder Ebene stark gewachsen: Das betrifft die Zahl der Mitglieder, die Höhe der Spendenmittel, die damit möglichen Aufgaben und der entsprechenden personellen Ressourcen.  Das alles bedeutet für WMDE veränderte Rahmenbedingungen. Und deshalb brauchen wir angepasste Ziele.

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Vielfalt Gestalten!

Wikimedia Diversity Conference – am 09. und 10. November in Berlin

Aufmerksame Menschen mögen es beim Betrachten des Vereinskalenders von Wikimedia Deutschland oder auf Meta schon bemerkt haben: Am 09. und 10. November 2013 wird Wikimedia Deutschland mit der Unterstützung von Wikimedia Nederland, UK und der Foundation eine Konferenz zu Diversität in den Wikimedia-Projekten durchführen.

Foto: Andrés Nieto Porras
CC by SA 2.0 via Wikimedia Commons

 

Ziel ist es den Dialog über Diversität – die unterschiedlichen Dimensionen und möglichen Auswirkungen – zusammen mit den Wikimedia Ländervertretungen, den Communitys, der Wikimedia Foundation und weiteren Interessierten, zu etablieren und ein gemeinsames Verständnis darüber zu entwickeln, was Diversität in den Wikimedia-Projekten bedeutet.

Die bereits bestehenden Projekte können diskutiert und neue Initiativen vorgestellt werden.

 

Ein Schwerpunkt der Konferenz wird das Thema Geschlechtervielfalt sein. In der Vergangenheit gab es Stimmen, die die Konzentration von WMDE auf lediglich einen Aspekt von Diversität kritisch gesehen haben. Denn auch viele andere Diversitätsaspekte können dazu führen, dass Menschen sich nicht an Wikimedia-Projekten beteiligen. Die Konferenz wird viel Raum bieten, den Blick auch für weitere Dimensionen von Diversität zu weiten.

 

Jede und jeder kann sich an der Programmerstellung beteiligen

 

Wikipedianerinnen und Wikipedianer, Wikimedianerinnen und Wikimedianer, Interessierte und Expertinnen und Experten laden wir herzlich dazu ein, sich an der Programmerstellung zu beteiligen. Eure Wünsche und Vorschläge könnt Ihr auf der Konferenzseite eintragen.

 

Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei und es wird Stipendien geben, die sowohl Reise- als auch Unterkunftskosten beinhalten, die im Rahmen der offiziellen Registrierung ab Mitte August beantragt werden können.

 

Und hier nochmal alle Infos im Überblick:

 

Das Organisationsteam könnt Ihr per Mail oder über Meta-Wiki kontaktieren. Auch könnt Ihr Euch gerne direkt an Julia per Mail wenden.

 

Wir freuen uns auf Euch in Berlin!

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Ihr habt gewählt! Der Wahlprüfsteineserviervorschlag zur Bundestagswahl

In der vorvergangenen Woche baten wir die Leser der Mailingliste des Vereins Wikimedia und Wikipedianer auf der Diskussionsseite des Kuriers um die Beteiligung an einer Umfrage. Wir wollten herausfinden, wie die Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl aufgebaut werden sollen, welche Themen sie umfassen sollen und welche Form sie haben sollten. Dank gilt den 51 Teilnehmern an der Umfrage und die nach unserer Einschätzung aussagekräftigen Ergebnisse. Mehrheitlich gewünscht war ein Fragenkorpus von 10 bis 14 Fragen, es sollen alle zur Wahl zugelassenen Parteien angeschrieben werden. Die Mehrzahl der Antwortenden bat um Fragen zur konkreten Umsetzung bzw. Begründung bestimmter Positionen mit hoher Konkretisierung.

Insbesondere die Themenpriorisierung lädt ein zu einer kleinen Visualisierung.

Die Rangliste der vorgeschlagenen Themen, sortiert nach Priosierung „sehr wichtig“ bzw. „sehr wichtig“ + „wichtig“.

Wir präsentieren daher nun unseren Entwurf für die Wikimedia-Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl. Wir wollen die finale Fassung zu Beginn der kommenden Woche an alle zur Wahl zugelassene Parteien schicken und bitten darum um Feedback, Vorschläge zur Verbesserung, allgemeine Kritik und alle sonstigen Hinweise. Es wurden insgesamt 11 Fragen, die jeweils aus einem der höchstgerankten Themen stammen. Bei zwei hochgerankten Themen (Geodaten und Verwaiste Werke) schlagen wir vor, keine Frage zu stellen, da nach den Gesetzgebungsaktivitäten der ablaufenden Legislaturperiode vorerst keine Reform- oder Änderungsdebatten zu erwarten sind und frühestens mit der Evaluation der Richtlinie zu Verwaisten Werken wieder eine solche Debatte auf breiterer Ebene geben wird. Zu diesem Vorschlag bitten wir um Euer Feedback.

Bitte verwendet dazu gerne den Kommentarbereich dieses Blogs oder schickt eine Email an: mathias.schindler@wikimedia.de. Danke.

Wahlprüfsteine Bundestagswahl 2013


Thema 1: Urheberrecht

Amtliche Werke

Artikel 2 Absatz 4 der Revidierten Berner Übereinkunft (RBÜ) erlaubt es den Vertragsstaaten, den Schutz amtlicher Texte zu bestimmen. Die derzeitige Fassung des §5 UrhG bestimmt, dass in Deutschland ein bestimmter Teil amtlicher Werke keinen Schutz genießt.

Frage 1: Befürworten Sie die Ausweitung des §5 UrhG auf alle amtlichen Werke?

Reproduktionen

In der Regel endet der urheberrechtliche Schutz kreativer Güter 70 Jahre nach Tod des Urhebers. Teilweise finden Versuche statt, den urheberrechtlichen Schutz eines Werks über seine vom Gesetzgeber vorgesehene Frist zu strecken, indem z.B. auf originalgetreue Reproduktionen zweidimensionaler gemeinfreier Vorlagen ein urheberrechtlicher Schutz nach §72 UrhG behauptet wird.

Frage 2:  Sehen Sie gesetzgeberischen Bedarf zur Klarstellung, dass durch simple Reproduktion eines gemeinfreien Werks keine neuen Rechte entstehen?

Panoramafreiheit

Das deutsche und viele andere nationale Urheberrechtsgesetze kennen die Schranke der Panoramafreiheit, welche es erlaubt Abbildungen von Werken, die sich bleibend an öffentlichen Plätzen befinden, zu vervielfältigen und zu verbreiten.

Frage 3: Wird sich eine Bundesregierung unter Ihrer Beteiligung auf europäischer Ebene dafür einsetzen, die in der Infosoc-Richtlinie (Richtlinie 2001/29/EG) verankerte Panoramafreiheit zum Zwecke der Harmonisierung obligatorisch statt wie bisher fakultativ zu machen?

Verwaiste Werke

In der abgelaufenen Legislaturperiode hat der Deutsche Bundestag die EU-Richtlinie zu Verwaisten Werken (Richtlinie 2012/28/EU) in nationales Recht überführt.

Wir stellen keine Frage, weil nach unserer Einschätzung in der kommenden Legislaturperiode noch nicht zu einer Reformdebatte kommen wird.

Thema 2: Zugang

Informationsfreiheits- und Transparenzgesetze

Seit 2006 existiert in Deutschland ein Informationsfreiheitsgesetz auf Bundesebene, das dem einzelnen Bürger den Zugang zu Informationen im Besitz der Verwaltung ermöglichen soll. 2012 erfolgte die Veröffentlichung der Evaluation des IFG.

Frage 4: Befürworten Sie die Modernisierung des Informationsfreiheitsgesetzes des Bundes bzw. die Einführung eines Transparenzgesetzes des Bundes? Wenn ja, welche konkreten Eigenschaften soll ein solches Gesetz haben?

Open (Government) Data

Open (Government) Data bezeichnet die proaktive Freigabe von Rohdaten der Verwaltung zur beliebigen Nachnutzung durch Dritte. Ausgenommen sind Daten, die aus datenschutzrechtlichen oder Geheimhaltungsgründen geschützt werden müssen. Eine Auflistung allgemein akzeptierter Kriterien für Open Data liefert die Sunlight Foundation in ihren Ten Principles for Opening Up Government Information (http://sunlightfoundation.com/policy/documents/ten-open-data-principles/)

Frage 5: Sprechen Sie sich für den Regelbetrieb des Portals govdata.de aus? Welche Fortführungsperspektive sehen Sie für Open Data-Portale des Bundes?

Geodaten

2011 und 2012 änderte der Bundestag das Geodatenzugangsgesetz (GeoZG), bzw. erließ die Bundesregierung die Geodatennutzungsverordnung (GeoNutzV), die die freie Nachnutzbarkeit von Geodaten des Bundes regelt. Wir stellen daher dieses Mal keine Wahlprüfsteinfrage, weil es derzeit keinen Anlass für Reformdebatten gibt.  Als nächstes geht es um die  Geodaten der Länder (von denen es deutlich mehr gibt). Siehe dazu die Geodaten-Fragen in unseren Landtagswahlprüfsteinen.

Thema 3: Netzpolitik

Netzneutralität

Netzneutralität umfasst unter anderem die Gleichbehandlung von Daten im Internet ohne Benachteiligung oder Bevorzugung bestimmter Diensteanbieter. Vor einigen Monaten kündigte ein großer Serviceprovider an, verstärkt durch Verträge über managed services einzelne Dienste in der Übertragung zu priorisieren.

Frage 6:  Sehen Sie im bestehenden § 41a TKG eine hinreichende Grundlage, um über eine Verordnung Regeln zur Sicherung der Netzneutralität aufzustellen? Wenn ja, wie sollen diese Regeln aussehen? Wenn nein, welche Änderung des TKG schlagen Sie vor?

Netzsperren

Zum Anfang der Legislaturperiode kam es zuerst zur Nichtanwendung, später zur Aufhebung des noch jungen Zugangserschwerungsgesetzes. Gleichzeitig wurde über die Errichtung von Netzsperren im Rahmen der Regulierung von Glücksspiel oder zum Jugendmedienschutz diskutiert. Unterschiedliche Formen der Sperrung von Netzzugängen sind ebenfalls Thema in internationalen Verhandlungen, unter anderem zur Durchsetzung von Immaterialgüterrechten.

Frage 7:  Wie beurteilen Sie den Erfolg der  nach der Aufhebung des Zugangserschwerungsgesetzes im Dezember 2011 durch die Bundesregierung beschlossenen Strategie “Löschen statt Sperren”? Fallen Ihnen Arten von strafbaren oder unerwünschten Inhalten ein, deren Zugang Ihrer Ansicht nach durch technische Hürden erschwert werden soll?

Datenschutz / Digitale Privatsphäre

Spätestens seit 2007 werden zumindest im Rahmen des NSA-Projekts XKeyscore auch (in internen Präsentationen wird dies hervorgehoben) Lesevorgänge in Wikipediaartikeln überwacht. Die Internetverkehrsdaten dazu stammen aus mehr als 150 Netzknoten, darunter solchen in Europa, inklusive Deutschland. Nach Presseinformationen wurde auch deutschen Behörden der Zugriff auf XKeyscore gewährt.

Frage 8:  Wird eine Bundesregierung unter ihrer Beteiligung die gesetzlichen Vorgaben (beispielsweise im BKAG, BVerfSchG, BNDG) dahingehend ändern, dass es deutschen Behörden untersagt wird,  Lesezugriffe auf Wikipedia durch Bürger zu überwachen?

Thema 4: Bildung

Open Access

Open Access bei wissenschaftlichen Texten bezieht sich auf ein Lizenzierungs- und Veröffentlichungsmodell, das den kostenfreien Zugang und bestimmte Formen der legalen Weiternutzung und Verbreitung gestattet.

Frage 9:  Wie beurteilen Sie den aktuellen Zugang der Allgemeinheit auf Forschungsergebnisse und Publikationen, die direkt oder indirekt mit staatlicher Unterstützung erstellt wurden? Befürworten Sie gesetzliche oder andere Maßnahmen, den legalen, dauerhaften Zugang zu verbessern?

Kulturelles Erbe

Seit November 2012 ist eine Vorschauversion der “Deutschen Digitalen Bibliothek” (DDB) online, die anteilig von Bund und Ländern finanziert wird. Das Portal ist als deutscher Beitrag zum europäischen Vorhaben Europeana gedacht und aggregiert derzeit noch eine verhältnismäßig kleine Zahl an Kataloginhalten und Vorschaubildern aus deutschen Kultureinrichtungen. Im Gegensatz zu Europeana gibt es keine Verpflichtung für teilnehmende Einrichtungen, die Objektmetadaten oder gar die Objekte selbst zur Nachnutzung freizugeben.

Frage 10:  Befürworten Sie die Einführung eindeutiger Vorgaben zur freien Lizenzierung aller digitalen Objekte im DDB-Bestand statt wie bisher nur die optionale Freigabe der entsprechenden Objektmetadaten?

Open Educational Resources

Open Educational Resources (OER) sind der allgemeine Begriff für solche Lehrinhalte, die von ihren Rechteinhabern zur Nachnutzung freigegeben worden sind und legal auch von Dritten verbreitet, modifiziert und veröffentlicht werden dürfen. Im Juni 2012 veröffentlichte die UNESCO in ihrer Pariser Erklärung die Aufforderung an Mitgliedsstaaten, OER-Strategien zu entwickeln und umzusetzen.

Frage 11:  Welche konkreten – die Prinzipien des Föderalismus berücksichtigenden –  Maßnahmen wird eine Bundesregierung unter Ihrer Beteiligung durchführen, um die Erstellung und Verbreitung von Lehr- und Lernmitteln unter Freier Lizenz (OER) im Bildungsbereich zu fördern?

 

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